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26. Februar 2008

Wolfgang Böhmer redet über Kindstötung

von @ 0:12. abgelegt unter Kriminalistik, Deutschland, Politik, CDU, Wolfgang Böhmer

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, hat es bisher unauffällig geschafft, sich als schwarzer Ministerpräsident am Parteibuch weitgehend vorbeizumogeln. Das kann man durchaus als Kompliment verstehen. Der Schaukampf gegen den grassierenden Rechtsextremismus in Sachsen-Anhalt war zum Glück stets Sache des Innenministers. Und niemanden interessiert es trotz der schechten Vorbildwirkung wirklich, ob er, wenn er wieder mal zu schnell mit dem Auto fährt, deswegen das Leben von Menschen gefährdet. Einem Mediziner, der mit lange Jahre mit der Rettung von Leben beschäftigt war, sei diese Schwäche ungenannt verziehen.

Dem Focus hat Wolfgang Böhmer nun jedoch höchstpersönlich ein Interview gegeben, das Konsequenzen haben muss.

Vorausgeschickt gehört zu dem Interview von Wolfgang Böhmer sicherlich die Information, dass der Ministerpräsident früher als Gynäkologe die Entbindungsstation eines Krankenhauses leitete und deshalb durchaus Experte ist. Und vom Parteibuch sei vorausgeschickt, dass ein Ministerpräsident, der einen falschen Gedanken ausspricht, allemal angenehmer ist, als einer, der öffentlich aalglatt ist, aber genauso handelt und heimlich im Kämmerlein das gleiche denkt. Das Interview selbst scheint online bisher nicht verfügbar zu sein, aber der Focus schreibt über das Interview folgendes:

Die ungleich höhere Zahl von Kindstötungen sei eine Folge des in der DDR seit 1972 erlaubten Schwangerschaftsabbruchs bis zur 12. Woche. „Die Frauen entschieden, ohne sich auch nur einmal erklären zu müssen“, sagte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, dem FOCUS. Diese Mentalität wirke bis heute nach. Die Kindstötung von Neugeborenen sei offenbar für manche Frauen „ein Mittel der Familienplanung“.

Das kann man eindeutig so verstehen, als dass der christdemokratische Ministerpräsident hier behauptet, ostdeutsche Frauen neigen aufgrund ihrer noch in großen Teilen vorhandenen sozialistischen weltanschaulichen Prägung eher zum Babymord. Um zu begreifen, was das für ein Vorwurf ist, muss man die Geschichte des Vorwurfs des Kindsmordes kennen. Mit der Lüge, die Muslime von Jerusalem neigten zum Kindsmord, begannen vor mehr als 900 Jahren die Kreuzzüge. Und dieses Motiv kehrt bis heute immer wieder zurück. Vor wenigen Jahren noch wurde der erste Irakkrieg mit der Lüge begründet, Iraker würden Kinder im Krankenhaus von Kuwait morden.

Der Leiter des Kriminologischen Instituts in Niedersachsen, Christian Pfeiffer, springt Wolfgang Böhmer bei seiner “Wertetheorie” sogar noch explizit zur Seite:

„Ein Denkverbot, wonach die Wertehaltung keine Rolle spielt, darf es nicht geben. Die Wertefrage muss in die Forschung mit einbezogen werden – auch wenn das manche Teile der Bevölkerung angreift“

Genauso gut könnte man fragen, ob Juden, Muslime oder Christen aufgrund ihrer Wertehaltung besonders zu Kindsmord neigen. Da ist man dann bereits mitten in den Forschungen des Mediziners Otmar Freiherr von Verschuer, der unter anderem untersucht hat, ob kriminelle Neigungen vererbbar seien, dabei auch keinerlei Denkverbote kannte und der in Josef Mengele einen willigen Helfer hatte. Das ist in keiner Weise tragbar. Und es ist obendrein noch ideologisch eingefärbt.

Denn ganz zufällig wird nur untersucht, ob der Sozialismus eine Weltanschauung von Kindsmördern sei, jedoch ein anderes Kapitel in der Geschichte des Kindsmordes unterschlagen. Es gibt keinerlei Bestrebungen, aufzuklären, ob das Christentum eine Religion sei, die Kindsmord in besonderer Weise begünstige. Anhaltspunkte gäbe es auch da genug, aber die werden so schnell verdrängt, dass sie gar nicht erst diskutiert werden. Man findet trotzdem noch Forenbeiträge wie diesen hier:

Es wurden auch in Klöstern in den gängen zwischen Mönchs und nonnen klöstern, Babyleichen ausgegraben…ist ja wohl klar woher die kommen. Na ja gut wenn die Kirche so weiter macht verliert sie viele von ihren Mitgliedern.

Wenn der christdemokratische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer Kindstötung von Neugeborenen erforschen möchte, dann könnte er sich zum Beispiel mal untersuchen, ob es einen Tunnel zwischen den Klöstern der Franziskaner vom heiligen Bonifazius und der barmherzigen Schwestern in der katholischen Stadt Fulda gibt. Und wenn er den Tunnel dann gefunden hat, dann könnte der christdemokratische Ministerpräsident auch mal nachschauen, was man darin finden kann. Übrigens, das Thema wurde in der Lokalpresse von Fulda in den 90er Jahren schon mal ganz am Rande thematisiert. Komisch, dass da niemand auf die Idee gekommen ist, medienwirksam zu untersuchen, ob das Christentum eine Weltanschauung von Kindsmördern sei.

Quintessenz: Wenn die Äußerung von Wolfgang Böhmer eine ehrliche Expertenmeinung des Mediziners Wolfgang Böhmer gewesen sein sollte, dann wäre es nun höchste Zeit für den Ministerpäsidenten Wolfgang Böhmer, offen zu sagen, dass sein Gedanke saudumm war. Kommt diese Entschuldigung und das Eingeständnis, unfassbar blödes Zeug gequatscht zu haben, nun nicht, so muss man davon ausgehen, dass die Äußerung des Mediziners Wolfgang Böhmer das politische Kalkül des christdemokratischen Ministerpräsidenten war, der damit die nichtsnutzige amerikanische Endlosdebatte Pro-Life contra Pro-Choice nach Deutschland holen und Konfessionslose diskreditieren will. In diesem Fall wäre alles andere ein Rücktritt von Wolfgang Böhmer untragbar.

Nachtrag 26.02.2008: Es ist also doch eine gezielte Kampagne der Kirche mit der altbekannten Kindsmordslüge. Der MDR berichtet: “Dem Schweriner Weihbischof Norbert Werbs zufolge könnte die abnehmende Bedeutung der Religion eine Ursache für das gehäufte Auftreten von Kindstötungen sein. Wenn das Christentum verschwinde, liege der Verdacht nahe, dass auch die Ehrfurcht vor dem Leben schwinde.” Damit bleibt Wolfgang Böhmer nur noch der Bruch mit der Kirche oder der Rücktritt.

Nachtrag 28.02.2008: Böhmer entschuldigt sich im Landtag

3 Kommentare zum Beitrag “Wolfgang Böhmer redet über Kindstötung”

  1. Silberling sprach

    Tja, da kann man mal sehen, was die Sachsen für Nieten zu Ministerpräsidenten machen. Seine Äußerungen sind großer Schwachsinn, mehr ist dazu nicht zu sagen. Der Mann hat null Ahnung was das Kinderbetreuungsnetz in der DDR angeht.

    NULL, und diese Null tendiert ganz stark zum Minus.

  2. Redaktion sprach

    Schwer zu glauben, dass Wolfgang Böhmer Null Ahnung haben soll, was das Kinderbetreuungsnetz in der DDR angeht. Schließlich ist er kein Importpolitiker, sondern hat sein Leben in der DDR verbracht.

    Nach der jüngsten Unterstützung durch Kirchenkreise sieht es tatsächlich eher nach einem Kalkül aus, seinem politischen Gegner eine Tendenz zu Kindstötungen andichten zu wollen.

    PS: Wolfgang Böhmer ist nicht Ministerpräsident von Sachsen, sondern von Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.

  3. Klaus Krüger sprach

    es ist vollkommen egal, wo dieser herr mp ist und wo nicht. er kann mit dem proletenhassenden ex-general schönbohm ein joint-venture gründen, das sich damit befaßt herauszufinden welche weltanschauung die kindstötung mehr oder welche weniger befördert. ==> das war ein witz. jagt diesen offenbar funktionsblöden und/oder altersstarrsinnigen mann in die wüste, denn die abgeordnetenrente hat der doch nicht nötig.

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