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23. November 2007

Was bei Spiegel Online im Austrittsschreiben von Gabriele Pauli fehlt

von @ 2:13. abgelegt unter Deutschland, Politik, CSU, Medienmanipulation, Gabriele Pauli

Vorgestern haben eine Vielzahl von Blogs und Medien darüber berichtet, dass Gabriele Pauli aus der CSU ausgetreten ist. Spiegel Online dokumentierte gestern ihren Austrittsbrief unter der Überschrift “Im Wortlaut”.

Bei der Dokumentation im Wortlaut hat es jedoch bemerkenswerterweise an zwei Stellen anstelle von Text jedoch Pünktchen gegeben. Inzwischen hat Gabriele Pauli ihr Ausstrittsschreiben auch auf ihren eigenen Webseiten dokumentiert. Mein Parteibuch war so frei, mal nachzuschauen, was bei Spiegel Online fehlt.

Die erste Stelle, die bei Spiegel Online fehlt, ist diese:

Viele Bürger in Bayern fühlen sich von den politischen Parteien nicht ausreichend vertreten, auch nicht von der CSU, die nur ein Drittel der Wahlbevölkerung hinter sich hat. Als Parteivorsitzender mag ein gutes Wahlergebnis bei Landtagswahlen für Sie zwar befriedigend sein, gesamtpolitisch ist es alarmierend, dass fast die Hälfte der Bayern nicht mehr zur Wahl geht.

Politiker haben den Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust selbst zu verantworten.

Die zweite Stelle, die bei Spiegel Online fehlt, ist diese hier:

Warum machen wir Politik? Bei vielen führenden Politikern in unserer Partei werden Schlagworte strapaziert – das wirkliche Interesse am Schicksal vieler Menschen ist nicht mehr zu spüren. Als Kommunalpolitikerin erlebe ich, wie Hartz IV viele Menschen verzweifelt zurücklässt, wie Jugendliche mit beruflicher Perspektivlosigkeit kämpfen, wie alte Menschen sich abgeschoben fühlen. Menschlichkeit ist unseren Politikern nicht mehr anzumerken, sie sehen Menschlichkeit als PR-Instrument, um Stimmen zu gewinnen. Deshalb kehren viele Bürger den Parteien den Rücken, da sie diese unechten, vorgeschobenen Interessen spüren.

Es ist christlich und sozial, sich drüber bewusst zu werden, wem viele unserer Politiker wirklich dienen und welchen Schaden sie durch ihr Verhalten der Glaubwürdigkeit unseres gesamten politischen Systems zugefügt haben.

Gerade die CSU hätte hier als erste Partei einen neuen Stil des Politikverständnisses zeigen können. Deshalb habe ich auf dem Parteitag im September für den Vorsitz kandidiert, obwohl ich weiß, dass solche Überlegungen bei vielen erst am Anfang stehen. Ich möchte, dass sich diese offenen und grundlegenden Gedanken, die von vielen Menschen mit Hoffnung während des Parteitags begleitet wurden, weiterentwickeln. Ich möchte einen Kreis von Menschen finden, der für eine Politik der Offenheit steht, um einem neuen Denken, das sich viele ersehnen, Kraft zu verleihen.

Das hört sich doch mal wieder viel vernünftiger an, als man das sonst so von Politikern gewohnt ist.

Wer sich erinnert, dass Gabriele Pauli vor dem Parteitag der CSU, auf dem nur wenige CSU-Delegierte für sie als Parteivorsitzende stimmten, in der Bevölkerung die Favoritin für den CSU-Parteivorsitz war, der wird sicherlich gespannt darauf sein, wo Gabriele Pauli sich zukünftig politisch engagieren wird. Auch Mein Parteibuch zieht den Hut vor Gabriele Pauli.

Zum Schluss dieses Artikels gestattet sich Mein Parteibuch noch einen Linktip, der den christlichen Teil der christlich-sozialen Werte betrifft: www.kirchensumpf.org. In der Kirche schaut es zum Teil nämlich leider auch nicht viel besser als in der Politik aus.

11 Kommentare zum Beitrag “Was bei Spiegel Online im Austrittsschreiben von Gabriele Pauli fehlt”

  1. Man of the World sprach

    Für die herrschenden Blockparteien wird es schwierig, wenn das eigene Führungspersonal weglaufen sollte. Die Zeit läuft so langsam ab, ihr Politiker, denn die Geduld vieler deutscher Untertanen ist so langsam aufgebraucht. Das Internet hilft uns, uns auch ohne die gleichgeschalteten Massenmedien zu informieren.

  2. speedy sprach

    Oh,Vorsicht!
    Inqisitor Kerner wird das Wort “Gleichgeschaltet” nicht gern lesen,weil,
    “Das geht ja gar nicht”!

    Hoffen wir mal das sie einen weg findet das auch zu tun was sie sagt!

  3. Moritz2 sprach

    Es war ja kaum anders zu erwarten. Sogar beim Spiegel herrscht die “Zensurkeule”. Der einstige Hoffnungsträger wird zum Diener der Parteien und des Staates.

    Was die Kirchen schon über Jahunderte sehr gut beherrschten, nähmlich das Volk zu belügen, Angst zu verbreiten, mit Drohungen Menschen einzuschüchtern, dass haben nun auch die CDU/CSU/FDP und Grünen gelernt.

    Der Bürger soll fleißig arbeiten, sich vom Staat, der Ölindustrie, Konzernen
    abzocken lassen und sonst schweigen.

    Mit Zuckerbrot und Peitsche wird der “Untertan” zum Schweigen gebracht.

    Wir finanzieren die Parteien, die dicken Diäten der Abgeordneten im Land und beim Bund, weiter finanzieren wir die üppigen Vorstandsgehälter der Konzerne und die Kirchen.Um hier nur einige Beispiele zu nennen.

    Wie lange lässt sich das Volk die noch bieten ?

    Da kann ich nur sagen: “Ich habe fertig” mit diesen Heuchlern.

  4. Moritz2 sprach

    Habe noch bei der Aufzählung der Parteien glatt die SPD vergessen, kann heute schon mal vorkommen, sie unterscheidet sich ja kaum von der CDU/CSU.

  5. Sonnenfleisch sprach

    Der Titel des Berichtes über den Parteiaustritt der Pauli sollte auch dem Letzten deutlich gemacht haben, auf welchem Niveau SPON angekommen ist: “Die letzte Show der Latex-Landrätin”

    BILD-kompatibler kann man im Grunde nicht mehr formulieren.

  6. Redaktion sprach

    @Sonnenfleisch
    Du hast recht.

    Besonders aufschlussreich ist der Spiegel-Titel “Die letzte Show der Latex-Landrätin”, wenn man sich vergegenwärtigt, wer im Magazin Park Avenue, das Gabriele Pauli mit den Latex-Bildern auf’s Kreuz gelegt hat, den Ton angibt.

    Denn bei Park Avenue ist Andreas Petzold Chefredakteur. Dann sollte man noch wissen, dass Andreas Petzold hauptberuflich als Chefredakteur beim Stern, auch bekannt als Fachblatt für Hitler-Tagebücher, arbeitet.

    Nun gehört der Stern über Gruner + Jahr zum Bertelsmann-Konzern. Bertelsmann besitzt über Gruner + Jahr aber auch 25% am Spiegel und kann dort auf diese Weise sicherlich auch für passende Berichte sorgen.

    So schließt sich der Kreis. Wer sich als Politiker für anständige Politik einsetzt, muss damit rechnen, von Bertelsmann abgeschossen und - siehe “Die letzte Show der Latex-Landrätin” - verspottet zu werden.

    Dumm nur, wenn das - wie in diesem Fall - ein Teil der Leserschaft mitbekommt.

  7. Sonnenfleisch sprach

    Danke für diese Hintergrundinformationen.

    Ja, die Spiegel-Schreibe … “verspotten” ist da bisweilen ein, wie ich finde, zu harmloser Ausdruck. Die Übergang zur Diffamierung ist in dem Blatt mitunter fließend.

  8. Rolf Schälike sprach

    Und wer hat die Park Avenue mit dem Chefradakteur Andreas Petzold gegen die Klage von Pauli vertreten?

    Creme de la Creme Anwalt Helmuth Jipp.

    Bei soviel Power ist verständlich, dass Pauli mit einem Vergleich einverstanden war. Was weiß sie schon von den Zensurregeln, den Zensuranwälten der selbstzensierten Magazine und deren Chefredakteure in der Funktion von Hauptzensoren.

  9. otti sprach

    Was? Die Hälfte der Wähler geht nicht mehr zu Wahlen. Sowas verbreitet man doch nicht, das ist staatsgefährdend, das grenzt an Terror.

    Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust: Na und! Wenn man das C im Parteinamen hat, heißt das noch lange nicht, dass man sich christlich verhalten muss.

    Christliche Soziallehre passt weder zum Kapitalismus der Parteien noch zu einem ‘roten’ Spiegel.

  10. Andreas Skowronek sprach

    # 9) Otti, wie kommst Du nur auf die Idee, der SPIEGEL könnte auch nur ansatzweise “rot” sein?!

  11. SpiegelKritik » Blog Archive » Lesebeute: Sturmgeschütz wird Gulaschkanone sprach

    […] älter schon: Das Parteibuch hatte darauf aufmerksam gemacht, dass Spiegel-Online in der “Wortlaut”-Dokumentation […]

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