Nachdem Mein Parteibuch vor gut einem Monat über die Illusion der Pressefreiheit in Deutschland geschrieben hat, hat der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Donnerstag nun eine lustige Pressemitteilung herausgegeben. Der Präsident des BDZV, Helmut Heinen, erklärt darin unter dem wohlformulierten Titel “Heinen: Es geht um Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Verantwortung / BDZV-Präsident spricht beim 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag“, dass die Traditionsmedien neue Darstellungsformen im Internet wie Blogs und Wikis zwar nutzen sollten, um neue Wege zum Publikum zu finden, aber der Begriff vom Bürgerjournalismus Etikettenschwindel sei.
Der Diplom-Mathematiker Helmut Heinen führt in der Pressemitteilung des BDZV, der auf seiner Homepage unter anderem Qualitätserzeugnisse der deutschen Zeitungslandschaft wie Bild, Express, tz und B.Z. präsentiert, weiter aus, dass relevante Inhalte generieren, strukturieren, aufbereiten und die Debatten in den verschiedenen Lebensbereichen moderieren ein kompliziertes Handwerk sei, welches nur von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten erledigt werden könne.
BDZV-Präsident Helmut Heinen, der auch Herausgeber der „Kölnischen/Bonner Rundschau“ ist und von dem es im Text zu einer WDR-Sendung Montalk mit Stand vom 07.10.2002 heißt, er sei neben seiner Tätigkeit als BDZV-Präsident nebenbei auch noch Vorsitzender des Medienausschusses und Mitglied der Vollversammlung der Kölner Industrie- und Handelskammer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Kölner Bank AG, Vorstandsmitglied der Stiftung Lesen, Präsidiumsmitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sowie zweiter stellvertretender Vorsitzender des Zeitungsverlegerverbandes Nordrhein-Westfalen, behauptet in seiner Presseerklärung außerdem, dass “die klassischen Medien, wie Zeitung, Zeitschrift, Buch, Fernsehen und Radio” “in einer immer stärker individualisierten und zersplitterten Kommunikationskultur die Garanten für publizistische Qualität” seien und “es um Glaubwürdigkeit, um Wahrhaftigkeit, um Kompetenz und um Verantwortung” gehe.
Helmut Heinen, dessen „Kölnische/Bonner Rundschau“ zum DuMont-Zeitungsimperium gehört, das wie die INSM in Köln beheimatet ist, erklärt weiter, dass es zur Glaubwürdigkeit gehöre, dass das Trennungsgebot von Werbung und redaktionellem Inhalt nicht angetastet werde und, man höre und staune, jede Form von Schleichwerbung das Vertrauen des Publikums untergrabe.
Außerdem wies Helmut Heinen darauf hin, dass guter Journalismus teuer sei und Geld koste für die Freiräume, die für die wirklich neuen Geschichten und für die investigativen Recherchen erforderlich sind. Damit hat Helmut Heinen freilich recht. Schade bloß, dass deutsche Zeitungen offenbar sogar zu geizig sind, ihren Journalisten Zeit für eine oberflächliche Recherche zu bezahlen. Würden sie das tun, hätten Zeitungen zwar noch nicht die Qualität der Unabhängigkeit von Blogs, aber immerhin ließe sich durch eine oberflächliche Gegenrecherche der von dpa in Umlauf gebrachten Texte wenigstens verhindern, dass zum Beispiel eine Falschmeldung durch zahlreiche Käseblätter verbreitet wird, auch nachdem sie in Blogs schon Tage zuvor als solche erkannt wurde. Auch bestünde dann die Chance, dass der eine oder andere Zeitungsredakteur sich weigert, die eine oder andere besonders platte Lüge oder groben Unfug abzuschreiben und an seine Leser durchzureichen.
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“Bürgerjournalismus Etikettenschwindel” - Stimmt wohl für Deutschland, wer kann schon die Abmahngebühren bezahlen? Aber in Südkorea soll der Bürgerjournalismus bereits heutzutage funktionieren. Wer weiss mehr?
“von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten erledigt” - diese sollten eine juristische Zusatzausbildung haben, um die Gefahren des Buskeismus nicht zu unterschätzen.
“die klassischen Medien” - sind für mich Vergangenheit. Ich setze auf Blogs, Wikis, DVD, MP3s/OGGs. Propaganda erreicht mich nur noch indirekt.
“guter Journalismus teuer sei” - das ist richtig. Welcher Blogger hat schon Geld für die albernen Rechtsstreitereien wegen den Persönlichkeitsrechten?
Fazit: Guten Journalismus gibt es leider nicht in Deutschland heute. Vielleicht in der Nach-Buske/Zypries-Ära?
Liebes Parteibuch,
leider hast Du die Abkürzung BdZV immer verdreht. Qualität beginnt eben auch mit sprachlicher und textlicher Sorgfalt. Doch da sparen die meisten deutschen Zeitungen leider inzwischen auch, eil sie das Lektorat weitgehend abgeschafft haben. In vielen Zeitungen werden nur noch Werbe-Anzeigen und die Schlagzeilen korrektur gelesen.
Was die Glaubwürdigkeit angeht, hast Du leider Recht: Spätestens nach dem Totschweigen des ersten Hartz-IV-Toten und dem Einsatz von Provokateuren in Heiligendamm und der einseitigen Berichterstattung über den G8-Gipfel genießen diese Medien selbst bei mir keine Glaubwürdigkeit mehr.
Wichtig wäre hier mehr Innere Pressefreiheit: Journalisten müssen ohne Furcht vor Repressalien auch abweichende Meinungen in ihrem Blatt veröffentlichen dürfen!
Vor allem die faktische Gleichschaltungg auf das neoliberale Gewäsch von “Eigenverantwortung” und “Leistung” ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Verleger eben Unternehmer sind und ihre Interessen in ihren Publikationen durchdrücken.
Deswegen befürworte ich Deine Idee einer Online-Zeitung durch Vernetzung von RSS-Feed. Macht Euch daran, dieses Projekt möglichst umfangreich und barrierefrei umzusetzen!
fjh
@Franz-Josef
danke für den Korrekturhinweis.
Eine Art Online-Zeitung vom Parteibuch kommt sicherlich in nicht mehr allzu ferner Zukunft.
Zu Franz - Polizei gibt Einsatz vermummter Fahnder zu Sprecher der Sondereinheit Kavala: “Das ist ein neuer Sachstand. Was ich gestern gesagt habe, war gestern zutreffend”
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http://derstandard.at/
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Nachdem die Anwälte der G-8-Kritiker gedroht hatten, ein Foto, das den Beamten, der am Mittwoch Abend von mehreren Demonstranten erkannt worden war, ohne Vermummung zeigt, zu veröffentlichen, lenkte die Polizei nun ein: Der Zivilfahnder habe die Aufgabe gehabt, Informationen über geplante Taten und Gewalttäter zu liefern.
He, unsere Nachbarn berichten ja richtig gut.
Die Kommentare sind lesenwert:
Anderenfalls wäre er gar nicht weiters aufgefallen unter seiner Vermummung. Im Zuge dessen wurde er aber angesprochen - ob er bescheuert ist - und so kam die Sache überhaupt heraus !
ES KANN NUR EINE KONSEQUENZ GEBEN:
1. ANKLAGE (Staatsanwaltschaft bitte tätig werden) wegen Aufruf zur Gewalt (sowieso Standard-Anklage für Dutzende hopsgenommene ebendort)
2. Zeugenaussagen unter Eid
3. Seine Aussage unter Eid
Alles andere ist KEIN Rechtsstaat mehr !
weiter unten:
Erstens ist Schäuble gar nicht zuständig (Polizei ist Ländersache).
Und zweitens kann Schäuble gar nicht mehr zurück treten, nur noch zurück rollen!!!
Bei Thomas Knüwer gab es zu Helmut Heinen vor einem guten halben Jahr auch schon mal einen lustigen Beitrag:
Tief im Westen, wo der Heinen verstaubt
Kostprobe:
Schöner Beitrag, Marcel. Die älteren Damen und Herren in der Presseriege scheinen ja irgendwie richtig wenig über uns Bloggern bzw. unsere Blogs zu wissen. Anders ist die ziemlich oberflächliche Beschäftigung mit dem Thema in meinen Augen nicht zu erklären. Die lesen keine Blogs, ich aber den Kölner Stadt-Anzeiger. Nun bin ich aber eindeutig im Vorteil, nicht?
Den Bock zum Gärtner machen, denke ich mir bei unserer Presse.
[…] evangelischen Kirchentag in Köln beiläufig abgesondert hatte. Der Schockwellenreiter und Marcel setzen sich mit dem Thema etwas eingehender auseinander und verweisen auf einen superben […]
Beim BDZV selbst scheint man übrigens Blogs recht fleißig zu lesen. Gerade kam ein Besucher aus Griechenland mit folgendem Referer hierher:
http //mail.bdzv.de/exchange/Xxxxxxx/Posteingang/
Google%20Alert%20-%20Helmut%20Heinen-2.EML?Cmd=open
Aus meinen Erfahrungen mit Helmut Heinen muss ich diesem das Recht absprechen, Worte wie Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Verantwortung auf einer öffentlichen Veranstaltung in einem Vortrag zu verwenden und so den Eindruck zu erwecken, als würde er sich für solche Werte einsetzen.