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24. Januar 2006

Der Niedersachse Friedbert Pflüger tritt für die CDU in Berlin-Neukölln an

von @ 13:40. abgelegt unter Neukölln, Berlin

Friedbert PflügerFriedbert Wer? Muß man den kennen? Was hat denn der mit Berlin zu schaffen? Meine erste Reaktion auf den Namen war Unverständnis. Weil die Berliner CDU nun also Friedbert Pflüger tatsächlich als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 17. September präsentiert, habe ich mir die Mühe gemacht, mir den Kandidaten etwas näher anzuschauen.

Der CDU in Berlin geht es anscheinend richtig dreckig. Dabei hat die CDU, obwohl sie das Land Berlin in den Jahren der Regierung unter Eberhard Diepgen nachhaltig ruiniert hat, bei der Bundestagswahl 2005 mit gut 25% doch immerhin einen Achtungserfolg erzielt. Trotzdem fand sich in der CDU Berlin kein Politiker, der sich als Spitzenkandidat für Einfahren der zu erwartenden Klatsche zur Verfügung stellen wollte. Die eigentliche Spitze der Berliner CDU ist aufgrund von dringenden Verpflichtungen in Berlin Moabit leider verhindert, und die zweite Garnitur bleibt ohnehin lieber schamvoll in der Deckung.

Wie aber ist es zu erklären, dass die Berliner CDU jetzt ausgerechnet den Niedersachsen Friedbert Pflüger zum Spitzenkandidaten macht, der sich bisher vor allem dadurch profiliert hat, dass er in der Berlin-Debatte mit den Worten “müssen wir deshalb wirklich umziehen” als Hauptstadtgegner aufgetreten ist? Vielleicht hat die CDU in Berlin Friedbert, den Unfriedlichen, deshalb aufgestellt, weil er sich als Kreuzzügler gegen die muslimische Minderheit in Deutschland profiliert hat? Oder hat sie ihn deshalb aufgestellt, weil er sich als Kritiker am System Kohl profiliert hat und dadurch hilft, den Geruch des Paten Klaus-Rüdiger Landowsky loszuwerden?

Fall die Rechnung der Berliner CDU darauf hinausläuft, dass Friedbert Pflüger für einen positive Effekt in der öffentlichen Wahrnehmung sorgt, so geht die Rechnung schon jetzt nach hinten los, denn die Medien nehmen die Kandidatur von Friedbert Pflüger, wenn überhaupt, dann mit einer Mischung aus Spott und Hohn zur Kenntnis. Eckart Lohse schreibt in der FAZ, dass Friedbert Pflüger es bisher vor allem mit seinem Privatleben in die Schlagzeilen geschafft hat. Wenn man als geltungssüchtiger Politiker seine Frau betrügt und dann wegen einer 20 Jahre jüngeren verläßt, bleibt das wohl nicht aus. Christian Schwägerl weist ebenfalls in der FAZ darauf hin, Friedbert Pflüger in seiner Literaturkritik Sympathien für die Ausgrenzung von Muslimen erkennen läßt. Da ist Friedbert Pflüger dann beim islamophoben Blogger von Fakten und Fiktionen in bester Gesellschft.

Der RBB weist dagegen lediglich trocken darauf hin, dass Friedbert Pflüger nur zum Zug gekommen ist, weil Klaus Töpfer abgesagt hat. Der Europa Abgeordnete der PDS, Tobias Pflüger, der mit Friedbert Pflüger nichts zu tun hat, weist darauf hin, dass Friedbert Pflüger durch die Weiternutzung des Stützpunktes Termez in Usbekistan dem Diktator Islam Karimow den Rücken gestärkt hat.

Ich meine, dass Friedbert Pflüger vor allem deshalb nominiert wurde, weil er nicht abgesagt hat. Nachdem sein versuch, Verteidigungsminister im Kabinett von Angela Merkel zu werden, fehlgeschlagen ist, und für ihn nur der Staatssekretärsposten übrig ist, wo er in lila für liegen lassen unterschreiben muß, war Friedbert Pflüger dringend auf der Suche nach einer neuen Gelegenheit, sich zu profilieren.

Welche Beziehung hat Friedbert Pflüger zu Neukölln? Meines Wissens nach hat Friedbert Pflüger keinerlei Beziehung zu Neukölln und Friedbert Pflüger will hier trotzdem auf Listenplatz 1 der CDU kandidieren. Da bin ich mal gespannt, ob er es schafft, das wichtigste zum Bezirk Neukölln bis zur Eröffnung des Wahkampfes aus einem Lexikon auswendig zu lernen. Sonst gibt das ziemlich komische Interviews, wenn er aus Versehen mal zu Neukölln gefragt wird. Auf einen Wahlkreis in Neukölln verzichtet Friedbert Pflüger anscheinend großzügigerweise, denn Wahlkampf in einem Wahlkreis zu machen, ist mühsame Arbeit, die nicht immer von Journalisten durch Aufmerksamkeit honoriert wird.

Die Frage, wieso Friedbert Pflüger ausgerechnet in Neukölln kandidiert, ist dagegen schnell geklärt. Die Neuköllner CDU ist der Bezirk der CDU Berlin, wo auch gegen die absurdesten Entscheidungen des Landesvorstandes keinerlei Widerspruch zu erwarten ist, weil die CDU-Politiker hier charakterlos wie sonst nirgendwo sind.

Die CDU Neukölln war zur Bundestagswahl 2005 sogar so verzweifelt, dass sie Eberhard Diepgen als Kandidaten für Neukölln aufgestellt hat. Und natürlich hat die CDU Neukölln, wie könnte es anders sein, die Wahlen verloren.

13 Kommentare zum Beitrag “Der Niedersachse Friedbert Pflüger tritt für die CDU in Berlin-Neukölln an”

  1. Jochen Hoff sprach

    Auf jeden Fall zeigt die Nominierung des Islamhassers und Kriegstreibers Pflüger, das es in der Berliner CDU immer noch einen schlechteren Weg gibt.

    Schön fand ich auch, das er keinesfalls in das Berliner Abgeordnetenhaus einziehen will. Berlin ist ihm völlig egal. Er uns allerdings auch.

  2. USPD-ler sprach

    Pflüger war übrigens
    Pressesprecher des Regierenden Bürgermeisters Richard von Weizsäcker.
    Also hat er schon was in Berlin gemacht, leibe Islamismusversteher!

  3. Tommy sprach

    Ich finde es putzig das Pflügers private Eskapaden von linker Seite aufgegriffen werden. Der Ex-Kanzler und sein Ex-Außenminister trieben es da ein bißchen wilder…man frage Hillu Schröder (ich glaub sie heisst jetzt anders).

  4. Daniel sprach

    Ich finde es alles andere als putzig, dass Pflüger Mitglied im Studienzentrum Weikersheim ist, das als Denkfabrik der Rechten gilt. Bei PIPI wird Pflüger übrigens bejubelt, der dortige Schreiberling Andreas Schneider, der mitunter gegen die Bundeszentrale für politische Bildung hetzt, neulich erst im pseudo-christlichen Hetzblatt Vers 1, ist dort ja auch Mitglied. Kein Wunder, dass sich die bürgerlichen Nazi-Blogger in Jubelperser verwandeln…

    MfG

    Daniel

  5. Manni sprach

    @Tommy:
    Naja, das ist nunmal die typisch sozialistische Doppelmoral. Was bei den sog. Bürgerlichen als Skandal aufgefaßt wird, gehört bei den Sozialisten zum guten revolutionären Ton.
    Bei der Gelegenheit:
    Wir erinnern uns ja noch gerne an Schröders aktuelle Frau, die vor einigen Monaten über Kanzlerin Merkel giftete, sie sei unqualifiziert für die Kanzlerschaft, da sie keine eigenen Kinder habe.
    Schon ein sehr peinlicher Vorwurf, wenn man bedenkt, daß Schröder - trotz mehrerer(!) Ehen - es gleichfalls nicht zu eigenen Kindern gebracht hat.

  6. Mein Parteibuch sprach

    Am Lustigsten finde ich, dass Friedbert Pflüger ausgerechnet in Neukölln als Spitzenkandidat kandidiert. Der weiß bestimmt noch nicht mal, wo Neukölln überhaupt liegt. Ich bin mal gespannt, ob ich es schaffe, ihn mal in ein Gespräch über Neukölln zu verwickeln.

  7. Jochen Hoff sprach

    Über Neukölln? Der weiß bestenfalls das es in Köln ein Sion-Brauhaus gibt und verwechselt das noch mit dem Schumacher in Düsseldorf.

    Er will doch nur Bürgermeister und Landesvater in Berlin werden, weil er nicht Verteidigungsminister, Verzeihung Kriegsminister werden durfte. Er hofft auf diesem Wege seine Zukunftschancen zu wahren.

  8. Mein Parteibuch sprach

    Friedbert Pflüger will Spitzenkandidat der CDU in Neukölln werden, auf den Eiertanz, wenn er über Neukölln redet, bin ich jetzt schon gespannt. :-)

  9. Sebastian sprach

    Wie schrieb, ich glaube der Spiegel wars, einer so schön: die CDU weiß, daß sie verliert. Kein berliner CDU-Politiker hat also Lust, sich dermaßen demontieren zu lassen.

  10. Mein Parteibuch » Friedbert Pflüger ist in Britz nicht willkommen sprach

    […] Schwer zu verstehen ist, was Friedbert Pflüger hier nach Neukölln verschlagen hat. Nachdem sich im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2005 bereits mit Eberhard Diepgen in Neukölln bereits ein Vertrauter des Strippenziehers Klaus-Rüdiger Landowsky eine Schlappe abgeholt hat, kommt jetzt also mit dem erklärten Berlin-Gegner Friedbert Pflüger der nächste Import nach Neukölln. Auch wenn die Fäden der üblichen Strippenzieher zu Friedbert Pflüger noch nicht zu erkennen sind, werde ich das Gefühl nicht los, hinter Friedbert Pflüger sähe ich Fäden im Schatten von Klaus-Rüdiger Landowsky, der sich gerade mit vielen Parteifreunden von der CDU in Moabit vor Gericht verantworten muß, weil ihm zur Last gelegt wird, dass er ein paar Hundert Millionen Euro an Parteigenossen verschoben hat. […]

  11. Mein Parteibuch » Anmerkung zum Vorschlag von Klaus Wowereit zur Abschaffung von Kita-Gebühren in Berlin sprach

    […] Wie kommt das bloß? Dass Unions-Politiker westlicher Bundesländer sich daran stören kann ich gut verstehen, denn schließlich gehört es da zum politischen Konzept, dass Frauen zu Hause bleiben und möglichst ihre Kinder betreuen sollen. Dass der niedersächsische Spitzenkandidat der Berliner CDU und Möchte-Gern-Populist Friedbert Pflüger das Vorhaben kritisiert, ist genauso wenig ernst zu nehmen wie der Rest seines Wahlkampfes und liegt vermutlich daran, dass ihm nicht selbst die Idee gekommen ist. Ganz zu schweigen davon, dass mit dem Geld, was seine Parteifreunde von der Berliner CDU-Parteiführung mit ihren kriminellen Geschäften bei der Berliner Bankgesellschaft in den Sand gesetzt haben, allein von den Zinsen kostenlose Kita-Plätze für alle Berliner Kinder auf alle Zeiten hätten finanziert werden können. […]

  12. Mein Parteibuch » Stimmzettel der Abgeordnetenhauswahl Berlin 2006 sprach

    […] Eine Woche vor der Abgeordnetenhauswahl 2006 ist bereits klar, dass der Hannoveraner Hauptstadtgegner Friedbert Pflüger die CDU in Berlin als Spitzenkandidat für das Amt des Bürgermeisters mit knapp 20% zum vermutlich schlechtesten Wahlergebnis ihrer Geschichte führen wird. Da hilft auch nicht, dass die CDU Neukölln von ihrem zentralen Wahlkampfblatt, der sogenannten “Neuköllner Rundschau”, das Logo der CDU entfernt hat, um so unaufmerksamen Wählern eine neutrale Pressepublikation vorzutäuschen und ihr Wahlkampfblatt schamhaft nicht einmal online auf ihren Webseiten anbietet. […]

  13. mein-parteibuch.com » Berliner CDU wählt den Bilderberger Friedbert Pflüger ab sprach

    […] Pflüger ist sicherlich der peinlichste Kandidat, den die Berliner CDU je hatte. Bekannt war Kriegsstaatssekretär Pflüger bis zu seiner […]

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