Man stelle sich einmal vor, es wird eine Bank überfallen und am Tatort hinterlässt der Täter Zettel, wo draufsteht, dass Horst Müller der Täter ist. Eine besonders hohe Beweiskraft würde dem sicher niemand beimessen. Um so erstaunlicher wäre es, wenn Peter Meier plötzlich ganz viel Geld hat und deshalb die Ermittlungen zur Aufklärung des Bankraubes leiten soll. Was bei einem Bankraub absurd anmuten würde, ist bei der Aufklärung von Terroranschlägen weltweit gängige Praxis.
In den Nachrichten waren in der letzten Zeit Meldungen über Terroranschläge von “Al Kaida im Maghreb” in Algerien und Marokko zu sehen. Während bei einem Bankraub liegengelassene Zettel, wo Horst Müller als Täter drauf steht, sicher nicht mehr als eine Spur von vielen wäre, die zur Aufklärung des Verbrechens verfolgt werden würde, ist den Journalisten der Massenmedien in diesem Kriminalfall sofort klar, dass diese Morde von Islamisten zur Schaffung eines islamistischen Weltreiches begangen wurden.
Die Frage, wem die Terroranschläge in Algerien nützen, wird in den Massenmedien ganz locker ausgeklammert. Wenn man an unabhängige Medien glaubt, dann ist dass verwunderlich, denn bei einer Analyse der Nutznießer der Anschläge käme man wohl unweigerlich auf den Gedanken, dass von den Bombenanschlägen nicht islamistische Schwachköpfe, sondern vor allem die Herrschenden in Algerien profitieren, die jetzt - leider, leider - nicht mehr Demokratie einführen können und sich damit sicher sein können, dass im Amt begangene Verbrechen auch weiterhin nicht verfolgt werden. Noch erstaunlicher ist es, dass der UNO-Sicherheitsrat alle Länder dazu aufruft, den mit der Beute angetroffenen Mitverdächtigen, nämlich die algerische Regierung, bei der Suche nach den Tätern zu unterstützen.
Wer genau hinschaut, wird übrigens schnell feststellen, dass sich der Terrorismus in Marokko vor einem ähnlichen Hintergrund wie in Algerien abspielt. Dass nun - leider, leider - auch die Wahlchancen von Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy für das Präsidentenamt steigen dürften, ist selbstverständlich purer Zufall.
Dem Verdacht, die algerische Regierung wäre Drahtzieher der Anschläge, steht im wesentlichen entgegen, dass sicher nie ein Geheimdienst eines Landes einen Terroranschlag im eigenen Land begehen würde. Das gab es jedoch in der Geschichte der Menschheit, man denke nur an das berühmte Celler Loch, gar nicht so selten. Für diese Art von Terroranschlägen hat sich der Begriff False-Flag-Terror etabliert. Um dem Verdacht des False-Flag-Terrors nachzugehen, muss man sich noch nicht einmal mit Theorien beschäftigen, was Al Kaida wirklich sein könnte oder welche Rolle der amerikanische Geheimdienst CIA oder der pakistanische Geheimdienst ISI unter der Flagge islamistischer Terrorbanden im internationalen Drogenhandel und im internationalen Terrorismus spielen.
Bei den noch ganz am Anfang stehenden Ermittlungen, wer die Attentäter zum Suizid überredet hat und welche Interessen dahinter wirklich stehen, sollte False-Flag-Terror zumindest als mögliche Ursache nicht ausgeschlossen werden. Irgendwelches Vertrauen in die Objektivität der Ermittlungen der algerischen Regierung zu haben, ist sicher nicht angebracht. Die Weltöffentlichkeit sollte sich bemühen, zu erfahren, was im Maghreb wirklich passiert ist und nicht blind den von den Massenmedien verbreiteten oberflächlichen “Analysen” glauben.
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Sobald einer Terror schreit, kommt offenbar immer ein zweiter daher, der von nötiger Einschränkung der etablierten Freiheiten zur Abwehr des Terrors schreit.
Das war schon bei Robbespierre so, dass Terror und Abschaffung der Freiheiten Hand in Hand gingen. Wieso sollte das heut zu Tage einen fundamental anderen Zusammenhang bilden?
Der Hinweis auf das Celler Loch ist recht treffend. Sollen wir draus jetzt schließen, dass es die RAF gar nicht gab?
Mit der Cui-Bono-Frage wird man immer auf irgendwelche mächtigen Nutznießer im Sicherheitsapparat von Regierungen stoßen. Mit dieser Methode kann man sich die Welt immer genau so erklären, wie man sie sehen will.
Wer die Zeitungen aufmerksam liest wird wissen, dass “Al Qaeda” im wesentlichen eine Art Franchising-System für islasmistische Terror-Zellen ist. Es gibt wohl keine Kommandostruktur, wohl aber eine internationale Führung, die im Nachhinein durch Botschaften an Al Dschasira o.ä. bekannt geben kann, ob die Flagge “Al Qaeda” berechtigterweise gehisst wurde. Und so ganz irrational erscheint die Strategie dieser Leute nicht. Meistens geht es darum, Regierungen in aller Welt und insbesondere im nahen Osten einzuschüchtern und auf einen bestimmten politischen Kurs zu bringen.
Ich habe selber im September 2001 gleich Zweifel geäußert, ob nicht im Sicherheits-Apparat der USA Leute sein könnten, die den Terroristen in die Hände spielen, wie auch 1941 da vielleicht welche waren, die Pearl Harbour schutzlos stellten. Aber solche zynischen Spiele, die hier und da gespielt werden, ändern nicht viel an der Realität des Konflikts mit islamistischem Terror oder damals mit einem expansiven Japan. Die Leute, die auf den Blick in geheimidienstliche Abgründe mit übertriebenen Umdeutungen der Wirklichkeit reagieren, sind m.E. ebenso naiv wie diejenigen, die solche Abgründe nicht sehen.
@Hartmut
Nein, aus dem Celler Loch ist natürlich nicht zu schließen, dass es die RAF gar nicht gab. Nur zeigt das Celler Loch sehr schön, dass die Leute von der RAF nicht für alle Anschläge verantwortlich sind, die man probiert hat, ihnen in die Schuhe zu schieben. Ein Bekennerbrief sagt nur sehr wenig über die Drahtzieher eines Verbrechens aus.
Ganz genauso liegt es in diesem Fall. Die bei Al-Jazeera veröffentlichten Fotos der Attentäter von Algier sagen über die Hintermänner des Verbrechens nichts aus. Es könnte ein aus ideologischer Verblendung durchgefühter Terrorakt sein, es könnte aber auch ein Akt von False-Flag-Terror sein. Motive für False-Flag-Terror gäbe es jedenfalls in diesem Fall reichlich. Die Liste an False-Flag-Operationen von Geheimdiensten ist möglicherweise länger als die Liste ideologisch motivierter Terrorakte. Genau deshalb wäre es nun wichtig, nicht voreilige Schlüsse zu ziehen, sondern tatsächlich umfassend und ergebnisoffen zu ermitteln.
Was “Al-Qaeda” angeht, so kann man den Zeitungen glauben, dass es ein Franchising-System ist, bei dem es darum geht, Regierungen im nahen Osten und in aller Welt einzuschüchtern. Man kann aber auch glauben, Al Kaida wäre im Kern inzwischen im wesentlichen eine Ansammlung von Leuten der gewinnorientierten organisierten Kriminalität, die mit Drogen, Waffen und Diamanten dealen und auch sonst so ziemlich alles machen, was satte Gewinne verspricht.
Aber selbst wenn das so ist, und es sich beispielsweise in diesem konkreten Fall um ein Werk der Al-Qaeda im Auftrag Dritter handelt, dann sagte dies noch nichts über die Hintermänner dieses Verbrechens aus. Die Frage der Verantwortlichkeit und Motivation für dieses Verbrechen ist völlig offen. Klar ist einzig, dass es sicher nicht einfach wird, die Hintermänner dieses Verbrechens zuverlässig und nachprüfbar zu identifizieren. Um so überraschender ist es, dass in den Medien allein ein mögliches islamistisches Motiv ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wird.
[…] Der vom Täter hinterlassene Zettel […]
Neben dem Fall Pearl Harbour, welcher umstritten ist, und von vielen den Verschwörungstheorien zugerechent wird, gibt es doch unbestrittene Fälle für den False-Flag-Terror:
- Überfall auf den Sender Gleiwitz.
- Operation PBSUCCESS: eine von der CIA (1954) geplante und durchgeführte Geheimdienstoperation mit dem Ziel, den demokratisch gewählten Präsidenten von Guatemala, Jacobo Arbenz Guzmán zu stürzen.
u.a.
Nicht zu vergessen Operation Gladio:
ZOOM 4+5/96 - Gladio
http://zoom.med...596/gladio.html
Operation Gladio - Wikipedia, the free encyclopedia
http://en.wikip...peration_Gladio
@Lara
Prima Link. In dem Zusammenhang ist auch das Oktoberfestattentat im Bundestagswahlkampf 1980 interessant, wo Kanzlerkandidat Franz-Josef Strauß gleich erklärte, dass die RAF und der KGB dahinter stecken. Dass dann später der Rechtsextremist Gundolf Köhler als Täter ermittelt wurde, hat den Wahlausgang dann nicht mehr beeinflusst.
Spannend wurde es erst wieder, als der Rechtsextremist Heinz Lembke in Haft ankündigte, auszusagen, wie er an “automatische Waffen, 14.000 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste, 156 kg Sprengstoff und 258 Handgranaten” gekommen ist, die offiziell nirgendwo verschwunden waren. Dummerweise hat er einen Tag, bevor er die Vernehmung begann, wo er die Namen der Hintermänner nennen wollte, im Gefängnis “Selbstmord” begangen. Zufälle gibt’s.
Und ganz zufällig ist bis heute immer noch ungeklärt, wo die vielen Waffen herkamen. Vermutlich sind die zufällig vom Himmel gefallen.
[…] gespenstischen Kreisen von deutschem Rechtsextremismus und Geheimdiensten, die Chance sehen, durch False-Flag-Terror nach Vorbild des Oktoberfestattentates oder des Anschlages von Bologna 1980 die politischen […]
Das Oktoberfest-Attentat - ein False-Flag?
Bei der offiziellen Einzeltäter-Version ist da aber kein Raum.
Wer dennoch eine Verschwörungstheorie dazu benötigt,
kann ja mal gerne bei Wolfhart Willimczik im Buch “Codename Einstein”
nachschlagen oder einfach etwas tiefer in einer seiner Websites graben.
http://saturn.s....com/~wolfhart/
@logisch
Die als offizielles Ermittlungsergebnis ausgegebene Einzeltäter-Theorie macht wegen der zahlreichen Verflechtungen des mutmasslichen Täters in rechtsextreme in geheimdienstnahe Kreise von Waffen- und Sprengstofffanatikern so wenig Sinn, dass sie noch während der überraschend schnell abgeschlossenen Ermittlungen von hohen Politikern angeweifelt wurden.
Typisch für von staatlichen Organen unterstützte False-Flag-Attentate ist es, dass Ermittlungen nur sehr oberflächlich durchgeführt werden und Versuche, weitergehende Hintergründe zu erforschen von den Ermittlungsbehörden blockiert oder gar sabotiert werden. Und genau eine solche Blockade von Ermittlungen ist nach Ansicht von Opfern, Anwälten und Politikern in diesem Falle gegeben.
Was Wolfhart Willimczik zum Oktoberfest-Attentat geschrieben hat, ist allerdings wenig überzeugend und widerspricht in der unterstellten Motivation der Aneignung einer Erfindung jeder Erfahrung mit eines False-Flag-Attentates.
Viel überzeugender als Motiv für das Oktoberfest-Attentat erscheint eine Beeinflussung des laufenden Bundestagswahlkampfes zugunsten von Franz-Josef Strauß. Dieses Motiv hat das Kaliber, das gefährliche und aufwändige Operationen wie False-Flag-Anschläge üblicherweise auszeichnet. Für das Tatmotiv “Wahlsieg von Franz-Josef Strauß” spricht auch der Anschlagsort München, der den Anhängern von Strauß ein Maximum an Kontrolle über die nachfolgenden Ermittlungen bot.
besonders interessant sind in dem Zusammenhang die Hintergrundinformationen zu Gladio und der Strategie der Spannung (unbedingt lesen), die Daniele Ganser aufgedeckt hat. Die Verbindungen des Attentäters haben anscheinend direkt zu den versteckten Waffenlagern der geheimen NATO-Kommandos geführt.
Für eine Verwicklung höchster politischer Stellen zumindest in das Umfeld des Attentäters spricht dabei vor allem, dass der Rechtsextremist Heinz Lembke kurz vor seiner Aussage zu den Lieferanten seiner Waffen, von denen angenommen werden darf, dass er sie aus geheimen staatlichen Kanälen hatte, in Haft ums Leben gekommen ist und dieser Tod dann schnell als Selbstmord abgebügelt worden ist.
Trotz der später bekannt gewordenen Zusammenhänge blieben jedoch auch 2005 alle Bemühungen erfolglos, dass das Ermittlungsverfahren wieder aufgenommen wird. Wer hält da noch heute seine Hand schützend drüber?
@Mein Parteibuch: Man sollte aber auch nicht, weil es gerade so schön passt, *alle* den Islamisten zugeschusterten Attentate jetzt schnell dem Westen unterstellen. In Algerien will die “Islamische Heilsfront (FIS)” an die Macht kommen, und das schon seit vielen Jahren. Dort geschehen ständig islamisch motivierte Attentate. Damit will ich die Algerier keineswegs als die Guten hinstellen, sondern ich will nur sagen, dass die islamistische Gefahr tatsächlich auch noch besteht, und dass man sie nicht wegdiskutieren sollte.
[…] der iverfassungsfeindlichen sicherheitspolitischen Pläne von Wolfgang Schäuble einen Terroranschlag unter falscher Flagge zu begehen, dann wäre das Manöver Noble Resolve 07 vermutlich ideal zur Tarnung […]
[…] Terrorgruppe “militante gruppe (mg)” wirklich oder handelt es sich dabei um False-Flag-Terror der geheim operierenden deutschen Sicherheitsdienste im Sinne einer “Strategie der […]
Oh, oh, das sieht gar nicht gut aus:
War der angesehene SPD-Politiker Egon Bahr ein False-Flag-Terrorist?
[…] und die wirklichen Mörder ungestraft entkommen zu lassen. Das sind Voraussetzungen, auf denen False-Flag-Terror gedeihen […]
[…] und die wirklichen Mörder ungestraft entkommen zu lassen. Das sind Voraussetzungen, auf denen False-Flag-Terror gedeihen […]
Daniele Ganser schrieb mir übrigens:
“Mein Buch zu den NATO Geheimarmeen kommt im Frühling 2008 beim Orell Füssli Verlag in Zürich endlich auf Deutsch raus!”
Na dann, Herr Fischer, Herr Cohn-Bendit, Herr Schily - gute Lektüre!
Obwohl: Bin ich blöd? Der Teil steht ja noch gar nicht drin.
[…] von Gladio und “Strategie der Spannung” die Bevölkerung schon seit eh und je mit False-Flag-Anschlägen und instrumentalisierten Terrorgruppen hinter den Kämpfern der freien Welt versammelt. […]
[…] dass der Präsident der USA ein kaltblütiger Mörder ist, der mit systematischem Terror unter falscher Flagge unpopuläre Kriege zu rechtfertigen, mit denen er die Welt erobern […]
[…] darf man den AKtivisten wohl dankbar sein. Ohne authentisch wirkende Propaganda, erzielt auch False-Flag-Terror nicht mehr die beabsichtigte Wirkung. [Trackback URI] […]