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28. November 2006

Selenz - § 007 : Die Lizenz zum Betrügen

von @ 18:11. abgelegt unter Über dieses Blog, Korruption, Recht und Unrecht, Kriminalität, Hans-Joachim Selenz, Wirtschaftskriminalität

Anlässlich der an die Auflage zur Zahlung von insgesamt rund 5,8 Mio Euro gebundenen Einstellung des Strafverfahrens gegen die Beschuldigten im Mannesmann-Prozess, die beim Verkauf von Mannesmann an Vodafone 57 Mio Euro abgegriffen hatten, fordert Hans-Joachim Selenz nun die Einführung von §007 als Lizenz zum Betrügen und die Einführung einer Steuer auf Raub, Anlagebetrug, Unterschlagung und Bestechung - die sogenannte RAUB-Steuer.


Selenz` Kommentar 27. November 2006                             www.hans-joachim-selenz.de

§ 007 : Die Lizenz zum Betrügen

Mr. Bond - James Bond natürlich - zeigt uns, wie man die Welt rettet. Er hat die Lizenz zum Töten. Keine Gesetze. Keine Fragen. Die Walther PPK regelt selbst schwierigste Fälle. Problemlos, legal! Warum, so fragt sich der moderne Bürger, machen wir das in unserem Staat nicht ebenso? Es muss ja nicht gleich Killen sein. Doch gemach. Die Lizenz zum Betrügen ist in unse-rem Lande durchaus schon weit verbreitet. Schichtenweise sozusagen. Man muss nur ein wenig genauer hinschauen. In Teilen der deutschen Justiz sind wir nämlich bereits den entscheidenden Schritt weiter. Quasi „legal“. Frei nach dem Motto: Von Bond lernen, heißt siegen lernen.

Zugegeben - es gibt sie noch, die Querulanten, Nachfahren von Michael Kohlhaas, die tatsächlich meinen, Gesetze seien dazu da, eingehalten zu werden. Und zwar von allen Bürgern. Welch altmodische Narretei. Gesetze gelten heutzutage bestenfalls noch für das Prekariat, Subproletariat, sozial Deklassierte. Politisch unkorrekt: Die Unterschicht. Die hat es nicht besser verdient. Keine rotarischen Freunde bei Staatsanwälten und Richtern. Ganz schlechte Karten also. Ist man erst einmal unten angekommen, kann man eh nicht mehr tiefer rutschen. Also was soll`s. Ein Bankräuber, der sich seine 10.000 Euro unternehmerisch und mit vollem körperlichem Einsatz erarbeitet hat und danach erwischt wird, brummt bis dato. 6 Jahre - mindestens. Und die hart erarbeitete Kohle muss er - trotz Geständnis - auch abliefern. Bewährung? Wieso? Unterschicht!

Anders sieht es da bei der Oberschicht aus. Ex-Rewe-Chef Berninghaus hatte seine Firma um mindestens 21,3 Mio. Euro betrogen. 11 Mio. zahlte er allein an Rewe zurück. Dafür erhielt er 2 Jahre - natürlich auf Bewährung. Hatte er nicht schon genug gelitten? Ex-VW-Vorstand und Kanzlerfreund Peter Hartz veruntreute mehrere Millionen. Geld, das er als Organ einer Aktiengesellschaft betreuen sollte. Im Sinne der Aktionäre - versteht sich. Er verjubelte es statt dessen mit Betriebsräten und leichten Mädchen in den Puffs von Rio und Goa. Den Schaden soll eine Bordell-Versicherung zahlen. Nachdem er zugegeben hatte, was eh nicht mehr zu verheimlichen war - und was Braunschweiger Staatsanwälte zum Teil schon seit Jahren wussten - kann er nun sogar mit Bewährung rechnen. Der arme Tropf habe doch so doll gelitten. Das sei Strafe genug.

Nicht nur da muss man Verständnis haben. Ex-Mannesman-Chef Esser darf seine 30 Mio. Euro sogar behalten. Der BGH stufte sein Verhalten zwar als Untreue ein. Ungerührt davon macht die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nun einen „Deal“ mit den Verteidigern. Esser zahlt danach 1,5 Mio. Euro Buße. Das sind rund und roh 5 Prozent der nach dem Urteil des BGH veruntreuten Summe. Er schließt sich gleichzeitig den Ausreden seiner Verteidiger an und ist alle Sorgen los. Ist noch nicht einmal vorbestraft! Das ist die neue deutsche Justiz á la James Bond. Ungerührt und ungeschüttelt bleibt da allenfalls die Justiz in Düsseldorf. Der normale Bürger und Otto Nomalverbrecher sind derzeit noch ein wenig ratlos. Doch auch ihnen kann geholfen werden.

Mein Vorschlag: Wir führen den § 007 ein. Die Lizenz zum legalen Betrügen, Rauben und Unterschlagen. Gleichzeitig wird eine Steuer für Raub, Anlagebetrug, Unterschlagung und Bestechung eingeführt. Die RAUB-Steuer. Das fördert nicht nur die soziale Balance, sondern vereinfacht die Rechtsprechung ganz ungemein. Bürger aller Schichten können hinfort ihre geraubten, veruntreuten und unterschlagenen Euro behalten. Sie zahlen 5 % RAUB-Steuer und sind fürderhin nicht einmal mehr vorbestraft. Warum sollte auch ein krimineller Hartz IV-Empfänger härter bestraft werden, als der kriminelle Erfinder der sozialen Daumenschrauben selbst. Das wäre ja Zwei-Klassen-Justiz pur. So etwas ist in einem Rechtsstaat, wie es die Bundesrepublik Deutschland - ohne jeglichen Zweifel - ist, völlig undenkbar. Die Vorteile liegen auf der Hand. Bisher weitgehend ungenutzte Geldmengen gelangen in den Konsum und fördern die Konjunktur. Wohlstand für alle bei sinkender Arbeitslosigkeit ist die unausbleibliche Folge.

§ 007 und RAUB-Steuer machen es möglich. Legaler Betrug á la Bond erschließt Konsum und Staatskasse neue Finanzquellen und sorgt gleichzeitig für leere Arbeitsämter und Haftanstalten.

Peine, den 27. November 2006                                        gez.: Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Selenz

Na, dann kann ja die Wirtschaft wie geschmiert weiterlaufen. Ist vielleicht Korruption in Deutschland doch mehr als ein Randproblem der Wirtschaft?

7 Kommentare zum Beitrag “Selenz - § 007 : Die Lizenz zum Betrügen”

  1. Dr. W.E. sprach

    Es gibt einen feinen Unterschied zw. Manager und Unternehmer:

    Erstere sind Statthalter einer AG mit pers. Millioneneinkommen, abgesegnet von den dummen Aktionären, die dieses wilde Treiben jährlich auf der HV sanktionieren, abgesegnet vom Aufsichtsrat, der wie bei VW sogar selbst an der monetären Nadel hängt.

    Letztere, die Unternehmer, ziehen praktisch kaum Kapital aus ihrem “Kind”, arbeiten und reinvestieren bis zum Umfallen. Spätestens eine fehlende Nachfolgeregelung lässt dann Großteile des Lebenswerks dem Staat anheim fallen.

    Eine SPD muss dem Mittelstand, dem Unternehmer, den Rücken stärken. Nicht einem Manager, der Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.

    Obwohl ich sehr viel Kohle in den letzten Jahren gemacht habe, denke ich, dass zuviel Geld den Charakter verdirbt.

    Deshalb sollte es eine absolute Einkommensgrenze geben: Alles über 200.000 EUR/Jahr Familieneinkommen ist sittenwidrig, unanständig und sollte dem Staat zur Entschuldung zu Gute kommen.

    Es geht um eine Kappungsgrenze, die dem sozialen Frieden in der Gesellschaft dient. Ohne diese wird der Topf der sozialen Ungerechtigkeit bald explodieren!!!!

  2. Keine Panik! » Mein-Parteibuch.de: Ein herrlich sarkastischer Artikel - und ein saudummer Kommentar sprach

    […] In Marcels Parteibuch-Blog bin ich gerade über einen feinen Artikel von Hans Joachim Selenz (ehemaliger Vorstand der Preussag AG sowie der Salzgitter AG) gestolpert. Lakonisch berichtet er dort über einige Vergleiche und Urteile in Sachen Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Unter anderem kommen zum Zuge: Ex-Rewe-Chef Berninghaus, Ex-VW-Vorstand Peter Hartz und Ex-Mannesmann-VerkäuferChef Klaus Esser. […]

  3. Mein Parteibuch » Notizen zu §40 StGB und §54 StGB sprach

    […] Ich denke, die Begrenzung eines Tagessatzes auf 5000 Euro im §40 StGB sollte schleunigst gestrichen werden. Eine Alternative dazu wäre allenfalls die Einführung einer RAUB-Steuer, wie sie Hans-Joachim Selenz vorgeschlagen hat. […]

  4. ulysses sprach

    @ Dr. W.E.:

    Volle Zustimmung, was die Abgrenzung Unternehmer - Manager betrifft.

    Unter den sogenannten “Statthaltern” gibt es aber auch zahlreiche “Condottieri”, die mit verbrannter Erde handeln:
    http://de.wikip...#Bl.C3.BCtezeit

  5. Mobbing-Gegner Blog sprach

    “In einer solchen Welt wollen wir nicht leben”

    das war die Titelzeile des Beitrags von Henning Noske vom 14. Dezember 2006 Da hatte ich noch Hoffnung, das auch mal über die Opfer berichtet wird. Nun nehmen wir es selber in die Hand.

    Da benehmen sich Teile der Volkswagen Personalabteilung wie di

  6. Mein Parteibuch » Ich bin stolz auf unsere deutsche Justiz sprach

    […] Auch mächtige Straftäter aus den Reihen von Wirtschaft, Politik und Justiz werden seitdem unnachgiebig bestraft, Versuche von totalitären Sekten, die Justiz zu unterwandern, werden von der Politik wirksam unterbunden und die Verwendung von Kennzeichen aus der totalitären Vergangenheit, selbst wenn sie durchgestrichen sind, unnachgiebig verfolgt. […]

  7. mediaoffice.net ™ » Blog Archive » Zwangsarbeit hemmt ostdeutschen Arbeitsmarkt sprach

    […] Lesen Sie auch “Lizenz zum Betrügen” bei “Mein-Parteibuch.de” […]

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