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23. Dezember 2006

Ein fiktives Gespräch

von @ 16:16. abgelegt unter Humor, Deutschland, Politik, CSU

Vorab möchte ich klarstellen, dass das nachfolgend aufgeschriebene Gespräch eine reine Fiktion ist, also ein Märchen, dass nichts, aber auch absolut gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, und erst recht nichts mit der bayrischen Bespitzelungsaffäre oder real existiertenden Personen wie Edmund Stoiber, Michael Höhenberger, Gabriele Pauli, Sebastian Freiherr von Rotenhan, Horst Müller, Günther Beckstein oder Markus Söder zu tun hat.

Mein Parteibuch wünscht gute Unterhaltung.

Ein fiktives Gespräch

- Micha! Michaaa!!! Komm jetzt mal schleunigst hierher.
- Jawohl, Chef, stets zu Diensten.
- Was ist denn das für ein Mist der da in der Zeitung steht? Stasi-Methoden? Frechheit, den Schmierfink lass ich feuern. Was soll’n denn die Leut von mir denken?
- Chef, ähhh, ja Chef, ich weiß nicht. Das sind aber ganz schön viele Schmierfinken, die Du da feuern musst.
- Sei’s drum, mit denen werde ich schon fertig. Wo kämen wir denn dahin, wenn hier jeder einfach sagen kann, was er denkt? Diese Schnepfe hat es doch tatsächlich gewagt, ein Internetforum aufzumachen. Und dann wollte die glatt, dass unsere Mitglieder befragt werden, bevor ich 2008 bestätigt werde. Das ist ja, das grenzt ja, Majestätsbeleidigung, so was.
- Eine ganz große Unverschämtheit war das, jawohl Chef.
- Als ich Dir gesagt habe, Du sollst mal schauen, wie wir die Schnepfe kaltstellen, da war Dir doch wohl klar, dass ich danach nichts über mich, sondern über sie was in der Zeitung lesen will?
- Jawohl, Chef.
- Und warum hast Du dann nicht etwas aus unserem Archiv verwendet? Du hättest doch bloß was davon an unsere Spezi beim Boulevard geben müssen, und schon wär die Schnepfe ein für allemal erledigt gewesen.
- Chef, da war nichts in unserem Archiv.
- Waaas? Da ist jemand in uns, uns, unserer Partei, gar auf Landratsebene noch, und wir haben keine schmutzige Wäsche in unserem Archiv, für den Fall, das’s mal frech wird? Sowas un-, unprofessionelles ist mir schon lange nicht mehr untergekommen.
- Chef, dafür kann ich jetzt aber nichts. Da hättest Du mal ein bisschen eher für sorgen sollen, dass wir die verdachtsunabhängige Überwachung von mutmasslichen Terroristen endlich bekommen. Da hätten wir jetzt nicht so einen Salat. Dass jemand, der eine Majestätsbeleidigung wagt, auch das Zeug zum potentiellen Terroristen hat, davon hätten mir schon einen Richter überzeugen können. Aber so?
- Michael, jetzt mache mal halblang. Am Ende soll ich gar noch Schuld daran sein, dass Du zu blöde bist, schmutzige Wäsche so auszugraben, dass Du nicht auffliegst. Was hast Du Dir eigentlich dabei gedacht, den den, wie heisst der noch gleich, Horst anzurufen?
- Nichts, Chef. Das habe ich alles wie immer gemacht.
- Was heißt hier nichts? Kannst Du, herrgottnocheinmal, nicht einmal nachdenken? Wenn ich Dir sag, Du sollst was über die Schnepfe ausgraben, damit’s erledigt ist, dann weißt Du doch, dass Du Dich dabei nicht erwischen lassen darfst. Hättest Du der nicht irgendwas bei der Staatsanwaltschaft anhängen können? Da hättest Du Dir uns nicht die Finger schmutzig gemacht.
- Naja, irgendwas muss ich dem Staatsanwalt ja auch erzählen. Und bei denen da unten, da weißt Du halt nie so genau. Stell Dir mal vor, der Staatsanwalt hätte mich verraten, da wär der Skandal noch größer gewesen. So hab ich halt mein Spezl Horst angerufen, und den erst al ein bisschen ausgehorcht, was man denn so in Stellung bringen kann, dass es nicht gleich in sich zusammenbricht. Dass der mich verrät, nur weil der Gewissensbisse hat, hätt ich nie gedacht. Das verzeih ich dem nie. Aber da siehst es wieder: Trau keinem Anständigen.
- Du, dafür, dass das Konsequenzen hat, dafür sorg ich schon. Der kriegt hier bei uns kein Bein mehr auf die Erde. Das muss schon zur Abschreckung sein.
- Beim Sebastian hat’s doch auch funktioniert, und da warst Du noch stolz auf mich, wie ich den zum Schweigen gebracht habe. Und was machen wir nun?
- Na, ich habe den Günter dahingeschickt, aber so ganz trauen tu ich dem auch nicht mehr. Der Günter tut ganz scheinheilig, als ob er mit der Schnepfe nix zu tun hat, aber die Schnepfe schlägt ihn als Chef vor. Da st doch was oberfaul.
- Und Du, was ist mit Dir, Chef?
- Michael, da hilft nur eins. Du musst nun in den sauren Apfel beissen, machst den Sündenbock und nimmst Deinen Hut. Ich kümmer mich schon darum, dass Du woanders gut versorgt unterkommst.
- Jawohl, Chef.
- Nun, geh, erzähl’s der Presse, dass Du zurücktrittst. Und vergess nicht, mir mein Interview mit dem Boulevard für den Gegenangriff auf die Schnepfe zu schreiben. Aber ein bisschen plötzlich, verstanden? Ich bring derweil schon mal den Markus in Stellung. Soll schließlich jeder wissen, was für ein anständiger Kerl ich bin und was für eine unmögliche Querulantin die Schnepfe ist.
- Jo, mei, was soll i denn da schreibn? Schließlich hamma ja koan schmutzige Wäsche gfunden.
- Da denk Dir halt was aus. Nimm halt was klassisches wie mein Name ist Hase und bei der Schnepfe parteischädigendes Verhalten, das geht immer.
- Jawohl, Chef!
- So, und nun mach Dich raus hier.

10 Kommentare zum Beitrag “Ein fiktives Gespräch”

  1. Anonymous sprach

    super

  2. Stefan sprach

    Zum Schießen!

  3. SoWhy sprach

    Ich finde in diesem fiktiven Gespräch fehlen einige “äh”, das würde das Ganze sicherlich verschönern ;-)

  4. Exil sprach

    Alpenländische Weihnachtsbräuche: “Den Winter austreiben”

  5. Rolf Schaelike sprach

    Solche Erzählungen schützen nicht unbedingt vor Klagen.

    Ich habe einen fiktiven Vortrag Ich bin endlich wer eines von mir ausgedachten Anwalts im Internet veröffentlicht.
    Ein Anwalt fühlte sich erkannt, und hat bei Buske in meiner Anwesenheit und unter lachenden Zeugen gejammert, mann erkenne ihn doch an dem Satz “… meine Nase verrät, dass ich trinke.” und zeigte auf seine rote Nase.

    Der Vortrag wäre identifizierend, ich solle diesen aus dem Internet nehmen.
    Freundcherweise hat dieser Anwalt bis heute nicht geklagt.

    Was nicht ist, kann noch werden.

  6. Commie sprach

    Schade, dass man sich scheinbar nur als CSU-Mitglied in Gabriele Paulis Forum registrieren kann.
    Ich hätte mich da gerne mal verblüfft dazu geäußert, dass es doch Spitzeleien nur im Osten gegeben haben soll…

  7. Mein Parteibuch » Showdown in Bayern: Gabriele Pauli vs Edmund Stoiber sprach

    […] Etwas kommt es mir so vor, als ob Revolution sei und die deutsche Blogosphäre sie verpennt. Nachdem ich mit dem fiktiven Gespräch schon mal einen Beitrag geschrieben hatte, der ganz sicher nichts mit der schönen Fürther Landrätin Gabriele Pauli und Spitzel-Ede Edmund Stoiber zu tun hatte, möchte ich nun doch mal was zur bemerkenswerten demokratischen Revoulte von Gabriele Pauli und der damit einhergehenden Demontage von Edmund Stoiber in den letzten Tagen schreiben. […]

  8. Mein Parteibuch » E-Mail von Radio Transparency an CSU-General Markus Söder sprach

    […] Das Ende Dezember von mir im Parteibuch veröffentlichte fiktive Gespräch hatte mit dem Mobbing an Gabriele Pauli aber natürlich überhaupt nichts zu tun. [Trackback URI]    [Permalink] […]

  9. Mein Parteibuch » Schimpf und Schande - Schmutzkampagne gegen Horst Seehofer sprach

    […] Die Frage ist kaum mehr als Rhetorik, denn wir erinnern uns alle nur zu gut: kurz vor Weihnachten des letzten Jahres hat die Fürther Landrätin Gabriele Pauli den Vorwurf gegen Edmund Stoiber erhoben, er würde in ihrem Privatleben herumschnüffeln lassen. Der Büroleiter von Edmund Stoiber, Michael Höhenberger hat bei Gabriele Pauli gezielt nach Geschichten mit Alkohol und Männern gesucht, und musste, als das öffentlich wurde, seinen Posten räumen. Im Parteibuch habe ich ein fiktives Gespräch veröffentlicht, dass schon aus rechtlichen Gründen natürlich nichts damit zu tun hat. […]

  10. Mein Parteibuch » Ausgespitzelt: bye-bye Edmund Stoiber sprach

    […] In der Staatskanzlei hat sich’s nun endgültig ausgespitzelt und keiner weint seiner Politik eine Träne nach. Günther Beckstein wird Ministerpräsident von Bayern. Meine Glückwünsche gelten trotzdem in erster Linie der bloggenden Landrätin Gabriele Pauli, die einen mutigen politischen Husarenritt hingelegt und damit ein Meisterstück in Sachen politischer Kommunikation abgeliefert hat. Chapeau! […]

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