Mein Parteibuch hat bereits einmal Eva Herman thematisiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass Eva Herman eigentlich ganz gut zum Rest des NDR passe. Nun wurde Eva Herman in der Talkshow von Johannes B. Kerner auf eine sehr hässliche Tour niedergemacht. So zumindest lautet das beinahe einhellige Bild von ihren wie aufgesagt klingenden Leerformeln in nahezu allen Medien, angefangen von ansonsten völlig unkritischen staatstragenden antibolschewistischen Medien bis hin zu unabhängigen Journalisten und Bloggern quer durch das ganze politische Meinungsspektrum. Mein Parteibuch hat jedoch Zweifel an der verbreiteten Theorie, dass Eva Herman bei Johannes B. Kerner demontiert werden sollte und möchte sich in diesem Artikel damit beschäftigen, ob Eva Herman nicht möglicherweise durch solche Medienspektakel gezielt als konservativ-christliche Ikone aufgebaut wird.
Wenn Johannes B. Kerner in seiner Talkshow Eva Herman ernsthaft eine gedankliche Nähe nach rechts draußen hätte vorwerfen wollen, hätte er eine ganze Menge Möglichkeiten gehabt, dies geschickter zu begründen. Man hätte so zum Beispiel auf ihren Auftritt auf dem Forum Deutscher Katholiken in Fulda näher eingehen können und mal genauer hinterfragen können, in was für einer Tradition dieser angeblich von der Elitetruppe des Vatikans, dem Opus Dei, mitgetragene Verein Forum Deutscher Katholiken steht.
Wer sich die große katholische Tradition in Fulda oberflächlich anschaut, wird wohl schnell bei der Fuldaer Bischofskonferenz landen, deren ehemaliger Vorsitzender Kardinal Adolf Bertram 1940 durch Geburtstagsglückwünsche “in ehrerbietigstem Gehorsam” an Adolf Hitler von sich reden machte und auch 1943 dem Führer noch versicherte, dass die Katholiken in Deutschland seine tiefen Sorgen vor dem Unheil des Bolschewismus teilen würden.
Die katholische Kirche hat die Unterstützung des Faschismus natürlich später, wie auch das Wirken des römisch-katholischen Priesters Cristian von Wernich als mörderischer Knecht der Militärdiktatur in Argentinien zutiefst bedauert, und so ist es natürlich nicht statthaft, das Wirken des Forums Deutscher Katholiken in Fulda mit der Vergangenheit der Fuldaer Bischofskonferenz zu vergleichen.
Man könnte aber sicherlich mal genauer hinschauen, was beim Forum Deutscher Katholiken in Fulda noch so gesagt wurde. Da wird in der Welt, der aufrechten Vorkämpferin gegen den Bolschewismus im Nachkriegsdeutschland, zum Beispiel der ansonsten die Kampfmoral gegen verabsolutierten Gesinnungspazifismus verteidigende deutsche Militärbischof Walter Mixa zitiert mit den Worten: “Christen dürften gegenüber Moslems nicht „lahm, lau und verspießt” auftreten.” Sicherlich kann man von einem Bischof nicht soviel Geschichtsbewusstsein erwarten, dass er in Reden auf aus dem ersten Kreuzzug erwachsene Befindlichkeiten, bei dem Christen von der Kirche genau wie beim ersten Golfkrieg mit der Lüge in den Krieg gehetzt wurden, dass böse Muslime Christenkinder bestialisch töten würden, Rücksicht nimmt. Und da der dem Forum Deutscher Christen nahestehende römisch-katholische Bischof auch sonst sicherlich keine Beziehung zu irgendwelchen abstrusen islamophoben Rechts-Draußen-Parteien nach dem Muster von Udo Ulfkotte unterhält, wäre es hier völlig abwegig, von Rechtsextremismus auszugehen.
Man könnte zum Beispiel die Frage an Eva Herman vertiefen, wie sie es mit den Splitterparteien des rechtes Randes halte. Eva Herman erklärte bei Johannes B. Kerner natürlich sinngemäß gleich, dass sie alles ihr Mögliche tue, um solche Leute loszuwerden. In einem weiteren Artikel der Welt, wo von einem Angebot des ehemaligen Innenministers der Schillpartei, Dirk Nockemann, zur Bürgerschaftskandidatur an Eva Herman die Rede ist, findet sich jedoch keine prompte Ablehnung von Eva Herman. Das Angebot ist nachvollziehbar, denn Eva Herman wäre sicherlich sehr nützlich als Frontfigur beim Aufbau einer konservativen antiislamistischen Kirchenpartei. Aber Dirk Nockemann, dessen Zentrumspartei einen Namen mit christlicher Tradition führt und angeblich eine Kooperation mit der christlich orientierten antiislamistischen Partei von Udo Ulfkotte anstrebt, ist natürlich kein Rechtsextremist.
Erstaunlich ist auch das Verhalten der in der Vergangeheit sicher nicht durch übermäßige Distanz zum Klerus aufgefallenen Bild-Zeitung. Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner wusch Eva Herman einerseits vom Nazi-Verdacht rein und bezeichnet Eva Herman andererseits ganz direkt als “Blöde Kuh”. Dass dies kein Argument, sondern eine substanzlose Formalbeleidigung ist, dürfte sogar den Lesern der Bild-Zeitung auffallen. Dass die Bild-Zeitung Eva Herman nicht nur mediale Aufmerksamkeit verschafft, sondern möglicherweise über einen auf dem Rechtsweg zu erstreitenden Schadensersatz für die Formalbeleidigung geradezu sponsort, kommt hingegen dem durchschnittlichen Bild-Leser vermutlich ebensowenig in den Sinn wie Bloggern, die sich über die anscheinend abmahnfähige Formulierung wundern.
Dass sind natürlich alles keine Argumente dafür, dass Eva Herman ein Propagandacoup rechter Kirchenkreise wie dem von Marketingprofessor Hubert Gindert geleiteten Forum Deutscher Katholiken ist oder gar, selbst wenn es so wäre, Eva Herman, Johannes B. Kerner oder die Journalisten für die Meinungsfreiheit, die geholfen haben, den Scoop zu inszenieren, eine Idee davon hätten, um was es eigentlich geht. Aber misstrauische Journalisten dürfen den ketzerischen Gedanken sicherlich im Hinterkopf behalten und beim Konsum zukünftiger Medienberichte über Eva Herman nachprüfen, ob sie Anhaltspunkte für die abwegige These von Eva Herman als Propagandacoup rechter Kirchenkreise finden.
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Oh je! Jetzt wird der armen Eva zwar nicht mehr unterstellt, sie wäre Rechts. Nein, jetzt ist ein Propagandcoup, den sie gelandet hat
Jeder Prominente - absolute und relative Personen der Zeitgeschichte - wird missbraucht, d.h. er hat eine Funktion im System. Bekannt wird er durch die Massenmedien. Diese sind gleichgeschaltet.
Kein Prominenter ist sein eigener Schmied.
Was soll das “Oh je”!
“Oh je”, weil ich das ganze etwas wirr fand, aber vielleicht ist das ja auch wirklich alles so wirr!
Liegt aber ehr an meinem Namen!
Gibt es was Neues über die Armut in unserem Land?
Wo ist die Bundesliga/Elite unserer Politik?
Hält Eva die Werte von 1933-1945 wirklich hoch, dann wird Sie gegen den Katzenfrend klagen. Das wäre konsequent und aufklärerisch. Die Zensurkammern könnten an ihr einen Schwenk vollziehen, und die freien und unabhängigen Richter könnten sich ihren zukünftigen Berufern - nicht nur ihren Familien und sonstigen Freunden und Kameraden - schon heute unterwerfen.
Der Wert der Persönlichkeit und des Rechts auf Selbstbestimmung (Selbstdarstellng) könnte das Positive von 1933-1945 integrieren.
Man durfte 1933-1945 seine Persönlichkeit einsetzen und für den Führer sein Leben opfern. Das waren doch alles verteidigungswürdige Werte.
Pfuj Teufel, wie langweilig ist es heute.
Das eine (klerikale - oder soll ich sagen: papistische? ;–) - Verschwörungstheorie) - hat mit dem anderen (Volksrichter Kerner) meiner Meinung nach wenig zu tun. Es sei denn, du unterstellst, Johannes P(utenwurst) Kerner wäre Opus-Dei-Agent und die Gäste noch dööfer als in Realität. Dem Segelohr traue ich den unterstellten Weitblick schlicht nicht zu; sein Horizont endet bei der Quote und den damit verbundenen Werbeverträgen.
Zu Ersterem: Klar rotten sich die antiislamischen Kräfte aus dem christlichen Dunstkreis jetzt mehr und mehr zusammen, wo sie merken, in welchem Tempo ihnen die Felle wegschwimmen. Und klar auch, dass sie da jeden Zipfel konservativer Medienpräsenz nutzen. Das zu durchschauen, traue ich Evchen - nicht erst seit der Personenbeschreibung ihres Ex-Gatten - nicht zu.
@Rainer
Nee, der Johannes B. Kerner muss keineswegs Opus Dei Agent sein, um an einem Mediencoup durch Provokation mitzuarbeiten. Johannes B. Kerner muss eigentlich nicht einmal davon wissen, vor wessen Karren er sich spannen lässt. Dem reicht tatsächlich die Quote.
Eva Herman aber ist mit der Sendung von Johannes B. Kerner offenbar recht zufrieden. Und, welch ein Zufall, ausgerechnet dem Bruder des Redaktionsleiters Markus Heidemanns von Johannes B. Kerner, Martin Heidemanns, gibt Eva Herman nun in der Bild-Zeitung ein Interview.
Klar, die gehören natürlich alle nicht zusammen.
Wenn Eva Hermann mit den Argumenten - Autobahn, Achtung der Mütter - nicht mehr in die rechte Ecke gerückt wwerden möchte, soll sie doch als eine gutes Beispielaus der Zeit 1933-1945 das Rechtsberatungsgesetz
anführen.
Dieses zur Hitlerzeit gegen die Juden gefasste Gesetz hat in Deutschland Heute vorbildlichen Bestand und wird von Gerichten und Anwälten jeglichen Coulors vehement verteidigt.
Nich alles war 1933-1945 schlecht. Nicht alle damals neu angenommenen Gesetze waren schlecht. Ich kann noch einige andere auführen, wie die Anerkennung sowjetischer Diplome (1938).
@R. Schälike
Warum machst Du es nicht. Bin an solchen Sachen stets interessiert!
Galt doch in der Handwerkerrolle (Präampel) bis vor kurzem auch noch der Treueeid auf Führer und Rassereinheit. Hat 60 Jahre auch niemand gestört. Aber wenn die Herman die Autobahn erwähnt kreischen alle hysterisch. Irgendwie scheint es in den Köpfen der Deutschen doch nicht so richtig zu funktionieren.
Wie sagte schon Cäsar in seinen Aufzeichnungen: Ein seltsam Völkchen sind die Germanen…. Ich möchte Höflich bleiben und breche hier ab.
@Muckefuck #8
Ich mache es nicht, weil die Betonung und die Nennung des Positiven und Richtigen in der Zeit 1933-1945 zur Verklärung führt, aber auch zum Kesseltreiben führen kann. Außerdem belästigen einen schnell die falschen Freunde.
Wichtiger ist für mich das Thema: der gewöhnliche Faschismus. Faschismus sind nicht nur die Massenmorde, die vielen Verbrechen. Faschismus ist eine Ideologie, welche tief sitzt und offen aber auch verdeckt heute eine bedeutdnde Rolle - nicht nur in Deutschland - spielt.
Viele, welche die Eva angehen, sind bestimmt in Wirklihckiet schlimmer, was Menschenverachtung, Dummheit, Begünstigung von Verbrechen und Verbrechern, Vernichtung der Juden und anderen Menschnengruppen betrifft.
Faschismus hat Unglück gebracht, nicht nur für andere Völker, auch für Deutschland.
An heutigen Unglück sind viele sogenannte “Antifaschisten” beteiligt.
@R. Schälike
Da gibt es zwischen unseren Ansichten keinerlei Widersprüche.
(Auch zu den letzten Sätzen von Dir steht einiges Interessante bei Tacitus)
Nachtrag:
Ich meine natürlich die Ausführungen von Tacitus über das typische Verhalten unserer Vorfahren am Rhein und nicht über den Faschismus 2000 Jahre später.
Aber es ergänzt das Wissen über den Faschismus und seine Hintergründe und Triebkräfte.
[…] verteidigt, bringt eine von Ausländerfeindlichkeit, modernen Reichstagsbränden und einem kirchlich abgesegneten Kampf gegen den Bolschewismus geprägte Propaganda das Stimmvieh wie eh und je […]