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31. Januar 2006

Massenhaft vom US-Kongresshaus manipulierte Wikipedia Einträge aufgeflogen

von @ 16:30. abgelegt unter Informationszeitalter

In den USA ist gerade aufgeflogen, dass massenweise Wikipedia-Seiten vom US-Kongresshaus aus manipuliert wurden. Hoffentlich ist es nun nur noch eine Frage von wenigen Tagen, bis sich auch mal ein Massenmedium dafür interessiert, wer die Biografien unserer Politiker, Journalisten und Unternehmen in der deutschsprachigen Wikipedia pflegt.

Während Heiko Wundram auf Modelnine’s Backstreets glaubt, dass Problem durch Karma-Bewertungen lösen zu können, glaube ich, dass viele besonders fleißige und renommierte Autoren der Wikipedia einen beruflichen Hintergrund haben und deshalb in der Wikipedia auch in Deutschland aus dem Anspruch einer neutraler Darstellung meist eine positive Selbstdarstellung im Informationskrieg des Informationszeitalters wird.

Ich habe deshalb am 15. Oktober 2005 das Parteibuch Lexikon, ein Wiki von Mein Parteibuch, gestartet. Inzwischen finden sich dort bereits Artikel zu 48 Politikern aller Parteien. Der Unterschied zur Wikipedia liegt darin, dass das Parteibuch Wiki hat nicht den Anspruch neutral zu sein. Das Parteibuch Wiki nimmt ganz wie das Parteibuch Weblog kein Blatt vor den Mund. Als weitere wichtige Informationsquelle hat sich Schott’s Lexikon erwiesen, auch wenn - oder gerade weil - Kai Schott sein Meudalismus Wiki allein editiert.

Über mehr Beteiligung im Parteibuch Wiki und eine bessere Verlinkung der Beiträge des Parteibuch Wiki würde ich mich selbstverständlich freuen. Jeder ist eingeladen, mitzuhelfen, kritische Artikel zu schreiben.

Nachtrag 01.02.2006:
Die Meldung bei Golem zu dem Sachverhalt möchte ich niemandem vorenthalten. Immerhin beginnen einige Blogger, das Problem zu sehen. Vielleicht beginnt ja dazu nun eine gründliche Diskussion zu dem Thema.

19 Kommentare zum Beitrag “Massenhaft vom US-Kongresshaus manipulierte Wikipedia Einträge aufgeflogen”

  1. Kai sprach

    Die Wikipedia ist ein ganz hervorragendes Projekt, das als politisch neutrale Informationsquelle besonders wertvoll ist.

    (1) Es ist klar, dass früher oder später versucht wird, dieses Projekt zur eigenen Propaganda zu unterwandern. So ist mir aufgefallen, dass der eine oder andere Politiker in Deutschland besonders positiv dargestellt wurde. Beispielsweise geht aus der Diskussion über Ulrich Kelber folgendes hervor:
    »Hallo Ulli, offensichtlich hast du niemand, der für und über dich ein paar nette Sachen schreibt, so dass du das selbst machen musst? Ist ja wirklich schade.«
    Durch diesen Diskussionsbeitrag war mein bereits zuvor vorhandener subjektiver Eindruck bestärkt worden, dass Kelber selbst (oder ein Parteikollege) dort schreibt, auch wenn man natürlich fairerweise feststellen muss, dass diese Vermutung als reine Spekulation zu qualifizieren ist. Immerhin befindet sich in der Artikelgeschichte der Autor »Kelberul«, über dessen tatsächliche Identität spekuliert werden darf. Man könnte die Frage stellen, ob die Verwendung des Kürzels »Kelberul« als verbotene Namensanmaßung zu qualifizieren ist, sollte es sich nicht um Ulrich Kelber persönlich handeln. Also es spricht vieles dafür, dass Ulrich Kelber in der Wikipedia über sich selbst geschrieben hat, was er natürlich darf, was man aber grundsätzlich unterlassen sollte.
    Deswegen folgender wichtiger Hinweis: Niemals in eigener Sache etwas in die Wikipedia hineinschreiben! Dieser Hinweis gilt nicht nur für Mitglieder der Meudalistischen Einheitspartei, sondern auch für die oben erwähnte US-Behörde.

    (2) Dank der modernen Technik ist die Gestaltung eines eigenen Lexikons überhaupt gar kein Problem. So lassen sich durch den Einsatz von DNS 8 Preferred und durch in die Investition in einen einigermaßen aktuellen Computer ziemlich schnell gute Ergebnisse erzielen, wobei man als Einzelperson natürlich schon eher Jahre als Monate einplanen muss, bis das eigene Lexikon einen einigermaßen großen Umfang hat.

    (3) Nebenbei lernt man bei der Gestaltung des eigenen Lexikons auch eine ganze Menge. Ein bisschen Hintergrundwissen ist notwendig, wenn man auch künftig in der politischen Auseinandersetzung mitreden möchte.

  2. Tim 'avatar' Bartel sprach

    Zur Anmerkung von Kai noch der passende Link, den ich auch heute mal wieder an zwei Anfrager beim Wikipedia-Helpdesk verteilte habe:

    http://de.wikip...elbstdarsteller

    Hier steht - auf vernünftige Weise zusammengefasst - warum man keine Artikel über sich verfassen sollte. Wer das nach Lektüre dieses Artikels dennoch tut, der tut es auf eigene Gefahr :-)

  3. Mein Parteibuch sprach

    @Kai
    Möglicherweise hat Ulrich Kelber, wie die meisten anderen Politiker auch, einen Mitarbeiter, der so etwas für ihn erledigt. Seinen Eintrag als Kelberul zu editieren halte ich für ein Zeichen von Ehrlichkeit, die andere Politiker nicht aufbringen.

    @Tim
    Gibt es überhaupt Biografien von Politikern bei Wikipedia, die nicht von Mitarbeitern der Politiker maßgeblich gepflegt werden?

  4. Tim 'avatar' Bartel sprach

    Das ist natürlich eine knifflige Frage :-)

    Aber ehrlich: ich denke, dass die Mehrheit der Politiker-Artikel nicht von diesen selber (oder ihren Mitarbeitern) bearbeitet werden. Natürlich kann man das nicht problemlos testen - schaut man aber in die Historie und stellt fest, dass die (Mehrzahl der) Änderungen von Accounts/IPs vorgenommen wurden, deren sonstige Beiträge auch produktiv munter durch alle Themengebiete gestreut sind, dann kann man schon ein ganz gutes Gefühl dabei haben.

    Sind die Änderungen aber von Accounts/IPs, die nur diesen Artikel oder verwandte Artikel bearbeitet haben, dann lohnt sich ein genauerer Blick.

  5. Mein Parteibuch sprach

    Praktisch jeder Politiker hat einen Webmaster, der sich um die Webseite kümmert. Ich finde es nicht abwegig, zu denken, dass die Pflege des Wikipedia Eintrages mit zu den Aufgaben des Webmasters der Homepage des Politikers gehört. Kaum ein Politiker außer Ulrich Kelber hat Informatik studiert. Die IPs sagen nichts aus. Die Wahlkreisbüros haben normalerweise DSL-Anschlüsse mit dynamischen Adressen. Webmaster arbeiten ansonsten auch gern von zu Hause aus.

    So blöd wie der Kongreßmitarbeiter in den USA, der die Änderungen unter einer IP Adresse des Kongresses gemacht hat, ist wirklich nicht jeder.

  6. Tim 'avatar' Bartel sprach

    Nenne einfach einen Politiker deiner Wahl, dann können wir uns die History genauer anschauen.

  7. Matthias sprach

    Nunja, es mag sicherlich nicht die feine Art sein, eigene Artikel zu ändern, um dann in einem besseren Lichte zu stehen.

    Allerdings habe ich mir gerade die Seite von meinem Chef angesehen und muss sagen, dass da einige falsche Informationen zu Mitgliedschaften drinn stehen. Ich denke schon, dass es o.k. ist, wenn wir dies in den kommenden Tagen ändern, um schlichtweg die Faktenlage zu korrigieren. In unserem Fall sind die Mitgliedschaften in den Gewerkschaften nicht korrekt, bzw. vollständig wiedergegeben.

  8. Mein Parteibuch sprach

    @Tim
    Ich habe mir gerade mal den Wikipedia Artikel zu Christian Wulff angeschaut. Und dann habe ich mal geschaut, an welchen Artikeln Autor TMFS noch beteiligt war. Dabei will ich TMFS gar nicht unterstellen, dass er die Artikel editiert, um zu manipulieren. Aber natürlich geht der Standpunkt eines Editors, der viel editiert, besonders stark in die Wikipedia ein. Die Wikipedia lebt von solchen Vielschreibern. Ich finde das auch OK, die Wikipedia trotzdem wertvoll und nutze sie gerne und viel, nur viele Leser wissen das nicht, wie die Informationen dort zu bewerten sind.

    @Matthias
    Hallo auch, lange nicht gesehen. Genau das ist der Punkt: es ist durchaus legitim, objektiv falsche Sachen in Wikipedia-Artikeln, zu denen man eine besondere Beziehung hat, zu verbessern. Und natürlich gibt es da eine Mißbrauchsgefahr, wenn jemand bei der Gelegenheit auch schon mal gern mißfallende Tatsachen gleich mit ändert.

    Ich habe da übrigens noch einen Telepolis Artikel zu gefunden.

  9. Tim 'avatar' Bartel sprach

    Also ich konnte jetzt keinerlei wertende Bearbeitung von ihm in der ganzen History finden. Den “Oldenburger Grünkohlkönig” hätte ich auch rausgeworfen…

    Grundsätzlich hast du natürlich recht. Wenn jemand sich sehr für Politiker einer bestimmten Partei interessiert, dann wird er oftmals versuchen die entsprechenden Artikel gut auszbauen. Solange er das aber unter NPOV-Gesichtspunkten tut, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Problematisch wird es spätesten dann, wenn man anfängt missliebige Vorfälle zu tilgen o.ä.

  10. Mein Parteibuch sprach

    @Tim
    Die Grenzen von dem, was denn NPOV ist, sind recht fließend. Was ist eine erwähnenswerte Affäre, was ein Skandälchen, das in einer Enzyklopädie nichts zu suchen hat? Letztlich werden weniger wichtige Streitfragen meist danach entschieden, wer mehr Ausdauer im Mini-Editwar hat.

    Ich muß aber zugeben, dass ich kein Experte in Bezug auf die Wikipedia-Benutzung bin. Ich weiß ja nicht mal, wie ich herausbekomme, welche Artikel ein Autor editiert hat, wenn er dies nicht auf seiner Autor-Seite selbst angibt. lasse mich also gern eines besseren belehren.

    Ein gutes Beispiel für die gelungene Eleminierung sämtlicher mißliebiger Tatsachen finde ich übrigens den Artikel zur GEZ in der Wikipedia. Von einem Artikel zur GEZ in einer Enzyklopädie würde ich natürlich nicht erwarten, dass er so aussieht, wie der Artikel im Parteibuch Wiki zur GEZ, aber der Artikel in der Wikipedia scheint mir so ziemlich alles auszublenden, was die GEZ nicht gern liest.

  11. Tim 'avatar' Bartel sprach

    Ja, auf jeden Fall braucht man eine gute Portion Medienkompetenz um die Wikipedia nutzen zu können. Darüber sollte man natürlich nicht vergessen, dass man grundsätzlich bei den meisten Quellen vorsichtig sein sollte, inwieweit diese gefärbt sein könnten.

    Wenn du auf einen Benuternamen klickst, dann landest du auf der Benutzerseite dieses Benutzers (die möglicherweise noch nicht existiert, wenn es eine IP oder ein neuer Benutzer ist). In jedem Fall hast du dann links im Menü im Kasten ‘Werkzeuge’ einen Link “Benutzerbeiträge” über den du sämtliche Beiträge dieses Benutzers einsehen kannst.

    Zum GEZ-Artikel sag ich mal besser nix, da ich da selber involviert bin. Aber das Thema ist auch noch nicht gegessen - das ruht nur…

  12. Mein Parteibuch sprach

    Danke für den Hinweis mit dem Link auf die Benutzerbeiträge eines Benutzers ohne Benutzerseite. Ach, jetzt sehe ich, dass Du beim GEZ Artikel auch aktiv bist. Nun ist der Artikel sogar gesperrt, und Tom braucht keine weitere Arbeit da rein zu stecken, dafür zu sorgen, dass der Artikel aus seiner Sicht schön bleibt. Nach der Entsperrung werden Tom und seine Auftraggeber dann sicher geschickter bei der Manipulation vorgehen, so dass der Fall nicht mehr so offensichtlich ist.

  13. Daniel sprach

    Dass die USA auf dem Weg zum Totalitarismus sind, ist nichts neues. Da passt eben auch eine hauseigene Propagandastaffel genau ins Bild, sozusagen ein amerikanisches Goebbels-Ministerium aka “Heimatschutz-Ministerium” - wen wundert’s noch?!

    MfG

    Daniel

  14. Mein Parteibuch sprach

    Ne, Daniel, ich glaube, das es das Problem des Infowar per Wikipedia hier in Deutschland ganz genauso gibt. Dass ausgerechnet in den USA jemand aufgeflogen ist, halte ich eher für Zufall - naja, vieleicht ist das auch ein Zeichen von Arroganz oder Dummheit des Mannes aus dem Kongreßhaus.

    Viel schwieriger ist aber die Frage danach, wie sich so etwas verhindern oder zumindest vermindern läßt.

    Ich meine, ein möglicher Weg besteht in verschiedenen Wikis oder Wiki-Einträgen, die jeweils einen unterschiedlichen Standpunkt einnehmen und auch von verschiedenen Admins beaufsichtigt werden. Damit könnte dann letztlich so etwas wie eine dezentrale Wikisphäre analog zur Blogosphäre entstehen.

  15. Mein Parteibuch » Internetexperte Marcel Machill: Virenschutz für Internet-Surfer sprach

    […] Das Thema Google finde ich durchaus spannend, gerade gestern erst gab es hier im Parteibuch eine, wie ich finde, sehr interessante Diskussion zu manipulierten Wikipedia Einträgen. Seine Medienkompetenz stellt Internetexperte Marcel Machill erneut unter Beweis, in dem er die Herabsetzung von Weblogs als Pseudojournalismus wiederholt. Clever gemacht, wie Prof. Marcel Machill den Begriff Pseudojournalismus bald genauso eng an seinen Namen bindet, wie dies Prof. Jean-Remy von Matt mit dem Begriff Klowand bereits gelungen ist. […]

  16. Kai sprach

    Hallo Daniel, (zu Nr. 13):
    Wenn eine US-Behörde in der Wikipedia editiert, dann hat das nichts mit Totalitarismus zu tun. Immerhin wird die Wikipedia nicht abgeschaltet.

    Off Topic:
    Zum Thema Heimatschutz in Deutschland:
    »Unter dem Vorwand «Heimatschutz» will die CDU/CSU eine fundamentale Verfassungsänderung durchsetzen und die Bundeswehr als «regulären Inland-Akteur» etablieren.«
    Ich bin mal gespannt, ob unter dem Deckmantel Bundeswehr im Inland/Heimatschutz in Deutschland im Laufe der kommenden Jahre die totalitäre Kommandowirtschaft eingeführt werden wird.

  17. Olaf Thon sprach

    Wikipedia ist ein ganz großer Müll.

    Jeder Kann dort “wissentschaftliche” Arbeiten veröffentlichen.

    Egal ob Wissenschaftler oder nicht.

  18. Mein Parteibuch » Edit-War in der Wikipedia zur INSM sprach

    […] Anläßlich dessen, dass die INSM mal wieder überzogen hat, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Einträge in der Wikipedia zumeist von den Personengruppen gepflegt werden, die ein besonderes Interesse an dem Eintrag haben. Immer mal wieder fliegen dabei Manipulationen auf, so etwa, dass Politiker in den USA die Einträge in der Wikipedia über sich selbst systematisch manipuliert haben. Das gibt es natürlich auch in Deutschland, so etwa wurden die Einträge in der Wikipedia zu Jürgen Rüttgers und zur GEZ systematisch manipuliert. […]

  19. mein-parteibuch.com » Abhilfe gegen schöngefärbte Wikipedia-Artikel sprach

    […] Kennern des politischen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland ist seit langem schon geläufig, dass Artikel in der Wikipedia dank intensiver Pflege durch diejenigen, die der Artikel betrifft, oft nicht mehr als reichlich schön gefärbte Selbstdarstellungen sind. Nachdem vor ein paar Wochen der Wikiscanner erschienen ist, mit dem ein Teil der Manipulationen sichtbar geworden sind, ist es nun auch allgemein bekannt geworden, dass Wikipedia zu großen Teilen aus interessengeleiteten Passagen besteht. Vergessen wurde bisher meist zu erwähnen, dass die durch den Wikiscanner aufgeflogenen tendenziellen Edits wohl nur die Spitze eines Eisbergs sind. Mein Parteibuch ist der Auffassung, dass das nicht zurückverfolgbare Schönschreiben des Wikipedia-Eintrags zu ihrem Arbeitgeber zu den üblichen Aufgaben von Mitarbeitern der Abgeordneten gehört. […]

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