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31. März 2006

Skripte zur Telefonkontrolle von ALG II Empfängern

von @ 10:40. abgelegt unter Große Koalition, ALG II, Telefonterror

Bei Tacheles Sozialhilfe gibt es Ablaufskripte der Bundesagentur für Arbeit, wo beschrieben wird, wie die Leistungsampfänger am Telefon von Service Center Mitarbeitern - also Call Center Agenten - auszufragen sind. Mit der Ausfragung sollen Tatbestände für mögliche Sanktionen ausgeforscht werden. Die Identitätsprüfung wird - wie auch in den Fällen wo die Callcenter der Jobcenter angerufen werden - anhand der Nummer der BG durchgeführt, was ich schon für einen Skandal an sich halte.

Für problematisch halte ich es, dass der oder die angerufene keinerlei Kontrolle darüber hat, welche Gesprächsergebnisse der Anrufer festhält. Wer keine Lust auf ein Schwätzchen am Telefon mit Horch und Guck hat, kann das auch ohne Begründung verweigern, muß dann aber damit rechnen, dass er oder sie zu einem Pläuschchen im Jobcenter eingeladen wird. Nicht bekannt ist mir, ob die Callcenter Gesprächsmitschnitte zu Beweissicherungszwecken speichern, meine aber, sie müßten vorher darauf hinweisen. Wie die Anrufer reagieren, wenn der oder die Angerufene fragt, ob er oder sie das Gespräch zu Beweiszwecken im Fall von Rechtsstreitigkeiten mitschneidet, ist mir ebenfalls nicht bekannt.

Die mangelhafte Identitätsprüfung schafft aber sicher auch Freiräume für die Leistungsempfänger. Anhand der Ablaufskripte sollte es kein Problem sein, sich auf die Telefonkontrolle vorzubereiten. Sehr bedauerlich ist es sicher, wenn anstatt des Leistungsempfängers oder der Leistungsempfängerin ein wohlwollend gesinnter Mitbewohner der WG sich als Leistungsbezieher ausgibt und es so verdeckt, dass der oder die Leistungsbezieherin nicht anwesend ist. Die Möglichkeiten der modernen Technik machen es auch möglich, sich Anrufe - beispielsweise nach Florida ;-) - weiterleiten zu lassen, ohne dass der Anrufer davon etwas merkt.

Ein Kommentar zum Beitrag “Skripte zur Telefonkontrolle von ALG II Empfängern”

  1. Kai sprach

    (1) Zum Stichwort Florida kann man folgendes sagen:
    - Vor einigen Jahren hat man mit den Asylanten angefangen, denn die sind sowieso isoliert.
    - Dann kam der Florida-Rolf, ein atypischer Ausnahmefall, gut für die Auflage.
    - Dann kamen ab Anfang 2005 sehr viele Erwerbslose und Sozialhilfeempfänger dank Hartz 4
    - Wer kommt als nächstes? Die Rentner?

    Die Tendenz ist ganz klar. Immer weiter abbauen. Immer weiter kürzen. Fragt sich nur, wie lange das noch gut gehen wird.

    (2) Immerhin kann man an Hand der Ablaufskripte lernen, wie man professionell Gespräche führt. Für die Bereitstellung des Lehrmaterials sollte man Tacheles dankbar sein. Schön, dass man nach seinem Geburtstag gefragt wird - das wissen die jedoch sowieso. Wer hat sich eigentlich diesen Fragebogen ausgedacht? Doch wohl hoffentlich die Beamten selber? Oder waren dafür externe Berater notwendig?

    (3) Was direkt auffällt , ist die missbräuchliche Verwendung der deutschen Sprache. So wird eine »Einladung« angeboten. Was ist, wenn man dieses Angebot ablehnt? Im rechtlichen Sprachgebrauch kann man ein Angebot ablehnen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Das ist im Sprachgebrauch der Abzocker etwas anders - von Freiheit keine Spur, stattdessen wird Zwang sehr geschickt sprachlich verpackt. Denn eine Ablehnung einer »Einladung« wird doch wohl vermutlich die Leistungskürzung oder die Leistungseinstellung zur Folge haben, oder? Eine Frechheit, die deutsche Sprache auf diese Art und Weise missbräuchlich zu verwenden.

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