Nachdem in den Niederlanden mit Unterstützung durch den Chaos Computer Club sehr anschaulich demonstriert wurde, wie anfällig die dort eingesetzten Wahlcomputer für Manipulationen sind und dass Wahlcomputer auch nicht in der Lage sind, das Wahlgeheimnis zu wahren, wurde nun auch eine Petitition gegen den Einsatz von Wahlcomputern gestartet. Ich habe, wie bisher über 16.000 andere auch, diese Petition unterzeichnet und hoffe, dass es mir möglichst bald viele andere gleichtun werden.
Tobias Hahn, der die Petition eingereicht hat, fordert die ersatzlose Streichung des §35 Bundeswahlgesetz (Stimmabgabe mit Wahlgeräten). Mehr Informationen zur Petition und zum Anlass für die Petition finden sich auch im Lawblog. Unterstützt wird die Petition unter anderem vom Chaos Computer Club.
Übrigens sollten wir auch ohne Wahlcomputer beim derzeit geltenden Wahlrecht genau hinschauen. Auch ohne Wahlcomputer sind Versuche von Wahlfälschungen in großem Stil durch Briefwahl in der Bundesrepublik Deutschland der Gegenwart durchaus denkbar. Ich meine, bei Wahlen muss die Devise gelten: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser.
PS: Ich möchte alle Blogger bitten, diese Petition weiterzuverbreiten. Damit die Petition zwingend im Petitionsausschuss des Bundestages behandelt werden muss, sind bis zum 28. November 2006 50.000 Mitzeichner notwendig.
Nachtrag 10.11.2006: Bei der Petition gegen Wahlcomputer gab es “technische Probleme” auf der Seite des Dienstleisters, der im Auftrag des Bundestages die Stimmen zählt. Hier findet sich nun eine Ersatzpetition gegen Wahlcomputer.
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Wäre nicht eine Petition gegen den Einsatz von SCHLECHTEN Wahlcomputern ausreichend?
Natürlich sehe ich auch das Problem, dass man bei Wahlcomputern viel falsch machen kann. Und der Staat ist natürlich Meister des Falschmachens. Gerade bei komplexen Problemen, die der einfache Bürger nicht versteht. Aber deswegen kann man doch nicht Dinge einfach verteufeln. Die ersten Flugzeuge sind auch noch häufiger abgestürzt. Nur wo wären wir, wenn man sie deshalb gleich verboten hätte?
Der große Haken ist ja, wenn erstmal jemand gewählt wurde, der die nötige “kriminelle Energie” mitbringt, ist der mit diesen Maschinen nicht mehr abzuwählen. Ein Wahlbetrug ist nicht nachweisbar und zwischen den Wahlen werden die Geräte von den Leuten verwahrt, die gewählt werden wollen. Ich finde diese 50er-Jahre Technikgläubigkeit ziemlich blauäugig. Wir leben leider nicht auf dem Planeten Rosarot.
@Arno Y
>Wäre nicht eine Petition gegen den Einsatz von SCHLECHTEN Wahlcomputern ausreichend?
Nein, denn es gibt keine “guten” Wahlcomputer und ich halte es auch technisch nicht für möglich, dass es je welche geben wird.
Das Problem liegt in der Kontrolle der Wahlcomputer. Um Manipulationen auszuschliessen, müsste jeder einzelne Wahlcomputer von jedem Wähler kontrolliert werden können. Da ein Wahlcomputer jedoch eine komplexe Maschine ist, die umso komplexer wird, je sicherer sie sein soll, halte ich diese unabdingbare Voraussetzung für unerfüllbar.
Von den derzeit eingesetzten Wahlcomputer werden Musterexemplare durch die PTB geprüft. Genau hier liegen die wichtigsten Sicherheitsprobleme:
1. Eine Gegenkontrolle derjenigen, die ihre Stimme abgegeben, kann nicht erfolgen, da die Stimmabgabe geheim sein soll und es gerade nicht nachvollziehbar sein soll, wer seine Stimme wie abgegeben hat
2. Der Prüfprozess ist nicht kontrollierbar
3. Wer die PTB kontrolliert, kann damit systematische Manipulationsmöglichkeiten schaffen, die nur ihm bekannt sind, und daraus Vorteile ziehen
4. Es gibt keinerlei Kontrolle, ob die eingesetzten Wahlcomputer mit dem kontrollierten Musterexemplar identisch sind. Da der entscheidende Teil von Wahlcomputern Software ist, sind Unterschiede von Laien nicht zu erkennen. Tatsächlich ist es wohl auch in der Praxis schon vorgekommen, dass die eingesetzte Software nicht der geprüften Software entsprach.
5. Selbst eine vollständige öffentliche Prüfung aller eingesetzten Wahlcomputer würde das Problem der Manipulationsmöglichkeit nur lösen, wenn diese Computer von der Prüfung bis zur Wahl ständig unter öffentlicher Beobachtung stünden
6. Eine vollständige Prüfung der eingesetzten Wahlcomputer ist nur möglich, wenn auch die Produktion aller zur Fertigung eingesetzten Bauteile öffentlich und von jedermann kontrolliert werden könnte, denn schon ein ausgetauschter Transistor im Schaltkreis eines Chips kann eine Manipulationsmöglichkeit eröffnen, die später nicht mehr erkennbar ist.
Kurz und knapp, eine vollständige Prüfung ist aufgrund der Komplexität der Maschinen nicht - und schon gar nicht für jedermann - möglich. Dass diese unsicheren Wahlcomputer zugelassen wurden, belegt auch gleich, dass die Prüfung der Wahlmaschinen nicht objektiv und vollständig durchgeführt worden sein kann, obwohl sie jahrelang geprüft wurden.
Sinnvoll sehe ich den Einsatz von Wahlcomputern jedoch dort an, wo namentlich abgestimmt wird. Im Bundestag könnte man beispielsweise anstelle des Hammelsprung Wahlcomputer einsetzen. Jeder Abgeordnete und die Öffentlichkeit könnten die Richtigkeit der Stimmangabe unmittelbar kontrollieren, wenn die Wahlentscheidung aller Abgeordneten auf einer großen Tafel veröffentlicht würde. Jedermann könnte dann auch selbst mit einfachsten Mitteln nachrechnen, ob der Wahlcomputer richtig gerechnet hat.
Ist es nicht mithilfe kryptographischer Verfahren vielleicht doch möglich, dass jeder zumindest prüfen kann, ob seine Stimme richtig gezählt wurde?
Mir fällt es schwer zu erkennen, dass man die angebliche Sicherheit, die durch Papier entsteht, nicht mithilfe von Kryptographie nachbilden könnte.
@Hartmut
Die Kyptografie ist eher störend. Man kann selbstverständlich pseudonamentlich abstimmen. Wenn derjenige, der die Stimme abgegeben hat, bei der Stimabgabe ein Pseudonym frei erfinden kann, kann die Stimmabgabe neben dem Pseudonym veröffentlicht werden und ist so von jedem einzelnen überprüfbar. Nur, wie reagiert man dann, wenn jemand sagt, er hätte gar nicht so abgestimmt, wie das ausgewiesen wurde?
Es ist ja nichts mehr überprüfbar und darf es auch nicht sein. Also müßte der Wahlgang wiederholt werden. Das wäre aber schon wieder ene neue Missbrauchsmöglichkeit. Ein bösartig gesinnter Regent könnte so mithilfe von Parteigängern dafür sorgen, dass Wahlen wiederholt werden müssten und so seine Abwahl verhindert würde.
Wiederholung des Wahlganges notfalls bis zum Sankt Nimmerleinstag? Oder die Wiederholung auf Papier? Dann lieber doch gleich Wahlen auf Papier.
Marcel, ich frage mich, warum das, was das Papier leistet, nicht auch digital
geleistet werden kann, wie es etwa beim Unterzeichnen oder beim Geld
prinzipiell geht.
Vorstellen könnte ich mir etwa, dass sämtliche Stimmen veröffentlicht werden, aber
in verschlüsselter Form, wobei jeder einzelne aufgrund des Schlüssels seine eigene
Stimme finden kann. Möglicherweise könnten außer der Person ziemlich viele sonstige
Aspekte der Stimme (z.B. getroffene Wahl, ungefähre Angaben zu Ort und Zeit) auch
noch transparent sein, so dass im Zweifelsfall Leute zum Zwecke der Überprüfung
zueinander Kontakt aufnehmen und aus ihrer Anonymität heraustreten könnten.
Mir scheint noch vieles weitere an möglichen Maßnahmen denkbar, mit denen Überprüfbarkeit
hergestellt und trotzdem Anonymität gewahrt werden könnte.
Wie auch bei der Signatur stelle ich mir vor, dass die Funktionalitäten des Papiers
nicht nur nachgeahmt sondern auch übertroffen werden können.
Unsympathisch an den Kampagnen gegen E-Wahl etc ist mir das gleiche, was mir an
Epplers Problembewusstsein über angebliche Gefahren der “neuen Technologien”
und an der Haltung der Mimosenschützer von Frontal 21 unsympathisch ist: dass man
Gefahren statt Chancen wahrnimmt, d.h. zuerst an gewohnte Besitzstände denkt und
sich nicht in die neue Situation hineindenken mag, die von den neuen Möglichkeiten
geschaffen wird. Leider haben CCC und andere Vereine ihre Öffentlichkeitsarbeit
in der Vergangenheit zu einem großen Teil auf dieser Schiene gefahren und damit
die Probleme verstärkt, von denen wir heimgesucht werden.
Ich denke die USA haben gerade in Sachen Wahlmaschinen neue Möglichkeiten geschaffen, sich in neue Situationen hineingedacht und Chancen statt Gefahren wahrgenommen.
Vielmehr sollte man sich fragen warum, normalerweise technikverliebte, “Freaks” gegen die Wahltechnologie der Zukunft sturmlaufen.
Warum sträuben sich Politiker und Herstellerfirmen so gegen Wahlcomputer die einerseits die Stimme elektronisch erfassen, und zusätzlich einen Ausdruck anfertigen, den der Wähler kontrollieren und in eine Wahlurne werfen kann?
So hätte man den Vorteil, dass das Wahlergebnis viel schneller grob erfasst werden kann als bei manueller Auszählung, und trotzdem noch die Nachprüfbarkeit einer manuellen Auszählung.
Die dann allerdings auch obligatorisch in einer Anzahl von zufällig ausgewählten Wahlbezirken durchgeführt werden muss, und im Zweifelsfall zählen die Papierstimmen.
Ich habe da so den Verdacht, dass die Geräte eine gewisse “Fehlerquote” haben, die dann aufgedeckt wird und das Vertrauen in die Kisten beim Wähler schwindet.
baseface, in den USA wurden mW schon in den 50er Jahren Wahlcomputer eingesetzt. In Estland werden sie wohl auch seit ein paar Jahren eingesetzt. Und wahrscheinlich kann man vieles viel besser machen.
Wahlfälschungsvorwürfe und Streit darüber hat es immer wieder gegeben, z.B. 2000 in USA, 2006 in Italien.
Dass Computerfreaks für Papierwahl eintreten, gibt schon zu denken. Von dort kommen aber auch Warnungen wegen RFID-Chips und vielen Dingen mehr, die vorteilhafte Seiten haben. Vielleicht ist der PR-Erfolg, den man mit solchen Warnungen bekommen kann, auch für die Freaks einfach verführerisch.
Polemik ist in diesem Zusammenhang sehr verführerisch, denn die Kernspaltung ist/war auch ersteinmal prinzipiell vorteilhaft, “Freaks” PR-Geilheit anzudichten geht aber auch in diese Richtung.
Hab ich neulich mal bei /. gelesen (und mit dem stimm ich auch überein). Der ideale Wahlcomputer wäre eine Art Zettelausfüllhilfe, speich man macht am Computer sein Kreuzchen und die Maschine spuckt ein Wahlzettel aus, den man dann zur Urne trägt und einwirft.
Intern zählt die Maschine natürlich die Stimmen und kann diese sozusagen als Hochrechnung übermitteln. Da die Wahlzettel maschinell ausgefüllt wurden, werden so schonmal ungültige Wahlzettel eleminiert und z.B. das maschinelle Lesen der Zettel lässt sich gut machen.
Und vor allem, bei anfechtungen hat man ein grossen Batzen Wahlzettel die man nichmal zählen kann.
Den aktuellen Wahlmaschinen trau ich absolut ned übern Weg!
Interessantes Nebendetail, so ziemlich viele Informatiker (oder sogar alle?) welche sich auch nurmal annähernd mit der Materie beschäftigt haben, sind dagegen. Aber unsere Politiker, welche ja wie immer durch gut fundierte Kenntnisse glänzen, vertrauen der Aussage des Herstellers, der in einer Untersuchung festgestellt hat, das alles sicher ist.
*argh*
cu
Lobo
Informatiker und Nerds sind gegen Wahlmaschinen, weil sie aus dem EffEff die Schwachstellen und Manipulationsmöglichkeiten kennen.
Politiker sind für Wahlmaschinen, weil ihnen die Informatiker und Nerds gesagt haben, dass diese Maschinen Schwachstellen haben und man sie manipulieren kann!
Aus den vorhandenen Petitionen geht für mich allenfalls hervor, dass es Probleme gibt und dass die Nedap-Wahlmaschine sie nicht löst.
Warum eine anonyme Abstimmung grundsätzlich nicht in überprüfbarer Weise möglich sein soll, wird nicht erklärt.
M.E. ist es durchaus für die Demokratie wichtig, dass Wahlen von zu Hause aus per Rechner möglich werden. Viele Bürger beteiligen sich einfach deshalb nicht an Wahlen und Volksabstimmungen, weil das geringe Gewicht der eigenen Stimme nicht den Aufwand der damit verbundenen Prozedur (insb Gang zum Wahllokal an einem bestimmten Tag) rechtfertigt.
@Lobo
Selbst dabei besteht die Gefahr, dass die Anonymität der Wahl durch ein “Ablauschen” der Maschine nicht mehr gewährleistet ist. Besser: Zettel von Hand ausfüllen und eine Zettelzählmaschine zur schnellen Gewinnung von Hochrechnungen benutzen.
@Reinhard
Ich glaube nicht, dass Politiker in Deutschland derzeit wegen der Manipulationsmöglichkeiten für Wahlmaschinen sind. Ich sehe da ganz klar das berechtigte Interesse, die Zählarbeit zu reduzieren. Das könnte sich aber in dem Moment schlagartig ändern, wo Spitzenpolitiker nach Beendigung der Amtszeit mit der Konfrontation mit schwersten strafrechtlichen Vorwürfen wie Vorbereitung und Führung eines Angriffskrieges oder Anstiftung zum Mord rechnen müssten.
@Hartmut
Das entscheidende Problem bei Wahlcomputern sehe ich darin, dass ein geschickt gemachter Betrug im Nachhinein nicht mehr verifizierbar ist. Dass es die Gefahr oder zumindest Vorwürfe von Wahlbetrug gibt, sagst Du ja selbst. Bilder von Wahlfälschungen wie die hier aus Belarus würde es mit Wahlmaschinen nicht mehr geben.
Das ist auch der Grund dafür, dass ich Wahlmaschinen selbst bei innerparteilichen Wahlen ablehne. Für Wahlmaschinen spricht bei innerpateilichen Wahlen die größere Anonymität bei geheimen Wahlen, denn da es innerparteilich keine Wahlkabinen gibt, könnten gute Wahlmaschinen die Anonymität einer geheimen Wahl tatsächlich verbessern. Der Nachteil dessen, dass Wahlfälschung per geschickter Manipulation von Wahlmaschinen praktisch nicht nachgewiesen werden kann, überwiegt dieses Argument meiner Meinung nach jedoch.
Marcel, was ich nicht verstehe ist, warum man die genannten Probleme nicht durch ein geeignetes Verfahren lösen könnte. Etwa ein Verfahren, bei dem jeder alle Stimmen sieht und nachzählen kann, aber außer bei seiner eigenen Stimme nicht weiß, welche vom wem stammt. Wenn sich ein schwieriges Problem wie E-Geld (auch anonym) lösen lässt, warum dann nicht E-Wählen?
Hi Marcel,
warum ist es angeblich so wichtig die Zählarbeit zu verringern? Welchen Nutzen soll man davon haben? Ich habe selbst oft genug an Auszählungen teilgenommen (zT. bis in den frühen Morgen). Ja, das ist nerviges Fitzelzählen. Ja, das kann anstrengend sein. Aber haben wir soviele Wahlen, dass man deswegen eine Erleichterung der Zählarbeit vornehmen müsste? Wer hat einen Nutzen davon?
Ich glaube nicht, dass die Befürworter der Einführung das Wohl der Auszähler im Sinne haben.
Ist es die Geschwindigkeit? Wollen die Herren und Damen bei der kurz nach Lokalschluss anstehenden Elephantenrunde sich nicht die Blöße geben, wegen Fehlern in den Prognosen verfrüht den Sieger zu geben? Man dort auch sonst wenig Hemmungen sich mit unsäglichen Peinlichkeiten in der Öffentlichkeit die Blöße zu geben.
Das amtliche Endergebnis am nächsten Vormittag unterscheidet sich nur in wenigen Promillepunkten von den Prognosen des Wahlabends, so dass auch dies kein Argument sein kann.
Warum also? Wer hat einen Nutzen davon? Wo liegen die Vorteile, die so schwer wiegen, dass man die Nachteile (erhöhte Manipulationsmöglichkeiten inklusive leichterer Verschleierung) in Kauf nehmen kann?
Ich sehe sie nicht. Du?
Zum Betrug mit Wahlcomputern:
Als das US-Parlament nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Jahre 2000, wo George W. Bush erst mit Hilfe des Obersten US-Gerichtshofs zum Präsidenten ernannt wurde, für die Einführung “moderner, sicherer Wahlmaschinen” stimmte, investierte Georgia, wie viele andere Bundesstaaten auch, nicht weniger als 54 Millionen Dollar in 19 000 Wahlcomputer der Firma Diebold. Kurz vor dem Midterm-Wahltag im November 2002 ordnete der damalige Diebold-Chef Walden O’Dell an, dass an rund 5000 Computern, die ausnahmslos in stark demokratischen Wahlbezirken aufgestellt sind, die Memory-Karten ausgewechselt werden. Chris Hood, ein ehemaliger Diebold-Repräsentant, erinnert sich noch genau an die Aktion: “Wir arbeiteten von 7.30 bis 23 Uhr.”
Als bei der Wahl sowohl der demokratische US-Senator Max Cleland als auch sein Parteikollege Roy Barnes, der sich um den Gouverneurssessel bewirbt, völlig überraschend verlieren, ist die Verwunderung bei den Vertretern beider Parteien groß. Kritik von demokratischer Seite verhallt relativ ungehört. Diebold versichert, dass ihre Wahlcomputer “absolut hackersicher” sind und Betrug ausgeschlossen sei.
2004 wird Ohio wirklich zum Epizentrum des Präsidentschaftswahlkampfes. Nach der Auszählung von 49 Staaten hängt es davon ab, welcher Kandidat Ohio und damit das Weiße Haus gewinnt. Exitpolls, die normalerweise eine Ungenauigkeitsquote von ein bis zwei Prozent haben, zeigen an, dass John Kerry mit etwa sieben Prozent klar vor Bush liegt. Nach Augenzeugenberichten hat man sich im Weißen Haus bereits mit der Niederlage abgefunden, als Bush wie durch ein Wunder doch mit rund 123 000 Stimmen in Ohio die Nase vorne hat.
Quelle: http://www.aben.../30/631731.html
Von 7% hinten auf 123.000 Stimmen (ca. 3%) vorn liegend? Ein Wunder mit Hilfe der Technik? Das Problem: niemand, kein Wahlauschuss, keine Behörde, kein Politiker, kein Gericht kann die Wahl nachprüfen. Und billig ist dass “Vergnügen” die Nachprüfbarkeit, damit die Verläßlichkeit und (relative) Manipulationsfestigkeit zu opfern, auch nicht gerade. Und dass allein um den Effekt, wenige Minuten nach Wahlschluß das angebliche Ergebnis zu kennen? Das lohnt nie, in der Regel liegen solche Maschinen nämlich 4 Jahre ungenutzt im Schrank. Werden sie auch für Landtagswahlen eingesetzt 2 Jahre. Es sei denn, es kommt eben gerade auf die Manipulationsoption an; dann kann das eine gute Investition sein. Mit dem zusätzlichen Vorteil, dass das abgezogene Stimmvieh diese bezahlen muss.
Reinhard, es ist vor allem wichtig, den Aufwand des Wählens (Gang zum Wahllokal etc) zu verringern.
@Hartmut Pilch: Es wäre denkbar, mithilfe eines Public-Key-Kryptosystems eine solche Transparenz für den einzelnen Wähler herzustellen. Public-Key-Kryptosysteme werden inzwischen durchaus häufig eingesetzt, ein Beispiel aus der Netzwelt ist PGP.
Offen bleibenb für mich dann allerdings auch wieder ein paar Punkte:
- Nicht klar ist mir allerdings, wie man die Summe der Stimmabgaben kontrollieren sollte.
- Ein einheitliches Schlüsselvergabesystem, welches eine vorherdefinierte “mathematische Sicherheit” besitzt (diese Kryptosysteme sind prinzipiell “knackbar”, aber der aufzuwendende Aufwand ist so hoch, daß sich hoffentlich niemand dranwagt) und das auch von Verschwörungstheoretikern (”der BND/CIA/NSA hat einen Algorithmus, mit dem er trotdem alles mitlesen kann”) nicht widerlegt werden kann, fehlt. Man müßte ja jedem Wahlberechtigten und jeder Wahlmaschine einen Privaten und einen Öffentlichen Schlüssel (zwangs-)verschaffen.
- Die Sicherheit der Private-Keys ist nicht gewährleistet.
@ 18: Nein! es ist vor allem wichtig, dass Wahlen frei, gleich, geheim, fair und nachprüfbar abgehalten werden und ein Mann/eine Frau nur eine Stimme hat. Dazu gibt es ein bewährtes Verfahren, dass relativ robust gegen Manipulationen ist, da es u. a. eine Nachprüfung - auch noch nach Jahren - ermöglicht. Wem für die Ausübung demokratischer Rechte schon die Präsenz im Wahllokal zu lästig ist, der ist es nicht wert, dass man sich um seine Teilnahme am Verfahren bemüht. Die Bequemlichkeit dieser Leute muss hinter die umfassenden Anforderungen an demokratische, prüfbare Wahlen zurücktreten. Die sinkenden Beteiligungsquoten an Wahlen haben viel mit der Uniformität der politischen Angebote und gar nichts mit dem m. E. geringen Aufwand des Wählens zu tun.
Q, der Einfluss einer Stimme ist so gut wie Null. Für einen rational denkenden Menschen ist die für Papierwahlen verbrauchte Zeit sicherlich mehr wert als Null. Man muss es den Bürgern nicht unnötig schwer machen.
Im übrigen bin ich auch der Meinung, dass die genannten Anforderungen an Wahlen erst erfüllt sein müssen, und ich vermute, dass sie von Nedap nicht erfüllt werden.
Die Behauptung, das sei von Natur aus so vorgegeben und müsse immer so bleiben, erscheint mir allerdings unzureichend begründet.
Man sollte eine solche Behauptung schon deshalb nicht hinnehmen, weil damit die die Möglichkeiten, Dinge durch Wahlen zu entscheiden, sehr stark eingeschränkt werden. Wer das behauptet, sagt damit, dass Demokratie nur auf wenigen Ebenen bei wenigen Anlässen stattfinden darf und dass die Zukunft nicht besser als die Gegenwert werden soll.
@Hartmut
Das Hauptproblem bei Wahlcomputern sehe ich in fehlendem Vertrauen in unsere Behörden. Es ist meiner Erfahrung nach leider nicht die Ausnahme, dass Behörden durch Politiker instrumentalisiert werden, sondern eher die Regel. Leitende Positionen in Behörden werden ausserdem durch die Politik besetzt, und so ist es nicht abwegig, sich vorzustellen, dass in Behörden rechtswidrige Dinge auf Geheiss sich nicht rechtskonform verhaltender Politik veranlasst werden. Politiker haben so indirekt Zugriff auf die Prüfung der Wahlmaschinen. Diesen Widerspruch halte ich nicht für lösbar.
Das beste Beispiel dafür ist die Zulassung eben solch mangelhafter Wahlmaschinen, die ich ohne Nachhilfe durch finanziellen Druck oder direkten Druck aus der Politik nicht für möglich halten würde.
Man stelle sich einmal vor, die Wahlmaschinenprüfer erklären über viele Jahre hinweg jedes geprüfte Gerät für unsicher und damit unbrauchbar. Die Wahlmaschinenprüfer würden damit ihren Job gefährden. Deshalb ist die Verlockung gross, anders zu entscheiden und unsichere Wahlmaschinen für sicher zu erklären.
Die Vorstellung von Wahlgeräten, die es ermöglichen, von zu Hause aus zu wählen, finde auch ich sehr reizvoll, aber ich bezweifle, dass es möglich ist, eine Wahlmaschine zu bauen, die nachprüfbar richtige Ergebnisse liefert. Das Kriterium der Nachprüfbarkeit ist meiner Meinung nach unerfüllbar.
In Holland scheinen die Proteste erste Erfolge verzeichen zu können:
http://unkreati...tories/2871253/
@ 21: das der Einfluß einer einzelnen Stimme gegen Null tendiert ist eine rein statistische Aussage. Nun summieren sich die nahezu “Null-Einfluss-Stimmen” aber auf ca. 40 Mio insgesamt. Und da gilt die alte “Sparerregel”: viele Wenig machen ein Viel!, und das zählt in einer Demokratie. Nicht der Einzelne, sondern Mehrheiten entscheiden. Wem das nicht gefällt, hat sich die falsch Staatsform ausgesucht.
Wenn, wie ich annehme, Du Dich als rational denkend bezeichnest, und damit die Zeit, die der Gang zur Wahlurne beansprucht, kostbarer ist als den eigenen Einfluß mit wiegen zu lassen, gilt für Dich, was ich unter #20 schon schrieb: Deine Bequemlichkeit ist es (mir) nicht wert, dass man sich um deine Teilnahme am Entscheidungsverfahren bemüht. Und meine Anforderungen an Wahlen halte ich für deutlich rationaler begründet, als Dein vehementer Einsatz für umfassende Lethargie. Wenn Du einmal in 4 Jahren den Arsch nicht hochkriegst, bist Du mir völlig schnuppe.
Ich behaupte übrigens nicht, dass das bisherige Wahlverfahren “von Natur aus so vorgegeben” ist und immer so bleiben muss. Aber ich ersetze Bewährtes, und das Verfahren ist bewährt, nicht aus Selbstzweck, rein um des Ersetzens willen oder weil es technisch möglich ist und Technokraten es befürworten. Ich mache einen Änderung nur dann, wenn a) die bisherigen Anforderungen an das Verfahren nicht in Frage gestellt werden, und sich b) weitere Vorteile, z. B. geringere Kosten, schnelleres Verfahren etc. ergeben oder c) um Fehler zu beseitigen. Dies ist nicht garantiert, im Gegenteil. Vorteile einer elektronischen Wahl sind m. E. nur beim Lieferante und Betreiber der Wahlcomputer und denen zu sehen, die eine Wahl manipulieren wollen. Das zu fördern und zu unterstützen ist nicht in meinem Interesse. Fehler im bisherigen Verfahren kann ich nicht entdecken, hingegen sind diese eher sämtlichen elektronischen Verfahren eigen.
Die Behauptung, dass es ohne Wahlcomputer Einschränkungen gäbe, Dinge durch Wahlen zu enstscheiden, ist völliger Unsinn. Niemand ist bisher daran gehindert sich zur Wahl zu begeben oder an dieser per Briefwahl teilzunehmen.
Warum liegt den die Petion auf einr UK-Domain: http://itc.napi...?PetitionID=294
So wirkt das nicht sehr vertrauenserweckend.
Vielleicht erhofft der Bundestag sich davon, dass er im Falle von Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch Petitionen dann nicht so leicht verklagt werden kann?
Scherz beiseite: der Software-Dienstleister sitzt in UK.
Nichtsdestotrotz: Professionell ist in meinen Augen etwas anderes.
Was ganz anderes: Wie wollen die eigentlich sicherstellen, dass ich jetzt nicht einfach das Telefonbuch nehme und alle die Petition “unterschreiben” lasse (die schreiben ja “Mitzeichnen”, auch ein schönes Wort).
@Sven
Ich nehme an ebenso wie bei anderen “Umfragen”, durch Stichproben.
Was wäre aber wenn ein Gegner dieser Petition die Umfrage “schlecht” manipuliert, ein Script mit wechselndem Proxy und dem besagten Telefonbuch als Datenbank einsetzt UND dies dann, weil er/sie/es zufällig in der Position dazu ist, “auffliegen” lässt?
Die Welt ist schlecht…
Dringende Bitte zum Thema Wahlcomputer
Mario und Marcel bitten darum, sich an einer öffentlichen Petition (Bundestag) zu beteiligen und ich möchte mich dieser anschließen und dazu aufrufen, daß möglichst viele mitmachen. Es geht darum, ein Gesetz abzuschaffen, daß den Einsatz von Wahl…
[…] tja, wer hätte das gedacht? Wahlcomputer machen Probleme Amerika wählt, schon treten die ersten Pannen auf: Aus mehreren Bundesstaaten werden Probleme mit den brandneuen Zählmaschinen gemeldet. Mancherorts muss sogar auf altmodische Wahlzettel zurückgegriffen werden. spiegel.de […]
Ich möchte darauf hinweisen, dass sich der Link zur Petition geändert hat. Neu ist nun http://itc.napi...?PetitionID=321
Es gab wohl Probleme beim Zählen der Stimmen…
Gruß,
Johannes Götte
[…] Ich kann das auch nicht kontrollieren. Bei der Petition zum Verbot von Wahlcomputern gibt es technische Probleme, die dazu geführt haben, dass mein Name in der Liste der Unterzeichner fehlt. Eine Kontrolle der Anzahl der Unterzeichner ist damit nicht mehr möglich. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, welche Risiken der Einsatz von Wahlmaschinen - besser ist wohl die Bezeichnung Wahlbetrugsmaschinen - birgt, dann ist er damit überzeugend gelungen. […]
[…] Unterzeichner sollten daher nochmals den Link hier bemühen. Wer sich darüber noch keine Gedanken gemacht hat, kann sich die Argumente von Herrn Müller und Marcel Bartels durchlesen. […]
Ich bin für den Einsatz von Wahlcomputern. In Köln habe ich persönlich als Schriftführerin im Wahlvorstand sehr gute Erfahrungen gemacht. Als die Geräte eingeführt wurden habe ich die Auswertung der Stimmen per Knopfdruck als wohltuend empfunden, weil Manipulationen eben nicht mehr möglich sind. Es erfolgt ja ein Abgleich mit den abgegebenen Wahlscheinen bzw. Wählerkarten und den Eintragungen im Wahlverzeichnis, wenn keines von beiden abgegeben wird und der Betreffende trotzdem zur Wahl geht. Man muss nur diese Anzahl mit der Anzahl der abgegebenen Stimmen im Wahlprotokoll ablesen. Die Geräte werden - jedes einzeln - vor der Wahl ausgiebig getestet. In Köln wurde noch kein einziger Wahlbetrug festgestellt. Wir sind äusserst zufrieden. Die Investition hat sich wirklich gelohnt. Der wichtigste Punkt ist: Menschliche Fehler beim manuellen Auszählen und Auswerten der Stimmen passieren nicht mehr. Die Ergebnisse sind in einem Modul, welches wiederum durch einen Computer ausgelesen wird. Natürlich erfolgt hier ein Abgleich nach dem 4-Augen-Prinzip mit dem vorher erstellten Protokoll.
Ich bin für den Einsatz von Wahlcomputern. In Köln habe ich persönlich als Schriftführerin im Wahlvorstand sehr gute Erfahrungen gemacht. Als die Geräte eingeführt wurden habe ich die Auswertung der Stimmen per Knopfdruck als wohltuend empfunden, weil Manipulationen eben nicht mehr möglich sind. Es erfolgt ja ein Abgleich mit den abgegebenen Wahlscheinen bzw. Wählerkarten und den Eintragungen im Wahlverzeichnis, wenn keines von beiden abgegeben wird und der Betreffende trotzdem zur Wahl geht. Man muss nur diese Anzahl mit der Anzahl der abgegebenen Stimmen im Wahlprotokoll ablesen. Die Geräte werden - jedes einzeln - vor der Wahl ausgiebig getestet. In Köln wurde noch kein einziger Wahlbetrug festgestellt. Wir sind äusserst zufrieden. Die Investition hat sich wirklich gelohnt. Der wichtigste Punkt ist: Menschliche Fehler beim manuellen Auszählen und Auswerten der Stimmen passieren nicht mehr. Die Ergebnisse sind in einem Modul, welches wiederum durch einen Computer ausgelesen wird. Natürlich erfolgt hier ein Abgleich nach dem 4-Augen-Prinzip mit dem vorher erstellten Protokoll.
Ich bin ebenfalls Wahlhelfer in meinem Bezirk. Noch wird traditionell auf Papier abgestimmt, aber wie frei und geheim die Wahl ist, hängt einzig und allein daran, wie das Volk, bzw. der einzelne Wahlberechtigte damit umgeht. Eine tendenziöse Stimmungmache gegen volkstümlich verhasste Computer bringt gar nichts. Es kursieren viele volkstümliche Irrtümer über Politik und das funktionieren von Demokratie, die eben nicht in entfernten “Laberbuden” stattfindet, sondern bei jedem Einzelnen anfängt. Ich sehe, so wie einige Vorredner, auch eher Vorteile bei Wahlcomputern und stehe einem Technikwandel absolut positiv gegenüber, denn die manuelle Auszählung von meterlangen Wahlzetteln mit zig Parteien ist der absolute Horror, der alle Beteiligten ziemlich ins Schwitzen bringen kann, wenn man wahre Ergebnisse abliefern will. Wer Knöpfe drückt, MUSS dann eine gültige Stimme abgeben, oder sich enthalten. Ich habe noch keinen Wahlcomputer gesehen, aber ich vermute mal, das es für Enthaltung auch einen Knopf gibt. Hinzu kommt, dass wir als Wahlhelfer auf ungültige Schmierereien von neurotischen Besserwissern und akademischen Politversagern wirklich verzichten können.
@herrscholz
Du hast offenbar gar nichts verstanden.
Es geht nicht darum, technische Hilfsmittel zu verhindern, sondern darum, dass Wahlen nicht durch eine Manipulation von Wahlcomputern unnachweißbar verfälscht werden können.
Gegen Zählmaschinen, die dabei helfen, Papierzettel schneller auszuzählen, hat niemand etwas einzuwenden, denn dann lassen sich die Stimmen im Streitfall noch mal nachzählen. Bei Wahlcomputern lässt sich im Streitfall nicht mehr nachzählen.
[…] Zum mein-Parteibuch-Artikel Zur Petition des Deutsches Bundestages [?] Share This Popularity: unranked [?] […]
1. Ja, man spart Zeit, aber wenn man das Feeling des Stimm-Abgebens will, macht man das Ankreuzen gerne. Briefwahl zu Hause (Papier!) ist immer bequemer als zur Wahlmaschine zu gehen.
2. Bush ist wohl (2x) durch manipulierte Wahlmaschinen an die Macht gekommen / geblieben.
Nachweisen kann man nichts, da eben kein verifizierbares Papier da ist.
3. Kryptographisch machbar ist vieles, aber nachvollziehbar ist es NICHT: Jeder kann bei einem Papier direkt sehen, wo das Kreuz ist, aber nur die wenigsten können die 1024-Bit-Zahlen üblicher Public-Key-Protokolle manipulieren, um das Ergebnis zu verifizieren.
4. Ergo: Bush wußte, warum. Und welche unserer Politiker sind WARUM ebenfalls scharf auf diese undurchsichtige Form der Stimmabgabe? Leider v.a. CDU-ler, “meine” Partei.
Ich wollte die Ersatzpetition unterschreiben. Das war leider nicht möglich. Warum? Die Frist ist doch noch nicht abgelaufen????? Kann mich jemand aufklären.
Guten Morgen Yvonne, die war von 2006 - okay ich bin da etwas zu spät!
Es wäre zwar papiersparender, aber was ist, wenn mal der Rechner abschmiert? Schwierig.
Das Petitionsverfahren wurde am 15.11.2007 abgeschlossen. Das Ergebnis ist erschuetternd.
[…] Dressel. So soll dem Unfug von Carl-Christian Dressel des Märchens von den angeblich ach-so-sicheren Wahlcomputern mehr Autorität verliehen werden. Mein Parteibuch Wiki huldigt nicht der populären […]