In seiner “Botschaft beim Segen Urbi et Orbi” zu Weihnachten 2005 setzt Joseph Alois Ratzinger alias Papst Benedikt XVI seine Strategie der Doppelzüngigkeit fort, einerseits die Macht der römisch-katholischen Kirche durch sakralen Quatsch zu sichern und andererseits zur Verbesserung der Weltpolitik aufzufordern.
Mit Joseph Ratzinger stimme ich überein, sich
für den Aufbau einer neuen Weltordnung einzusetzen, die auf gerechte ethische und wirtschaftliche Beziehungen gegründet ist.
Und wenn Joseph Ratzinger nun davon spricht,
der Mensch des technologischen Zeitalters ist jedoch in Gefahr, Opfer ebendieser Erfolge seiner Intelligenz und der Ergebnisse seiner Handlungsfähigkeit zu sein, wenn er sich auf eine geistliche Atrophie, auf eine Leere des Herzens zubewegt.
, dann ist das beinahe das gleiche, dass ich meine, wir stünden im Informationszeitalter vor neuen, bisher unbekannten ethischen und moralischen Herausforderungen.
Etwas ganz ähnliches schlage ich mit dem Beitrag im Parteibuch Wiki Verdichtung eines Nebels zu einem festen Ankerpunkt vor. Im Gegensatz zum Papst bin ich allerdings kein Popstar und habe deshalb nur wenige Leser. Dafür stehen meine Gedanken nicht unter “© Copyright 2005 - Libreria Editrice Vaticana”, sondern unter Copyleft und jeder darf sich an meinen Gedanken bedienen, sofern er das gleiche Recht anderen auch zugesteht. Mitmachen und mitdiskutieren ist von mir ausdrücklich erwünscht.
Im Gegensatz zu Joseph Ratzinger sehe das so, dass die Kommunikationsethik die treibende Kraft der Verbesserung der Weltordnung ist. Wenn es gelingt, bessere ethische Regeln in der Kommunikation im kleinen Maßstab zu entwickeln und zu erproben, die dann auf den Maßstab der großen Politik übertragbar sind, dann könnte die Weltordnung im Informationszeitalter eine neue Qualität bekommen und die Welt im Informationszeitalter zu einem lebenswerteren Platz werden, als sie es je war.
In der Kommunikationsethik sehe ich ein großes Defizit von Joseph Ratzinger und damit der römisch-katholischen Kirche. Ich bin mir ganz sicher, dass Joseph Ratzinger aufgeklärt genug ist, um zu wissen, dass eine Jungfrauengeburt ausgemachter Quatsch ist. Joseph Ratzinger bestärkt in seiner Weihnachtsbotschaft jedoch den Glauben an das Wunder der Jungfrauengeburt:
… in den Stall von Bethlehem, wo uns der liebevolle Blick Marias, der stillen Zeugin der wunderbaren Geburt, empfängt.
und möchte mit dem Quatsch der Jungfrauengeburt die Probleme von morgen lösen:
Darum ist es wichtig, daß er sich mit seinem Geist und seinem Herzen diesem Heilsereignis der Geburt Christi öffnet, das imstande ist, dem Leben eines jeden Menschen neue Hoffnung zu geben.
Genau an diesem Punkt endet meine gemeinsame Überzeugung mit Joseph Ratzinger. Ich meine, das wichtigste, was die neue Weltordnung des Informationszeitalters benötigt, ist eine neue Ethik in der Kommunikation. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Kommunikation nichts anderes als die Übertragung von Information ist, dann ist es nicht weiter verwunderlich, dass es im Informationszeitalter einer Weiterentwicklung der Kommunikationsethik bedarf. Ich meine, zu einer besseren Kommunikationsethik gehört zum Beispiel, Irrtümer einzugestehen.
Den Quatsch der Jungfrauengeburt als Irrtum einzugestehen könnte der römisch-katholischen Kirche dann auch einen Weg öffnen, offener über die Notwendigkeit der Empfängnisverhütung zu diskutieren. Mit dem Eingeständnis von religiösen Irrtümern könnte Joseph Ratzinger einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der beschämenden Armut leisten, die er selbst in eben jener Weihnachtsansprache geißelt. Die ungezügelte und zu einem großen Teil sicher ungewollte Vermehrung der Menschen trägt schließlich enorm zur Verschärfung der Probleme bei. Und würde Joseph Ratzinger offener mit Sexualität umgehen, so könnte Joseph Ratzinger durch die Empfehlung der Benutzung von Kondomen sicher auch einen wichtigen Beitrag zur beschämenden Ausbreitung der Seuche Aids leisten.
Einerseits mehr Anstand und mehr Moral zu fordern, andererseits jedoch selbst unmoralischen Unfug zum eigenen Machterhalt zu verbreiten, empfinde ich als doppelzüngig. Joseph Alois Ratzinger, wenn Sie für eine gerechtere Weltordnung streiten wollen, dann gestehen Sie die Irrtümer der Kirche ein und öffnen sich so der Diskussion, wie wir zu einer besseren Weltordnung kommen können.
Dann klappt es vielleicht auch mit der Liebe im Herzen. Frohe Weihnachten.
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[…] Wem der Glaube an eine Jungfrauengeburt oder ähnlichem Humbug anderer Religionen zu blöd ist, der findet möglicherweise bei der Giordano Bruno Stiftung Brainfood. Ich zumindest habe mir gerade den Newsletter bestellt. [Trackback URI] [Permalink] […]
Einige Anmerkungen :
Sie fordern, man solle den “Quatsch” mit der Jungfrauengeburt aufgeben.
Dieser Vorschlag spricht nicht für ihre religiöse Toleranz. Ich erlaube meinen Mitmenschen zu glauben was sie wollen, solange es keinem anderen Menschen schadet. Der Staat tut dieses auch, man nennt es dann Religionsfreiheit. Mir fiele sonst auch noch anderes ein : Wann hören die Hindus endlich auf, an den “Quatsch” mit der Wiedergeburt zu glauben? Oder wann geben die Muslime endlich zu, dass Mohammed eben nicht in Jerusalem in den Himmel aufgenommen wurde?
Sie sehen an meinen Beispielen, wohin eine Forderung an religiöse Menschen, endlich nicht mehr an “Quatsch” zu glauben, führt.
Ihre weiteren Forderungen zeigen, dass sie pauschalen Vorurteilen aufgesessen sind. Die Länder in der Welt, die am meisten zur angeblichen “Überbevölkerung” beitragen (die es IMHO gar nicht gibt, man müsste nur gerecht den Wohlstand verteilen), sind überhaupt nicht christlich. In China und Indien leben prozentual gesehen kaum Christen (und dieser Bruchteil ist noch nicht einmal komplett katholisch). Die Länder, in denen eine Bevölkerungsexplosion (also ein überdurchschnittliches Wachstum der Bevölkerung) stattfindet, sind islamisch . Also mein Tipp an Sie: Ersteinmal die Fakten überprüfen, bevor man die Argumente der “Kirchenkritiker” übernimmt.
Ich möchte zum Schluss noch auf die von Ihnen angesprochene Aids-Problematik eingehen.
Überspitzt formuliert lässt sich meine Meinung so ausdrücken : Wer das Kondomverbot ernst nimmt, aber trotzdem ein das HIV Risiko steigerndes Sexualverhalten an den Tag legt, ist ein sehr dummer Mensch. Entweder ich befolge alle Regeln oder keine. Einzeln herausgegriffen macht ein Kondomverbot keinen Sinn, in der Zusammenschau mit den anderen Geboten wie “Kein Sex vor der Ehe” schon.
Ich kann den Gedankengang eines Menschen, der sich über das Verbot des Sex vor der Ehe hinwegsetzt, aber bei dem Gebrauch von Kondomen ein schlechtes Gewissen bekommt, nicht verstehen. Wenn ich bereit bin, gegen die Empfehlung der Kirche Sex zu haben, dann sollte ich auch bereit sein mich zu schützen. Alles andere ist inkonsequent und dumm.
Übrigens zeugt es von Arroganz, wenn man diese Inkonsequenz bei anderen Menschen vermutet (wie Sie anscheinend). Wer sich gedanklich von der Bevormundung der Kirche im Sexualverhalten gelöst hat, müsste auch in der Lage sein, seine innere Blockade gegen den Gebrauch von Kondomen zu überwinden.
Werter Kritiker,
ich fordere gar nicht, dass man den Quatsch mit der Jungfrauengeburt aufgeben solle.
Ich fordere lediglich Joseph Alois Ratzinger dazu auf, nicht weiter solch einen Quatsch zu predigen, weil der Quatsch schwerwiegende Konsequenzen hat. Ich nehme mir übrigens die Freiheit, bei Gelegenheit auch Theologen anderer Religionen zu kritisieren. Nur werde ich seltener mit dem konfrontiert, was die so an Quatsch predigen.
Ich bin auch ganz sicher nicht pauschalen Vorurteilen aufgesessen, was die negativen Folgen des Unfugs angeht. In Afrika, wo die Menschen mehrheitlich christlich sind, gibt es viele Gebiete, in denen kein Bevölkerungswachstum mehr stattfindet, weil Aids die Bevölkerung dahinrafft. In anderen Gebieten vermehren sich die Menschen nahezu ungezügelt und die christliche Lehre von Joseph Alois Ratzinger trägt ihren bescheidenen Anteil dazu bei.
Wenn Sie erzählen, dass manche Menschen dumm sind, dann gebe ich Ihnen recht. Gerade diese Menschen benötigen jedoch die Hilfe der Kirche in der für sie so schwierigen Lage und nicht Maßregelungen wie “Kein Sex vor der Ehe”.
Es ist eben nicht so, dass Menschen entweder alle Regeln befolgen, oder keine. Menschen, die falsch schon einmal falsch geparkt haben, werden deshalb nicht auch zu Mördern. Wenn Joseph Alois Ratzinger wie Sie sagen würde, wenn jemand bereit sei, gegen die Empfehlung der Kirche Sex zu haben, dann solle er sich auch mit Kondomen vor Krankheiten oder empfängnisverhütenden Mitteln vor ungewollter Schwangerschaft schützen, dann wäre dieser Teil meiner Kritik in der Tat obsolet.
Ich glaube nicht, dass, wer sich innerlich von der Bevormundung der Kirche im Sexualverhalten gelöst hat, damit auch gleich einen gesunden Umgang mit Sexualität gewinnt. Ganz im Gegenteil, wer sich vom Unfug der katholischen Lehre von Sexualität verabschiedet, der fällt danach mangels Reife möglicherweise in ein sehr tiefes geistiges Loch der Haltlosigkeit, was eher zu einem ungesunden Umgang mit Sexualität führen dürfte.
Ich erwarte diese geistige Reife nicht von jedem einzelnen Menschen, die Sie als dumm bezeichnen, erlaube es mir jedoch, den spirituellen Führer einer Religion ob seiner schlecht gewählten Worte zu kritisieren.
Den Vorwurf der Arroganz möchte ich, in aller gebotenen Höflichkeit, an Sie wegen der von Ihnen benutzen Vorhaltung “inkonsequent und dumm” zurückreichen.
Tja, meine Rede, dass wir die Religionen gegen eine diesseitsbezogene Philosophie, einen neuen Humanismus einzutauschen haben. Da schlägt die GBS genau in die Kerbe, auf die ich auch schon lange Hinweise. Götter waren mal dazu da, unerklärliche Phänomene der Natur zu erklären oder sich selbst zu beruhigen, z.B. bei Krieg, Trauer etc. Der Wechsel zu monotheistischen Religionen räumte zwar ein wenig mit der “Überbevölkerung am Himmel” auf, aber in ihren Wurzeln sind sie genauso primitiv und märchenhaft anzusehen. Aber Religionen ermöglichen Macht, egal ob im Christentum, im Judentum oder im Islam. Diese Macht wollen weder die Anführer der Religionen noch die Staatschefs aufgeben, denn sie ist u.a. mit großen Privilegien verbunden. Für mich gehören Religionen schon lange in die Mülltonne der Geschichte und durch eine diesseitige humanistische Ethik ersetzt.
MfG
Daniel
Interessant, wenn uns dann die Politiker von der “unsichtbaren Hand des Adam Smith” und den “Selbstheilungskräften des Marktes” reden, dann beschwert sich niemand. Aber sobald der Papst zum Weltfrieden aufruft, wird er als Esoteriker beschimpft. Sicher kann man über die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche auch kritisch denken, aber sind unsere Politiker glaubwürdiger?? Fordert irgendjemand mal “stoppt diesen parlamentarischen Unsinn” wenn uns die Politiker wieder was davon erzählen wie sie die Arbeitslosigkeit reduzieren wollen? Jeder wusste doch, dass Agenda 2010 nie dazugedacht war die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, warum gibt es immer noch soviele, die an solche neoliberalen Konzepte glauben? Der Glaube an die Jungfrauengeburt ist da vergleichsweise harmlos. Wen interessiert denn was vor 2.000 Jahren mit einem kleinen Jungfernhäutchen passiert ist. Wer solche Geschichten als Zeichen für die “korrupte-katholischen Kirche” interpretiert, welche die Welt ins Unglück stürzen will, sollte sich doch mal kritisch fragen ob er da nicht ein bisschen viel Verschwörungstheorie aufeinmal verschluckt hat. Aber am Ende soll doch jeder glauben was er will, jeder hat eben so seine “Verschwörungstheorie” für den einen sind die Juden an allem Schuld für den nächsten die Katholiken und wieder andere machen Freimaurer oder Illuminaten für alles Unglück der Welt verantwortlich…
Vielleicht sollten sich die selbsternannten “Atheisten” mal fragen ob ihre bedienungsloser Glaube an den modernen Staat und die Unfehlbarkeit des Marktes nicht schon lange religiöse Züge trägt… Der Rückgang der christlichen Religion führt eben dazu, dass andere Religionen ihren Platz einnehmen, da sollte man sich doch fragen ob da wirklich etwas besseres nachkommt.
Ich frage mich, wie Sie auf den Zusammenhang zwischen Jungfrauengeburt und Sexualmoral kommen. Die beiden Dinge haben theologisch überhaupt nichts miteinander zu tun.
Das Dogma der Jungfrauengeburt sagt im wesentlichen aus, dass es durch die Geburt des Messias einen Neuanfang zwischen Gott und den Menschen gab, der die von Adam herkommende Erbsünde unterbrach. “Väterlicherseits” geschieht dies durch die zeugung durch den “Heiligen Geist”, “mütterlicherseits” durch die unbefleckte Empfängnis Mariens durch ihre Mutter Anna. [Jungfrauengeburt und Unbefleckte Empfängnis sind zwei paar Schuhe]. Das Alles hat überhaupt nichts mit “Sex ist böse” zu tun.
Das Ganze kann man glauben oder auch nicht. Aber wer über solche Dinge schwadroniert sollte sich zunächst einmal etwas Sachkundig machen.
Zum Thema AIDS: 41 % der Afrikaner gehören dem Islam an, 48 % verschiedenen christlichen Konfessionen, darunter Kopten, Angelikaner, Äthiopisch-Orthodoxe Christen, zahlreiche Mitglieder protestantischer Religionen und eben auch Katholiken. Es gibt in ganz Afrika genau ein Land, das überwiegend (zu mehr als 50 %) katholisch ist und in dem der Papst somit für die mehrheit der Bevölkerung eine unmittelbare Autorität darstellt.
Wenn man sich aber die Ausbreitung von AIDS und die Überbevölkerung ansieht, dann zeigt isch, dass sich diese Erscheinungen völlig unabhägig von der Religion ausbreitet. AIDS entwickelt sich derzeit besonders stark in China und Indonesien, starke Bevölkerungsentwicklungen findet sich - neben einigen katholischen Ländern Südamerikas - vor allem in China und Indien. Wäre es da nicht vielleicht naheliegend nach anderen Faktoren als die Religion zu suchen? Armut? Unterentwickeltes Gesundheitssystem? Unterentwickeltes Bildungssysstem?
Leichte und schnelle Antworten auf komplexe Probleme sind vor allem leicht und schnell. Treffsicher sind sie leider eher selten.
Leichte und schnelle Antworten auf komplexe Probleme sind vor allem leicht und schnell. Treffsicher sind sie leider eher selten.
Siehe die Antworten der Religionen auf die aktuellen Existenzfragen der Menschheit. Danke - q.e.d.
MfG
Daniel
@Daniel
Mir ist eigentlich egal, ob auf der Verpackung Christentum, Buddhismus oder humanistische Ethik draufsteht. Wichtig ist mir, was die religiösen Führer unter dem Label predigen. Wenn ich an so populäre atheistische Führer wie Stefan Raab denke, dann halte ich das, was der sagt, zum Beispiel auch nicht für fortschrittlicher als das, was etwa Joseph Alois Ratzinger predigt.
@bloggnjus
Adam Smith hat in seinem zur unsichtbaren Hand gehörenden Stecknadelbeispiel schon sehr früh beschrieben, was später den Beginn der Industrialisierung ausmachte. Zu seiner Zeit war er damit sehr modern und aufgeklärt. Die unsichtbare Hand zeichnet sich aber durch eine Abwesenheit von Ethik aus und sie erhebt auch nicht den Anspruch, ein Weltbild zu sein. Dies zusammen mit imaginären Selbstheilungskräften des Marktes zu einem ethischen Modell aufwerten zuwollen, halte auch ich für absurd.
Und selbstverständlich möchte ich nicht behaupten, dass die politischen Führer bessere Konzepte als die religiösen vorzuweisen haben. Auch von den religiösen Führern wünsche ich mir jedoch etwas mehr Ehrlichkeit und offene Diskussion. Manch Aberglaube, der vor zweitausend Jahren vielleicht einmal ein Fortschritt war, erscheint mir heute keienrlei ethischen Maßstäben mehr gerecht werden zu können. Dazu gehört eben meiner Meinung nach auch die Jungfrauengeburt, die vor zweitausend Jahren vielleicht einmal eine fortschrittliche Hilfe für Frauen war, die nicht sagen wollten oder konnten, wer der Vater eines Kindes war.
@FG
Die Dogmen der Jungfrauengeburt und der unbefleckten Empfängnis tragen sicherlich zur Tabuisierung von Sexualität bei, und ist Grundlage dafür, nichteheliche Sexualität als Sünde zu betrachten. Was Aids und ungezügelte Vermehrung angeht, so kann es für Joseph Ratzinger, den ich durchaus schätze, sicher kein Trost sein, dass das Problem in anderen Religionen möglicherweise noch schlimmer ist.
In der Tabuisierung von Sexualität geht Joseph Ratzinger aus meiner Sicht tatsächlich Hand in Hand mit ziemlich rückständigen islamischen religiösen Führern. Ich halte das für einen Fehler, und glaube, Joseph Ratzinger selbst sieht das möglicherweise ähnlich zweifelnd, kommt aber nicht mehr von seiner schon vor vielen Jahren zur Schau gestellten christlich-fundamentalistischen Sichtweise auf Sexualität, Jungfrauengeburt und unbefleckter Empfängnis herunter.
Dazu müßte Joseph Ratzinger, der Papst nämlich sagen, dass er sich geirrt habe. Den Mut, zu sagen, dass er, der Papst sich mal irren kann, traue ich ihm jedoch nicht zu. Das kritisiere ich, und ich denke, das darf auch kritisiert werden.
@Marcel:
Atheismus allein macht noch nichts besser. Das ist klar. Es geht um eine humanistische Ethik. Religion ist da kontraproduktiv, weil sie blinden Glauben an willkürliche Dogmen fordert.
@Magrathea
Solange das nicht heißt, dass Atheisten mit einer humanistischen Ethik klügere oder irgendwie sonst bessere Menschen sein könnten als andere oder religiöse, mag ich dem zustimmen.
Ich kann allerdings mit recht großer Sicherheit auch Vorteile von Religion erkennen - zum Beispiel den, dass mit der Religion Menschen möglicherweise dazu gebracht werden können, angemessene Verhaltensweisen anzunehmen, obwohl sie sie nicht verstehen. Ein solches Verhalten halte ich insbesondere für erstrebenswerter als nicht angemessene Verhaltensweisen nach einer Lossagung von Religion.
Die Kritik an willkürlichen Dogmen teile ich hingegen trotzdem, wie aus meinen Anmerkungen zur Jungfrauengeburt wohl deutlich wurde, und meine, es könnte eine Aufgabe religiöser Führer wie Joseph Ratzinger sein, für weniger Dogmatismus in der Religion zu sorgen.
Ich verstehe diese Befürchtungen. Die Angst, dass die Leute, wenn sie auf Religion basierte Ethik über Bord werfen, in der Ethiklosigkeit landen. Und denken, sie können machen, was sie wollen. Aber eine Ethik, die auf einem derart wackeligen Boden fußt, wie ihn die Religion bietet, ist m. E. nicht viel wert. Nach dem Motto, ich benehme mich nur, weil ich Angst habe, dass Gott mich bestraft. Da halte ich mehr davon, Ethik von vornherein als gegenseitigen Vertrag zwischen Menschen zu sehen, die einander gewisse Rechte verbürgen. Ich achte dich, du achtest mich, sozusagen. Das sollte doch jeder kapieren.
Magrathea,
deine Ansicht, dass das Prinzip gegenseitiger Achtung eigentlich jeder kapieren sollte, teile ich grundsätzlich. Schwierig wird es erst im Detail und da zeigen sich dann auch die Grenzen einer so simplen religionsfreien Ethik. Hier in Deutschland haben wir als komplexeres ethisches Gebilde auch die ersten Artikel des Grundgesetzes, worauf ein Ansatz einer nicht religiös motivierte Ethik fußen könnte.
Ich teile jedoch nicht die Ansicht, dass Religion an sich ein wackligerer Boden für ethisches Handeln ist als eine religionsfreie Ethik. Meiner Meinung nach wird die Lebensleistung von Mutter Theresa in keiner Weise dadurch geschmälert, dass sie aus religiöser Motiven heraus ethisch gehandelt hat.
Ich möchte mich dem Gedanken des Grundgesetzes folgend nicht deswegen als klügerer, fortschrittlicherer oder sonstwie besserer Mensch ansehen, weil ich der Weltanschauungsweise - oder soll ich Religion sagen - des Atheismus mehr Vorzüge abgewinnen kann als religiösen Weltanschauungsweisen.
So sehr ich jedoch das Grundgesetz schätze, so sehr sehe ich auch die Notwendigkeit, seine minimalen an freiheitlichen Maßstäben orientierten Normen durch weitere ethische Gedanken zu ergänzen, möglicherweise auch zu verbessern, um der schwer zu formulierenden humanistischen Idee, die dahinter steht, im Text besser gerecht zu werden.
Der Kapitalismus ist sehr wohl ein System mit moralischem Anspruch, dazu sei hier nur der Wikipediaartikel http://de.wikip...ki/Kapitalismus erwähtn der auch ausdrücklich auf das Standardwerk M. Webers “protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus” hinweist. Dort die dort postulierte Rationalität, im Sinne der egoistischen Profitmaximierung, wird dort ausdrücklich als religiös motiviert beschrieben, das Buch ist Pflichtlektüre an den meisten BWL-Studiengängen in Deutschland. Eben genau hier liegt das Problem, das nicht zwischen Religion und Wissenschaft getrennt wird, sondern der Kapitalismus alleinigen Anspruch erhebt. Das evolutionstheoretische Minimalprogramm proklamiert sogar eindeutig die weltweite Ausbreitung des Kapitalismus, da er die fortschritlichere Ethik besitzt. Auch der Marxmismus war absurd, trotzdem gab es genug die fleissig die Weltrevolution des Sozialismus propagierten, der Kapitalismus mit seinem Absolutheitsanspruch wischt die Grenzen zur Ethik und zur Religion genauso hinfort wie Marx. Nicht umsonst ist Globalisierung in aller Munde. Globalisierung ist eben die weltweite Ausbreitung des Kapitalismus, nicht nur in alle Länder sondern auch in alle Lebensbereiche. Wie gesagt, das schlimmst daran finde ich persönlich, dass es eben Leute gibt die dies immer noch leugnen. Auch John Rawls Hauptwerk “Eine Theorie der Gerechtigkeit” spricht von der alleinglückselig machenden Weltbild des Liberalismus/Kapitalismus und verdammt andere Ansichten jeglich Manier als ungerecht, archaisch, etc . Die Verdammung von Altruismus wie sie von Liberalen (Schlagwort: “Gutmenschentum”) sollte uns da alle mal ein bisschen wachrütteln, der Liberalismus ist in keinster Weise Wissenschaft sondern zu 100% eine religiöse Weltanschauung.
Es gibt aber doch einen Unterschied zwischen Religion und Ideologie, oder nicht?
Ich sehe Sozialismus, Kapitalismus, Liberalismus und andere Ismen eher als Ideologie, denn als Religion. Nicht alles, was nicht Wissenschaft ist, gehört in den Bereich der Religion.
Solange ein Nebeneinander mit anderen Religionen, die zu Fragen der wirtschaftspolitischen Ordnung nicht durch den Verweis auf eine bestimmte Theorie Stellung nehmen, möglich ist, sehe ich die Ismen eher als als Ideologie, als theoretisches Leitbild für bestimmte politische Fragen.
Die Grenze zu einer gottlosen Religion sehe ich erst dann verschwinden, wo bei den radikalen Theoretikern des Kapitalismus oder Liberalismus wie bei dem von Dir angesprochenen Weber tatsächlich Glückseligkeit versprochen wird.
@Marcel Bartels
Ein paar Anmerkungen:
Der Glaube bleibt jedem selber überlassen, daher dürfen sie natürlich z.B. die Jungfrauengeburt für Quatsch halten. Aber schauen sie sich doch erstmal die Tatsachen an, bevor sie ungeprüft nachplappern, was “Kirchenkritiker” dauernd sagen.
Punkt 1: Bei allem Respekt, aber mir scheint, sie wissen gar nicht, worüber sie sich so aufregen. “Unbefleckte Empfängnis” und “Jungfrauengeburt” bedeutet nicht das, was sie offenbar glauben.
Punkt 2: Würden sie sich auch trauen, islamische Glaubensdogmen als “Quatsch” zu bezeichnen? Kritiker an der katholischen Kirche fühlen sich immer wahnsinnig mutig und rebellisch, plappern aber nur gefahrlos den gesellschaftlichen Mainstream nach…
Punkt 3: Von den ca. 800 Millionen Menschen in Afrika sind nur ca. 140 Millionen katholisch. Daher ist es zweifelhaft, wenn der katholischen Kirche immer die Schuld an der Ausbreitung von AIDS zugeschoben wird. Besonders, da außerehelicher Sex vom Vatikan ja auch nicht gerne gesehen wird.
Punkt 4: Aus demselben Grund halte ich es auch für fraglich, ob die katholische Kirche schuld an der “Überbevölkerung” ist. Auf der weltweiten Skala gesehen sind die meisten bevölkerungsreichen Staaten nicht katholisch, auch viele Staaten mit großen Bevölkerungsdichten nicht. Selbst wenn man meint, daß Afrika überbevölkert ist (wieso eigentlich? Afrika ist nur etwas kleiner als Asien, wo mehr als viermal so viele Menschen leben. Es hat eine ähnlich große Bevölkerung wie das dreimal kleinere Europa.): wie gesagt, nur jeder fünfte Afrikaner ist katholisch.
@Karl G.
Schauen Sie mal in meinen Kommentar Nr. 3, da nehme ich genau zu den von
“Kritiker” vorgebrachten Kritikpunkten an meinem Beitrag, die Sie hier nahezu wörtlich wiederholt haben, ausführlich Stellung.