Auf der Webseite der rheinischen Post findet sich seit letzter Woche ein Jobtip, der unqualifizierten Arbeitslosen empfiehlt, sich einfach einen schmucken Dr. med. Titel auf die Visitenkarte zu drucken und eine Privatklinik zu gründen. Wer erwischt wird, müsse dann selbst als Wiederholungstäter allenfalls mit einer Bewährungs- sowie einer geringen Geldstrafe rechnen, die er locker aus der Portokasse zahlen kann. Wie kann so etwas funktionieren?
Ein bisschen Googlen führt dann recht schnell auf den Artikel Falscher Arzt: Hochstapler muss sich vor Gericht verantworten, der erahnen lässt, dass die Geschichte der Privatklinik nicht frei erfunden ist.
Bei SAT1 Bayern gibt es außerdem einen Artikel Falscher Arzt in Mittelfranken, der dank einiger weiterer Details recht schnell auf das Whois der Webseite intensivpflegeklinik.de führt. Wer die Entwicklung der Webseite im Zeitverlauf verfolgen möchte, findet dann im Webarchiv noch die frühere Gestaltung der Seite.
Möglich macht eine solche Karriere nicht nur das Komplettversagen der Aufsichtsbehörden, sondern auch das gerichtlich ins uferlose entwickelte Persönlichkeitsrecht in Deutschland, dass die freie und ungestörte Entfaltung der Persönlichkeit auch von unethisch handelnden Personen sehr effektiv gegen missliebige Veröffentlichungen schützt.
Wo kämen wir denn da hin, wenn Opfer oder ihre Angehörigen schon vorher wüssten, mit wem sie es zu tun haben? Das Entdeckungsrisiko ist für Täter dank des gerichtlich durchsetzbaren weitgehenden Verbotes identifizierender Berichtserstattung nahezu Null.
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| Christian das Volk |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Unser Rechtssystem in der BRD (überwachungsmäßig auch DDRlight genannt) ist halt Spitze. Und der Gleichbehandlungsgrundsatz wird gerade im Rechtssystem zum Erbrechen umgesetzt.
- kleiner Mann Schulden beim Finanzamt - Pfändung des Kontos
- Korruptionsfall Harz - Deal hinter verschlossenen Türen
zu 100% gleich
usw usw.
Übrigens hoch lebe die Demokratie der Herrschenden. Die Demokratie des kleinen Mannes gibt es schon lange nicht mehr.
Übrigens DDRlight:
Vorratsdatenspeicherung
Telemediengesetz § 14
Urheberechtsgesetz
wenn die STASI in der Ostzone diese Mittel gehabt hätte, die hätten sich ein zweites Loch in den Ars… gefreut.
In diesem Sinne.
passt doch - vielleicht soll ja gerade deshalb der “Dr.” aus den Paessen gestrichen werden. Politik aus einem Guss halt
Gruesse
In cases like these there would be a public interest to publish personal information about these fake doctors and the public interest would outweigh their right to privacy. It would not be a problem in most European countries and certainly not in the US. German law (both written law and court rulings) is something unique and rather bizarre.
@Larko: standing ovations
Hamburger Abendblatt
Maurer und Bäcker als Betriebsärzte beschäftigt
BOCHUM -
Der Betriebsarzt war in Wirklichkeit ein Maurer: Beschäftigte mehrerer großer deutscher Firmen sind von falschen Medizinern behandelt worden. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt wegen Verdachts der Körperverletzung und Steuerhinterziehung gegen das bundesweit tätige Werksarztzentrum Recklinghausen, das 750 Firmenkunden in 250 Städten betreut.
Die falschen Mediziner, u. a. waren ein gelernter Bäcker und ein Maurer dabei, nahmen nach einem Bericht des “Spiegels” etlichen Hundert Menschen Blut ab, füllten Krankenscheine aus und führten Impfungen durch. Die dafür nötigen Handgriffe hätten sie sich im Selbstversuch beigebracht. Justizsprecher Eduard Güroff: “Das Ganze flog jetzt durch einen anonymen Hinweis auf.”
Zu den Geschädigten gehören die größte deutsche Zeitarbeitsfirma Randstad, die Unternehmen Coca-Cola, Degussa und Manpower.
AP
erschienen am 26. Februar 2007