Es ist schon erstaunlich: Während die deutsche Elite geradezu verzweifelt versuchen, die Kontrolle über den Informationsfluss zu behalten, in dem sie wie der Medienmogul Christian DuMont Schütte die Reste aus dem Zeitalter der zentral gelenkten Informationssteuerung konsolidieren oder wie Wolfgang Schäuble Totalüberwachung im Internet einführen wollen, diskutiert eine Reihe von Bloggern und bloggenden Journalisten ernsthaft darüber, ob politische Blogs in Deutschland politischen Einfluss haben.
Wenn Christian DuMont Schütte erklärt, er glaube, in zehn Jahren sei Google tot, aber er selbst weiterhin nur den Schrott der deutschen Medienoligarchie aufkauft, dann glaubt er vermutlich selbst nicht so recht daran. So klingen manche Worte seines Interviews in der FAZ in etwa so wie die eines Kaninchens, dass hilflos auf eine Schlange starrt:
Im Moment hat nur niemand in der Branche eine Lösung. Aber es kann nicht sein, dass die Medienhäuser in Deutschland grob geschätzt neun Milliarden Euro für Nachrichteninhalte ausgeben, die sie dann kostenlos ins Internet stellen. Wir bezahlen Suchmaschinen sogar dafür, dass sie uns oben listen. Bei uns bröckeln Auflage wie Anzeigen, und Google schöpft mit unserer Hilfe den Werbemarkt ab. Das ist pervers.
Dagegen, dass die medialen Manipulationen aufgedeckt werden, ist tatsächlich kein Kraut gewachsen. Dabei wäre der Ausweg aus dem kommerziellen Desaster für die Medien wirklich einfach, wenn sie es denn wirklich wollten. Die Journalisten müssten nur einfach anfangen, ehrlichen Journalismus zu betreiben und aufhören Propaganda zu verbreiten. Das könnten Verlagshäuser auch unterstützen - beispielsweise in dem sie Journalisten strikt dazu anhalten, ihre eigene ungefilterte Sicht auf die Dinge zu schreiben. So müssten auch ihre Rechtsabteilung nicht dazu einsetzen, Artikel vorab rechtssicher glattzubügeln und bis zur Unkenntlichkeit zu kastrieren, sondern könnten sie auch dazu benutzen, die nach Erscheinen der Zeitung anfallenden Rechtsstreitigkeiten zu bewältigen. Journalisten könnte es auch gestattet zu werden, über die Themen zu schreiben, die sie für wirklich interessant halten, und nicht die wichtigsten gesellschaftlichen Themen wie heiße Kartoffeln auszusparen.
Wenn diese einfachen Gebote der Informationsfreiheit befolgt würden, dann würden die Leser die Informationsangebote von Christian DuMont Schütte vermutlich genau so lieben, wie sie jetzt Google lieben. Unabhängige Blogger zeigen Tag für Tag, was für einen Unfug und welche groben Lügen die klassischen Medien in Deutschland verbreiten. Wer seinen Lesern das Gefühl gibt, das Medienangebot diene der psychologischen Kriegsführung und sie, die Leser, seien die Zielscheibe, die es zu manipulieren gilt, dann braucht sich niemand zu wundern, wenn ihm die Leser weglaufen. Nur bis klassische Medien das einsehen wollen, bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg.
Schießlich basiert ein guter Teil der faktischen Macht heutzutage auf der Manipulation der Massenmedien. Wer einmal durchschaut hat, wie er von den gegenwärtigen Massenmedien manipuliert und belogen wird, der reagiert darauf schnell allergisch. Warum liest man denn in den Massenmedien nichts über die deutschen Schleichwege zur Atombombe? Wo bleibt die umfangreiche öffentliche Aufklärung der Massenmedien über Gladio und die Strategie der Spannung? Wo bleiben in den Massenmedien die Recherergebnisse zu Verbindungen von nationalkonservativen Vertretern der Kirchen zu einschlägig bekannten Rechtsextremisten? Wo bleibt die Aufklärung der Bevölkerung über das ganze verheerende Ausmaß des sächsischen Sumpfes?
Solange die Medien dazu schweigen, hilft ihnen beim Kampf um Glaubwürdigkeit auch nicht das gelegentliche Outing des Versuches einer PR-Agentur vom Bundeswirtschaftsministerium, redaktionelle Berichterstattung zu beinflussen. Für die Annahme, dass trotz des Outings auch und gerade im Hause Neven DuMont noch Lernbedarf in Sachen vorbildlichen Einsatzes für die Pressefreiheit vorhanden ist, dafür spricht beispielsweise diese juristische Attacke der eigenen Familie auf eine Kleinstpublikation. Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte.
Lustigerweise scheinen viele Blogger noch gar nicht gemerkt zu haben, wieviel Einfluss sie tatsächlich haben. Wenn Florian Treiß unter “Internet = Demokratische Revolution?” von einer “Mobilisierungsthese” und einer “Reinforcementthese” schreibt, dann vergisst er dabei den entscheidenden Punkt. Blogs können als unkontrollierbare Informationsquellen einer neuen Öffentlichkeit dafür sorgen, dass über Jahrzehnte, Jahrhunderte oder gar über Jahrtausende mit Fehlinformationen aufgebaute Weltbilder wie Kartenhäuser zusammenstürzen.
Was könnte einen größeren politischen Einfluss haben, als dass reihenweise Illusionen zerplatzen? Mein Parteibuch ist davon überzeugt, dass die Informationsverbreitung von unten die Welt ähnlich wie die Erfindung des Buchdrucks verändern wird und lädt jedermann ein, dabei mitzumachen, sogar Christian DuMont Schütte. Nur, der wird wohl nicht wollen, schon weil ein freier Fluss von Informationen möglicherweise seinen Zielen diametral gegenübersteht. ![]()
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Merkel will in China auch das Thema der Unterdrückung chinesischer Blogger aufwerfen.
Ich mus mich verhört haben heute bei den ARD-Nachrichten um 20:00.
Zunächst: Vielen Dank für die Erwähnung.
Dann: Ich zweifle, ob verfestigte Weltbilder wie Kartenhäuser einstürzen können. Es bedürfte medialer Macht, einen Skandal daraus zu konstruieren. Und selbst dann… es muss einen Nutzen abwerfen, damit es angenommen wird. Der Skandal um das Doping im Radsport… mh, er schwelt doch locker flockig schon einige Jahre vor sich hin. Jedes Jahr ein wenig mehr Details, ein paar mehr Involvierte. Doch es gibt keine Reaktion, weil es den Leuten nichts bringt, sich pikiert zu zeigen. Gut, die ARD und das ZDF haben moralisch gehandelt, beim Publikum hat das Interesse nachgelassen, aber es gibt nicht ernsthaft eine breite Front, die sich gegen Doping ausspricht.
Klar, wissen wir, dass der Irak-Krieg fingiert war… Bush dies und das und jenes getan hat. Aber es gibt keine praktischen Schlussfolgerungen, die das Handeln der Menschen beeinflussen könnten. Das ist zu abstrakt, das ist zu weit weg, das reicht für den Stammtisch, oder um die eigene Doppelmoral hochzuhalten. Sich symbolisch als eigenere Saubermann darzustellen - dazu reichen solche Dinge aus. Wieviele Tote gab es, und gibt es täglich im Irak und in Afghanistan… doch wie beeinflusst das das Leben der Leute hierzulande? Das löst doch nicht eine Debatte aus, die weg von der Wehrpflicht wollten, oder Abrüstung und den Verzicht auf Militär, etc. pp. - Die Unsinnigkeit des Krieges reicht in ihrer medialen Berichterstattung nicht aus, um die Leute dazu zu bewegen, darauf zu verzichten.
PISA, OECD, Kinder statt Inder… usw. usf. - was bringt es, und wieviel haben selbst Massenmedien davon in die Köpfe der Bevölkerung integriert? Es gibt in NRW nicht maßgeblich mehr Reiche als Arme. Es gibt in NRW maßgeblich nicht mehr Oberschicht als Unterschicht. Es gab also für einen Großteil durchaus triftige Gründe, nicht schwarz-gelb zu wählen. Die FDP-Bildungsentscheidungen, Empfehlungen von Lehrern für den weiteren Schulweg verpflichtend zu gestalten - es war bekannt vor der Wahl. Studiengebühren ebenso. Doch PISA, OECD und Co. berichten vom Bildungstrichter. Von 100 Kindern aus der Unterschicht erreichen ca. 8 eine Hochschule. Allerdings sind es 80 von 100 aus der Oberschicht. Gründe dafür sind vielfältig. Ein Grund sind die vielen Zweigstellen im Bildungssystem, an denen über Wohl und Wehe entschieden wird. Mit dem FDP-Gesetz hat sich also eine Stellschraube noch verschlechtert.
Und Blogger sollen dann zur Aufklärung dienen? Die reine Information reicht nicht. Man erreicht die Leute nicht immer. Wenn man die Anzahl negativer StudiVZ-Artikel in der Blogosphäre berücksichtigt, müsste man das Gefühl haben, dass alle Nutzer vom Holtzbrinck-Bonker irgendwas nicht mitbekommen haben. Ich finde das jedenfalls sehr schwierig, und nicht so ohne Weiteres ersichtlich, dass die Blogosphäre Kartenhäuser zum Einstürzen bringen kann.
@Rolf
Ja, lustig. ARD-Mann Jochen Graebert erklärt den Zuschauern der 20:00 Uhr Tagesschau aus Peking:
“Morgen wird sich Angela Merkel mit regime-kritischen und teilweise verfolgten Journalisten und Internet-Bloggern treffen.”
Vielleicht trifft sich ja ihr chinesischer Amtskollege dann bei einem Gegenbesuch ja auch mit “regime-kritischen und teilweise verfolgten Journalisten und Internet-Bloggern” in Deutschland? Da hätte dann die deutsche Propaganda-Maschine alle Hände voll zu tun, das als Revanche zu erklären, ohne die Namen zu nennen.
Noch lustiger sind die Meldungen zu “Hacker-Angriffen” aus China. Sind nun die Chinesen schuld, dass die Deutschen nicht mal in der Bundesregierung in der Lage sind, halbwegs sichere Computer einzusetzen? Chinesen vertrauen auf das Quelltext-offene Linux, was zu einem nicht unerheblichen Teil in Deutschland entwickelt wurde, aber die Deutschen vertrauen auf löchrige Closed-Source-Programme aus den USA und verbieten obendrein noch Sicherheitstools.
Lächerlicher geht’s nicht mehr - und das betrifft sowohl den Besuch von unserer Ex-FDJ-Sekretärin in China als auch die Berichterstattung der Tagesschau darüber.
Alexander Trust #2 hat Recht. Argumente und Informationen bewegen wenig.
Argumente und Informationen sind jedoch wichtig und Voraussetzung dafür, dass wenn es zur Bewegung kommt, dass es dann genug Menschen gibt, die vorbereitet sind zu Veränderungen in Richtung Verbesserung.
Das Hauptverbrechen der DDR-Mächtigen war die pauschale Entmündigung der DDR-Bevölkerung. 1989 traf dies Menschen unvorbereitet.
Ansonsten wäre Angela Merkel heute nicht Bundeskanzlerin, Stolpe und Gysi hätten keinen Rinfluss, einen Krause hätte es nicht gegeben, den Sachsen-SDumpf ebenfalls nicht. Deutschland würde sich nicht an den vielen Kriegen beteiligen, und es gebe mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Aufwendungen für Bildung, Gesundheit, Kultur und Umwelt.
Der Konsumrausch und die Verdummungsstrategie der Mächtigen wären nicht so bestimmend.
@Alexander
Verfestigte Weltbilder können wie Kartenhäuser - vielleicht sollte man besser wie WTC7 sagen - einstürzen. Das geht bei dem einzelnen - ähnlich wie bei einer betrogenen Ehefrau, die ihren liebsten und allertreuesten Mann in flagranti erwischt - recht schnell vonstatten, wenn sie die richtigen Informationen erreichen.
Die mediale Macht baut sich dabei in den Blogs zwar nur langsam auf, aber desto mehr Menschen den Glauben an die herrschenden Illusionen verlieren, desto mehr Menschen recherchieren den Lügen hinterher. Dadurch werden mehr Propaganda-Lügen aufgedeckt und es kommt noch mehr Schwung in die Aufklärung. Das dauert zwar eine Weile, aber - wie obige Äußerung von Christian DuMont Schütte belegt - können die Medien diese Art der Aufklärung nicht stoppen.
Die Medien befinden sich durch die Bloggerei in der Zwickmühle: entweder sie wirken an der Aufklärung der Lügen mit und helfen so tatkräftig dabei mit, die Kartenhäuser einstürzen zu lassen oder sie verfolgen ihre Linie weiter, PR-Unfug zu verbreiten, sich dadurch weiter lächerlich zu machen und Leser an Medien mit glaubwürdigeren Informationen abzugeben, die dann die Kartenhäuer zum Einsturz bringen.
Unter dem Titel “Keimzelle für eine demokratische und pluralistische Medienlandschaft” ist hier im Parteibuch beschrieben, wie glaubwürdigere Medien durch vom Idealismus getriebens Copyright-freies Bloggen entstehen könnten. Vielleicht habt ihr mit Sajonara ja Lust, dabei mitzumachen und sajonara vom Urheberrecht zu befreien oder Copyright-freie Inhalte weiterzuverbreiten?
Die Erosion des Vertrauens ist bereits in vollem Gange, wie der Artikel “Demokratie kaputt” zeigt.
Gibt es eine gewisse Anzahl von Leuten, die so lustige Dinge wie die Mondlandung, den Einsturz von WTC7 oder die Brutkastenlüge nicht mehr als Tatsachen akzeptieren, dann bricht das ganze Gefüge auseinander. An dem Punkt sind wir möglicherweise bereits angekommen.
Das Ganze können die Verantwortlichen vielleicht noch eine Weile mit Mobbing und wirtschaftlichem Druck zusammenhalten können, aber letztlich machen sie damit einen Teil dieser Menschen nur zu Whistle-Blowern, die noch mehr Lügen entlarven. Und es wird auch Journalisten und Prominente geben, deren Weltbilder zusammenbrechen und die das öffentlich wie John Kerry beim WTC7 kundtun.
Durch Whistleblower wird der Punkt erreicht werden, dass auch die Tricks nach dem Schema Good-Cop und Bad-Cop, die Einteilung der Bevölkerung in Linke und Rechte, in Arbeitsplatzinhaber und Arbeitslose, zur Kontrolle der öffentlichen Meinung nicht mehr funktionieren.
Das ist der Zeitpunkt, an dem die Menschen sich auch durch geschickt manipulierte Meinungsumfragen nicht mehr einreden lassen, dass sie ihre Meinung keinerlei politisches Gewicht hat und “die Politiker sowieso machen, was sie wollen”.
Einige unserer Machthaber sehen diesen Prozess genau so kommen und sind doch völlig machtlos gegen den Machtverlust mit Ansage.
Meine Meinung in Kurzform:
- Politische Weblogs in Deutschland beeinflussen die Meinungsbildung einer interessierten Minderheit.
- Es entsteht bei dieser Minderheit so etwas wie Pfadabhängigkeit. Man liest einige wenige Weblogs, und bleibt bei denen im Wesentlichen. Diese Weblogs bilden dann die Meinung bei dieser Minderheit.
- Wer sich ausschliesslich aus den traditionellen Massenmedien informiert, mit dem braucht man über Politik nicht ernsthaft zu diskutieren.
Die Zensurkammern, die Politiker und vile Mitmenschen würden sich freuen, so offen und zielbewuust auch in DFeutschland das Internet diszipliieren zu dürfen und können.
Wo ist der Unterschied zwischen Detschland Heute und China in diesen Fragen? Im Grad der Verlogenheit? In den Mitteln, wie das “Ziel” erreicht wird?
Zitate aus: Abendblatt - 28.08.07
Die große chinesische Mauer im Internet
Alles, was den politischen Wächtern als staatsgefährdend erscheint, wird sofort entfernt. Unternehmen aus dem Westen helfen sogar dabei. Um welchen Preis?
Von Irene Jung
Am Wochenende gab Chinas Internetbehörde etwas Neues bekannt: Anbieter von E-Mail-Programmen und Blog-Hosts müssen sich verpflichten, staatsgefährdende oder “unsaubere” Web-Inhalte zu suchen und die Daten der Verursacher zu speichern. Die großen internationalen Internetfirmen - Global Player - sollen also in China selbst die Aufgabe der Zensur übernehmen.
“Ob wir mit dem Internet fertig werden, davon hängt die Entwicklung der sozialistischen Kultur, die Sicherheit der Information und die Stabilität des Staates ab”, hat Staatspräsident Hu Jintao kürzlich gesagt.
Die ewige Relevanzfrage bei Blogs…
Wir haben zu Zeit mal wieder eine großangelegte Diskussion zum Thema Relevanz und Inhalte von Blogs die im wesentlichen ausnahmsweise mal ohne das übliche persönliche Hickhack geführt wird. Don Alphonso inspirierte Sajonara auf den dann der on…
Danke für die ausführliche Beschäftigung mit meinen Blogeinträgen! Nun aber ein kleiner Einwand:
Weder Mobilisierungsthese noch Reinforcementthese stammen von mir, sondern sind einfach verschiedene wissenschaftliche Hypothesen, die ich zum Überblick gepostet hatte.
Dennoch: das Blogs “über Jahrzehnte, Jahrhunderte oder gar über Jahrtausende mit Fehlinformationen aufgebaute Weltbilder wie Kartenhäuser zusammenstürzen” lassen, halte ich für sehr übertrieben. Fände ich durchaus nett, wenn es so wäre. Nur wo geschieht das denn? Zumindest nicht in Deutschland.
Eine weitere These aus der Wissenschaft: Blogs bilden Teilöffentlichkeiten, die ähnlich zu Kneipengesprächen sind. Denn der ganz große Diskurs findet in den Blogs bislang einfach nur selten statt und entfalltet einfach zu selten in einer größeren Dimension seine Wirkung.
@F. Treiß: Das Internet ist einfach nicht dazu angetan, mehr als Teilöffentlichkeiten zu bieten. Diejenigen, die im Netz Diskurse anzetteln könnten, das sind solche, die die meisten Besucher auf ihre Seiten locken. Doch das sind für gewöhnlich Spaß-Seiten. Das ist nicht mal blogspezifisch.
Und damit kann ich auch @Redaktion teil-antworten: Eine Internetseite ist faktisch “immer” da. Praktisch wird sie aber entweder gelesen, oder nicht. Wenn Blogger für ihres Blogs Budgets für Werbung zur Verfügung hätten, würden aller Voraussicht nach viel viel mehr Leute Blogs lesen. Da nun aber 127 000 infromative Blogbeiträge an Person X ungelesen vorbeigehen könnten, weil der Zufall es so will, kann dann der Blog auch nicht dazu beitragen, eine Situation inflagranti zu zeigen. Jedenfalls nicht der Person X. Mit meiner Weblogzählaktion habe ich damals einen Überblick darüber bekommen, welche Leute ich anspreche, bzw. wie weit verzweigt mein Blog ist. Ich habe natürlich nicht erwartet, dass es allzuviele sind. Trotzdem kommt noch eine weitere Komponente hinzu - der Blogger himself. Anstatt einen anderen dabei zu unterstützen, selbst wenn man die Aktion gut findet, könnte es daran scheitern, dass man lieber selbst der Initiator wäre, auf den der “Ruhm” abfiele. Die Blogosphäre ist weitgehend eine Single- und keine Multiplayerveranstaltung. Die Solidarität aus Zeiten der ersten Abmahnungen war ein Phänomen, das daher rührte, dass die vielen kleinen Blogger sich nicht ihrer selbst bewusst waren. Heute weiß ein jeder, oder bildet es sich zumindest ein, dass alles wichtig ist, jeder Informationsfetzen und somit auch seiner. Entsprechend möchte er sich nicht einfach anbieten, sondern erwartet fast schon eine Gegenleistung. Dass die Blogosphäre kommerzialisiert wurde trägt mit dazu bei. Doch das ist in allen Bereichen des Lebens so. Warum sollte die Blogosphäre dann eine Ausnahme bilden?
@Meudalherr: Kann zustimmen, wenn es heißt, dass Informationen selektiv wahrgenommen werden und mitunter nur spezifische Personenkreise angesprochen werden.
Nochmal @Redaktion: Ich bin nicht der Meinung, dass Schütte etwas belegt. Er prognostiziert und theoretisiert, hat aber keinerlei empirische Grundlage auf die er sich bezieht. Es ist ein Szenario, vielleicht sogar denkbar, aber nicht belegt.
Marcel, ich kann deine Hoffnung verstehen und teile sie zum Teil, wenn auch nicht so optimistisch. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, was denn politische Blogs bis jetzt aufgedeckt haben? Man wirft den Medien Doppelmoral vor und schreibt sich seine Artikel dennoch bei denen zusammen. Das passt nicht. Zudem ist die “Gegenoffentlichkeit” von ebensolchen Vorurteilen befangen, wie sie in Medien verbreitet werden, oder meinst du wir alle sind bessere Menschen, nur weil wir Bloggen und keine Neoliberalen Gedanken verbreiten? Auch deine Darstelleung von denen da oben mit der Macht und denen da unten, die die Wahrheit kennen, passt mir nicht, weil es auch eine schwarz-weiße Darstellung ist, die nicht dazu beitragen wird, politischen Blogs die Relevanz zukommen zu lassen, die du ja auch beschreibst. Eine Gegenöffentlichkeit stelle ich mir eben nicht so vor, dass die Gegenmedien genauso laut schreien, wie die Medien und genau so einen Bullshit herausposaunen, der sich nur dadurch unterscheidet, dass es eben das Gegenteil ist, von dem, was in der Zeitung steht.
Ich will dir und auch vielen anderen Bloggern das nicht vorwerfen, aber Politik ist nicht nur Kritik und an positiven Vorschlägen zur Politik in Deutschland habe ich schon lange nichts mehr gelesen.
Mediale Thesen anzweifeln und dafür von den Medin gelieferte zweifelhafte Beweise zu rate ziehen ist nicht das was ich Relevant nennen würde und ich meine eben, dass wir alle genau da stecken geblieben sind. Was nicht heißen muss, dass wir oder der ein oder andere da auch stecken bleiben muss.
“Mediale Thesen anzweifeln und dafür von den Medin gelieferte zweifelhafte Beweise zu rate ziehen ist nicht das was ich Relevant nennen würde”
Genau das ist der Punkt. Blogger sind eben keine Journalisten. Wir sitzen nicht in Pressekonferenzen, führen keine Hintergrundgespräche, haben keine Connections in die Sphären “da oben” etc. Wir sind durchweg abhängig von dem, was die echten Massenmedien liefern und können dann relativ naheliegende Dinge drüber schreiben.
Auch ich würde mir einen von mehr Nüchternheit geprägten Umgang mit Politik und dem Drumherum wünschen. Wer an Massenmedien den Maßstab anlegt, die ganze Welt absolut wahrheitsgetreu abzubilden, wird immer Anlass zur Kritik finden. Und wer Demokratie schlicht wörtlich übersetzt, wird nirgendwo auf der Welt ein demokratisches System finden. Das alles äußert sich dann in dieser typischen Fundamentalkritik und albernen Wortschöpfungen.
Schuster bleib bei Deinen Leisten. Wie Meudalherr schon ganz richtig anmerkte sind Blogs ein Nischenprogramm. Dieses Nischenprogramm findet vor allem Interesse bei einer kritischen und relativ aufgeklärten Leserschaft. Den Mainstreammedien den Kampf anzusagen, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Aber sind wir Blogger nicht eine abgewandelte Version des Don Quichotes, die genau so hilflos gegen die Mechanismen der Gegenwart ankämpft - ok, wir stehen für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit, so wie der gute Edelmann. Aber daraus zu schliessen, dass die Zukunft uns gehöre, halte ich für vermessen.
Wenn allerdings unter den Tausenden Lesern kritischer Blogs nur ein Prozent “angefixt” wird, so haben wir unseren kleinen Teil schon erreicht. Leser von Blogs sind Multiplikatoren - informationssuchende Menschen, die auch in ihrer Umgebung meinungsstark sind. So könnte auch der Flügelschlag eines bloggenden Schmetterlings ein Unwetter bei den Medien auslösen. “Stark bleiben”, wie es einer meiner Leser regelmäßig kommentiert. Ideen lassen sich nicht bekämpfen.
Ein Problem, dass ich am Himmel aufziehen sehe, ist indes die Vereinnahmung des Web 2.0 durch die professionellen Anbieter. Trupoli ist nur der erste Versuch, weitere werden folgen. Dies wird zwar auf die “echten” politischen Blogger keine großen Auswirkungen haben, aber die Expansion der politischen Blogs behindern, da sicher ein Teil der potentiellen Blogger sich vereinahmen lassen wird. Ich bin gespannt, was folgt.
# 13 - Hallo Spiegelfechter,
“nur ein Prozent “angefixt” wird” - genau darum geht es. Einen kleinen Prozentsatz der Bürger für die eigene Position gewinnen. Mehr ist nicht drin. Aber das ist schon eine ganze Menge.
Die Parteien haben auch nur wenige Prozent der Bevölkerung als Mitglieder, ich schätze mal höchstens 3 Prozent der Deutschen sind Parteimitglieder. Und wenn man ein einziges Prozent der Deutschen überzeugt, dann ist das eine ganze Menge.
In China soll es mehr Blogger geben als die dortige Kommunistische Partei Mitglieder hat. Wie ist es in Deutschland? Wieviele Mitglieder haben CDUCSUSPDFDPGRUENE gemeinsam? Wieviele Blogger gibt es?
Die Masse ist immun gegen Erkenntnis. Das war immer so, wird auch so bleiben. Aber man kann enorm ärgern mit Weblogs. Immerhin. So wie die Flugblätter im Mittelalter gegen die damaligen Feudalherren.
Das US Militär hatte die Bilder aus Abu Graib veröffentlicht weil die Bilder schon sowiso die Runden im Internet machten und man wollte so den Schaden begrenzen indem man selber die Nachrichten veröffentlicht hat.
Nachrichten die die Aktivität der Israelischen Streitkräfte kritisiert stammt nur aus privaten Webseiten und Blogs, in Deutschland ist den klassischen Medien so etwas fast verboten
“Riverbend” und viele andere Blogs aus Irak hat Lesern einen, von unseren Medien, ungewollten Einblick in den Irakkrieg gegeben und eine ungewollte Sympatie für die Zivilisten im Irak aufgebaut.
“Tinyurl”, “antiwar.com” “prisonplanet” “bilderberg.org”, “911blogger.com” “junkscience.com” haben alle Einfluß auf die deutsche Bloggerszene, viele werden von Journalisten als private Seite betrieben und obwohl ähnliches in Deutschland verboten wäre, wüßte ich von Niemand gegen dem man juristische Schritte unternommen hat weil er Passagen aus diesenSeiten ins deutsche übersetzt hat.
Was auch nicht zu unterschätzen ist, sind die Kommentare als Stmmungsbarometer, statt die Redaktional ausgesuchten Leserbriefe.
Sorry, Soeren Onez, Du irrst, die Online Seiten der klassischen Medien ist nur einer der Einflüsse der Blogs. Das Internet ist dabei den Jornalismus zu revolutionieren und die klassischen Medien haben ihre Probleme damit.
@ Meudalherr (#6): volle Zustimmung. Folgendes ist aber bei den Beiträgen nicht erfaßt:
1. durch die demokratische Äußerungsmöglichkeit bilden sich Sympathiegruppen heraus von solchen Leuten, mit denen man eine Meinungspartnerschaft haben könnte. Es ist die Voraussetzung für zweitens:
2. das Internet kann als Hilfsmittel genutzt werden, die Meinungspartnerschaften zu festigen und gegebenenfalls Aktionsbündnisse zu verabreden. Was www.lobbycontrol.de/blog/ letztens gemacht hat, nämlich vor dem Bundestag zu demonstrieren, sollte uns alle anregen, mal von unseren gequälten Tastaturen aufzustehen und
3. in die Öffentlichkeit zu gehen. Warum nicht mit www.lobbycontrol.de/blog/, Thema Lobbyistumus und Demokratie, http://www.mein...ibuch.com/blog/, Thema Freiheit und Internet, http://meudalis....wordpress.com/, Thema Demokratie in der Praxis, …, http://www.deut...and-debatte.de/, Thema Arbeitsmarkt und Industrialisierung … geballt machen, spätestens 2009 zur Wahl?
Eines müssen wir alle lernen: nicht allein sind wir stark, gemeinsam sind wir stark. Und man muss von jedem Blogisten auch mal Toleranz und gegenseitigen Respekt verlangen. Wer das nicht versteht, kann nicht Teil des Aktionsbündnisses sein.
Den klassischen Medien werden wir den Rang nicht abkaufen können. Dafür haben die einzelnen nicht die Power. Ich bin aber sicher, durch konzertierte Aktionen können wir mehr als heute.
Ich werde auf meiner Seite einen Beitrag “Aktionsbündnis Blogs” unter “updates” aufmachen. Vielleicht kann ich ja Mitstreiter finden. Einer muss doch mal den Anfang machen.
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