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4. September 2007

Abhilfe gegen schöngefärbte Wikipedia-Artikel

von @ 10:27. abgelegt unter Informationszeitalter, Wikipedia, Medienmanipulation, Bürgerjournalismus

Kennern des politischen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland ist seit langem schon geläufig, dass Artikel in der Wikipedia dank intensiver Pflege durch diejenigen, die der Artikel betrifft, oft nicht mehr als reichlich schön gefärbte Selbstdarstellungen sind. Nachdem vor ein paar Wochen der Wikiscanner erschienen ist, mit dem ein Teil der Manipulationen sichtbar geworden sind, ist es nun auch allgemein bekannt geworden, dass Wikipedia zu großen Teilen aus interessengeleiteten Passagen besteht. Vergessen wurde bisher meist zu erwähnen, dass die durch den Wikiscanner aufgeflogenen tendenziellen Edits wohl nur die Spitze eines Eisbergs sind. Mein Parteibuch ist der Auffassung, dass das nicht zurückverfolgbare Schönschreiben des Wikipedia-Eintrags zu ihrem Arbeitgeber zu den üblichen Aufgaben von Mitarbeitern der Abgeordneten gehört.

Vor zwei Jahren wurde deshalb mit dem Parteibuch Wiki angefangen, in einem von der Wikipedia unabhängigen Wiki gezielt kritische Betrachtungen von Themen wie Politikern, Wirtschaft, Medien und Rechtswesen zu sammeln. Dabei wurde der in der Wikipedia erhobene Anspruch der Neutralität als eine vom Standpunkt des Betrachters abhängige Illusion aufgegeben und kleinere unabhängige Quellen wie Blogs werden in der Glaubwürdigkeit tendenziell höher bewertet als Massenmedien, die durch kommerziellen oder politischen Druck steuerbar sind.

Wikipedia verfolgt als ideologische Leitlinie das Ziel der Neutralität und hat als inhaltliches Vorbild die Enzyklopädia Britannica. Die Glaubwürdigkeit von Quellen wird dabei oft nach der Größe des Mediums beurteilt. Diese Leitlinien werden in der Wikipedia immer wieder dazu missbraucht, um kritische Betrachtungen aus Artikeln zu entfernen. In Editwars, die darauf manchmal folgen, haben oft diejenigen den längeren Atem, die für sie unangenehme Kritik aus eigennützigen Gründen unterdrücken wollen.

Obwohl sich der Ruf dank Wikiscanner im Sturzflug befindet, hält Mein Parteibuch die Texte der Wikipedia genau wie die Wikimedia Software jedoch wegen der Copyleft-Lizenz für ungemein wertvoll. Auf der Basis der Wikipedia Artikel und der oft viel aussagekräftigeren Diskussionen dazu können daraus leicht Artikel erstellt werden, bei denen kritische Betrachtungen nicht ausgeblendet werden. Daraus kann eine wünschenswerte vielfältige Landschaft von Wikis entstehen, die die Welt aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und bei der Leser entscheiden, welche Variante sie lesen möchten.

Diejenigen Editoren, die in der Wikipedia die Erfahrung gemacht haben, dass ihre fundierten kritischen Betrachtungen in Wikipedia-Artikeln wegen “fehlender Relevanz”, fehlender Neutralität oder ähnlichem Firlefanz wegeditiert wurden, sind eingeladen, solche Artikel einschließlich der kritischen Betrachtungen ins Parteibuch Wiki zu stellen. Vielleicht gelingt es so, bis zur Bundestagswahl 2009 von jedem Bundestagspolitiker im Parteibuch Wiki einen Artikel zu haben, aus dem Kritik nicht gezielt wegeditiert wurde. Selbstverständlich ist auch jeder eingeladen, die Artikel vom Parteibuch-Wiki komplett herunterzuladen und als Basis für ein eigenes Wiki zu verwenden.

4 Kommentare zum Beitrag “Abhilfe gegen schöngefärbte Wikipedia-Artikel”

  1. macdet sprach

    die Sitte bei WikiPedia hat auch micht mehrfach “erwischt”. Unglaublich was sich da an Mobbbing-Fachleuten tummelt.

    Die werden Seiten verlinkt die sich für Führungskräfte einsetzen und Kapital daraus schlagen. Fair ist das nicht :)

    Deshalb hat der Mobbing-Gegner auch sein eigenes WIKI.

    macdet
    – hartz iv muss man sich leisten können –

  2. Meudalherr sprach

    Auch ich habe häufig den Eindruck, dass die Wikipedia recht häufig Propaganda von dem jeweiligen Unternehmen enthält. Aber aufgrund des restriktiven Äußerungsrechts traue ich mich nicht, dieses hier in Deutschland öffentlich anzuprangern. Und weil es immer so unglaublich langsam ist, wenn ich im Internet anonym unterwegs bin, unterlasse ich lieber eine zulässige Meinungsäußerung vollständig.

    Vielen Dank, liebe Gericht in Deutschland, das deutsche Untertanen ihre Meinung in Deutschland häufig gar nicht erst äußern, wenn es darum geht, Manipulationen aufzudecken.

    Kürzlich habe ich mal in den Artikel zur Schufa hinein geschaut. Nach meiner Meinung enthält dieser Artikel Manipulationen, beweisen kann ich das natürlich nicht. Aber ich habe jetzt auch keine Lust, darauf im Detail einzugehen, was soll es.

  3. Peterle sprach

    Sehr lustig ist auch der Artikel zur IHK ;)
    Da es sich sozusagen um eine Geheimbehörde handelt und sachliche Informationen Mangelware sind - Kontroverse pur!

  4. Perspektive2010 sprach

    Die INSM-Artikel werden übrigens von Aperto Berlin “aufgehübscht”, wenn man diesem Scanner glauben darf…

    Gruß

    Alex

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