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22. April 2007

Lebenslügen im Krieg gegen den Terror

von @ 18:07. abgelegt unter Deutschland, USA, Politik, Terrorismus, Kuba, Venezuela

In der Basler Zeitung vom Freitag findet sich ein unscheinbarer Artikel mit Titel “USA lassen kriminellen Castro-Gegner Posada Carriles frei“. Wieso die Basler Zeitung Luis Posada Carriles als “kriminellen Castro-Gegner” und nicht ganz schlicht als Terroristen bezeichnet, bleibt angesichts dessen, dass er wegen eines Bombenattentates auf ein Passagierflugzeug, bei dem 73 Passagiere ermordet wurden, rechtskräftig verurteilt wurde und sich seitdem auf der Flucht befindet, unverständlich.

In den deutschen Massenmedien wurde interessanterweise komplett “vergessen”, über die Freilassung des international gesuchten Terroristen durch die US-amerikanische Justiz zu berichten, obwohl der Fall für die Öffentlchkeit sehr aufschlussreich ist, um den “Krieg gegen den Terror” der USA besser zu verstehen.

Das Problem bei Luis Posada Carriles ist, dass er für die westliche Welt zu den guten Terroristen gehört. So hat er nicht einfach so unschuldige Menschen mit Terroranschlägen ermordet, sondern seine Verbrechen als Agent der CIA begangen. Schließlich dienten die Terroranschläge gegen die Zivilbevölkerung dem hehren Ziel, die kubanische Bevölkerung zu verängstigen und ihr so klarzumachen, dass der böse Revolutionär Fidel Castro die Sicherheit der Zivilbevölkerung nicht garantieren kann und sie ganz schnell wieder unter die wohltuende Herrschaft des in de USA ausgewanderten Bacardi-Clans kommen sollten.

Da die USA Agenten der CIA, die im Dienst Verbrechen auf Befehl begangen haben, wie wir derzeit auch bei der blockierten Auslieferung der Entführer von Khaled El-Masri und Abu Omar sehen können, grundsätzlich weder an andere Länder ausliefern noch sie selbst verurteilen, darf sich der Terrorist Luis Posada Carriles in den USA wie zu Hause fühlen.

Die Glaubwürdigkeit der USA im Krieg gegen den Terror ist damit vollständig hinüber und der Krieg gegen den Terror als Lebenslüge enttarnt. Nach der Definition der Regierung der USA, die Staaten die Terroristen Unterschlupf gewähren im Kampf gegen den Terror bekämpfen wollen, müssten sich die USA nun selbst angreifen und die US-Regierung - genau wie Saddam Hussein, dem vorgeworfen worden ist, Al Qaida zu unterstützen - unschädlich machen. Und in den USA gibt es Menschen, die das offensichtlich genauso sehen. Wenn aus Versehen der demokratische Abgeordnete des Repräsentantenhauses, Dennis Kucinich, der nächste Präsident der USA werden sollte, dann hätten Luis Posada Carriles und einige andere Terroristen im Auftrag der CIA wohl ein Problem, denn Dennis Kucinich hat gerade Justizminister Alberto Gonzales in einem Brief aufgefordert, für die Auslieferung des Terroristen an Venezuela zu sorgen.

Nun kann man fragen, was Deutschland damit zu tun hat, außer dass die USA auf die Liste der gefährlichen Terrorstaaten des auswärtigen Amtes hinzugefügt werden sollte. Da gibt es allerdings noch etwas, was wichtig sein könnte, denn, wie bei der jungen Welt zu erfahren ist, lädt die Parteistiftung der CDU, die Konrad-Adenauer-Stiftung, vom 24.-26. April 2007 in Berlin zu einer von der Bundesregierung unterstützten antikubanischen Konferenz ein, bei der der wegen eines Sprengstoffanschlages auf Kaufhausbesucher in Kuba verurteilte von von der CIA unterstützte Carlos Alberto Montaner, der anscheinend dem gleichen Netzwerk wie Luis Posada Carriles zugerechnet werden darf, Stargast sein wird.

Und nicht nur bei der CDU genießt die Partnerschaft des Terrors von Miami-Clan und CIA, aus deren Kreisen auch so entzückende Pläne wie die Operation Northwoods entstammen, höchstes Ansehen, auch die FDP scheint Carlos Alberto Montaner geradezu als Freiheitskämpfer zu verehren. Bei der SPD hingegen scheint Luis Posada Carriles, bei dem angeblich in Havanna 1960 von kubanischen Ermittlungsbehörden Zündkapseln und Zündschnur gefunden wurden, allerdings nicht unumstritten zu sein, denn die SPD-Staatssekretärin Karin Kortmann hat ihr Erscheinen nach Informationen des Netzwerks Kuba abgesagt hat, weil sie die Besetzung für äußerst problematisch halte.

Damit ist auch ein Motiv erkennbar, warum die deutschen Massenmedien nichts über die Kuba-Konferenz und die Freilassung von Luis Posada Carriles berichten. Der liberal-konservative Spagat der Bundesregierung, einerseits totalitäre Sicherheitsgesetze wie Wolfgang Schäuble machen zu wollen, und andererseits rechtsextreme oder terroristische Kreise zu hofieren, ist ebensowenig glaubwürdig wie der amerikanische Krieg gegen den Terror. Wenn die Medien so verantwortungsvoll sind, darüber nicht zu berichten, dann liegt das möglicherweise daran, dass vermieden werden soll, das deutsche Volk durch irritierende Informationen in seiner gut gefestigten Weltanschauung zu verunsichern.

5 Kommentare zum Beitrag “Lebenslügen im Krieg gegen den Terror”

  1. DaRockwilda sprach

    Eben, das Verschweigen solcher Ereignisse soll das Dogma aufrecht erhalten, man sei im Kampf “gegen den Terror” auf der richtigen Seite.

  2. Jochen Hoff sprach

    Es ist schwierig geworden den Begriff Terrorist noch zu verwenden, nachdem er von den USA derartig inflaätionär eingesetzt wurde.

    Für mich selbst übersetze ich Terrorist in den Medien immer mit Freiheitskämpfer, der die falschen Mittel des Kampfes wählt, weil er keine andere Chance sieht.

  3. DaRockwilda sprach

    @Jochen Hoff:

    Hm das klingt jetzt so als würdest du alle Terroristen bzw. Freiheitskämpfer auf eine Ebene setzen. Besonders was die Legitimität ihres Kampfes angeht gibt es da aber erhebliche Unterschiede.

  4. Magog sprach

    Bedeuted Freiheitskämpfer etwa das man gezielt Personen umbringt die mit der sache ansich wenig oder garnichts zu tun haben?

    Ausserdem kann man wohl wenige sachen “auf eine Ebene” setzen. Da gibts es Menschen die jagen einen Bus mit Schulkindern in die Luft weil sie mit Ihrer Regierung nicht einverstanden sind und denn gibt es andere die nicht selbst aktiv agieren aber die Ausbildung und deren Angehörige der anderen finanzieren. Auf eine Ebene sind beide wohl kaum, aber doch wohl beide Terroristen, oder?

    Ausserdem können Terroristen zwar den Ursprung von Freiheitskämpfern haben und dann “radikaler” geworden sein, aber genausogut kann es von Anfang an nur um Terror und Macht gehen.

    So seh ich das jedenfalls

  5. salvo sprach

    @Magog

    Menschen, die einen Bus mit Schulkindern in die Luft jagen sind Mörder, Verbrecher, ganz gleich ob sie als Terroristen, Freiheitskämpfer oder Soldaten einer regulären Armee identifiziert werden. Sie sind auf eine Ebene mit denjenigen zu stellen, die in Verfolgung eigener Interessen die Lebensgrundlage anderer Menschen zerstören, ohne sie direkt zu töten.

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