Auch wenn es nun ein bisschen spät kommt, so möchte ich nun doch mal etwas zum Thema Kinderspielzeug schreiben. Vielleicht taugen die Erfahrungen mit diesem Jahr dann ja für die nächste Geschenke-Runde.
Ich glaube, die Entwicklung von Kindern hängt maßgeblich davon ab, welches Spielzeug ihnen zur Verfügung steht. Das richtige kindgerechte Kinderspielzeug auszuwählen, ist jedoch alles andere als einfach. Dass es hilfreich ist, die Ratschläge von Tchibo als offiziellen Partner des Weihnachtsmannes zu befolgen, halte ich für fraglich. Klar, da wird wohl kaum einer widersprechen. Aber welche Geschenke sind denn nun für die lieben Kleinen richtig?
Während es bei kleinen Kindern noch recht einfach ist, nettes altersgerechtes Spielzeug zu finden, ist das bei den größeren Kindern ungleich schwieriger. Wer als Eltern keine Ahnung hat, kommt leicht auf die Idee, einfach die Kinder zu fragen. Um das Reden miteinander zu vermeiden, bekommen die Eltern dann eine Liste mit dem zu kaufenden Plunder als Wunschzettel ausgehändigt oder gleich als Amazon-Wishlist online gestellt. Wenn Eltern den Wunschzettel nun einfach nur abarbeiten, dann machen sie es sich, wie ich meine, zu einfach.
Ich finde es zwar wünschenswert, wenn Eltern die Wünsche ihrer Kinder wahrnehmen, aber dass, wo die Eltern nicht weiterwissen, ausgerechnet die Kinder die schwierige Frage entscheiden sollen, welches Spielzeug das Richtige ist, mutet schon mehr als nur ein wenig seltsam an. Auf dem Gabentisch sammelt sich so nutzloses viel zu teures Plastik von Mattel und ähnliches Zeugs, das in der Fernsehwerbung der “Kinderkanäle” SuperRTL und Nick für 15 Sekunden ganz toll aussieht. Dass solches “Spielzeug” wenig wertvoll ist, lässt sich schon daran sehen, dass das Interesse des Kindes am Spielen damit nach nur wenig mehr als 15 Sekunden erlischt.
Wie aber kann man es besser machen? Die Gründe dafür, Kindern das Spielzeug zu schenken, dass die Eltern sich selbst als Kinder immer gewünscht haben, finde ich reichlich durchschaubar. Diese Verhaltensweise lässt obendrein völlig außer acht, dass sich die Welt seit Matchbox und Lego weiterentwickelt hat und es hoffentlich auch Fortschritte in der Entwicklung von kindgerechtem und nützlichen Spielzeug gegeben hat.
Vielleicht hilft ja professioneller Rat? Die Spielzeug-Empfehlungen im Online-Familienhandbuch finde ich praktisch wenig brauchbar, da sie wenig konkret ist. Das ist etwa so konkret wie der Zweck von Spielzeug in der Wikipedia weiterhilft:
Ein Spielzeug dient dem Erwerb und Erlernen verschiedener Fertigkeiten und Fähigkeiten. Bei Kindern dient es auch zur Vorbereitung ihrer Geschlechterrolle und ihrer Sozialisation in der Gesellschaft. Mit Spielzeugen werden bestimmte Vorgänge des Alltages nachgeahmt und nachgespielt.
Nun, wenn Spielzeug also dem Erwerb von Fertigkeiten und Fähigkeiten dient, sind dann Spielzeugwaffen nicht genau die richtige Vorbereitung auf das richtige Leben in der heutigen Zeit? Na gut, ich mag auch keine mordenden Kinder. Also brauchen wir was moralisch integeres. Diese fiktive Sonderedition von Lego übertreibt aber sicherlich etwas. Aber müsste dann nicht auch Tagesschau als jugendgefährdende Sendung eingestuft werden und mit Kindersicherung ausgestrahlt werden? Soviel Realität und Moral ist Kindern dann wohl doch nicht zuzumuten. Ich bin da optimistisch, denn bei Wahlen funktioniert der Jugendschutz schließlich auch und Kinder dürfen da erst ab 16 Jahren ihre Lieblingsverbrecher ankreuzen.
Wer seinen Kindern aus den vorstehend beschriebenen Gründen die Realität nicht zumuten möchte, kann seine Kinder ja wenigstens auf die Geschlechterrolle vorbereiten. Mädchen können bei Prinzessin Lillifee zum Beispiel lernen, ihre Frau zu stehen. Schnell merken Mädchen, dass es nicht hilft, nach Prinz Papa zu rufen, wenn sie ins Schloss nicht rein kommen, weil der auch nicht weiß, wie es geht. Ob Knaben kann durch pädagogisch sinnvolles Spielzeug wie das Dora AquaPet erklärt werden kann, wie sie von den wie oben beschrieben auf ihre Geschlechterrolle vorbereiteten Mädels wahrgenommen werden, wage ich jedoch zu bezweifeln. Amazon hat da anscheinend auch Komplexe. Richtig, denn möglicherweise haben die Kinder ja kein Spy Video Car und so fehlt ihnen da doch das nötige Grundlagenwissen.
Was liegt da näher, als Kinder bestimmte Vorgänge des Alltages nachahmen zu lassen? Mit dem Brio Networker können Kinder zum Beispiel schon im Vorschulalter die Gefahren erkennen lernen, die von Computern ausgehen, auf denen ein Betriebssystem von Microsoft installiert ist. So gerüstet, können Kinder dann auch mit fünf Jahren anstelle vor dem Fernseher vor spielerischer Schulsoftware am Computer geparkt werden und so Lehrer bei der Einschulung nicht nur damit verblüffen, dass sie schon lesen, schreiben und rechnen können, sondern auch zur Sicherheit der Informationstechnik in der Schule beitragen, in dem sie das Root-Passwort des Lehrer-Rechners gegen ein schwieriger zu erratendes ersetzen.
Ich will es frei heraus sagen: ich hatte Probleme, ansprechende Geschenke für den inzwischen sechsjährigen Kunstoberinspektor Alex zu finden. Was in Läden an Spielzeug feilgeboten wird, erscheint mir wie Relikte aus der Steinzeit, die ich entsetzlich langweilig und uninspiriert finde. Von Lernsoftware wie Lernspaß auf dem Bauernhof, den Lerndrachen Galswin, Löwenzahn oder Tell me more für Kids hat Alex mehr als reichlich. Aber auch Brettspiele für Kinder wie Scrabble Junior und Monopoly Junior hat Alex schon reichlich. Lieber als mit den Brettspielen für Kinder spielt Alex jedoch mit Brettspielen für Erwachsene wie Monopoly. Immerhin übt er da auch gleich etwas Lesen und ein bisschen praktisches Rechnen. Aber ist das kindgerecht?
Am Ende habe ich mich für die spielerische Entdeckung der Erde entschieden und so lag auf dem Gabentisch einerseits mit Risiko doch wieder ein Brettspiel, obwohl ich Bedenken hatte, dass ich ihn dadurch zu einem kleinen George W. Bush mache, und andererseits die Erde als Puzzleball in 540 numerierten Teilen. Alex hat sich tatsächlich gefreut, die Welt erobern und entdecken zu können. Der Puzzleball Erde hat es jedoch schwer gegen den kultivierten Blödsinn. Alex hat sich nach zwei Runden Risiko und einer Stunde Spiel mit dem Puzzleball ins Internet verabschiedet. Zielstrebig ging es dann zur Webseite des Fernsehkanals Nick, der seine Internetadresse den lieben Kleinen in den Werbepausen mitteilt, und Alex war alsbald vertieft in die Bikini Bottom Ka-ra-te Meisterschaft.
Tja, die einzige Regel, die wirklich immer gilt, ist wohl die, dass, wie man es auch immer macht, man es verkehrt macht. Die Meinung meiner Leser zum Thema Spielzeug würde mich sehr interessieren, besonders die von denen, die selbst Kinder haben.
PS: Überraschung! Während ich an diesem Beitrag geschrieben habe, ist Alex ganz von selbst gekommen, um weiter die Weltkugel zusammenzupuzzlen. Nachdem ich die Teile in Packen zu 50 sortiert habe, verliert er nun auch nicht mehr die Geduld dabei. Netterweise hat er sich obendrein noch bereit erklärt, für das Foto oben zu posieren.
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| Grillfest |
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Mit den Geschenken für die lieben Kleinen ist das so ne Sache. Dieses Jahr wurde es etwas teurer für uns, und wir haben unserer Tochter ein Klavier, so eines von diesen digitalen, gekauft. Aber auch nur weil sie seit über einen Jahr immer wieder mit wachsender Begeisterung auf einen alten Casio Keyboard hämmert. Zum Glück kann eine gute Freundin von uns einigermaßen Klavierspielen und hat sich bereit erklärt ihr Unterricht zugeben. Und damit das Fest dann nichr zu langweilig wurde (ein Klavier lässt sich schlecht verstecken gabs dann noch nen Guitar Hero 2™ Controller, mit dem sie dann ihr geliebtes FretsOnFire stilecht auf ihren Rechner abfeiern kann.
Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich vor vielen Monaten mal in dem Werbekatalog eines Cash&Carry Markts geblättert hatte, und dabei auch mein Blick auf die Spielzeugwerbung gefallen ist. Da gab es doch tatsächlich Playmobil-Spielzeug mit Einkaufswagen. (Das ist meine Erinnerung, theoretisch verwechsele ich natürlich auch etwas, bitte nicht abmahnen). Für mich ist dort die Frage zu stellen: Wird durch dieses Spielzeug vielleicht ganz gezielt ein bestimmtes Weltbild für die Kinder vermittelt? Das Weltbild, dass es ganz normal ist, mit dem Einkaufswagen einkaufen zu gehen? Dass man als Konsument seine Rolle in dieser Gesellschaft erfüllt. Also da müssen Eltern ganz genau darauf achten, wie sie ihre Kinder beeinflussen wollen. Also ich kann mich nicht daran erinnern, dass es früher so etwas gab - da gab es ein Playmobil-Piratenschiff, eine Lego-Ritterburg und so weiter. Aber es gab keine Playmobil-Einkaufswagen. Zumindest sind mir diese nicht in Erinnerung. (Bitte nicht abmahnen, ich gebe hier meinem Kenntnisstand wieder).
Also meine Meinung ist: Ich würde einem Kind keinen Playmobil-Einkaufswagen schenken, sondern ein Playmobil-Piratenschiff. Aber das muss jeder selber wissen. Es geht halt um ein bestimmtes Weltbild, das auch über Spielzeug vermittelt werden kann. Darüber muss sich jeder klar sein. Solche Kleinigkeiten sind schon wichtig. Also ich glaube, das Spielzeug auch ganz gezielt hergestellt wird, um das Weltbild der Kinder zu beeinflussen.
Vielleicht habe ich auch Unrecht, aber das fällt mir zum Thema Kinderspielzeug ein. Es geht halt um die unterbewusste Einflussnahme auf das Weltbild der Kleinen. Und Kinder sollte man halt schon ganz bewusst erziehen.
Meine beiden Jungs haben sich mächtig über jeweils 20 gr. Gold in Barrenform gefreut. Jedenfalls liefen sie nach dem Aufpacken sofort zu mir und haben sich bedankt. So etwas ist mir in den 15 Jahren zuvor niemals widerfahren!
Hallöchen!!!
Ich stimme Ihnen vollkommen zu.
Diese Seite ist echt KLASSE und super interessant. Ich werde zukünftig öfter reinschauen und Euch bei meinen Freunden weiterempfehlen
Da ich „bald“ eine Internetseite zum Thema Kinderspielzeug eröffnen möchte, würde ich mich freuen, wenn ich hier in diesem Gästebuch einen Link zu meiner neuen Homepage hinterlassen darf.
kinderspielzeug
Natürlich würde ich mich auch über Eure Meinung zu meiner Seite freuen.
Es grüßt Euch der Lars aus Hamburg
Hallo
ichfrage wann und was man seinemBaby im alter bis 4 Jahren soo schenkt! ist wichitg für schule!Mfg Taddy
Danke für diesen ausführlichen Artikel. Und ja, das Playmobil-Piratenschiff ist der Hammer, mittlerweile auch ein Klassiker. Wollen Sie bei den Kleinen als cooler Onkel ankommen, investieren Sie in das Playmobil-Piratenschiff. Ewige Dankbarkeit ist Ihnen sicher.