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30. April 2007

George Soros legt sich mit der AIPAC an

von @ 13:05. abgelegt unter Außenpolitik, USA, Lobbyismus, Israel

In einem bei The New York Review of Books mit Datum vom 12. April 2007 versehenen Artikel mit Titel On Israel, America and AIPAC legt sich der international bekannte Finanzspekulant und Förderer einer offenen Gesellschaft George Soros frontal mit einer der mächtigsten Lobby-Organisationen der Welt an.

Mit dem jüdischen Milliardär George Soros scheint das American Israel Public Affairs Committee nun einen Gegner gefunden zu haben, der sich vermutlich nicht so leicht ins Boxhorn jagen lässt wie von einer positiven öffentlichen Darstellung in Massenmedien abhängige Politiker oder um ihre finanzielle Existenz fürchtende Wissenschaftler.

Als die angesehenen Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt im letzten Jahr ihr Arbeitspapier “Die Israel-Lobby und die US-Aussenpolitik” (englischsprachiges Original hier als pdf, 1,2 MB) veröffentlicht haben, in dem sie auf Einschüchterungskampagnen unter Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfes aufmerksam machten, brach ein Sturm der Empörung über sie herein, dessen Aggressivität die in ihrem Arbeitspapier öffentlich gemachte Kritik eindrucksvoll bestätigte.

Eine sachliche öffentliche Debatte über das Für und Wider von Lobbyorganisationen wie der AIPAC war unter diesen Bedingungen kaum zu führen. Durch den Artikel von George Soros, den er anlässslich der seiner Meinung nach unsinnigen Gesprächsverweigerung der israelischen Regierung gegenüber der Hamas geschrieben hat, scheint sich das Blatt zu wenden und eine Art Debatte in Gang zu kommen. Zwar wurden die in Großbritannien gegründeten ‘Independant Jewish Voices’, deren Ziel eine offene Debatte ist, beispielsweise auch unter dem Titel ‘Jews for genocide’ attackiert, jedoch scheint sich, folgt man den Diskussionen in den auf der Webseite der ‘Independant Jewish Voices’ verlinkten Artikeln , inzwischen ein sachlicher Ton zu entwickeln.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Dialog Früchte trägt und Kritik an der Politik der israelischen Regierung und der ihr scheinbar blind folgenden Politiker in änderen Ländern wie die von Uri Avnery zukünftig in der ganzen Welt geäußert werden kann, ohne dass danach reflexartig ad personam geführte Schmutzkampagnen unter dem Missbrauch von Vorwürfen des Antisemitismus folgen.

15 Kommentare zum Beitrag “George Soros legt sich mit der AIPAC an”

  1. Franz-Josef Hanke sprach

    Hallo,
    die Wegwischung jeglicher Kritik an der israelischen Regierungspolitik mit dem Vorwurf des Antisemitismus ist ein trauriger Ausdruck von Rechthaberei. Im Ergebnsis gerät dieses Verhalten sogar selbst zu einer indirekten Form von Antisemitismus, da es die antijudaischen Kreise in ihrer Verschwörungstheorie zu bestätigen scheint.
    Der jüngste Bericht über den Libanon-Krieg bestätigt dabei doch die Begründetheit heftiger Kritik am israelischen Premierminister Ehud Olmert und seinem “Verteidigungsminister” Amir Perez.
    Das “Peter-Prinzip” in der Politik kann man an Olmert ebenso deutlich erkennen wie am US-Präsidenten George W. Bush. Beide haben die höchste Stufe ihrer Inkompetenz erreicht: Sie sind ganz oben!
    Nein zum Krieg!

  2. Ulrich Brosa sprach

    Wenn ich im US Department of State etwas zu sagen hätte, würde ich auch Israel bevorzugen. Verglichen mit den Staaten ringsum ist Israel das weitaus kleinere Übel. Auch im Vergleich mit der BRD ist Israel insofern besser, als es in Israel schwieriger ist Meinungsäußerungen zu unterdrücken. Ich schreibe das als einer, der längere Zeit in Israel gearbeitet hat, sich dort nicht anders verhalten hat als hier und die Verhältnisse im Nahen Osten aus eigener Anschauung kennt.
    Andererseits dürfen Menschenrechtsverletzungen, auch wenn sie von israelischen Militärs begangen werden, nicht geduldet werden. Ich bin deshalb froh, dass es Leute wie Uri Avnery und israelische Menschenrechtsorganisationen wie http://www.btselem.org/ gibt.

  3. Daniel sprach

    Orthodoxe Juden sind von dem Treiben der Zionisten ohnhin nicht begeistert, bspw. Neturei Karta: http://www.nkus...62002german.cfm

    MfG

    Daniel

  4. Mein Parteibuch sprach

    @Ulrich
    Dass vieles in Israel besser funktioniert, als in den Staaten ringsherum, ist vermutlich unbestreitbar. Auch ist es durchaus nachvollziehbar, dass die USA schon deshalb eine besonders enge Beziehung zu Israel haben. Auch bezüglich der Meinungsfreiheit sieht es in Israel vermutlich deutlich besser aus als in den Ländern ringsherum. Der von Mearsheimer/Walt an israelische Lobby-Organisationen gemachte Vorwurf lautet aber nicht, die Meinungsfreiheit in Israel einzuschränken, sondern die Meinungsfreiheit in den USA zu behindern, damit ganz bestimmte politische Gruppen in Israel ohne öffentliche Diskussion in den USA unterstützt werden.

    George Soros wirft der AIPAC auch nicht vor, Israel zu unterstützen, sondern durch Negative Campaigning eine einseitige US-Politik zugunsten einiger weniger israelischer Gruppen durchzusetzen, weder im Interesse der USA liegt noch dem Frieden dient, sondern ausschließlich für eine kleine Gruppe von Hardlinern in der israelischen Regierung und arabischen Terrororganisationen nützlich ist.

    Auch bei der Kritik der ‘Independant Jewish Voices’ an der AIPAC und ähnlichen Lobby-Gruppen wie dem BJC geht es - von den übel riechenden Methoden des Negative Campaigning mal ganz abgesehen - nicht darum, dass die USA, die EU und Großbritanien Israel nicht unterstützen sollte, sondern darum, dass Lobbygruppen wie die AIPAC nicht im Wege einer Art “Ordre par Mufti” bestimmen dürfen, was das israelische Interesse ist, dass es zu unterstützen gilt. Der Freidensaktivist Uri Avnery beispielsweise wird von der AIPAC im Gegensatz zum Likud-Mann Ehud Olmert nicht unterstützt. Im Gegenteil, Uri Avnery zu unterstützen gilt bei der AIPAC als geradezu ketzerisch und kann leicht zu Negative Campaigning führen.

    Lobby-Organisationen wie die AIPAC verhindern in den USA sehr effektiv, dass beispielsweise Präsidentschaftskandidaten sich für die Unterstützung von gemäßigteren Kräften in Israel einsetzen. Wer das als Präsidentschaftskandidat machen würde, kann seine Kandidatur wegen dem zu erwartenden Gegenwind der AIPAC gleich vergessen.

  5. DaRockwilda sprach

    @Marcel:

    Der Artikel von Soros ist schon seit Ende März online. Leider beschränkt sich Soros augenscheinlich auf Worte. Wenn er wirklich etwas verändern wollen würde am Würgegriff der Israellobby, dann würde er beispielsweise öffentlich zum Ausdruck bringen, dass er die Spendengelder aufbringen wird, die reiche zionistische Falken der (vorwiegend jüdischen) Brandeis-Universität wegen ihrer Einladung Jimmy Carters vorenthalten haben:

    http://politblo...er-auftritt.htm

  6. Mein Parteibuch sprach

    @DaRockwilda
    Hier leigen keine Informationen dazu vor, ob die Brandeis University ihre Finanzlücke anderweitig schließen konnte oder ob George Soros zu den Förderern dieser Universität gehört.

    Auch wenn man mit dem, was George Soros sein Leben lang gemacht hat, wahrlich nicht immer einverstanden sein muss, so dürfte der Vorwurf, George Soros würde nicht mit seinem Geld für seine Ideale einstehen, kaum haltbar sein.

    George Soros könnte sich allerdings zurecht fragen, ob es nicht vielleicht wichtigere Aufgaben gibt, als die mit 467 Mio Dollar recht großzügig ausgestattete gerade mal 5000 Studenten zählende Brandeis University finanziell besonders großzügig zu unterstützen.

    Vielleicht engagiert sich George Soros ja auch im Präsidentschaftswahlkampf 2008 wieder wie 2004 gegen kriegsbefürwortende Kandidaten?

    Dass George Soros hier mit deutlichen Worten seine abweichende Meinung zur US-amerikanischen Außenpolitik bezüglich Israel kundtut, dürfte für eine Änderung der Situation wertvoller sein, als der vermutlich aussichtslose Versuch, alle Finanzlöcher zu stopfen, die die Lobby durch den Abzug von Mitteln zu wenig Linientreue der Günstlinge reißen kann.

  7. DaRockwilda sprach

    @Mein Parteibuch:

    “Hier leigen keine Informationen dazu vor, ob die Brandeis University ihre Finanzlücke anderweitig schließen konnte oder ob George Soros zu den Förderern dieser Universität gehört.”

    So wie die Sprecher der Universität reagierten haben sie jedenfalls nicht damit gerechnet, dass die Gelder zumindest kurzfristig ersetzt werden können. So reiche Leute neigen nunmal zur Kriegsunterstützung. Ob Soros nicht schon Förderer der Universität ist ist tatsächlich nicht bekannt, aber wenn er es wäre dann hätte er die Gelegenheit damals nützen müssen um darauf aufmerksam zu machen und zu demomstrieren, dass er gerade wegen der Einladung Carters weitere Gelder zur Verfügung stellt.

    “Auch wenn man mit dem, was George Soros sein Leben lang gemacht hat, wahrlich nicht immer einverstanden sein muss,so dürfte der Vorwurf, George Soros würde nicht mit seinem Geld für seine Ideale einstehen, kaum haltbar sein”

    Ich bezog mich hier ausschließlich auf sein Engagement bezüglich der Israellobby.

    “ob es nicht vielleicht wichtigere Aufgaben gibt, als die Brandeis University finanziell besonders großzügig zu unterstützen.”

    Ist ja nicht so als würde das so viel Zeit in Anspruch nehmen, und Geld hat er genug. Also entweder lässt er so eine Möglichkeit, der Israellobby konkret entgegenzutreten und den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen verstreichen oder er packt sie am Schopf, was er augenscheinlich nicht getan hat.

    “Dass George Soros hier mit deutlichen Worten seine abweichende Meinung zur US-amerikanischen Außenpolitik bezüglich Israel kundtut, dürfte für eine Änderung der Situation wertvoller sein, als der vermutlich aussichtslose Versuch, alle Finanzlöcher zu stopfen”

    Das hört sich wie gesagt so an als könnte man nicht gleichzeitig einen Artikel wie den von Soros schreiben und Geld an Brandeis spenden zusammen mit einer Pressekonferenz.

  8. Lara sprach

    Gleichzeitig machen könnte er es schon. Aber bringt es etwas, wenn er mal eine von vielen Unis unterstützt, weil die gerade unter Druck steht? Wenn die Verantwortlichen an der Uni nicht genug Rückgrat und wissenschaftliches Ehrgefühl im Leib haben, sich gegen derartige Manipulationen zu wehren, dann sind sie es nicht wert, unterstützt zu werden und es wird sich auch nichts ändern, wenn man ihnen aus einer vorübergehenden Klammheit hilft. Sie werden artig Danke sagen, die Kohle einstreichen und dann zusehen, dass sie sich bei den bisherigen Spendern lieb Kind machen und in Zukunft auch die Gelder bekommen. Und dann? Soros’ Geld ist verbrannt und nichts hat sich geändert.

    Wichtig ist ein Bewusstseinswandel und die Beförderung der offenen Diskussion, so dass die Aktivitäten der Israel-Lobby ohne Angst vor Arbeitsplatzverlust, Rufschädigung und Existenzvernichtung thematisiert werden können. Die Lobby weiß genau, dass eine offene Diskussion in den USA und eine neutrale Berichterstattung über den Nahostkonflikt das allerwichtigste ist, wenn Israel mit seiner menschenverachtenden Politik fortfahren können soll - die Brandeis-Uni ist an der Stelle nur ein kleines Rädchen im Getriebe der öffentlichen Meinungsbildung. Deswegen ist Soros Ansatz, zu dessen Fans ich sicher nicht gehöre, effektiv und begrüßenswert.

    @U. Brosa: Naja, “die anderen Staaten” legen ihre Nachbarländer nicht in Schutt und Asche, sie zerstören nicht die Lebensgrundlagen eines ganzen Volkes und sie haben keine Endlosliste an Kriegsverbrechen auf ihrem Konto. Das macht sie nicht zu Horten der Demokratie und Meinungsfreiheit, aber ob das letztere nun einen Wert an sich darstellt, wenn diese Freiheit dazu missbraucht wird, rassistische Reden zu schwingen und die Vertreibung tausender Menschen zu propagieren, das kann man sich schon fragen. Allerdings kann man verstehen, dass die USA angesichts der Verbrechen, die sie in Afghanistan und im Irak begangen haben, Israel sympathischer finden. Wie heißt es? Imitiation ist die höchste Form der Anerkennung? Nun, die Bewunderung, die die USA und Israel füreinander empfinden, ist offensichtlich eine Hommage an die Gesetzlosigkeit, Angriffskriege und den Abbau der Menschenrechte. Kann man verstehen, muss man aber nicht.

  9. Lara sprach

    Im 2. Absatz muss es heißen:

    “Die Lobby weiß genau, dass eine offene Diskussion in den USA und eine neutrale Berichterstattung über den Nahostkonflikt das allerwichtigste ist, wenn Israel mit seiner menschenverachtenden Politik NICHT fortfahren können soll”

  10. DaRockwilda sprach

    @Lara:

    “Aber bringt es etwas, wenn er mal eine von vielen Unis unterstützt, weil die gerade unter Druck steht?”

    Es muss ja nicht bei dieser einen Uni bleiben. Er könnte auch zum Beispiel Finkelstein unterstützen oder Mearsheimer und Walt.

    Jedenfalls ist Brandeis nicht irgendeine Universität, sie wird allem Anschein nach vom jüdischen Establishment in den USA schon als sowas wie eine Kaderschmiede betrachtet. Jedenfalls werden dort einige Leute sein, die später mal in wichtigen Positionen sind. Gerade dort kann jetzt schon der Horizont der Studenten beeinflusst werden mit Auftritten wie denen von Carter.

    In diesem Zusammenhang lässt sich auch sagen dass hier eigentlich nicht nur Soros gefordert ist, sondern überhaupt reiche amerikanische Philanthropen. Wenn ein Ex-Präsident mit einem konstruktiven Vorschlag kommt und so weggebuttert wird dann müsste da noch viel mehr Unterstützung kommen.

    “Wenn die Verantwortlichen an der Uni nicht genug Rückgrat und wissenschaftliches Ehrgefühl im Leib haben, sich gegen derartige Manipulationen zu wehren”

    Wie will man sich denn gegen das Entziehen von Spenden wehren?

    Ich bleibe also dabei, dass Soros ruhig beides machen könnte. In der Politik ändert sich nichts durch bloßes Reden schwingen und Artikel veröffentlichen, und ich betone nochmal dass dies natürlich trotzdem konstruktiv ist, aber gerade Soros wäre einer der auch über genügend Geld verfügt, tatsächlich etwas zu tun. So könnte er ja auch beispielsweise die Jewish Independent Voices oder einen Autoren wie Philip Weiss finanziell unterstützen.

  11. Lara sprach

    “Wie will man sich denn gegen das Entziehen von Spenden wehren?”

    Indem man den Leuten sagt: “Es tut uns leid, dass Sie gekränkt sind und dass sie diese Universität nicht weiter unterstützen wollen, aber wir sind eine Universität und können uns nicht vorschreiben lassen, wen wir hier reden lassen. Es ist unsere Pflicht, unsere Studenten auf eine pluralistische Gesellschaft vorzubereiten und ihnen die Gelegenheit zu geben, die verschiedensten Ansichten kennenzulernen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Wenn das ihrer Auffassung von umfassend gebildeteten Menschen nicht entspricht, bedauern wir das, es kann jedoch nicht dazu führen, dass wir nur diejenigen ihre Meinung äußern lassen, die unseren Spendern genehm sind.”

    An der Stelle sehe ich auch ein großes Problem der universitären Finanzierung und ich halte überhaupt nichts davon, dass Unternehmen und Privatpersonen über diese Schiene die Bildung und insbesondere die Forschung manipulieren können. Ganz generell, nicht nur bezogen auf Brandeis oder AIPAC.

    Es würde auch nichts ändern, wenn Soros nun Finkelstein oder Phil Weiss finanziell unterstützt. Das ist das gleiche Problem bei der Armut oder der Gesundheitsvorsorge für die Armen. Egal wieviel Geld einer hat: Wenn man punktuell spendet, hat das an der Stelle einen punktuell positiven Effekt, aber irgendwann ist das Geld weg und am System selbst hat sich nichts geändert. Außer, dass derjenige, der sein Geld verballert hat, nun auch keins mehr hat.

    Man kann Carter und Brandeis unterstützen, indem man ebenfalls vortritt und seine Meinung sagt: Wenn mehr von den Senatoren und Abgeordneten den Mund aufmachen würden und sich gegen diese Manipulation wehren würden, hätte AIPAC ihre wichtigste Waffe verloren: Die Angst vor der Schmierenkampagne und dem Entzug der Gelder. Was denjenigen fehlt, die entgegen ihren Überzeugungen und ihr besseres Wissen AIPAC und den mainstream-mäßigen Rechtsextremismus in Israel unterstützen, ist nicht Geld, sondern Rückgrat. Ich weiß sowieso nicht, was dieser Micky-Maus-Wahlkampf mit bunten Bildchen und glitzernden Wahlkampfparties in den USA soll - reine Geldverschwendung. Die Bürger sollten solche DSDS-artigen Shows ignorieren und von den Politikern verlangen, inhaltlich Position zu beziehen, statt Visagisten, Friseure und Event-Manager als politische Berater heranzuziehen.

    Es ist bezeichnend, dass nur Leute wie Carter oder Soros, die finanziell ihre Schäfchen im Trockenen haben und/oder beruflich nicht mehr aktiv sein müssen, es wagen können, den Mund aufzumachen. Was jetzt nötig ist, ist, dass mehr Leute dies tun und aufstehen. Man kann nicht jeden so verfolgen und fertig machen, weil diese Denunziationen nicht mehr ernst nehmen, wenn sie an der Tagesordnung sind. Irgendwann denken sich die Leute: Moment mal, so viele denken so, vielleicht habe ich ja die falsche Ansicht und die anderen haben Recht. Das geschieht unter der Oberfläche der veröffentlichten Meinung auch größtenteils und ist kein Anzeichen von Antisemitismus, sondern im Gegenteil das Zeichen dafür, dass die Leute sich nicht mehr so leicht ein X für ein U vormachen lassen. Und das ist es, wovor AIPAC et al die meiste Angst haben: Dass ihre Methoden offen daliegen und ihre schärfste Waffe stumpf wird. Leider - für die Juden, die sie zu vertreten vorgeben - merken die Fanatiker von AIPAC nicht, dass sie ihre eigene Sache delegitimieren und wenn die bedingungslose Unterstützung demnächst nachlässt (und das wird sie), dies ins genaue Gegenteil umschlägt. Deswegen ist es wichtig, dass es Organisationen wie European Jews for a Just Peace und andere gibt, die zeigen, dass es nicht das Judentum ist, das diese Linie vertritt, sondern eine erschreckend erfolgreiche extremistische Gruppe, die sich hinter ihrer jüdischen Religion versteckt. Und diese Emanzipation von den tonangebenden Likudniks (die auch in der Kadima und der Arbeitspartei sitzen) sollte man unterstützen, meinetwegen auch finanziell.

  12. DaRockwilda sprach

    @Lara:

    “Indem man den Leuten sagt: “Es tut uns leid, dass Sie gekränkt sind (…)”

    Aber die Spenden sind dann trotzdem weg oder nicht? Man kann die Spender ja nicht zwingen trotzdem weiterhin zu spenden. Was du beschreibst ist mit Rückgrat darauf reagieren, aber einfach zurückbehalten kann man das Geld nicht.

    “Egal wieviel Geld einer hat: Wenn man punktuell spendet, hat das an der Stelle einen punktuell positiven Effekt, aber irgendwann ist das Geld weg und am System selbst hat sich nichts geändert.”

    Der Unterschied zum Gesundheitssystem oder so wäre, dass Punkte wie Carter keine kleinen Fische sind. Das ist ein Unterschied zu der punktuellen Unterstützung von vielleicht 3000 unbekannten Leuten. Zu sagen “das würde nichts ändern” finde ich schon ein wenig pessimistisch. Wenn Soros zum Beispiel finanzieren würde, dass Carter (oder auch Finkelstein, Mearsheimer, Walt,… ) an jeder der 30 größten Unis spricht, und vielleicht noch im Ausland, dann würde das durchaus etwas ändern. Wenn doch gerade das Problem ist, dass zu viele auch junge Leute noch nichts von der Israellobby gehört haben.

    Meinst du jetzt mit dem System das Prinzip der Privatfinanzierung von Unis? Dann müsste man darüber spekulieren, ob nicht der Staat zu ähnlicher Zensur seiner Forscher fähig ist. Aber jedenfalls hätte da der Bürger wenigstens ein Recht auf Kontrolle, das stimmt schon.

    Na jedenfalls kann man sich ja gleichzeitig für eine Verstaatlichung der Finanzierung einsetzen und solange das bestehende System noch da ist wenigstens das System zum Guten nutzen.

    “Was denjenigen fehlt, die entgegen ihren Überzeugungen und ihr besseres Wissen AIPAC und den mainstream-mäßigen Rechtsextremismus in Israel unterstützen, ist nicht Geld, sondern Rückgrat.”

    Wie wäre es mit Geld UND Rückgrat? Es geht doch hier wirklich nicht um entweder oder. Denn natürlich fehlt denen zumindest das Geld, das ihnen AIPAC und andere Gruppen geben, solange sie den Mund halten.

  13. Lara sprach

    Wenn diese Spender nur spenden, um ihre politische Linie durchzusetzen, ist es nicht schade um ihr Geld. Solche Leute sollten nicht die Möglichkeit haben, die Unis zu bestechen. Denn nichts anderes ist es: Korruption der Wissenschaft und der Studenten. Was für die Gesellschaft eine mindestens (!) genauso schädliche Korruption ist wie die von Politikern oder Beamten. Genau wegen so etwas bin ich gegen die Privatfinanzierung der Bildung und halte das System, das wir bisher hier hatten und hoffentlich auch weiterhin haben werden, für das bessere. Unsere Unis sind steuerfinanziert (ohne jetzt auf die Studiengebühren einzugehen, die finanzieren hauptsächlich die Verwaltung der Gebühren) und die Wissenschaft ist frei von politischer Bevormundung. In einer Diktatur gäbe es natürlich die Möglichkeit, die wissenschaftliche Lehre zu manipulieren, aber weil das in einer Demokratie nicht gewollt ist, haben wir völlig zu Recht Professoren, die nicht von Politikern abhängig sind. Das hat auch Nachteile, z.B. bei unfähigen Frühstücksprofessoren, aber die Vorteile überwiegen. Und als polemischen Seitenhieb auf das US-System: Man sieht ja, wohin es führt, wenn die sogenannte Elite ihren Söhnen Elite-Abschlüsse kaufen können, wenn man sich überlegt, dass ein betrunkener, zugekokster Drückeberger wie Bush einen Abschluss in Yale bekommen hat.

    Zurück zum Thema: Soros könnte natürlich der DePaul-Uni Geld spenden, um Finkelsteins Professur zu unterstützen. Aber das wäre genau die gleiche Art der Beeinflussung, die ich prinzipiell ablehne, weswegen ich das nicht unterstützen würde. Und was dann? Dann gibt es einen Wettlauf derer, die einen Finkelstein unterstützen und derer, die einen Dershowitz unterstützen. Wie soll dann eine Uni entscheiden? Wer mehr locker macht, darf bestimmen, was die Studenten zu hören bekommen und welche Gastredner eingeladen werden? Das bringt es nicht und deswegen sollte man an sowas auch kein Geld verschwenden. Was man machen kann ist, die Vorgänge publik machen, die Schmierenkampagne gegen Carter und andere offenlegen und selbst Position beziehen. Man sollte solche Dinge ans Licht der Öffentlichkeit bringen und dagegen einstehen. Das ist mühsam und wird nicht so schnell gehen, wie man sich wünschen würde, aber das, was nachhaltig erfolgversprechend ist, also über temporäre Effekte hinausgeht.

    Was wäre denn erreicht, wenn Soros… sagen wir: 20 Millionen spendete, um den Verlust der Spendengelder auszugleichen und Carter dort redet? Carter hält eine Rede. Ist dann doch ein recht hoher Preis für noch eine Rede von einem ehemaligen Politiker, oder? Und was wäre damit für die nächste Spendenrunde erreicht? Soll Soros das so lange machen, bis die Spender sich besonnen haben und dann doch wieder spenden? Warum sollten sie das tun, nachdem die Uni so frech war und die freie Rede nicht unterbunden hat? Und was ist mit all den anderen Institutionen? Wer finanziert die? Soros kann doch nicht jede Uni, die derart angegangen wird, finanzieren.

    Ich kann Soros’ Engagement nur begrüßen und ich hoffe, es nehmen sie noch weitere ein Beispiel an ihm und Carter und an all den anderen weniger prominenten Kritikern, die nicht kuschen und ihr Fähnchen in den Wind hängen. Deren Einsatz halte ich auch für weitaus mutiger, da sie kein Finanzpolster haben, das sie schützt. Aber trotzdem sind Prominente wichtig, weil sie Signalwirkung haben auf den Rest der Welt.

  14. Lara sprach

    Wenn diese Spender nur spenden, um ihre politische Linie durchzusetzen, ist es nicht schade um ihr Geld. Solche Leute sollten nicht die Möglichkeit haben, die Unis zu bestechen. Denn nichts anderes ist es: Korruption der Wissenschaft und der Studenten. Was für die Gesellschaft eine mindestens (!) genauso schädliche Korruption ist wie die von Politikern oder Beamten. Genau wegen so etwas bin ich gegen die Privatfinanzierung der Bildung und halte das System, das wir bisher hier hatten und hoffentlich auch weiterhin haben werden, für das bessere. Unsere Unis sind steuerfinanziert (ohne jetzt auf die Studiengebühren einzugehen, die finanzieren hauptsächlich die Verwaltung der Gebühren) und die Wissenschaft ist frei von politischer Bevormundung. In einer Diktatur gäbe es natürlich die Möglichkeit, die wissenschaftliche Lehre zu manipulieren, aber weil das in einer Demokratie nicht gewollt ist, haben wir völlig zu Recht Professoren, die nicht von Politikern abhängig sind. Das hat auch Nachteile, z.B. bei unfähigen Frühstücksprofessoren, aber die Vorteile überwiegen. Und als polemischen Seitenhieb auf das US-System: Man sieht ja, wohin es führt, wenn die sogenannte Elite ihren Söhnen Elite-Abschlüsse kaufen können, wenn man sich überlegt, dass ein betrunkener, zugekokster Drückeberger wie Bush einen Abschluss in Yale bekommen hat.

    Zurück zum Thema: Soros könnte natürlich der DePaul-Uni Geld spenden, um Finkelsteins Professur zu unterstützen. Aber das wäre genau die gleiche Art der Beeinflussung, die ich prinzipiell ablehne, weswegen ich das nicht unterstützen würde. Und was dann? Dann gibt es einen Wettlauf derer, die einen Finkelstein unterstützen und derer, die einen Dershowitz unterstützen. Wie soll dann eine Uni entscheiden? Wer mehr locker macht, darf bestimmen, was die Studenten zu hören bekommen und welche Gastredner eingeladen werden? Das bringt es nicht und deswegen sollte man an sowas auch kein Geld verschwenden. Was man machen kann ist, die Vorgänge publik machen, die Schmierenkampagne gegen Carter und andere offenlegen und selbst Position beziehen. Man sollte solche Dinge ans Licht der Öffentlichkeit bringen und dagegen einstehen. Das ist mühsam und wird nicht so schnell gehen, wie man sich wünschen würde, aber das, was nachhaltig erfolgversprechend ist, also über temporäre Effekte hinausgeht.

    Was wäre denn erreicht, wenn Soros… sagen wir: 20 Millionen spendete, um den Verlust der Spendengelder auszugleichen und Carter dort redet? Carter hält eine Rede. Ist dann doch ein recht hoher Preis für noch eine Rede von einem ehemaligen Politiker, oder? Und was wäre damit für die nächste Spendenrunde erreicht? Soll Soros das so lange machen, bis die Spender sich besonnen haben und dann doch wieder spenden? Warum sollten sie das tun, nachdem die Uni so frech war und die freie Rede nicht unterbunden hat? Und was ist mit all den anderen Institutionen? Wer finanziert die? Soros kann doch nicht jede Uni, die derart angegangen wird, finanzieren.

    Ich kann Soros’ Engagement nur begrüßen und ich hoffe, es nehmen sich noch weitere ein Beispiel an ihm und Carter und an all den anderen weniger prominenten Kritikern, die nicht kuschen und ihr Fähnchen in den Wind hängen. Deren Einsatz halte ich auch für weitaus mutiger, da sie kein Finanzpolster haben, das sie schützt. Aber trotzdem sind Prominente wichtig, weil sie Signalwirkung haben auf den Rest der Welt.

  15. logisch sprach

    schön wenn eine Uni Spendengelder hat, nicht so schön wenn diese aus bleiben. Schlimm aber, wenn die Uni ihre Funktion als eigenständige gesellschaftliche Einrichtung einbüsst, weil sie auf Spendengelder angewiesen ist und somit nicht nur käuflich sondern vielmehr zum Lohnsklaven der Geldgeber mutiert. “Kaufen auch sie sich ihre Uni - bestellen sie die Meinungsleistung ihrer Wahl…” so lautet der unterschwellige Tenor eines solchen Systems von Geldabhängigkeit. Nur wer das nötige Geld hat, der kann das grosse Rad der Macht und Manipulation drehen.

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