Katze

Mein Parteibuch BlogNo Copyright - Kopieren erlaubt

Ein Internet-Tagebuch mit Katzenbildern

[Mission Statement] [Krieg ist illegal]

[International]   [Headlines]   [Forum]   [Wiki]   [Ticker]   [Mitmachen]

30. April 2007

Märchenstunde mit Focus

von @ 3:44. abgelegt unter Presseschau, Iran, Medienmanipulation, Israel, Focus

Mit dem Slogan “Fakten, Fakten, Fakten” wirbt das deutsche Nachrichtenmagazin Focus. Nach der Posse um den Journalisten Josef Hufelschulte gab es über den Focus, den Mein Parteibuch natürlich nie als Hausblatt des Bundesnachrichtendienstes verspotten würde, am letzten Wochenende wieder viel zu lachen. Diesmal geht es um ein Gespräch, dass der ansonsten als Unterstützer der Neocons bekannte Journalist Amir Taheri, dessen lustige Geschichten im Stile von 1001 Nacht bereits weltberühmt sind, mit dem für seine lustigen Interviews ebenso wie für seine Integrität weltbekannten israelischen Premierminister Ehud Olmert geführt hat.

Zu dem Gespräch hat der Focus bereits am Samstag Vormittag unter dem Titel “Israel droht Iran mit Angriff auf Atomanlagen” auf seiner Webseite eine auch heute noch im Google-Cache auffindbare Vorabmeldung gebracht, in dem Ehud Olmert zitiert wurde, dass es technisch machbar sei, das iranische Atomprogramm durch einen zehn Tage dauernden und den Einsatz von tausend Tomahawk-Marschflugkörpern erfordernden Militärschlag um Jahre zurückzuwerfen. Als die Schlagzeile gerade um die Welt gegangen war, wurde die Schlagzeile, wie in einer anderen Seite des Google-Caches zu sehen ist, von der Focus-Redaktion in “Israel verschärft Ton gegenüber Iran” umgewandelt. Inzwischen ist die Vorabmeldung des Focus von der Webseite des Focus ganz verschwunden.

Über die Verwandlungskünste dieser verschwundenen Focus-Schlagzeile erschien später am Samstag bei n-tv ein Artikel mit Titel “Geschichte einer Schlagzeile“. Und darin erfahren die Leser vom n-tv Korrespondenten in Jerusalem Ulrich W. Sahm von einer nicht namentlich bezeichneten Sprecherin des israelischen Ministerpräsidentenamts, die zur größten Schlagzeile des Tages in Israel erklärt haben soll, Ehud Olmert habe mit dem “Focus”-Reporter zwar ein „Hintergrundgespräch, nicht zum Zitieren“ geführt, doch die bei “Focus” zitierten Sätze seien „nicht gefallen und niemals von Olmert gesagt worden“.

Weiter informiert der n-tv Korrespondent Ulrich W. Sahm theatralisch, dass er mit Miri Eisin, der Sprecherin Olmerts telefoniert habe, diese dabei wütend, bestürzt und sogar verängstigt klang und erklärte, sie würden prüfen, ob sie “Taheri wegen Betrugs verklagen sollten”. Außerdem soll Miri Eisin Ulrich W. Sahm zufolge erklärt haben, dass Taheri „weder Notizen gemacht, noch das Gespräch mitgeschnitten“ habe, aber ein Mitschnitt von Olmerts Gespräch mit Taheri existiere, dass sie diesen aber erst am Sonntag prüfen könne.

Aufgrund eines Telefonates mit Amir Taheri weiß n-tv Korrespondent Ulrich W. Sahm außerdem zu berichten, dass auf Bitten von Taheri der Text bei Focus-Online gelöscht worden sei, „weil die Dinge da aus dem Kontext gerissen worden sind“. Der israelische Armee-Rundfunk soll jedoch Ulrich W. Sahm zufolge bereits gemeldet haben, dass nach einer Absprache zwischen dem israelischen Ministerpräsidentenamt und Focus-online das problematische Interview wieder zurückgezogen worden sei, als die umstrittene Vorabmeldung des Focus noch Online war.

Die Washington Times und viele andere Zeitungen veröffentlichten demgegenüber am Samstag eine Pressemitteilung von United Press International unter Berufung auf den Focus, derzufolge der Focus-Online Artikel aufgrund von Übersetzungsfehlern gelöscht wurde.

Bemerkenswert ist, dass die unterschiedlichen Versionen sich ausschließen. Bestehen bleibt einzig der Eindruck, dass es gerade unter Zeitdruck schwer ist, Lügen so abzusprechen, dass gewohnheitsmäßige Lügnerei nicht offensichtliche erkennbar ist.

Beim Focus klappt das mit dem Absprechen jedoch auch dann noch nicht richtig, wenn mehr Zeit da ist. Denn lustigerweise hat der Focus nun das “ganze” Interview veröffentlicht. Gemeint ist damit vermutlich eine ganze Foucs-Version, über die Ehud Olmert dank eines in der Fachsprache auch “Streichkonzert” genannten Autorisierungsvorgangens nicht mal zum Schein böse sein muss, und nicht die von Miri Eisin erwähnte Aufzeichnung des Gespräches, die nun nach den vielen Märchen wirklich interessant wäre.

Im Einleitungstext zum Interview erwähnt die Focus-Redaktion zwar, dass das Interview viel Wirbel verursacht habe, verrät aber nicht, warum die Vorabmeldung gelöscht wurde. Dafür erklärt der Focus, dass das Büro des Ministerpräsidenten behauptete, dass es sich bei dem Treffen mit Amir Taheri um ein Hintergrundgespräch und nicht um ein Interview gehandelt habe.

Den schwarzen Peter der widersprüchlichen Verlautbarungen bekommt im Interview zuvorderst die nicht namentlich genannte israelische Ministeriumssprecherin, denn die Sätze, die laut Ministeriumssprecherin „nicht gefallen und niemals von Olmert gesagt worden“ sind, finden sich nun doch im Interview. Lustig wird das Interview auf Seite 3. Da soll “FOCUS” angeblich gefragt haben: “Was beunruhigt Sie?” und Olmert geantwortet haben: “Das gehört nicht in die Medien.” Für ein vertrauliches Hintergrundgespräch, wie das Büro von Ehud Olmert das “Interview” angeblich dargestellt hat, ist das eine wirklich bemerkenswerte Antwort.

Gegen das, was Focus und Ehud Olmert den Lesern so auftischen, wirkt die zugehörige Meldung der Nachrichtenagentur ISNA aus dem Iran geradezu glaubwürdig. Dort wird der iranische General Alireza Afshar zitiert, der sagt, dass er die Äußerungen von Ehud Olmert als nichts anderes als den Versuch der Verbreitung von Propaganda zur psychologischen Kriegsführung der USA wahrnimmt und der Iran sich durch Israel nicht bedroht fühle.

Die Theorie, dass es sich bei dem verunglückten Interview um eine gezielte und geplante Geheimdienstoperation unter Mitwirkung von Journalisten handelt, ist angesichts der vielen aufgeflogenen Lügen kaum weniger wahrscheinlich als die anderen widersprüchlichen Versionen der Geschichte. Obwohl das dann wohl eher schief gegangen wäre, soll aber bitte keiner sagen, es sei alles die Schuld der Deutschen oder das Kürzel BND stünde für Blöde Nichtsnutzige Deutsche. ;-)

7 Kommentare zum Beitrag “Märchenstunde mit Focus”

  1. Lara sprach

    Hö hö…

    Sahm im journalistischen Kampfanzug zur Rettung der “Ehre” des Spitzenreiters unter demokratischen Staatschefs - zumindest, was Korruptionsvorwürfe betrifft. Besonders lächerlich ist seine Behauptung, dass Olmert mit Waffen drohe, die Israel gar nicht habe und damit suggerieren will, dass es gar nicht so sein könne, wie vom Focus dargestellt (siehe: http://n-tv.de/...0/msg508573.php). Als ob die USA nicht jede Waffe liefern würden, wenn sie nötig wäre, um den Iran in eine Glasplatte zu verwandeln.

    Lächerlich, dieses israelische Megaphon - nur noch übertroffen vom pöbelnden Broder.

  2. Meudalherr sprach

    Irgendwie scheint es sehr weit verbreitet zu sein, dass viele Bürger bei dem Wort Bundesnachrichtendienst an den Focus denken. Aber an den WDR wird dabei möglicherweise nur ausnahmsweise gedacht.

  3. Solon sprach

    Wozu braucht Israel auch irgendwelche Waffen? Der Iran ist doch das friedlichste Land der Welt. Dass der Iran offiziell und öffentlich als einziges UNO-Mitglied einem anderen UNO-Mitglied die Auslöschung angekündigt hat, ist sicherlich reine Propaganda.

  4. Franz-Josef Hanke sprach

    Der Name Bundes-”Nachrichten”-Dienst sagt schon alles. Das “Nachrichten”-Magazin Focus residiert dann auch gerade noch in München unweit der alten Zentrale in Pullach.
    Aber beide haben natürlich nichts miteinander zu tun!
    Die übermenschliche Kompetenz des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert hat jüngst der kommissionsbericht zum Libanon-Krieg offenbart. Das Peter-Prinzip in der Politik feiert mit ihm und George W. Bush fröhliche Urständ!
    Nein zum Krieg!
    fjh

  5. Mein Parteibuch sprach

    @Meudalherr
    Je mehr man sich mit dem Thema Nachrichtendienst auseinandersetzt, desto eher entsteht der Eindruck, dass die Nachrichtendienste alle wichtigen Medien regelrecht steuern. Dass der Bundesnachrichtendienst dort immerhin bei den Journalisten vorgesprochen hat, um mehr Material zu bekommen, ist schon fast ein gutes Zeichen. Zeigt es doch, dass der BND sich im WDR offenbar nicht so frei bewegen kann, dass er einfach alles abgreifen kann.

    @Solon
    Ganz so einfach ist der nahe Osten nicht.

    Vielleicht braucht Israel so viele Waffen, um zu verhindern, dass aus dem heutigen Staatsgebiet von Israel vertriebene Palästinenser zurück in ihre Heimat kehren, dann dort an Wahlen teilnehmen und der derzeitigen Führung von Israel nicht genehme Parteien wählen?

    Bei einer Rückkehr der Flüchtlinge würde das Wort “Israel” wohl tatsächlich von der Landkarte verschwinden und stattdessen durch das Wort “Palästina” ersetzt werden. Die Äußerung von Mahmud Ahmadinejad als eine militärische Drohung seitens des Iran zu übersetzen, ist tatsächlich reine Propaganda.

    Die legitimen Interessen der palästinensischen Flüchtlinge auf Heimat mit den legitimen Interessen der Israelis auf Selbstbestimmung unter einen Hut zu bringen, ist die vermutlich größte Aufgabe der Politik für diese Region. Die Verbeitung von platter Propaganda, gleich ob Pro-Israel oder Pro-Palästina, ist zur Lösung der Probleme im nahen Osten sicherlich ebensowenig hilfreich wie es der Libanonkrieg 2006 war.

    Ach so, bevor hier Missverständnisse zur Position der Redaktion von Mein Parteibuch zu Mahmud Ahmadinejad aufkommen. Mahmud Ahmadinejad leitet ein mörderisches Regime, dass Menschen, wie es auf der Seite Stop-Honour-Killings dokumentiert ist, häufig wegen Nichtigkeiten hinrichten lässt, er verleugnet, wie es in seinem Weblog nachzulesen ist, die geschichtliche Tatsache des Holocaust, aber mit einem Angriffskrieg gegen Israel hat er, glaubt man denjenigen, die sich mit den Worten in persisch intensiver auseinandergesetzt haben, nicht gedroht.

  6. Daniel sprach

    Sahm? Das ist doch einer der Zionisten von Honestly Concerned, die jeden gleich mit Antisemitismus-Schleim vollrotzen, wenn sich jemand kritisch über Israel und dessen Regierung äußert. Aber muss n-tv selbst wissen, wenn sie dieses israelische Megaphon für zionistische Propaganda auf der Gehaltsliste haben wollen.

    MfG

    Daniel

  7. Deutschland-Debatte.de sprach

    […] nicht mainstreamartig den möglichen Begehrlichkeiten des Bundespresseamtes oder des BND nachzulaufen ( siehe Kommentar von “mein Parteibuch” ). Daher erlauben wir uns wieder einmal, Lesermeinungen des obigen Artikels hier darzustellen und […]

Kommentieren (Erlaubte Tags)

Explosive Würste
Explosive Würste
Copyleft2008 Lurusa Gross

Mirrors

Recherche

Netradio

Aktionen

Parteibuch Forum

Letzte Kommentare

Ältere Beiträge

Archiv

April 2007
M D M D F S S
« Mrz   Mai »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  

Literaturtip

Tod im Milliardenspiel

Umfrage zu 9/11

Werbung

Information zu
Internetvictims

Kapitel

Sonstiges

Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei

Sponsored Links

RSS-Feeds

Information zu Gaza

Termine

Neu im Parteibuch Wiki

Parteibuch Ticker (Feed)

International (Feed)

Media News Clips

Counter & Stuff

[21 queries. 3.179 seconds. 10 level2 caches. Top ]