Irgendwo sitzen nun irgendwelche Mörder rum und freuen sich, dass ihr Plan, die aussichtsreiche pakistanische Politikerin Benazir Bhutto zu ermorden, funktioniert hat. Eine Spur zu den Mördern von Benazir Bhutto könnte die Frage danach sein, wem der Tod von Benazir Bhutto nützt. Obwohl Pakistan ein hochkompliziertes Land ist und es sicher die verschiedensten Profiteure gibt, ist eines augenfällig: der Diktator Pervez Musharaf muss nach dem Mord an Benazir Bhutto seine Macht erstmal nicht teilen. Wegen dieses ungemein starken Motives gilt Pervez Musharaf bei großen Teilen des pakistanischen Volkes als Hauptverdächtiger für den Mord an Benazir Bhutto.
Dass das pakistanische Volk Pervez Musharaf für den Mord verantwortlich macht, verwundert nicht. Wäre Benazir Bhutto wie prognostiziert gewählt worden, wäre auch George W. Bush nicht mehr am Schwenk hin zu Benazir Bhutto vorbeigekommen. Der durch die Absetzung des höchsten pakistanischen Gerichts zustande gekommene Sieg von Pervez Musharaf bei der kürzlich durchgeführten Wahlfarce wäre damit für den Diktator praktisch nichts mehr wert gewesen, denn ohne Rückendeckung durch Volk, Amerikaner und Justiz hätte seine Entmachtung schnell vonstatten gehen können. Durch die Ermordung von Benazir Bhutto bleibt der Diktator Pervez Musharaf für die USA jedoch als Verbündeter im Krieg in Afghanistan unersetzlich und kann seine Diktatur weiterhin mit einem angeblichen Kampf gegen den Terror rechtfertigen.
Dafür, dass Pervez Musharaf mit Duldung seiner amerikanischen Freunde für den Mord verantwortlich ist, spricht auch, dass sich nun Mustafa Abu al-Yazid im Namen der amerikanisch-arabischen Terrorgruppe Al CIAda zum Mord an Benazir Bhutto bekannt hat. Die Angewohnheit, von der eigenen Schuld durch das Zwischenschalten einer mehr oder minder imaginären Terrorgruppe abzulenken, passt bestens zur Handschrift der CIA und ihrer Sockenpuppen im Ausland.
Und auch viele Menschen in Pakistan haben durchschaut, dass der Diktator Pervez Musharaf und gewaltbereite Extremisten sich gegenseitig für ihre Existenzberechtigung brauchen und lediglich zwei Seiten einer Medaille sind. Auf der Seite moveforjustice.org des früheren Cricket-Stars Imran Khan kommentiert ein Forumsteilnehmer den Mord beispielsweise wie folgt:
Alles, was die Regierung nun tun muss, ist den Kopf eines armen Mitläufers zu finden und schon ist der Fall erledigt.
Und, oh, was für eine Überraschung, schon präsentiert der Innenminister Pakistans, Hamid Nawaz, den Täter und das ganze Geheimnis. Aber auch Benazir Bhutto selbst erklärte in einer E-Mail vom Oktober, man solle Pervez Musharaf wegen seiner Weigerung, Benazir Bhutto mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zu schützen, die Schuld geben für den Fall, dass sie ermordet werden sollte.
Die Frage, wer vom Tod Benazir Bhuttos profitiert, belastet den Diktator schwer. Doch während das Volk von Pakistan rebelliert und mit dem Finger auf den tatverdächtigen Diktator zeigt, sind Medien und Politiker des Westens zur Frage des möglichen Drahtziehers leider sehr zurückhaltend. Damit könnte das Kalkül von Pervez Musharaf, wenn er diesen Mord denn wirklich in Auftrag gegeben haben sollte, tatsächlich aufgehen.
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gestern ermordet, heute beerdigt?!
Ist doch auch nicht normal, oder?
Und nein, so blöd ist der Musharraf auch nicht, das kann er im Moment gar nicht brauchen und die Kröte Bhutto hatte er schon geschluckt.
Grüße s.
Vielleicht gibt es ja auch einen lachenden Dritten?
Das Pervez M. weitere Destabilisierung in seinem Land so gelegen kommt, was ja nunmal die primäre zuverlässig auch im vorraus abschätzbare Folge eines solchen Attentats ist, kann ich allerdings nicht beurteilen.
@1 das ist im islam normal. da ist es brauch die toten innerhalb von 24h zu beerdigen.
Das ganze hat den Anschein, daß vielleicht weniger Musharraf seine Macht mit amerikaniscen Segen erhalten soll, als vielmehr die Spekulation westlicher Seite, das pakistanische Nuklearwaffenotential aufgrund gezielter Destabilisierungsaktionen unter amerikanische Kontrolle zu bringen und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Aber was weiß ich schon…
Bhutto selber war pro-amerikanisch und bot wie niemand sonst eine Hoffnung auf den Aufbau einer stabilen Demokratie in Pakistan.
Es ist m.E. klar, dass die Verbündeten von Al Qaida, Waziristan, Taliban & Co jede Menge gute Gründe hatten, Bhutto zu ermorden.
Natürlich besteht ein Verdacht, dass innerhalb von Mussharrafs Apparat einige Leute mit diesen Kräften verbündet sein könnten.
Auch zwischen Bhutto und Musharraf gab es ein Bündnis. Eine Premierministerin Bhutto hätte vermutlich den Präsidenten Mussharraf noch eine Weile gebraucht.
Instabilität und Gründe für Militärdiktatur gibt es in Pakistan genug. Musharaf hat selber Bhutto ins Land zurückgeholt, und auch über die Verstimmung durch den kürzlichen Ausnahmezustand hinaus waren beide in gewissem Maße verbündet geblieben.
Die USA hier zu verdächtigen, erscheint vollends abwegig, weil gerade sie (Rice) das Bündnis eingefädelt hatten.
Wenn ein autorisierter Vertreter von Al Qaida die Urheberschaft an der Tat beansprucht, ist das zunächst plausibel. Allerdings schließt es keineswegs aus, dass Teile der pakistanischen Regierung als OEM-Produzent für Al Qaida in Lizenz produziert haben. Deren Motive sind auch leicht zu erraten: Angst vor den Veränderungen und Aufräumaktionen, die mit einer starken von Bhutto geführten Regierung zwangsläufig gekommen wären.
Was ich nicht verstehe, ist, warum Bhutto bei all den offensichtlichen Gefährdungen, nach einem wie ein Wunder überlebten Anschlag und im Bewusstsein, dass sie ein einzigartig lohnendes Anschlagsziel in einem extrem unsicheren, terror-erschütterten Land darstellte, noch immer sich im Freien bewegte und das Bad in der Menge suchte. Wozu solcher Mut? Sie war es eigentlich sich selber und ihren Unterstützern schuldig, hier Kompromisse einzugehen und sich hinter Panzerglas zu bewegen. Aber das zu sagen ist vielleicht pietätlos. Sie hat wohl eher einen Märtyrerkult um ihre Person verdient, und es wird wohl im Interesse all derer sein, die die Hoffnung auf Aufklärung und Demokratisierung der islamischen Welt nicht aufgegeben haben, diesen Kult zu unterstützen.
@Hartmut
Geht man davon aus, dass Musharraf eigentlich - siehe z.B. hier: “Der General hat nicht geliefert” - ein Verbündeter “von Al Qaida, Waziristan, Taliban & Co” ist, beispielsweise weil er die Extremisten braucht, um seine Macht zu rechtfertigen, dann hat eben auch Musharraf das gleiche Mordmotiv wie die Extremisten.
Dem Verhältnis von Musharraf und Bhutto könnte man auch unterstellen, wie das dieser Artikel der Tagesschau nahelegt, dass sie sich gehasst haben. Schau Dir dazu nochmal das Video des Interviews mit ihrem USA-Sprecher Mark Siegel bei CNN an, da verbittet Mark Siegel es sich, dass der pakistanische Botschafter Musharaf, den Mark Siegel sicher im Namen von Bhutto als Diktator bezeichnet, mit der Demokratin Bhutto überhaupt nur vergleicht. Bei ihrem “Bündnispartner” Musharaf hat Benazir Bhutto offenbar schon vor zwei Monaten Mordmotive vermutet.
Weiterhin fällt auf, dass die pakistanischen Behörden ein auffällig geringes Interesse an der Aufklärung der beiden Anschläge auf Bhutto zeigen - die Bitte von Bhutto nach einer gründlichen unabhängigen Untersuchung wurde abgelehnt. Lustigerweise lässt der vom pakistanischen Innenminister 100%ig als Auftraggeber benannte mutmaßliche Al Kaida Mann die Tat jedoch abstreiten. Genauso abgelehnt wurde von Musharaf die Bitte von Bhutto nach Panzerglas.
Das Verhältnis der amerikanischen Regierung zu Bhutto ist vielfältig. Während Teile des Außenministeriums auf Bhutto als Hoffnung für die Demokratie gesetzt haben - und Musharraf demnach völlig zurecht befürchten durfte, nach der US-Wahl mit völligem Liebesentzug bestraft zu werden - hat der der CIA nahestehende Präsident George W. Bush weiterhin vor allem ein herzliches Verhältnis zum Diktator Musharraf betont. Ohne die Protektion von George W. Bush und einem Zuwenden der USA zu Bhutto hätte Musharraf, wenn er Verbrechen begangen hat, womöglich bald schon das Schicksal von Saddam Hussein geteilt.
Der Teil der pakistanischen Regierung, der demnach vor allem dafür in Frage kommt, den Mord an Bhutto “als OEM-Produzent für Al Qaida in Lizenz produziert” zu haben, ist Musharraf selbst.
Muss das so sein, dass Musharraf der Stripenzieher bei dem Mord ist? Nein, es gibt viele andere Möglichkeiten, wie es gewesen sein könnte. Aber ein starkes Motiv hat Musharraf allemal, und bei einer vernünftigen Untersuchung des Mordes müsste in jedem Falle die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass Musharraf für den Mord verantwortlich ist.
Ein Bündnis, in dem der eine über Macht in Militär und Geheimdienst und der andere über demokratische Legitimität verfügt, ist wohl inhärent instabil. Wer sich in diesem Bündnis gegenüber dem anderen loyal verhält, verliert an Macht. Als Musharraf den Ausnahmezustand verhängte, musste Bhutto sich als Retterin der Demokratie gegen Musharraf profilieren, um nicht im Wettstreit mit anderen Bewerbern um diese Rolle an Punkten zu verlieren. Musharraf fühlte sich von seiner Bündnispartnerin verraten, aber er hatte sie vermutlich auch nicht vor der Verhängung des Kriegsrechts konsultiert. Die Aussage im Tagesspiegel, beide seien Egozentriker, passt dazu.
Mich erinnert
die Geschichte an die des Bündnisses der chinesischen republikanischen Revolutionäre von 1911 mit dem kaiserlichen General Yuan Shikai, das mit der Ermordung des sehr aussichtsreichen Spitzenkandidaten der Republikaner durch Agenten aus der Umgebung des Generals endete.
Die Konstellation macht so ein Ende wohl ziemlich wahrscheinlich. Vielleicht hätte es den Beteiligten und dem US-Außenministerium geholfen, sich mit diesem Stück Geschichte zu befassen.
Wenn sich die nachfolgende Meldung bestätigt und die Täter vor Gericht gestellt werden, dann dürfte Pervez Musharraf als Verdächtiger vermutlich bald aussscheiden:
Niemand, der einen Mord beauftragt, würde danach dafür sorgen, dass die Täter gefasst werden, vor Gericht kommen und dort umfassend aussagen.
“Demokratie in Uniform”
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