Gestern hat Mein Parteibuch sich darüber empört, dass die Massenmedien in Deutschland das deutsche Volk in Bezug auf Venezuela systematisch belügen und von einer irgendwie ausgewogenen Berichterstattung keine Rede sein kann. Mein Parteibuch fordert alle Leser auf, die Fakten selbst zu überprüfen. Das lohnt sich, denn hat man einmal erkannt, was bereits längst widerlegte Lügen sind und was umstritten ist, so lassen sich leicht diejenigen identifizieren, die einseitig berichten und Lügen verbreiten.
Wer die Fakten selbst nachgeprüft hat - bitte selbst recherchieren und nicht Massenmedien glauben - , und zu der Erkenntnis gelangt ist, dass nahezu alle Massenmedien in Deutschland im Gleichklang lügen und einseitig berichten, wird sich möglicherweise fragen, ob es sein kann, dass jemand die Macht hat, diese gigantische Lügenkampagne gegen Hugo Chavez gezielt zu inszenieren. Das Parteibuch Wiki bietet hierzu im Artikel CIA eine mögliche Erklärung an:
Ex-CIA-Direktor William Colby erklärte 1988 Nachwuchsagenten, dass die CIA die Massenmedien steuert und kontrolliert, indem sie dort sämtliche einflussreiche Personen “besitzt”, mit den Worten: “The Central Intelligence Agency owns everyone of any significance in the major media.”
Muss das so sein? Nein. Aber als Arbeitshypothese wird man das sicher verwenden dürfen. Ein Motiv hat die Regerung der USA ganz offensichtlich, denn sie hat am 11. April 2002 ganz offen den von RCTV angeführten Militärputsch gegen die demokratisch gewählte Regierung von Hugo Chavez unterstützt. Geht man von der Arbeitshypothese aus, dass die CIA hinter der Lügenkampagne gegen Venezuela steckt, dann ließe sich dadurch, dass man schaut, wer an der Lügenkampagne beteiligt ist, ein beträchtlicher Teil des medialen Netzwerkes der CIA und ihrer Partner aufdecken.
Angeführt wurde die Desinformationskampagne von den Presseagenturen DPA und AFP. Aber auch Reuters lügt in dieser ansonsten durchaus vertretbaren Meldung einmal, denn Hugo Chavez hat nicht angeordnet, dass RCTV seinen Betrieb einstellt. An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass Nachrichtenagenturen intransparent sind, üblicherweise nicht einmal ihre Meldungen mit den Namen der Verfasser zeichnen und sich deshalb geradezu ideal für Nachrichtendienste eignen, um den Tickern - und damit vielen Hundert Zeitungen - Desinformationen unterzuschieben.
Wenn die deutsche Milliardärspresse der Familien Springer (Bild, Welt, BZ, Hörzu, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost ua), Mohn (RTL, Spiegel, Stern, Financial Times Deutschland, Brigitte ua), DuMont (Kölner Stadt-Anzeiger, Express, Frankfurter Rundschau, Mitteldeutsche Zeitung) und Holtzbrinck (Tagesspiegel, Handelsblatt, Die Zeit) bei der Desinformationskampagne begeistert mitmacht, überrascht das vermutlich niemanden. Schließlich richtete sich die Nichtverlängerung der Erlaubnis zur Nutzung der terristischen Frequenzen des Senders RCTV geradewegs gegen den Missbrauch der Medienmacht von Milliardären der Medienbranche. Auf den Einzelnachweis der Desinformation in den Hunderten von Blättern, mit denen diese Familien Meinung in Deutschland machen, soll an dieser Stelle aus Zeit- und Platzgründen verzichtet werden, und der geneigte Leser ist dazu aufgerufen, das selbst zu überprüfen.
Beispielhaft für die Meinungsmache in den Sprachrohren der Milliardärsfamilien sei hier nur auf den Artikel “Chávez’ Feldzug gegen die Medien” von Klaus Ehringfeld in der kleinen, ach so linken Frankfurter Rundschau verwiesen, der die Message der Desinformationskampagne seinen Lesern bereits im Titel vermittelt. Die journalistische Agenda von Klaus Ehringfeld wurde von Harald Neuber in der kleinen Internetzeitung NRhZ gewürdigt. Vielleicht hält das für Visa zuständige kubanische Ministerium das Zitat von William Colby ja für wahr, und schaut deshalb bei Journalisten ganz genau hin. Klaus Ehringfeld beruft sich in seinem Artikel ausgerechnet auf den Amerika-Chef von Reporter ohne Grenzen, einer Organisation, mit der Mein Parteibuch auch schon Bekanntschaft gemacht hat:
Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) warnte vor einer Einschränkung der Pressefreiheit in Venezuela: “Welcher Fernsehsender außer Globovisión bleibt übrig, der die Regierung von Herrn Chávez kritisieren kann?”, sagte der Amerika-Chef von RSF, Benoit Hervieu.
Auch der deutsche BND-Funk Regierungssender DW-World nutzt in seinem Beitrag “Ein gewaltiger Fehltritt von Hugo Chávez” den guten Ruf von “Reporter ohne Grenzen”, um den Medienkonsumenten eine Kampagne gegen Presse- und Meinungsfreiheit unterzujubeln.
Schön, dass das nochmal so deutlich wurde. Um den Zusammenhang in Bezug auf die durch das Zitat von William Colby begründete These gegenzuchecken, lohnt es sich den Artikel aus dem Jahre 2005 von Rolf Streck bei Telepolis mit Titel “Reporter ohne Grenzen im Dienste des US-Außenministeriums?” zu lesen. Da bleiben kaum Fragen offen.
In Österreich hat Wolfgang Greber bei der Styria Medien AG (die presse) einen Beitrag zur Desinformationskampagne abgeliefert, dessen Programm schon im Titel steckt: “Venezuelas Präsident wird zum Diktator“. Lustigerweise hat er so dick aufgetragen, dass offenbar, wie die Kommentare zeigen, einige Leser ihm nicht mehr glauben.
Die Süddeutsche Zeitung, die offenbar gerade als Braut für eine der Milliardärsfamilien hübsch gemacht wird, leistet ihren Beitrag zu der Desinformationskampagne durch Verbeitung einer mit (AFP/AP/dpa) gekennzeichneten Meldung mit Titel “Gewaltsame Auseinandersetzungen in Venezuela“. Spätestens der Satz “Regierungsanhänger feierten die Abschaltung des Senders RCTV, weil dieser ebenso wie die konservative und liberale Opposition den Regierungsstil des Präsidenten kritisiert hatte.” ist eine glatte Lüge.
Positiv überrascht hingegen heute ausgerechnet Tagesschau.de aus dem Sektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Zwar wird dort Hugo Chavez im Artikel mit dem Titel “Venezuelas Präsident attackiert weiteren Sender” scharf kritisiert, doch wird in dem Artikel auch der deutsche Botschafter in Venezuela, Georg Dick, zitiert, der gegenüber der ARD sagte, dass die großen Printmedien weiterhin “sehr oppositionell” zur Regierung seien und es außerdem noch weitere Radio- und Fernsehsender gebe, die nicht regierungsnah seien. Das ist durchaus vertretbarer Journalismus.
Also, ist das erwiesen, dass die Lügenkampagne gegen die demokratisch gewählte Regierung von Venezuela von der CIA gesteuert wird? Nein. Aber als Arbeitshypothese mag das jeder, der in Zukunft mit Medienmanipulation in Deutschland oder Psychologischer Kriegsführung, wer weiß das schon so genau, konfrontiert wird, im Hinterkopf behalten.
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@mumba
Das Märchen vom SPD-Medienimperium ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie Desinformation in Deutschland funktioniert. Schau mal beim Wikipedia Eintrag zur DDVG, aus welchen Minderheitsbeteiligungen an was für Käseblättern das “SPD-Medienimperium” besteht.
Aber mach Du doch mal eine Analyse von dem, was die Käseblätter, an denen die SPD über die DDVG beteiligt ist, derzeit zu Venezuela schreiben. Vermutlich gar nichts - sie drucken einfach nur die Propaganda, die von den Büros der Nachrichtendienste über die Ticker Nachrichtenagenturen in die Nachrichtenredaktionen einspeist werden.
Also such’ Du ruhig mal ein paar Artikel raus und mach mal eine Analyse. Genau dazu hatte Mein Parteibuch ja aufgerufen - also, nur zu.
Hier ein Anfang: die Westfälische Rundschau bringt in zwei Artikeln (hier, hier)die Desinformation der dpa. Das passt zum korrupten Gewerkschafter der privaten Ölfirma, bei der jährlich viele Mrd Dollar durch Korruption geklaut wurden, der die Demo für die Putschisten im April 2002 in Venezuela angeführt hatte.
Sie schreiben, dass die SPD-Medienbeteiligungen ein Märchen seien.
Ich setze mal voraus, dass Sie Wikipedia als erste einfache Quelle akzeptieren:
http://de.wikip...agsgesellschaft
Zitat:
Beteiligungen an “über
70 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von über 6 Mio. Exemplaren und 12 Mio Lesern”.
Die SPD-Medienbeteiligung ist also -wie von Ihnen behauptet - kein Märchen.
Zwar wird in Wikipedia festgestellt, dass lt. externer Gutachten keine direkte Einflussnahme seitens der SPD versucht wird - aber es liegt wohl in der Natur der Sache, dass die jeweiligen Unternehmen auch nicht gegen ihre Gesellschafter agieren werden?
Wäre es umgekehrt - wäre beispielsweise die CDU entsprechend an Medien beteiligt - würden Sie selbst doch zweifellos entsprechende Einflussnahmen unterstellen?
Don Quichote?…
Jemandes Parteibuch weist darauf hin, dass, nun, sagen wir mal, nicht alle Informationen in den Massenmedien unseres Landes journalistischen Standards entsprechen.
Das Problem, das sich dabei auftut: Die Leute, denen man das sagt (so wie ich Jürgen…
@Marcel: Traditionell lügen doch beide Seiten bis sich die Balken biegen.. Was hälst du den von dem Film “X-Ray of a lie”?
http://video.go...761249364089950
@Peterle
Interessant ist, dass “X-Ray of a Lie” betonen möchte, dass Gewerkschaftschef “Carlos Ortega” von CTV einer der Anführer des Putsches gewesen sei, und der Staatsstreich, mit dem sich der Chef der Arbeitgebervereinigung Pedro Carmona zum ungewählten Präsidenten gemacht hat, deshalb irgendwie legitim gewesen sei. Damit soll suggeriert werden, wenn Arbeitgeber-Chef und Gewerkschafts-Chef gemeinsam etwas wollen, dann ist das das Volk.
Hier in Deutschland ist es dank des Auffliegens der Nutten-Korruption von Hartz und Konsorten inzwischen einfach geworden, zu verstehen, dass die Gewerkschaften nicht unbedingt an der Seite derer stehen, die sie zu vertreten vorgeben.
CTV-Chef Carlos Ortega war es, der am 11. April den Demonstrationszug der Opposition frontal auf den Präsidentenpalast und damit die Gegendemonstration von Pro-Chavez-Leuten zuführte. Grund für den Marsch war die Ernennung eines neuen Chefs der Ölgesellschaft PDVSA, weil beim vorherigen zig-Milliarden Dollar, die an den Staat hätten gezahlt werden müssen, in bester Siemens-Manier einfach verschwunden sind. Mit im Boot waren die putschenden Militärs, die schon vor dem Aufeinandertreffen der Demonstrationszüge - und vor den Todesfällen - die Erklärung einstudiert hatten, dass sie die Macht aufgrund der Todesfälle bei der von “Gewerkschaftschef” Ortega gführten Demonstration übernehmen.
Der gewaltsame Umsturz der gewählten Regierung unter kompletter Missachtung der Verfassung wird in dem Film übrigens als “einige verfassungsrechtliche Irrtümer” bezeichnet.
Die Untersuchung, mit der die in “X-Ray of a Lie” vorgebrachte Kritik im wesentlichen als Lügen entlarvt wurden, kann sich jedermann im Film “Llaguno Bridge: Keys to a Massacre” anschauen. Dabei wird insbesondere das Märchen der Llaguno Bridge als Lüge entlarvt, mit dem behauptet wurde, dass blutrünstige Chavez-Anhänger unbegründet auf Demonstranten oder Polizisten geschossen hätten. Dort wird sehr plausibel erklärt, warum die Opfer der Sniper-Attacken den Freispruch der Männer forderten, die von den “X-Ray of a Lie” beschuldigt wurden, auf sie geschossen zu haben.
Tatsächlich haben Polizisten und Sniper beim Sturm auf den Präsidenten-Palast auf Pro-Chavez Demonstranten geschossen und viele davon ermordet. Einige der Polizisten sind danach übrigens in die USA geflüchtet und hat dort politisches Asyl bekommen.
Insgesamt zeigen die von RCTV gesponsorten “X-Rays of a Lie”, dass die Desinformationskampagne fortgesezt wird. Gut gemacht, aber leider nicht wahrheitsgemäß.
Berechtigt ist allerdings die Kritik, dass auch “The Revolution Will Not Be Televised” Bilder verwendet hat, die gut in den insgesamt richtig dargestellten Plot der Geschichte passten, aber eben nicht von den Ereignissen stammten, die sie vorgaben, zu erklären. Insofern ist hier tatsächlich der Vorwurf der Lüge richtig. Nur stimmt die Geschichte, wie gerichtliche Untersuchungen und “Llaguno Bridge: Keys to a Massacre” zeigen, ansonsten im Gegensatz zu den bei RCTV verbreiteten Sachen anscheinend im wesentlichen. Das ist auch der wesentliche Grund dafür, dass Hugo Chavez bei den letzten Wahlen Stimmenanteile hinzugewonnen hat.
Die Geschichte in Venezuela ist überaus aufschlussreich, um zu erkennen, wie psychologische Kriegsführung mit Fernsehbildern betrieben wird und welche gewaltige Macht von falschen und suggestiven Fernsehbildern auch im 21. Jahrhundert noch ausgeht.
[…] hatte die Operative Information der Massenmedien zum Thema Venezuela bereits am 30.05.2007 als psychologische Kriegsführung bezeichnet. Jan Rechlitz hat nun an die Redaktion des heute-jounals einen netten offenen Brief […]
[…] dargestellt und von “Betonung” kann schon mal gar keine Rede sein. Dass ihm die psychologische Kriegsführung in Venezuela nicht gänzlich fremd ist, zeigen die folgenden Sätze: RCTV – und auch da haben Sie […]
[…] zweitranig sind. Um das zu wissen, muss man nicht den von den USA unterstützten gescheiterten Putschversuch gegen die der US-Regierung nicht genehme, aber demokratisch gewählte Regierung vo… kennen. Schließlich war 1976 trotz des von der CIA gesteuerten Journlismus bereits bestens […]
[…] zweitranig sind. Um das zu wissen, muss man nicht den von den USA unterstützten gescheiterten Putschversuch gegen die der US-Regierung nicht genehme, aber demokratisch gewählte Regierung von Ve… kennen. Schließlich war 1976 trotz des von der CIA gesteuerten Journlismus bereits bestens […]
[…] steht das auch in der Welt. Nette Idee, für solche “nachrichtendienst-nahe” “operative Information” müsste jeder Leser ein Schmerzensgeld bekommen. Und eigentlich müssten Zeitungen […]