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23. Dezember 2007

Listen verbotener Bücher in Deutschland

von @ 22:04. abgelegt unter Pressefreiheit, Deutschland, Zensur

Über Jahrhunderte hat die katholische Kirche mit viel Liebe eine Liste verbotener Bücher, den sogenannten Index Librorum Prohibitorum, gepflegt. Weil aber gerade verbotene Bücher besondere Anziehungskraft auf Menschen ausüben, wurden Listen verbotener Bücher schnell zum Bumerang, denn Kritiker der Zensoren konnten diese Liste quasi als Einkaufszettel verwenden.

Um dem Problem der Nutzung von Verbotsindizes als Leseempfehlungen zu begegnen, wurde beispielsweise der Index von Kaiserin Maria Theresia 1777 selbst zum verbotenen Buch erklärt. Dumm dabei ist natürlich, dass ein Verbotsindex, wenn er so geheim ist, dass keiner weiß, was verboten ist, die gewünschte Wirkung der Prävention oder der Verblödung des Volkes, das kommt da sicher auf die Perspektive an, nicht mehr erfüllen kann.

Die katholische Kirche hat das Problem erkannt und ist im 20. Jahrhundert in der Flut zu verbietender Bücher geradezu ertrunken, weshalb Papst Paul IV. 1966 die Konsequenz gezogen hat, den Index mit den negativen Leseempfehlungen der katholischen Kirche offiziell abzuschaffen und nur beim Opus Dei eine streng geheime Liste mit verbotenen Büchern weiterzuführen.

Da die katholische Kirche mit ihrem bescheidenen Budget die Zensur nicht mehr leisten kann, versucht sich nun der deutsche Staat mit deutscher Gründlichkeit an der Zensur. Überraschenderweise steht beispielsweise die mit deutscher Gründlichkeit arbeitende Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien im gerade beginnenden Informationszeitalter vor den gleichen Problemen, an denen die Zensur der katholischen Kirche einige Jahre zuvor gescheitert ist. Einerseits kommt die Behörde mit der Erfassung der zu verbietenden Publikationen beispielsweise im Bereich der “Telemedien” nicht nach und andererseits muss veröffentlicht werden, was denn verboten ist.

So kommt es, dass die deutsche Zensurbehörde ihre regelmäßig aktualisierten Medientips Geheimnisse der Zensur, schamvoll in trockenen Gesetzesblättern versteckt und peinlich genau darauf achtet, dass die Liste indizierter und verbotener Medien der Öffentlichkeit möglichst unbekannt ist. Angesichts dessen, dass, wie die jüngste Abmahnwelle zeigt, der Medienzensurgeschmack der deutschen Zensurbehörden von schier grenzenloser Langweiligkeit geprägt ist und jedem normalen Internetuser die Füße einschlafen lässt, ist das Fehlen von Listen der von der deutschen Zensur indizierten Medien zwar kein wirkliches kultuerelles Manko, aber als Einkaufsliste für Zensurhistoriker wäre das Veröffentlichen solcher Geheimindizes (pdf) sicherlich trotzdem wertvoll.

Mein Parteibuch fragt sich nun, ob es ausländischen Unternehmern nicht möglich ist, Listen der in Deutschland indizierten Bücher aufzutreiben und die darauf enthaltenen Werke gleich mit passenden Partnerlinks zu Versandhändlern im Ausland zu versehen. So könnte Zensurhistorikern die Arbeit sicherlich vereinfacht werden. Also: wer Listen von in Deutschland indizierten Medien kennt, kann ja einfach mal hier mal was posten. Vielleicht lässt sich ja was draus machen.

6 Kommentare zum Beitrag “Listen verbotener Bücher in Deutschland”

  1. s. sprach

    http://www.figa...+verbotene/::rd?

    Grüße s.

  2. s. sprach

    wollte das nicht als direkten link machen, ändert das mal, bitte (wenn ihr wollt).

    thx s.

  3. reader sprach

    und wieder ist die katholische kirche der überbösewicht, der die welt bedroht. wann finde ich endlich einen kritischen (objektiven!) bericht zum thema islam im parteibuch? man kann nicht behaupten, dass es da keinen interessanten themen geben würde! der spiegel hat den koran (passend zu weihnachten) wieder zum leitartikel gemacht….hab ich aber leider noch nicht gelesen.

  4. Rolf Schälike sprach

    Zu Reader #3
    Die Katholische Kirche ist ein Wirtschaftsunternehmen, welches schon über 2000 Jahre funktioniert. Beim Islam ist es nkicht anders. Das sind enorme, anerkennenswerte Leistungen der Kirchen.

    Man braucht sich nicht mit allen erfolgreichen Unternehmen zu beschäftigen.

    Wenn man sich z:B. mit den Machenschaften nur eines Wirtschaftsunternhemens beschäftigt - z.B. mit Krupp - so braucht man sich nicht zwangsweise mit den anderen ebenfalls zu beschäftigen. Das machen andere.

    Wenn aber über Jahrtausende gemordet wird, u.a. im, Namen der Religion oder scheinbarwer Werte, dann lohnt es schon, sich mit einem dieser Unternehmen zu beschäftigen.

    Wenn man sich mit einem solchen Unternehmen beschäftigt, um das eingene oder das einem näher liegende zu schützen, so ist das ebenfalls nicht verboten, und schmälert nicht die kritischen Analysen. Was die Schlussfolgerungen betrifft, da kann man durchaus skeptisch sein.

  5. mein-parteibuch.com » Glückwunsch, Frau Ministerin! sprach

    […] Ministerin, das Buch bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den streng geheimen modernen Index Librorum Prohibitorum setzen zu […]

  6. mein-parteibuch.com » Feuersprüche sprach

    […] Auch einen Index Librorum Prohibitorum gibt es natürlich nicht mehr. […]

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