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18. Januar 2007

Ausgespitzelt: bye-bye Edmund Stoiber

von @ 20:28. abgelegt unter Deutschland, Politik, CSU, Edmund Stoiber, Gabriele Pauli, Günther Beckstein, Erwin Huber

In der Staatskanzlei hat sich’s nun endgültig ausgespitzelt und keiner weint seiner Politik eine Träne nach. Günther Beckstein wird Ministerpräsident von Bayern. Meine Glückwünsche gelten trotzdem in erster Linie der bloggenden Landrätin Gabriele Pauli, die einen mutigen politischen Husarenritt hingelegt und damit ein Meisterstück in Sachen politischer Kommunikation abgeliefert hat. Chapeau!


Günther Beckstein
Günther Beckstein (08.12.2006)
Copyleft2006 Mein Parteibuch

Ende Jahres Ende Dezember bin ich dafür, dass ich geschrieben habe, die Blogosphäre verpenne die Revolution in Bayern und die ebenso schöne wie gescheite Landrätin Gabriele Pauli werde den Showdown gegen Edmund Stoiber gewinnen, noch ungläubig bestaunt worden.

 
Nachdem der bayerische Rundfunk bereits gestern aus Versehen einen Nachruf auf Edmund Stoiber als Ministerpräsident gesendet hat und sich keiner in der CSU darüber mehr wirklich aufgeregt hat, war es dann ohnehin klar, dass es sich nur noch um Stunden handeln konnte, bis es wirklich soweit ist. Und nun hat Edmund Stoiber auch endlich selbst angekündigt (mp3, 1,8 Mb), bis zum 30. September von allen Ämtern zurückzutreten.

Danach soll es dem Vernehmen nach eine Doppelspitze für die CSU geben: der oft listig grinsende Preuße, äh, Franke Günther Beckstein, den ich unangenehmerweise in den letzten Monaten viel zu oft loben musste, wird dann Ministerpräsident von Bayern und Erwin Huber aus der Stoiber-Seilschaft Parteichef. Nur beim Kandidaten für die Aufgabe des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 ist das Rennen noch nicht entschieden. Richtig, denn das wird nun jetzt hoffentlich, wie von Gabriele Pauli gefordert, von der Parteibasis entschieden werden.

Ich hoffe, Gabriele Pauli wird sich nicht zur Wahl als Ministerpräsidentin stellen, weil die SPD gegen sie und ihre rote Ducati vermutlich noch auf Jahrzehnte hin in Bayern keine Sonne sehen würde. ;-)

12 Kommentare zum Beitrag “Ausgespitzelt: bye-bye Edmund Stoiber”

  1. SoWhy sprach

    Sicherlich wird Pauli nichts werden, die CSUler lieben die Revolution, aber sie hassen den Revolutionär. Ich nehm an, dass Huber doch rausfliegt als Kandidat gegen Seehofer, denn Huber ist ein Stoiber Light, den sie nicht mehr wollen und wir am Ende Beckstein/Seehofer sehen werden. Leider kommt das Ganze zu früh, bis 2008 hat der bayerische Wähler das Ganze wieder vergessen.

    Aber wenigstens ist der Stoiber mal weg. Auch wenn die BayernSPD weiter in der Opposition bleiben dürfte, ist das schon etwas gutes für die Menschen in Bayern.

    *singt* The Wind of Change blows straight into the Stoibers face… ^^

  2. Erzengel sprach

    Gar nichts geht zu Ende, dass Grauen bekommt nur ein neues Gesicht!
    Die Bespitzelung wird jetzt auf größerer Ebene, gesetzlich abgesegnet, weiter geführt.
    Stichwort: Telemediengesetze
    Link: http://www.heis...r/meldung/83911

    Da bin ich aber unserer “großen Koalition”, oder auch der “großen deutschen Reichsführung”
    dankbar.

    Viel Spaß noch ;-)

  3. Mein Parteibuch sprach

    @Erzengel
    Sieh mal hier den vorherigen Beitrag in Mein Parteibuch: Telemediengesetz: Offener Brief an die Abgeordneten des Bundestages

  4. fellow passenger sprach

    Das Stoiber unter Franz-Josef Strauß in Bayern den “Scheibenwischer” zensiert hat, habe ich ihm nie verziehen und ich weine ihm keine Träne nach. Eine Amtsnachfolge durch den xenophoben Politkobold aus Franken der sich selbst bis vor kurzem als zu alt für diese Aufgabe bezeichnet hat, sehe ich allerdings nicht als Verbesserung.

  5. DaRockwilda sprach

    @#4:

    “Eine Amtsnachfolge durch den xenophoben Politkobold aus Franken der sich selbst bis vor kurzem als zu alt für diese Aufgabe bezeichnet hat, sehe ich allerdings nicht als Verbesserung.”

    Das sehe ich genauso. Meiner Meinung nach ist Beckstein mindestens so schlimm wie Stoiber, aber nicht annähernd so belustigend. Deshalb finde ich es ernsthaft beunruhigend dass Stoiber weg ist. Er hatte der CSU wenigstens noch eine Aufmerksamkeit gebracht, die automatisch für mehr Kritik an der Politik gesorgt hat. Das dürfte jetzt weniger werden.

  6. Max sprach

    Diese Jubelarien sind mir durch und durch ein Rätsel. Ein konservativer bis rechtsrandiger Ministerpräsident geht und der nächste Hardliner kommt - wobei Beckstein noch ganz klar deutlich weiter rechts steht und das Repressions- und Angstklima in Bayern noch verschärfen wird. Die einizige Hoffnung, die ich habe, ist die, daß er als Franke nicht mehr die absolute Integrationsfigur darstellt und die CSU so zumindest die für Verfassungsänderungen notwendige 2/3-Mehrheit verliert.

    Das Ganze Geschehen der letzten Tage als “Revolution” zu bezeichen oder zu glauben, dass Pauli einen “Showdown” gewonnen hätte, zeugt von extremer Kurzsichtigkeit. Pauli war ein Sprachrohr eines Teils der Basis, die mit Stoiber unzufrieden waren. Den Showdown geplant, durchgeführt und gewonnen haben aber Beckstein, Huber und Glück.

    Zudem nervt diese unaendlich blöde Formulierung “schöne […] Landrätin”, die man nur noch um die Ohren geknallt bekommt. Was soll das? Haut Paulis Aussehen was mit ihrem politischen Engagement zu tun? Hat die Presse jemals in solcher Regelmäßigkeit vom “häßlichen Dr. Kohl”, “dem attraktiven Dr. Sowieso” geschrieben? Warum werden Attribute des Äußerlichen nur bei attraktiven Politikerinnen erwähnt - und dann ständig?

    In Bayern ist also ein MP abgesägt worden und sein Nachfolger ist ein noch üblerer Hardliner, der wiederum seinen Nachfolger im Amt des Innenministers gut aussuchen wird. Ich sehe keinen Grund zu jubeln, keine Revolution. Ganz im Gegenteil. Es wird noch schlimmer.

  7. Max B sprach

    @Max (Nr. 6)
    Die bayerische Verfassung wird nur durch Volksabstimmung geändert, übrigens in der Vergangenheit auch schon mal gegen den Willen der Mehrheitspartei. Und vor einer 2/3-Mehrheit der CSU im Bund muss man ja keine Sorgen haben…

  8. Max sprach

    Stimmt. 2/3 + positiver Volksentscheid.

  9. Klaus sprach

    Nicht, dass ich nicht auch froh wäre, wenn Stoiber weg ist, auch wenn an mir vorbeigeht, was an Beckstein besser sein soll, der quasi als Inbegriff des Law&Order galt, bis er vom Sozialdemokraten Schily rechts überholt wurde.

    Nicht, dass ich den Anteil von Pauli, das Ganze angestoßen und ins Rollen gebracht zu haben, nicht ausreichend würdigen möchte.

    Aber ich frage mich, ob irgendeiner derjenigen, die jetzt groß “Danke, Frau Pauli” rufen (inklusive der Titelseite der heutigen taz), wissen, für welche Politik sie steht.

    Ich weiß es nämlich nicht. Und finde in Ihrem Blog nicht wirklich viele politische Äußerungen, jenseits derer, die sich damit beschäftigen, dass Stoiber weg soll. Immerhin akzeptiert sie Lebensgemeinschaften jenseits der Ehe. Auch wenn sie sie nur für unterstützenswert hält, wenn Kinder dabei entstehen können.Aber Pläne zur Abschaffung des Ehegattensplitting und reinen Förderung des Nachwuchses kann man auch von Grünen lesen.

    Nette Bilderbuchkarriere in der CSU hat sie hingelegt, von der Jungen Union bis zum Parteivorstand. Kommunalpolitiker sind ja häufig für einen Blick über die Parteigrenzen aufgeschlossener. Ob eine bloggende und Motorrad fahrende Landrätin aber jahrzehntelange Mitgliedschaft in der CSU aufwiegen und eine fortschrittliche politische Einstellung erwarten lassen? Ich weiß nicht.

    Aber das ist derzeit anscheinend ziemlich egal.

  10. Franz-Josef Hanke sprach

    Liebe Leute,
    schlimmer als der
    Stammel-ede mit all seinen Machenschaften wird der Gun-Günter auch nicht mehr werden. Der ist - im Gegensatz zu Dr. Edmund Stoiber - wenigstens intelligent!
    Ansonsten aber stimme ich denen zu, die nicht allzuviel von der “Entsorgung” Stoibers erwarten. Die CSU ist durch und durch undemokratisch, lässt Leute hochkommen, die mit Erpressung und Intrigen arbeiten und serviert ihrer Mitgliedschaft das Führungspersonal ohne “Kampf-Kandidatur”.
    Horst Seehofer hat zu Recht kritisiert, dass das neue Führungs-Tandem Erwin Huber und Günter Beckstein in Hinterzimmern ausgekungelt worden ist.
    Dennoch ist der Fall Stoibers ein Etappensieg auf dem möglichen Weg zur Erneuerung Bayerns.
    Was Gabriele Pauli betrifft, finde ich das Ergebnis ihres Vorstoßes viel schöner als die Frau selbst. Und ich frage mich, ob sie mit Beckstein unter einer Decke steckt. Ihr Landkreis Fürth und Becksteins Herkunftsort Nürnberg liegen schließlich ja nicht so weit auseinander, dass diese Vermutung nicht naheliegend wäre, oder?
    Ich nehme noch Wetten an, ob Erwin Huber wirklich CSU-Chef wird oder nicht doch der “werdende Vater” Horst Seehofer.
    fjh

  11. Achim Schulze sprach

    @fjh
    Die neue Steigerungsform für Wahn in Bayern lautet:
    Wahn, Größenwahn, Pauli!

  12. Mein Parteibuch » Umfrage der Welt sieht Gabriele Pauli vorn sprach

    […] Über die Frage, wer in der Nachfolge von Edmund Stoiber zur Wahl des Parteivorsitzenden der CSU antreten wird, ist derzeit viel Widersprüchliches zu lesen. Als Favoriten für den Parteivorsitz gelten dabei meist der als eher sozial eingestellt geltende Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer oder der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber aus der Stoiber-Seilschaft. Die beliebte Fürther Landrätin Gabriele Pauli hat mal wieder, wir erinnern uns daran, dass ihr Ende Dezember auch niemand zugetraut hat, Edmund Stoiber aus dem Amt zu entfernen, keiner auf der Rechnung. […]

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