Katze

Mein Parteibuch BlogNo Copyright - Kopieren erlaubt

Ein Internet-Tagebuch mit Katzenbildern

[Mission Statement] [Krieg ist illegal]

[International]   [Headlines]   [Forum]   [Wiki]   [Ticker]   [Mitmachen]

16. Januar 2008

PR-Spaß mit Reputation Defender

von @ 4:55. abgelegt unter Recht und Unrecht, Wirtschaft, Zensur, Persönlichkeitsrechtsverletzung

Stellen Sie sich mal vor, jemand würde sich auf die Straße stellen und ihnen anbieten, für rund 50 Euro auf eine andere Person Ihrer Wahl einen Eimer kaltes Wasser zu kippen. Zum Vertrag gehört auch, dass der Eimer Wasser Sie selbst treffen könnte. Eine Garantie, dass der Eimer Wasser wirklich die andere Person und nicht Sie selbst trifft, wird nicht gegeben. Wie würden Sie auf so ein Geschäftsangebot reagieren? Möglicherweise würden Sie sich mit dem Finger an die Stirn tippen. Das wäre durchaus verständlich.

Wenn aber eine Firma mit Namen Reputation Defender im Kern genau diese Leistung anbietet, dann jubelt die Milliardärspresse, wie toll das Angebot ist. Der selbsternannte Internetzensor Reputation Defender hat nun mit einer E-Mail an Thomas Knüwer wegen eines Kommentars zu Victor A. Tiberius auch seinen ersten bemerkenswerten Einstand in Deutschland gegeben. Thomas Knüwer hat die E-Mail netterweise prompt veröffentlicht. Und der (ehemalige) Unternehmer und DFJV-Spezi Victor A. Tiberius, auch bekannt als Alexander Ralf Cyberski, darf sich nun genau wie Reputation Defender über einen netten Eintrag im Parteibuch Wiki freuen.

Auf der Webseite von Reputation Defender Inc heißt es: “Dann ENTFERNEN wir. Sie können jeden beliebigen Netz-Inhalt aus Ihrem Report auswählen, der Ihnen nicht gefällt. Hier beginnt unsere eigentliche Aufgabe.” Nun ja, die geschäfte würden vermutlich nicht so gut laufen, wenn Reputation Defender schreiben würde, dass sie jeden beliebigen Imageschaden locker verdoppeln.

Ängstliche Zeitgenossen mögen nun nach einer E-Mail von Reputation Defender vor Ehrfurcht erstarren. Das liegt dann wohl an der Psyche, denn die gerade erkämpfte Meinungsfreiheit wird diese Firma sicher nicht beseitigen. Wo richtige Buskeiten sich dank der internationalen Vernetzung des Internets die Zähne daran ausbeißen, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit abzuschaffen, wirkt die Bude eher wie eine Lachnummer. Falls noch jemand eine E-Mail von Reputation Defender bekommt, wo kritische Nachrichten entfernt werden sollen, bittet Mein Parteibuch um Nachricht, um die Inhalte spiegeln zu können. Wer wirklich irgendwo was peinliches gepostet hat, was niemand was angeht, sollte lieber selbst einfach mal freundlich drum bitten, dass das gelöscht wird.

Juristisch gesehen könnte so eine E-Mail möglicherweise als Abmahnung gewertet werden, so dass der Angegriffene schlechtere Karten beim Kampf um die Kosten in einem denkbaren nachfolgenden Verfügungsverfahren hat, falls es dazu ohne weitere anwaltliche Abmahnung kommt. Sollte man in einer E-Mail von Reputation Defender tatsächlich eine Abmahnung sehen, was man aber, insbesondere wenn da keine Frist enthalten ist, sicher nicht so sehe muss, dann könnte man auch geneigt sein, die Möglichkeit einer für Reputation Defender kostenpflichtigen Gegenabmahnung zu bejahen.

Lustig ist auch eine frisch eingerichtete Webseite unter der Domain reputation-defender.de, wo Interessenten Reputation Defender mit einem Formular beauftragen können. Für anständige Leute ist da zwar nichts zu holen, aber falls sich jemand mit der Preisangabenverordnung oder ähnlichen Kennzeichnungspflichten beim Verkauf von Leistungen im Internet auskennt, und großen Wert auf einen anständigen Wettbewerb liegt, könnte er bei reputation-defender.de womöglich fündig werden. Etwas merkwürdig mag da vielleicht wirken, dass im Impressum eine SERVIP Ltd., die, wie viele andere Abzockerbuden auch, eine Adresse in der 69 Great Hampton Street, Birmingham, England als verantwortlich drin steht. Dass Rechtsberatung die Kanzlei Beukenberg Rechtsanwälte aus Hannover machen soll, hilft da vermutlich wenig weiter. Hilfreicher ist da schon der auch bei Reputation Defender werbewirkam angebrachte Hinweis auf das Urteil der Zivilkammer 27 des LG Hamburg zum AZ 327 O 718/06, die es wie die Buske-Kammer ermöglicht, den Admin-C mitverantwortlich zu machen. Im Fall reputation-defender.de ist das ein Michael Horak aus Wennigsen.

Mein Parteibuch weiß nicht, ob das wirklich so ist, wie wonach es aussieht. Aber wenn dem so ist, dann ist das wirklich komisch. Reputation Defender Inc aus den USA inszeniert eine Riesen-PR-Show in den Medien und irgendeine Ltd aus der Great Hampton Street fährt die Ernte in Deutschland ein. Wenn dem aber so sein sollte, dann ist die Firma Reputation Defender Inc, die nicht einmal in der Lage ist, ihren eigenen Namen im Rahemn des üblichen Markenrechts zu schützen, aber damit wirbt, anderer Leute guten Namen schützen zu wollen, eine Lachnummer sondergleichen.

Die Journalisten, die diese Firma in den Himmel gelobt haben, finden ihre zahlreichen peinlichen PR-Artikel sicher noch lange bei Google. Wohl dem Journalisten, der die Größe hat, seinen Irrtum bezüglich Reputation Defender genau wie Thomas Knüwer freimütig einzugestehen und sich zur Pressefreiheit zu bekennen.

7 Kommentare zum Beitrag “PR-Spaß mit Reputation Defender”

  1. A. John sprach

    Mal im Quelltext der Seite nachschauen.
    Da finden sich eine Menge - sagen wir mal - außergewöhnliche Geschäftsideen wie z.B.
    “http://www.kreativtresor.de”

  2. David Nelles sprach

    Vielleicht sollten sich die Herrschaften von Reputation Defender mal Gedanken über online-reputation management machen. Einfach löschen lassen oder abmahnen ist wohl die denkbar schlechteste Lösung.

    Mit den besten Grüssen aus HH

    David Nelles

  3. carvogu sprach

    Ich denke, lieber Autor, daß man hier mal die Kirche im Dorf lassen sollte. Es ist kaum davon auszugehen daß die Rede und Meinungsfreiheit durch einen derartigen Dienst arg leiden wird. Und was ist verwerflich daran daß sich ein deutscher Webmaster mit einer engl. Limited absichert ??? Kein Mensch gründet als EinMann Betrieb heutzutage noch eine GmbH…

    Grundlegend ist auch an dem Dienst nichts auszusetzen - keiner der ach so renommierten Blogger wird ja gezwungen Einträge zu löschen (wie auch), er wird darum G E B E T E N !! Und nichts anderes verkauft diese Firma.

    Carvogu, der sonst nichts mit dieser Fa. am Hut ab, den aber künstliche Empörung anekelt….

    PS: Bei “Abzockerbude” wäre ich vorsichtg… strafrechtl. schon fast eine Beleidigung.. und da hört dann tats. die Meinungs- und Pressefreiheit auf… :)

  4. carvogu sprach

    Vielleicht noch als Ergänzung - die Marke Reputation Defender ist eingetragene Marke beim DPMA… wer lesen kann ist immer im Vorteil :o)

  5. carvogu sprach

    PS2: M. Horak… der Webmaster… ist übrigens Fachanwalt für gewerbl. Rechtschutz :) (über Google gefunden) :))

    Fazit: Besser recherchieren, dann austeilen ;-)

  6. Redaktion sprach

    @corvogu
    Dass Michael Horak sich im Markenrecht auskennt und eine Marke “Reputation Defender” eintragen lassen hat, wird doch gar nicht bestritten. Markeninhaber ist bloß eben nicht Reputation Defender Inc.

    Bloß sieht das so aus, als hätte Reputation Defender Inc, die hier in Deutschland so fleißig die Werbetrommel rühren, nichts mit der in Deutschland angemeldeten Marke “Reputation Defender” zu tun. Wenn das stimmt, dann ist das wirklich lustig. Das würde nämich heißen, dass Reputation Defender Inc in Deutschland nicht mal fähig war, den eigenen Namen zu schützen, z.B. durch Eintragung einer Marke.

    Wieso sollte man eine zur Absicherung billig gegründete Limited, die einem Rechtsanwalt möglicherweise beim Markengrabbing oder Abmahnunwesen hilft, nicht als Abzockerbude bezeichnen dürfen? Gibt es irgendeinen Heinweis darauf, sie wäre keine Abzockerbude?

  7. Online Reputation Management mit Reputation Defender » sprach

    […] Neu ist das Ganze übrigens nicht. Schon in den vergangenen 2 Jahren wurde in der Blogosphäre über Reputation Defender berichtet. Auch in jüngster Zeit wurde wieder darüber berichtet - und das nicht immer ganz unkritisch. […]

Kommentieren (Erlaubte Tags)

Heimarbeit
Heimarbeit
Copyleft2006 Lurusa Gross

Mirrors

Recherche

Autorenchat

Netradio

Aktionen

Parteibuch Forum

Letzte Kommentare

Ältere Beiträge

Archiv

Literaturtip

Tod im Milliardenspiel

Umfrage zu 9/11

Werbung

Information zu
Internetvictims

Kapitel

Sonstiges

Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei

Sponsored Links

RSS-Feeds

Termine

Neu im Parteibuch Wiki

Parteibuch Ticker (Feed)

International (Feed)

Media News Clips

Counter & Stuff

[19 queries. 2.289 seconds. 10 level2 caches. Top ]