Rechtzeitig vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2006 am nächsten Sonntag ist ein Bericht der OECD (Zusammenfassung 116kb, pdf) veröffentlicht worden, der sich wie eine schallende Ohrfeige für die Bildungspolitik in Deutschland liest. Deutschland strengt sich zwar an, fällt aber weiter zurück, ist wohl der Tenor des Berichts.
Dass die deutschen Politiker zu blöd sind, um unsere Bildung vernünftig zu organisieren, glaube ich hingegen nicht. Für wahrscheinlicher halte ich es, dass Politiker hier zu Lande Entscheidungen aufgrund anderer Kriterien treffen, wie Astrid Meier von der FTD meint.
Als frisch gebackener Elternvertreter in der Klasse vom frisch eingeschulten Kunstoberinspektor Alex habe ich jedoch gerade eine E-Mail vom Vorsitzenden des Landeselternausschusses Berlin, André Schindler, bekommen und konnte mich an seinen Namen auf dem Stimmzettel zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2006 als Spitzenkandidat der Bildungspartei erinnern.
Mit den Forderungen, dass in Berlin deutlich mehr für Bildung getan werden muss, stimme ich weitgehend überein. Allerdings vermisse ich Forderungen nach so grundlegenden Dingen wie einem Rechtskundeunterricht dann doch.
Nicht überein stimme ich jedoch mit der wirtschaftspolitischen Analyse der Bildungspartei, wo es in der grundlegenden These heißt: Nachhaltiges Wirtschaftswachstum sichert Wohlstand und Arbeitsplätze. Das war vielleicht mal im letzten Jahrhundert so. Heutzutage schreibt nicht nur die deutsche Bank Rekordgewinne und entläßt gleichzeitig massenhaft Mitarbeiter.
Wenn mein Genosse, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus Karlheinz Nolte kritisiert, dass André Schindler als Vorsitzender des Landeselternausschusses nicht in einer anderen Partei als der Senator sein dürfe, anstelle auf die Forderungen in der Sache einzugehen, dann finde ich das übrigens nur peinlich. Schließlich sollte es in einer Demokratie eine Selbstverständlichkeit sein, eine Partei gründen zu dürfen, wenn jemandem die bisherigen Parteien nicht zusagen. Würde die CDU den Schulsenator stellen und wäre der Vorsitzende des Landeselternausschusses dann Mitglied in der SPD, würde Karlheinz Nolte das sicher ganz anders sehen.
Trotzdem finde ich es lohnenswert, sich die Webseite der Bildungspartei, die nicht mit der aus der Brandenburger Familienpartei hervorgegangenen Elternpartei verwechselt werden will, einmal anzusehen.
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| Christliche Nächstenliebe |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Eigentlich sollte die SPD die Bildungspartei werden - so wie PLatzeck das beschrieben hat. Aber jetzt unter Kurt ist das wohl erledigt, was?
Unter Kurt muss man nur so gebildet sein wie Kurt.
Es wäre eigentlich banal: jeder Bürger müßte in jeder Phase seines Lebens Zugang zu (Aus-)Bildung haben. Dies ist schon alleine deshalb notwendig, weil immer schneller noch bestehende Berufsbilder wegfallen und durch neue ersetzt werden, siehe nur damals den Medienvorlagenhersteller, der zum Mediengestalter mit verschiedenen Schwerpunkten umgefrickelt wurde.
Die Hochschulen sind ein weiteres unrühmliches Kapitel. Da wird nun nicht nur durch Studiengebühren soziale Selektion durchgeführt und somit die Chancenungleichheit verstärkt, eine dringend notwendige Entbürokratisierung des Studiums ist ebenso nicht erfolgt. Meist ist man als Student in den ersten 1-2 Semestern erst einmal damit beschäftigt herauszufinden, welche Bürokraten man womit befriedigen muss. Würden die Fachschaften nicht vielfach Beratungen und Führungen durchführen, bräche bei vielen Erstsemestern das blanke Chaos aus. Was hat man davon, wenn man zwar “wie ein Kunde” Studiengebühren zahlen darf, aber weiterhin umgekehrt Null Service zurückkommt? Über die Lehrfähigkeiten des Personals braucht man auch nur wenig Worte zu verlieren. Da gibt es in der Regel nur wenige, die darin wirklich gut sind, viele Profs und Dozenten empfunden das Lehren hingegen eher als Last. Da müßten entweder immer wieder die pädagogischen Fähigkeiten geprüft und aktualisiert werden oder aber man trennt Forschung und Lehre, sorgt aber für einen regen Austausch der forschenden mit den lehrenden Profs usw.
Alles, was wir in den vergangenen 8-10 Jahren an “Reformen” erlebt haben, war nichts weiter als die Sicherung der Pfründe verschiedener Bürokraten-Gruppen und die einseitige zusätzliche Belastung der Bürger. Ob zum Beispiel das Gesundheitssystem noch den Zweck der Gesunderhaltung und Heilung von KRankheiten erfüllt, wird gar nicht hinterfragt. Daher ist die derzeit diskutierte “Gesundheitsreform” auch nur eine “Gesundheitskostenreform”. Und wie üblich, wird der Bürger den Kürzeren ziehen nach dem üblichen Schema: weniger Leistungen für das gleiche Geld oder mehr Geld für die gleichen Leistungen. Mit unseren politischen und wirtschaftlichen Lumpeneliten ist dieses Land nicht zu retten.
MfG
Daniel