Gabriele Pauli ist derzeit in den Schlagzeilen, weil sie eine Ehe auf Probe gefordert hat. Wenn nach sieben Jahren beide Ehepartner immer noch der Meinung sind, die Ehe sollte weiter geführt werden, dann sollte die Ehe sich dem Vorschlag von Gabriele Pauli folgend in eine unbefristete Ehe verwandeln. Mit der angesichts der Scheidungsraten im Kirchenstaat Bayern ebenso vernünftigen wie mutigen familienpolitischen Forderung hat sie es tatsächlich vor der Wahl um den CSU-Parteivorsitz geschafft, praktisch die gesamte CSU-Parteispitze und nebenbei auch noch große Teile der Presselandschaft dazu zu bringen, sich als bajuwarische Kleingeister zu outen.
In der gestrigen Springer-Postille “Die Welt” beispielsweise darf der in Folge des Showdowns mit Gabriele Pauli gerade nach Europa entsorgte Noch-Parteichef Edmund Stoiber im Artikel “Gabriele Paulis politischer Untergang” sein Verständnis von innerparteilicher Demokratie durch den Rat an Gabriele Pauli offenlegen, sie möge aus der CSU austreten.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer offenbarte sich, in dem er im RBB-Inforadio über seine Parteifreundin sagte, Pauli spiele politisch eine so geringe Rolle, “weniger wie der Dreck unter den Fingernägeln”. Das darf man sicher erst mal sacken lassen und sich dann überlegen, ob das als Ausweis des frauenpolitischen Weltbldes von Peter Ramsauer bei der nächsten Bundestagswahl plakatiert werden sollte.
Gabriele Paulis Mitkonkurrent um den Parteivorsitz, Erwin Huber, war immerhin nicht so blöd, mit deftigen Sprüchen zu Gabriele Pauli zu beweisen, dass er wenig gescheiter sein könnte, erklärte jedoch gerade ohnehin erst, die Partei pflege klare soziale Ideale wie “Ehe und Familie”.
Ihr anderer Mitkonkurrent um den Parteivorsitz Horst Seehofer, dem seine verheimlichte außerheliche Geliebte gerade ein Kind geboren hat, als er sich entschloss, wieder mit seiner Frau auf heile Familie zu machen, könnte sicher eine Aufhebung des Verbots von Bigamie besser brauchen als eine Ehe auf Probe. Dummerweise hat Horst Seehofer das aber vergessen zu erklären, als er den Vorschlag seiner Konkurrentin als absurd bezeichnete und seiner Konkurrentin den Verzicht auf die Kandidatur nahelegte.
Den Vogel hat jedoch Bayerns Innenminister Günther Beckstein abgeschossen. So lässt Günter Beckstein sich einerseits mit den Worten “Frage für den Psychiater” zitieren und outet sich so als Macho sondergleichen und andererseits ließ er auch noch obendrein ernsthaft verbreiten, Paulis Programm zeichne sich durch eine «entsetzliche Oberflächlichkeit» auch in religiösen Fragen aus.
Vermutlich muss nun Gabriele Pauli in ihr Programm schreiben, dass sie an den Weihnachtsmann glaubt, damit Günter Beckstein als designierter Ministerpräsident von Bayern ihr die wünschenswerte Ernsthaftigkeit ihres Programmes in religiösen Fragen bescheinigt. Dass Günter Beckstein sich durch einen einfachen familienpolitischen Vorschlag so entblößen lässt, hätte manch einer bis gestern sicher nicht für möglich gehalten. Auf dem Parteitag in einer Woche darf die CSU sich nun entscheiden, ob sie im 21. Jahrhundert angekommen ist, oder ob sie familienpolitisch für Küche, Kinder, Kirche steht und obendrein auch noch an den Weihnachtsmann glaubt.
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Wir leben möglicherweise in einer feministischen Diktatur. Einfach regelmässig das Weblog genderama.blogspot.com lesen, dann weiss jedermann Bescheid.
Die Familie wird in Deutschland systematisch zerstört, um das deutsche Volk zu schwächen und es besser ausbeuten zu können. Deswegen sollten deutsche Männer aus Deutschland in ein nichtfeministisches Land auswandern, sofern sie können. Das Gejaule um “Ehe auf Probe” einfach ignorieren und abhauen. Deutschlands Presse ist nicht nur in neoliberaler Hinsicht, sondern möglicherweise auch feministisch gleichgeschaltet.
Bayern ist IMHO ein Bundesland der Multimoral - “Doppel” alleine würde hier nicht ausreichen. Typische Kulissenpolitiker, hinter deren Fassade man nicht blicken sollte, möchte man sich nicht sein eifrig schöngefärbtes heile-kleine-Weltbild verderben. Von Politikern, welche nach unter Alkoholeinfluss begangener Tötung im Straßenverkehr doch noch die Geldbuße durch langjährige Tätigkeit in der “Ruhestandsmaschine” kompensieren können bis zu unpassend zu Wahlzeiten geouteten Midlife-Crisis-Seitenspringern . Ich selbst betitle Seehofer immer als den “Beckenbauer der CSU” - in welchem Becken auch immer der was gebaut hat, es hat wenigstens Hand und Fuß. Kann man von den Auswüchsen der bayrischen Innenpolitik nicht immer so sagen. Schon jetzt wird ja der “Becks” ganz drollig als Sonderling unter den potentiellen Landesvätern geführt: Franke und protestantisch. Klingt wie ein vorweggenommener Persilschein für zu erwartende irrationale Handlungen “ha, ha, der Günther wieder.”…
Zu Frau Pauli: auf den ersten Blick - und der ist leider vielmals schon durch diverse Scharfmacher (pardon: Journalisten) verkürzt und konzentriert worden - ist der Vorschlag nicht verwerflich. Genauso wenig wie die Vorschrift, man soll mit Kinderwagen nicht nach 20 Uhr auf dem Gelände des Oktoberfestes herumfahren: normale vernunftbegabte Eltern kämen nie auf so eine törichte Idee - aber NEIN, man braucht eine Vorschrift. Also ist das “Leute, bevor ihr Euer Ja-Wort ewig bereut, weil ihr sonst von den Katholiban nach der Scheidung gesteinigt werdet, wir haben da eine Idee” m.E. etwas, was klar denkende Leute nur mit “aha, die kommen auf den Trichter” quittieren. Ist die Ehe durch den rituellen Spruch “bis dass der Tod euch scheidet” wirklich so sicher und der Verlauf so unausweichlich wie der Sprung aus dem Hochhaus? Der endet vorhersagbar und recht drastisch - ohne Ausweg.
Wenn nun die “ich traue mich nicht, eine Scheidung anzusprechen”-Ehepartner durch so eine Regelung Erleichterung empfinden - und dann dem unter Alkohol-/Familien-/Verzweiflungs-Einfluss entstandenen Bündnis wieder entfliehen können - ich find’s OK und könnte das auch ohne so eine Regelung. Aber: Regeln dienen als Stütze für die Schwachen, und wenn man nun einen extrabreiten Notausgang für die seelisch oder persönlich Schwachen bauen will, ist das kein Grund, über Frau Pauli so herzuziehen, als hätte sie von allen Frauen ein erzwungenes soziales Jahr im Puff oder 7 Jahre Pflichtbesuche in Swinger-Clubs gefordert. Letzteres halte ich eher bei denen für möglich, welche sich so bigott frontal in die Presse ätzen. Als katholischer Fundamentalist würde ich Seehofer wegen eines Ehebruches auch ins Fegefeuer verwünschen, ausser, das hat “unser Mann in Rom” per Bulle gerade wegen übermäßigem CO2-Ausstoß abgeschaltet. Und die ganzen Töchter von alleinstehenden Pfarrhelferinnen würden mich ganz arg wundern.
Damit habe ich den Bogen zur Multimoral wieder gekriegt - vergebt mir meine Logorrhoe.
Schönes Wochenende.
Frau Paulis Vorschlag halte ich durchaus für diskussionswürdig, wenn ich auch einen anderen Ansatz wählen würde.
Was die Frau allerdings dazu treibt, das ausgerechnet in einem CSU-Wahlprogramm zu fordern, ist mir nicht klar.
Sie muss doch wissen, das in einer Partei, in der Pfaffen und Schützenvereine Meinungsführer sind, ein solcher Vorschlag dem politischen Suizid gleichkommt.
Das ist so, als würde Petra Pau von den Linken die Abschaffung des Kündigungsschutzes fordern. Oder Renate Künast von den Grünen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.
Jetzt ist man also schon bajuwarischer Kleingeist, wenn man den Vorschlag der Pauli als hirnrissig empfindet? Warum können sich die Menschen nicht vorher beschnarchen, ob die Ehe die richtige Form des Zusammenlebens ist? Wer aus Pflichten oder aus Standes(Status-)gründen heiratet, kann seine Ehe eh schon beenden, bevor sie anfängt. Sicher: Die überzogenen Reaktionen der Schwarzkittel sind ebenso peinlich. Aber für sich selbst den Vorschlag als schwachsinnigen Populismus abzutun macht einen noch nicht zum Kleingeist.
Nachtrag:
http://www.focu...aid_133481.html
Das wars dann wohl für Frau Pauli. IMO absehbar.
@Herr Schwaner
Ach kommen Sie, sie wollen mir doch nicht allen Ernstes erzählen, dass
sie als “treuer, katholischer Bajuware” die Machenschaften des Herrn
Seehofer gutheißen?
Der wäre doch einer der Ersten, der von dieser Regelung profitieren würde.
Bräuchte er sich doch nicht zu irgendwelchen scheinheiligen Äußerungen
provozieren lassen, wie auf RBB geschehen *lol*.
Seiert was von ‘Bund fürs Leben’, vorher Überlegen etc.
Ja, warum ist denn Frau Paulis Vorschlag nicht zu diskutieren?
Ich meine wir diskutieren doch auch, die gezielte Tötung von Passagieren
einer entführten Maschine, wir diskutieren doch auch die Online-Durchsuchung,
wir diskutieren doch auch die systematische Erfassung von Konvertiten
(Beckstein - Religionsfreiheit), wir diskutieren doch auch ob Folter-
geständnisse hier im Staat durchaus legitim wären etc.
Und jetzt wollen Sie mir sagen, dass das was Frau Pauli sagt nicht
diskutabel erscheint, weil es den moralischen Anspruchen der katholischen
Mehrheit eines Bundeslandes nicht entspricht?
Wer redet hier von religösen Fanatikern, Islamisten etc.?
Gehen Sie weg, und fröhnen Sie weiter der Hexenverbrennung, das
passt schon nicht? War glaub ich auch in Bayern und nicht solange her!
@Archangelus: Wie Sie sehen, diskutieren wir doch. Ich für meinen Teil erachte den Vorschlag von Pauli eben als dumpfesten Populismus. Das ist meine Meinung zu einer Ehe auf Probe. Nicht aus religiösen Gründen (ich lehne Religion für mich ab), nicht aus treuer bayrischer Seele (ist auch schwer als Berliner), sondern einfach aus der Tatsache heraus, dass ich finde, dass Menschen, die sich ein Ja-Wort geben, a) alt und verantwortlich genug sein sollten, um zu wissen, was sie da tun, dass sie sich b) weder auf Gott noch auf irgendein anderes transzendentes Wesen und seine Regeln berufen müssen (das Standesamt reicht doch), und dass sie sich jederzeit trennen und scheiden lassen können. Eine Trennung ist auch VOR PAULI möglich gewesen.
“Und jetzt wollen Sie mir sagen, dass das was Frau Pauli sagt nicht
diskutabel erscheint, weil es den moralischen Anspruchen der katholischen
Mehrheit eines Bundeslandes nicht entspricht?”
Wo will ich Ihnen das sagen? Wo spreche ich über Religion? Wo über Katholizismus? Wo über Moral?
Tatsächlich hat Pauli sich als Weihnachtsmanngläubige bekennen müssen. Bei der Cristlich Sozialistischen Partei ist das genau so Usus wie bei anderen sozialistischen Parteien.
@Bitter_Twisted
Ja und? Immerhin traut Sie sich im Gegensatz zu anderen Opportunisten ihrer
Partei mal konstruktive Kritik und scheint auch über Humor zu verfügen.
@Herr Schwaner

Yepp, schön sie dürfen meine Luft weiter atmen
Sehen Sie es mal so, das spart ungemein Scheidungskosten, Anwaltskosten
(die Rechtsverdreher-Lobby wird sich schon noch wehren *gg*) und Nerven.
Scheidungsquoten sprechen da aber eine andere Sprache als ihre hochge-
schätzte Meinung. Aber wie gesagt, ich nehme das eh nicht sooo Ernst,
mir geht nur das heuchlerische Dummgeschwätz aus der Christlich- Demokratischen-Unionsecke gegen den Strich.
Nochmals Sorry, wenn ich da in ihrer Aussage etwas falsch verstanden habe
und noch einen
verschärften Tag
Ich war ja immer überzeugt, daß die Pauli die “siebenjährige Ehe”, wie so viele Politiker und Hinterbänkler als PR-Geschichte geplant und ausgeführt hat. Heute hat sie im Bayerischen Rundfunk die Katze aus dem Sack gelassen: Die Idee war vom Fränkischen Journalisten und Kabarettisten Frank-Markus Barwasser aka Erwin Belzig abgekupfert, der eine “fünfjährige Ehe” gefordert hat…
Gabriele Pauli - die rote Alternative in einem Land von schwarzen, alten Männern. Bei ihr, mit ihren schwarzen Handschuhen, wäre wenigstens, anders als bei dem dortigen Polit-Establishment, nicht zu befürchten, dass sie “Dreck unter den Fingernägeln” hat.
Die CSU beweist ein ums andere Mal, warum es sie nur in Bayern gibt. Und, den “Bund fürs Leben” auf 7 Jahre zu befristen, ist in meinen Augen absoluter Humbug. Sorry.
@Thorben
Auch wenn das ein lustiger Vorschlag aus dem Kabarett ist, den die humorlose CSU-Parteiführung sicherlich mit Humor am besten gekontert hätte, mal eine Frage an Dich:
Warum ist der Vorschlag, nach sieben Jahren Ehe regelmäßig eine Bestätigung derselben abzugeben, in deinen Augen absoluter Humbug?
Vielleicht bin ich hoffnungslos romantisch, aber ich finde, die Ehe ist ein Bund fürs Leben. Ohne Wenn und aber und ohne Rückgabegarantie. Wenn ich heirate, dann mit dem Wunsch, für immer mit dem Partner zusammen zu leben und nicht für eine bestimmte Zeit und dieses dann wieder zu erneuern.
Vielleicht könnte man ja eine gesetzliche Lebensabschnittsgemeinschaft schaffen, die für ein paar Jahre befristet ist, damit man eben alle gesetzl. Vorteile hat, aber die Ehe ist nichts, was man einfach so wieder abgibt.
Es ist gut, dass es immer noch ein Aufwand ist sich scheiden zu lassen. Diese Hürde lässt manch einen vielleicht noch überlegen warum es scheitern zu droht und man gibt nicht gleich auf, sondern arbeitet vielleicht an sich. Häufig sind ja auch Kinder mit im Spiel, was ist denn mit denen?
Was hätte Gabriele Paulis Vorschlag wohl ins Rollen gebracht, wenn erstens Frau Pauli Herr Pauli hieße? Wenn Herr Pauli zweitens (oder besser erstens) nicht Mitglied der CSU wäre, wenn Herr Pauli beipielsweise ein renommierter, sachlich auftretender und bisher untadeliger Professor der Politikwissenschaft (möglichst im grauen Zwirn), der Theologie oder der Sozialwissenschaften wäre?
Auch dann hätten ihm/ihr nicht sämtliche Geister deutscher Provenienz zugejubelt, aber - und dessen bin ich mir sicher - selbst die Gegner eines solchen Vorschlags hätten nachgedacht. Zumindest hätten sich diese Köpfe weitaus mehr mit der Suche nach sachlichen Argumenten befasst, anstatt lediglich - wie jetzt geschehen - verbale Munition zu sammeln, um damit auf eine “Verrückte” zu schießen.
gibt es hier eigentlich (fast) nur männer, die ihre meinung abgeben? haben frauen keine meinung? vor allem zu frau pauli? oder gibt es hier schlichtweg keine frauen, die bloggen und eine eigene meinung haben???
armes deutschland, wo immer noch die männer alleine “regieren” und jede frau weghacken…setzt eure frauen, mütter, freundinnen an den pc…schickt sie weg vom herd in die politik…dann müsst ihr nicht solche bayrischen deppen ertragen!!!
Ich bin eine Frau und habe mich gefragt, was Frau P. zu diesem Vorschlag bewog. Wollte sie wirklich die teilweise entwürdigende Prozedur einer Scheidung verhindern, die einer Unmenge von Anwälten Arbeit und Einkommen verschafft, Gutachter aller Coleur samt technischer Ausrüstung (E-Meter,Lügendedektoren) mit Aufträgen versorgen kann nach der Devise, besser ein längeres Verfahren bei dem man längere Zeit ein Gutachten abrechnen kann als ein schnelles, wo man nicht gefragt wird?
Oder gehört sie zu den Leuten, die die Ehe als Instanz verachten?
Warum sehen so wenig Menschen heute die Chancen, die eine Ehe bietet?
Ramsauer über Beckstein und Huber am 22. Sep. 2007
“Ich kenne die beiden seit Jahrzehnten aus der Jungen Union. Jeder von uns Dreien weiß exakt, wie der andere denkt, wie er entscheidet.”
Das geht natürlich nur aufgrund der Primitivität der Drei, weil keiner eine eigene Meinung hat und jeder der Drei vom CSU-Grundsatzprogramm “Heuchelei und Intrigen um Posten” gesteuert ist.
Der primitive Beckstein wollte Pauli als geisteskrank brandmarken, um deren Ruf zu schädigen und die Delegierten gegen sie einzustimmen, Huber meinte in Richtung Pauli “Ich befasse mich nur mit ernsthafter Politik” (Ignoranzmethode mit Selbstlob-Absicht, bei gleichzeitiger Herabwürdigung des Gegners) und Ramsauer meinte gar in Richtung Pauli “weniger interessant wie der Dreck unter den Fingernägeln.” (Ignoranzmethode mit schwerer Beleidigungsabsicht und Eigentor, durch Angabe des Zustands unter den eigenen Fingernägeln).