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21. November 2007

Nochmal zum Moscheebau in Frankfurt Hausen

von @ 18:11. abgelegt unter Deutschland, Islam, Politik, Hessen, Frankfurt Main

Am 09.11.2007 wurde auf Mein-Parteibuch.com unter dem Titel “Eklat im Integrationsausschuss der Stadt Frankfurt am Main” eine Pressemitteilung der Freien Wähler Hessen veröffentlicht, in der ein Zitat der grünen Frankfurter Stadtverordneten Nargess Eskandari-Grünberg zu einem geplanten Moscheeneubau in Frankfurt Hausen kritisiert wurde.

Heute nun berichtet das Ostblog über eine fremdenfeindliche und antisemitische Hasskampagne gegen Nargess Eskandari-Grünberg und ihren jüdischen Ehemann Kurt Grünberg. Da ist es wohl höchste Zeit, einmal genauer nachzuschauen, wer eigentlich die Hassprediger sind.

Vorab sollte dazu erst einmal Konsens darüber hergestellt werden, was Nargess Eskandari-Grünberg am 05.11.2007 wirklich gesagt hat und in welchem Zusammenhang sie dies getan hat. In der über Mein-Parteibuch verbreiteten Presseerklärung der freien Wähler wird Nargess Eskandari-Grünberg mit den Worten „Wenn Ihnen das nicht passt, dann ziehen Sie doch weg!“ und durch die Überschrift “Grünen-Stadtverordnete fordert Moschee-Kritiker zum Wegzug auf” fälschlicherweise der Eindruck erweckt, das Wort “das” in “das nicht passt” würde sich auf den Moscheebau beziehen.

Martin Müller-Bialon hingegen zitierte Nargess Eskandari-Grünberg am 07.11.2007 in der Frankfurter Rundschau - bisher anscheined unwidersprochen - mit den Worten:

“Migration ist in Frankfurt eine Tatsache. Wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie woanders hinziehen.”

Die Aussage, dass der Zuzug von Migranten an einen Wohnort ihrer Wahl in einem Land, in dem es ein Grundrecht auf die freie Wahl des Wohnortes gibt, von der alteingesessenen Bevölkerung genau wie der Zuzug vo Juden, Farbigen oder Muslimen eine hinzunehmende Tatsache ist, ist tatsächlich banal. Wem Migration in Frankfurt nicht passt, dem bleibt wirklich nichts anderes übrig, als aus Frankfurt wegzuziehen - zum Beispiel ins vom ehemaligen Bischof Johannes Dyba und den ehemaligen CDU-Politikern Martin Hohmann und Alfred Dregger geprägte schwarz-braune Fulda. Politik bedeutet jedoch, auch über den Tellerrand hinauszuschauen und faktische Probleme wie Gewalt und Sorgen wie beispielsweise eine mögliche Ghettoisierung eines Stadtteiles zu lösen.

Dies hat jedoch auf der Grundlage des Grundgesetzes zu erfolgen. Schließlich ist auch die freie Religionsausübung in Deutschland aus gutem Grund ein Grundrecht, das nicht nur für die staatlich bevorzugten Religionen gilt. Deshalb können dem Bau einer islamischen Moschee allenfalls durch die Hintertür des Baurechts Stolpersteine in den Weg gelegt werden. Die Frage, ob einem Bauprojekt Stolpersteine wie zum Beispiel eine möglichst strenge Auslegung des Baurechtes in den Weg gelegt werden sollen, ist nun tatsächlich eine Frage, über die man politisch diskutieren kann.

Wenn man darüber diskutiert, dann ist es sicherlich richtig, sich diejenigen mal etwas genauer anzuschauen, die dieses Gebäude nachher nutzen wollen, mal etwas genauer anzuschauen. Nargess Eskandari-Grünberg hat dies im Falle des geplanten Moscheeneubaus in Frankfurt Hausen getan und äußert sich dazu in der FAZ vom 08.11.2007 in einem Interview wie folgt:

“FRAGE: Welchen Eindruck haben Sie von dem Moscheeverein, der das Gebetshaus in Hausen bauen will? ANTWORT: Es ist ja ein Verein von Schiiten, und ich bin vor 22 Jahren aus einem schiitischen Land geflohen. Es ist kein Wunder, dass ich kritische Fragen habe - etwa zu den Rechten von Frauen im Islam. Aber die Gruppierung in Hausen ist erstaunlich offen, und ich werde das Gespräch mit ihr aufrechterhalten. Ich werde, mehr als die Bürgerinitiative, genau darauf achten, was sich in der neuen Moschee abspielt.”

Wie man sieht, hat sich Nargess Eskandari-Grünberg offenbar ihre Hausaufgaben gemacht und ist in der Lage, zu differenzieren. Und dabei ist sie offenbar zu dem positiven Ergebnis gekommen, dass es in der geplanten Moschee erstaunlich viel Offenheit geben werde. Weltoffene Moscheen sind sicherlich als Konkurrenz zu Gotteshäusern, in denen ein intolerentes, geschlossenes Weltbild vermittelt wird, überall in Deutschland wünschenswert.

Davon sollten sich die am lautesten polternden Kritiker des Moscheeneubaus eine dicke Scheibe abschneiden. Schon die Kommentare des Moschee-Gegners Pro-Frankfurt hier im Parteibuch lassen auf ein geschlossenes schwarz-weiß Weltbild ohne jegliche Differenzierung und Reflektion schließen.

Noch deutlicher wird das argumentativ niedrige Niveau von so manchem “Moscheegegner” in einem Kommentar im Blog des bekannten Islamismusgegners Kewil. Zu seinem Beitrag vom 09.11.2007 15:13h mit Titel “Dr. Nargess Eskandari-Grünberg antwortet” lautet der erste Kommentar (Von Aietes (aietes@hotmail.de), publiziert am 09.11.2007 16:16h, gelesen am 21.11.2007):

:
Sorry aber, ich reagier auch mal emotional.
Wenn die das darf, darf ich das auch:

Das ist eine blöde fotze!!!!!

Und ich bin weder Deutscher,
noch gehöre ich irgendwelchen Nazi kreisen an.

Bin ein grieche der hier geboren und aufgewachsen ist.
Der hier arbeitet und in das Sozialsystem einzahlt.
Und die lässt so einen spruch ab obwohl sie weiss wie die realität aussiehtt.

Da könnt ich kotzen.
Und die sieht ziemlich scheisse aus…

Das zeugt von nichts anderem als blankem, verblendetem Hass. Auf dieser Ebene ist tatsächlich keinerlei Diskussion oder sachliche Auseinandersetzung möglich. Wer auch immer den Moscheebau in Frankfurt Hausen nicht will, der möge sich mit diesem konkreten Moscheebau und den dahinter stehenden Personen wirklich beschäftigen und dann Argumente anstelle von Beleidungen, Drohungen und platten rechtsradikalen Paralen vorbringen. Man kann sicher bezüglich des Moscheebaus zu einem anderen Ergebnis als Nargess Eskandari-Grünberg kommen, aber wer sich so wie der Mensch im oben zitierten Kommentar äußert oder wer sich nicht von solchen Kommunikationsformen distanziert, sondern wie “Politically Incorrectfreien Hass für freie Bürger praktiziert, der findet zurecht keinerlei Gehör in einer öffentlichen Auseinandersetzung.

Nargess Eskandari-Grünberg ist hingegen eine erstaunlich weltoffene Frau. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau sagte sie trotz der rechtsradikalen persönlichen Anfeindungen und Drohungen gegen sie und ihren jüdischen Ehemann:

Ich bin jederzeit zum Gespräch bereit, wir brauchen einen sachlichen Dialog und nicht Situationen, wo Verletzungen zugefügt werden.

Mein Parteibuch zieht den Hut vor dem Mut, der Weltoffenheit und der Geduld von Nargess Eskandari-Grünberg. Chapeau!

7 Kommentare zum Beitrag “Nochmal zum Moscheebau in Frankfurt Hausen”

  1. LOL sprach

    Der Skandal, lieber Bartels, ist der Umstand, dass die “Volksvertreter” inzwischen völlig losgelöst und gegen den Willen der Menschen, die sie zu vertreten vorgeben, Entscheidungen treffen, die in grosser Mehrheit abgelehnt werden.
    Es ist im übrigen typisch für grüne Politiker wie Eskandari-Grünberg, dass sie selbst in der Regel weitab leben von den Stadtteilen, in denen dann die Probleme ihrer verfehlten Politik ausgebadet werden müssen.
    In dem Stadtteil gibt es m.W. bereits 2 Moscheen, und die dortigen Bürger sind in grosser Mehrheit gegen einen weiteren Moscheebau - dass sich die grüne Politikern in Gutsherrenmanier über den Willen der Bürger hinwegsetzt, das ist der eigentliche Skandal.

  2. Hartmut Pilch sprach

    “Wem es nicht passt, der soll wegziehen” — das skandalöse an diesem Spruch ist, dass er tatsächlich der Wahrheit entspricht, wie Marcel oben argumentiert. Ein “politisch unkorrekter” Spruch, ausnahmsweise mal aus einer linken Ecke. Anstößig ist diese Wahrheit auch deshalb, weil im Grunde unsere Welt durchaus in souveräne Staaten aufgeteilt ist, zwischen denen kein “Recht auf Freizügigkeit” gilt sondern nur nach Regen migriert werden kann, bei denen die einheimische Bevölkerung ein Wörtchen mitzureden hat. Nur wird diese Mitbestimmung nicht organisiert. Die politische Elite scheint sogar zum großen Teil sehr wenig davon zu halten, die einheimische Bevölkerung über Regeln der Einwanderung zu konsultieren. Wenn darüber gesprochen wird, dann eher mit dem erhobenen Zeigefinger, etwa dem Vorwurf der “Ausländerfeindlichkeit”, der Ewiggestrigkeit etc, m.a.W. das Recht auf Mitbestimmung wird durch höhere Wahrheiten ausgehebelt, die sich eben nur der besserwissenden Elite erschließen (häufig durch Deduktion aus irgendwelchen Dogmen).

    Wenn die ungewollte Einwanderung dann schon in großem Umfang stattgefunden hat, ist es allerdings wirklich zu spät, gegen Moscheebau zu protestieren. Auch die Tatsache, dass ganze Viertel in einigen Städten in der Hand aggressiver ausländischer Gruppen sind, die dort ihre Regeln setzen und diese auch vielleicht symbolisch durch Moscheen signalisieren, kann tatsächlich ab einem gewissen Punkt nur noch hingenommen werden. Ein Krieg verschiedener Mobs gegeneinander bringt uns jedenfalls nicht weiter.

  3. pro-frankfurt.org sprach

    Frau Eskandari-Grünberg ist das Opferlamm und sie fühlt sich pudelwohl in ihrer Opferrolle. Sie hat nicht nur in einem unverschämten Ton vorgetragen, was sie nunmal sagte. Vielmehr war ihre Äusserung bezogen auf die Frage “Wo soll das noch hinführen, mit der nunmehr dritten Moschee in Hausen, wenn jetzt schon der Migrantenanteil in der Kerschensteiner Schule nahe 90% Prozent beträgt”.

    Nun, die CDU-Führung hat mittlerweile eine Diskussionsrunde mit den Hausenern Bürgern geführt: (FNP - http://www.rhei...&id=4164023 ) und darin heisst es:

    Das kleine Hausen beherbergt bekanntlich neben der russisch-orthodoxen Gemeinde und der ägyptisch-koptischen Gemeinde sowie zwei Moschee-Gemeinden auch eine ukrainische, ungarische und vietnamesische katholische Gemeinde, dazu eine japanische Schule und zahlreiche russlanddeutsche Aussiedler.

    Die Vorsitzende des Bildungs- und Integrationsausschusses, Bernadette Weyland (CDU), würdigte denn auch „die beeindruckende bisher geleistete Integrationsleistung der Hausener“, die bis jetzt in der politischen Debatte „unverständlicherweise“ nicht ausreichend gewürdigt worden sei. Von einer „rechten Szene“ im Ort könne jedenfalls in keiner Weise die Rede sein.

  4. Berger sprach

    Wenn ich als richtiger Deutscher eine Aussage wie Frau Narges Eskandari Grünberg machen würde,bezüglich der Islamisten,wäre sicher nächsten Tag der BND bei mir

  5. TOBIAS RÜGER sprach

    Eskandari-Grünberg ist selbst Schiitin und kann daher in der Sache kaum als neutral gelten.
    Mit ihrem Auftreten integriert sie nicht, spaltet vielmehr.
    Die Kritik an ihr als eine “antisemitische Hasskampagne” zu diffamieren ist eine Verdrehung der Tatsachen in orwell’schen Ausmaßen: Die nämliche schiitische Moschegemeinde lobt auf ihrer Internetdarstelung u.a. Nasrallah und Achmadinidschad als bedeutende schiitische Persönlichkeiten. Damit ist alles gesagt

  6. Leser sprach

    Wenn eine Kirchengemeinde auf der Webseite den Massenmörder George W. Bush als bedeutende christliche Persönlichkeit lobt, dann wird die Kirche selbstverständlich sofort geschlossen werden. Oder nicht?

    Schließlich wird alles mit einem Maßstab gemessen.

  7. TOBIAS RÜGER sprach

    Hier, “Leser”, red nicht so ein kindische Zeug! Nasrallh und Ahmadidschad sind Judenhasser, wer solche Leute unterstützt kann sich nicht als Linker darstellen.

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