Katze

Mein Parteibuch BlogNo Copyright - Kopieren erlaubt

Ein Internet-Tagebuch mit Katzenbildern

[Mission Statement] [Krieg ist illegal]

[International]   [Headlines]   [Forum]   [Wiki]   [Ticker]   [Mitmachen]

12. Oktober 2007

Hart, aber unfair

von @ 15:22. abgelegt unter ALG II, Deutschland, Medienmanipulation

“Jetzt auch Beck im Rüttgers-Club: Comeback für den Kuschel-Staat?” Unter diesen Titel hatte der Fernseh-Moderator Frank Plasberg seine Sendung “Hart aber fair” am Mittwoch (10. Oktober) gestellt. Das Wort “Kuschel-Staat” indes spricht dem Titel der Talk-Show wirklich Hohn: Eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes I können nur unfaire Zyniker als “kuschelig” titulieren.

Den Betroffenen ist es Anfang 2005 mit der Verkürzung des Arbeitslosengeldes I (ALG I) an die materielle Existenz gegangen. “Kuschelig” haben sie es weder dann, wenn diese Leistung nach jahrelanger Einzahlung in die Sozialkassen nur ein einziges Jahr lang gezahlt wird, noch dann, wenn sie diese Zahlung eineinhalb Jahre lang erhalten. Schließlich droht den allermeisten von ihnen danach das Arbeitslosengeld II (ALG II) von nur 347 Euro monatlich.

Doch der Begriff “Kuschel-Staat” setzt den berechtigten Kampf gegen Massen-Armut mit dem unvernünftigen Jammern eines kleinen Kindes nach seinem wohlig warmen Teddybären gleich. Er ist genauso eine menschenverachtende Sprachschöpfung aus dem Dunstkreis der Initiative “Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) wie viele andere neoliberale Vergewaltigungen der deutschen Sprache. Die im Grundgesetz eingeforderte Soziale Gerechtigkeit als “Kuschel-Staat” zu diskreditieren, zeugt von der impertinenten Menschenverachtung all derjenigen, die diese Phrase dreschen.

Beinahe könnte man das ständige Bombardement der Bürgerinnen und Bürger mit neoliberaler “Neu”-Sprache in den Mainstream-Medien als Gehirnwäsche bezeichnen. Worte werden dort mit propagandistischen Inhalten neoliberal aufgefüllt. Und damit die Menschen diesen Betrug möglichst wenig bemerken, werden diese Worte in einem ununterbrochenen Stakkato unvollständiger Sätze auf sie abgeschossen.

“Sozial und etwas links - das ist wieder schick. Ganz vorne im Trend: NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Der CDU-Mann will die Hartz-Reformen zurückdrehen und liefert sich mit der SPD ein Rennen auf der linken Spur. Doch regiert Rüttgers so sozial, wie er redet und schreibt? Und: Bringt eine Reform-Rolle rückwärts wirklich mehr Gerechtigkeit?” So lautete der Ankündigungstext des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zu der Plasberg-Talkshow.

Gleich mehrere Begriffe in diesem Text sollte man einmal kritisch hinterfragen:

“Links” steht hier für Positionen des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck und des nordrhein-westfälischen CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Von welcher politischen Position aus sie als “links” eingeschätzt werden, bedarf vermutlich keiner größeren Überlegung.

Die Beschreibung, wonach Rüttgers und Beck die “Hartz-Reformen” wider “zurückdrehen” wollten, wie auch die angesprochene “Reform-Rolle rückwärts” folgen einem verbreiteten neoliberalen Muster: Die Soziale Gerechtigkeit und ihre Verfechter werden zu “Ewig Gestrigen” erklärt, die die Zeichen der Zeit noch nicht verstanden hätten. Im Zeitalter der “Globalisierung” könne man sich derartigen “Luxus” nicht mehr leisten.

Die Talksshow-Ankündigung bricht dieses Muster aber zweimal auf: “Sozial und etwas links” sei “wider schick”. “Ganz vorne im Trend” wähne sich dabei der nordrhein-westfälische Ministerpräsident. Mit Worten wie “wieder schick” und “ganz vorne im Trend” suggerieren die Autoren des Ankündigungstexts aber, dass Rüttgers und Beck hier nur einer vorübergehenden Mode nachliefen. Folgerichtig wähnen sich auch die SPD-Politiker Matthias Platzeck, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück mit ihrem neuesten Buch “Auf der Höhe der Zeit”.

Das Eintreten für Soziale Gerechtigkeit hingegen wird in den meisten Medien leider häufig als “rückwärtsgewandt” oder als “Populismus” abgetan. Welche Verkommenheit verrät der Begriff “Populismus” aber angesichts der Definition des griechischen Wortes “Demokratie” als “Herrschaft des Volkes”? Müsste nicht eigentlich jeder Politiker in der Demokratie danach streben, dem Volke aufs Maul zu schauen und den Volkswillen zu verwirklichen?

(Quelle: HU-Marburg, Links zu Artikeln im Parteibuch Wiki ergänzt durch die Parteibuch Redaktion)

13 Kommentare zum Beitrag “Hart, aber unfair”

  1. Peterle sprach

    Wenn man was im öffentlich Rechtlichen bis zur Ausstrahlung bringen will, muss man seine Kritik zwischen die Zeilen schreiben!
    Seht ihr den nicht die spitzfindige Satire, die in den kritisierten Worten verborgen ist?
    “Sozial und etwas links - das ist wieder schick”
    Das trifft die Sache doch exakt!
    Oder wie Göbbels angeblich gesagt haben soll:
    “Einfach allen alles versprechen”

    Ich wüsste jetzt nicht wie man die absolute Substanzlosigkeit der kapitalismuskritischen Selbstpräsentation der o.g. Politiker besser persiflieren könnte als mit “das ist wieder schick”.
    Manchmal seid Ihr einfach zu Hart mit den ÖR-Angestellten…

  2. Anonymous sprach

    Deutschland wird doch nicht sozialer, wenn das ALG1 länger ausgezahlt wird oder das ALG2 erhöht wird. Deutschland wird sozialer, wenn jeder Arbeitswillige einen Job bekommt! Und da war die Agenda 2010 erst der Anfang der zu ergreifenden Maßnahmen…

  3. Redaktion sprach

    @Anonymous
    Danke für den Witz. Die weiteren Maßnahmen sind aus dem Geschichtsunterricht bestens bekannt: Arbeitslager, Bücherverbrennungen und Euthanasie.

    Du hättest übrigens ruhig sagen können, dass das Konzept “Sozial ist, wer Arbeit schafft” von Hitler’s Wegbereiter Alfred Hugenberg stammt. Hier sind wir nicht beim NDR. Die CDU hatte die Nazi-Propaganda als “Sozial ist, was Arbeit schafft” in leicht abgewandelter Form sogar im Wahlprogramm drin, ohne dass das jemand stört.

  4. Anonymous sprach

    Interessant, daß Regierungsmaßnahmen der SPD hier schon als Vorstufe der Diktatur gesehen werden. Zeigt wieder mal nur, daß diese Seite immer mehr ins totalitäre und lächerliche abgleitet.

    Was soll denn sonst sozial sein, wenn nicht Arbeit? Lebenslange Abhängigkeit vom Sozialstaat?

    Und wenn Ludenberg “Wegbereiter” der Nazis sein soll, wieso dann nicht auch die SPD, immerhin hat die zur Wahl von Hindenbuerg aufgerufen und der hat bekanntermaßen Hitler zum Reichskanzler ernannt. Aber wenns dem reichlich primitiven Weltbild der extremistischen Linken dient, dann bitte…

  5. Redaktion sprach

    @Anonymous
    Dieser Seite, die weder totalitär noch links und schon gar nicht linksextremistisch ist, wegen der Bezeichnung von Hugenberg als Hitler’s Wegbereiter ein “reichlich primitive Weltbild” zu unterstellen, zeugt einzig davon, dass Du im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst hast.

    Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch aufgepasst. Zur Rolle von Hitlers ehemaligem Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung, dem Verleger Alfred Hugenberg, lesen wir in der Wikipedia:

    “Im März 2005 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig die Rolle Hugenbergs als Wegbereiter der nationalsozialistischen Herrschaft. In einem Prozess um das 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignete Rittergut in Uhsmannsdorf bei Weißwasser/Oberlausitz in Sachsen urteilte das Gericht, dass Hugenberg „dem nationalsozialistischen System erheblichen Vorschub geleistet hat“ und verweigerte deshalb die Forderung seiner Nachkommen auf Entschädigung.”

  6. LOL sprach

    Und wenn Hitler gesagt hätte, dass morgens die Sonne aufgeht, dann wäre das wohl auch nicht zutreffend, weil eben aus nationalsozialistischer Quelle?

    Was soll denn bitte im Umkehrschluss daran sozial sein, die Menschen lebenslang arbeitslos und am Tropf der Gemeinschaft zu halten?

  7. Anonymous sprach

    Ist auf einmal ein Gericht die Quelle aller Weisheit? :p Und was hat die Frage einer Entschädigung für ein enteignetes Grundstück überhaupt mit Hugenbergs Rolle in der Weimarer Republik zu tun?

  8. Redaktion sprach

    Oh, jetzt schon zwei Trolle.

    @LOL
    Mit der Parole Sozial ist, was Arbeit schafft, lässt sich sämtliche Politik anpreisen, die gegen die Interessen der Arbeitnehmer ist. Hinterher stellen Politiker dann erstaunt fest, dass sie sich geirrt haben und durch die Politik gegen die Arbeitnehmerinteressen Einkommen für breite Schichten und Teilhabe an der gesellschaftlichen Wertschöpfung nicht entstanden sind.

    @Anonymous
    Vor dem Trollen solltest Du mal probieren, die letzte Antowrt zu lesen.

  9. Anonymous sprach

    Meine Frage ist unbeantwortet geblieben. Auch ist es interessant, daß diese Seite für sich in Anspruch nimmt, sämtliche “Interessen der Arbeitnehmer” zu kennen. Ist das elitäres totalitäres Bewußtsein wie jenes der SED-Bonzen im “Arbeiter- und Bauernstaat”?

  10. Redaktion sprach

    Bevor Du weitere Fragen stellst, die schon beantwortet wurden, solltest Du die Antworten wenigstens mal lesen.

  11. Peterle sprach

    Hehe hier gehts ja richtig Talkshow-Mässig ab! :)

    Der Vollständigkeit halber sei der in Printmedien immer wieder in der Nähe von “Rolle rückwärts” auftauchende Begriff “linke Traditionslyrik”. Und dann noch der Hinweis, dass es eine Tatsache sei, dass die Hartz-Gesetze wirken, weil [verschiedene falsche oder irreführende Tatsachenbehauptungen].
    Einfach mal beim nächsten TV-Bericht oder Zeitungsartikel drauf achten! Vielleicht kennt jemand die Originalanleitung, auf der all diese Berichte und Clips beruhen?

  12. Peterle sprach

    Oh vielleicht hätte ich nochmal Probe lesen sollen…
    Ich glaub bald kann ich als Parteibuch-Ghostwriter anfangen, wenn der Katzenfreund in Beugehaft sitzt weil irgendjemand vermutet er wisse wer lanu sei :)

  13. Glasdemokratie » Blog Archive » Weit weg vom Mainstream sprach

    […] in allen Lebenslagen. Wie wohltuend ist da doch, das es eine Bloggerwelt, neben den allmächtigen Mainstream-Manipulationen , gibt. Und in dieser Bloggerwelt sind am Wochenende wirklich zwei wunderbare Artikel erschienen. […]

Kommentieren (Erlaubte Tags)

Totalzensur
Totalzensur
Copyleft2006 Lurusa Gross

Mirrors

Recherche

Netradio

Aktionen

Parteibuch Forum

Letzte Kommentare

Ältere Beiträge

Archiv

Literaturtip

Tod im Milliardenspiel

Umfrage zu 9/11

Werbung

Information zu
Internetvictims

Kapitel

Sonstiges

Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei

Sponsored Links

RSS-Feeds

Termine

Neu im Parteibuch Wiki

Parteibuch Ticker (Feed)

International (Feed)

Media News Clips

Counter & Stuff

[19 queries. 1.886 seconds. 10 level2 caches. Top ]