Bisher wurde Google vor allem für seine gute Kooperation mit chinesischen Zensoren kritisiert. Doch nun hat Google die IP-Adresse eines Bloggers, der bei seiner US-amerikanischen Tochter Blogger.com offenbar das Blog shaarei-tikva.blogspot.com mit Korruptionsvorwürfen und ähnlichen Inhalten über die Ratsmänner Gideon Idan, Haim Blumenfeld Avi Yokobovich versorgt hat, auf eine Anforderung eines israelischen Gerichtes herausgegeben. Nachdem bereits bekannt ist, dass Denunziation bei Yahoo! zum Geschäft gehört, erklärt mit der ohne Not erfolgten Denunziation nun also auch Google seinen vollständigen moralischen Bankrott.
Dier drei Ratsmänner von Shaarei Tikva hatten - vertreten von Ben Zion Adoram und Tomer Altus von Adoram & Co. - bei einem israelischen Gericht eine 300.000 Schekel (ca. 53.000 Euro) schwere Zivilklage gegen anonym eingereicht. Alles, was der israelische Richter Oren Schwartz dazu tun musste, um an die begehrten Nutzerdaten zu kommen, war Google verteten von Keren Beer und Hagit Blaiberg von Goldfarb, Levy, Eran, Meiri & Co. zu erklären, dass Verleumdung in Israel eine Straftat sei.
Google zufolge war das der normale Geschäftsgang, denn Google gebe bei einem Verdacht auf eine Straftat seinen Nutzungsbedingungen zufolge Nutzerdaten heraus, weise auf mögliche strafrechtliche Sanktionen hin und behalte sich überdies vor, das Blog zu löschen. Offen bleibt dabei jedoch, wie es sein kann, dass bei der Bewertung der Frage, ob durch Veröffentlichungen möglicherweise eine Straftat begangen worden sei, Blogger.com sich an israelisches Recht und nicht nur, wie es vernünftigerweise zu erwarten gewesen wäre, an kalifornisches Recht gebunden fühlt, wo eine Strafbarkeit der Veröffentlichungen nicht in Betracht gekommen wäre, sondern allenfalls eine vermutlich ziemlich aussichtslose Zivilklage hätte eingereicht werden können. Dafür, dass Google in den Inhalten des Blogs keinen Verstoß gegen seine eigenen Nutzungsbedingungen sah, spricht auch, dass Google das Blog zunächst nicht gesperrt hat, wie das sonst bei Blogspot mit Inhalten, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, üblich ist.
Sollte Google sich nach diesem moralischen Offenbarungseid zukünftig beliebige ausländische Rechtsauffassungen zu eigen machen, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Google auch Whistleblower aus Deutschland und kritische Blogger aus anderen Ländern ihrer heimischen Unrechtsjustiz ans Messer liefert. Mein Parteibuch rät allen Dissidenten dringendst, Dienste von Google wie Gmail und Blogspot, wenn überhaupt notwendig, dann grundsätzlich nur durch einen Anonymisierungsdienst wie Tor geschützt in Anspruch zu nehmen.
Zwischenzeitlich ist das Blog shaarei-tikva.blogspot.com leider nicht mehr online, so dass es inzwischen schwer ist, sich von den Inhalten des Blogs ein eigenes Bild zu machen. Falls jemand einen Mirror findet, so wird um einen Hinweis gebeten. (via)
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“Google zufolge war das der normale Geschäftsgang, denn Google gebe bei einem Verdacht auf eine Straftat seinen Nutzungsbedingungen zufolge Nutzerdaten heraus, weise auf mögliche strafrechtliche Sanktionen hin und behalte sich überdies vor, das Blog zu löschen.”
Es geht um Geld, um viel Geld. Es geht um Aktienvermögen mehren, es geht um den Handymarkt … da ist dann jedes Mittel recht; wer glaubt, Business würde sich an moralische Wertvorstellungen halten, der lebt in einer anderen Welt!
Hallo,
Ich verwende schon seit vielen Monaten den Anonymisierungsdienst Tor, um mein Weblog bei WordPress.com zu führen. Und genau deswegen, weil ich diese Konstellation fürchte: Der Anbieter könnte ja die IP-Adresse herausgeben.
Hier noch ein paar Überlegungen: Manchmal erscheint eine Fehlermeldung, dass irgendwas nicht klappt. Da muss man sich einfach eine neue IP-Adresse von Tor geben lassen. Oder alternativ 15 bis 20 Minuten warten.
Also das Bloggen mit Tor ist nicht besonders komfortabel, aber es funktioniert. Man sollte den Artikel auf dem eigenen Computer mit einer Textverarbeitung möglichst perfekt diktieren und dann zum Abschluss erst über Tor (zur Verschleierung der IP-Adresse) zum Beispiel bei WordPress.com veröffentlichen.
Eine weitere zusätzliche Maßnahme wäre, dass man einfach über das offene WLAN des Nachbarn auf das Internet zugreift. Damit der Nachbar aber keinen Ärger bekommt, auf jeden Fall zusätzlich noch Tor verwenden. Dadurch hätte man eine zusätzliche Maßnahme. WLAN ist schon ziemlich weit verbreitet, und immer mal wieder ist was unverschlüsselt. Also diesbezüglich können deutsche Dissidenten sich auch absichern. Das müsste auch funktionieren, also man muss auf jeden Fall den Weg zu sich selbst zurück möglichst gut verschleiern. Aber missbraucht eure Macht nicht, das ist ganz wichtig.
Aber das muss jeder wissen: Die kriegen einen letztlich schon, wenn es drauf ankommt. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und man muss halt Hürden bauen, absolute Sicherheit gibt es sowieso nicht. Das ist wie beim Autofahren: Anschnallen und Airbags bieten keine absolute Sicherheit, verringern aber das Verletzungsrisiko. Und so ist es auch mit der Anonymisierung.
Übrigens, meine Kommentare im Parteibuch Weblog trage ich immer mit Tor ein. Mit Tor kann man übrigens auch im Parteibuchlexikon schreiben. Sollte ausnahmsweise mal ein Tor-Exit-Node aufgrund des Spam-Schutzes nicht akzeptiert werden, muss man sich halt durch Tor eine neue IP-Adresse geben lassen.
Tor ist langsam, hat lange Reaktionszeiten. Aber für Dissidenten gegenwärtig eine ganz gute Schutzmaßnahme, die unsere Diktatoren möglicherweise auch noch verbieten werden im Laufe der kommenden Jahre.
@Man of the World,
ganz deiner Meinung, nehme zwar JAP als Anonymisierungsdienst aber ansonsten nur über solche Dienst bloggen.
Ich glaube aber das ein Verbot von Anonymisierungsdienste aber schon im Jahre 2008 kommt.
Bei dem Tempo den unser Rollstuhlfahrer vorlegt.
[…] in Deutschland ist für kleine Untertanen nicht gewährleistet. Da kann man höchstens ein anonymes Weblog betreiben, um den Unterdrückern in Berlin und in Brüssel eine Chance zu geben, nachvollziehen zu […]