Wer in den letzten Monaten ein bisschen aufgepasst hat, der wird sicherlich bemerkt haben, dass führende SPD-Politiker vor ein paar Monaten erst unisoni erklärt haben, dass, wer jetzt schon als Kanzlerkandidat gekürt wird, keine Chance hat, um das 2009 auch wirklich zu werden, dann jedoch Peter Struck, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier ein paar Tage später Kurt Beck zum Kanzlerkandidaten ausgerufen haben, während Frank-Walter Steinmeier sich in der Brandenburger Pampa einen sicheren SPD-Wahlkreis abgegriffen hat, der es ihm ermöglicht, 2009 als Kanzlerkandidat anzutreten.
Zum aktuell über die staatstragenden Medien breit getretenen Genossenstreit um kosmetische Korrekturen an der Agenda 2010 erreichte die Redaktion von Mein-Parteibuch.com nun eine Glosse von Franz-Josef Hanke von der HU-Marburg, die Mein Parteibuch seinen Leser wärmstens ans Herz legen möchte:
Politik als Kasperletheater
10.10.2007 - FJHSeid Ihr alle da? Dann ruft nur laut: “Ja!”
Wie ein Kasperletheater inszenieren die Medien die Politik: Der bidere Kasper Kurt greift pfiffig in die Wundertüte hinein. Dort findet er einen tollen Vorschlag: “Kloppt die Agenda 2010 in die Tonne!”
Fröhlich springt Kasper Kurt über die Bühne und zeigt allen anderen Figuren den Zettel. Die linkische Andrea strahlt schon über”s ganze Gesicht deswegen. Auch der aufmüpfige Ottmar ist zufrieden.
Doch der brummige Franz reagiert sauer. “Nein,” schimpft er. “Die Agenda 2010 kommt mir nicht in die Tonne! Da hab”, ich doch selber dran mitgestrickt.”
Der etwas hölzerne Frank-Walter grinst schelmisch. “Wir machen einen Kompromiss”, schlägt er dem Kasper vor. Und zu den Kindern raunt er leise: “Dieser dumme Kasper weiß gar nicht, dass Kompromisse immer faul sind.”
Lachend klopfen sich die Kinder auf die Schenkel. Lustig ist dieses Kasperletheater.
“Ein Machtwort von der Prinzessin”, wünscht sich derweil der biedere Franz in seinem sauerländischen Tonfall. “Ein Machtwort!”
Doch anstatt den dicken Kasper zu hauen, hält die Prinzessin Angela den Mund. Dem hölzernen Frank-Walter flüstert sie zu, dass es für schöne Prinzessinnen immer am klügsten ist, den Mund zu halten. Denn dann kann man auch nichts Falsches sagen.
Wieder lachen die Kinder, weil der dämliche Kurt immer noch meint, er könne die Agenda in die Tonne kloppen. “Parteitag, Parteitag”, ruft er erregt.
“Wir kloppen die Agenda in die Tonne”, piepst Peer und schlägt dem Kasper jovial auf die Schultern. “Wir kloppen den Kurt in die Tonne“, flüstert er dem brummigen Franz fröhlich zu.
Doch Kurt hat viele Freunde. Hunderttausende Genossen passen aber nicht auf die enge Bühne des Puppentheaters aus Pappmaschee.
Die 82 Millionen Zuschauer dürfen auch nur vor dem kleinen Fenster sitzen, in dem der Kasper und die anderen Figuren immer munter hin und her hüpfen. Was sie da wirklich tun, das zeigen die Puppenspieler dem “hochverehrten Publikum” nicht.
Wozu sollten die Menschen sich auch Sorgen machen über den Abbau von Freiheitsrechten, soziale Ungerechtigkeiten und finanzielle Taschenspielertricks. Das merken die schon noch früh genug!
Wo ist denn nur das große grüne Krokodil geblieben? Seit längerem vermisst das Publikum dieses witzige Tier mit dem riesigen Maul. “Joschka, Joschka”, rufen die Kinder. “Joschka, wo bist Du?”
Mit knarrender Stimme betritt das grüne Krokodil kurz die Bühne. Es zeigt dem Kasper seine scharf blitzenden Zähne. Dann sagt Joschka: “Ich war bei unserem lieben guten alten Onkel George in Amerika. Aber jetzt bin ich wieder da.”
Vor Begeisterung klatscht das Publikum in die Hände. Kinder und Erwachsene sitzen dort und starren gebannt auf die kleine rechteckige Fläche, in der die Puppen miteinander kämpfen.
“Seid Ihr alle da?” Fröhlich schaut Kasper in die vergnügte Runde.
“Ja!” Laut und fröhlich rufen die Erwerbslosen ihre Antwort in den Saal. Wolfgangs und Franz-Josefs gemeinsame Erwiderung lässt ihre Gesichter zu Stein verhärten: “Aber nicht mehr lange!”
Franz-Josef Hanke - 10.10.2007
Mein Parteibuch wünscht allen SPD-Mitgliedern viel Spaß dabei, die Delegierten beim nun anstehenden Kasperle-Treffen SPD-Parteitag in Hamburg zu beoabachten, die Angela Merkel auf dem Parteitag 2005 in Karlsruhe mit 99% Zustimmung zur Bundeskanzlerin gemacht und damit die Voraussetzungen für die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung durch Wolfgang Schäuble und Franz-Josef Jung geschaffen haben.
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Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Politik als Theater hat tatsächlich auch bei der Entscheidung für ein weiteres Jahr Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan stattgefunden.
Nein zum Krieg!
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[…] Und so kam der sozialdemokratische Flügel der meudalistischen Einheitspartei mittn im Ramadan wieder zu seinem alten Fasten-Boss. Zum Plazebo der Kanzlerkandidatur gab es schon vor einem Jahr das Stück Kasper Kurt und seine Agenda. […]