Michael Konken war als Chef vom nicht-brandenburgischen deutschen Rabattkartenclub für Lohnschreiberei, DJV, vor über zwei Jahren schon mal im Parteibuch thematisiert worden und ist dabei nicht wirklich gut weggekommen. Wenn ein böser kleiner Blogger im bösen Internet an der Selbstherrlichkeit eines Verbandsfürsten rüttelt, dann ist das vermutlich sowas wie Majestätsbeleidigung.
Lange hat Michael Konken dazu geschwiegen, aber nun ist’s aus ihm rausgeplatzt. In einer Rede beim DJV-Verbandstag 2007 hat der Journalisten-Funktionär Michael Konken so richtig den Larry gemacht. Mein Parteibuch hat die Rede gelesen und erlaubt sich den Spaß, dazu ein paar Bemerkungen zu machen.
Seine Rede beginnt Michael Konken mit den Worten:
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Gäste,
“Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Gäste,” war öffentlichkeitstechnisch genial gemacht. Nach außen hin klingt das so, als seien mit den Kolleginnen und Kollegen Journalisten gemeint, während drinnen sich jeder auf dem Lohnschreiberei-Verbandstag anwesende Lohnschreiberei-Verbandsfunktionär davon angesprochen fühlen kann. Die Ehrlichkeit eines “Liebe Kolleginnen und Kollegen Verbandsfunktionäre” wär sicherlich etwas zu ehrlich gewesen.
Im folgenden biedert sich Michael Konken bei seinen Kolleginnen und Kollegen dadurch an, dass er den Gewerkschaftsführer raushängen lässt. So schimpft er auf angeblich schlechte Arbeitsbedingungen für Lohnschreiberei, obwohl Dietmar Wolff, der Hauptgeschäftsführer des BDZV, gute Geschäftszahlen verkündet hat, auf den Intendanten von Radio Bremen, der keine Tarifverhandlungen aufnehmen will und sein Geld lieber für Prunkbauten ausgibt und auf den Geschäftführer der Münsterschen Zeitung, Lambert Lensing-Wolff, der es gewagt hat, seine Redaktion einfach aufzulösen. Das hätte auf Journalisten sicher viel Eindruck gemacht, wenn er dann nicht gesagt hätte:
Wir sind diesbezüglich auch zwischen den Tarifrunden im Gespräch und die konstruktive Atmosphäre lässt mich, bei aller Kritik in Richtung der Verleger, doch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.
Zuerst sollen die im DJV organisierten Journalisten sich also wundern, dass sie nicht ernst genommen werden und dann sollen sie ihren Chefs ganz tief reinkriechen. Schade auch, dass die wilde Gewerkschaftsrhetorik vorher nur Heuchelei war, merken so vermutlich sogar minderbelichtete Journalisten.
Nachdem die rhetorische Eigensicherung als Gewerkschaftsführer erledigt war, sprach Michael Konken dann über so wichtige Dinge wie die “Sicherung” der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks öffentlich-rechtlichen Rundfunk:
Die Karlsruher Richter haben entschieden, dass das Eingreifen der Ministerpräsidenten in die Gebührenfestsetzung unzulässig war, weil die Sender in ihrem Grundrecht auf Rundfunkfreiheit verletzt worden seien. Mit ihrem Votum im Sinne der Sender haben die Richter die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und damit die Rundfunkfreiheit in Deutschland gesichert.
Dafür darf man Michael Konken dankbar sein, denn damit entblößt er die Verlogenheit einer ganzen Branche. Bereits ein Blick auf die Besetzung des ZDF-Fernsehrates offenbart, dass von Staatsferne beim über Zwangsgebühren finanzierten Rundfunk in Deutschland nun wirklich keine Rede sein kann. Und nun ist mit dem Artikel “Die Medienarbeit und die Operativen Information (OpInfo) der Bundeswehr in Deutschland und Afghanistan” dummerweise auch noch die psychologische Kriegsführung der Bundeswehr gegen die eigene Bevölkerung in Deutschland aufgeflogen. Davon, dass während die Amerikaner für Kriegspropaganda im Kino bezahlen sollen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland die Kriegspropaganda im journalistischen Gewand GEZ-finanziert frei Haus liefert, erzählt Michael Konken leider nichts. Das ist natürlich verständlich, denn schließlich steht der Artikel von Steven Hutchings über den ZDF-heute-Journal-Redakteur und PSYOPS-Soldaten Boris Barschow auch bloß online bei Telepolis und wurde nicht gedruckt. Die Ausführungen von Michael Konken zum Privatfunk wären übrigens vermutlich gänzlich langweilig gewesen, wenn er sich nicht den Scherz erlaubt hätte, die auf SAT1 eingestellten Boulevardformate allen Ernstes als Nachrichtensendung zu bezeichnen.
Bevor Michael Konken den Bereich Online thematisiert, bietet er notleidenden freien Journalisten, also solchen Personen, die gern Lohnschreiberei betreiben würden, aber trotz tiefen Reinkriechens nur wenig Geld damit verdienen, heldenhafterweise an, Juristen mit Prozessierereien um Copyright-Geschichten die Taschen zu füllen. Auf die Idee, dass freie Journalisten gerade deshalb wenig verdienen, weil sie ihre Texte an Kulturmonopolisten verkaufen, kommt Copyright-Fan Michael Konken natürlich nicht. Dann aber legt Michael Konken endlich los mit Online und sagt:
Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen.
Erstaunlich, dass Michael Konken so klare Worte gefunden hat. Spiegel Online und “Journalisten” wie Henryk M. Broder hat er bei seiner Forderung nach Mülltrennung natürlich nicht namentlich genannt. Im nachfolgenden Absatz lässt Michael Konken dann die Zuhörer an seiner Kinderstube teilhaben und fordert, dass er in Online-Medien stärker beachtet wird:
Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten.
Diesen angesichts der immer wieder auffliegenden Lügen in den Massenmedien sicher satirisch gemeinten Wunsch von Michael Konken nach einer stärkeren Präsenz in der Blogosphäre haben beispielsweise Udo Vetter, Thomas Knüwer und Woschod.
Der nächste Satz zeigt beiläufig, was Michael Konken im Zeitalter des Buskeismus unter Pressefreiheit versteht:
Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden.
Was waren das noch selige Zeiten beim Kaiser, als jede Zeitung einen Sitzredakteur haben musste, den der Kaiser ins Gefängnis werfen lassen konnte, wenn ihm in der Zeitung was nicht gefiel. Hat sich eigentlich der DJV nicht selbst gerade ein Urteil des Presserates wegen Falschberichterstattung in der DJV-Clubpostille “Journalist” eingefangen? Schade, dass Michael Konken nicht sagt, welche Strafe er für sich selbst fordert. Aber schön, dass damit nun glasklar ist, auf welcher Seite der DJV beim Streben nach der Durchsetzung des Grundrechtes auf Meinungsfreiheit in Deutschland steht.
Im nächsten Satz geht Michael Konken noch mal explizit auf die Blogosphäre ein:
Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.
Das hat Michael Konken dann nicht nur noch Aufmerksamkeit vom Pottblog, der Blogbar, und Falk Lüke beschert, sondern auch prompt noch für einen “Baron der Woche” bei Boocompany sowie eine frischen Eintrag zu Michael Konken im Parteibuch Wiki gereicht.
Schade, dass Michael Konken damit die Hauptpointe so früh in die Rede eingebaut hat, denn auch, wie er die weiteren Themen behandelt, ist für größte Heiterkeit gut. Junge “Kolleginnen und Kollegen” sollen den Vorstellungen von Michael Konken folgend, offenbar erstmal sechs Monate für Lau ihre Texte den Verwertern übereignen, bevor sie dann irgendwann mal anfangen können, dafür einen Hungerlohn dafür zu verlangen. Ganz besonders lustig sind auch die Ausführung von Michael Konken zum Presseausweis.
Wie allgemein bekannt ist, ist die über Jahre praktizierte Regelung der ungeregelten öffentlichen Anerkennung einiger Rabattclubkarten für Lohnschreiber gesetzeswidrig. Michael Konken befürchtet, dass nach einem Wegfall der öffentlich-rechtlich geschaffenen Ersatzgrundlage für die Legitimation seiner Rabattclubkarte Willi Kaczorke, was jemand sei, der zeitlebens in Bocholt unter Tage gearbeitet hat, fotografierend hinter den polizeilichen Absperrungen während eines Großbrandes stehe und Journalismus betreibe. Damit das nicht passiert, muss es nach dem Willen von Michael Konken klare gesetzliche Regeln für die Anerkennung seiner Rabattclubkarte geben. Unklar bleibt bei der Rede von Michael Konken, warum er solch eine Angst hat, jemand könnte bei einem Großbrand einfach schreiben, was er sieht, anstelle dass er sich Berichte wie ein echter DJV-Journalist aus den Fingern saugt. Anschließend reitet Michael Konken mal wieder zum Thema Pressefreiheit und beweihräuchert die Propaganda des DJV zur Verschleierung der Tatsache, dass Pressefreiheit in Deutschland eine Illusion ist.
Zum Abschluss seiner satirisch anmutenden Rede redet Michael Konken dann noch von einer Perspektivkommission zur Verschleierung interner Abläufe, vom gerichtlich durchzusetzenden Zwangsabo des Hausblatts “Journalist” für den aufmüpfigen DJV Brandenburg, bedankte sich bei ausscheidenden “Kollegen” im DJV-Bundesvorstand und erklärte in einem Ausblick, auch zuküftig nichts besser machen zu wollen.
Mein-Parteibuch.com gratuliert Michael Konken zur gelungenen Rede. Besser kann man keine Bewerbung für eine Früpensionierung formulieren.
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