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3. Juni 2007

Wer ist für die Diskreditierung des G8-Protests verantwortlich?

von @ 19:10. abgelegt unter Deutschland, Demokratie

Wenn Attac-Sprecher die Gewalttaten verurteilen, aber von einem großen Erfolg der Monate langen Mobilisierung gegen den G8-Gipfel reden, dann verkennen sie die Realität. Gestern ist der legitime friedliche Protest gegen die herrschenden Verhältnisse erfolgreich diskreditiert worden und das Volk von der Wahrnehmung des Grundrechtes auf Demonstrieren abgeschreckt worden. Mein Parteibuch möchte seinen Lesern die Frage stellen, wie es zu der gestrigen Katastrophe von Rostock kommen konnte.

Cui bono?

Vom gewalttätigen Verlauf des gestrigen Tages profitiert politisch Wolfgang Schäuble, für den die Fernsehbilder von der Gewalt in Rostock wie bestellt kommen, womit er nun sicherlich mehr Rückhalt in der Bevölkerung für die Durchsetzung seiner abstrusen Sicherheitsphantasien zur Überwachung der neuen außerparlamentarischen Opposition bekommt. Wer also ist für die gestrige Stärkung von Schäuble und Konsorten verantwortlich?

Natürlich, zuerst einmal sind die Gewalttäter selbst verantwortlich. Die Frage, wer die Gewalttäter waren, muss dringend aufgeklärt werden. Die meisten Gewalttäter trugen gestern anscheinend schwarz, auch wenn einige Berichte auch Gewalttäter in grün zu bezeugen scheinen. Völlig unklar ist bisher beispielsweise, ob, und wenn ja, wie viele Provokateure der Polizei unter den Gewalttätern waren. Von den eigentlichen Gewalttätern abgesehen, muss natürlich auch die Frage gestellt werden, wer für die Gewalttaten dadurch mitverantwortlich ist, dass er sie nicht verhindert hat.

Bei der Frage steht zuerst einmal die Führung des Polizeieinsatzes in der Kritik. Angesichts dessen, dass es eine solche Gewalt gegeben hat, kann von einem erfolgreichen Polizeieinsatz nicht gesprochen werden. Wenn einerseits eine große Anzahl von Polizisten im Dienst von Gewalttätern verletzt wurde und andererseits aber anscheinend auch friedliche Demonstranten von der Polizei verletzt wurden, dann ist das ein Zeichen dafür, dass bei diesem Polizeieinsatz große Fehler gemacht wurden. Ob das Versagen der Polizei an Unfähigkeit der Polizeiführung gelegen hat, oder ob da, wie in Genua eine politische Absicht dahinterstand, muss nun haarklein untersucht werden.

Aber auch die Veranstalter der Demonstration müssen sich die Frage gefallen lassen, wie es sein kann, dass die Demonstration von Gewalttätern unterwandert und missbraucht werden konnte. Wie konnte es sein, dass die Veranstalter der Demonstration sich nicht des schwarzen Blocks entledigen konnten? Wenn es die Veranstalter geschafft haben, sich von Gewalttätern im Nazi-Outfit zu distanzieren, wieso haben es die Veranstalter dann nicht geschafft, sich von Gewalttätern des “Schwarzen Blocks” ähnlich entschieden zu distanzieren?

Sicherlich darf vorausgesetzt werden, dass den Veranstaltern der Film “Gipfelstürmer - Die blutigen Tage von Genua” bekannt ist. Wer heute in Westeuropa eine Demonstration anmeldet, muss demnach damit rechnen, dass diese Demonstration unter Billigung der Polizei - oder gar wie in Genua unter Beteiligung der Polizei - von Gewalttätern unterwandert wird.

Die Unterwanderung der Demonstration durch Gewalttäter hatten die Veranstalter der Demonstration offenschtlich nicht im Griff. Angesichts dessen, dass die Polizei offenbar nicht in der Lage oder nicht gewillt ist, für die Sicherheit der Demonstrationsteilnehmer zu sorgen, ist es da für die Veranstalter nicht ratsam und möglich, einen eigenen Ordnungsdienst zu organisieren, der Gewalttäter von der Demonstration entfernt. Dabei könnte der Ordnungsdienst nach Möglichkeit auch gleich darauf aufpassen, dass sich keine Provokateure unter die Demonstranten mischen und dass Aktionen möglicher Provokateure dokumentiert werden.

Erschreckend ist, dass Gegner des G8-Gipfels Leute unter sich dulden, die Gewalt gegen Sachen nicht ausschließen. Auch Gewalt gegen Sachen diskreditiert den legitimen friedlichen Protest. Wer wissen will, wie erfolgreiche Demonstrationen verlaufen, der mag sich an die friedlichen Demonstrationen der DDR erinnern, mit der die Regierung gekippt ist. Und in der Ukraine haben Demonstranten ihre Regierung aus dem Amt gekippt, die Polizisten Blümchen ans Revers gesteckt haben, während Frauen mit den eingesetzten Beamten geflirtet haben. So macht man Revolution. Gewalt - auch Gewalt gegen Sachen - führt hingegen in eine Spirale aus Gewalt und Gegengewalt, die die Machtposition der Herrschenden stärkt.

Mein Parteibuch fordert die Mitwirkenden am Protest gegen den G8-Gipfel auf, sich entschieden von allen Gewalttätern - auch solchen, die Gewalt gegen Sachen verüben - zu distanzieren und sämtliche Gewalttäter aus den Reihen auszuschließen. Alle die, die sich nicht von Gewalt distanzieren, sollten aus den Reihen der friedlich Protestierenden mit aller Konsequenz ausgeschlossen werden. Mein Parteibuch teilt einen großen Teil der Kritik an den herrschenden Verhältnissen, aber mit Gewalttätern möchte Mein Parteibuch nichts zu tun haben.

Nachtrag: Wer auf jeden Fall auch für die Diskreditierung des G8-Protestes verantwortlich ist, ist Spiegel Online. Der Spiegelfechter erläutert zum Glück, wie Spiegel Online an der Rostock Legende strickt, so dass es jeder nachvollziehen kann.

Nachtrag 2: Vom vermutlich ersten Gewaltakt des Samstags gibt es bei Youtube ein Video. Preisfrage: Wer sind die auf dem Video in Aktion gezeigten Straftäter? Wieso hat das mehr als 20 Sekunden gedauert, bis die Polizisten da weggefahren sind?

51 Kommentare zum Beitrag “Wer ist für die Diskreditierung des G8-Protests verantwortlich?”

  1. Lobo sprach

    Wenn ich mir das hier: http://de.indym...06/180117.shtml so durchlese, kann es gut sein, das da mit gezinkten Karten gespielt wird.

  2. ka sprach

    Ich habe den Artikel auch gelesen ueber die Provokateure, allerdings bei www.g8-tv.org .
    Heute allerdings ist die gesammte Spalte, wo man Kommentare abgeben kann, verschwunden. Vielleicht war das zu abmahnunsicher. Vielleicht hat es ja auch andere Gruende. Man soll nicht zu schnell denken, was fuer Gruende etwas haben koennte.

  3. whiteout sprach

    Man sollte sich vielleicht auch fragen, warum die G8-Gegner es nicht schaffen, auf ihren Demonstrationen z.B. die Einhaltung des Vermummungsverbotes durchzusetzen.

  4. Mein Parteibuch sprach

    Dem ist zuzustimmen. Es ist verständlich, dass manche Menschen nicht wollen, dass ihre Gesichter auf einer Demonstration gefilmt werden.

    Wenn solche Personen unter den Demonstranten vom Veranstalter zugelassen werden, dann möge aber der Veranstalter bitte auch dafür sorgen, dass davon keine Gewalt ausgeht - selbst dann nicht, wenn da Provokateure am Werk sind, deren Ziel es ist, die Botschaft der Demonstration durch Gewalt zu sabotieren.

    Andererseits muss man natürlich auch sagen, dass der Veranstalter einer Demonstration kein Hausrecht hat, also mit Ordnungskräften nur sehr eingeschränkt für den Rauswurf solcher Leute sorgen kann. Trotzdem muss es möglich sein, durch Lautsprecherdurchsagen die anderen Demonstratonsteilnehmer dazu zu bringen, sich von solchen Gewalttätern fernzuhalten und den Zugriff der Polizei dadurch zu erleichtern.

  5. Hartmut Pilch sprach

    In München wurde mit überaus aggressiven Plakaten für die G8-”Blockade” geworben. Wer dem Aufruf dieser Organisatoren folgte, steuerte sehenden Auges in bürgerkriegsähnlichen Zoff hinein. Man musste nur nicht ganz blind sein und ein wenig zwischen den Zeilen lesen können. So naiv, die von ihren Texten provozierte Gewalteskalation nicht zu wollen, können die Veranstalter kaum gewesen sein, was ja auch die Rostocker Behörden in den letzten Wochen zu verzweifelten Verbotsmaßnahmen veranlasste.

  6. Hartmut Pilch sprach

    PS: das war schade, denn es in Heiligendamm wird u.a. über engere Patentkooperation zwischen USA und Europa und sonstige Internationalisierungsmaßnahmen gesprochen, die meistens mit Entdemokratisierung einhergehen. Eine seriös organisierte Serie von Gegenveranstaltungen vor Ort hätte einen dringend benötigten Resonanzboden für Kritik und Gegenvorschläge abgeben können.

  7. Defender sprach

    [Editor: Kommentar wegen Volksverhetzung gelöscht - defender, mach Dich weg hier]

  8. Q sprach

    Aber auch die Veranstalter der Demonstration müssen sich die Frage gefallen lassen, wie es sein kann, dass die Demonstration von Gewalttätern unterwandert und missbraucht werden konnte. Wie konnte es sein, dass die Veranstalter der Demonstration sich nicht des schwarzen Blocks entledigen konnten? Wenn es die Veranstalter geschafft haben, sich von Gewalttätern im Nazi-Outfit zu distanzieren, wieso haben es die Veranstalter dann nicht geschafft, sich von Gewalttätern des “Schwarzen Blocks” ähnlich entschieden zu distanzieren?

    Zunächst: ich bin gegen Gewalt. Aber muss ich das immer betonen? Muss ich, bevor ich eine Kritik vorbringe erklären, dass ich die Verfassung und geltendes Recht respektiere, niemanden töten oder verletzen will, das Rotlicht im Strassenverkehr beachten werden und mich nicht dope? Muss ich, bevor ich mich äußere erklären, dass ich meine Kinder nicht schlage? Nein, das muss ich nicht. Das muss niemand, der etwas sagen oder kritisieren will. Ich distanziere mich ja auch nicht von der Politik neoliberaler Parteien, obwohl ich daran, und vor allem an den Folgen, einiges auszusetzen habe. Eine Demonstration ist völlig legitimer Ausdruck von Kritik, einer Position zu bestimmten Sachverhalten. Da muss sich keiner von Leuten distanzieren, die im Schutze von Demonstrationen Bambule wollen. Das kann ja nun aber nicht bedeuten, dass jeder, der das Recht auf Demonstration in Anspruch nehmen will, davon abläßt, weil sich das seitens der Veranstalter nicht verhindern läßt. Die Aufforderung sich zu distanzieren betrachte ich als Versuch mich in eine Reihe mit Gewalttätern zu stelle. Das ist ziemlich infam. Zumal ich deutlich weniger auf dem Kerbholz habe, nämlich gar nichts, als der durchschnittliche Politiker. Habe ich je von einem dieser Politiker verlangt, sich von bestechlichen Betrügern und Verfassungsfeinden in den eigenen Reihen zu distanzieren?

    Vielleicht hast Du ja einen Vorschlag zu machen, wie das “Entledigen” funktionieren soll. Sollen friedliche Demonstranten etwa anfangen auf jeden einzuschlagen, der eine schwarze Jacke trägt? - Zwei meiner Lederjacken sind übrigens auch schwarz. - Mehr als verbal deutlich zu machen, dass man friedlich demonstrieren will, ist schlicht nicht drin. Und solange Politiker und Polizei Demonstrationen schon im Vorfeld kriminalisieren und Bürger, die die herrschende Politik für untragbar halten, schikanieren, anstatt sie bei der Ausübung ihrer Bürgerechte vor gewaltätigen Störern zu schützen, solange werden Gewalttäter von Demonstrationen magisch angezogen werden. Das kann aber wohl nicht bedeuten, dass man auf das Recht verzichtet, seine Meinung auch denen zu sagen, die abgehoben eine Politik machen, die man für schädlich und falsch hält.

  9. salvo sprach

    als Fazit ist wieder Mal leider festzuhalten, dass die Massenmedien ihre Funktion erfolgreich ausgeführt haben, nämlich als ‘Nachrichtenmacher’ (das muss man buchstäblich nehmen) und ‘Bilderzeuger’ den Millionen ins Haus die ‘Wirklichkeit’ geliefert zu haben, die den Interessen der Mächtigen entspricht.

    Es ist davon auszugehen, dass diese von den Medien erzeugte ‘Wirklichkeit’ schon vorher feststand, ehe sie tatsächlich statt gefunden hat. Das ist nicht ‘verschörungstheoretisch’ gemeint - obwohl es Quellen gibt, die von gezielten Provokationen oder Infiltrationen schreiben. Dafür habe ich keine Belege. Aber Belege gibt es wohl im Überfluß für die verkürzte, einseitige und verfälschende Darstellungen in Wort und Bild durch die Massenmedien, die den Protest an sich zum Ausdruck von ‘Chaotengewalt’ reduzieren und seine Inhalte verschweigen.

    So sieht in unserer simulierten Demokratie ‘Pressefreiheit’ aus: Die Freiheit der Vemögende mit Hilfe ihrer massenmedialen Lakaien die Welt, die ihren Interessen entspricht, in Wort, Schrift und Bild zu jedem Augenblick millionenfach ins Bewußtsein der Menschen einzutrichtern.

  10. salvo sprach

    Rede von Tobias Pflüger, MdEP in Rostock auf der Demonstration gegen den G 8 Gipfel am 02.06.2007

    http://www.imi-...07.php3?id=1573

  11. Mein Parteibuch sprach

    @defender
    Du kannst Deine volksverhetzenden, rassistischen und gewaltanstachelnden Sprüche gern auf Deiner Webseite verbreiten, solange bis sie Dir die Staatsanwaltschaft zumacht. Du kannst auf Deiner Webseite auch Stellung zu den Diskussionen hier beziehen, aber hier bist Du nicht mehr willkommen.

    Also, sei so nett und verzieh Dich.

  12. Mein Parteibuch sprach

    @Q
    >Zunächst: ich bin gegen Gewalt. Aber muss ich das immer betonen?
    Nein, das musst Du nicht. Aber clever wär das schon. Das macht es den parteiischen Massenmedien schwerer, friedlichen Protest als gewalttätig zu diskreditieren.

    Die Demo vom Samstag war beste Werbung für Schäuble & Co, für die sich Zehntausende seiner Gegner einspannen lassen haben. Das Schäuble & Co gestärkt werden, kann wohl kaum Sinn und Zweck einer Demo gegen die Schäubles dieser Welt sein.

    >Mehr als verbal deutlich zu machen, dass man friedlich
    >demonstrieren will, ist schlicht nicht drin.
    Wenn das alle machen würden, wäre das schon eine ganze Menge. Wenn alle die, die sich nicht einmal verbal eindeutig gegen jegliche Gewalt ausgesprochen haben, auf der Demo nicht willkommen geheißen würden, dann wäre das nicht wenig. Wenn diejenigen, die Bürgersteige aufgebrochen haben, gleich der Polizei benannt worden wären, dann wäre das Bild von der Demo sicher besser gewesen.

    Wenn auf der Demo Tausende von Demonstranten gemeinsam die Gewalttäter verbal attackiert hätten, möglichst weit weg von den Gewalttätern gegangen wären und die Polizei zum Handeln gegen die Gewalttäter aufgefordert hätten, dann sähe das Bild in der Presse heute möglicherweise etwas anders aus.

    Dann käme die Presse nicht umhin zu fragen, wieso es der Polizei nicht gelungen ist, friedliche Demonstranten vor der Unterwanderung durch Gewalttäter zu schützen.

    Eine demokratische Revolution, und nichts anderes wäre die Abschaffung des neoliberalen Herrschaft der korrupten und maßlosen Seilschaften an der Spitze des Staates, kann nur gelingen, wenn sie absolut friedlich ist.

    Wer nicht friedlich sein will, der gehört zu denen, die Herrschaft mit Gewalt ausüben wollen. Und genau das sollte diesen Leuten jeder klarmachen. Ganz egal, ob diese Leute linke, rechte oder sonstwelche Parolen grölen. Solche Leute dürfen dann gern Seite an Seite mit den Schäubles dieser Welt für eine Herrschaft des Terrors demonstrieren.

  13. Antje sprach

    Leute, es ist erschreckend, wie die meisten hier gutgläubig der Propaganda vertrauen.
    Was ich gesehen habe, war ein indiskutables und gewalttätiges Handeln seitens der Polizei. Immer wieder sind kleinere Trupps schwarzuniformierter Polizisten mit Knüppeln in den Rand der Menschenmenge (der Abschlußkundgebung) gestürmt, die normalerweise ausgewichen ist. Wenn man das oft genug macht, wird es schon irgendwann eskalieren.
    Plötzlich kursierte unter den Polizisten das Gerücht, daß ein Polizist getötet worden war. Na ganz klasse.
    Ich habe tatsächlich keinen einzigen Steinewerfer gesehen (wohl Zufall), dafür aber ein durch nichts zu rechtfertigendes Handeln der Polizei.
    Nee, Leute, laßt Euch nichts vormachen. Die Eskalation war politisch gewollt, und wenn die Demonstranten nicht freiwillig gewalttätig werden, dann sorgen die Einsatzkräfte eben dafür.
    Ich als Steuerzahler möchte mich selbstverständlich von dieser Gewalt distanzieren.

    Es ist wirklich sehr, sehr traurig, das alles.

  14. Mein Parteibuch sprach

    @Antje
    Für die These, das die Eskalation insgeheim politisch gewollt war, spricht in der Tat einiges - vor allem die Frage, wer den Nutzen davon hatte. Der friedliche Protest zehntausender von Menschen wurde durch die Gewalt zu einer grandiosen Show im Sinne von Schäuble & Co.

    Geht man davon aus, dass die angewandte Taktik der Polizei von Politikern insgeheim so gewählt wurde, damit die Katastrophe vom Samstag so passiert, wie sie passiert ist, dann muss sich jedoch die Demoleitung vorwerfen lassen, dass sie nicht in der Lage war zu verhindern, dass der Plan der Gewalt aufgegangen ist.

    Hier die Bilder von Interventionistischer Linken und schwarzem Block.

    Klar kann das sein, dass die Kommentatorin des Videos vom “Schwarzen Block” Recht hat und das Polizeiauto absichtlich an die Seite des Demonstrationszuges gestellt hat, damit es angegriffen wird. Aber selbst wenn es so war, wie kann es sein, dass der Veranstalter nicht in der Lage war, zu verhindern, dass da jemand drauf einsteigt?

    Wieso haben die Veranstalter diese Leute nicht von der Demonstration ausgeschlossen? Diese Leute diskreditieren jeglichen Protest. Schon beim Auftauchen der Vermummten beim Start der Demo hätten Demonstranten laut und deutlich “Haut ab, haut ab!” zu den Vermummten rufen sollen und nicht mit ihnen zusammen demonstrieren sollen.

    Damit könnten Veranstalter und friedliche Demo-Teilnehmer auch sicherstellen, dass sich unter die Vermummten keine Provokateure der Polizei mischen.

  15. Dirk Grund sprach

    Also in einer solchen Potenziell gefährlichen Situation in der die Polizei sich befand,auch Zahlen mässig muss man sich wirklich Fragen warum die solange brauchen um sich von der Gefahrenstelle zu bewegen?

    Warteten die auf Anweisung Ihren Posten verlassen zu dürfen?Und ich bin hierbei neutral aber würde mich echt Interessieren.

    Würdet Ihr da stehen bleiben ?Also ich nicht!

    War das inzeniert, ?

  16. Q sprach

    Ich halte es ganz und gar nicht für clever, sich auf Wunsch Dritter von der Gewaltbereitschaft von Leuten zu distanzieren, mit denen ich nicht das Mindeste gemein habe. Andernfalls beginnt in Folge schon die leisteste Kritik - “der Kaffee schmeckt heute irgendwie bitter!” - unweigerlich mit dem Bekenntnis zu den unveräußerlichen Menschenrechten. Wer erwartet, oder gar verlangt, dass ich mich von etwas distanziere, was cih weder beabscihtieg noch je als Ziel oder Methode artikuliert habe, der erklärt zugleich, dass er mich für gewaltätig hält. Solchen Leuten habe ich nichts zu erklären, weil sie für eine Diskussion Vorbedingungen schaffen. Ich müßte, um der Gleichberechtigung willen, folglich auch Bedingungen formulieren. Dazu fiele mir zu den meisten Politikern gewiß etwas ein; ich halte so einen Ansatz aber für albern.

    Was das weit weg gehen angeht: wann warst Du das letzte Mal auf einer großen Demonstration? 10.000, 20.000 oder noch mehr Leute bewegen sich nämlich nicht so leicht, wie 100-200 Chaoten. Zumal die am einen Ende gar nicht mitbekommenn, was an der anderen Seite oder am Ende abläuft. Es gibt dazu fast immer nur eine Richtung, die in die Menge. es sei denn, Du willst beim Start der Demo noch sofort wieder nach Hause gehen. Genau dahin streben aber die Gewalttätigen im Zweifelsfall auch (wegen der Deckung). Der Druck presst den Rest des Zuges sozusagen zusammen. Der kann nicht weg, weil rundherum Polizei den Zug flankiert.
    Ich konnte übrigens noch nie jemanden, der Steine wirft oder Gehwegplatten hochnimmt, benennen. Zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis zählen die nämlich regelmäßig nicht. Außerdem empfiehlt es sich, möglichst viel Distanz zwischen sich und diese Typen zu bringen. Auch wenn das, s. o., nicht einfach ist. Ich warte also nicht, bis ich mitten im Geschehen in putativer Notwehr von einem Beamten erschossen werde oder ein durchgeknallter Chaot mir einen Stein an den Kopf wirft.

    Das die Ereignisse Wasser auf die Mühlen reaktionärer Politiker sind, ist klar. Stell Dir vor, der G8-Gipfel findet statt und kein einziger Stein würde geworfen. Dann stünden die Politiker ganzs schön im Regen, die Millionen über Millionen für diesen Scheiss verballert haben. Stell Dir vor, es gäbe überhaupt keine Chaoten. Und nun stell Dir noch vor, Du wärest der spiritus rector des Zaunes, der Geiselnahme der Anwohner, der Hausdurchsuchungen, der Schikanen. Stell Dir vor, Du wärest an Schäubles Stelle; ein bestechlicher Hardliner, der das Grundgesetzt verbiegen will, und absolut nichts passiert. Wäre Dir das recht? Und was würdest Du tun? Merke: die Diagnose Paranoia heisst ja nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind! ;-)

  17. Mein Parteibuch sprach

    @Q
    Natürlich hast Du Recht, dass Du als einzelner nicht viel machen kannst gegen Gewalttäter. Aber die Demoleitung hätte eben doch viel deutlichere Worte finden können.

    Und siehe da, liest Peter Wahl, Sprecher von Attac, Mein Parteibuch? Das Interview mit Peter Wahl beim NDR, in dem er wie Mein Parteibuch von einer Katastrophe spricht, hört sich fast so an:

    Wir verurteilen die Gewalttätigkeiten, die aus der Demonstration heraus geschehen sind, auf das Allerschärfste. Wir glauben, dass Fehler gemacht worden sind, dass nicht in aller Schärfe zu jedem Typus von Gewalttätern gesagt wurde: Wir wollen euch nicht sehen, wir wollen euch nicht dabei haben. Das hätte mit viel größerer Klarheit formuliert werden sollen. Jetzt ist es zwingend notwendig, dieses heute und für die nächsten Tage noch einmal sehr deutlich zu tun.

    Das hört sich schon viel besser an, als Sprüche wie, dass “alle Linken”, “alle G8-Gegner” oder alle wer-auch-immer zusammenstehen müssen und sich nicht auseinanderdividieren lassen dürften oder so ein Unfug.

    Wenn das mit der deutlichen Ausgrenzung von Seiten der Veranstalter funktioniert und von Attac veranstaltete Demonstrationen in Zukunft friedlich bleiben, könnte aus dem von Attac geleiteten Protest eine breite Massenbewegung werden.

    Und dann täten eben solche wie Schäuble ganz blöd aus der Wäsche gucken. Nochmal, wenn den Polizisten von Demoteilnehmern Blumen ans Revers gesteckt werden und Frauen mit ihnen Flirten, dann gibt das Bilder, die der Politik von Schäuble & Co sehr abträglich sind.

  18. Antje sprach

    @Mein Parteibuch: Die Taktik, kleine Trupps Polizisten wiederholt knüppelschwingend in die Menge stoßen zu lassen, würde wahrscheinlich auch die Besucher eines Opernhauses früher oder später die Ruhe verlieren lassen. Ich fürchte, daß die Demoleitung da gar keinen Einfluß haben kann: Irgendwann wird es eskalieren. Außerdem war der Rand der Abschlußkundgebung nicht von den Lautsprechern abgedeckt, also hätten auch Appelle nichts mehr genutzt.

    Zur Position des Autos: Hmm, seltsam. An den meisten Einmündungen standen Mannschaftswagen recht weit von der Kreuzung entfernt, fast immer neben einer Ambulanz, und die Polizisten standen ohne Kampfmonitur recht dicht am Demonstrationszug, haben entspannt zugeschaut, und haben ab und zu den Leuten in ihrer Nähe etwas von “Spur für Krankenwagen freihalten” gesagt. (Der Zug selber verlief ja zunächst störungsfrei.)

    Daß ein einzelnes Polizeiauto ohne irgendwelchen Schutz direkt am Rand der Demo steht… Autsch. Das ist extrem unvorsichtig. Würde am Rande jedes Fußballspiels zu einem demolierten Auto führen, ob mit oder ohne Agent Provocateur. Wenn die Perspektive aus den Videos nicht trügt, dann war der Standort des Autos aber einmalig.

    OK, machen wir die Probe aufs Exempel: Wenn eine größere Fernsehanstalt an genau dieser Ecke gefilmt hat, dann tippe ich auf inszeniert. Wenn aber alle Aufnahmen von Amateuren oder kleineren Presseleuten stammen, dann war es nicht inszeniert.

    Tja, und wie kann man verhindern, daß sich ein schwarzer Block bildet?
    Ich beschreibe mal, wie der Block genau aussieht. Ich bin neben der Auftaktveranstaltung auf eine Anhöhe, um alles besser sehen zu können. Rund um mich herum waren viele freundliche und gutgelaunte junge Leute, kaum einer über 25, viele davon Frauen, in farbigen T-Shirts, es wurde viel italienisch, französisch und japanisch gesprochen, und nur einige trugen schwarze Hoodies. Als dann der eigentliche Demonstrationszug begann, sind sie die Anhöhe hinab, immer noch kaum schwarz, und sind dann, sich sukzessive in schwarze Gestalten verwandelnd, in einem anschwellenden Meer aus Schwarz aufgegangen. Mir hing echt die Kinnlade herab.

    Mir ist nicht klar, wie man das verhindern kann. Es hatte etwas Flash-Mob-artiges.

    Ich vermute, daß sich in den nächsten Tagen noch viele Leute Gedanken machen werden, wie man den schwarzen Block verhindern kann. Mal schaun.

  19. Ulla sprach

    Ich höre gerade Radio www.g8-tv.org und habe zuvor TV Nachrichten gesehen.
    Irgendwie passen die Berichte nicht zusammen.

  20. Q sprach

    @Marcel: Welcher Veranstalter hat denn vor der Demo nicht zu einer friedlichen Veranstaltung aufgerufen? Wieso wird es fast flächendeckend sinnvoll erachtet, bei der Wahrnehmung seiner Bürgerrechte die Gewaltfreiheit zu betonen? Muss künftig jeder, der ein Wahlbüro betritt um seine Stimme mit in die Waagschale zu werfen, erst seine Gewaltfreiheit und die Einhaltung der Gesetze beschwören? Muss man sich gar erkennbar von Wahlfälschern absetzen? Kann man noch in einen Bus, die U- oder S-Bahn steigen, ohne laut seine Ehrlichkeit zu betonen und mit der Fahrkarte zu wedeln? Muss ich an Tür zum Supermarkt oder ein Kaufhaus vernehmlich meine Bereitschaft erklären ganz gewiß auf Diebstahl zu verzichten und mich von allen potentiellen Dieben, die auf dies Gelöbnis sicher verzichten werden, distanzieren? Ausnahmslos jeder würde entsprechende Forderungen als völlig absurd feststellen. Nur bei Demonstrationen tönt aus allen Richtungen die Forderung: Distanziere Dich!

    Zu den Ideen, die einem durch den Kopf gehen könnten, wenn es einen Mangel an Gewalttätern gibt, hier ein Link zu den Nachdenkseiten: http://www.nach...iten.de/?p=2386 Natürlich kann man das ebensowenig prüfen, wie andere Berichte, und Ausschnitte vom Ganzen sind es allemal, aber da heisst es in einem Bericht eines Lesers u. a.:

    Als die Werfer nachladen wollten, versuchte ich einen handgreiflich daran zu hindern. Dabei war etwas sehr seltsam: der junge Mann war so jung nicht, er grinste, schüttelte mich locker ab und es fehlte jedes Anzeichen auf eine Adrenalinausschüttung, also Aggression. In dem Moment hörte ich das Rufen anderer Augenzeugen: „Haut doch ab! Ihr gehört doch zu denen. Habt ihr wenigstens die Preisschilder aus euren neuen Klamotten gemacht.“

  21. Archangelus sprach

    @Q
    >> Muss künftig jeder, der ein Wahlbüro betritt um seine Stimme mit in die Waagschale zu werfen, erst seine Gewaltfreiheit und die Einhaltung der Gesetze beschwören?

    Nein, verlangt kein Mensch! Aber als Bürger eines “noch” demokratischen
    Staates, habe ich nicht nur die Rechte in Anspruch zu nehmen, sonder darf
    laut Gesetz auch mal etwas Engagement zeigen. Dies kann sich im mildesten
    Fall darin äußern, dass ich mich klar distanziere, indem ich rufe “haut ab”.
    Im schwersten Fall sogar soweit gehen, wenn ich Zeuge einer Straftat werde,
    diese auch anzuzeigen (ich möchte das jetzt nicht als denunzieren verstanden
    wissen).
    Ja, es ist immer schön bequem nur auf die anderen zu zeigen, mal etwas
    Zivil-Courage wäre nicht schlecht. Der Veranstalter könnte auch mal den
    Mum haben zu sagen, sollten aus der Veranstaltung Steine geworfen werden,
    oder sonstige Übergriffe erfolgen, werden wir diese sofort beenden.
    Den Agent-Provocateur wird es sicherlich geben, ob Zivi-B****, LandesAmtfür
    Verfassungsschutz etc., aber dann hätten wir zwei Fliegen mit einer Klappe
    geschlagen.
    Schade, ich finde Attac ziemlich gelungen, aber mich kotzt es an, dass
    durch dieses gewaltbereite P..k alles zerstört wird.

    by the way, also wenn mich schon ein einzelnes Polizeifahrzeug, wie auf
    dem Video zu sehen ist, dermaßen provoziert, zeigt es doch wirklich wesen
    Geistes Kind ich bin, oder?
    Nee also wirklich, wenn das die Leute sind, die eine freiere, bessere
    Welt erkämpfen wollen, wähle ich lieber das kleinere Übel.

    mfg M.M.

  22. Hartmut Pilch sprach

    Wenn man mit Leuten paktiert, die zur Gewalt aufrufen (”Blockiert den Gipfel”, “Make Capitalism History” und sonstige enthemmende Rhetorik, die offensichtlich nur auf Zoff zielt, dazu Bilder von Vermummten), und letztere sogar in der öffentlichkeit am sichtbarsten für den Gipfel werben, kann man sich nicht darüber wundern, dass entsprechendes rauskommt. Das war seit Wochen absehbar.

  23. Q sprach

    @21: Uih! das wird die ca. 200 Leute eines sogn. schwarzen Blocks aber mächtig imponieren, wenn Du laut “haut ab!” rufst. Wobei die Ablehnung der Gewalt üblicher Weise in ähnlicher Form von friedlichen Demonstranten durchaus vernehmlich artikuliert wird. Wenn das schon “Distanzierung” ist, dann korrigiere ich mich natürlich und distanziere mich voller Begeisterung: “haut ab!” Ja, ich lege sogar noch einen drauf und rufe: “haut ab, ihr Merkels, Bushs, Blairs, Putins, wir brauchen euch hier nicht! Haut auch ihr ab, ihr Schäubles, Wiefelspützs, Schilys und Becksteins, wir wollen keine Staatsfeinde in Parlament und Minsteramt!”

    Ich hoffe, ich habe mich nun für heute Abend ausreichend distanziert. :D

    Nach meinen Beobachtungen gibt es keine Verbrüderung mit Steinewerfern, Barrikadenbauern etc. Im Gegenteil dominiert bei den friedlichen Teilnehmern einer Demo Angst, blankes Entsetzen und Wut auf die Chaoten, weil die erkennbar ihrer Sache, für die man auf die Strasse geht, schaden. Nur was will, was kann man machen? Sich mit den Trupp Chaoten anlegen? Das ist gefährlich. Es gibt letztlich einen Anspruch friedlicher Demonstranten ihre Demonstration durchzuführen. D. h., dass die Polizei u. a. auch zum Schutz der Demonstranten vor Gewalttätern da ist. Dies Selbstverständnis vermisse ich bei der Polizei und den unsinnigen Anwürfen aus der Politik im Vorfeld. Da wird munter berechtigte Kritik, eine andere politische Ansicht, mit Terrorismus und Kriminalität gleichgesetzt und die Veranstalter in eine Ecke mit Krminellen gestellt. Demonstration = Straftat, das ist der längst der Ansatz, von dem ausgegangen wird. Und das ist Absicht, weil man so verhindert, dass dies Recht so wahrnommen wird, wie es gelegentlich nötig ist um zu zeigen was schief läuft in diesem Land.Gerade darum werden ja Grossdemos im Vorfeld so gern verteufelt, wie sie den Nerv der Regierenden treffen. Das wirkt dann geradezu wie eine Einladung an die Chaoten, die es dem “Schweinestaat” dann ‘mal wieder so richtig zeigen können, weil er schon vorher Wirkung zeigt.

    NB: Will man eine Demo ‘mal verlassen, z. B. wie es heikel wird, so hindert einen die die Polizei mit einem mehrreihige “Wanderkessel” auch daran. Siehe z. B. http://www.ster...Ihr/590249.html

  24. Archangelus sprach

    @Q
    >> Uih! das wird die ca. 200 Leute eines sogn. schwarzen Blocks aber mächtig imponieren,

    Och, ich glaube da kommt es nur auf das Zahlenverhältnis an. Aber ein Zeichen
    wäre es schon. Aber du bringst es ja im Folgenden gut auf den Punkt.

    >> Nur was will, was kann man machen? Sich mit den Trupp Chaoten anlegen? Das ist gefährlich. Es gibt letztlich einen Anspruch friedlicher Demonstranten ihre Demonstration durchzuführen. D. h., dass die Polizei u. a. auch zum Schutz der Demonstranten vor Gewalttätern da ist. Dies Selbstverständnis vermisse ich bei der Polizei und den unsinnigen Anwürfen aus der Politik im Vorfeld.

    Was ist gefährlich, deine Angst vor dir selbst aufgrund deiner fehlenden
    Zivil-Courage, oder die Angst sich mal selbst in Frage zu stellen?
    Genau das ist der Punkt, es gibt einen Anspruch, aber auch mal für diesen
    Anspruch zu kämpfen und mal NEIN zu sagen, das nun kann man wirklich nicht
    verlangen, oder?
    Was soll man machen? Ganz einfach mal stehen bleiben, der Veranstalter
    fordert die Polizei auf den schwarzen Block von der Veranstaltung
    abzutrennen, per Lautspecher … hab ich noch nie gehört, dabei total einfach nicht?
    Oder wenn Vermummte sich versuchen unter zu mischen, direkt ansprechen, ihnen direkt die Ablehnung zeigen. Noch einfacher, einfach als Bullen
    lautstark betiteln, du glaubst gar nicht was das für einen Effekt hat.

    Also für dich ist das alles zu gefährlich? Ich hoffe mal, dass niemand
    jemals deine Hilfe braucht, wenn er Opfer einer Straftat wurde.
    Mich würde mal interessieren, was du machen würdest, wenn sich ein Nazi-
    Aufmarsch ranhängen würde, da wäre das Geschrei groß, was? :-)

    Ich lasse mir meine Demo von denen nicht mehr kaputt machen, ich fotografiere die ab, wenn es möglich ist und stelle der Bullerei die
    Fotos auch gerne zu Verfügung.

    NB: Willst du mir nun mit dem Sternartikel suggerieren, dass dieser
    Einzelfall, pauschal auf alle Demos zutrifft? Stern, ist ein Garant für
    objektiven, wahrhaftigen Journalismus *lol*
    Paßt aber gerade schön ins Weltbild, nich?

  25. Rolf Schälike sprach

    Die Angreifer eines einzeln stehenden Polizeiautos können durchaus in einigen Jahren bei uns Außenminister werden. Natürlich auch nur die von denen, welche vor ihrem Dienstrantritt einen Polististen zum Krüppel gehauen bzw. dazu wesentlich beigetragen haben.

  26. Rolf Schälike sprach

    Von den Verhafteten werden bestimmt einige gekippt, falls diese es nicht schon waren bzw. nicht gekippt zu werden brauchten.

  27. Q sprach

    @23: um meine Zivilcourage und mein Weltbild mach’ Dir ‘mal keine Sorgen. Du zeigst mit solchen Unterstellungen dafür sehr schön, dass Du keine Argumente hast. Was die Zeitschrift “Stern” angeht: sie ist, wie nahezu jede Publikation, sicher nicht das Maß der Dinge. Ich habe aber nicht behauptet, schon gar nicht suggeriert, dass jede Demonstration rundherum von 2-3 Polizistenreihen eingeschlossen war. Diese war’s!

  28. salvo sprach

    Einem Satz wie “Make Capitalism History” eine ‘enthemmende Rhetorik’ zuzuordnen und darauf die Gewalt zurückzuführen, zeugt eher von dem verborgenen Wunsch selbst sprachliche Ausdrucksformen des Widerstands diskreditieren zu wollen. Es ist immer wieder faszinierend und beklemmend mitansehen zu müssen, wie eine ganze Gesellschaft die das struktuerelle Gewaltprinzip der kapitalistischen Gesellschaft in beinahe jedem Lebensbereich verinnerlicht hat, vor der Gewalt zurückzuschrecken vorgibt, sobald sie ihr durch die Medien in einer nicht legitimierten Form signalisiert wird. Ein massenmedial ständig ausgeführtes Ritual, mit dem sich eine ganze Gesellschaft, die auf Gewalt aufbaut und alles diesem Prinzip unterwirft, sich in Bild und Wort von Gewalt simulativ distanziert: Und wie tut sie das? Durch Gewalt, Lüge und Selbstverleugnung.

  29. salvo sprach

    “Für mehr als 6 Mrd. Euro haben deutsche Unternehmen 2004 Rüstungsgüter exportiert oder Ausfuhrgenehmigungen erhalten. Damit ist Deutschland einer der größten Waffenexporteur der Welt.”

    http://www.ftd....land/40603.html

    noch eine Form:

    “Auf dem Gebiet der Zwangsprostitution und des sexuellen Menschenhandels mit Angeboten jeder Art ist Deutschland führend. Die Bundesrepublik sei zu einer “international agierende(n) Drehscheibe” geworden, heißt es in Fachberichten.[2] Nach Angaben von Hilfsorganisationen arbeiten in Deutschland zwischen 100.000 und 200.000 Ausländerinnen als Prostituierte, “davon ein wachsender Teil Osteuropäerinnen”; als Herkunftsländer nennt das Bundeskriminalamt (BKA) insbesondere Russland, gefolgt von Litauen, Bulgarien, der Ukraine, Polen, Rumänien, Belarus und Lettland”

    http://www.germ...ulvm7gnferbnvd4

    So sehen einige der vielen Formen der Gewalt aus, die diese Gesellschaft tagtäglich lebt, auf denen sie aufbaut. Und nun, entrüstet sie sich angesichts der massenmedial erzeugten Bilder von nicht authorisierter Gewalt.
    Welche Hypokrisie!

  30. salvo sprach

    “Audiatur et altera pars! Oder: Wer nur noch Gewalt sieht, gibt die Demonstrationsfreiheit auf”

    http://www.nach...=2386#more-2386

  31. Hartmut Pilch sprach

    @28, der Satz “Make Capitalism History” ist für sich genommen nichts besonders, aber im Kontext der Demonstrationsaufrufe konnte er (ebenso wie weitere Sätze dieser Art) kaum etwas anderes bedeuten als “Lasst die Sau raus!”, begrabt diese Scheiß-Gesellschaftsordnung unter einer einzigen Welle massenhafter Wutorgien und werft sie auf den Müllhaufen der Geschichte, Mach kaputt was dich kaputt macht, etc.

    Wenn man dann hinterher meint, für die Kontrolle der so entfesselten Gewalt habe man hinterher nicht selber Verantwortung zu übernehmen sondern dass habe gefälligst die “Bullerei” zu übernehmen, dann erscheint mir das wieder ziemlich spießerisch, nicht gerade konsequent.

  32. Q sprach

    @28, 29: http://www.heis...25/25438/1.html beleuchtet m. E. recht gut, wie die man öffentliche Wahrnehmung verzerrt, Zitate verfälscht und das Ganze dann politisch instrumentalisiert. Völliger Stuss wird dabei vor allem von Politikern des rechten Randes abgesondert. Z. B. die GSG9 bei Demos einzusetzen. Wenn die für etwas nicht geeignet sind, dann dafür! Es zeigt aber, mit welcher Leichtigkeit heute die Militarisierung gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gelingt. Würden die Medien einfach ihren Job machen, anstatt Politik ohne Mandat zu betreiben, wäre das kaum möglich.

  33. Franz-Josef Hanke sprach

    Gewalt-Aktionen bei Demonstrationen schaden in allererster Linie den friedlichen Demonstrierenden. Die Akteure nehmen sie sozusagen als Geiseln und konterkarieren zugleich die Ziele der jeweiligen Demo.
    Den Bericht einer mir bekannten Augenzeugin und einen ersten kommentar zu den Ereignissen in Rostock habe ich auf der Internet-Seite www.hu-marburg.de online gestellt. Leider ist der erste Bericht von Samstagabend von Pony Huetchen von der Seite www.politblog.net wieder verschwunden. Den fand ich sehr aufschlussreich.
    Nur noch eines: Aktiv gegen Gewalttäter bei Demonstrationen vorzugehen, ist für die Demonstrierenden nicht so leicht. Aber was ihnen möglich ist, sollten sie tun.
    Gewalt ist nie ein Schritt hin zu besseren Verhältnissen.
    Nein zum Krieg, auch im Innern!
    Stoppt Schäuble!
    fjh

  34. Andreas Skowronek sprach

    Nur ein klitzekleiner Hinweis auf ein Video, das Eurer Aufmerksamkeit entgangen zu sein scheint:
    http://37sechsblog.de/?p=1678

  35. Mäggi sprach

    Ihr Witzbolde! Ihr bekämpft wohl auch den Hunger mit Bildern aus Kochbüchern?
    Mit Palmenzweigen gegen Global-Killer denen jedes Jahr Millionen zum Opfer fallen. Um genauer zu sein ca. 44-Millionen jährlich. In zehn Jahren 440 Millionen. Seid Kriegsende also weit über 2 Milliarden Menschen. Und davor waren es während einer zweihunderjährigen Kolonialzeit auch 1 Milliarde umgebrachte Menschen in der dritten Welt. Nur erschlagen und in der Sklaverei verhungert. Dazu noch die fast hunder Millionen Kriegstoden im 1. und 2. Weltkrieg. Na dann macht ruhig mit (demokratischen)Massenmördern euren friedlichen Plausch weiter. Bis ihr drann seid.

  36. Telebrain sprach

    Wem nützt eigentlich die Geisteskrankheit des Marcel Bartels? Der npd?

  37. Hartmut Pilch sprach

    Die wüsten Schuldzuweisungen in 35 sind ein gutes Beispiel für den Geist der Pamflete, mit denen in München zur Demo aufgerufen wurde. Sie sind geeignet — und ich meine ohne jede faktische Grundlage nur dazu geschaffen — eine Rechtfertigung für völlig enthemmte Gewalttätigkeit zu schaffen.

  38. Hartmut Pilch sprach

    PS ich meine nicht eine Münchener Demo sondern die “G8-Blockade”, und ich vermute mal, dass man auch in anderen Städten vor allem mit diesen wüsten und selbstgerechten Schuldzuweisungen (G8-Staatschefs für Armut und Leid der ganzen Welt verantwortlich) gegen den G8-Gipfel agitiert hat. Von der NPD habe ich bislang kaum derart maßlos verhetzende Töne vernommen, aber dennoch schaffen die G8-Demonstranten es irgendwie, sich die NPD vom Hals zu halten. Warum schaffen sie es dann nicht, die linksradikalen Maßlosigkeiten abzustellen? Offenbar doch, weil die Selbstgerechtigkeit und Schuldzuweisung dieser Art Teil des Selbstverständnisses auch der Veranstalter selbst ist.

  39. Rolf Schälike sprach

    Hartmut, ich habe mir den Film (#34) über die Ereignisse in Genua angesehen, und konnte mich nicht den Eindrucks erwehren, dass gerade die neuen Faschisten maßgeblich den “schwarzen” Block sowie die Polizeieinsätze beherrschten.

    Nach wie vor stelle ich mir die Frage: Wem nutzten die Krawalle?

    Allein vor dem Hintergrund dieser Frage wäre ich mir nicht sicher, dass
    die Leute aus dem “scharzen” Block in Rostock keine NPD-Leute oder diesen nahestehenden Leute waren (sind).

    Politisch wird das ebenfalls gesteuert, nicht gerade von meinen Freunden.

  40. Ulla sprach

    Meine Antwort dazu habe ich teilweise dort gefunden http://www.hu-m...php?id=313#text

  41. eule70 sprach

    “Wenn auf der Demo Tausende von Demonstranten gemeinsam die Gewalttäter verbal attackiert hätten, möglichst weit weg von den Gewalttätern gegangen wären und die Polizei zum Handeln gegen die Gewalttäter aufgefordert hätten, dann sähe das Bild in der Presse heute möglicherweise etwas anders aus”.
    Wenn ich die vielen Berichte hier richtig verstanden habe, ist doch während der Demo der Schwarze Block brav mitmarschiert, so dass es keine Veranlassung gab, sie zum Abhauen aufzufordern. Und wenn ich die Kundgebung am Hafen auf Phoenix richtig gesehen habe, fand der Krawall ganz hinten am Rand statt, die meisten Teilnehmer bekamen noch nichts mit und auf der Bühne ging alles seinen Gang (was ich goldrichtig fand, um keine Panik entstehen zu lassen).Nach allen Berichten begann der Krawall urplötzlich, und die Polizei brauchte nicht “zum Handeln gegen die Gewalttäter aufgefordert” zu werden - sie schlug mehr oder weniger gleichzeitig los.
    Das einzig Mögliche hier wäre gewesen, die Schwarzen zu zwingen, ihre Vermummung abzulegen, wozu man allerdings die Hilfe der Polizei gebraucht hätte, und der Krawall wäre schon während der Demo losgegangen; aber er wäre nicht so medienwirksam gewesen, denn dort war das Fernsehen nicht so präsent, und es stand auch kein einsames altes Auto auf leergeräumtem Parkplatz an ungefährlicher Stelle zum Anzünden bereit.
    Ich will sagen: die Veranstalter können nur etwas gegen die Hooligans (ich bleibe dabei, sie so zu nennen) tun, wenn sie die Hilfe der Polizei haben und nicht eine höhere Ebene gerade Bilder von möglichst viel Gewalt haben will.

  42. Hartmut Pilch sprach

    @39, Rolf, das würde bedeuten, dass gewisse faschistische Kreise die Achillesferse der G8-Gegner erkannt und wie ein Virus befallen haben. Die Impfung wäre relativ einfach: man müsste sich von der selbstgerechten Anti-G8-Rhetorik verabschieden, mit der leider auch moderate linke Gruppen für den Gipfel mobilisieren.

  43. Hartmut Pilch sprach

    PS sorry, ich meinte natürlich “gegen den Gipfel” oder “für die Demos”.

  44. Rolf Schälike sprach

    Hartmut: Ich wollte eigentlich ebenfalls nach Rostock, weil mir die Probleme Globalisierung durch meine Arbeit und meine Lebenserfahrung sehr geläufig sind.
    Die Reaktion des Staates im Vorfeld kann ich keinesfalls begrüßen.

    Die acht Abgeschirmten werden die Welt-Probleme allein nicht lösen können, falls die es wirklich wollen.
    Das überdeminsionale Engagement der PDS hat mich jedoch von Rostock abgehalten.
    Möchte von niemanden instrumentalisiert werden.
    Die Rolle der Rechten und des Staates wird mir jetzt erst bewusst.

    An den Losungen störe ich mich nicht. Mich interessieren immer die Taten.

    Schwer genug, alles zu vertsehne.

  45. Ulrich Brosa sprach

    Diesmal habe ich die öffentlich-rechtliche Berichterstattung ziemlich komplett mitbekommen und finde, dass Geschichten von den “Krawallen” oder gar der “Katastrophe von Rostock” übertrieben sind. Bei Schlägereien auf hessischen Dörfern im Gefolge so genannter Dämmerschoppen geschieht oft mehr: http://de.indym...05/179136.shtml

    Richtig im öffentlich-rechtlich Gezeigten waren aber Film-Sequenzen von Polizeieinsätzen, bei denen z.B. Polizisten gegen einen Mann tätlich wurden, der nichts andres tat als “Hört auf!” zu schreien, oder bei denen Polizisten auf am Boden liegende Personen eintraten oder ein Wasserstrahl-Panzer mit großer Geschwindigkeit auf Leute zurasten. Die Bilder enthielten mehr Wahrheit als die Kommentare.

    Dass ein Teil der Rostocker Demonstration von V-Leuten des Rechtsstaats unterwandert wurde, war kaum zu übersehen: http://de.indym...06/180186.shtml

  46. Wie die Reiter-SA. Nur ohne Pferde « Telegehirn sprach

    […] bezahlt und ausgerüstet von der CIA, gelang, den gerechten Protest, der Übergerechten zu sabotieren. Morgen mehr […]

  47. Hartmut Pilch sprach

    @44, Mit den Losungen bestimmt man weitgehend, was aus dem Protest wird. Wenn man G8 und andere Gipfel als Treffen der Achse des Bösen bekämpft, die für alles Elend dieser Welt verantwortlich ist, wird fast zwangsläufig Protest der Art herauskommen, die wir erlebt haben.

  48. Hartmut Pilch sprach

    Marco Pannella von der Radikalen Partei Italiens macht zur Abwechslung mal eine Pro-USA und Pro-Bush-Demo in Rom. Die Radikalen sind alles andere als Bush-Freunde, aber sie machen das, um ein Zeichen gegen die Hass-Demos zu setzen, als deren billiges Ziel Bush gewählt wird. Sie sagen damit: die USA sind (ebenso wie viele andere) ein befreundetes Land, und wenn die Amerikaner in einer Wahl diesen Präsidenten wählen dann achten wir das und empfangen ihn als einen Staatsgast.

    Es ist schon erstaunlich, dass man heutzutage radikal sein muss, um zu dieser grundlegenden Einsicht zu gelangen.

  49. Hartmut Pilch sprach

    Die Erklärung der Radikalen Partei Italiens findet sich unter
    http://www.quad...d&nid=15232

    Dort wird die zugleich von anderen geplante Anti-Bush-Demonstration als Hass-Demo, der Bush nur als Projektionsfläche für einen Hass auf die Welt diene, kritisiert.

    Pannella hat vor ein paar Monaten mit einem lebensgefährlichen Hunger- und Durst-Streik eine weltweite Kampagne gegen die Todesstrafe losgetreten und vor 2 Wochen für die Rechte von Homosexuellen in Moskau demonstriert. Das sind Leute, die sehr häufig zum Mittel der Demonstration greifen, aber sich ärgern, wenn das von Hass-Demonstranten wie denen vom 9. Juni in Rom (und wohl auch jetzt in Rostock) entwertet wird.

    Und genau da liegt das Problem: Anti-G8 ist von Anfang an als Hass-Demo der Selbstgerechten konzipiert worden, und vielleicht ist es auch schwer, eine solche Demo überhaupt anders aufzuziehen, selbst wenn man wollte.

  50. Mein-Parteibuch.com » Deeskalationsstrategie mit Agent Provocateur sprach

    […] letzten Sonntag hat Mein Parteibuch gefragt, wer für die Diskreditierung des G8-Protestes durch die gewalttätigen Ausschreitungen bei […]

  51. mein-parteibuch.com » A, Ba, Bu und raus bist du - Stefan Aust muss gehen sprach

    […] Mathias Müller von Blumencron von der Johanna-Quandt-Stiftung würde als neuer Chef beim führenden deutschen Märchenblatt sicher eine ebenso gute Figur abgeben wie Giovanni di Lorenzo von Holtzbrincks zeitloser […]

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