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5. Februar 2008

Gruß aus der Realität

von @ 17:51. abgelegt unter Deutschland, Wirtschaft, Wirtschaftskriminalität

Nachdem die Wirtschaftswoche Anfang Januar noch mit PR statt Journalismus aufgefallen ist, hält Melanie Bergermann nun für die Wirtschaftswoche die Flagge des Journalismus hoch und schreibt im Artikel “Bankberater packen aus: “Ich habe Sie betrogen”“, dass in deutschen Banken inzwischen Zustände wie in einer Drückerkolonne herrschen.

Ein bemerkenswerter Gruß aus der Realität sind auch die Kommentare von Lesern zum Artikel. So schreibt jemand unter dem Pseudonym “Ausgeschiedener”:

Eigentlich muesste aufgrund ihres Artikels die Staatsanwaltschaft einschreiten. Es geht um Noetigung und Erpressung von Mitarbeitern und Betrug am Bankkunden. Das was sie ermittelt haben, laesst sich auch fuer den Staatsanwalt ohne Probleme ermitteln. Man muss nur die “Verkaufsaktionen” der letzten 2 Jahre einsehen und einige E-Mails von “Verkaufsleitern” an deren Mitarbeiter einfordern. Aber hier scheuen sich wohl unsere Herren Staatsanwaelte. Die Banken haben eben doch eine Macht. Fuer was gibt es eigentlich eine Bankenaufsicht?

Darauf antwortet jemand mit dem Pseudonym Ex-Banker:

Die Bankenaufsicht ist zum Schutz der Banken da.
Nicht zum Schutz des Kunden.
Ist nun alles klar?

Mein Parteibuch würde da auch noch die kompetenten Mitarbeiter der BaFin erwähnen wollen.

Bemerkenswert ist auch ein Kommentar von “Cäsar”:

Medienfonds, die früher von vielen Banken wegen der 15-20%igen Provision gerne verhökert wurden, erweisen sich heute oft als krimi-nelle Vereinigungen, die die Gelder der Anleger durch ein internatio-nales Netzwerk absaugen und unterschlagen. Hier spielen auch Initiatoren wie Hannover Leasing, LHI Kaledo, Mat und GFP eine unrühmliche Rolle. In vielen Fällen wird die spätere Liquidation (=Totalschaden) langfristig und vorsätzlich geplant. Die Gerichte in Deutschland sind bisher nicht in der Lage, solche Täter zu überführen.

Angemerkt sei dazu noch, dass Gerichte in Deutschland wenig Interesse haben, solche Täter zu überführen, denn dann würden Banken ja womöglich auch haftbar für die von ihnen wider besseren Wissens wegen der schönen Provision vertriebenen Schrottimmobilien und Junkbonds gemacht werden. Und das könnte dann den Zusammenbruch von Banken bedeuten. Und das will in Deutschland natürlich kein Politiker und kein Richter. Schon gar nicht der völlig unparteiische Vorsitzende Richter des Bankensenats beim BGH, Gerd Nobbe.

8 Kommentare zum Beitrag “Gruß aus der Realität”

  1. Perspektive2010 sprach

    Die Bankenaufsicht ist zum Schutz der Banken da.
    Nicht zum Schutz des Kunden.
    Ist nun alles klar?

    Ist genauso wie bei Anwaltskammern, die sind auch zm Schutz der Anwälte vor einer Institution da, die den Verbraucherschutz ernst nehmen würde.

    Gruß

    Alex

  2. Andreas sprach

    Geiler Faschismus,wa ey ?!

  3. Heiko sprach

    Moin.

    Yo man! Wenn die Feuerwehr das Feuer abwehrt, was wehrt die Bundeswehr ab? Welche Banken beaufsichtigt folglich die Bankenaufsicht? Parkbänke!? Nichts Neues in Deutschland.

    Wie wäre es, wenn man alles etablierte abwählt? Demnächst stehen Wahlen an, bewegt euren Arsch zur gefälligst zur Urne. Wenigstens dieses Minimum an demokratischer Mitbestimmung solltet ihr Wahrnehmen.

    Positiv an den letzten Wahlen war halt, dass solche Spinner wie man sie bei PI gebündelt findet, keinerlei wesentliche Wählermenge aufbringen können. Schwesterwelle mahnte an, dass die Linke ihre Wählerschaft mobilisieren konnte. Warum die Gelben aber seit Menschengedenken nicht aus dem Arsch kommen, darüber grint der Oberliberale nur und schweigt.

    Die Partei der Zahnärzte und RAs wurde erst gar nicht gewählt; die Schwarzen haben abgelosert und den Sozen erging es auch nicht besser. Die Grünen werden eh’ nur Ehefrauen gewählt, deren bessere Hälfte ein sorgenfreies Einkommen bringt. Einzig zugelegt haben die Nichtwähler. Und genau hier liegt ein wesentliches Problem.

    Ist es so? Lebt irgend jemand in einer anderen Realität? (Ist die besser? Beschreibt mir bitte, wie es sein könnte.)

    Grüße.

    P.S.

    Wegen Faschismus gugd ihr hier: http://de.wikip...wiki/Faschismus

  4. Peterle sprach

    Das blöde ist halt diese staatstragende Funktion der Banken. Wenn ein Dönerproduzent dicht gemacht wird, kein Problem, gibt ja noch andere. Sowas wie die Hypovereinsbank kann man in Deutschland nicht mal eben aus ziviler Haftung wegen Ergaunerung betrügerischer Dauerschuldverhältnisse “dicht machen”, wegen der Angst vor unvorstellbaren Konsequenzen… Die Folge ist, dass Erfolg und Duldung krimineller Praktiken in der Branche Schule machen: Wenn ein Dönerproduzent trotz Gammelfleisch einfach weiter machen dürfte, hätte dies natürlich auch einen Effekt auf das Verhalten der anderen Dönerproduzenten.
    Zock und Nepp zu legitimen Instrumenten des Verteilungskampfes zu definieren und einfach weitere staatstragende Institutionen zu privatisieren, gewinnt unter diesem Kontext ein sehr pragmatisches Selbstverständnis.
    Schon Honecker wusste, wie man lange an der Macht bleiben kann: Vorwärts immr, Rückwärts nimmr!

  5. otti sprach

    Die Realität: Rendite, Rendite und nochmals Rendite.

    Der Mensch bleibt auf der Strecke.

  6. mein-parteibuch.com » Warum Lehmann Brothers? sprach

    […] zaghafter Hinweis kam nun von Jochen Sanio, seines Zeichens Chef der lächerlichen deutschen Finanzaufsicht BaFin. Von dem durch die Lehmann-Pleite zwischenzeitlich angenommenen 365-Milliarden-Dollar-Schaden […]

  7. mein-parteibuch.com » Emittentenrisiko sprach

    […] Moral von der Geschicht: trau keinem Banker nicht. [Trackback URI]    […]

  8. Emittentenrisiko | Radio Utopie sprach

    […] Moral von der Geschicht: trau keinem Banker nicht. (Quelle: Mein Parteibuch) Bookmarken Sie diesen Artikel in den diversen […]

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