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25. Januar 2008

Platz an der Sonne

von @ 3:46. abgelegt unter Informationszeitalter, Euroweb, Wirtschaftskriminalität, Medienmanipulation

Vor kaum zwei Wochen orakelten Leser im Pottblog, woran es liegen mag, dass das neue Internetportal einiger NRW-Zeitungen der WAZ-Mediengruppe mit dem tollen Namen DerWesten es auf weniger Pageimpressions bringt als es die einzelnen Zeitungen auf ihren Einzelseiten ein Jahr zuvor geschafft haben. Die inhaltlich verantwortliche Katharina Borchert hat sich da auch zu Wort gemeldet und hauptsächlich technische Gründe für die mageren Besucherzahlen verantwortlich gemacht.

Unter den Stichworten NRZ, Düsseldorf und Wirtschaft findet sich da nun mit Datum vom 23.01.2008 ein Artikel von Birgit Klausmann, der einen ganz anderen Eindruck davon vermittelt, warum die Besucher ausbleiben.

Der Artikel mit Titel “Durchs Internet zum Sieg” fängt toll an:

Sebastian Schulz hat einen Platz an der Sonne. Es ist nicht allein der weiße Strandschirm über seinem Schreibtisch, sondern eher der rapide Aufstieg seines Unternehmens, der solche Assoziationen weckt.

Was dann kommt, zeugt für all diejenigen, die in den letzten zwei Jahren in der Blogwelt unterwegs waren, sicherlich von unfreiwilliger Komik:

Der 31-Jährige ist Web-Designer und Art-Director beim IT-Dienstleister Euroweb, einem jener Überflieger der Branche, die an die Erfolgsgeschichten aus dem Silicon Valley erinnern. Gegründet vor sieben Jahren, als die Naseweise der New Economy gerade ihren Dämpfer kassierten, gingen drei junge Männer an den Start, ausgerüstet mit solidem Marschgepäck: Christoph Preuß (36) ist Dipl.-Ing. mit dem Schwerpunkt Maschinenbau, Daniel Fratzscher (38) Dipl. Kaufmann und Amin El Gendi (40) Jurist.

Im weiteren Verlauf des Artikel wird weiter eine Lobeshymne auf eine tolle Internetfirma mt Namen “Euroweb” gesungen. Von Kritik fehlt im Artikel von Birgit Klausmann jede Spur. Warum auch? Und natürlich findet sich auch kein Hinweis auf die Referenzkundenmasche, für die die tolle Firma genauso berühmt ist wie für die Urkundenprozesse gegen “Kunden”, die sich hereingelegt fühlen. Wer Euroweb nicht kennt, darf mal nach Euroweb googlen. Bespielweise bei Google. Im Parteibuch Wiki gibt es auch einen schönen Artikel zu Euroweb. Zu Christoph Preuß auch. Und auch bei der Suche nach Amin El Gendi wird man im Parteibuch Wiki fündig.

Vermutlich ist das auch ein technisches Problem der Milliardärspresse. Und natürlich ist es schwer zu verstehen, dass Leser möglicherweise keine Lust auf eine journalistische Leistung haben, deren Ergebnis als plumpe Werbung für die Abzockerbude selbst in der Werbespalte noch peinlich aussehen würde. Warum sollte irgendjemand, angesichts solcher Leistungen, der WAZ und ihren zahlreichen Töchtern auch nur für zwei Cent über den Weg trauen oder auf der Plattform gar selbst Content einstellen?

Das sind die Gründe, warum sich - ehemalige - Leser mit Dingen wie Abo-Sharing und WAZ-freiem Stadtteilblogging beschäftigen und Journalisten neue Medien wie z.B. Ruhrbarone gründen.

4 Kommentare zum Beitrag “Platz an der Sonne”

  1. Peterle sprach

    HAHAHA! Investigativer Journalismus nach allen Regeln der Kunst! “Was geschrieben steht ist wahr.” ;)

  2. Bernd sprach

    Laß uns mal ein paar Bezeichnung sammeln:

    - Milliardärspresse
    - FOCUS, das politische SchnellKOCHbuch
    - Willfährigkeitspresse

  3. noob sprach

    Auch sehr lustig ist diese Pressemitteilung der Euroweb zum gleichen Thema. Übrigens ist die EW jetzt auch unter die Blogger gegangen, zu finden unter www.euroweb-blog.de

  4. Speedy Gonzales sprach

    Gleich und gleich gesellt sich gerne. Da gab es in den o.g. Medien einen Zeitungsbericht über den Besuch des Düsseldorfer Oberbürgermeisters in der Euroweb- Zentrale. Lobend solle er sich geäussert haben- im O-Ton:”Dieses innovative Unternehmen passt gut zu einer innovativen Stadt wie Düsseldorf.” Dass die Politiker der herrschenden Parteien genausowenig vor Betrug und Schwindel zurückschrecken, wie Euroweb, wen wundert es da, dass ein Politiker die Firma Euroweb in der Presse mit solchen Lobeshymnen besingt. Dubiose Geschäftemacher und dubiose Politiker- Gleíchgesinnte verstehen sich eben gut.

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