Wenn kleine Kinder verwundert feststellen, dass der Weihnachtsmann die gleichen Schuhe wie Papa oder Onkel Klaus trägt, dann schmunzeln Erwachsene oft und erklären den Kindern, dass das wirklich ein merkwürdiger Zufall ist. Danach, warum der Weihnachtsmann in den Farben von Coca-Cola rumrennt, fragen Kinder zum Glück nicht so oft. Aber wie dem auch sei, ob jemand an den Weihnachtsmann glaubt oder nicht, ist eben genauso eine Glaubensfrage genauso wie es eine Glaubensfrage ist, ob jemand an das Christkind glaubt oder nicht. Und während Kinder nunmal gern an den Weihnachtsmann glauben, weil der so nette Geschenke bringt, glauben Erwachsene lieber an das historisch über alle Zweifel erhabene Christkind.
Merkwürdigerweise findet sich im für besonders lesenswert befundenen Artikel der deutschsprachigen Wikipedia mit Titel Jesus von Nazaret jedoch keine Angabe des Geburtstages, obwohl das ja, wie jeder in zahllosen Schriften nachlesen kann, der 25. Dezember ist. Das trifft sich gut, denn der 25. Dezember lässt sich als Datum für eine Jungfrauengeburt leicht merken, weil da drei Helle Sterne in einer Reihe mit dem Stern Sirius auf die Stelle hinweisen, wo die Sonne aufgehen wird und so jeder weiß, dass endlich die Tage wieder länger werden.
Wie es der Zufall so will, ist einige Tausend Jahre zuvor auch schon der ägyptische Gott Horus am 25. Dezember unter einem Stern des Ostens von einer Jungfrau zur Welt gebracht worden. Zufällig kamen dann auch drei Könige. Übrigens wurde Horus im Alter von Zwölf Lehrer und mit 30 getauft. Zufällig hatte Horus zwölf Jünger, mit denen er durch die Gegend reiste und Wunder vollbrachte, wie etwa Kranke zu heilen oder auf dem Wasser zu laufen. Nachdem Horus verraten wurde, wurde er, Zufälle gibt’s aber auch, gekreuzigt und war für drei Tage tot, bevor er wieder auferstanden ist.
Und von da an passierte es wohl öfter mal, dass göttliche Retter am 25. Dezember in einer Jungfrauengeburt zur Welt gekommen sind, dann mal gestorben und drei Tage später wiederauferstanden sind. Vor etwa 3100 Jahren passierte das zufällig dem schönen Knaben Attis genauso wie später Dionysos in Griechenland und vor gut 3200 Jahren Mithra in Persien.
Um Wundern in der Bibel auf den Grund zu gehen, betreiben Erwachsene seit einigen Jahren hochseriöse Dinge wie etwa Leben-Jesu-Forschung, bei der sie inzwischen in der dritten Phase angekommen sind und nach der historischen Person des Christkindes suchen.
Die herausragenden Leistungen der Leben-Jesu-Forscher machen es möglich, dass Erwachsene weiter an das Christkind glauben können, ohne dass sie dabei von blöden Fragen nach den Schuhen von Papa und Onkel Klaus gestört würden. Warum sollte man auch? Schließlich gibt es absolut keinen Grund dafür, warum jemand Jesus vor gut 1800 Jahren als Märchen erfunden haben sollte, an dessen Wahrhaftigkeit vernünftige Menschen nicht zweifeln können. Dass die lustige Geschichte vom Leben des Christkindes im Großen und Ganzen wahrer als die Märchen aus Disneyland ist, sieht man schon allein daran, dass es absolut keinen Grund gäbe, an der unglaublichen Geschichte auch heute noch festzuhalten.
Und glauben kann schließlich jeder, was er will und wer möchte, darf selbstverständlich gern an den Weihnachtsmann glauben. Mein Parteibuch wünscht dem gläubigen Teil seiner Leser viel Vergnügen bei der Huldigung des ägyptischen Gottes Horus und seiner Plagiate und empfiehlt als Weihnachtsfilm 2007 das Zeitgeistmovie, auf dessen brillianter Darstellung der Heilsgeschichte große Teile dieses Artikels beruhen.
Frohe Weihnachten
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Mehr Platz für Götter?…
Josef Ratzinger, der sich jetzt Benedikt nennt, was ihm aber auch nichts nützt, nahm die Weihnachtspredigt zum Anlass, mehr Platz für seinen Gott zu fordern:
«Irgendwie wartet die Menschheit auf Gott, auf seine Nähe. Aber wenn es soweit i…
Und wieder ein “Artikel”, der von Unbildung und Halbwissen nur so glänzt.
Ich darf darauf hinweisen, dass die faktische Existenz Jesu in der Fachwelt in der Regel nicht bestritten wird.
Nun war Jesus aus Sicht der seinerzeitigen römischen Behörden zunächst lediglich ein unwichtiger kleiner Querulant, aber schon wenige Jahre nach seinem Tod berichten mehrere römische Historiker, deren Aufzeichnungen als zuverlässig gewertet werden dürfen, über die Existenz dieses Religionsführers (vgl. Cornelius Tacitus, Gaius Tranquillus Sueton).
Für die Römer war Jesus indes natürlich keineswegs der “Sohn Gottes” (denn der christliche Monotheismus hat sich im römischen Reich erst nach Jahrhunderten etabliert), sondern lediglich ein weiterer Sektierer einer obskuren jüdischen Religionslehre.
@LOL
Sehr interessante Ausführungen. Tacitus und Gaius würde man juristisch wohl als Zeugen vom Hörensagen charakterisieren, die über etwas berichten, was zur Zeit der Niederschrift fast so lang her war wie die Sammlung der Geschichten der Gebrüder Grimm heutzutage.
Selbstverständlich steht Dir wie jedem anderen auch frei, an das Christkind, den Weihnachtsmann und “die Fachwelt” zu glauben.
Mag ja sein, dass es einen geschichtlichen Jesus gab. Wenn dann, hat sicherlich mit den Teloten gegen die Römer gkämpft, wofür es geschichtliche Belege gibt. Allerdings hat er niemanden von den Toten aufgeweckt, noch ist er übers Wasser gewandelt, noch ist er leiblich zum Himmel aufgefahren und vermutlich ist er auch nie gekreuzigt worden, sondern emigrierte wie Braigent und Leigh recht glaubhaft nachweisen konnten.
Der Rest ist ein Märchen für Dummbeutel, von denen es unter Katholiken besonders viele gibt.
sorry Zeloten
[…] unendlichen Nachschub für eine religiöse Diskussion von erwachsenen Leuten, die noch an das Christkind glauben. Gespannt darf man nun warten, ob sich die Pfaffen der verschiedenen Religionen dabei genau so in […]