Die Bundeszentrale für politische Bildung, kurz bpb, schreibt auf ihrer Webseite:
Mit seiner Äußerung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, sorgte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2005 weltweit für Empörung.
Diese Äußerung, die angeblich auf der Holocaust-Konferenz - oder je nach Standpunkt Holocaust-Leugner-Konferenz - im Oktober 2005 gefallen sein soll, wurde von einem großen Teil der Milliardärspresse als Beleg dafür genommen, dass Mahmud Ahmadinedschad plane, Israel anzugreifen. Ein ungenannter Autor interpretierte Mahmud Ahmadinedschad beispielsweise im Spiegel wie folgt:
Er kündigte die Zerstörung des Staates durch palästinensische Anschläge an.
Zu der Frage, was Mahmud Ahmadinedschad wirklich gesagt hat, gab es jedoch eine sehr lebhafte Diskussion. Jonathan Steele meint dazu - übersetzt von Arbeiterfotografie - folgendes:
Doch die Formulierung ist falsch, ganz einfach und simpel. Ahmadinedschad hat sie nicht ausgesprochen. Farsi Sprechende haben dargelegt, daß er falsch übersetzt worden ist. Der iranische Präsident hat eine frühere Äußerung des ersten islamischen Führers, des späteren Ayatollah Khomeini, zitiert, daß “das Besatzungsregime von Jerusalem von den Seiten der Geschichte verschwinden müsse”, so wie das Schah-Regime im Iran verschwinden musste. Er hat keine militärische Drohung ausgesprochen.
Selbst die Lobbyorganisation MEMRI, die vom ehemaligen israelischen Militärgeheimdienstoffizier Yigal Carmon geleitet wird und bisher - vorsichtig ausgedrückt - nicht gerade durch übermäßig iranfreundliche Darstellungen aufgefallen ist, hat die Auffassung vertreten, dass Mahmud Ahmadinedschad - in dem zitierten Satz auf der Konferenz im Oktober 2005 - das Wort Landkarte tatsächlich nicht gesagt hat.
Das kann man nun beispielsweise auch so wie kreativrauschen interpretieren:
Man sieht sofort, dass die Aussage nicht gegen das Land Israel oder seine Bevölkerung gerichtet ist. Es wird nur das Regime angesprochen, also die israelische Regierung. Ebensowenig wird irgendeine direkte Handlung (z.B. Krieg) angedroht.
Mahmud Ahmadinedschad ist als Regierungschef eines Landes, in dem Homosexuelle mit der Todesstrafe rechnen müssen, sicher nicht gerade das, was man landläufig sympatisch nennt. Auch ist die Meinung, ihn als Antisemiten zu bezeichnen, sicher nicht gänzlich abwegig. Ihm per Falschzitat militärische Angriffslust zu unterstellen, ist jedoch trotzdem brandgefährlich, weil eine solche Desinformation dazu geeignet, erneut einen - wie üblich - auf falschen Informationen basierenden Krieg herbeizuführen.
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann haben deshalb der Bundeszentrale für politische Bildung am 17.01.2008 vor ein paar Tagen eine E-Mail geschrieben und sie auf ihren Missgriff aufmerksam gemacht, beziehungsweise - es könnte ja sein, dass Mahmud Ahmadinedschad den Satz im Oktober 2005 eben doch gesagt hat - um eine Quellenangabe für das Zitat gebeten. Heute ist auf Steinbergrecherche zu lesen, dass die Bundeszentrale für politische Bildung es bisher nicht für nötig befunden hat, auf die E-Mail zu antworten oder das Dossier über Antisemismus, das vor allem Lehrern als Unterrichtsmaterial dienen soll, zu korrigieren. Mein Parteibuch schlägt der Bundeszentrale für politische Bildung hiermit vor, weiterhin nicht zu reagieren, und sich stattdessen einfach nur in Bundeszentrale für politische Desinformation umzubennen.
PS: Bemerkenswert ist auch die Seite der bpb, auf der “Hurra, wie kapitulieren.” von Schmock Henryk M. Broder angeboten wird, in er die Abkehr von rechtsstaatlichen Mitteln propagiert:
Die Vorstellung, ein Unschuldiger könnte jahrelang festgehalten werden, ist ein Albtraum. Andererseits übersteigt die Idee, man könnte dem Terror nur mit rechtsstaatlichen Mitteln beikommen, die Grenze zum Irrealen. Es ist, als ob man die Feuerwehr auffordern würde, sich bei ihren Einsätzen an die Straßenverkehrsordnung zu halten und auf keinen Fall eine rote Ampel zu überfahren.” Henryk M. Broder: Hurra, wir kapitulieren. Von der Lust am Einknicken. Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 616, S. 124
Angesichts der Verbreitung dieser Äußerung darf sicher die Frage erlaubt sein, ob die bpb sich zur verfassungsmäßigen Ordnung in Deutschland bekennt. Die bpb schreibt dazu:
“Dabei geht es Broder in erster Linie um den Erhalt der Meinungsfreiheit – für ihn Kern der Aufklärung und der Demokratie.”
Wer schon mal Post von Broders Rechtsanwälten Katy Ritzmann und Norman Nathan Gelbart von SKWLAW mit der Aufforderung zur Löschung von ihn kritisch betrachtenden Inhalten im Internet bekommen hat oder von ihm verklagt wurde, mag auch an der generellen Richtigkeit dieser Aussage erhebliche Zweifel haben.
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Soll man jedes Wort von Broder ernst nehmen? Nein!
Wer Terror mit Folter beantwortet, hat nichts von der Unantastbarkeit menschlicher Würde verstanden, was aber in Hartz-IV-Land nicht verwundert.
[…] mein-parteibuch.com wrote an interesting post today on Bundeszentrale für politische DesinformationHere’s a quick excerpt Die Bundeszentrale für politische Bildung, kurz bpb, schreibt auf ihrer Webseite: Mit seiner Äußerung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, sorgte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2005 weltweit für Empörung. […]
Die Bpb hat wohl nicht behauptet, Ahmadinedjad hätte einen Krieg gegen Israel angedroht. Aber wie man seine Äußerungen auch interpretiert ist ziemlich klar, dass er das Verschwinden des 1948 gegründeten jüdischen Staates von der Landkarte fordert und profezeit, und dass es damit übereinstimmend eine iranische Politik der Förderung besonders radikal und gewalttätig in diese Richtung arbeitender Gruppierungen wie Hamas, Hizbollah etc gibt. Ich halte es eher für spitzfindig und desinformativ, hieran aufgrund von irgendwelchem angeblichem Farsi-Wortverständnis herumdeuteln zu wollen.
Man könnte sich vielleicht fragen, ob Ahmadinedjad mit seiner Haltung wirklich aus dem Rahmen fällt, denn mit der Existenz Israels haben ja auch “gemäßigte Moslems” wie Tariq Ramadan gezeigt mit ihrem Boykott der Turiner Buchmesse gezeigt, und kaum ein islamischer Staat pflegt diplomatische Beziehungen zu Israel. Ahmadinedjad scheint einfach nur ein wenig unverblümter das auszusprechen, was die meisten dort denken (aber einige Regierungschefs aus Rücksicht auf USA, UN etc nicht so offen sagen), um sich so zum Führer der Region aufzuschwingen.
Die von Ahmadinedjad in der Farsi-Version angeblich getroffene Unterscheidung zwischen “Regime” Israels und einer angeblich friedfertigeren Bevölkerung spricht ja auch Bände. Das “zionistische Regime” kann nur dann verschwinden, wenn die jüdische Bevölkerung vertrieben oder verdrängt wird, denn mit “Zionismus” wird aus heutiger Perspektive ja nichts als deren nackter Überlebenswille bezeichnet. M.a.W. die Farsi-Version bestätigt, dass A. auf die Auslöschung des jüdischen Staates und seiner Basis, des dort wohnenden jüdischen Volkes, hinarbeitet. Die Behauptung, dieses Geschäft werde ganz von selbst von der Geschichte besorgt und der Gegner pfeiffe schon aus dem letzten Loch, ist eine obligatorische Formel. Wieder einmal bestätigt die Farsi-Version lediglich, dass Ahmadinejad nicht wörtlich sondern nur leicht verhüllt die Vernichtung Israels zum Ziel der iranischen Politik erklärt hat. Und anderes hat Bpb wohl nicht behauptet.
Den größten Teil des Zitates kann man so übersetzen, wie die bpb das getan hat. Muss man aber nicht. Von “Landkarte” hat Ahmedinejad jedoch - unbestritten - nicht gesprochen. Dass er das vielleicht gemeint haben könnte, kann man so interpretieren. Muss man aber nicht. Nur behauptet die bpb eben, er hätte “von der Landkarte tilgen” geäußert, und das ist schlicht und einfach falsch.
Das hätte die bpb nun einfach korrigieren können. Das macht sie aber nicht. Und damit betreibt die bpb bewusste Desinformation, in dem sie vorsätzlich eine falsche Tatsache verbreitet.
Der Unterschied ist wichtig, denn davon kann Krieg und Frieden abhängen. Genau deshalb gab es eine solch lebhafte Diskussion um das Zitat.
Vermutlich sind Institutionen wie Bpb auch zu behäbig und unfähig, neue kollaborative Medien zu nutzen. Man könnte fordern, von deren Etat ab sofort einiges für Initiativen wie Wikipedia abzuzweigen, die ja viel schneller reagieren und wahrscheinlich effektiv mehr zur politischen Bildung in Deutschland beitragen als die Bpb.
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[…] zu werfen und mit Massenvernichtungswaffen andere Länder angreifen zu wollen und Iraner beschuldigt, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen. Ob die Vorwürfe stimmen oder nicht, ist dabei […]
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