“Jetzt auch Beck im Rüttgers-Club: Comeback für den Kuschel-Staat?” Unter diesen Titel hatte der Fernseh-Moderator Frank Plasberg seine Sendung “Hart aber fair” am Mittwoch (10. Oktober) gestellt. Das Wort “Kuschel-Staat” indes spricht dem Titel der Talk-Show wirklich Hohn: Eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes I können nur unfaire Zyniker als “kuschelig” titulieren.
Den Betroffenen ist es Anfang 2005 mit der Verkürzung des Arbeitslosengeldes I (ALG I) an die materielle Existenz gegangen. “Kuschelig” haben sie es weder dann, wenn diese Leistung nach jahrelanger Einzahlung in die Sozialkassen nur ein einziges Jahr lang gezahlt wird, noch dann, wenn sie diese Zahlung eineinhalb Jahre lang erhalten. Schließlich droht den allermeisten von ihnen danach das Arbeitslosengeld II (ALG II) von nur 347 Euro monatlich.
Doch der Begriff “Kuschel-Staat” setzt den berechtigten Kampf gegen Massen-Armut mit dem unvernünftigen Jammern eines kleinen Kindes nach seinem wohlig warmen Teddybären gleich. Er ist genauso eine menschenverachtende Sprachschöpfung aus dem Dunstkreis der Initiative “Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) wie viele andere neoliberale Vergewaltigungen der deutschen Sprache. Die im Grundgesetz eingeforderte Soziale Gerechtigkeit als “Kuschel-Staat” zu diskreditieren, zeugt von der impertinenten Menschenverachtung all derjenigen, die diese Phrase dreschen.
Beinahe könnte man das ständige Bombardement der Bürgerinnen und Bürger mit neoliberaler “Neu”-Sprache in den Mainstream-Medien als Gehirnwäsche bezeichnen. Worte werden dort mit propagandistischen Inhalten neoliberal aufgefüllt. Und damit die Menschen diesen Betrug möglichst wenig bemerken, werden diese Worte in einem ununterbrochenen Stakkato unvollständiger Sätze auf sie abgeschossen.
“Sozial und etwas links - das ist wieder schick. Ganz vorne im Trend: NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Der CDU-Mann will die Hartz-Reformen zurückdrehen und liefert sich mit der SPD ein Rennen auf der linken Spur. Doch regiert Rüttgers so sozial, wie er redet und schreibt? Und: Bringt eine Reform-Rolle rückwärts wirklich mehr Gerechtigkeit?” So lautete der Ankündigungstext des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zu der Plasberg-Talkshow.
Gleich mehrere Begriffe in diesem Text sollte man einmal kritisch hinterfragen:
“Links” steht hier für Positionen des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck und des nordrhein-westfälischen CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Von welcher politischen Position aus sie als “links” eingeschätzt werden, bedarf vermutlich keiner größeren Überlegung.
Die Beschreibung, wonach Rüttgers und Beck die “Hartz-Reformen” wider “zurückdrehen” wollten, wie auch die angesprochene “Reform-Rolle rückwärts” folgen einem verbreiteten neoliberalen Muster: Die Soziale Gerechtigkeit und ihre Verfechter werden zu “Ewig Gestrigen” erklärt, die die Zeichen der Zeit noch nicht verstanden hätten. Im Zeitalter der “Globalisierung” könne man sich derartigen “Luxus” nicht mehr leisten.
Die Talksshow-Ankündigung bricht dieses Muster aber zweimal auf: “Sozial und etwas links” sei “wider schick”. “Ganz vorne im Trend” wähne sich dabei der nordrhein-westfälische Ministerpräsident. Mit Worten wie “wieder schick” und “ganz vorne im Trend” suggerieren die Autoren des Ankündigungstexts aber, dass Rüttgers und Beck hier nur einer vorübergehenden Mode nachliefen. Folgerichtig wähnen sich auch die SPD-Politiker Matthias Platzeck, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück mit ihrem neuesten Buch “Auf der Höhe der Zeit”.
Das Eintreten für Soziale Gerechtigkeit hingegen wird in den meisten Medien leider häufig als “rückwärtsgewandt” oder als “Populismus” abgetan. Welche Verkommenheit verrät der Begriff “Populismus” aber angesichts der Definition des griechischen Wortes “Demokratie” als “Herrschaft des Volkes”? Müsste nicht eigentlich jeder Politiker in der Demokratie danach streben, dem Volke aufs Maul zu schauen und den Volkswillen zu verwirklichen?
(Quelle: HU-Marburg, Links zu Artikeln im Parteibuch Wiki ergänzt durch die Parteibuch Redaktion)
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Wenn man was im öffentlich Rechtlichen bis zur Ausstrahlung bringen will, muss man seine Kritik zwischen die Zeilen schreiben!
Seht ihr den nicht die spitzfindige Satire, die in den kritisierten Worten verborgen ist?
“Sozial und etwas links - das ist wieder schick”
Das trifft die Sache doch exakt!
Oder wie Göbbels angeblich gesagt haben soll:
“Einfach allen alles versprechen”
Ich wüsste jetzt nicht wie man die absolute Substanzlosigkeit der kapitalismuskritischen Selbstpräsentation der o.g. Politiker besser persiflieren könnte als mit “das ist wieder schick”.
Manchmal seid Ihr einfach zu Hart mit den ÖR-Angestellten…
Deutschland wird doch nicht sozialer, wenn das ALG1 länger ausgezahlt wird oder das ALG2 erhöht wird. Deutschland wird sozialer, wenn jeder Arbeitswillige einen Job bekommt! Und da war die Agenda 2010 erst der Anfang der zu ergreifenden Maßnahmen…
@Anonymous
Danke für den Witz. Die weiteren Maßnahmen sind aus dem Geschichtsunterricht bestens bekannt: Arbeitslager, Bücherverbrennungen und Euthanasie.
Du hättest übrigens ruhig sagen können, dass das Konzept “Sozial ist, wer Arbeit schafft” von Hitler’s Wegbereiter Alfred Hugenberg stammt. Hier sind wir nicht beim NDR. Die CDU hatte die Nazi-Propaganda als “Sozial ist, was Arbeit schafft” in leicht abgewandelter Form sogar im Wahlprogramm drin, ohne dass das jemand stört.
Interessant, daß Regierungsmaßnahmen der SPD hier schon als Vorstufe der Diktatur gesehen werden. Zeigt wieder mal nur, daß diese Seite immer mehr ins totalitäre und lächerliche abgleitet.
Was soll denn sonst sozial sein, wenn nicht Arbeit? Lebenslange Abhängigkeit vom Sozialstaat?
Und wenn Ludenberg “Wegbereiter” der Nazis sein soll, wieso dann nicht auch die SPD, immerhin hat die zur Wahl von Hindenbuerg aufgerufen und der hat bekanntermaßen Hitler zum Reichskanzler ernannt. Aber wenns dem reichlich primitiven Weltbild der extremistischen Linken dient, dann bitte…
@Anonymous
Dieser Seite, die weder totalitär noch links und schon gar nicht linksextremistisch ist, wegen der Bezeichnung von Hugenberg als Hitler’s Wegbereiter ein “reichlich primitive Weltbild” zu unterstellen, zeugt einzig davon, dass Du im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst hast.
Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch aufgepasst. Zur Rolle von Hitlers ehemaligem Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung, dem Verleger Alfred Hugenberg, lesen wir in der Wikipedia:
Und wenn Hitler gesagt hätte, dass morgens die Sonne aufgeht, dann wäre das wohl auch nicht zutreffend, weil eben aus nationalsozialistischer Quelle?
Was soll denn bitte im Umkehrschluss daran sozial sein, die Menschen lebenslang arbeitslos und am Tropf der Gemeinschaft zu halten?
Ist auf einmal ein Gericht die Quelle aller Weisheit? :p Und was hat die Frage einer Entschädigung für ein enteignetes Grundstück überhaupt mit Hugenbergs Rolle in der Weimarer Republik zu tun?
Oh, jetzt schon zwei Trolle.
@LOL
Mit der Parole Sozial ist, was Arbeit schafft, lässt sich sämtliche Politik anpreisen, die gegen die Interessen der Arbeitnehmer ist. Hinterher stellen Politiker dann erstaunt fest, dass sie sich geirrt haben und durch die Politik gegen die Arbeitnehmerinteressen Einkommen für breite Schichten und Teilhabe an der gesellschaftlichen Wertschöpfung nicht entstanden sind.
@Anonymous
Vor dem Trollen solltest Du mal probieren, die letzte Antowrt zu lesen.
Meine Frage ist unbeantwortet geblieben. Auch ist es interessant, daß diese Seite für sich in Anspruch nimmt, sämtliche “Interessen der Arbeitnehmer” zu kennen. Ist das elitäres totalitäres Bewußtsein wie jenes der SED-Bonzen im “Arbeiter- und Bauernstaat”?
Bevor Du weitere Fragen stellst, die schon beantwortet wurden, solltest Du die Antworten wenigstens mal lesen.
Hehe hier gehts ja richtig Talkshow-Mässig ab!
Der Vollständigkeit halber sei der in Printmedien immer wieder in der Nähe von “Rolle rückwärts” auftauchende Begriff “linke Traditionslyrik”. Und dann noch der Hinweis, dass es eine Tatsache sei, dass die Hartz-Gesetze wirken, weil [verschiedene falsche oder irreführende Tatsachenbehauptungen].
Einfach mal beim nächsten TV-Bericht oder Zeitungsartikel drauf achten! Vielleicht kennt jemand die Originalanleitung, auf der all diese Berichte und Clips beruhen?
Oh vielleicht hätte ich nochmal Probe lesen sollen…
Ich glaub bald kann ich als Parteibuch-Ghostwriter anfangen, wenn der Katzenfreund in Beugehaft sitzt weil irgendjemand vermutet er wisse wer lanu sei
[…] in allen Lebenslagen. Wie wohltuend ist da doch, das es eine Bloggerwelt, neben den allmächtigen Mainstream-Manipulationen , gibt. Und in dieser Bloggerwelt sind am Wochenende wirklich zwei wunderbare Artikel erschienen. […]