Seit der letzten Wahlprognose für Berlin 2006 auf Mein Parteibuch hat sich in der Vorhersage nicht viel getan. Die SPD kann sich darauf einstellen, weiterhin die dominierende Kraft in Berlin zu bleiben und mit Klaus Wowereit den regierenden Bürgermeister zu stellen.
Eine Woche vor der Abgeordnetenhauswahl 2006 ist bereits klar, dass der Hannoveraner Hauptstadtgegner Friedbert Pflüger die CDU in Berlin als Spitzenkandidat für das Amt des Bürgermeisters mit knapp 20% zum vermutlich schlechtesten Wahlergebnis ihrer Geschichte führen wird. Da hilft auch nicht, dass die CDU Neukölln von ihrem zentralen Wahlkampfblatt, der sogenannten “Neuköllner Rundschau”, das Logo der CDU entfernt hat, um so unaufmerksamen Wählern eine neutrale Pressepublikation vorzutäuschen und ihr Wahlkampfblatt schamhaft nicht einmal online auf ihren Webseiten anbietet.
Unsicherheit kommt vor allem dadurch zustande, dass die Demoskopen keine präzise Vorhersage dazu machen können, wie wohl das Ergebnis der WASG aussehen wird. Davon, ob die WASG den Einzug in das Abgeordnetenhaus schafft, hängt dann vermutlich ab, welche Möglichkeiten der Bildung einer Regierungskoalition sich für die SPD nach der Wahl bieten.
Eine Woche vor der Wahl ist aus meiner Sicht ein guter Zeitpunkt, um sich schon einmal mit den Stimmzetteln vertraut zu machen, die in der Wahlkabine auf uns Wähler warten. Auf den Seiten des Landeswahlleiters finden sich alle Stimmzettel der Berliner Wahlen 2006 online. Die Stimmzettel, auf denen ich mein Kreuz machen darf, sind der Stimmzettel für den Direktkandidaten im Wahlkreis Nr. 2 von Neukölln, der Stimmzettel für die Listenwahl der Neuköllner Liste zum Berliner Abgeordnetenhaus, der Stimmzettel für die Listenwahl zur Bezirksverordnetenversammlung von Neukölln und der Stimmzettel für die Volksabstimmung zur Verfassungsänderung für die Erleichterung von Volksentscheiden.
Obwohl ich als Parteimitglied aus Parteiräson für alles stimme, wo SPD draufsteht, auch wenn da ein Sack Kartoffeln zur Wahl stehen würde, habe ich mir meine Wahlzettel trotzdem einmal genauer angesehen. Mit der Erststimme können sich Wähler in meinem Wahlbezirk zwischen sechs Kandidaten entscheiden. Selbstverständlich muss hier mein Bezirksvorsitzender Fritz Felgentreu gewählt werden.
Die größte Auswahl gibt es bei der Zweitstimme, da stehen immerhin Kandidaten von 23 Parteien über die jeweilige Liste zur Wahl. Bemerkenswert finde ich dabei die Partei Die Grauen, die sich im Berliner Wahlkampf 2006 als ehrliche Alternative für Menschen jeden Alters präsentiert und als einzigste Partei auf auffälligen Wahlplakaten einige Themen anschneidet, die ich selbst auch sehr wichtig finde: Gegen Lügner und Betrüger, gegen Ignoranz und gnadenlose Abzocke, gegen trügerische Wahlversprechen, gegen Koruption in Wirtschaft und Politik, gegen unverschämte Politikerdiäten, gegen machtbesessene Politiker und für 100% Ehrlichkeit. Als Zuckerl obendrauf gibt es im letzten Plakat noch eine Provokation zum klassischen Thema der Partei, die ihre Wurzeln in der Seniorenarbeit hat: Poppen für ‘ne sichere Rente. Die Webseite der Grauen Panther Berlin wurde leider mit einer Software namens “Panoma” bis zur Unleserlichkeit verstümmelt, immerhin hat die Software die Wahlplakate der Grauen Panther Berlin mir letztlich als knapp 1 MB schweres pdf rausgerückt.
Bei der Stimme der Bezirkslisten springt mir vor allem ins Auge, dass die WASG in Neukölln als WASN antritt und beim türkisch-stämmigen Kandidaten Yusuf Bayrak, der mit dem inhaltsleeren Schlagwort “Dialog der Neuköllner” sowie mit Kopftuch und Tschador verhüllten Frauen die in der BVV gültige 3%-Hürde zu knacken hofft, nur Familienmitglieder auf der Liste stehen.
![]() |
| Bank |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
[19 queries. 1.847 seconds. 10 level2 caches. Top ]
Du stimmst immer für die SPD, selbst wenn ein Sack Kartoffeln aufgestellt würde? Wie arm muss man sein, um seine politische Kastration öffentlich so zu benennen?!
PS.
Weißt du, was mit dem Daniel von politisch inkompetent geschehen ist? haben sie den abgeholt? Zu vermuten wäre es ja.
@ 2 Daniel von politisch inkompetent hat sein WordPress-Blog vollkommen freiwillig vor wenigen Wochen leider gelöscht. Meiner Meinung nach eine dumme Entscheidung, das Blog zu löschen, aber er ist selber Schuld.
@ Wahlkampfplakat: Das oben abgebildete Wahlkampfplakat gegen Korruption in Wirtschaft und Politik gefällt mir gut. Der gute Wille zählt - ich glaube jedoch nicht, dass die ernsthaft etwas gegen die Korruption machen können.
@1: Kein Wunder, ein SPDler wählt natürlich SPD, sonst fällt er sich ja selbst in den Rücken mittelbar. Der Vorteil ist, dass Marcel offen Alternativen benennt und auch anderen Parteien Kredit gibt dafür, dass sie was richtig machen. Nur als Sozi muss es sein Ziel sein, in seiner eigenen Partei die Dinge zu ändern, die falsch laufen, nicht andere Parteien unterstützen
@Kai:
Nur noch wichtig zu erwähnen, dass die Löschung von mir selbst ausging und keinerlei Einfluß oder Zwang von außen bestand. Allerdings sollte klar sein, dass ich natürlich zuvor alles als Backup-File heruntergeladen habe
MfG
Daniel
@ 5 - Hi Daniel,
Meiner Meinung nach war es ein Fehler, dass du dein Blog gelöscht hast. Was bringt es, wenn die Artikel offline sind? Es wäre doch für dich kein nennenswerter zusätzlicher Aufwand gewesen, das Blog online zu lassen. Eine monatliche Aktualisierung würde doch genügen. Oder eine mehrmonatige Pause. Man muss ja nicht jeden Tag in seinem Blog was Neues bringen. Die Bundesjustizministerin hat auch ein WordPress-Blog, das sie viele Monate lang überhaupt gar nicht aktualisiert hat. Also du könntest dir doch an ihr ein Beispiel nehmen, oder? Eine Auszeit ist immer noch besser als ein Löschen des Blogs.
@ 4 - Marcel wird es nicht gelingen, in der SPD grundlegende Dinge zu ändern. Die SPD besteht im wesentlichen aus Parteisoldaten - das war immer so und wird immer so sein.
Also, ich wähle keinen SPD-Kartoffelsack. Erstens bin ich Grüner, zweitens darf ich in Berlin gar nicht wählen. Aber vielleicht hat ja auch mein Blog was beeinflusst.
[…] Fundamentale Überraschungen gab es bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus nicht. Die FDP hat mit 7,5% den Einzug in das Abgeordnetenhaus klar geschafft und die WASG hat mit 2,9% den Einzug in das Abgeordnetenhaus deutlich verpaßt und ist interessanterweise in Ostberlin stäker als im Westen. Beindruckend ist das Ergebnis der Grauen, die wie ich hier im Parteibuch schon geschrieben habe, Korruption zum Hauptthema ihres Wahlkampfes gemacht haben und vermutlich deshalb mit sensationellen 3,9% sogar beinahe den Einzug in das Abgeordnetenhaus geschafft hätten. […]