Unsere Bundes-FDJ-Propaganda- und-Agitation-Kanzlerin lehnt eine rechtlich fixierte Obergrenze für Wirtschaftsbonzenmanager ab. Rückendeckung bekam Sie dabei von der SPD-Spitze. Was will man auch von Politikern erwarten, die ihre Diäten selbst festlegen und die hohe monatliche Nebeneinkünfte aus Wirtschaft und Industrie einstreichen. Die nach ihrer politischen Tätigkeit und Passionsansprüche in die Wirtschaft gehen.
Herr Ronald Pofalla setzt ja eh auf die Selbstregulierungskräfte der Wirtschaft und diese Meinung hat schon eine lange Tradition. Mit anderen Worten, er ist nicht nur gegen eine Obergrenze bei den Managergehältern, sondern auch gegen eine Untergrenze bei den Arbeiterlöhnen. Es soll aber auch Manager geben, die mit dem Mindestlohn für Postangestellte richtig Kohle machen und somit dem Mindestlohn was Positives abgewinnen können.
Für die Untersuchung von Konzernskandalen werden dann Bosse geholt, die sich das mit 8 Millionen Euro abfinden lassen. Herr Löscher ist der Richtige für so was, ist er doch durch seinen alten Arbeitgeber, dem US-Pharmakonzern Merk & Co. , mit Lobbyismus und Korruption bestens vertraut.
Na ja und das Laurenz Meyer gegen die gesetzliche Obergrenze bei Managergehälter ist, dafür hat schon der Konzern RWE kräftig gesorgt. So war die ganze Managergehälterdiskussion nur ein Sturm im Wasserglas und wird es auch bleiben. Haben wir was anderes erwartet. NEIN! haben wir nicht.
Es steht unserer feudalkapitalistischen Gesellschaft auch viel besser zu Gesicht, wenn ein BonzeManager das 43-fache seines Arbeiters verdient.
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| Miau |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
Schon mal was von sozialer Gerechtigkeit gehört, liebe SPD-Bonzen? 1789 ging es übrigens um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Marie Antoinette hat das dann vermutlich am Ende auch verstanden. Glücklicherweise ist die Todesstrafe in Deutschland heute abgeschafft - Hochverrat wird noch nicht einmal angeklagt. Glück für die Politiker. Pech für das deutsche Volk.
Deutschland braucht den Mindestlohn (mindestens 7,50 Euro für die Stunde Arbeitsleistung) und den Maximallohn (maximal 50 Millionen Euro Vermögen pro natürlicher Person). Sonst fliegt euch der Laden noch um die Ohren, ihr feudalen Blockparteien!
Lieber Man of the World
Sozies haben viel zu den Thema “Soziale Gerechtigkeit” zu sagen. Ihr habt einen ausgiebigen Katalog was einen Menschen zu steht, leider seid ihr etwas schwach wenn es darum geht die Frage zu beantworten, wer alles bezahlen soll.
Es ist schon mal vorgekommen das ein sozialistischer Staat seine Bürger mit einer Mauer eingesperrt hat damit die produktiven Menschen die für die Wertschaffung einer Nation unentbehrlich sind nicht anderswo hin flüchten, wo sie mehr von den Früchten ihrer Arbeit behalten durften.
Plant ihr das wieder?
Hallo bitter_twisted,
Ich bin kein Sozi. Worauf willst du eigentlich hinaus? Ich will keinen sozialistischen Staat haben.
Mir fällt immer wieder auf, dass man immer sofort mit der Sozialismus-Keule ankommt, wenn man die extrem hohen Einkommen anprangert. Beziehungsweise man kommt mit der Neid-Keule an.
Also wer für einen Maximallohn ist, der ist immer entweder neidisch oder für den Sozialismus. Das ist schon kennzeichnend für die Qualität der politischen Debatte in Deutschland. Kein Argument in der Sache, nur Ideologie.
Wenn das hier so weitergeht in Deutschland, dann werden die produktiven Menschen vermehrt aus Deutschland auswandern. Denn es gibt durchaus die Hoffnung, dass man im Ausland die Früchte der eigenen Arbeit behalten darf.
Ist es aber die Frucht der eigenen Arbeit, wenn ein Manager ein Millionengehalt bezieht? Oder kassiert er nicht vielmehr die Früchte der fremden Arbeit ein?
Aber wie gesagt, so ganz habe ich nicht verstanden, worauf du hinaus willst.
@Man of the World
>1789 ging es übrigens um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Glücklicherweise ist die Todesstrafe in Deutschland heute abgeschafft - Hochverrat wird noch nicht einmal angeklagt. Glück für die Politiker. Pech für das deutsche Volk.
@Man of the World
Da mein Beitrag verstümmelt wurde, ein zweiter Versuch:
“1789 ging es übrigens um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.”
Unfug.
Als studierter Historiker darf ich Dich darauf hinweisen, dass es nicht um “Brüderlichkeit” ging, dieser Spruch wurde von späteren Zeitgenossen hinzugefügt.
Es ging im Original um “Freiheit, Gleicheit, Privateigentum” - denn nicht zuletzt die fortgesetzten willkürlichen Eingriffe der Obrigkeit in das Privateigentum der Bürger haben dann auch zum Zusammenbruch der alten Ordnung geführt.
Es ging also genau in die entgegensetzte Richtung, eben nicht in irgendeine Form eines sozialistischen Zwangsbeglückungssystems, die Leute wollen vielmehr, dass der Staat sie endlich in Ruhe liesse.
“Glücklicherweise ist die Todesstrafe in Deutschland heute abgeschafft - Hochverrat wird noch nicht einmal angeklagt. Glück für die Politiker. Pech für das deutsche Volk.”
Soso, die Todesstrafe ist also zu Deinem Bedauern abgeschafft - bist Du nicht einer von denen, die das dann ganz anders sehen, wenn über die Todesstrafe in den USA gesprochen wird?
Oder siehst Du das so:
Wenn zwei das gleiche machen, ist es noch lange nicht dasselbe?
Das Niveau auf dem Parteibuch ist inzwischen wirklich unterirdisch, hier werden wohl nur noch primitive Ressentiments gepflegt.
Ansonsten: Wie sollte eine gesetzliche Begrenzung der Gehälter aussehen?
Das wäre ein weiterer, erheblicher Schritt in die sozialistische Planwirtschaft, denn das hiesse zu beschliessen, dass Leute (z.B. die Gesellschater einer Firma, Aktionäre etc.) mit ihrem Privateigentum nicht mehr machen dürften, was sie wollten.
Übrigens:
Es sind übrigens bemerkenswerterweise die Staatsunternehmen und nicht die Unternehmen der Privatwirtschaft, in denen die höchsten Managergehälter gezahlt werden…
@LOL,
Niemand will sozialistische Planwirtschaft. Meiner Meinung kann es aber nicht angehen, das jemand der eine Vollbeschäftigung hat, damit aber seine Familie nicht mehr ernähren kann, sein Chef aber das 43fache verdient.
Und übrigens gibt es in England (die haben einen Mindestlohn) auch keine Planwirtschaft. Dort beschwert sich aber auch niemand über Managergehälter.
Was hier angeprangert werden soll ist die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den Konzernen. Nicht im Mittelstand. Komischerweise führen unsere Manager immer so gern den ausländischen Vergleich bei ihren Gehälter an, nur beim Mindestlohn wird gesagt, das geht in Deutschland nicht. Dort wird dann nicht ausländisch verglichen. Ich darf mit meinem Privateigentum auch nicht machen was ich will, nein ich muss auch meine Steuern bezahlen. Warum bekommen die, die jetzt noch mehr Eigentum haben, jetzt auch noch Steuervergünstigungen. Wenn Privateigentum, dann bitte gleiches Recht für alle.
Es tut mir leid, gerade was dein Denken zur Aktionärswirtschaft kann ich nicht folgen. Teilweise entscheiden Manager nur nach Devidende, nicht mehr nach wirtschaftlichen Maßstäben. Und wenn der Laden denn Pleite geht, dann rufen alle nach staatlicher Hilfe. Und das ist gut? Ich glaube kaum.
@silberling:
Du vergleichst Äpfel und Birnen.
“Und übrigens gibt es in England (die haben einen Mindestlohn) auch keine Planwirtschaft. Dort beschwert sich aber auch niemand über Managergehälter.”
Ja, dann solltest Du Dir mal das Niveau dieser Mindestlöhne, die hier immer als Vorbilder herangezogen werden, genauer ansehen. Das ist mit dem vereinbarten Mindestlohn für die Deutsche Post nicht vergleichbar.
Im übrigen kann ich nichts gerechtes daran erkennen, dass ein ehemaliger Staatsmonopolist offenbar bessergestellt werden soll als seine Wettbewerber. Der dort jetzt gesetzte Mindestlohn liegt im übrigen merklich höher über vielen Löhnen, die in anderen Branchen gezahlt werden.
“darf mit meinem Privateigentum auch nicht machen was ich will, nein ich muss auch meine Steuern bezahlen”
Das ist Unsinn.
Natürlich darfst Du mit Deinem Privateigentum - nach Bezahlung der Steuern - machen, was Du willst.
Zum Beispiel kannst Du Dich als Gesellschafter an einer Firma beteiligen - an einer AG als Aktionär, oder der Fahrschule nebenan als Mitgesellschafter.
Wie hoch dann das Gehalt für den Vorstandsvorsitzenden oder den Fahrlehrer ausfällt, entscheiden dann die Gesellschafter und nicht der Staat.
Alles andere ist der Beginn der Planwirtschaft.
“Warum bekommen die, die jetzt noch mehr Eigentum haben, jetzt auch noch Steuervergünstigungen”
Wie kommst Du auf diesen Unsinn?
Ein Manager, der 5 Millionen im Jahr verdient, erhält doch dafür keine steuerliche Vergünstigung.
“Wenn Privateigentum, dann bitte gleiches Recht für alle”
Gleiches Recht für alle bedeutet ja eben, dass jede Gesellschaft selbst entscheidet, wieviel sie ihren Angestellten - und nichts anderes sind Manager - bezahlen will.
Und wenn die Gesellschaft der Meinung ist, dass die Leistung oder auch Nichtleistung eines Angestellten 5 Millionen EUR wert ist, dann ist das deren Angelegenheit und nicht die Angelegenheit von Leuten, die das nichts angeht.
Denn das wirtschaftliche Risiko einer Gesellschaft / einer Unternehmung tragen die Gesellschafter.
Und wenn sie ihr Geld zum Fenster rauswerfen wollen für unfähige Manager, dann ist das ganz alleine ihr Problem. Ist ja auch ihr Geld und nicht Deins.
“Teilweise entscheiden Manager nur nach Devidende, nicht mehr nach wirtschaftlichen Maßstäben”
Die Dividende IST ein wirtschaftlicher Maßstab.
Der Manager ist nicht dazu angestellt, irgendwelche Sozialphantasien umzusetzen, sondern dazu da, das Vermögen der Eigner (z.B. der Aktionäre) zu mehren.
Und wenn hier also die Aktionäre eine höhere Rendite wünschen, die dann per Dividende zur Auszahlung kommt, ist das absolut vernünftig.
Wenn Du beispielsweise eine Fahrschule gründest und dann einen Geschäftsführer einsetzt, dann würdest Du Dir das wohl auch verbitten, dass der von Dir eingesetzte und bezahlte Geschäftsführer die Firmenpolitik nicht nach Deinen Interessen steuert, sondern z.B. das Firmengeld für soziale Wohltaten verschleudert.
Was im kleinen gilt, muss auch im grossen gelten.
Also nochmals:
Der Manager ist ein Angestellter.
Der wird beschäftigt und bezahlt von den EIGENTÜMERN einer Firma und NICHT von den Mitarbeitern.
Und der angestellte Manager ist daher ausschliesslich den Eigentümern gegenüber verantwortlich.
Und wenn er keine Leistung bringt, ist das letztlich auch das Problem der Eigentümer, denn sie sind es, die ihr Geld verlieren, nicht Du.
Ron Sommer z.B. hat der Telekom massive Verluste beschert - zu bezahlen hatten das die Eigentümer (=die Aktionäre).
“Und wenn der Laden denn Pleite geht, dann rufen alle nach staatlicher Hilfe.”
Ja, das ist in der Tat dann natürlich Unsinn.
Wenn ein Laden durch Fehlentscheidungen rutscht, dann ist bedauerlich, aber eben nicht das Problem des Staates.
Das ist das Problem der Eigentümer - dazu kann ich nur sagen:
Wer eine Flasche beschäftigt, darf sich eben nicht wundern, wenn der Laden vor die Wand fährt. Damit hat (bzw. sollte!) der Staat nichts zu tun haben.
Oder wie Helmut Schmidt es einmal seinerzeit völlig korrekt ausdrückte:
Wir sind doch nicht der Reparaturbetrieb des Kapitalismus.
Wie wenig sozialistische Politiker allerdings von diesen einfachen Prinzipien verstehen, erkennt man daran, wie schnell z.B. unser Exkanzler Schroeder da den spendablen Überpapa gab und Holzmann mit 100 Mill. EUR aushalf - mit unser aller Steuergeld.
DAS ist ein Skandal erster Güte.
Nein, die Geschäftspolitik einer Firma ist Privatsache der Eigner, und wenn die Eigner, deren angestellte Manager usw. versagen, dann ist das auch deren Problem.
Alles andere ist kein freier und auch kein gesunder Markt.
@LOL
also wir haben ja so kurz vor Weihnachten, und dort darf man sich ja was wünschen, also dir wünsche ich, das der freie und gesunde Markt dir mal 2 Jahre Hartz IV beschert. Nur mal so als Urlaub.
Wo lebst du eigentlich, was glaubst du was von meinem Lohn für 8 Stunden und 2 unbezahlten Überstunden, jeden Tag, übrig bleibt. Glaubst du wirklich damit kann man große Sprünge machen. Und glaube mir, mir wäre auch lieber, ich könnte mein Leben ohne staatliche Hilfe meistern, sondern mit gerecht bezahlter Arbeit! Aber leider wird Arbeit in diesem deutschen Staate nicht mehr gerecht bezahlt. Aber ich gebe Dir Recht, in einem freier Markt ist auch der Generalstreik ein Mittel diesen durchzusetzen. Aber unsere Gesellschaft hat es ja geschafft, die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes zur Nr.1 werden zu lassen. Somit muckt keiner mehr auf und gehen weiter für einen Hungerlohn arbeiten. Hoffentlich geben unsere Manager noch richtig Gas, die Masse deren den es schlecht geht, muss nur groß genug werden, damit sich das RICHTIGE bewegt. Aber sie sind auf den richtigen Weg, denn maßlose Ausbeutung lässt sich ein Volk nur bis zu einem gewissen Grad gefallen. Das hat die Geschichte schon zur Genüge bewiesen.
Also, erstens ist kein Mindestlohn für die Post eingeführt worden, sondern es wurde
ein Tarifvertrag, der einen Einstiegslohn nennt, für allgemeinbindend erklärt und soll
in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen werden. Wenn die Tarifpartner, also nicht die Bundesregierung, sich auf 4,50 einigen, so ist dies allgemeinbindend.
Zweitens sollte man sehr stark bei der Debatte um die “Managergehälter” zwischen dem Lohn unterscheiden und den Abfindungen der Manager. Ich persönlich habe nichts gegen hohe Löhne. Sollen die doch 50 Mio. im Jahr verdienen. Verhindern kann man das eh nicht und wenn sie Steuern zahlen ist mir das recht. Ich bin allerdings dagegen, dass Manager, nach dem sie ein Unternehmen in den Sand gesetzt haben, auch noch Abfindungen in Millionenhöhe erhalten. Vielmehr sollte man Haftungsfragen gegenüber Missmanagement deutlich erweitern.
Achja, wo wir gerade bei Wirtschaft und Moral sind:
Das Kotzen kriege ich immer bei folgenden Meldungen, wie man sie auf einer “Schwesterseite” von mein-parteibuch.com lesen kann:
Offshore Entwicklung
Durch Outsourcing können eigene Ressourcen gezielt für Projekte mit der größten Wertschöpfung eingesetzt werden und somit die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens gesichert oder gar verbessert werden. Internationales Outsourcing ist die Verlagerung von kostenintensiven, aber auch intellektuell anspruchsvollen Aufgaben in Länder mit niedrigerem Lohnniveau.
“Es ist schon mal vorgekommen das ein sozialistischer Staat seine Bürger mit einer Mauer eingesperrt hat damit die produktiven Menschen die für die Wertschaffung einer Nation unentbehrlich sind nicht anderswo hin flüchten, wo sie mehr von den Früchten ihrer Arbeit behalten durften.”
wie kommt es, dass solche Menschen nun hier, am Zufluchtsort, mitunter so wenig für ihre geleistete Arbeit (real: die ihnen geraubte Arbeit) bekommen, dass sie zum Über-Leben auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind? Wer hat das denn geplant?
und dass ein angeblich studierter Historiker (Burschenschaft erhält ihn wohl am Leben?) Schröder als ’sozialistischen Politiker’ bezeichnet, bestätigt eigentlich nur, dass Geschichtsschreibung das fiktive Werk von Leuten ist, die sich mit ihrer Disziplin an Herrschaft prostituieren
übrigens in dieser real existierenden ‘demokratie’ werden hingegen die Bürger von klein auf zur Ware reduziert, die ein lebenslang nichts als mehrwert für ein paar priviligierte zu schaffen hat, und nach Verbrauch, weggeworfen, enteignet, entrechtet und unter Hausarrest gestellt zum Arbeitszwang verplichtet (hartz IV) wird
die Welt steht nicht vor der Alternative zwischen Stalinismus und Wirtschaftsdiktatur
#5 “Wie sollte eine gesetzliche Begrenzung der Gehälter aussehen?” - ganz einfach durch Steuerprogression. Wenn die Steuer 60%, 70% oder 80% hoch ist, dann wirkt das de facto wie eine Begrenzung der Gehälter. Warum muss jemand, der ein Milliardenvermögen hat, noch immer weitere Millionen hinzuverdienen dürfen?
Lies dir mal den Artikel 14 GG durch und entsprechende Fachliteratur. Dann verstehst du, dass das Eigentum sozialgebunden ist. Sozialstaat und Sozialismus sind aber zwei unterschiedliche Dinge (fängt beides mit “Sozial” an, hört aber mit was anderem auf).
Wenn der Staat die Einkommen nach oben begrenzt, bringt er sich um Steuereinnahmen.
Die Unternehmen müssen selbst über ihre Lohnpolitik entscheiden, ist sie ökonomisch falsch, werden sie vom Markt abgestraft.
Lohnober- und untergrenzen sind ein weiterer Beitrag zur Überregulierung des Wirtschaftlebens, die in der völligen Erstarrung des Landes enden wird.
http://www.ftd....kel/292587.html
Ist doch nett geschrieben ;o)
#13 “Wenn der Staat die Einkommen nach oben begrenzt, bringt er sich um Steuereinnahmen.” - eine Behauptung, die Sie mal belegen müssten. Bei einer Steuerprogression weit über 50% hinaus bei den Reichen hat der Staat doch mehr Steuereinnahmen.
Lohnuntergrenzen gibt es in den Niederlanden, in Grossbritannien, in Frankreich - sind diese Länder etwa “völlig erstarrt”? Nein, Deutschland heute ist erstarrt, weil viele Bürger nicht mehr in Freiheit leben können, weil die Untergrenze unterschritten wird.
Hallo Man of the World
“Deutschland braucht den Mindestlohn” Ist das kein sozialistisches Prinzip? Die Linkspartei unterstützt es, anders ausgedrückt heißt das gleiche auch ” Deutschland braucht mehr Zeitarbeiter und weniger Festangestellte.”
Hallo bitter_twisted,
Würdest du sagen, dass Grossbritannien ein sozialistisches Land ist, weil die den Mindestlohn haben? In den USA gibt es wohl auch einen Mindestlohn. Sind die USA sozialistisch?
Kapitalismus in Reinform kann nicht auf Dauer funktionieren, wie übrigens jedes extreme System. Und ein Mindestlohn hat mit Zeitarbeit zunächst einmal nichts zu tun.
Weniger Ideologie würde gut tun. Übrigens in Russland soll die Lebenserwartung nach dem Fall des Sozialismus rapide gesunken sein. Feudalismus ist nicht unbedingt besser als Sozialismus, sondern u.U. noch schlechter.
Merke: Einfach weniger Ideologie, mehr Erkenntnis durch Nachdenken. Dann sind wir einen Schritt weiter. Das ist ein Problem der Deutschen, dass immer alles nach Ideologie geht. Die Briten und die US-Amerikaner sind etwas pragmatischer, orientieren sich mehr an der Wirklichkeit. Von Siegern lernen heisst siegen lernen. Frankreich hat auch den Mindestlohn - klappt doch dort auch, warum nicht auch in Deutschland?
Die Gehirnwäsche sitzt in Deutschland ziemlich tief - dank diverser Think Tanks wie z.B. INSM oder Bertelsmann.
Mindestlohn erscheint mir auch als Überregulierung. Man kann ja nicht mit so einer Klausel dafür sorgen, dass tatsächlich besser bezahlte Arbeit angeboten wird. Was Sinn ergeben könnte, wäre ein Mindest-Lohnniveau bei der Frage, ob eine vom Arbeitsamt angebotene Arbeit angenommen werden muss.
Auch bei der Frage des Höchstlohnes hat m.E. die obige Debatte ergeben, dass allenfalls eine Verschärfung der Steuerprogression in Frage kommt. Die Einführung eines Steuer-Höchstsatzes war in der Tat eine der weniger leicht einsehbaren und etwas fischigeren Reformmaßnahmen der letzten Jahre. Beim Versuch, die Tendenz der Deregulierung insgesamt zurückzudrehen sollte man aber vorsichtig sein. Gerade die Internet-Generation sollte wissen, dass vieles von dem in der Industriegesellschaft entstandenen Regulierungssystemen heute nicht mehr weiterhilft und vielmehr weiter abgebaut werden muss. Hierzu gehören auch juristische Regulierungen in einigen Bereichen wie Persönlichkeitsrecht und geistiges Eigentum.
# 18 - Werfen Sie doch mal einen Blick auf die Grafik zum Bruttolohn 2004/2006. Der Niedriglohnsektor (unter 7,50 Euro bzw. unter 5,00 Euro die Stunde) wird in Deutschland immer grösser. Sollte dieser Trend fortgesetzt werden? Wollen Sie, dass die Löhne in Deutschland langfristig nicht nur chinesisches, sondern afrikanisches Lohnniveau erreichen?
# 19 - Die “Verschärfung der Steuerprogression” ist meiner Meinung nach ein vernünftiger Ansatz.
Warum sollten bei uns auch alle Loehne so viel hoeher sein als in Asien oder Afrika?
Ich glaube eher, dass wir noch eine weitere Deregulierung der Arbeit und insbesondere auch einen Rueckzug des Finanzamtes aus mehr Bereichen (insbesondere dem Bereich der Dienstleistungen und Niederiglohngewerbe) brauchen, wenn wir nicht voellig ineffizient und konkurrenzunfaehig werden wollen.
In England wird vom Staat der Lohn durch staatliche Zuzahlungen auf ein Mindestniveau angehoben. Bei uns lohnt es sich oft nicht, als Arbeitsloser oder Hartz IV-Empfänger offiziell zu arbeiten.
Die Anhebung des Niedriglohnniveaus hängt ab von der Bereitschaft zu teilen und von der Tolleranz gegenüber den Schwächeren bzw. denen, welche es einfach nicht wollen aus welchen Gründen auch immer.
Marktpolitisch führt ein höheres Lohnniveau zu mehr Umsatz. Ob mehr Umsatz umweltverträglich ist, mag ich zu bezweifeln. Verringerung des Umsatzes auf Kosten der Schwächeren bzw. der Ärmeren ist problematisch und falsch.
Was wir von den Diskussionen in Bali gehört haben, spielt sich auch in Deutscland intern eine entscheidende Rolle.
Alles zu regeln, führt zu den Ergebnissen des früher real exestierenden Sozialismus.
Es gibt vielleicht Moeglichkeiten, den Markt derart zu beeinflussen, dass mehr sinnvolle und besser bezahlte Arbeit entsteht. Vielleicht kann man auch das Leben derer, die mit geringem Lohn auskommen muessen, durch irgendwelche Massnahmen ertraeglicher machen. Aber Verbot wirtschaftlicher Entwicklung scheint das aller letzte zu sein, was irgendwie Sinn ergeben koennte. Eine voellige Bankrotterklaerung der Sozialpolitik.
An Hartmut Pilch #23: Was ist wirtschaftliche Entwicklung?
Mehr Autokilometer fahren? Öfters um die Welt in Urlaub reisen? Immer größere Wohnungen besitzen? Jedem seine Insel? Immer mehr Feuerwerkskörper am 31.12. in die Luft jagen? Immer mehr trinken und essen?
Immer mehr Geld verdienen, um noch mehr einkafen zu können? Immer häufiger alles erneuern? Mehr Schrottfabriken ins Ausland verkaufen? Atommüll nach Sibirien in Russland exportieren?
Wirtschaftwacjstum kann auch anders aussehen. Am fehlenden Mindestlohn liegt es nicht.
Erst Mal definieren, was wirtschaftliches Wachstum ist, eher zu denken, andere wollen in die Steinzeit zurück. Wobei wir im Augenblick, den Widerstahd der Natur betrachtend, dort hin schreiten.
Wirtschaftliche Entwicklung ist z.B. die Entwicklung jener Versanddienste, die jetzt dank Post-Mindestlohn dicht zu machen drohen.
Ich hätte auch schreiben können “Vertragsfreiheit”.
Vorwürfe, jemand wolle zurück in die Steinzeit, habe ich nicht erhoben.
Aber es gibt hier vielleicht Leute, die zurück ins Zeitalter der großen Industriebetriebe, Gewerkschaften, Tarifverträge und dazu gehörigen Regulierung wollen. Im Ergebnis würde das m.E. einfach nur die Deindustrialisierung und den relativen Abstieg Deutschlands beschleunigen, ohne deshalb irgend etwas für die Umwelt zu erreichen.
Subventionierte Niedriglöhne wie in England stelle ich mir auch als problematisch vor. Damit ermutigt man ja eventuell die Arbeitgeber geradezu, den Lohn unter die Schwelle zu senken, ab der subventioniert wird.
Es gibt andererseits vielleicht Bereiche im Aufbau öffentlicher Güter, bei denen neue Arbeit durch Lohn-Subventionen geschaffen werden kann. Wie bei den berühmten “1-Euro-Jobs”, die im Hintergrund durch Zuzahlungen des Staates ermöglicht werden. Denkbar wären auch öffentliche Ausschreibungen zum arbeitsintensiven Aufbau gewisser öffentlicher Güter. Wenn die Löhne auf ein erträgliches Niveau anwachsen sollen, braucht man eine entsprechende Nachfrage nach Arbeitskraft. Verbote lenken davon ab und helfen nicht.
ideologischer Unfug
von einer Überregulierung kann hier in Deutschland nicht zu reden sein, eher von einer Unterregulierung, da ansonsten nicht Millionen Menschen zu einem Hungerlohn arbeiten müßten, während andererseits die Unternehmensgewinne explodieren.
Während die Produktivität hierzuland in diesem Jahr um sagenhafte 5,5% gestiegen ist, sind die Einkommen aus Lohnarbeit gesunken.
Und anstatt darüber zu lamentieren, dass ‘wir’ jetzt schon zu viel konsumieren, sprechen Sie mit denen, sie sich jetzt schon die Grundversorgung an Energiegütern leisten können, während die ‘privatisierten und deregulierten’ deutschen Energiekonzerne ihre Monopolprofite dazu verwenden, im Ausland zu expandieren.
informieren Sie sich über den gewaltigen Aussenhandendelsüberschuß der deutschen Wirtschaft, ehe Sie über ihre mangelnde Konkurrenzfähigkeit fantasieren
Einigen Ideologen scheint hier die weltweite Kreditkrise auf den Finanzmärkten entgangen zu sein, für die primär die noch deregulierteren angelsächsichen Ökonomien verantwortlich sind (wo dann übrigens die Gleichen, die sonst immer nach weniger Staat schreien, ihm lauthals zu Hilfe rufen), und die auf grund der massiven Ungleichgewichte im Verteilungsprozess entstanden ist - die gewachsene Sparquote der nicht lohnarbeitsabhängigen Haushalte führt eben zu den gefährlichsten Wagnissen auf den Finanzmärkten
http://www.jjahnke.net/
das sollte heißen
“sie sich jetzt schon die Grundversorgung an Energiegütern nicht leisten können”
Das widerspricht sich alles nicht.
Die Deindustrialisierung schreitet trotz all dem rasch fort. Viele Mittelständler, die jetzt große Gewinne einfahren, tun dies deshalb, weil sie gerade Kapazitäten in China aufbauen. Kurz- und mittelfristig mag das sogar hier zu mehr Beschäftigung führen.
Aber auf Dauer absorbiert die Industrie nicht mehr die großen Mengen an Arbeitskräften, die sie früher absorbierte, und die Leute müssen sich irgendwie mit selbstständiger Dienstleistungsarbeit eine Existenz aufbauen. Für die ist Regulierung viel zerstörerischer als für die frühere Industriearbeit, bei der sie im übrigen auch wenig ausrichten kann, wie man am Fall der Post sieht. Man kann einem Unternehmen verbieten, geringe Löhne zu zahlen, aber man kann es nicht dazu zwingen, Arbeitsplätze mit höheren Löhnen zu schaffen.
Wer mit Politik etwas erreichen will, muss sich schon etwas besseres einfallen lassen, und auch da sind die Spielräume dank jahrzehntelanger Schuldenpolitik begrenzt.
#25 - Um diese Versanddienste, die wegen Post-Mindestlohn dichtmachen, ist es wirklich nicht schade. Die neoliberalen Massenmedien unter Führung der Vier-Buchstaben-Zeitung fahren übrigens einen ganz geschickten Propagandafeldzug gegen den Mindestlohn. Solche Arbeitsplätze braucht Deutschland einfach nicht, darauf kann man gut verzichten.
Subventionierte Niedriglöhne sind tatsächlich ein Problem - aber genau das wird ja durch den fehlenden Mindestlohn in Kauf genommen. Wenn die Löhne so niedrig sind, dass der Staat sie subventionieren muss, damit die Niedriglohn-Empfänger überhaupt noch leben können, dann läuft das ja indirekt auf eine Subvention der Arbeitgeber hinaus. Also die Sozialkassen werden belastet, um die Arbeitgeber zu entlasten. Im Grunde genommen ist durch den fehlenden Mindestlohn die Schwarzarbeit in Deutschland teilweise legalisiert worden. Der Niedriglohn-Empfänger arbeitet und empfängt zugleich Sozialleistungen - eigentlich doch der klassische Fall der Schwarzarbeit. Nur wer profitiert von dieser Schwarzarbeit? Das ist doch der Unternehmer, der seine Gewinne maximieren kann - auf Kosten der Allgemeinheit, die für Sozialleistungen in Milliardenhöhe aufkommen muss. Der Sozialstaat wird missbraucht - zugunsten der Unternehmer, und das muss unterbunden werden.
Vielleicht auch noch ganz interessant: Diskussion mit einem Unternehmer zum Mindestlohn - ich habe das Dokument zwar nicht gelesen, gehe aber davon aus, dass dort gute Argumente zu finden sind.
Im Kern glaube ich, dass man in erster Linie über den Maximallohn diskutieren muss und erst in zweiter Linie über den Mindestlohn. Denn irgendwoher muss das Geld ja kommen. Also man kann nicht nur einfach einen Mindestlohn fordern ohne zu sagen, wer das bezahlen soll.
Im übrigen kann ich wie im Kommentarnummer 26 schon hingewiesen die Webpräsenz jjahnke.net empfehlen - dort sind viele Fakten und Statistiken zusammengetragen.
Ganz wichtig ist, dass man die Wirklichkeit nicht durch die ideologische Brille sieht, sondern sich insbesondere auch an den Fakten orientiert. Für Millionen Deutsche geht es bergab - aber woran liegt das? An der Verdummung der breiten Masse, die einfach nicht zum nachdenken kommt. Und die gleichgeschalteten Massenmedien kann man zur Information vergessen - dort wird man nur manipuliert und von den wesentlichen Fakten abgelenkt.
In der DDR gab es die statistischen Jahrbücher mit sehr vielen schönen und weniger schönen Zahlen. Das Leben entwickelte sich unabhängig von diesen Statistiken.
Hinter jeder statistischen Zahl stehen Menschen, Beziehungen, Entscheidungen. Die Fehler und Irrwege von statistischen Aussagen sind hinlänglich bekannt.
Auch aus den statistischen Daten richtig erkannte Problemlösungen müssen erstmal durchgesetzt werden.
Die Mindestlohndiskussion lässt sich nicht mit Statistiken zu Ende führen. Nur Experimente ergeben praktische Antworten.
Experimentiert wurde in Deutschland sehr viel mit sehr unterscheidlichen Ergebnissen.
Im Augenblick befinden wir uns im Ausverkauf des über viele Jahrzehne Geschaffenen, ähnlich wie Russland seit Ende der achtziger Jahre.
Die Intetressen des deutschen führenden Wirtschaftsmanagements und der führenden deutschen Politiker liegen weit entfernt von den Interessen der ihnen anvertrauten Bevölkerung und der zu verwaltenden materiellen Güter, Produktiionsstääten etc.
Die Mindestlohndiskussion lenkt ab von den wahren Problemen. Es sind dem Grunde nach Wahlkkampf-Parolen der Politiker. Ob über die Firmen oder mit staatlichen Zuschüssen ein bezahlbares würdiges Leben für jeden einzelnen garantiert wird, ist relativ schnuppe angesichts der anderen viel gravierenden ungelösten Probleme.
Versanddienste sind heute nicht mehr besonders wichtig. Deshalb eignen sie sich vielleicht als Feld für einen Mindestlohn. Insgesamt ist es aber für die Wirtschaft, insbesondere die postindustrielle, sehr wichtig, sich billig, ohne Regulierung (und vor allem ohne das zunehmend untragbare Quittungs- und Steuererklärungswesen) die Arbeit teilen zu können. Es wird immer sehr viele Arbeit geben, die man unentgeltlich oder gegen geringen Lohn macht. Das Einordnen in arbeits- und steuerrechtliche Kategorien ist ein Klotz am Bein einer immer leichtgewichtigeren Erwerbsweise, in der privates von gewerblichem kaum noch zu trennen ist.
Mythenbildung
Deutschland ist zum wiederholten Male so genannter Exportweltmeister geworden, der Aussenhandelsüberschuß zeugt von einem massiven Ungleichgewicht im Aussenhandel, der enormen Druck vor allem auf die europ. Nachbarn ausübt: Deutschland, d.h. dessen Eliten, sind Treiber eines verschärften Konkurrenzverhältnisses zu Lasten nicht nur der deutschen Lohnarbeitsabhängigen.
Zum Mythos der De-Industrialisierung zunächst ein ihn entzaubernder Blick auf die Realität, der übrigens auch den Zynismus der gängigen ‘Standort’-Rhetorik bloßlegt:
“Ungeachtet aller Schwankungen auf dem Weltrüstungsmarkt entwickelt sich der deutsche Rüstungsexport stetig aufwärts”.
aber selbst wenn man von der Realität zum Begriff schreitet ….
“De-Industrialisierung bezeichnet eine strukturelle Veränderung der Wirtschaftsgefüge, die in entwickelten Industrienationen verortet ist. Sie findet ihren Ausdruck in der (relativen) Abnahme der Bedeutung des produzierenden Gewerbes und zeichnet sich durch absolutes Absinken der Beschäftigung, der Produktion, der Rentabilität, des Kapitalstocks, absoluter Rückgang der Exporte und langlebige Handelsdefizite aus”
… kann beim Exportweltmeister wohl nicht die Rede sein
warum sich hinter Modebegriffen wie ‘postindustriell’ verstecken, sagen Sie es offen: Sie wollen Hungerlöhne, möglicherweise weil Sie davon profitieren
Sie liefern lediglich ‘Begriffliches’, also Ideologisches … aber selbst wenn man sich auf Ihre rein abstrakte Konstruktion einläßt, such macht vergeblich nach einer stichhaltigen Begründung für die volkswirtschaftliche Notwendigkeit von Hungerlöhnen - ethisch versuchen Sie es gar nicht, abgesehen davon, dass Sie Arbeit nur als Ware und Kostenfaktor betrachten und den Menschen, der mit seiner Arbeit untrennbar verbunden ist, gänzlich davon trennen
apropos … zum Zauberwort ‘Deregulierung’
eine Studie mit dem Namen ‘Makroökonomische Flankierung struktureller Reformen im Rahmen der Lissabon-Strategie’, vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragt (der sie übrigens zurückhält), kommt zu dem Ergebnis, dass
“Kurzfristig, also in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren, führen Deregulierungen nicht zu höherem Wachstum und mehr Beschäftigung. Im Gegenteil: die konjunkturelle Entwicklung sei durch Strukturreformen sogar beeinträchtigt worden, bilanziert Prognos-Forscher Jan Limbers. Dies treffe auf die Mehrzahl der Länder zu.”
http://www.vdi-...4&doPrint=1
Trotz aller Exportweltmeisterschaft geht die Deindustrialisierung weiter.
Zweifellos ist es die in Deutschland vorherrschende Strategie, an der Spitze
einer Entwicklung der Globalisierung und Deindustrialisierung zu marschieren
und auf diese Weise selber etwas weniger von dem Druck abzubekommen, der von
dieser Entwicklung ausgeht. Deshalb auch die besondere Eifrigkeit etwa bei
der Einführung von Englisch als Amtssprache der Bundesbahn oder des
Frankfurter städtischen Nahverkehehrs in belanglosen Lautsprecheransagen etc.
Die traditionellen Maschinenbauer punkten im Moment gerade damit, dass sie in
China (oder z.B. Russland, Indien etc) billig produzieren und zugleich
individualisierte Waren liefern und gleiche Qualität an mehreren Standorten
gewährleisten, wobei auch hier der Wissensanteil allmählich auswandert,
nachdem der einigermaßen berechenbare Gewinne versprechende industrielle
Anteil schon ausgewandert ist. Ob die paar deutschen Maschinenbauer, die
den Anschluss kriegen, in 10 Jahren noch eine Rolle spielen werden, ist
schwer abzusehen.
Bei allen Exportzahlen ist die De-Industrialisierung unübersehbar. Immer
weitere Bereiche funktionieren nicht mehr nach dem Mechanismus der
Serienfertigung materieller Waren, bei der sich auf Dauer einigermaßen
konstant und berechenbar Gewinne einfahren lassen. Stattdessen ist, bedingt
durch den Wachstum des Wissens- und Informationsanteils, eine Wirtschaftsweise
dominierend, die manche Leute vorübergehend das ganz große Los ziehen und dann
wieder in der Versenkung verschwinden lässt, wo sie erst mal ziemlich viel
Geld verbrennen, bis irgendwo eine andere Saat aufgeht. Wenn der Fiskus
glaubt, dass ihm 90% des großen Loses zusteht, müsste er auch für 90% der
Nieten aufkommen, oder aber erkennen, dass er mit solchem Denken nur die
wirtschaftliche Aktivität als ganze abtötet.
Es ist bemerkenswert, dass vor allem die Linken angesichts dieser Lage auf der
nationalen Volksgemeinschaft pochen, die helfen soll, Risiken gleich zu
verteilen. Ich habe nichts dagegen, will nur anmerken, dass die Rezepte von
gestern nicht unbedingt funktionieren. Man muss sich etwas besseres einfallen
lassen, was zu der beweglicheren, flüchtigeren und schwerer in Regulierung
fassbaren Wirtschaftsweise passt. Z.B. könnte man indem man die Fiskal- und
Umverteilungspolitik auf Bereiche wie Immobilien, Grundbesitz, Bodenschätze
etc konzentriert.
noch ein Hinweis
Harald Wozniewski vergleicht in seiner Studie “Die Einkommensentwicklung steht Kopf” die Einkommenentwicklung in Deutschland mit dem Wachstum der Geldmenge. Er zeigt darin, dass die wachsende Ungleichgewichte in der Einkommensverteilung dadurch noch verstärkt werden, dass die Einkommenszuwächse der unteren Klassen noch unter der Erhöhung der Geldmenge M3 liegen.
“1974 lag das durchschnittliche Einkommen eines Steuerpflichtigen der “übrigen Bevölkerung” bei 20.541 DM. Die Geldmenge M3 betrug 452,205 Milliarden DM. Eine Million Steuerpflichtige der “übrigen Bevölkerung” hatten 1974 an der Geldmenge M 3 einen Anteil von 4,54%.
Bis 1998 war das Einkommen der “übrigen Bevölkerung” nominell zwar durchschnittlich auf 41.291 DM gewachsen (1995 sogar schon auf 47.988 DM!). Verglichen aber mit der Geldmenge M3, die nunmehr bei 2.568,05 Milliarden DM angekommen war, waren die Einkommen von rund 95% der Bevölkerung von 1974 bis 1998 rapide auf 35,4% des Wertes von 1974 gesunken. Eine Million Steuerpflichtige der “übrigen Bevölkerung” hatten 1998 an der Geldmenge M 3 nur noch einen Anteil von 1,61% (1995 noch von 2,39%) …
So hätte das durchschnittliche Einkommen eines Steuerpflichtigen der “übrigen Bevölkerung”, das wie gesagt 1974 bei 20.541 DM lag, wenn es mit der Entwicklung der Geldmenge M3 hätte mithalten sollen, bis 1998 nicht nur auf 41.291 DM, sondern auf 116.650 DM steigen müssen.”
Die Diskussion um ‘Mindestlöhne’ muss man auch vor dem Hintergrund solcher die Volkswirtschaft an sich bedrohender Ungleichgewichte sehen, denn
“Die Masse der Bevölkerung kann sich im Vergleich zu den Reichen stetig weniger leisten, und sie nimmt folglich immer weniger an der Volkswirtschaft teil. Die wirtschaftliche Bedeutung von 95% der Menschen in Deutschland sinkt seit Mitte der 1970er Jahren stetig und rapide. Der Einbruch der Konjunktur ist die logische und zwingende Folge.”
http://www.meud...l/einkommen.htm
‘Deindustrialisierung’ als Mythos is verbunden mit einem Verfall des produktiven Sektors einer Volkswirtschaft, was falsch ist:
“An important implication of this analysis is that deindustrialization is not necessarily a symptom of the failure of a country’s manufacturing sector or, for that matter, of the economy as a whole. On the contrary, deindustrialization is simply the natural outcome of successful economic development and is generally associated with rising living standards.”
De-Industrialisierung ist auch weit weniger angeblicher Verlagerungen infolge von Kostenvorteilen arbeitsintensiver Produktion geschuldet:
“Indeed, contrary to popular perception, analysis shows that North-South trade has probably had only a limited role in deindustrialization. This is also consistent with the fact, mentioned above, that the manufacturing trade balance for the industrial world as a whole did not change much between 1970 and 1994.”
http://www.imf....bs/ft/issues10/
es gibt keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der so genannten ‘De-Industrialisierung’ und der Verarmung der Masse lohnarbeitsabhängiger Bevölkerungsschichten - so wie es zu solcher Verarmung kommt, ist das eher Ergebnis politischer Entscheidungen, d.h. einer Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der nicht-lohnarbeistabhängigen Einkommensbezieher
Die oben angeführten Quellen und Argumente stehen m.E. einigermaßen in Einklang mit dem was ich schrieb. Was fehlt ist eine Erklärung dafür, warum Mindestlöhne und Höchsteinkommen für die Bekämpfung der Armut nützlich sein sollen.
Sie haben die De-Industrialisierung als Grund für die eine ‘Deregulierung’ der Arbeitsverhältnisse eingeführt mit demm Ziel, massenhaft billige Arbeit zur Verfügung zu stellen.
Billige Arbeit steht in keinem Zusammenhang zur Armut? Billige Arbeit, (d.h. solche, die nicht einmal zur Finanzierung eines der Entwicklung der Produktivkräfte entsprechenden Standards ausreicht), steht im Widerspruch zu dem in der Studie postulierten Effekt der De-Industrialisierung:
“deindustrialization is simply the natural outcome of successful economic development and is generally associated with rising living standards”
Wenn Sie sich die verschärften Ungleichgewichte in der Einkommenentwicklung ansehen, finden Sie eine Antwort auf die Frage
“warum Mindestlöhne und Höchsteinkommen für die Bekämpfung der Armut nützlich sein sollen”
#33 da steht was von “kurzfristig”, langfristig ist Deregulierung also sehr wohl sinnvoll.
Die Diskussion Mindestlöhne sollte auch einmal im Hinblick auf die weltweite Niedriglohnkonkurrenz aufgezogen werden.
Eine erhöhte Nachfrage nach Arbeit könnte zur Bekämpfung von Armut beitragen. Durch ein Verbot billiger Arbeit erhöht man aber diese Nachfrage nicht.
#39
sie müssen den verlibkten Artikel schon lesen, da ich nicht alles zitieren kann:
weiter heißt es:
“Auch mittelfristig, also in einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren, ist die Reform-Bilanz eher enttäuschend. ”
also was wollen Sie mehr, von welcher Langfristigkeit sprechen sie, von der gleichen, mit der der ‘preussisch- autoritäre Sozialismus’ das Paradies Erden schaffen sollte?
also in der Studie steht nichts vom ‘langfristigen Sinn’, vielmehr …
“Sie warnen vor einer “leichtfertigen Übernahme von Deregulierungsempfehlungen”.”
dass Erfolge langfristig sich einstellen mögen, gehört wohl zu den neoliberalen Glaubenssätzen, die jenseits jeder empirischen Überprüfung stehen
“Eine erhöhte Nachfrage nach Arbeit könnte zur Bekämpfung von Armut beitragen. Durch ein Verbot billiger Arbeit erhöht man aber diese Nachfrage nicht.”
Armut kann nicht durch weitere Verbreitung von Armutslöhnen bekämpft werden
@40 - Pilch
Was soll mir diese Aussage denn sagen. Das ich 4 Arbeitsstellen gleichzeitig machen soll, obwohl ich froh bin, eine bezahlte (damit meine ich kein Almosen 1€-Job und keinen Sklavenzeitarbeit) Arbeit gefunden habe. Glauben Sie wirklich noch in Deutschland liegt die Arbeit auf der Straße. Ja gut, bei ihrer Ausbildung und Qualifikation sind mehrere Jobs ja nichts ungewöhnliches. Ich bin noch nicht mal neidisch, sondern zolle Ihnen meine Respekt für die Beherrschung mehrerer Fremdsprachen und neide Ihnen auf gar keinen Fall das viele Geld was Sie damit verdienen. Und da liegt der Hund begraben. Sie erbringen eine Leistung und werden dafür gut bezahlt. Wer von der arbeitenden Bevölkerung wird den heute noch nach Leistung bezahlt? Entweder sie haben mit ihren Arbeitgeber was ausgehandelt (wer handelt heute eigentlich noch, jeder ist doch froh wenn den Job bekommt)oder Sie werden nach einem ausgehandelten Tarifvertrag bezahlt. Und wenn Sie jetzt mehr Leistung bringen als ihre Kollegen, was bringt das, gar NICHTS. (Gehaltserhöhung was ist das denn?)
In diesem Lande geht es schon lange nicht mehr nach Leistung, sondern nur noch wie die Arbeitskraft am billigsten einkauft werden kann. Warum streiten Sie auf ihrer Homepage für eine Regulierung des Internetrechts, hier sind Sie doch gegen Regulierung. Im gewissen Sinne sind das ganz gewiefte Burschen, die die Gesetzeslücken ausnutzen, sich die Gerichte aussuchen und Sie abzocken. Also wenn es um Ihr Geld geht sind sie also doch für Regulierung?
Gerade bezüglich Internetrecht streite ich eher für Deregulierung.
Z.B. http://a2e.de/i2p “Schutz der Innovation vor Juristischer
Überregulierung”. Oder die Wortwahl auf http://www.aeus...ngsfreiheit.de/.
Einige Jahre habe ich damit verbracht, den Patentfimmel Berliner und Brüsseler
Innovationsbürokraten zu bekämpfen http://eupat.ffii.org/.
Zugleich habe ich auch schon manchmal den zeitweilig zur Religion erhobenen
Kult der unsichtbaren Hand kritisiert. Gerade in einer stärker von dem
Gemeingut Information geprägten Wirtschaft kann man schwer behaupten, dass der
“Markt” (also Angebot und Nachfrage von Privatgütern) langfristig optimal das
Gemeinwohl fördere. Aber Bürokraten und Richter können in dieser Umgebung
meist noch weniger sinnvolles ausrichten als das freie Spiel der Kräfte. Die
Selbstregulierungskräfte werden nach wie vor unterschätzt und die
Möglichkeiten von politischen Übervätern überschätzt.
Besonders reich bin ich übrigens durch meine paar Fähigkeiten nicht. Und
diese Fähigkeiten können jederzeit an Wert verlieren. Andererseits es gibt
viele Leute, die ohne antrainierte Spezialfähigkeiten reich werden. Dass man
in irgendwelche Wissensansammlungen investiert und damit nach Programm (und
Tarifvertrag) reich wird, ist vielleicht auch eher eine Vorstellung der
Industriegesellschaft.
Ist nach der Logik des Mindestlohnes nicht auch ehrenamtliche Arbeit zu verbieten, da diese mit einem Gehalt von Null entlohnt wird?
#41
Etwas mehr liberale Disziplin in der Wirtschaftspolitik wäre in der Tat wünschenswert, wenn auch damit kein “Paradies auf Erden” erreicht werden.
Maßnahmen zu verurteilen, weil sie bis zur nächsten Wahl keine Erfolge zeitigen, ist schon ziemlich verkommen.
Mir scheint, man sollte Arbeitslose nicht zur Annahme jeder Arbeit zwingen.
Durch den Mindestlohn versucht man staatlichen Zwang durch neuen staatlichen Zwang zu korrigieren. Nennt man wohl Interventionsspirale.
Auf der Strecke bleibt die individuelle Handlungs- und Vertragsfreiheit und das Prinzip der freien Preisfindung, das ich für eine Marktwirtschaft als zentral ansehe.