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13. Dezember 2006

Social Networking bei kiezkollegen, openpeople, studiVZ & Co

von @ 17:07. abgelegt unter Informationszeitalter, Gedankenkontrolle, Wirtschaft, Datenschutz, Spam, Bürgerjournalismus, Blogosphäre

Nachdem ich hier bereits geschrieben hatte, dass ich Unister nicht mag, aber bisher noch nichts zu StudiVZ geschrieben habe, möchte ich nun noch kurz hinzufügen, warum ich Social Networking Plattformen insgesamt nicht mag.

Die Stärke des Web 2.0 liegt darin, dass es aus vielen kleinen dezentralen vom jeweiligen Autor allein kontrollierten Inhalten besteht, die so gut miteinander vernetzt sind, dass das Web 2.0 praktisch unzensierbar ist. Die bestehende Zensurfestigkeit wird ermöglicht durch offene Vernetzungsstandards wie Ping und Trackback, Open Source Software, mit deren Hilfe jeder seine Inhalte auf einem Rechner seiner Wahl bereitstellen kann sowie leistungsstarke Suchmaschinen, Verzeichnisse und unzählige Blogrolls, die dafür sorgen, dass die Inhalte der einzelnen Autoren auffindbar werden. Zentral gesteurte Social Networking Plattformen unterlaufen alle diese Ansätze.

Wer einer zentral gesteuerten, administrierten und kontrollierten Plattform seine Daten und seine Inhalte anvertraut, der muss ein ungeheures Mass an Vertrauen in den Eigentümer der Plattform haben. Ich meine, viele Eigentümer der Plattform rechtfertigen dieses Vertrauen keinesfalls. Bei Firmen wie Unister, studiVZ, kiezkollegen, openpeople, AOL, Myspace oder Micro$oft’s MSN würde ich meine Daten und Kontakte jedenfalls keinesfalls aufbewahren wollen.

Die Kontakte, die ein Nutzer machen kann, also das soziale an diesen Social Networking Plattformen, werden vom Besitzer der Plattform vorgegeben, denn Kontakte zu Nutzern anderer Plattformen werden von keiner mit bekannten großen Social Networking Plattform unterstützt. Erst recht nicht unterstützt wird die Portierbarkeit von Inhalten und Kontakten auf eine Plattform eines konkurrierenden Anbieters. So werden die Nutzer der großen Social Networking Plattformen an ihren Hausherren gebunden, auch wenn der ihnen später mal nicht mehr gefällt.

Besonders problematisch ist es aus meiner Sicht, dass nicht mehr die jeweiligen Nutzer und Autoren die oberste Kontrolle über ihre Daten und Inhalte sind, sondern dem Besitzer der Plattform. Gefällt dem Besitzer einer Plattform ein Inhalt nicht, zum Beispiel weil darin eine Kritik am Besitzer der Plattform geübt wird, kann er die Inhalte entfernen. Möchte der Besitzer einer Plattform die Daten der Nutzer zu Geld machen, kann der Besitzer der Plattform diese mitsamt der Nutzer verkaufen. Gefällt dem Nutzer ein neuer Besitzer wie Rupert Murdoch bei Myspace nicht, muss er gehen, und verliert dadurch alle seine Kontakte.

Möglich sind natürlich auch Sicherheitslücken, durch die die eigenen Daten in falsche Hände gelangen können. Der Nutzer kann dagegen herzlich wenig machen. Natürlich kann der Anbieter einer Plattform die eingegebenen Daten auch missbrauchen. Social Networking Plattformen sammeln große Mengen an hochqualitativen E-Mail-Adressen. Wenn der Betreiber dann Geld braucht, könnte er beispielsweise die Daten seiner Nutzer an Spammer oder Newsletterbetreiber verkaufen.

Insgesamt kann ich allen Benutzern von Social Networking Plattformen empfehlen, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten. Anstelle von Pokes kann man E-Mails und Instant Messager verwenden, Weblog-Beiträge kann man mit Trackbacks und Pingbacks verlinken, Bilder passen auch prima in Blogs hinein und anstelle eines Unterverzeichnisses auf einer Social Networking Plattform kann man auch eine eigene Domain verwenden.

Es sind dezentral kontrollierte Seiten mit die offenen Standards, die das Zeug dazu haben, mit dem Web 2.0 die Welt zu verändern und nicht zentrale Plattformen, die mit großen Budgets verzweifelt versuchen, die aus dem Presse und Rundfunk bekannte Informationshoheit von einzelnen Oligarchen zu Zeiten des Web 2.0 nicht abgeben zu müssen.

14 Kommentare zum Beitrag “Social Networking bei kiezkollegen, openpeople, studiVZ & Co”

  1. Alexander Trust sprach

    Vielen Dank für die Erwähnung. Was genau ist für Sie der springende Punkt beim Stichwort dezentrale Organisation?

  2. Mein Parteibuch sprach

    @Alexander
    Dein Weblog ist wirklich recht lesenswert.

    Der springende Punkt bei der dezentralen Organisation ist die Kontrolle der Autoren über die eigenen Daten, Inhalte und Vernetzungen.

    Jeder soll selbst entscheiden können, was er bloggt, was er zensiert und ob er mitsamt seinen Daten und Inhalten zu einem anderen Anbieter wechseln möchte.

    Eine Social Networking Plattform kann jemand kaufen und so Einfluss auf die Inhalte und auf die Vernetzungen nehmen. Letztlich besteht dann die meiner Meinung nach sehr reale Gefahr, dass Autoren bei den den AOL Journals und ähnlichen Plattformen sich wie unter einer Käseglocke bewegen und nicht merken, wie auf die Meinung der Autoren Einfluss genommen wird.

    Die Nachrichtenauswahl der Plattform sorgt für den “richtigen” Spin der dort betriebenen Blogs, Guidelines lassen sich benutzen, um nicht genehme Diskussionen zu erschweren und die Vernetzung wird beeinflusst, in dem zum Beispiel Trackbacks nur von der eigenen Plattform und nicht von der Konkurrenz akzeptiert werden. Das macht es für freie Blogger und Blogger anderer Plattformen vergleichsweise unattraktiv, auf solche Linkgräber zu verlinken. Dementsprechend schlecht sind solche Blogs meist auch bei Google gerankt, mal davon abgesehen, dass die Plattformen sich oft nicht mal die Mühe machen, den Titel eines Blogbeitrages in den URL des Beitrages rüber zu ziehen.

    Benutzer von Social Networking Plattformen erhalten oft keine eigene Domain, damit eingehende Links die Plattform und nicht den Nutzer pushen. Das führt dazu, dass, wer als Nutzer der Plattform den Rücken kehrt, so ziemlich alles verliert.

    AOL benutzt diese Machtstellung als Plattforminhaber offenbar sogar um Links von Livejournal zu blockieren.

    Ich denke, so entsteht die Käseglocke.

  3. Daniel sprach

    @Marcel:

    Es fehlt eigentlich ein Format zum Austausch der Daten. Das heißt, ein Standard, denn ein XML-Format würde sich ja durchaus anbieten, um Profildaten, Kontakte und Messages zwischen Communities zu transferieren. Dann braucht es im Zweifelsfall nur einen Prozessor zu *.vcf, *.csv oder was auch immer und fertig ist die Chose.

    MfG

    Daniel

  4. Mein Parteibuch sprach

    Ein Format und eine Funktion für den Export und Import der Daten wäre natürlich schon ein guter Anfang. Solange aber die Nutzer nicht schon bei der Registrierung erkennen, wie wichtig so etwas ist, wird wohl kaum eine der schlechten Plattformen, wo die Nutzer allen Grund haben, wegzulaufen, so etwas anbieten und es den Nutzern erleichtern, vom Angelhaken wegzugehen.

    Außer einem Format für den Export und den Import der Daten fehlt auch meist die Möglichkeit, eine eigene Domain zu benutzen und so die Links mitnehmen zu können. Technisch wäre das kein Problem für die Plattformen, aber auch da fehlt der Wille, weil den Nutzern das Weggehen ja möglichst erschwert und nicht verenfacht werden soll.

    Die Nutzer bemerken den Angelhaken, an dem sie auf einer Social Networking Plattform hängen, meist erst recht spät - und nicht schon bei der Registrierung.

  5. Alexander Trust sprach

    Ergänzend noch mal zu offenen Formaten: Dieser Link hier http://microformats.org/ könnte interessant sein, oder alternativ jener: http://www.foaf-project.org/

    Bei ersterem geht es nur um den Austausch von Datensätzen, beim zuletzt genannten URL um die Möglichkeit komplette Netzwerke auszutauschen, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich habe die Informationen nur aus Pressemitteilungen und hab mich selbst “noch nicht” damit beschäftigt.

    Danke für das Lob Genosse. Denn Vorsicht, zu viel des Lobes unter Parteigenossen soll nicht gut sein. Nachher kriegt man das noch vorgeworfen, von irgendjemandem, mit dem man zu argumentieren sucht.

  6. der_chris sprach

    Wusste ich’s doch: Über Openpeople habe ich vor einiger Zeit etwas in Bezug auf FOAF und Microformats gelesen. Ehrlich liegt nichts ferner als die Vorstellung, dass ein Adressverkäufer sowas anbieten würde, weil die Technologien leider noch lange keine Mainstream-Verbreitung haben.

    Auch ist die zitierte Statistik suspekt, weil sie aus dem Jahr 2004 ist, eine andere Website (www.free-sms.de) verlinkt und es Openpeople erst seit Mitte diesen Jahres gibt…

  7. Mein Parteibuch sprach

    @chris
    Free SMS scheint mal zur Typographia Media GmbH aus Hannover gehört zu haben. Ohne dass ich genaueres weiss, würde ich mal vermuten, dass die Bude das Pojekt free SMS on Wallstreet Online vertickt hat und nun in Social Software macht.

    Der Einbau von Export-Formaten ist lobenswert. Aber was hilft’s, wenn man dafür damit rechnen muss, dass die Email-Adresse zum spammen benutzt wird? Immerhin kann man dann schnell abhauen. Aber wozu dann da erst registrieren? Ich würde da meine Daten nicht hinterlegen.

  8. Ulrich Brosa sprach

    Vor ein paar Tagen bin ich von einer angeblich gut aussehenden Frau eingeladen worden mich bei XING (Open BC) http://www.xing.com/ zu registrieren.
    Es koste nichts und da gebe es so viele interessante Foren. Und hochinteressante Business-Kontakte!

    Top E-Seilschafting.

    Ein paar Personen-Infos werden von XING umsonst bereit gehalten. Für die anderen soll man etwa 6 Euro pro Monat zahlen.

    Vermutlich sollte ich mit meiner Registrierung den Börsenwert von XING hochtreiben, vergleiche
    http://www.mana...,452285,00.html

    Mir ist völlig unklar: Welchen Nutzen soll XING haben? Sowas wie Myspace, bloß für ältere Semester?

  9. Alexander Trust sprach

    @Ulrich B.: Also Xing ist mehr als das. Xing ist eigentlich gedacht, um Geschäftsbeziehungen zu knüpfen, aber auch anzuzeigen. Es gibt dort Personen, die dort angemeldet sind, wie z. B. auch beim amerikanischen Pendant, die wirklich so etwas wie das Who is Who mancher Brancher darstellen. Wenn jemand so jemanden als Bekannten oder Freund eingetragen hat, sieht ein Auswärtiger sofort, dass diese Person über genügend Geschäftsbeziehungen verfügt. Dinge, die man manchmal nur per Zufall im gegenseitigen Miteinander aufdecken kann, liegen hier klar auf der Hand.

    Diejenigen, die sich dort anmelden, und aber eigentlich wenig Kontakte haben, denen bringt es am Ende ziemlich wenig. Je größer das Netzwerk wird, und je mehr sich die Seilschaften verstärken, desto eher kann man sogar Nachteile dadurch erfahren, dass man “quasi” als ein unbeschriebenes Blatt dort erscheint. Ein bisschen ist es ja auch eine Idee, die aus Personenkreisen stammt, die gerade auf das soziale Kapital wertlegen. Entrepreneurship. Nicht ganz meine Wellenlänge, aber für solche, die sich als Professionals ausgeben und mit Modewörtern um sich werfen, oder aber solche, die aus dem Wirtschafts- oder IT-Sektor stammen ist es von Nutzen. Ich weiß nicht ob Sie z. B. die Geschehnisse nach dieser Web 2.0-Konferenz in Paris verfolgt haben?! Wenn man sich die Blogbeiträge so mancher der dortigen Teilnehmer durchliest, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es dort eigentlich nur um Selbstbehauptung geht. Da werden kaum mehr Inhalte publiziert, sondern hauptsächlich Metadaten. Zum einen lässt man sich über die Konferenz und den Macher aus, zum anderen teilt man aber der Welt mit, mit wem man alles gesprochen und vom wem man alles eine Visitenkarte bekommen hat. Die Leute, die sich selbst “Professionals” nennen und im Grunde nur mit irgendwelchen Powerpointpräsentationen mittelständischen Unternehmen etwas vorgaukeln an Expertise, die sie nicht haben, also jene, die schlagen sich selbst damit ein Schnippchen. Weil sie fühlen sich zugehörig, wollen cool sein, hipp, trendy, usf. - aber eigentlich sind es nur Schafe, Lemminge, wie auch immer. Die Macher dieser Events, diejenigen, die die Szene gestalten und Lenken, sind die einzigen, die in irgendeiner Weise davon profitieren. Aber die anderen bilden sich etwas darauf ein, und dann werden wieder Mechanismen wirksam, die zum Abschluss führen. Zum Abschluss nach unten. Denn irgendwie, um sich selbst zu differenzieren, muss man sich von irgendjemandem abheben. Nach oben geht nicht, also schließt man sich nach unten ab. Solch ein im Englischen harmloses Wort wie Entrepreneur… es zeigt im Deutschen einen kategorialen Unterschied an. Glauben Sie, dass ein Chef einer Handwerksfirma, überhaupt von der Vokabel Kenntnis hat? Und selbst wenn. Er nennt sich einen Unternehmer. Claus Wowereit würde sagen: Und das ist auch gut so.

    Ich kann mich zwar, weil ich mit dem Computer groß geworden bin, in dieser Welt bewegen und beobachte die ganzen Trends, aber ich mache sie nicht mit. Für mich ist vieles nur von außen, auf den ersten Blick interessant, deshalb zieht es viele Leute an. Sie erinnern sich an die Zeit, da unsere Börse boomte? Die Rede von der New Economy? Das hier ist im Moment genau so etwas. Ich würde es den Leuten ja gönnen, wenn es Bestand hätte. Aber es ist dem Phänomen inhärent, das es nicht von langer Dauer sein kann. Eben weil es aus diesem Bereich stammt. In diesem Bereich ist die Halbwertszeit von Phänomenen und Erfindungen, also es ist, wenn mich nicht alles täuscht eine logarhitmische (oder doch eher eine e-)Funktion. Es wird rapide schneller und jene, die jetzt glauben, sie sind am Pol der Zeit, kriegen nicht mehr mit, wie sie im Grunde schon als überholt gelten. Und jeder, der dabei mitmacht, den wird, so glaube ich, dasselbe Schicksal ereilen.

  10. Alexander Trust sprach

    Um den Gedanken noch grad zu Ende zu führen. ;) Also, sich raushalten, vielleicht informiert aber eben nicht involviert sein - das ist, so glaube ich, derzeit die beste Lösung. Diese schnelle, unkontrollierte Bewegung in eine Richtung, sie wird sich irgendwann selbst regulieren müssen, wenn das System dahinter nicht den Bach hinunter gehen will. Und dadurch, dass es in immer kürzeren Zyklen einen Wechsel gibt, wird der ganze Prozess vielleicht gar nicht mal so lange dauern. Wer Geduld hat, der wird viel unbeschadeter aus der Sache entkommen können.

  11. der_chris sprach

    @Marcel: Ich habe um das Thema Spam in den Griff zu bekommen eine Domain mit Catch-All Postfach eingerichtet, d.h. ich registriere mich mit “mein-parteibuch@domain.de” hier im Blog und sobald eine nicht gewünschte Mail eintrifft, kann ich genau nachvollziehen ob und über welchen Weg eine Adresse weitergegeben wird… Vorzugsweise leite ich dann sämtliche eintreffende Mails an den Webmaster bzw. den Support der ursprünglichen Website weiter - dann nervt es nicht mehr mich sondern den Verursacher ;-)))

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