So langsam stimmen wir uns auch in Berlin auf den Wahlkampf ein. Das Springerblatt Berliner Morgenpost hat deshalb zusammen mit dem Radiosender rs2 bei Emnid eine repräsentative Wahlumfrage in Auftrag gegeben. Was da zu lesen ist, kann der Berliner SPD schmeicheln, die im Vergleich zur letzten Abgeordnetenhauswahl derzeit sechs Prozent zugelegt hat.
Die ganze miese Stimmungsmache, die die Springerpresse im Bundestagswahlkampf gegen unseren regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gemacht hat, war also für die Katz’ und scheint nun gar eher nach hinten loszugehen. Damit steht die CDU sogar im Vergleich zur Abgeordnetenhauswahl 2001 noch schlechter da, obwohl vor fünf Jahren der Bankenskandal des CDU-Paten Klaus-Rüdiger Landowsky noch frisch in Erinnerung war. Ich möchte das so interpretieren, dass die Wähler gesehen haben, es war nicht so schlimm wie damals vermutet, sondern noch viel schlimmer. Folgerichtig hat sich dann auch in der Berliner CDU niemand gefunden, der die Wahlschlappe 2006 verantworten möchte, so dass die Berliner CDU den unpopulären Hannoveraner Friedbert Pflüger, der sich wirklich für nichts zu schade zu sein scheint, als Notnagel geholt hat. Und der Wahlkampf der Berliner CDU ist wohl so schlecht, dass er schon jetzt bundesweit verspottet wird.
Etwas erstaunt bin ich über die unerwartet schlechte Prognose für die Linke.PDS und frage mich, ob die im Auftrag der rechtslastigen Springerpresse erstellte Prognose da wirklich objektiv ist. Ich war nämlich höchst positiv beeindruckt, als ich im Sommer das unerwartete Vergnügen hatte, die Neuköllner PDS Abgeordnete Evrim Baba kennenlernen zu dürfen. Möglicherweise hängt die schlechte Prognose für die PDS damit zusammen, dass die WASG in Berlin, der von der PDS keine aussichtsreichen Listenplätze angeboten wurde, nun eigene Kandidaten aufstellt und der Umfrage zufolge auf gut 3% der Stimmen kommen wird.
Erfreulich finde ich, dass die Grünen sich erholt haben und damit als alternativer Koalitionspartner zur Verfügung stehen. Splitterparteien wie die FDP oder die Demokratische Offensive spielen bei der Regierungsbildung nach der Abgeordnetenhauswahl aller Voraussciht nach ohnehin keine Rolle und werden hier deshalb nicht weiter betrachtet.
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Was würden Sie sagen, wenn es in Berlin genauso käme wie im Bund, sprich Große Koalition?
Erst über die CDU herziehen und wenns zur “Zwangsheirat” kommt, ist wieder Friede-Freude-Eierkuchen, oder?
@Uli
Ich bin strikt gegen eine große Koalition, und zwar sowohl in Berlin wie auch im Bund. Deshalb habe ich auch eine Kampagne zur Beendigung der großen Koalition im Bund gestartet. Solange von der CDU nicht entschlossen gegen Korruption und Wirtschaftskriminalität vorgegangen wird, hat die CDU in keiner Regierung was zu suchen.
In Berlin steht Klaus Wowereit dafür ein, dass es keine große Koalition geben wird. Und das ist gut so. Es wäre ja auch absurd, mit der CDU, deren Prominenz gerade wegen des Ruins von Berlin durch korrupte Immobiliengeschäfte vor dem Strafrichter sitzt, wieder eine Koalition zu machen.
[…] Seit der letzten Wahlprognose für Berlin 2006 auf Mein Parteibuch hat sich in der Vorhersage nicht viel getan. Die SPD kann sich darauf einstellen, weiterhin die dominierende Kraft in Berlin zu bleiben und mit Klaus Wowereit den regierenden Bürgermeister zu stellen. […]
[…] Rechtzeitig vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2006 am nächsten Sonntag ist ein Bericht der OECD (Zusammenfassung 116kb, pdf) veröffentlicht worden, der sich wie eine schallende Ohrfeige für die Bildungspolitik in Deutschland liest. Deutschland strengt sich zwar an, fällt aber weiter zurück, ist wohl der Tenor des Berichts. […]