Gerade eben hat es in einem Kommentar die beste Linkempfehlung des Jahres gegeben, die Mein Parteibuch seinen Lesern hier noch einmal an prominenter Stelle präsentieren möchte.
In der letzten Woche ist - ausgerechnet - im öffentlich-rechtlichen Deutschlandradio ein knapp 41 Minuten langer aber absolut hörenswerter Beitrag von Walter van Rossum mit Titel “Die Tagesshow oder die Welt in 15 Minuten” ( hier als mp3, 14 MB ) erschienen. Obendrein gibt es das Skript zum Beitrag online (pdf, alternativ als txt) und ein Buch mit Titel “Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht” ist für den Herbst dazu auch noch angekündigt.
Wer den Beitrag hört, wird merken, dass dieser Beitrag ein regelrechter Frontalangriff auf die Tagesschau, also das deutsche Leitmedium schlechthin, ist.
Sollte es gelingen, dass dieser Beitrag eine breite gesellschaftliche Diskussion auslöst, dann könnte dies ein großer Schritt dahin gehend sein, dass die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen wie Tagesschau, heute-journal und Politmagazine wie Frontal21 oder Report München in Zukunft ihre Aufgabe als vierte Gewalt der Demokratie endlich wahrnehmen.
Was Fernsehzuschauern in den Nachrichtensendungen des deutschen öffentlich-rechtlichen TV zugemutet wird, grenzt an Operative Information. Die psychologischen Erkenntnisse, die das Militär aus Forschungen im Bereich der psychologischen Kriegsführung gewonnen hat, erklären allerdings auch, warum die Zuschauer sich nicht über das Zudröhnen mit Politpropaganda beschweren. Im Gegenteil, die Propaganda wirkt und die Medienkonsumenten wählen am Ende ziemlich genau die Parteien und Politiker, die sie wählen sollen.
Lustigerweise verstehen Menschen zwar leicht, wie die Medienmanipulation im Irak funktioniert, haben jedoch größere Probleme damit, zu erkennen, wenn sie selbst Opfer von psychologischer Kriegsführung geworden sind. Das erklärt, warum das Thema Medienmanipulation so wichtig ist: wer in einer Demokratie westlichen Musters die Medien kontrolliert, hat damit die Macht. Es ist deshalb damit zu rechnen, dass die bisher Mächtigen ihre Macht über die Medien mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen werden.
Das Problem Medienmacht und Medienmanipulation ist in Deutschland für die privaten Medien übrigens mindestens genauso akut wie für die Tagesschau, wenn Deutschland sich nicht noch stärker in eine gelenkte Demokratie mit diktatorischen Zügen nach Vorbild von Silvio Berlusconi in Italien oder Rupert Murdoch in den USA verwandeln soll. Um so wichtiger ist es, das Thema Manipulation der Medien auf die gesellschaftliche Agenda zu setzen.
Walter van Rossum gilt Dank für den wichtigen Beitrag, der hoffentlich Veränderungen initiert. Wenn das Thema Medienmanipulation mit Nachdruck verfolgt wird, könnte am Ende dieser Diskussion vielleicht sogar eine Demokratisierung der öffentlich-rechtlichen Medien stehen. Die ist im real existierenden Deutschland, wie die entsetzlichen Erzeugnisse der vom Parteienklüngel beherrschten öffentlich-rechtlichen Medien derzeit zeigen, bitter nötig.
Im Internet gibt es mit Net-News-Global zumindest eine Alternative zu Tagesschau.de.
Nachtrag 14:26h: Gerade wurde darauf hingewiesen, dass Kai Gniffke, Chefredakteur der Tagesschau, auf die Kritik von Walter van Rossum bereits am Donnerstag in einem Blogbeitrag in seinem Grimme-gepriesenem Tagesschau-Blog reagiert hat. Sachliche Argumente zur Erwiderung der Kritik hat Kai Gniffke sich dabei gespart, stattdessen mit rhetorischen Stilblüten, die Bloglesern sonst eher von Politically Incorrect bekannt vorkommen könnten, geantwortet. Unbedingt lesen, auch wenn Kai Gniffke es da nicht mal schafft, den Namen Walter van Rossum richtig zu schreiben, denn da läst die Tagesschau die Maske fallen.
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| Kopftuchträgerin |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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“Manipulation der Medien” - wer sich dafür interessiert, dem seien die Nachdenkseiten zur regelmässigen Lektüre empfohlen.
Der Beitrag war gut. Habe ihn live auf Arbeit nebenbei gehört und dachte, ich höre nicht richtig. Hut ab!
Marcel: Wer den Beitrag hört, wird merken, dass dieser Beitrag ein regelrechter Frontalangriff auf die Tagesschau, also das deutsche Leitmedium schlechthin, ist.
Man kann das so sehen. Man kann es auch als Beweis sehen, das Druck besteht. Der Beitrag verzuschte, diesen nöglichen Druck mit den im Beitrag behandelten Mitteln abzubauen.
Der Beitrag hat in sich sehr viel Gleiches mit dem, über was er berichtete, und eigentlich lediglich scheinbar angriff.
Es fehlten gänzlich praktische Hinweise für eine Verändetrung der Medienwirklichkeit.
Kein Wort zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit, zu den Folgen der Medienpolitik und der Medienwirklichkeit.
Wichtig ist die kritische Debatte über Medien-Manipulation und ihre Strukturen. Die Methoden des Verschweigens, des Verharmlosens oder Vernidelichens sowie einer parteiischen Berichterstattung sind auch in den Tageszeitungen nicht unüblich.
Beispielsweise den Antrag auf Einrichtung eines Untersuchungsausschusses zur Trockenlegung des Sächsischen Sumpfes wurde zwar überall vorgestellt, doch schien mir die Darstellung häufig sehr einseitig zugunsten des Vertuscher-Präsidenten Georg Milbradt.
fjh
“Diskussion” darüber auch im Tagesschaublog: http://blog.tag...schau.de/?p=737
@ mein-parteibuch.de - danke für die ausführlichere Betrachtung meines Links
@ R. Schälike – Aller Anfang ist schwer sagt man oder? Natürlich war die Reportage nicht perfekt, aber es grenzt doch wirklich fast an ein Wunder – so ein Bericht wurde von mir bisher in unseren Medien noch nicht wahrgenommen -, dass der breiten Öffentlichkeit solche Manipulationen näher gebracht werden. Reicht es für den Anfang wirklich nicht aus, dass nun endlich eine größere Anzahl von Leuten mal zum Nachdenken gebracht werden, es nun endlich mal Klick macht? Ich meine schon. Weiterverbreiten solcher Aufklärungsarbeiten find ich nun am wichtigsten – die von Ihnen geforderten Hinweise zu Veränderungen sind zweitrangig. Ebenso Bezüge zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit – hier ging es vordergründig um die Manipulation der Zuschauer. Außerdem sehe ich dann die Gefahr, dass die Hörer und Leser schon wieder „überfordert“ wären. Sie sollen einfach erstmal im Hinterkopf behalten „Tagesschau – Manipulation – da war doch was…..“
Die “Stärke der ARD liegt darin, dass ihre Sendungen frei von kommerziellen Interessen gestaltet werden.” Bis auf paar kleine Ausrutscher (Solarenergie usw.). Leitlinen 2007/2008 sind doch schon längst gemerkelt worden. Wenn die da in Sachsen paar Kinder missbraucht haben ist das wie mit Vattenfall, was sollen die Leute mit Informationen mit denen sie nix rein gar nix anfangen können.
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So wundert es niemanden mehr, dass es wieder einmal die Blogger sind, die den “Dringlichen Antrag” zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses in Sachsen in voller Länge (siehe Link) veröffentlichen. Ein Bündnis aus Linkspartei, Grünen und FDP fordert darin die parlamentarische Untersuchung der “Verantwortung der Staatsregierung für schwerwiegende Mängel bei der Aufdeckung und Verfolgung krimineller und korruptiver Netzwerke unter Beteiligung von Vertretern aus Politik und Wirtschaft, von Richtern, Staatsanwälten und sonstigen Bediensteten der sächsischen Justiz, Polizei, von Landes- und kommunalen Behörden sowie für das Versagen rechtsstaatlicher Informations-, Kontroll- und Vorbeugungsmechanismen in Sachsen.”
http://911.achi...9265_280607.pdf
Sind mal schlappe 50 Seiten die zu lesen viele Gründe dafür sind das der Mainstream gemerkelt wurde.
zu #6: Außerdem sehe ich dann die Gefahr, dass die Hörer und Leser schon wieder „überfordert“ wären.
Ja, ja, der arme, dumme deutsche Michel. versteht nichts, hat nur “niedere” Sachen im Sinn.
Mein Kommentar war für die Leser dieses Blogs.
Dass das Radio an sich interessantere Sendungen bringt als das TV, ist allgemein bekannt. Gehört wird alledings von den Michels meist Mussik.
Insofern war die Sendung für ein interessiertes Publikum. Ich hört Widersprüche in sich.
WvRossum scheint sich vor allem darüber zu ärgern, dass die Tagesschau nicht sein linkes Weltbild transportiert. Er hätte lieber eine andere Hegemonie über die Medien als die, die er vorfindet. Irgendwie grundsätzlich anders oder besser würden sie dadurch nicht. Jedenfalls ist kein Reformansatz in diese Richtung zu erkennen.
@Hartmut
Dass die Kritik von Walter van Rossum vom Standpunkt eines “linken” Weltbildes herrührt, mag man so sehen.
Außerordentlich positiv an seinem Beitrag ist jedoch, dass er damit die Frage aufwirft, wie und warum welche Informationen derzeit Eingang in die Tagesschau finden. Daran ist allerdings vieles kritikwürdig.
Ein wichtiger Kritikpunkt lautet beispielsweise - und Walter van Rossum hat das mit einem Beipsiel unterlegt - , dass in der Tagesschau wichtige Themen durch die bloße Wiedergabe der jeweiligen parlamentarischen Standpunkte stets auf eine Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Parteien reduziert würden.
Das ist nun wahrlich keine Frage eines linken oder rechten Weltbildes, sondern eine Frage der journalistischen Sorgfalt. Nachrichten beziehen ihren Wesensgehalt eben nicht nur aus der Auseinandersetzung zwischen den politischen Parteien. Von gutem Journalismus darf auch erwartet werden, dass er auf Fakten und Blickwinkel hinweist, die in der politischen Diskussion nicht thematisiert werden, jedoch eigentlich thematisiert werden müssten.
Was seinem Beitrag leider fehlt, ist eine nähere Betrachtung der Entscheidungsrunden innerhalb der Tagesschau, die festlegen, was eine Nachricht in der Tagesschau ist und was nicht. Es wäre sicher sehr hilfreich für die Diskussion, zu wissen, wer darüber entscheidet, welches Ereignis eine Nachricht ist und aus welchem Blickwinkel es beleuchtet wird und es wäre wichtig zu wissen, wie die Entscheidungsfindungsprozesse im Detail ablaufen. Von einer glaubwürdigen Nachrichtenredaktion sollte diese Transparenz eigentlich erwartet werden dürfen.
Das wichtigste an dem Beitrag ist jedoch, dass Walter van Rossum mit seiner Kritik - hoffentlich - eine Diskussion über die Qualität der Nachrichten auslöst.
[…] Mein Parteibuch bin ich auf eine sehr hörenswerte Sendung von Walter van Rossum über die Tagesschau gestoßen: […]
#10: Hallo Marcel,
der Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke (siehe sein Blog-Eintrag
Das tut richtig weh zur van-Rossum-Kritik) kommt in dem dlr-Feature sehr ausführlich zu Wort; auch die internen Diskussionen werden eingehend wiedergegeben, mehr noch, als man es überhaupt je fordern oder erwarten könnte. Dadurch wird der ganze Hintergrund, vor dem solche Nachrichtenselektionen zustandekommen, aber auch viel deutlicher. Es fehlt sicher nicht an “guten Absichten”. Gniffke wird sich aus seiner Sicht überfahren und ungerechtfertigt angeklagt sehen (was ja auch der Titel seines Blogeintrags bezeugt). Will sagen: Es versteht gar nicht, was denn an seiner Arbeitsweise so falsch sein soll.
Der Clou ist einfach, daß es sich hier bereits um völlig verschiedene Wirklichkeitssichten handelt. Das Entlarvende an dem ganzen Feature ist für mich, mitanzusehen, wie sich die Mainstream-Perspektive bereits in diesen Leuten eingenistet hat, so daß sie gar nicht mehr die Möglichkeit haben, etwas anders wahrzunehmen. Neoliberalismus ist zu einer regelrechten Religion bzw. Weltanschauung geworden und kann als solche von den “Betroffenen” nicht mehr erkannt werden, eben weil sie ‘zu nahe dran’ sind. Selbst der abweichende Standpunkt von van Rossum kann nicht einmal mehr für Momente in Betracht gezogen werden, sondern fällt bereits durchs Gesinnungsraster durch. Verständlich daher auch, daß in einem Kommentar zum Tagesschau-Blog purer Haß oder Neid als Motiv genannt wird.
Hier ist für mich das Hauptproblem bei unserer ganzen aktuellen politischen Lage: Durch die Einheitssichtweise der Medien wird das herrschende Mainstreamdenken genauso stur und schmalspurig nachvollzogen und reflexhaft wiederholt, wie man es sonst nur aus Diktaturen und faschistischen Regimes kennt (allerdings hier auf die “sanfte” Art - aber das ändert sich ja ebenfalls gerade, siehe Schäuble, siehe Afghanistan, siehe G8 und Bundeswehreinsatz im Innern). Zur Gehirnwäsche gehört dann auch, daß jeder sofort ausgegrenzt und verstoßen wird, der diese Dinge beim Namen nennt. Diese Menschen leben in ihrer eigenen hermetischen Wirklichkeit, daher auch der wachsende Aggressionsdruck und der Zwang zu Projektionen auf andere. Hier wiederholt sich dann offenbar wiederum die Geschichte. Das einzige, was noch anders ist, ist die zur Zeit noch bestehende Möglichkeit, im Internet alternatives Gedankengut auszutauschen.
Aktuelle Anmerkung:
Seit Tagen wird die Öffentlichkeit auf der Webseite der Tagesschau auf die ‘richtige’ Sichtweise zum Lokführerstreik eingestimmt: “Bahn ist der GDL hilflos ausgeliefert” (von wegen Neutralität oder gar “Objektivität”! Und wie immer steht der passende “Experte” sogleich bereit, diese Sichtweise zu untermauern). Bekanntlich plappern die allermeisten Bürger so etwas dann einfach nach, umso mehr, als es jeder lieber hätte, wenn alle Bahnen stets pünktlich fahren würden.
Aber welch ein Pech! Denn heute kommt man nicht umhin, “gezwungenermaßen” folgendes zu berichten:
“Die Lokführergewerkschaft GDL hat einen juristischen Sieg errungen: Das Arbeitsgericht Mainz hob das bundesweite Verbot für die Warnstreiks im Güter-, Fern- und Regionalverkehr auf.”
Im Gegensatz zu den allermeisten Urteilen des Bundesverfassungsgerichts, gerade den jüngsten, scheint es also noch unvorhersehbare Betriebsunfälle bei der lückenlosen Durchsetzung des gängigen Denkens zu geben… So daß nun unsere liebe Tagesschau wieder mal blamiert dasteht.
Aber in meinem Augen hatte sie sich bereits mit “…der GDL hilflos ausgeliefert” absolut unglaubwürdig gemacht. Wenn man nicht mehr versteht, welchen Sinn und Nutzen das Streikrecht hat, ohne das wir nun wirklich ganz im Liberalismus des 19. Jahrhunderts angelangt wären - wie kann man sich dann einbilden, kompetent über sozialpolitische Vorgänge berichten zu können?
Man könnte jeden Tag neue Beispiele finden, die ähnliche journalistische Fehlleistungen (sprich: Manipulationsversuche) aufdecken. Dabei könnte man die Tagesschau noch als relatives Glanzlicht im Reigen der gängigen Medien einstufen - wieviel schlimmer ist es dagegen, was das Gros der anderen meinungbildenden Organe tagein tagaus für Schaden anrichtet! Insgesamt blasen sie mittlerweile aber in ein und dasselbe Horn.
@Gerd-Lothar
Zum Streik der GDL-Lokführer sollte hier im Parteibuch schon vor Tagen ein Beitrag auftauchen. Bisher hat’s leider zeitlich nicht dazu gereicht. Wer sich berufen fühlt, mag gern einen Beitrag für’s Parteibuch dazu zur Verfügung stellen. Hier mal ein Parteibuch-Kommentar dazu:
Hier noch ein paar Links zu Ansichten zum Lokführerstreik, die in der Tagesschau reichlich kurz kommen:
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer
rangierer.de
Ecoblog Freitagskolumne: Kein schöner Zug
@12
Mainstream-Perspektiven haben sich bei den Verantwortlichen nicht nur “eingenistet”, sie werden von ihnen verinnerlicht. Nur so kommen diese Leute an die Schaltstelen der Macht.
Dass die öffentlich-rechtlichen Medien eine Art amtliches Fernsehen der
“Systemparteien” sind, stößt jedem bitter auf, der außerhalb des “Systems”
steht. Wie ein unvoreingenommenes Fernsehen funktionieren sollte ist indes
unklar, und ob einem “System” nicht auch sein parteiisches Sprachrohr vergönnt
sein sollte, ebenfalls. Betrachtungen wie die von Rossum könnten allerdings
Anlass zu der Frage geben, ob unser Mediensystem von dem Russlands so
unterschiedlich nicht ist, wie gemeinhin gerne behauptet wird.
Zu Hartmuth Pilch #16:
In jedem System gibt es eine Vielzahl von Systemkomponeten. Andererseits gäbe es kein System. Jedes System versucht, stabil zu bleiben.
Es stellen sich immer wieder in allen Systemen die folgenden Fragen:
- Ist das System stabilitätswürdig? Wird diese Frage verneint, so hat eine Verneinung nur dann Sinn, wenn Alternativen angeboten werden.
- Sind die Systemkomponeten stabilitätswirkend?
Zweifelsohne gibt es Systemkomponenten, welche nur scheinbar zum System gehören.
- Sind die bekämpften Komponetnen systemfeindlich?
Zweifelsohne werde Systemkompontenen bekämpft, welche für das System jedoch überlebenswichtig sind.
Zu Deutschland Heute
Entdeckt man Gleichheiten mit China und Russland oder Singapur, die Unterdrückung bedeuten, und bei uns in den Medien und von den Politikern kritisiert werden, dann sind es entweder Zeichen dafür, dass diese Systemkomponeten nicht zum System gehören [systemschädigend sind] oder, dass die Kritik an China, Russland und Singapur eine unabhängige Systemkomponente ist.
Es kommt immer wieder auf die Details und die Interessen an. Darn scheiden sich sehr schnell die Geister. Dem folgen Politik und die Machtauseinadersetzungen.
@Hartmut
>Dass die öffentlich-rechtlichen Medien eine Art amtliches
>Fernsehen der “Systemparteien” sind, stößt jedem bitter auf,
>der außerhalb des “Systems” steht.
Bei der Medienkritik sollte es nicht um die Frage gehen, ob jemand außerhalb oder innerhalb “des Systems” - welches System eigentlich? - steht.
>Wie ein unvoreingenommenes Fernsehen funktionieren sollte
>ist indes unklar
Was guter Journalismus ist, ist sehr wohl so ziemlich jedem Medienmacher klar. Das hört man auch immer wieder in deren Sonntagsreden. Guter Journalismus beispielsweise versucht, die wesentlichen Nachrichten zu vermitteln, und dabei auch die unterschiedlichen Standpunkte der Akteure dazustellen. Wenn, wie das Walter van Rossum in seinem Beitrag der Tagesschau nachweist, die Pointen wichtiger Nachrichten “zielsicher verpasst” werden, weil die Information nicht opportun erscheint, dann ist das jedenfalls kein guter Journalismus.
>ob einem “System” nicht auch sein parteiisches
>Sprachrohr vergönnt sein sollte
Selbstverständlich sollten die Standpunkte der politischen Parteien und die Experten, auf deren Meinungen sie sich berufen, öffentlich dargestellt werden. Das Problem ist bloß, dass es für die breite Masse keine anderen Informationen, als die Propaganda der “Sprachrohre des Systems” gibt. Dass dies kein Zufall, sondern politisch so gewollt ist, zeigt, wie die Meinungsfreiheit im Internet mit dem Äußerungsrecht ausgehebelt wird.
Es sollte eben nicht so sein, dass es nur noch “parteiische Sprachrohre” eines Politzirkus gibt, dessen Mitglieder sich hinter den Kulissen möglicherweise zu großen Teilen darin einig sind, dass das gemeine Volk “blöd” ist und es daher nur gerecht ist, wenn es von vorn bis hinten von der Elite des Landes belogen und betrogen wird.
Problematisch ist nicht, dass die politischen Kräfte mit den öffentlich-rechtlichen Medien ein gutes Sprachrohr haben, problematisch ist, dass Kritik an den politischen Kräften in Deutschland keinen Platz in den Medien hat - oder wenn, dann auf den reichweitenschwächsten Sendeplätzen, so wie dieser Beitrag von Walter van Rossume im Deutschlandfunk.
Solch eine fundamentale Kritik gehört zur besten Sendezeit ins Abendprogramm des deutschen Fernsehens, und dann sollte darüber diskutiert werden, was an den öffentlich-rechtlichen Medien verbesserungsfähig ist. Das wäre guter - und auch selbstkritischer - Journalismus.
Übrigens sei nochmal darauf hingewiesen, dass gerade die ARD mit ihrer föderalen Struktur im Vergleich zu der zentralgesteuerten Propaganda, mit der das ZDF und Privatsender Zuschauer volldröhnen, noch ein vergleichsweise offenes Medium ist.
Die Kritik hier an der Tagesschau soll nicht dazu dienen, die Tagesschau abzuschaffen, sondern dazu, dass darüber nachgedacht wird, wie die Tagesschau zu einer Sendung gemacht werden kann, die in ihrer Kritiklosigkeit nicht mit den Kreml-freundlichen Medien von Russland vergleichbar ist.
Ein Vorschlag hierzu ist es, für eine Demokratisierung der öffentlich-rechtlichen Medien zu sorgen. Politiker haben ein nachvollziehbares Interesse daran, die Positionen der Programmverantwortlichen in den Medien systematisch mit Personen zu besetzen, die sie anschließend nicht unangenehm kritisieren.
Könnten die Gebührenzahler hingegen selbst per Wahl entscheiden, welche leitenden Mitarbeiter in den öffentlich-rechtlichen Medien den Ton angeben, so würden sie möglicherweise eher kritische Journalisten als Führungspersönlichkeiten wählen.
@Rolf
Deinem Posting kann ich nicht folgen. Dass ein “System” etwas “versuchen” könnte, kann ich mir nicht vorstellen, da dazu ein Wille, eine Psyche und ein Gehirn notwendig wäre. Ich glaube auch nicht, dass ein System lebensfähig oder “überlebensfähig” ist. Leben können einzig Lebewesen, nicht jedoch Anhäufungen von Macht.
#16,#17:
Es geht hier keineswegs um verschiedene ‘Systeme’ oder konkurrierende Sichtweisen bzw. Perspektiven (die damit dann einfach in gleichberechtigter Konkurrenz gegeneinander stünden und sich um die Aufmerksamkeit der Rezipierenden bewerben würden). Sondern der entscheidende Punkt ist, ob es überhaupt noch einen offenen und freien Informationsfluß in dieser Gesellschaft gibt, oder ob dieser zunehmend verfälscht und erstickt wird. Die zweite Fall drängt sich jedem, der genau beobachtet, zwangsläufig auf und kann auch belegt werden. Und es ist wichtig, solche Belege zu finden und bekanntzumachen.
Ich habe mir dazu auf meiner Webseite noch mehr Gedanken gemacht: Weiteres zu Medienmanipulationen Es geht keineswegs nur um Information, sondern um weit mehr.
Hallo Rudolph Blitzableiter,
Volle Zustimmung. Am besten nach dem Vorbild [blogname]watchblog.com, denn [blogname]blog.de kann juristischen Ärger geben. Vielleicht “kennt” ja jemand amerikanische Freunde, die für uns aus den USA über die Tagesschau berichten wollen? Mit WHOIS-Protection, .com-Domain, am besten einen Webserver in Texas, und als Hauptsprache englisch. Damit auch garantiert US-Recht gilt und nicht Deutschlands Buskeismus.
Ich schaue schon seit Jahren kein deutsches Fernsehen, insbesondere keine deutsche neoliberale Propaganda, möchte das auch in Zukunft nicht ändern. Deswegen möchte ich bei so einem Projekt nicht mitmachen. Ein solches Projekt hätte jedoch meine volle Sympathie.
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