Heute gab es im ZDF mal wieder eine lustige Sendung von und mit Maybrit Illner zur Verkaufsförderung privater Rentenversicherungen zum Thema Altersarmut. Gäste der Sendung waren der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rainer Wend, das Cleverle Lothar Späth, die Bundesvorsitzende der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Birgit Zenker, Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der “Investmentexperte” Bernd W. Klöckner und Klaus Ernst von der WASG.
Kompliment an Maybrit Illner, eine solch ausgewogene Runde um das Feigenblatt Klaus Ernst zusammenzustellen, war bestimmt nicht einfach. Zum Konzept der Sendung und zu Gästen wie Bernd W. Klöckner soll hier an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden; das wurde von Albrecht Müller im Artikel “Demagogie pur beim Abbau des Vertrauens in die gesetzliche Rente: der ZDF-Programmschwerpunkt Demographie” bereits sehr anschaulich beleuchtet.
Interessant war aber der tolle Auftritt des SPD-Politikers Rainer Wend aus Bielefeld. Hand auf’s Herz, selbst politisch gut informierte Zeitgenossen haben den Namen möglicherweise noch nie gehört. Rainer Wend hat von Klaus Ernst alternative Lösungsvorschläge zur Erhöhung des Renteneintrittsalters eingefordert. Dazu brachte Rainer Wend ein ganz tolles Argument: wenn die Lohnnebenkosten steigen würden, dann würden viele Arbeitsplätze in Call-Centern ins Ausland verlagert werden.
Komisch, was quatscht der da von Call Centern. Aber eigentlich ist das doch eine prima Idee. So könnte man die Landplage Cold-Calling endlich in den Griff kriegen. Am besten verlegen wir die Arbeitsplätze im Outbound-Calling allesamt nach China. Denn dann weiß das Opfer, ähnlich wie bei der E-Mail von der Bank, die einen in gebrochenem Deutsch auffordert, seine Pin und TAN auf einer voll seriösen Webseite einzugeben, gleich, woran es ist, wenn es abgehoben hat.
Man stelle sich mal vor, das Telefon klingelt und jemand sagt: “Du wolle kaufe Lottelie-Lose?” Oder wie wär es damit: “Politikel sagen, Sie blauchen eine zusätzliche plivate Lentenvelsichelung. Wann dalf Veltletel bei Ihnen kommen?” Oder auch so: “Sagen Sie jetzt bitte deutlich ja, damit wil aktivielen ihlen plima neuen Telefontalif.”
Auf der Webseite von Rainer Wend gibt es noch mehr richtig gute Ideen. In einem Interview mit der Zeitung “Neue Westfälische” vom 03. Mai 2007 wird Rainer Wend gefragt: “Sehen Sie Branchen, in denen Mindestlöhne tatsächlich Stellen gefährden?” Die Antwort darauf von Rainer Wend, der sich engagiert für Mindestlöhne einsetzt und trotzdem im Bundestag heute gegen den SPD-Werbetext zu Mindestlöhnen gestimmt hat, geht wie folgt:
Es gibt Branchen, in denen das Risiko besteht, dass Beschäftigung in die Schwarzarbeit abwandert – Stichwort Gastronomie. Und es gibt Branchen, die noch stärker ins Ausland abwandern können – zum Beispiel Call-Center. In diesen Bereichen wäre ich offen für flexible Lösungen, wo auch staalich geholfen wird.
Super Idee. Sehr lobenswert, wie Rainer Wend, der übrigens hier auf einem Foto bei der Fachmesse Call Center World 2007 trotz des falsch geschriebenen Namens besonders gut getroffen ist, sich für die gut 400.000 Beschäftigten in der Call-Center Branche einsetzt, von denen rund 2/3 im Outbound tätig sein sollen. Da kann dann Günter Wallraff, wenn er das nächste mal undercover in einem Callcenter anheuert, für den organisierten Betrug auch noch staatliche Fördermittel beantragen.
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Lieber reiner Wind als reiner Zorn!
Und dann war da noch Rainer Wend…
Das ist das schöne an deutschen Politikern wie diesem Rainer Wend von der SPD, sie halten uns für genauso vergeßlich, wie sie es selber sind. Klar, wenn die sich alle ihre Lügen merken müssten, dann könnten die nach einem Jahr im Bundestag k…
Leider geht der Trackback nicht:
http://www.duck...ainer-Wend.html
Hmm wieso äussert sich Albrecht Müller eigentlich so zurückhaltend über den sittenwidrigen/betrügerischen Grundcharakter privater Rentenversicherungen?
Die Frage ist doch wer außer der Finanzindustrie profitiert denn noch davon?
Marcel, kannst du nicht mal einen Klartext-Artikel über diesen Rentenkram schreiben? Private Rentenversicherungen sind schon ein tolles Finanzprodukt… Jeden Monat - für nicht näher spezifizierte Investitionen (oder was auch immer?)- einzahlen - und falls keine Währungsreform oder Krieg oder Versicherungspleite/Veruntreuung oder ähnliches (vgl. z.B. Ostdeutschland 1901-2000) dazwischen kommt, gibt es vielleicht sogar ein paar Zinsen zurück, aber nur, wenn man zu den glücklichen Gewinnern gehört, die es schaffen nie in ihrem Leben einen Liquiditätsengpass oder schlimmeres zu erleiden und somit auch die volle Vertragslaufzeit brav einzahlen und abwarten kann. Ich bin zwar kein “Anlageexperte” (oder heisst das jetzt “Vorsorgeexperte”?), aber agressiven, verlogenen Drückerbanden Kredit zu geben, gehört sicher nicht zu den empfehlenswerten Anlageformen… Sehr lustig hingegen finde ich, dass ausgerechnet für die FDP bei diesem äusserst dubiosen und für den Verbraucher vollkommen unnützen Wirtschaftszweig Subventionsabbau absolut undenkbar ist!
Realrente kann nur soviel gezahlt werden, wie die Gesellschaft bereit und in der Lage ist, von dem Geschaffenen (Vorhandenen) den Rentnern zu geben.
Gestritten wird gegenärtig über die Berechnungsform.
In der DDR konnte z.B. kaum jemand ahnen, dass die freiwillige Zusatzrente in dem bankrotten DDR-Staat Grundlage werden wird, in Gesamtdeutschland mehr Rente zu erhalten.
Glaubt man an die ewige Einhaltung von Gesetzen, dann kann es Sinn haben, sich mit den vorgeschlagenen Modellen genauer zu beschäftigen. Mögliche Verschuldung, Insolvenz, Diebstahl und andere Gemeinheiten mit all den gesetztlichen Folgen gehören jedoch dazu.
Hat der Staat bzw. haben seine Vertreter (Versicherungen, Banken etc.) kein oder nicht genügend Geld für Renten, dann werden Gesetze geschaffen, welche sich mit denen vor zwanzig, dreißig, vierzig Jahren geltenden beißen. Z.B. Besteuerung von Erspartem, Renten etc.
Insgesanmt gesehen ist das eine gesellschaftliche Frage, wie mit den älteren Leuten umgegangen wird und was die älteren Leute in ihrem Alter so alles machen und wie diese mit iohrem Alter umgehen.
Geht man davon aus, dass jeder Mensch vom Säugling bis zum Tod ein Konsument der angebotenen zu bezahlenden Leistungen ist - nicht mehr und nicht weniger - dann sind Renten eine rein mathematische Aufgabe.
Die Politiker versuchen diese mathematische Aufgabe zu lösen, in dem sie gesteze schaffen, mit welchen die Konstanten der Gleichungen bestimmt werden.
Nun sind unsere Politiker nicht unbedingt gute Mathematiker und mit den Informationen wird ebenfalls gemogelt.
Außerdem möchte das Volk nicht immer die Wahrheit hören bzw. es reagiert unagemessen auf unanmgenehme aber auch gute Wahrheiten Die Gleichungen mit ihren Konstanten müssen von den Politikern in neue Gesetze gebracht werden.
Ich plädiere für eine kritische Hinterfragung, was ist der Mensch: Nur ein Konsument von geldwerten Leistungen?
Im Prinzip ist es nur gerecht, wenn Rente durch private Versicherung finanziert und somit entpolitisiert (von einem fiktiven “Generationenvertrag” und damit zusammenhängendem politischen Gerangel entkoppelt) wird. Renten könnten aus Investitionen bezahlt werden, die nicht unbedingt im Inland getätigt wurden. Was die aktuelle inländische Generation erwirtschaftet, muss mit den Ansprüchen der älteren nicht viel zu tun haben. Eine völlige Deregulierung ist allerdings wohl nicht möglich, es bedarf aufgrund der Informationsungleichgewichte der staatlichen Aufsicht und vielleicht auch staatlicher Mitverantwortung bei der Rückversicherung.
@8 - eine ernstgemeinte private Renten-”Versicherung” würde so aussehen, dass man mit 65 seine Ersparnisse einzahlt, und solange eine monatliche Rente bekommt, bis man tot ist. Das abgesicherte “Risiko” wäre hier ein übermässig langes Leben.
Das was man als”private Renten/Lebensversicherung” in der Praxis abschliessen kann, sind in Wirklichkeit Genossenschaftssparbücher unter falschem Namen! (Um die Bankengesetze zu umgehen?) Ich finde es absolut unverantwortlich, wie von Politikern in der öffentlichen Diskussion (und durch steuerliche Begünstigung) suggeriert wird, diese Form der Anlagespekulation wäre als “Vorsorge” besonders geeignet.
Ja, ja der “Genosse” Wend, der muß den Mund aufreißen, hat ja schon unendlich viel in seinem Leben gearbeitet, aber be der Dame mit dem roten Pioniertuch vom Studio DT64 die ladt ja nur solche Leute ein und dann ein Feigenblatt dazwischen. Nicht nur, das Frau Illner uns Westberliner in ihrer DDDR Zeit mit geisigem Schwachsinn genervt hat´, so nervt sie weiter gemeinsam mit ihrer ARD Kollegin Anne Will (keinen Kerl), die hat vom Gebührenzahler jett auch durch die ARD den Freifahrtschein zum Gelddrucken bekommen.