Wenn gewöhnliche Verbrecher in einem billigen Mafiafilm einen abtrünnigen Komplizen oder gefährlichen Zeugen zum Schweigen bringen wollen, dann wird der Verräter gewöhnlich aus einem Hinterhalt heraus ermordet. Die öffentlichkeitswirksame Hinrichtung von Saddam Hussein hat damit nur auf den ersten Blick nichts gemein.
Mir fällt es schwer, so etwas wie Mitgefühl mit einem Massenmörder wie Saddam Hussein zu haben. Mein Mitgefühl gilt da eher den alltäglichen Opfern der Todesschwadronen im Irak. Auch fällt es mir schwer, die Hinrichtung von Saddam Hussein als einen besonders schweren Verstoß gegen das Grundrecht auf Leben zu betrachten, die sie zweifellos ist. Bei einem geläuterten Straftäter wie Tookie wird es schon eher deutlich, dass die Hinrichtung von Straftätern auch ein Verbrechen ist. Auch der Vorwurf der Siegerjustiz erscheint mir unangebracht, denn es sieht für mich eher so aus, als dass kurdische Opfer ihren Peiniger gerichtet haben.
Trotzdem hat die Hinrichtung von Saddam Hussein für mich mehr als nur einen üblen Beigeschmack. Mit dem Massenmörder Saddam Hussein wurde nun nämlich auch ein wichtiger Zeuge beseitigt. Falls nämlich nach einem Regierungswechsel in den USA doch mal untersucht werden sollte, wer Saddam Hussein wie und warum im Krieg gegen den Iran unterstützt hat, so fehlt durch die Hinrichtung von Saddam Hussein der wichtigste Zeuge. Denn vermutlich kann nur Saddam Hussen selbst aussagen, welche Politiker oder Geheimdienstmitarbeiter aus westlichen Ländern ihren früheren Freund Saddam Hussein mit Massenvernichtungswaffen versorgt und zum Krieg gegen den Iran ermuntert haben.
Nun, wo der Mitwisser beseitigt wurde und das Kriegsziel damit erreicht, kann George W. Bush auch ganz unbefangen seine militärische Niederlage eingestehen und die Truppen abziehen. 50.000 Tote als Kollateralschaden bei der Ermordung eines Zeugen habe ich in Mafiafilmen jedoch noch nie gesehen.
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Das Thema hat in meinem sonst ja politisch kommentarlosen Blog für eine Diskussion um das Für und Wider der Todesstrafe geführt:
http://unkreati...tories/3119799/
Naja wenn man Herren wie Rumsfeld mit der in den USA neurdings legalen waterboarding-Methode zum Sprechen bringen würde, dann bräuchte man Saddam als Zeugen nicht mehr zwingend.
http://www.gwu....BB82/index2.htm
Übrigens könnte man auch bei der Sichtweise “Kurden töten Saddam” von einer Art Siegerjustiz sprechen, wenn man den Sieg mit Hilfe der USA über Saddam als kurdischen Sieg wertet. Und Opferjustiz ist auch nicht besser als Siegerjustiz.
Zunächst einmal bin ich ein Gegner der Todesstrafe in jeglicher Form und unter jeglicher Begründung.
Dass Bush die Todesstrafe und die rasche Durchsetzung begrüßt hat, hat sicherlich seine Gründe. Ich denke auch, dass Saddam Hussein interessante Details aus der Zusammenarbeit mit den USA hätte ausplaudern können.
Andererseits gibt es sicherlich noch Seilschaften im Irak, dem er gefährlich hätte werden können. Clanchefs, Wirtschaftsbosse und dergleichen mehr. Es haben sicherlich mehr Menschen für eine standrechtliche Durchsetzung plädiert.
Dass es den Irakt noch weiter ins Chaos stürzen wird, ist meines Erachtens sicher. Aber Bush hat seine Mission erfüllt, zieht ab und sucht sich eine neue Front…
“50.000 Tote als Kollateralschaden” - Aus der New York Times vom 10. Oktober 2006 geht hervor, dass seit der US-Invasion 2003 schätzungsweise 600.000 irakische Zivilisten getötet worden sind. (Hyperlink zeigt auf Artikel in der New York Times vom 10. Oktober 2006, der nur durch Eingabe eines Passwortes zu lesen ist. Unter diesem Hyperlink befand sich damals ein direkt aufrufbarer Artikel, in dem von schätzungsweise 600.000 Toten die Rede ist. Der Artikel müsste sich nach einer Registrierung bei der New York Times kostenlos lesen lassen können. Also ich gehe - vorläufig - von 600.000 Toten im Irak aus als Kolateralschaden.)
I am expecting this google bomb on hang man to take effect soon.
Das eigentlich interessante an der Hinrichtung ist, dass gestern auch das islamische Opferfest war, und eigentlich werden an diesen Tag grundsätzlich keine Bestrafungen durchgeführt. Gesagt hat mir das ein muslimischer Nachbar, bestätigt wurde diese Aussage von den Iman einer Moschee in Hamburg.
Das sorgt natürlich wieder für innepolitisches Feuer im Irak wenn sich derart über die Grundsätze der ortsüblichen Religion hinweggesetzt wird. Zufall war das bestimmt nicht.
Trotzdem jemand dazu auch noch öffentlich auf einem Marktplatz(!) aufzuhängen ist eine unvergleichliche Barbarei. Damit zeigen die USA meiner Ansicht nach, dass sie keinen Deut besser sind. Die viel beschworene These Amerika repräsentiere die “zivilisiert Welt” ist damit wohl hinüber. Der Unterschied zu den Saudischen Gerichten, die Leute auf dem Markplatz steinigen lassen nicht mehr existent.
@Marcel
“Auch der Vorwurf der Siegerjustiz erscheint mir unangebracht, denn es sieht für mich eher so aus, als dass kurdische Opfer ihren Peiniger gerichtet haben.”
Im Sinne der kurdischen Opfer wäre es gewesen, wenn der Anklagepunkt Halabja noch verhandelt und sämtliche Mittäter genannt worden wären. Das wurde aber ganz bewusst vermieden.
Und doch, wenn es überhaupt eine Todesstrafe geben muß (und ich beziehe da jeden Mord an Andersdenkenden mit ein): wer, wenn nicht ein Saddam hätte sie verdient? Da wurden schon Typen für weniger umgebracht.
Ja, allerdings sind auch schon Leute friedlich im Bett gestorben, die wesentlich mehr auf dem Kerbholz hatten. Wen es letztendlich erwischt, kommt immer darauf an, ob der Kandidat zufällig “our bastard” ist. Augusto Pinochet war es - und Saddam war es auch mal, bevor er sich verselbständigt hat. Die schlimmsten Massaker hat er allerdings angerichtet, als er noch “our bastard” war.
Wer bestraft Mr. Georg Bush.
Herr Bartels, wer sind jetzt die Todesschwadronen im Irak?
http://www.wsws.../salv-j20.shtml
Ich bin whitearap und nicht whiterarap
In der Tat hinterläßt der Ablauf seit der Ablehnung der Revision bis zur Hinrichtung einen üblen Beigeschmack. Er sollte den Politikern in Krisenregionen und Entwicklungsländern eine Warnung sein, ein Marionetten-Regime oder politische Handpuppe für die Interessen der USA zu werden.
Gruß
Alex
Alles eine Frage der Größenordnung - Pinochet (den ich zutiefst verabscheue) hatte max. 5000 Opfer zu verantworten - darüber lachen orientalische Despoten!
Ich bin ohnehin ein entschiedener Gegner der Todesstrafe. Wer einmal damit anfängt, der findet immer weitere Gründe, warum Leute sie angeblich verdient haben sollen.
Sicherlich war Saddam Hussein kein menschenfreundlicher Gutmensch, aber es ist schon merkwürdig, wie er ganz schnell vor dem Morgengrauen des Opferfests hingerichtet wurde.
www.hu-marburg.de/homepage/frieden/info.php?id=190 geht auf Behauptungen eines US-Militär-Experten ein, der eine ganz andere, kritische Version zu Halabaja vertritt. Er gehörte einer Untersuchungskommission der US Army zu den Vorgängen dort an.
Inwieweit seine Behauptung stimmt, dass der Vorwurf, saddam habe die Kurden vergast, falsch sei, lässt sich nach Saddams Hinrichtung nun nicht mehr so leicht klären. Ob das wohl Absicht war?
Immerhin strotzt die US-Politik gegenüber dem Irak nur so von Lügen!
Donald Rumsfeld war einer derjenigen, die sowohl beim Feldzug gegen Saddam als auch Jahre vorher bei dessen Feldzug gegen den Iran eine entscheidende Rolle gespielt haben. Aber ob man den so einfach zum Reden bringen wird?
Ich bin übrigens nicht nur gegen die Todesstrafe, sondern auch gegen Folter. Generell!
Das erste Opfer jedes Krieges ist die Wahrheit. Damit möchte ich nun nicht behaupten, Saddam sei ein Verfechter der Wahrheit gewesen. Aber es ist ein Skandal, dass man den geringsten Vorwurf gegen ihn auf ausgesprochen wackelige Weise abhandelt und die viel schwerwiegenderen Verbrechen dann nicht einmal gegen ihn vorbringt!
Möge die Zukunft - ein gutes Neues Jahr - die Wahrheit ans Tageslicht bringen!
fjh
Verloren hat die Aufklärung und Aufarbeitung von Verbrechen.
Damit hat die Wiederholungsgefahr eine Sieg errungen.
Es sind Abrechnungen zwischen Verbrechern.
Nicht mehr und nicht weniger.
Charakteristisch auch für Europa und Deutschland.
Der Texanische Schw***eh**d Bush (auch der Vater) müssen genauso hängen wie Saddam!
DIESEN TEXT KÖNNT IHR, WENN IHR WOLLT VERÖFFENTLICHEN!!!
Nein, die Todesstrafe ist bei den Bushs genauso falsch wie bei Saddam Hussein. Ich möchte Bush Senior genau wie Bush Junior wegen aller möglichen Verbrechen, die sie begangen haben, vor Gericht, aber nicht hingerichtet sehen. Das wäre sicher dem einen oder anderen ganz recht, denn wer hingerichtet wurde, kann keinen Komplizen mehr verpfeifen.
Zum einen verstößt die Todesstrafe gegen die Menschenwürde und zum anderen wird mit der Todesstrafe, wo immer es sie gibt, Missbrauch betrieben. Aus den Fehlern der französischen Revolution, wo munter drauflos exekutiert wurde, sollte die Welt eigentlich etwas gelernt haben.
666 gewinnt immer
Ich dachte, Gandalf hätte Bush-Balrog vernichtet?
Ich glaube nicht das die UN aus Spass das Vorgehen kritisiert haben..
Kurden? Das war wohl eher ein Ding zwischen Shiiten und Suniten…
http://riverben...og_archive.html
Meiner Meinung nach hat Saddam Hussein eine höhere Strafe als den Tod verdient! Was auch immer nach dem Tod passiert, schlimmer als ein lebenslanger Aufenthalt im Gefängnis kann es wohl nicht sein.
saadam hat es verdient.
er hat die gaskammer mit hilflosen menschen ausprobiert selb4er schuld