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29. September 2007

Thilo Sarrazin ruft ehrenamtlich tätige Arbeitslose zum Streik auf

von @ 12:18. abgelegt unter Berlin, ALG II, Politik, Klaus Wowereit, Thilo Sarrazin
Sklaverei
Sklaverei
Copyleft2007 Lurusa Gross

Mit Thilo Sarrazin hat Berlin einen ganz tollen Finanzsenator. Der Thilo Sarrazin weiß dank früherer Tätigkeiten bei IWF, Treuhand und Bahn ganz genau, wie Kapitalismus funktioniert. Deshalb fordert Thilo Sarrazin nun von Berliner Arbeitslosen, keine Ehrenämter mehr auszuüben und sich stattdessen um Arbeit zu bemühen. Wenn gegen-hartz.de titelt, Thilo Sarrazin hetzt gegen Hartz IV Empfänger, dann wurde er sicher gründlich missverstanden.

Thilo Sarrazin weiß als geschulter Kapitalist sicher ganz genau, dass nur öffentlicher Druck so jemanden wie ihn dazu bringt, Hartz IV Empfänger für ihre ehrenamtlichen Tätgikeiten anständig zu bezahlen. Damit wäre die Provokation von Thilo Sarrazin so etwas wie ein Streik-Aufruf. Arbeitslose dürfen Bewerbungen für eine anständige Bezahlung der Ehrenämter sicher gleich an Thilo Sarrazin schicken. Mit einem Streik von ehrenamtlich tätigen Arbeitslosen bekommt Thilo Sarrazin dann endlich die Möglichkeit, Ehrenämter, ohne die in Berlin dank der Sparpolitik des Finanzsenators so gut wie gar nichts mehr geht, anständig zu bezahlen. Geld scheint in Berlin schließlich gerade reichlich da zu sein.

Mit nur zwei Milliarden Euro beispielsweise könnten 100.000 Arbeitslose für ihre Ehrenämter, die sie zum Wohle der Allgemeinheit ausüben, ganze vier Jahre lang mit 20.000 Euro bezahlt werden. Damit, acht Milliarden Euro aufzubringen, hat der Berliner Finanzsenator sicher keine Probleme. Schließlich kann Thilo Sarrazin ja auch, wie ein Artikel in der Berliner Umschau vom 26.09.2007 zeigt, so ein paar Peanuts mal eben ganz diskret nachlegen, wenn es darum geht, die Renditen von Kapitalanlegern abzusichern.

Vermutlich hat der Finanzsenator von Berlin acht Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode jedoch nur einmal zu verschenken und so wird der Hinweis von Thilo Sarrazin ein Hinweis darauf gewesen sein, dass nun mal zuerst ehrenamtlich tätige Arbeitslose anständig bezahlt werden sollen. Eine der Grundregeln des Kapitalismus lautet schließlich, dass, wer zuerst kommt, den August Bebel im Sack hat. Bezahlt wird der Sack dann, auf ein paar Milliarden Euro mehr oder weniger kommt es dabei nicht so drauf an, von einem Finanzsenator mit dem Image eines Rambo-Sparers.

Den Thilo Sarrazin als Rambo-Sparer zu bezeichnen, wird natürlich seiner Person nicht gerecht. Schon bei der kreativen Finanzierung vom Tempodrom hat der gute Kapitalist Thilo Sarrazin gezeigt, wieviel Großzügigkeit in ihm steckt. Auf eine darauf folgende Anklage wegen Untreue mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die politisch völlig unabhängige Staatsanwaltschaft zu antworten, das beweist dann wirklich eine gewisse Großzügigkeit. Klar, dass das politisch völlig unabhängige Landgericht Berlin bei soviel Großzügigkeit das Hauptverfahren nicht eröffnet hat. Das sagt Mein Parteibuch hier gerne so, denn schließlich legt Thilo Sarrazin offenbar großen Wert auf gegenteilige Darstellungen in Gegendarstellungen wie im Fall der BVG.

Mein Parteibuch ruft alle ehrenamtlich tätigen Arbeitslosen in Berlin auf, dem indirekten Streikaufruf von Thilo Sarrazin Folge zu leisten und anstelle etwas für die Gemeinschaft zu tun, den Thilo Sarrazin mit ausreichend Bewerbungen einzudecken und öffentlich für die offensichtlich heimlich von Thilo Sarrazin vertretene Position, anstelle der Politkorruption sollten Menschen, die wirklich etwas für das Gemeinwohl leisten, bezahlt werden, einzutreten.

Zwischenzeitlich hat auch der mimosenafte regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, beschlossen, Thilo Sarrazin bei seinen Vorhaben zu unterstützen. Anders ist es sicher nicht zu erklären, dass Klaus Wowereit gesagt hat, die ALGII-Sätze bräuchten nicht angehoben zu werden, weil die Bezieher nur anständig mit dem Geld umgehen müssten und dann auch prima mit dem Geld auskommen könnten.

Was könnte besser motivierend für einen Streik von Arbeitslosen wirken?

15 Kommentare zum Beitrag “Thilo Sarrazin ruft ehrenamtlich tätige Arbeitslose zum Streik auf”

  1. Webnews.de sprach

    Thilo Sarrazin ruft ehrenamtlich tätige Arbeitslose zum Streik auf…

    Wenn der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin ehrenamtlich tätige Arbeitslose verspottet und meint…

  2. otti sprach

    Wenn man von Politikern die Worte “Anstand” oder “anständig” hört, könnte man schnurstracks richtig unanständig antworten.

    Was den Umgang mit Geld angeht, sollten gerade Politiker den Mund halten, insbesondere die Landespolitiker in Berlin!
    Die Bankenaffäre ist bei diesen Leuten wohl schon vergessen.

  3. Nur mein Standpunkt » links for 2007-09-29 sprach

    […] Thilo Sarrazin ruft ehrenamtlich t‽tige Arbeitslose zum Streik auf (tags: Politik) […]

  4. Meudalherr sprach

    Ehrenamtliche Tätigkeit ist OK, wenn sie auch wirklich aus Überzeugung oder Idealismus heraus geschieht.

    Aber: In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit nützt das Ehrenamt häufig wem? Indirekt den Reichen und den Superreichen, denn der Staat benötigt weniger Ausgaben für Soziales.

    Merksatz: Ehrenamt bedeutet häufig, das fremde Vermögen der Superreichen indirekt zu mehren.

    Wacht auf, ihr glücklichen Sklaven, die ehrenamtlich arbeiten!

  5. Rolf Schälike sprach

    Ehrenamtlich ist nicht gleich ehrenamtlich. Bei ehrenamtlich von Staat bzw. Konzernen und ähnlichen Vereinen organisierten Tätigkeiten profitieren in der Endkonsequenz nur einige Wenige.

    Bei den Grünen gab es z.B. in den achtziger Jahren viele kostenlos arbeitende Sympathisanten. Die Abgeordneten gaben den großen Teil Ihrer Diäten an die Partei ab (außer Joschka, der hatte schon damals gute Ausreden). Heute kämpfen die wenigen grünen Patreiführen um die lukrativen Posten (Jobs), wie in jeder anderen Partei.

    Jede Tätigkeit mit Geld zu messen, ist trotzden krank.

  6. Meudalherr sprach

    # 5 - “profitieren in der Endkonsequenz nur einige Wenige” dieser Aussage stimme ich zu, auch wenn sie möglicherweise anders gemeint war. Profitieren tun einige wenige - die Superreichen. Denn die müssen weniger Steuern zahlen, wenn viele glückliche Sklaven ehrenamtlich (das bedeutet umsonst) soziale Tätigkeiten übernehmen.

    Es kommt halt immer darauf an. Pauschal kann man das Ehrenamt nicht als moralisch verwerflich verurteilen. Aber so alles in allem kann ich eigentlich nur sagen, dass ein freier Bürger nur dann ein Ehrenamt ausüben sollte, wenn es wirklich seiner freien und eigenen Überzeugung entspricht. Und wenn der Staat etwas organisiert als ehrenamtliche Tätigkeit, dann bin ich da sehr hellhörig.

    Also z.B. solche Veranstaltungen wie sozialer Tag, »wir sammeln alle gemeinsam herumliegenden Abfall«. Für solche Tätigkeiten ist ein Lohn zu bezahlen, so etwas sollte nicht ehrenamtlich durchgeführt werden.

    Warum machen aber Konzerne Werbung für so etwas wie einen sozialen Tag? Nun ja, wenn die Leute umsonst soziale Tätigkeiten übernehmen, dann fällt es nicht auf, dass die Konzerne kaum Steuern zahlen.

    Und warum sollte jemand ehrenamtlich arbeiten, wenn er in der gleichen Zeit gut Geld verdienen kann?

  7. M.Binder sprach

    :-) wunderbar bissige Replik auf die unverfrorene Hetze gegen H4-Ehrenamtliche!

    Bewerbungen oder noch besser Streik wäre natürlich super, insbesondere, wenn sich auch noch die ‘halb-ehrenamtlich’ sich abmühenden Ein-Euro-Jobber mal ihrer Ängstlichkeit entledigen könnten und mitstreiken täten…
    Aber weil das ja wohl Luftschlösser sind, schlage ich ganz pragmatisch vor:

    _ ‘Sarrazin-Stütze’ für alle Ehrenamtlichen!_

    Und das geht so:

    Jeder H4er, der/die _irgendeiner_ für die Allgemeinheit nützlichen oder Kosten einsparenden Tätigkeit nachgeht, schreibt seine/ihre durchschnittliche Stundzahl, die er/sie pro Tag dafür verwendet auf , mulitpliziert diese Stundenzahl mit 30 und die so errechnete durchschnittliche monatliche Stundenzahl kann dann mit dem einheitlichen Mindesthonoraransatz von 70 Eur/Std. mulitpliziert werden . (Nach akademie.de ist dies der Mindeststundensatz für Freie, um auf ein Monatseinkommen vergleichbar dem eines mittleren Angestellten zu kommen. Von Entlohnungs-Vergleichen mit “Größen” wie Herrn Sarrazin wollen wir mal schweigen. - Die Ein-Euro-Jobber können ja der Gerechtigkeit halber ein Stundenhonorar von 68,50 Eur/Std. ansetzen ) Das ganze dann mal die Anzahl Monate, in denen man diese Tätigkeit bereits ausübt.

    Dieses Honorar wird sodann zur Weihnachtszeit als hübsch ordentlich-höflichste _”Honorarnote”_ (vulgo: Rechnung) an Herrn Sarrazin gesandt: “..für erbrachte Dienste zugunsten des Allgemeinwohls - zahlbar innert 30 Tagen…”

    [Meinetwegen könnten die Arbeitsagenturen hinterher ihre schrägen Einkommenbereinigungen auch bei der ‘Sarrazin-Stütze’ anwenden - allerdings _nur_, wenn _zuvor_ der H4-Regelsatz an den _durchschnittlichen_ Lebenshaltungsindex angepasst wird. Ansonsten vergraben wir dann die ‘Sarrazin-Stütze’ für noch schlechtere Zeiten.]

    Ganz ernsthaft,
    M.Binder

  8. Rolf Schälike sprach

    Profitieren tun einige wenige - die Superreichen. #6
    Nein, es profitieren nicht nur die Superreichen. Es profitieren die Politiker, welche das Parteivolk kostenlos arbeiten lassen, die Sportler-Millionäre, welche - bis sie Millionäre geworden sind - sich an anderen hochtrainiert haben. Stars jeder Art, die auf Ihrem Weg zum Superstar viele Freunde, Bekannte und andere kostenlos arbeitende Begeisterte oder Konkurrenten auf der Strecke lassen. Innenmisnister gehören ebenfalls dazu, welche die armen Polizisten dank der Befehlsgewalt unmenschliche Arbeit zu leisten befehlen.

    Diese Liste ließe sich fortsetzen bei fast allen Reichen - nicht nur den Superreichen.

    #7 Die Stundenlohn-Diskussion mit 70 €/h ist an dieser Stelle verfehlt.
    Gleichen Lohn für jeden hatten wir schon mal.

  9. Anonymous sprach

    Der Staat sollte sicherlich auch “ehrenamtlich” tätigen Bloggern 1000 Euro im Monat zahlen?! hahaha…

  10. Michael sprach

    Das ist mit Sicherheit Wasser auf die Mühlen derjenigen, die mit tatkräftiger Unterstützung des Senats, der Bundesregierung und der Europäischen Union eine monokulturelle Wüstenlandschaft in den Berliner Bezirken errichten möchten.

    Wie das geht? Ein kleines Beispiel: Einheimische Kultur- und Kunstorganisationen werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in leerstehende, ehemalige Fabrikgebäude gelockt, um diese ehrenamtlich und teilweise aus eigenen finanziellen Mitteln zu sanieren und zu renovieren.

    Durch jahrelange Öffentlichkeitsarbeit, unzähligen Projekten, Kunstausstellungen, usw. verhilft man dem betroffenen Berliner Bezirk und der untätigen Politikerkaste zu einem hohen kulturellen Ansehen.

    Anschließend werden mit Hilfe ausländischer Investoren (z.B. Russland, USA, Irland), Hausverwaltungen und den hiesigen Amtsgerichten mit einem fadenscheinigen Vorwand die Kultur- und Kunstorganisationen mit Klagen und Zwangsräumungen in den finanziellen Ruin getrieben oder man hungert sie aus, indem die ohnehin schon mickrigen Fördermittel gestrichen werden.

    Nachdem die vermeintlichen Hausbesetzer mit zum Teil rechtswidrigen Methoden aus den ehemaligen Fabrikgebäuden erfolgreich vertrieben sind, holt man sich sogenannte private Kunstsammler und Kunstverwerter (die von Kunst so wenig Ahnung haben wie George Bush vom Weltfrieden) in die Stadt und erfreut sich an den eintönigen, nichtssagenden Werken, die alle gleich aussehen und damit das Prädikat »Dünnpfiff« verdienen.

    Oder, und das ist des Durchfalls höchste Springflut, man macht NICHTS dergleichen und die Stadt Berlin bezahlt die Hausverwaltungen für das wieder LEERSTEHENDE und VERWAISTE Gebäude mit einer Summe in Höhe von ca. 60.000 Euro/Jahr. So geschehen im Bezirk Schöneweide.

    Ehrenamt durch Sklavenhand.
    Verschwendung durch Verblendung.
    Wer arbeitet, soll auch nichts essen.
    Es lebe die Monokultur!

  11. Rolf Schälike sprach

    Der Staat sollte sicherlich auch “ehrenamtlich” tätigen Bloggern 1000 Euro im Monat zahlen?! #9

    1000 eine Ein stieg o.k. Wenn die von Abmahnern erzwungene Verfahrenskosten hinzukommen wären bis zu 4.000 € angemessen, in Abhängigkeit von den Verfahrenskosten. Passiert heute schon, dass der Staat zuzahlt wenn die Blogger Hartz IV Empfänmger sind.

    Die Buskeiten würden dann das Geld zurück verteilen an den Staat (Gerichtskosten, Steuern der Anwälte etc.) und auch bei den ansonst arbeitslosen Anwälten würde einiges hängen bleiben.

    Der Demokratie, der Kultur- und Meinungs-Vielfalt sowie der Wissenschaft wäre gedient.

    Wir haben in deutschland ca 200.000 Blogger. Das würde monatlich

  12. Hartz Iv sprach

    das man auch immer die Politiker falsch verstehen muss ;-)

  13. Ingmar Wengel sprach

    Aufruf zu einem bundesweiten Solidaritäts- und Warn-Streik am Mittwoch, den 02. Januar 2008

    … an alle Mitmenschen, Hartz IV-Empfänger und Zwangsbeteiligten so genannter 1,–Euro-Jobs und ähnlicher Maßnahmen zum Auf- und Ausbau eines Discount-Arbeitsmarktes. Schluss mit Zwangsarbeit und Subventionsbetrug! Für eine menschliche Arbeitskraftmarktpolitik.

    … vielleicht ein kleiner Beitrag zur Diskussion ;-)

  14. Thoughless sprach

    Also ich fühle mich nicht nur von der Politik verraten.
    Wenn irgendwo in China ein Sack Reis umfällt sind alle TV Sender und alle Zeitungen dabei, aber wenn unser Herr Sarrazin den Berliner Senat verkauft oder die BVG ist alles in Butter.

    Dieser Mann ist gefährlich!!! Nicht nur wegen seinem Amts missbaruch

  15. popel4711 sprach

    dem finanzsenator hat man sicher einmal zuviel ins gehirn geschissen!

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