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13. September 2006

MLP: 0,692 % der Beitragssumme (für maximal 30 Jahre) in den ersten zehn Jahren

von @ 23:08. abgelegt unter Recht und Unrecht, Wirtschaft, Strukturvertrieb

Akademiker sind eine schwierige Klientel für Drückerbuden. Oft sind Akademiker sogar so unverschämt, darauf zu bestehen, Verträge durchzulesen evor sie sie unterschreiben. Möglicherweise hat der auf Akademiker spezialisierte Strukturvertrieb MLP AG deshalb in ca. 15.000 Verträgen zur Riesterrente die 6,92% Abschlusskosten lieber als “Laufende Kosten: Abschluss- und Vertriebskosten – 0,692 % der Beitragssumme (für maximal 30 Jahre) in den ersten zehn Jahren” bezeichnet. Etwa 14.999 mal hat das so geklappt und die anspruchsvollen Kunden haben das so geschluckt, 6,92% Abschlusskosten zu zahlen. Ein Kunde hat mit Unterstützung durch RA Werner Willeke von der Heidelberger Kanzlei Witt Nittel gerichtlich darum gekämpft, nur 0,692% zu zahlen und gewonnen.

Viele der Kunden scheinen gar nicht zu begreifen, was 6,92% Abschlußkosten bedeuten. So ist beim juristischen Verlag C.H. Beck unter Berufung auf einen Artikel bei der Süddeutschen Zeitung nachzulesen, dass Verbraucherschützer das Urteil begrüßen, weil die Kosten bei der Riester-Rente bislang regelmäßig verschleiert würden. 14.999 Anleger könnten nun von dem Urteil profitieren.

Rechtsanwalt Mathias Nittel, dessen Kanzlei das Urteil 30 C 122/06 vor dem AG Heidelberg erstritten hat, äußert sich im Forum der geprellten Strukkis dazu:

Anleger, die zur Altersvorsorge bei MLP Riester-Renten-Verträge geschlossen haben, sollten diese dahingehend prüfen lassen, ob auch bei Ihnen solche ungenauen Vertragsklauseln vereinbart wurden. Ist dies der Fall, können sich leicht ein paar tausend Euro sparen lassen, rät Rechtsanwalt Willeke.

Hämisch kommentiert Simon im Lawblog, dass die MLP Lebensversicherung AG nicht nur in der Vertragsgestaltung, sondern auch in der Prozessführung einen Fehler gemacht habe:

Zumindest ich hätte mich verglichen. Und zwar um jeden Preis.

Unklar ist bisher noch, ob der Strukturvertrieb in Berufung gehen wird. Die MLP AG könnte sich 15.000 Verträge mit jeweils einigen tausend Euro zurückzuzahlender Abschlussprämie locker leisten, wo sie im ersten Halbjahr 2006 laut einer eigenen Pressemitteilung vom 23.08. 2006 auf dem Rücken der Kunden 28,4 Mio Euro Überschuss erwirtschaftet hat. Allerdings hat die MLP AG ihre Lebensversicherungs-Tochter letztes Jahr an den britischen Versicherer Clerical Medical verkauft, so dass MLP eine Zahlungspflicht für die inzwischen in Heidelberger Lebensversicherung umbenannte Tochter sicher weit von sich weisen wird. Für viel wahrscheinlicher halte ich es, dass die nicht bezahlte Provision nun den Kunden als geringerer über den Pflichtteil hinausgehender Ertrag in der Lebensversicherung wieder auf die Schultern gelegt wird.

Gut wäre es nun für die Edeldrücker, falls sie alles zufriedene Kunden hätten und deshalb sicher keiner der restlichen 14.999 Kunden mit einer MLP Balance Invest Rentenversicherung (Tarif IRVAVMG1) auch auf eine Reduzierung der Abschlusskosten um 90% klagen würde. Für die mit 6,92% Abschlusskosten über den Tisch gezogenen Kunden ist heute jedoch bereits Weihnachten.

11 Kommentare zum Beitrag “MLP: 0,692 % der Beitragssumme (für maximal 30 Jahre) in den ersten zehn Jahren”

  1. Neugieriger sprach

    Mal eine ganz naive Frage: wie liegt MLP so generell bei den % an Abschlussgebühren? Moderat, hoch, pervers? Bin selbst Kunde bei denen und fühle mich ein wenig… naja, unwohl, da ich mit der Performance der Produkte - oder eben in der Frage nach der Höhe der Abschlussgebühren - nicht so zufrieden bin. Klar, jede Provision ist “zu viel”; es geht mir nur darum, wie der Laden im Vergleich zu ähnlichen Vereinen ist.
    Ist ja fast wie bei einer Sekte - wie finde ich den Ausstieg (grins)? Über Links zu Vergleichsseiten, Foren etc. würde ich mich freuen - und auch über ‘ne Runde Mitleid für den doofen Akademiker :-)

  2. Anonymous sprach

    @ neugieriger
    Hoch, sehr hoch! Die Produkte alles sind ziemlicher durchschnitt bis totaler Mist. Mach einen Termin bei Deiner örtlichen Verbraucherzentrale, nimm die MLP-Verträge mit und laß sie checken. Und dann: Verträge kündigen, beitragsfrei stellen oder weiterlaufen lassen, je nach niedrigstem Verlust…
    eine interessante site: www.finanzparasiten.de

  3. Neugieriger sprach

    Vielen Dank für den Link. Habe die örtliche Verbraucherzentrale aufgesucht, die besten 10 Euro meines Lebens investiert und schreibe eben meine Kündigung an meinen zukünftigen MLP-Ex-Berater. Nein, er bleibt ja wohl im Business, aber halt nicht mehr mit mir ;)

    Verlust bisher durch unnötiges Beiwerk, Dynamisierung etc: knappe 1000 Euro.

    ‘finanzparasiten’ mag arg übertrieben daherkommen, aber “zum Aufwachen” ist das gerade gut. Danke vielmals. @Marcel: bitte umbenenne die Seite in “Mein-Sparbuch.de” :)

    Nochmal zum “Ausstieg”: Beratung ob sinnvoll oder nicht kostet bei den Verbr.Zentr. 10 Euro. Professionelle BERATUNG (nicht VERKAUF!) kostet 90 Euro. Also alles in allem nur ca. 10% von dem, was mir/uns nun verlustig gegangen ist. Schauder.

  4. Manni sprach

    Oh oh, hätt ich das mal vorher alles gelesen…bin seit kurzem raus aus der HMI…war knapp 1 Jahr dabei…
    …ich hab erfolgreich MLP-Kunden aus ihren Verträgen geholt…und nun hab ich den Salat, ich hab denen die Abzüge falsch erzählt. MLP zieht z.B. bei Riester 6,9 % in den ersten 10 Jahren der eingezahlten Beiträge ab. HMI zieht 7,1 % ab.
    Nun hab ich immer gesagt, das ist ja nur die ersten 5 Jahre jeweils vom Jahresgehalt - daher sind wir so günstig.
    …nun hab ich den ein oder anderen Freund zum Feind gemacht—die Aufrechnung kam und so viel ich jetzt mitgekriegt habe, meint MLP genau wie HMI mit ihren Prozenten jeweils die Kosten für die gesamte Beitragsdauer.
    Richtig shit happens. Wie mag anderen das gehen. Ich kann mich noch erinnern wie manche wie verrückt auf Teufel komm raus gleich nach ihrem Grundseminar anriefen, dass die Drähte heiss wurden. Wie kriegt man das am besten wieder gerade mit seinen Freunden?
    Ich ärger mich die Platze dasss ich so naiv war und nicht wenigstens hier im Netz mal geguckt habe.

  5. Mein-Parteibuch.com » Watchblog für die MLP AG gestartet sprach

    […] die INSM mit dem INSM-Watchblog bestens versorgt wurde, hat nun mit der MLP AG ein weiteres Schmuckstück der deutschen Wirtschaft ein schickes Watchblog […]

  6. Rudi sprach

    Laut MLP hat der Kläger die Klage zurückgenommen, kann hier jemand dazu etwas sagen ?

    Viele Grüße

    Rudi

  7. Claudi sprach

    Hallo,

    ich habe hier neue Infos. Wer Interesse hat, kann sich bei mir melden:

    harry_thx at web.de

  8. Claudi sprach

    Hallo,

    sorry, irgendwer hat mich angeschrieben, ist aber in meinem SPAM verschwunden. Bitte noch mal senden.

    Danke und Grüße

  9. Bjock sprach

    hallo!

    bin erst jetzt darüber gestolpert…
    echt klasse, die mlp!!!
    dabei hatte ich den berater als “freund” gesehen…

    ist zwar schon eine weile her,
    aber wie steht es derzeit mit den vetrgen?
    ist das urteil schon rechtskräftig??

    danke für antwort

    bjock

  10. Frank sprach

    Jawoll, genauso wie Manni im Beitrag 4 gings mir auch beinahe,
    die bei der HMI haben mir das so eingebläuht wie schlecht MLP ist, die nehmen 10 Jahre lang 6,9 % - wir zwar 7.1- aber das nur die ersten 5 Jahre…
    …Mein erster Riester-Kunde hat dann nach einem Jahr eine horrende Abzugsrechnung bekommen –> nicht 7.1 % vom Jahresbeitrag, sondern von den gesamten!!!! Beiträgen der geplanten Laufzeit…

    und das blöde, alle bei mir bis rauf zum 5-er haben so ein Problem angeblich noch nie gehabt und sich auch drüber gewundert…
    …wahrscheinlich haben da vor allem die höheren gelogen…

    Hoffe die kommen durch.

  11. Schieber sprach

    Wie kommt man ein kleines Vermögen? In dem man ein großes der MLP anvertraut. Anch diversen reinfällen mit dieser Betrügerfirma mache ich jetzt den endgültigen Schlußstrich und kauf auch noch meine Lebensversicherung zurück. Sämtliche Produkte, ob Geldanlage, Haftpflicht, Krankenversicherung, etc hatten in den letzten 10Jahren eine miserable Performance. Wehe, du willst mal wieder Geld zurück haben! MLP arbeitet unseriös, mit Tricks, aggressiv und ist eigentlich ein Fall für den Staatsanwalt. Wo sind da unsere Verbraucherschützer? Gibt es nicht mal ein zentrales Forum im Internet, wo man zumindest andere vor diesen Betrügern warnen kann ?

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