Joost Smiers versteht Urheberrechte heutzutage als zentrales Mittel zur Kontrolle der Kultur durch Kulturmonopolisten und fordert “Friede den Künstlern, Krieg den Palästen“. Mein Parteibuch fügt dem noch hinzu, dass Urheberrechte auch zentrales Mittel zur Kontrolle von Nachrichten durch Nachrichtenmonopolisten sind und unterstützt die Forderung “Make Copyright History!“.
Stefan Meretz hat auf Keimform einen interessanten Artikel von Telekommunist Dmytri Kleiner mit Titel “Copyfarleft and Copyjustright” ins Deutsche übersetzt. Mein Parteibuch möchte die Lektüre des Artikels insbesondere seiner publizierenden Leserschaft ans Herz legen und nachfolgend einige weitere Gedanken dazu in den virtuellen Raum werfen.
Zu Anfang soll hier erst einmal ein kleiner Überblick über den lesenswerten Artikel gegeben werden. Anschaulich erklärt wird in dem Artikel zu Beginn der Zweck von Eigentum erklärt:
Der Zweck des Eigentums ist sicherzustellen, dass eine besitzlose Klasse besteht, die den Reichtum produziert, den die besitzende Klasse genießt.
Diese Ausage wird dann zutreffend auf geistiges Eigentum übertragen:
Der Zweck des geistigen Eigentums, um meine frühere Aussage neu zu formulieren, ist, eine besitzlose Klasse sicherzustellen, die die Informationen produziert, von denen die besitzende Klasse profitiert.
Unter dem Stichwort Justcopyright erklärt Dmytri Kleiner schlüssig, dass Creative Commons lediglich als eine aus der Not geborene Fortsetzung der Logik des Copyright-Systems betrachtet:
Eine flexiblere Version von Copyright kann sich der modernen Verwendung anpassen, schließt aber letztlich weiterhin die Logik der Kontrolle ein und schützt sie. Das berühmteste Beispiel dieser Art sind die sogenannten “Creative Commons” und seiner Myriaden “gerade richtig”-Lizenzen. “Some rights reserved”, das Motto der Site sagt alles.
Das eherne Gesetz des Copyright-Einkommens zeigt ganz offensichtlich, dass es nicht um die Schöpfer der Musik, der Videos und anderer lizensierter kreativer Arbeiten geht, für die “einige Rechte reserviert sind”, da Künstler keine Mittel haben, um mit mehr zu rechnen als den Subsistenzmitteln.
Stattdessen schlägt Dmytri Kleiner schlussendlich die Entwicklung einer Copyfarleft-Lizenz vor, mit der auf dem Arbeiterbesitz der Produktionsmittel beharrt wird:
Nur eine Lizenz, die effektiv verhindert, dass entfremdetes Eigentum und Lohnarbeit in der Reproduktion der ansonsten freien Informations-Allgemeingüter eingesetzt wird, kann die Verteilung von Reichtum verändern.
Mein Parteibuch hält das Ziel für richtig, jedoch den Weg für falsch. Eine Lizenz wird dieses Ziel nie erreichen. Mit einem Rechtssystem, das selbst ein Instrument einer nichtproduktiven Besitzerklasse und nicht der produktiven Klasse ist, wird einer missliebigen Ausbeutung der produktiven Kräfte nicht beizukommen sein.
Stattdessen möchte Mein Parteibuch vorschlagen, einen Ansatz über Ethik, Achtung und Reputation zu versuchen. Anstelle einer Lizenz könnte der Autor eines gemeinfreien Werkes seinem Werk ethische Empfehlungen mitgeben, in denen etwa folgendes drinsteht:
“Ich finde es prima, wenn mein Werk in diesem und diesem Sinne verwendet wird. Ich finde es gar nicht toll, wenn mein Werk so und so verwendet wird. Wer auch immer das macht, soll fortan ‘asozialer Ausbeuter’ oder wie auch immer genannt werden dürfen.”
Das Konstrukt erlaubt es, dass der Autor selbst weiche ethische Kriterien im normalen Sprachgebrauch in die ethischen Empfehlungen einbindet und dadurch dafür sorgt, dass niemand aus Angst vor rechtlichen Folgen einer “Lizenzverletzung” im wörtlichen Sinne erwünschte Nutzungen unterlässt, und bietet andererseits eine ausgezeichnete Handhabe, um Firmen, die das Werk unerwünscht ausbeuten, zu sanktionieren, in dem es an den virtuellen Pranger gestellt wird.
Da könnte man dann publizieren: Firma x ist ein asozialer Ausbeuter, weil sie die ethischen Empfehlungen für das Werk y von Autor z ignoriert. Auf diese Weise bekäme der Schöpfer positive Credits und die unerwünschte Nutzung Bad Reputation. Die Community könnte viel effektiver sein als der unzuverlässige rechtliche Rahmen des Staates, bei dem sowieso meist derjenige gewinnt, der die größere Rechtsabteilung und den besseren Draht ins Gericht hat.
Ansatze dieser Idee finden sich bereits in der Piratenlizenz von Mein Parteibuch:
Mein Parteibuch begrüßt es, wenn der- oder diejenige dann eine Quellenangabe oder einen Backlink setzt und seinerseits ähnlich freizügig mit aus den übernommenen Inhalten komponierten Werken ist. Mein Parteibuch verlangt dies jedoch nicht ausdrücklich.
Ziel ist es, Credits weiter an den ursürnglichen Autor zu geben, dadurch aber in keiner Form die Weitergabe und Erstellung von abgeleiteten Werken zu behindern. Im Gegenteil, Mein Parteibuch begrüßt es, wenn die Inhalte von Mein Parteibuch - und vor allem auch die Inhalte des Parteibuch Tickers weiterverbreitet und der Zensur zuwiderlaufend neu abgemischt und gespiegelt werden und dann daraus hoffentlich auch neue Werke entstehen. Es wäre beispielsweise wünschenswert, wenn jemand den Ticker nehmen und ihn als Grundstock für eine thematisch gegliederte Nachrichtenseite wider dem in den zentralistisch gesteuerten Massenmedien verbreiteten Wahnsinn verwenden würde.
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Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Freiheit ist ohne Eigentum nicht vorstellbar. Eigentum gibt es an Grundstücken, an Gold, an Silber. Es gibt Eigentum am eigenen Auto. Und … es gibt “geistiges” Eigentum.
Eigentum gewährleistet Freiheit. Wer aber ist Eigentümer? Nur der Eigentümer hat die Freiheit.
Deutschland sollte ein “Volk von Eigentümern” beherbergen, nicht ein Volk von GEZ-Zahlern, Mietern, Zwangsarbeitern.
Die entscheidende Frage ist: Wie können wir das Eigentum sozial gerecht verteilen? Ein neues Urheberrecht hilft da nicht wirklich weiter, auch wenn da so einiges im Argen ist.
Zu dem Aufsatz von Dmytri Kleiner habe ich eine Kritik formuliert.
[…] Alternative Gedanken zum Copyright-System […]
[…] eine angemessene Vergütung zukommen zu lassen, sondern einzig und allein dazu dient, einen Kulturmonopolismus im Sinne der Superreichen […]