Dass Politiker aller Parteien sich und dem Stimmvieh bei den Arbeitslosenzahlen munter in die Tasche lügen, sollte seit der Regierung Kohl, die mit immer neuen Tricks die Arbeitslosenzahlen geschönt hat, eigentlich zur Allgemeinbildung zählen. Wenn nun Politiker tole Erfolge beider Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verkünden, dann sagt dies kaum etwas über die tatsächliche Situation aus. Von Naomi-Pia Witte gibt es nun eine Petition zum Ausweis der Zahl der Arbeitslosen durch das statistische Bundesamt, die derzeit auf den Seiten des Petitionsausschusses des Bundestages zur Mitzeichnung steht:
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das statistische Bundesamt die offizielle Zahl der Arbeitslosen in Deutschland veröffentlicht. Als Arbeitslosenzahl soll gelten: Die Summe aller im gesamten Berichtszeitraum arbeitslosen bzw. arbeitsuchenden Menschen, die Leistungsbezieher nach dem SGB III (ALG I), nach dem SGB II (ALG II), arbeitsuchend mit oder ohne Leistungsbezug sind oder sich in einer Arbeitsgelegenheit, einer Fortbildungs- oder sonstigen arbeitsmarktpolitischen Maßnahme befinden.
Mein Parteibuch unterstützt die Petition für ehrlichere Arbeitslosenzahlen, auch wenn es am politischen Ziel der “Bekämpfung der Arbeitslosigkeit” und seinen Implikationen selbst noch viel mehr zu kritisieren gibt, als dass die derzeit zugrunde gelegten Zahlen willkürlicher Quatsch sind. Es ist nicht einsichtig, warum die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit überhaupt ein erstrebenswertes politisches Ziel sein soll.
Unter dem sozialen Gesichtspunkt wäre es sicher sinnvoller, Armut anstelle von Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt wäre es sicher sinnvoller, das Ziel der Maximierung des Wohlstandes dem Ziel der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorzuziehen. Und unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit wäre es sicher sinnvoll, das Ziel der gerechten Verteilung des Wohlstandes dem Ziel der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorzuziehen.
Wenn zum Beispiel beinahe eine halbe Million Menschen in Deutschland zu Dumping-Löhnen damit beschäftigt ist, andere Menschen über’s Ohr zu hauen, in dem ihnen mit Cold Calls überflüssige und überteuerte Waren und Leistungen aufgeschwatzt werden, dann wird dadurch nicht Armut, sondern Armut verursacht, der allgemeine Wohlstand wird nicht erhöht, sondern durch telefonische Belästigungen verringert und zum Gerechtigkeitsaspekt ist dabei zu sagen, dass der Wohlstand in die Taschen von betrügerischen Arbeitgebern verteilt wird. Aber die Arbeitslosigkeit sinkt und die Politik kann sich im Erfolg ihrer Politik sonnen.
Einzig dem Ziel, ein braves Volk zu erziehen, dass keine Zeit für Unfug hat, und erst recht keine zeit hat, nachzudenken und sich in die Politik einzumischen, ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wirklich dienlich. Dieses Ziel wird von der Politik konsequent verfolgt. Anstelle dessen, dass Arbeitsplatzinhabern von der Politik erklärt wird, dass die Höhe von Sozialleistungen einen maßgeblichen positiven Einfluss auf die Löhne und Arbeitsbedingungen von Beschäftigten hat, weil Unternehmer mit ihren Löhnen einen positiven Abstand zum Niveau der Sozialleistungen bieten müssen, erklären Politiker Arbeitslose implizit zu Schmarotzern, die Arbeitsplatzinhabern auf der Tasche liegen. So wird eine künstliche Spaltung der ärmeren Bevölkerungsschichten herbeigeführt, die einzig dem Ziel dient, den Meudalisten ihre Macht zu erhalten.
Die Indoktrinierung der Bevölkerung geht soweit, dass Arbeitslosen von Politikern nicht selten elementare Menschenrechte abgesprochen werden. Wenn nach Auffassung der Politik Arbeitslose nicht glücklich sein dürfen, dann ist das eine Verletzung der Menschenwürde. Mein Parteibuch wird auf die verlogene Politik der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zukünftig noch öfter zu sprechen kommen.
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Wenn der Reichtum gerecht verteilt werden würde, gäbe es möglicherweise gar keine Arbeitslosigkeit. In der gegenwärtigen Propaganda ist das Thema Arbeit doch zum reinen Selbstzweck verkommen. Warum kriegt Deutschlands reichste Frau im Rahmen einer einzigen Dividendenzahlung vor wenigen Wochen mehr als 2 Milliarden EUR? Der Börse boomt weiter - wem nützt das? Wenn man ein bisschen die Vermögensverhältnisse zwischen Superreichen und Normalverdienern angleichen würde, insbesondere eine maximale Vermögensobergrenze einführen würde, dann gäbe es möglicherweise keine Arbeitslosigkeit mehr.
Je feudaler die Gesellschaft, desto mehr Arbeitslose.
Rheinischer Kapitalismus = fast keine Arbeitslosigkeit
Moderner Feudalismus = Massenarbeitslosigkeit
Zum Thema des Hauptartikels passt übrigens der Artikel vom 29. Mai 2007 Raus aus der Statistik
Das Steuerrecht sollte mal auch am vorhandenen Vermögen einer natürlichen Person anknüpfen und nicht nur an der Höhe des Einkommens (progressiver Steuersatz nicht nur für Einkommen, sondern auch für Vermögen). Wer viel Vermögen hat, dessen Vermögen sollte progressiv hoch besteuert werden. Wer wenig Vermögen hat, der sollte nur wenig oder gar keine Steuern zahlen.
“Es ist nicht einsichtig, warum die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit überhaupt ein erstrebenswertes politisches Ziel sein soll.”
Das verstehe, wer will! Ich denke, das kann nur jemand formulieren, der seine Selbstbestätigung nicht nenneswert durch die Arbeit erfährt.
@Bernd
Die Menschen am Gefühl der Selbstbestätigung teilhaben zu lassen, in dem sie sehen, dass sie etwas sinnvolles geschaffen oder geleistet haben, das ist ein durchaus akzeptables Ziel.
Das ist jedoch nicht deckungsgleich mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Viele Menschen erfahren eben keine Selbstbestätigung bei der Arbeit. Das kommt nicht ganz von ungefähr, denn viel zu oft ist Arbeit - wie oben am Beispiel des Cold Callings erklärt - sinnlos oder sogar gemeinschädlich.
Menschen eine sinnvolle Tätigkeit und ein finanziell geordnetes Leben zu ermöglichen, sind sicherlich anständige Ziele, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist es jedoch nicht. Zur Abschaffung der Arbeitslosigkeit könnte man einfach ein Gesetz machen, dass jeden Menschen verpflichtet, sich 10 mal am Tag die Haare schneiden zu lassen und das durch Rechnungen nachzuweisen. Dann würde sich das ganze Volk pausenlos gegenseitig die Haare schneiden, aber keinem ginge es insgesamt besser.
“Bekämpfung von Arbeitslosigkeit” - man sollte die Ursachen der Arbeitslosigkeit bekämpfen. Doch was sind die Ursachen für Arbeitslosigkeit? Bitte selbst nachdenken - eine mögiche Antwort habe ich oben schon angedeutet.
[…] Ein kurzer Hinweis auf eine Online-Petition für den Bundestag, nach der statistische und formelle Tricks bei der Berechnung der Arbeitslosenzahlen nicht mehr zur Anwendung kommen mögen. [via] […]
Ich gratuliere erst einmal zu diesem Blog, den ich gerade entdeckt habe.
Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land Europas könnte, anstatt die Arbeitslosigkeit mit Billigjobs zu bekämpfen, menschenunwürdige Löhne und Arbeitswege anprangern und verändern.
[…] über das politische Ziel der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Mein Parteibuch hält, wie bereits in diesem Artikel angedeutet wurde, das politische Ziel, Arbeitslosigkeit bekämpfen zu wollen, für einen schwerwiegenden […]
[…] werden mit den Hartz-Gesetzen nun die Einkommenslosen bekämpft, die gefälligst aus der Erfolgsstatistik der irrsinnigen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die immer besser werden muss, zu verschwinden […]