Danke, schnell reagiert. Aber ich dachte nicht an einen ‘offenen Beitrag’, sondern an ein kleines, aber ständiges Fenster.
Und warum immer noch (subjektiv, persönlich,) parteiisch? Das wichtigste Beurteilungskriterium in der DDR: Der parteiliche Klassenstandpunkt. Entsetzlich. Ich kann es nicht mehr hören! Selber war ich noch nie parteiisch, sondern immer subjektiv, persönlich und vor allen Dingen … vernünftig.
Al, ich sehe parteiisch durchaus auch als Gegensatz zu parteilich. Parteiisch heißt zwar, dass ich den Werten meiner Partei eine gewisse Bevorzugung entgegenbringe, heißt aber nicht, dass ich auf meine Meinung verzichte. Im Gegenteil, die Meinungsfreiheit ist hier im Parteibuch eines meiner wichtigsten Themen. Und ch mache von der Meinungsfreiheit ja auch Gebrauch, so zum Beispiel, in dem ich öffentlich eine andere Meinung vertrete als die 98% Parteitagsdelegierten, die die große Koalition gebilligt haben.
Ich bin selbst nicht DDR geschädigt, von daher kann ich zum parteilichen Klassenstandpunkt wenig sagen. Ich denke, dass eine Webseite wie die meine in einer Partei nach DDR Art nicht toleriert worden wäre.
Es wäre sicher nicht gern gesehen, wenn sich jemand öffentlich eigene Gedanken zum parteilichen Klassenstandpunkt gemacht hätte und zum Beispiel den Standpunkt vertreten hätte, dass ein Wahlrecht zwischen Butter und Margarine ein wichtiger Punkt des parteilichen Klassenstandpunktes sein sollte.
Ich will es einmal anders sagen: Ich fühle mich zentralen Werten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität durchaus sehr verbunden, lasse mir aber nicht aus der Hand nehmen, selbst darüber nachzudenken, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Ich bin nicht bereit, der Führung unwidersprochen und unkommentiert die Definitionsgewalt, die diese Begriffe erst mit Leben füllt, zu überlassen.
Und ich erlaube mir auch, mir eigene Gedanken darüber zu machen, wen in der SPD ich in welchen Ämtern sehen möchte.
Hello Marcel,
jetzt hat der offene Beitrag ein höchst interessantes Thema. Ein paar Gesichtspunkte dazu:
1. Selbstverständlich braucht man nicht über die Meinungsfreiheit in der DDR zu streiten – Es gab sie nicht.
2. Einen Unterschied zwischen parteiisch und parteilich zu konstruieren, ist sehr gewagt. Es gibt ihn aus meiner Sicht nicht. Das Hauptwort ist das gleiche: Parteilichkeit. Sieht Dir mal die Synonyme von parteilich und parteiisch an … das willst Du sicher alles nicht darunter verstehen !!
3. Eine Partei braucht so etwas wie Parteidisziplin, Fraktionszwang und
Parteilichkeit, sonst funktioniert sie nicht. Das muss sein, aber so richtig stolz ist darauf niemand. Denn man muss abwägen, ob man für ‚höhere Ziele’ bereit ist, Einschränkungen seiner persönlichen Freiheit hinzunehmen.
4. Ich bin beispielsweise dazu nicht bereit, weil ich nicht mehr an die ‚höheren Ziele’ der Parteien und ihrer Führer glaube. Die deutsche Geschichte (nur die der letzten 100 Jahre) zeigt bilderbuchmässig, wohin die Reise geht, wenn man seiner Führung blind und parteilich folgt: In Kriege und nach dem Kaiserreich geradewegs in zwei Diktaturen.
5. Die schwächere Variante von Parteisoldat ist Sympathisant. Ich war heilfroh, dass ich niemandem das Verhalten von Schröder nach der Wahl und den Abschuss Münteferings erklären musste. Das genau fordert aber die Parteidisziplin von Dir!
6. Broder und v. Schnitzler sind und waren auf ihre Weise parteilich/parteiisch, allerdings für völlig gegensätzliche Ideologien. Aber auch an ihnen sieht man, wohin Parteilichkeit führen kann.
7. Ich würde weder über meine WebSite Parteibuch schreiben, noch könnte ich stolz darauf sein, parteiisch/parteilich zu sein (siehe Wörterbuch). Nach Deinen eigenen Worten denke ich auch, Du meinst etwas völlig anderes: Solidarisch, zielstrebig, wertorientiert, eigenständig, gerecht, ehrlich, direkt usw.
8. Auch zwischen subjektiv und persönlich ist kein grosser Unterschied. Ich habe noch mal bei Dir nachgelesen … das gehört eigentlich alles in einen Topf.
9. Mir würde viel besser gefallen, wenn Du beispielsweise oben drüber schreiben würdest. Subjektiv (anders geht es ja gar nicht), professionell (mit dem Hinweis auf Deine Professionalität/Qualifizierung/Sachgebiet …) und klug (Das Gegenteil von karrieristisch, macht- und profilierungssüchtig: vernünftig, intelligent, überlegt, klardenken, scharfsinnig , besonnen, zurechnungsfähig, umsichtig …).
10. So wünschte ich mir Deutschlands Politiker: Durchaus subjektiv, aber in erster Linie professionell und mit Sachverstand klug agierend im Interesse unseres schönen Landes. Leider sieht die Realität anders aus, das hatte Brecht schon vor 50 Jahren erkannt: ‚… denn die Verhältnisse, sie sind nicht so.’
Sorry – ist doch ziemlich lang geworden. Ist aber ein irre spannendes Thema. Ich werde dieses Statement unter Hinweis auf Dein Web in meinem Weblog veröffentlichen.
Beste Grüsse!
@Al
Ich sehe das auch so, dass unser Diskurs recht spannend ist.
2. Es gibt schon einen feinen Unterschied zwischen parteiisch und parteilich, wobei ich den Unterschied zwischen “parteilich” als “von der Partei herausgegeben” und “parteiisch” als “die Partei bevorzugend” sehe. “Mein Parteibuch” ist also nicht parteilich, weil ich nicht den Anspruch und die Zielsetzung habe, die Meinung der Partei wiederzugeben. Trotzdem bevorzuge ich natürlich meine Partei und bin deshalb parteiisch. Viele Wörterbücher stellen diesen Unterschied allerdings nur sehr unzureichend dargestellt. Wäre “Mein Parteibuch” parteilich, so hätte sich die Freiheit meiner Meinung damit praktisch erledigt.
3. Dass eine Partei das heute übliche Maß an Parteidisziplin, Fraktionszwang und Parteilichkeit braucht, um zu funktionieren, sehe ich nicht als Naturkonstante an. Es wäre ja auch möglich, dass Wähler zukünftiger Generationen Parteidisziplin und Fraktionszwang eher nicht wollen und durch schlechte Wahlergebnisse bestrafen.
4. Ich sehe die Merkmale einer Diktatur eher relativ. Das Kaiserreich selbst wies zum Beispiel sehr viele Merkmale einer Diktatur auf; ich will da nur mal das Stichwort “Sozialistengesetze” nennen. Und auch die früheren Herrscher hier waren nicht unbedingt alle besser. Wenn wir aber aus einer Geschichte der Diktaturen kommen, wie kommen wir darauf, dass wir die Merkmale einer Diktatur so plötzlich hinter uns lassen konnten? Nur weil bei uns der subjektive Eindruck vorliegt, dass wir heute in einer freien und demokratischen Gesellschaft leben, muß das ja nun nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Dieser subjektive Eindruck war sicher auch bei vielen Menschen vorherrschend, die in den Diktaturen gelebt haben. Und heute blicken wir auf sie zurück, und fragen uns, wie es kommt, dass die Menschen so leben konnten. Wer gibt uns die Gewißheit, dass in zwei bis drei Generationen die Menschen auf unsere Zeit nicht einmal ganz ähnlich zurückblicken werden? Ich bemerke im Gegenteil in meiner unmittelbaren Umgebung sehr viele Merkmale einer unfreien und wenig demokratischen Gesellschaft: Angst vor der Wahrheit, grassierende Korruption, politische Seilschaften, Meinungsmanipulation in den Massenmedien, ungerechte Justiz und die Kriminalisierung großer Teile der Bevölkerung.
6. Zwischen Broder und Schnitzler sehe ich keinen wesentlichen Unterschied.
7. Die Eigenschaftswörter für sich sagen sehr wenig aus. Viel wichtiger ist es, wie die Wörter erklärt werden. Es gibt das Problem des Mißbrauches der Worte ähnlich wie im Orwell’schen Doppeldenk. Als “ehrlich” bezeichnen sich Scientologen zum Beispiel auch, meinen damit aber etwas ganz anderes als andere Menschen.
8. Über mein Mission Statement habe ich tatsächlich nicht lange nachgedacht, sondern es gleich zu Beginn ziemlich schnell runtergeschrieben. Insofern bitte ich um etwas Nachsicht. Subjektiv sehe ich dabei vor allem auch als Gegensatz zur journalistischen Pseudo-Objektivität, wo Zitate gesucht werden, um den subjektiven Standpunkt zu Objektivität zu verhelfen. Persönlich bedeutet dann eben auch, dass ich (auch) über meinen kleinen Mikrokosmos schreibe, obwohl ich das in letzter Zeit etwas vernachlässigt habe. Es wird vielleicht Zeit, dass ich mein Mission Statement mal ergänze und präzisiere. Andererseits ist das Mission-Statement eben auch Zeugnis meiner ersten Gedanken. Löschen würde ich es ungern, in gewisser Weise dokumentiert es auch, wie ich mich durch dieses Weblog verändert habe.
9. Auch hier gilt wieder der Hinweis auf das Doppeldenk …
10. Wer als Politiker irgendein anderes Interesse am Land hat, als es auszuplündern um selbst Karriere zu machen, gilt, glaube ich, unter vielen Kollegen als dumm. Die Welt verbessern zu wollen, ist hinderlich für die Karriere eines Politikers.
2. Die semantische Belegung von parteilich und parteiisch ist eindeutig: einseitig, tendenziös, nicht unparteiisch, befangen, schief, unsachlich, ungerecht … Wir müssen uns schon an das halten, was in den Synonymen-Wörterbüchern steht. Sonst kann man nicht mehr miteinander reden. In der deutschen Sprache sind Parteilichkeit und die Freiheit Deiner Meinung unvereinbar.
3. Schön, wenn die Parteidisziplin keine Naturkonstante wäre. Aber ich kenne keine Partei, die glaubt, auf diese schönen Disziplinierungsmittel verzichten zu können. Die Wähler haben darauf keinen Einfluss. Das ist leider Illusion.
4. Natürlich liegen Kaiserreiche und Diktaturen nicht weit auseinander. Aber zwischen der (zugegeben unvollkommenen) Staatsform Demokratie und einer Diktatur liegen himmelweite Unterschiede. Angst vor der Wahrheit, Korruption, Meinungsmache … das sind Lappalien im Vergleich zu dem, was eine Diktatur mit ihren Bürgern macht. Kein Vergleich - siehe DDR! Solange wir noch so viel Menschenrechte, Freiheiten und vor allen Dingen Rechtsstaatlichkeit wie heute haben, muss man absolut vermeiden, diese Bundesrepublik mit einer Diktatur im gleichen Atemzug zu nennen. Die Demokratie kann kippen und zur Oligarchie werden, wie in den USA und vielen anderen Ländern, die sich Demokratien nennen. Aber noch leben wir in Germany in einem Schlaraffenland hinsichtlich der bürgerlichen Freiheiten.
7. Noch einmal: Wir müssen uns schon an das halten, was in den Synonymen-Wörterbüchern steht. Sonst können wir uns nicht mehr verständigen.
8. Über ein Mission Statement sollte man sehr lange nachdenken. Es ist ja schliesslich so etwas wie das Handlungs- oder sogar Lebensmotto. Natürlich habe ich Nachsicht, sonst würde ich Dir nicht so viel schreiben. Aber ich habe auch die Hoffnung, dass man mit vernünftiger Argumentation etwas erreichen kann. Es gehört viel Grösse dazu, sich zu korrigieren. Schlafe ein paar Mal darüber und denke nach. Diese drei Worte liest jeder und sie müssen das aussagen, was die Grundlage Deines Handelns ist. Und sie müssen das Sprachgefühl des durchschnittlichen Lesers treffen. Spezielle semantische Belegungen funktionieren umgangssprachlich nicht.
Auch die Begriffe subjektiv und objektiv sind eineindeutig belegt: Der Mensch ist prinzipiell nicht in der Lage, objektive Urteile/Aussagen abzugeben/zu treffen! Egal was er sagt oder schreibt, es ist immer subjektiv. Deswegen ist Dein ‚subjektiv’ im Statement auch redundant.
10. Mir ist völlig unverständlich, wie man mit so einer Meinung über die Politiker Mitglied einer politischen Partei werden kann?? Denkst Du denn, bei den SPD-Mitgliedern handelt es sich um Menschen/Politiker von einem anderen Stern?! Und wenn man in eine Partei eintritt, dann will man doch etwas bewegen. Im besten Fall rüttelst Du doch am Gitter des Kanzleramts und willst dort rein! Da kannst Du doch nicht gleichzeitig sagen, die Politiker haben nur ein Interesse, das Land auszuplündern!?
Vielleicht weißt Du gar nicht so richtig, auf was Du Dich mit dem roten Parteibuch eigentlich eingelassen hast??
In meinem Weblog gibt es seit einer Stunde einen Link zu Deinem Web (und zu tangierenden Storys bei mir). Einiges auf Deinem Web finde ich sehr interessant und Du solltest unbedingt weitermachen. Aber wohin soll eigentlich Deine parteiische Reise gehen?
@Al
Jetzt treten die weltanschaulichen Unterschiede sehr genau hervor.
2. Auch Büchern sollte man nicht blind vertrauen, denn es mag in unterschiedlichen Büchern auch unterschiedliches Gedrucktes stehen. Ich weiß nicht, in welches Wörterbuch Du geschaut hast. Im etymologischen Wörterbuch des Duden Verlages (etwas ältere Ausgabe) finde ich:
parteiisch - voreingenommen, befangen, nicht objektiv (15. Jh.)
parteilich - eine Partei betreffend (16. Jh.)
So wurden diese Worte seit Jahrhunderten benutzt, und so werden diese Worte heute noch benutzt, auch wenn nicht allen der Unterschied immer bewußt ist. Innerhalb der Partei ist den meisten, denke ich, der Unterschied bewußt.
3. Die Parteidisziplin ist keine Naturkonstante. Die Veränderungen im Bewußtsein der Menschen geschehen nur langsam, aber es geschieht wunderliches. Auf dem Landesparteitag der SPD im Sommer diesen Jahres beispielsweise hat der Landesvorstand einen Wahlvorschlag für die Landesliste vorgelegt, und ein Genosse hat eine Rede gehalten, in dem er im Tenor die Parteidisziplin beschworen hat. Wer nicht für den Vorschlag des Vorstandes sei und statt dessen den Gegenkandidaten unterstützt, würde den Vorstand beschädigen und damit die Partei schwächen. Der Redner wurde insbesondere von jungen Delegierten ausgebuht, gerade weil solche Parteidisziplin da nicht mehr als Tugend sodnern als etwas gilt. Und siehe da, der junge Kandidat wurde gegen den Vorschlag des Vorstandes gewählt und trotzdem weder der Vorstand beschädigt noch die Partei geschädigt. Das wäre vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen.
4. Ich sehe das auch so, dass demokratische Rechtstaatlichkeit, Menschenrechte und Meinungsfreiheit wichtige Parameter sind, um zu kennzeichnen, inwieweit ein Staat eher humanistisch oder eher totalitär ist. Selbstverständlich haben wir Fortschritte gemacht auf dem Weg weg von einer totalitären Gesellschaft hin zu einer freieren, humanistischen Gesellschaft. Auf den ersten Blick scheint es auch schon ein Fortschritt zu sein, dass wir uns zu einer demokratischen Rechtstaatlichkeit, zu Menschenrechten und zu Meinungsfreiheit bekennen. Auf den zweiten Blick ist es jedoch so, dass sich auch moderne Diktaturen zu diesen Werten bekennen, und der Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur nicht im Bekenntnis zu diesen Werten, sondern im Grad der Erfüllung liegt. Um zu sehen, wie weit wir auf dem Weg vom Totalitarismus hin zu einem humanistischen Weltbild fortgeschritten sind, müssen wir also genauer hinschauen. Ich halte die allumspannende Korruption, den gezielten Rechtsmißbrauch zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit wie dies beispielsweise im Fall Michal Plümpe sehr deutlich wurde, und die Meinungsmache in den Massenmedien beispielsweise nicht für Lapalien, sondern für ein Zeichen einer totalitären Gesellschaft. Dass die Probleme der Gegenwart Lapalien im Vergleich zu den Verfehlungen von früher sind, hätte die DDR-Führung auch zu Recht behauptet.
Übrigens muß eine totalitäre Gesellschaft meiner Ansicht nach nicht unbedingt auf einem totalitären Staat fußen, wie das Beispiel Rußlands in den 90er Jahren überdeutlich zeigt. Da gab es so etwas wie eine libertäre Diktatur, der Staat hatte nichts zu sagen, dafür gaben Verbrecherclans, die über dem Gesetz standen, den Ton an. Letztlich macht es keinen Unterschied, ob jemand für die Äußerung der eigenen Meinung vom Staat oder von Gangstern ermordet wird. Was Rechtsstaatlichkeit bedeutet, mögen wir auch den zahlreichen jungen Mädchen türkischer Herkunft erzählen, die hier in Berlin auf offener Straße für ihre deutsche Lebensweise ermordet werden.
7. Wir dürfen uns durch gleichmachende Synonym-Wörterbücher nicht der Vielfalt unserer Sprache berauben.
8. Ich habe kein Problem damit, mich zu verbessern. Natürlich sind die drei Worte im Mission-Statement auch eine Provokation gegenüber den Mainstream-Medien. Obwohl eigentlich alle Medien in Deutschland die Merkmale “subjektiv, persönlich und parteiisch” erfüllen, so wird eine Diskussion darüber dadurch ausgeblendet, dass sie das Gegenteil suggerieren. Man denke nur mal an Franziska Augstein’s jüngste Spiegel Kritik, und stelle sich dann vor dem Hintergruznd einmal die Fragen, wie subjektiv, persönlich und parteiisch der Spiegel ist. Gerade weil aber Mainstream-Medien Objektivität suggerieren, halte ich “subjektiv” nicht für redundant.
10. Ich bin gar nicht mit der Meinung, die ich jetzt von der Politik habe, Mitglied einer politischen Partei geworden. Ich bin in die Partei eingetreten, weil ich angesichts der dramatischen Lage in Deutschland meinen Teil dazu beitragen wollte, dass etwas daran verbessert wird. Ich möchte eben nicht alle Verantwortung auf die Politiker, die Politik oder die Umstände schieben, sondern selbst meinen Beitrag dazu leisten, dass etwas besser wird. Meine Meinung von Politikern hat sich allerdings im Laufe der ersten sechs Monate meiner Parteimitgliedschaft geändert. Vor sechs Monaten bin ich noch davon ausgegangen, dass Politiker sowohl ihre eigene Karriere als auch das Wohl des Landes im Auge haben. Heute denke ich, dass sich den Luxus, das Wohl des Landes im Auge zu behalten, eigentlich kein Politiker leisten kann, wenn er nciht seine Karriere riskieren will.
Als ich vor sechs Monaten angefangen habe, genauer hinzuschauen, bin ich davon ausgegangen, dass wir in Deutschland vor allem einige grundlegende Probleme wegen der vom Wähler herbeigeführten Blockade zwischen Bundesregierung und Bundesrat haben. Nachdem ich mich nun sechs Monate mit Politik beschäftigt habe, sehe ich die Defizite vor allem in allumfassender Korruption, Gesinnungsjournalismus, fehlender Funktionsfähigkeit des Rechtswesens, instrumentalisierter Bürokratie und der Monopolisierung von Märkten.
Wohin nun meine parteiische Reise geht, ist mir selbst nicht klar. Das liegt wohl daran, dass ich meine berufliche Zukunft nicht absehen und eigentlich keine Perspektive erkennen kann. Solange ich nichts besseres mit mir anzufangen weiß, schreibe ich eben hier.
Hello Marcel,
wir haben unterschiedliche Ansichten, aber keine weltanschaulichen Differenzen! Ein grosser Unterschied und Vorteil!
2. Einverstanden, warum sollte man Büchern vertrauen? Natürlich sind auch sie mehr oder weniger subjektiv. Aber Wörterbücher sind ein Sonderfall. Sie sind dazu da, um die aktuelle Sprachbelegung zu dokumentieren. Damit kann man beispielsweise gerade solche Differenzen wie parteilich und parteiisch ausräumen. Ich verwende Wortschatz vom Sybex-Verlag (eine Software auf meinem Rechner) oder das hervorragende WebLexikon http://wortscha....uni-leipzig.de. Ich zitiere das WebLexikon:
Parteilich: beeinflußt, parteigebunden, subjektiv, voreingenommen
Parteiisch: befangen, eingleisig, einseitig, gefärbt, parteigebunden, parteilich, subjektiv, tendenziös, unsachlich, voreingenommen, vorurteilsvoll
Grundform: parteilich und Parteilichkeit: Befangenheit, Einseitigkeit, Voreingenommenheit ist Synonym von: Ethos, Gesinnung, Haltung, Intoleranz, Sinnesart, Subjektivität, Unduldsamkeit, Verblendung, Vorurteil
Müssen/sollen wir noch mehr über diese Begriffe diskutieren? Ich bin sicher, das alles willst Du damit genau NICHT Deinen Lesern sagen!
3. Glückwunsch! Aber ich befürchte, das ist kein genereller Sieg. Macht in diesem Sinne weiter, denn nur so gibt es eine Chance, in diesem Lande etwas zu ändern.
4. Hier haben wir keine prinzipielle Differenz. Ich habe die DDR mitgemacht und kann es keinem klar machen, wie gross der Unterschied zu den jetzigen Verhältnissen ist! Aber Du hast recht, wenn Dir das alles noch nicht genügt. Natürlich sind die angesprochenen Dinge (Korruption, Meinungsmache …), wenn man die DDR aussen vorlässt, keine Lappalien! Ich habe Bedenken in genau der entgegengesetzten Richtung: Ich hoffe, es bleibt so, wie es jetzt ist. Ich nehme aber an, die Pervertierung des Rechts und die Korruption in allen Varianten wird zunehmen und die Freiheitsrechte werden per Erlass schleichend oder ganz legal (z.B mit dem Hinweis. auf den Terrorismus) eingeschränkt. Irgendwann kippt dann das Ganze und wir haben amerikanische Verhältnisse: Die Diktatur des Kapitals.
5. Ja. Gut gemacht, aber trotzdem nicht meine Sache. Ich werde mich nie wieder einer wie auch immer gearteten Bevormundung unterwerfen. Egal, wer das ist, Menschen, eine Partei oder der Staat.
7. Parteilich und parteiisch hat nichts mit der Vielfalt der Sprache zu tun. Es geht hier ganz einfach um die umgangssprachliche Belegung/Bedeutung. Die Sprachvielfalt und –entwicklung kann sowieso niemand aufhalten.
8. Subjektiv ist insofern nicht redundant, weil der Allgemeinheit der Sachverhalt der totalen Subjektivität aller menschlichen Äusserungen nicht bewusst ist.
In dem Moment, wo Du Dein Mission Statement als Provokation verstehst, erübrigt sich jede Diskussion über den Inhalt. Dann geht es um Provokation und um nichts anderes.
10. Dieser Punkt ist hoch interessant, denn er beschreibt viel besser als Dein Mission Statement, was Du eigentlich willst. Und genau so habe ich Dich nach den ersten 10 Sekunden eingeschätzt, als ich Deine WebSite zum ersten Mal sah: Du willst was bewegen. Wo aber ist der richtige Hebel?? Gebt mir einen festen Punkt und ich werde die Welt aus den Angeln heben. Leider gibt es so einen festen Punkt nicht. Aber wer etwas in diesem Lande bewegen will, muss bei einer Partei oder Organisation mitmachen oder selber eine gründen. Meine Variante bedeutet Passivität und sie ist Resignation. Aber mit 70 Jahren kann ich mir das leisten.
Ich wünsche Dir, dass Dir die Hoffnung nicht abhanden kommt, dass Du mit Gleichgesinnten dieses System von innen heraus reformieren kannst. Ich habe knapp 40 Jahre auch in diesem Sinne geackert. Aber in den letzten 10 Jahren bin ich zu der Überzeugung gekommen, das ist Illusion. Jedes stabile System ist nur in engen Grenzen reformierbar. Ich gehe sogar noch weiter: Auch diese ganze Zivilisation ist nicht reformierbar, weil die systemimmanenten Widersprüche nicht zu beseitigen sind. Deshalb wird diese Kultur untergehen. Traurig aber wahr: http://www.stor...2005/global.htm Bitte lesen!! Ich wünschte, jemand würde mir bei dieser Analyse Fehler nachweisen.
Trotzdem: Weitermachen!!!!
Ich hoffe, Du findest die richtigen Mitstreiter und den Knackpunkt, an dem sich der Hebel ansetzen lässt. Aber auch wenn das gelingt, die entscheidende Frage bleibt offen:
Wie sieht das alternative System aus, das mit der heute existierenden Sorte von Menschen funktioniert?
Vielleicht ein weiteres Thema in Deinem Diskussions-Web.
@Al
Nun, ich hoffe, ich habe noch ein paar Jahrzehnte Zeit, mit meinem Leben etwas anständiges anzufangen. Ich denke auch, dass ich durchaus ein bißchen etwas habe, was ich in die gesellschaftliche Entwicklung an Ideen und Wissen einbringen kann.
2. Parteiisch im Sinne von befangen, gefärbt und tendenziös ist Mein Parteibuch schon. Ich bin ja schließlich Mitglied einer Partei, denn ich denke, um etwas zu ändern, muß man selbst Teil des Systems sein. Im Unterschied zu vielen anderen Medien schreibe ich es aber gleich in den Titel, dass ich parteiisch bin. Das finde ich durchaus anständig. Wer das parteiische wie eine Konstante in einer Gleichung abzieht, kommt dann dem Kern dessen, was ich hier treibe, näher. Ich will aber unverhohlen zugeben, dass es manchmal auch einfach nur Spaß macht, die Methoden der Bild-Zeitung zu kopieren, und den Spin dabei in eine andere Richtung zu geben.
4. Ich glaube gar nihtso sehr, dass das Kippen von politischen Systemen viel an der Gesellschaft ändert. Da ändert sich zwar die Fahne, die über dem System drüberhängt, aber tief drinnen ändert sich eher wenig. So zum Beispiel in Rußland, wo die kommunistische Diktatur dann durch eine libertäre Diktatur der Oligarchen abgelöst wurde. Oder in der Ukraine, wo wir gerade möglicherweise das Scheitern der im letzten Jahr geglückten orangenen Revolution miterleben können. Nichtsdestotrotz hat es aber auch Fortschritte gegeben in der menschlichen Entwicklung. Heute werden mißliebige Menschen in Deutschland zumindest von offiziller Seite nicht mehr am nächstbesten Baum aufgeknüpft oder auf Scheiterhaufen verbrannt. Derzeit sehe ich die Gefahr, dass die neuen Technologien des Informationszeitalters mit einem gesellschaftlichen Leitbild aus dem vorletzten Jahrhundert nicht zu der Verbesserung der Lebensumstände der Menschen führen, zu denen sie eigentlich führen könnten. Im Gegenteil, durch die Kriminalisierung großer Teile der Bevölkerung mit modernen Straftatbeständen wie zum Beispiel Urheberrechtsverletzungen und finanzielles Raubrittertum mit Hilfe von Patentrecht, Markenrecht, Namensrecht, Vertragsrecht und so fort erleben wir gerade neben Fortschritten auch deutliche Rückschritte in der Entwicklung hin zu einer besseren Gesellschaft. Über das politische System hingegen mache ich mir wenig Illusionen: das hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum geändert.
8. Sicherlich ist das Herausheben der Attribute, die nicht selbstverständlich sind, eine Provokation. Neudeutsch heißt so etwas auch Eyecatcher. Ehrlich und unabhängig würde zwar sicher auch zutreffen, wäre aber kein Blickfang. Ich denke auch nicht, dass die Diskussion über das von mir abgegebene Mission Statement viel mehr Tiefgang verdient.
10. Dieses alternative System, dass mit den heute existierenden Menschen funktioniert, zu beschreiben, sehe ich tatsächlich als eine Kernaufgabe, um etwas zu verbessern. In der Unternehmensführung gibt es schließlich auch so etwas wie ethische Leitlinien, warum sollte dies also nicht für die politische Diskussion möglich sein? Wenn etwas beschrieben ist, dann kann sich hinter dieser Beschreibung eine Schar von Menschen versammeln.
Ich bin mir jedoch eigentlich sehr sicher, dass es Menschen gibt, die bereits weiter sind auf diesem Weg, Ziele oder ethische Leitlinien zu formulieren und die sich an ihre ethischen Linien auch selbst halten. Es kann doch nicht sein, dass ich mit diesen wohl beinahe klassischen humanistischen Wertvorstellungen allein auf der Erde bin? Bei einigen Freimaurern könnte es zum Beispiel auch einige geben, die ähnliche Wertvorstellungen gemeinsam haben. Ich will da aber nichts beschreien, kenne einfach niemanden davon. Schließlich berief sich ja auch die SED auf humanistische Ideale. Wo sind sie also heute, die Erben der Humanisten?
Ich bin mir nicht klar, ob ich solche Menschen finde, oder ob es mir gelingt, Menschen mit solchen Idealen zu versammeln.
Als Leitziel würde ich mal zur Diskussion stellen wollen, dass ich meine, wir bräuchten so etwas wie eine Hinwendung zu mehr Anständigkeit. Es sollte sexy werden, anständig, bescheiden und geradlinig zu sein. Es sollte schick sein, einem gebrechlichen Menschen über die Straße zu helfen, anstelle sich am Ballermann den wegzudröhnen. Ich meine damit nicht, dass diese Anständigkeit ein Zwang sein sollte wie ein unverstandenes religiöses Ritual, sondern etwas gern gesehenes.
Ich denke, dieses System braucht an der Spitze so etwas wie grundsätzliche ethische Leitlinien und sollte dann heruntergebrochen werden können. Ich denke, es sollte ein ethischer Kodex sein, der bereits im kleinen anzuwenden ist, der nicht mit einer Revolution, sondern auf einer Bewußtseinswandlung beruhend verbreitet wird.
Ich bin mir dabei bewußt, dass wir ein ethisches System mit der Religion bereits haben, und doch meine ich, dass dieses ethische System der Religion widersprüchlich ist und heutzutage zu wenig überzeugenden Ergebnisssen führt. Außerdem denke ich, diese ethischen Leitlinien sollten eher politischer Natur als religiöser Natur sein. Ich meine, der Politik täte es gut, wenn mal jemand den Cato macht, so wie mir das vor kurzem vorgehalten wurde.
Vielleicht gelingt es ja, mit Hilfe der neuen Informationstechnik auch ethische Gedanken besser zu verbreiten? Nun, ich hoffe, Du entschuldigst meinen Größenwahn.
Ich denke übrigens, allein mit der neuen Informationstechnik läßt sich so etwas wie Deine globale Bildungs- und Menschenrechtsoffensive wirklich durchführen. Die Wikipedia leistet ja bereits heute bereits unschätzbare Dienste für die Bildung. Warum sollte es im Informationszeitalter nicht auch eine dem Informationszeitalter entsprechende Ethik geben können?
Eine ganz andere frage ist es natürlich, ob es unsere Zivilisation überhaupt wert ist, nicht unterzugehen. In “Per Anhalter durch die Galaxis” von “Douglas Adams” steht die Erde zwar sowieso einer intergalaktischen Umgehungsstraße im Weg und muß deshalb leider gesprengt werden, aber ich finde das Bild einer friedlichen Erde, die sich nicht selbst zerstört, trotzdem sympathischer.
2. Diese Diskussion können wir also abhaken. Du stehst zu Deiner Parteilichkeit und das Ganze hat bewusst auch einen etwas reisserischen Charakter, denn anders kann man ‚auf dem Markt’ nicht bestehen. OK – verstanden, aber nicht akzeptiert. Macht nichts. Differenzstandpunkt.
4. Aus meiner Sicht ändert sich gerade nicht nur die Fassade, sondern das ganze System. Für mich ist entscheidend (Beispiel Bundesrepublik), ob der von mir so hoch geschätzte Pluralismus erhalten bleibt, oder nicht. Kriterium dafür ist die Meinungsfreiheit, gewährleistet und gesichert durch den Rechtsstaat. Nach meinen DDR-Erfahrungen ist das das Tafelsilber Deutschlands und weiter Teile Europas. Solche Verhältnisse gibt es beispielsweise weder in den USA noch in Russland. Ich habe die Befürchtung, dass diese Rechte durch den Staat sukzessive eingeschränkt werden. Deine Beispiele der modernen Straftatbeständen (TCPA usw.) weisen in diese Richtung. Das aber ist nicht die Fassade, es ist die Substanz des politischen Systems! Die freiheitliche Demokratie kippt: Fundamentalistische Christen agieren mit Nation Building und massiver militärischer Gewalt gegen fundamentalistische Moslems. Pluralismus und die Meinungsfreiheit bleiben auf der Strecke: Siehe USA.
8. Wenn man Mission Statement wörtlich nimmt, dann verdient das, was man dazu schreibt, reiflichste Überlegung und Tiefgang. – Aber das ist meine Sicht. Differenzstandpunkt.
10. Hier sind wir uns wieder sehr einig. Auch aus meiner Sicht ist das die alles entscheidende Frage, mit der sich die Zukunft dieser Zivilisation entscheidet: Wie sieht das vernünftige, friedliche und solidarische System aus, das mit der heute existierenden Sorte von Menschen weltweit funktioniert? Hier liegt auch der Grund, weshalb ich generell unseren Parteien und ihren Generalsekretären misstraue: Sie kümmern sich um diese Frage einen Dreck. Genau diese weltanschauliche Frage war aber ursprünglich ein wesentliches Anliegen aller Parteien bei ihrer Gründung! Was ist davon übrig geblieben? Du redest wie die SPD von Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit. Wie aber soll der Staat, das politische System aussehen, das in den Zeiten der Globalisierung die Wohlfahrt und den Wohlstand aller sichert??! Vom Mehren des Wohlstands und von Wachstum gar nicht zu reden. Wo ist das Programm, das Konzept, die neudeutsche Roadmap, mit der eine solche Gesellschaft aufgebaut werden kann? Keine Partei hat auf diese Fragen Antworten. Siehe Koalitionsverhandlungen: Es geht nur um’s Geld und strategisch maximal um die Pendlerpauschale… Eine neue Epoche der globalen Aufklärung? Technisch überhaupt kein Problem, aber weil der Wille fehlt, ist so ein Ansinnen die blanke Utopie. Kein Wunder, dass die Eliten mit Parteien und Politik nichts zu tun haben wollen.
Aber lass Dir Deinen Optimismus und Tatendrang nicht nehmen. Vielleicht ändert sich ja schon morgen die Motivation aller Politiker weltweit …!
@tim
Der Beitrag von Wolfgang Merkel vom Wissenschaftszentrum Berlin ist insofern interessant, als dass Wolfgang Merkel in der Grundwertekommission der SPD ist und ich den Eindruck habe, viele meiner Genossen beurteilen die Lage ähnlich wie er. Als ich hier mit dem Parteibuch angefangen habe, habe ich, mal abgesehen, dass Wolfgang Merkel die schwarze Bundesratsmehrheit geflissentlich übersieht, die Lage vermutlich auch noch ziemlich ähnlich gesehen, wie sie Wolfgang Merkel nun darstellt.
Heute sehe ich die Dinge jedoch anders. Wolfgang Merkel beispielsweise meint, dass die Diskussion um 2,3 oder 0,3 Prozentunkte Lohnnebenkosten gepsenstisch sei und fordert im gleichen Atemzug, es müßte über ganze Prozentpunkte geredet werden.
Ich finde die Diskussion um ganze Prozentpunkte genauso gespenstisch und meine, auch bei einer völligen Streichung der Lohnnebenkosten hätte die Telekom die 32.000 Arbeitsplätze abgebaut und auch Grohe hätte seine Produktion trotzdem nach China verlegt.
Wolfgang Merkel konstatiert ein Versagen von rot-grüner Politik, weil Wachstum und Arbeitsplätze weitgehend ausgeblieben sind.Ich will da zuerst mal zu sagen, dass Wachstum inzwischen nicht mehr zu Arbeitsplätzen führt. Und auch halte ich es nicht für gesellschaftlichen Fortschritt im Sinne der Sozialdemokratie, wenn aus Fürsorge-Empfängern professionelle Kloputzer für die Reichen gemacht werden und so Wachstum und Arbeitsplätze im “Service-Bereich” geschaffen werden.
Anstelle einer Haushaltssanierung durch eine effektive Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Steuerbetrug lobpreist Wolfgang Merkel Mehrwertsteuererhöhungen. Zentrale Werte wie Korruptionsbekämpfung, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit schneidet der Beitrag jedoch nicht einmal an. Zum Problem fehlenden Wettbewerbs und fehlender Innovations- und Investitionsbereitschaft in monopolartig strukturierten Märkten sagt Wolfgang Merkel nichts. Zu den dringenden Konsequenzen, die sich aus der Informationsgesellschaft für die Bildungspolitik ergeben sagt er - nichts.
Ich denke, Wolfgang Merkel hat die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Informationszeitalter einfordert, noch nicht ansatzweise erfaßt und verharrt stattdessen im Denken, das mehr Unternehmensgewinne, mehr Wachstum und eine Senkung der Arbeitskosten eine Senkung der Arbeitslosigkeit bedeutet.
@Al
Ich denke weniger an ein politisches System als an eine ethische Bewegung.
2. Es mag sein, dass ich mich in Bezug auf Provokation ganz gewaltig irre. Den Nutzen der Provokation habe ich gleich zu Beginn gesehen, die Defizite in der gesellschaftlichen Ethik hingegen erst viel später. Wie bekomme ich publizistisch eine neue Ethik der Anständigkeit damit zusammen, dass Menschen sich beinahe einem Naturgesetz gleich für reißerische Aufmacher interessieren?
4. Ich denke, in Bezug auf die Meinungsfreiheit haben wir es mit einem sehr labilen Kräftegleichgewicht zu tun, das durch die Konzentration der Märkte bedroht ist, die sas Informationszeitalter mit sich bringt. Der Widerspruch liegt darin, dass mehr Freiheit leicht zu mehr Konzentration führt, was letztendlich ein weniger an Freiheit bedeutet. Deutschland steht aus meiner Sicht zwar insgesamt schlecht, aber wegen des dualen Mediensystems jedoch noch vergleichsweise gut da. Man denke zum Vergleich nur an Italien.
Die modernen neuen Straftatbestände, Möglichkeiten, mit Klagen zu Schutzrechten virtueller Güter mißliebige Menschen beliebig in die Enge zu treiben, und natürlich auch die privatwirtschaftliche Beherrschung technischer Standards sind aus meiner Sicht viel mehr Kennzeichen des neuen Totalitarismus im Informationszeitalter. Ich meine jedoch ncht, dass ein neuer Totalitarismus im Informationszeitalter deterministisch vorbestimmt ist, sehe das vielmehr so, dass alle Zeitalter verschiedene Phasen durchlaufen haben. Wer hätte bei Erfindung der Dampfmaschine schon damit gerechnet, dass es einmal Gewerkschaften und Weltkriege geben würde? Auf die Weltkriege würde ich im Informationszeitalter allerdings gern verzichten.
10. Nun, die Zivilisation sehe ich nicht gefährdet. Die Menschheit ist sehr anpassungsfähig, ähnlich Ratten in der Kanalisation werden Menschen noch viel Ungemach der Erde überleben. Ich empfinde die Vorstellung, dass Menschen ihresgleichen beherrschen, jedoch nicht als schön, also als unethisch.
Recht hast Du, wenn Du erklärst, dass von Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit zwar viel geredet wird, die Taten sich jedoch nicht daran orientieren. Ich gehe davon aus, dass dies keine Frage des politischen Systems ist, sondern eher eine ethische Frage. Ich will es mal anders formulieren: nicht die Verbesserung des politischen Systems bringt uns positiven gesellschaftlichen Fortschritt, sondern ein mehr an ethischem Handeln der in dem System lebenden Individuen.
Andererseits ist es hinzunehmen, dass Menschen nicht besser werden wollen. Menschen wollen rauchen, trinken, Drogen nehmen, huren, lügen, betrügen, andere beherrschen oder bestechen, sich bestechen lassen, ein größeres Haus und Auto als die Nachbarn haben oder sich um das schönste Mädel oder den Mann mit der dicksten Brieftasche prügeln.
Ich meine jedoch, dass es eben auch eine gegenläufige Tendenz gibt. Menschen wollen auch anständig sein, ein gutes Gewissen haben und sich sozial engagieren. Ich meine, diese Bestrebungen sollten unterstützt werden. Anständig sein sollte sexy werden.
Ich bin mir schon bewußt, dass ich mit dem Streben nach einer neuen Ethik tief in die Religion hineingehe. Allerdings ist die ethische Grundlage, sei sie Religion oder Ideologie eben die Grundlage für den politischen Rahmen. Um wirklich nachhaltig etwas zu verändern, muß dieser ethische Rahmen betrachtet werden, meine ich.
Übrigens möchte ich noch mal die Gelegenheit nutzen und mich für die geistige Befruchtung danken. Ich habe das Gefühl, ich bin durch unser Gespräch hier schon etwas näher an das ethische Grundgerüst gelangt, das der feste Punkt sein könnte, um die Welt aus den angeln zu heben. Auch denke ich, dass nur die neue Technik des Informationszeitalters den Hebel bieten kann, mit dem an dem festen Punkt angesetzt werden kann.
Noch bekomme ich es allerdings nicht so recht zusammen, daraus eine Art Roadmap, die die Welt aus den angeln hebt, zu machen.
2. Das sind ganz einfach Marktgesetze, die sich entwickelt haben und die man nicht ignorieren kann, wenn man etwas verkaufen oder erreichen will.
4. Da sind wir uns einig: Deutschland steht vergleichsweise noch gut da. Ich hoffe deshalb eher darauf, dass es so bleibt, als dass es noch besser wird. Den Totalitarismus, den erstaunlicherweise die Technik hervorbringt, habe ich so noch nicht wahrgenommen. Aber er existiert in Form verschiedener Monopole (Microsoft, Intel, Handy, Medien, Internet-Verwaltung, Rohstoffe, Energie, Logistik …), die ihre Sonderstellung ausbauen und für ihre Zwecke ausnutzen. Das scheint neben der Akkumulation von Kapital in den Händen weniger ein ganz deutliches Kennzeichen des IT-Zeitalters zu sein. Und es sind die gleichen Leute - Kein Monopol funktioniert ohne Kapital. Ich habe aber keinerlei Idee, wie man gegen Akkumulation, Globalisierung und Totalitarismus OHNE Kapital im Hintergrund friedlich und demokratisch vorgehen kann! Ein Qualitätssprung ist hier mit Moral und Ethik nicht von innen heraus zu erreichen. Das geht nur mit blutiger Revolution. Und die findet mit Leuten nicht statt, die satt auf dem Sofa sitzen und jeden zweiten Tag ihr Auto vor der Garage waschen.
10. Und da sind wir schon beim alternativen System. Deine ethischen Bemühungen in allen Ehren. Aber was nicht einmal die Religionen schaffen, wird eine neue Ethik erst recht nicht erreichen. Es gibt zu wenig gebildete, vernünftige Menschen und deshalb fehlt weltweit jede Motivation für eine ethische Bewegung. Aus dieser Ecke kommt meine Forderung nach einer neuen Epoche globaler Aufklärung.
Unter dem Stichwort ‘Das wissenschaftliche Weltbild’ habe ich genau darüber nachgedacht: http://www.stor.../wiweltbild.htm Zu den dort aufgestellten Grundsätzen und Geboten kann man auch Ethik sagen. Vielleicht findest Du dort den Hebel für Deine Roadmap?! Ich bin skeptisch. Eine qualitative Veränderung kann nur eine Revolution der Massen oder der sprichwörtliche weise Fürst/milde Diktator herbeiführen. Solange es noch nicht so weit ist, sollten wir uns einfach darüber freuen, wie gut es uns jetzt immerhin geht! Aus meiner Sicht ist das gegenwärtige pluralistische Gesellschaftssystem Europas das Maximum dessen, was mit dieser Sorte von Menschen erreichbar ist.
@Al
4. Die Konzentration der Märkte sehe ich als ein wichtiges Kennzeichen des Informationszeitalters. Die bessere Kommnikation befördert die Globalisierung und begünstigt damit die globale Monopolisierung. Der mit der neuen Technik einhergehende inflationäre Schutz geistiger Eigentumsrechte zementiert diese Monopole dann. Kapital ist nur insoweit notwendig, als dass diese Schutzrechte geistigen Eigentums durchgesetzt und verteidigt werden müssen. Die Revolution dagegen stelle ich mir dezentral und schleichend vor, nicht blutig. Sie sollte vom Organisationsbild eher aussehen wie Open Source Software oder wie eine Blogosphäre denn wie eine Militäraktion.
10. Die Religion halte ich nicht für mächtig, sondern für schwach wie nie zuvor, was auch nicht zuletzt aus der Aufklärung resultiert. Die Religion leistet einen wichtigen Teil zur Konditionierung von Menschen mit ethischen Verhaltenskodizes, aber sie erreicht immer weniger Menschen. Die von dir formulierten vernünftigen Gebote sind mir zu fest, und ich meine, sie treffen nicht den Kern der Dinge und sind etwas widersprüchlich. Und auch die Aufklärung oder ein wissenschaftliches oder atheistisches Weltbild sehe ich nicht als absolute Notwendigkeit an. Ich habe keine Probleme damit, in anständigen ethischen Leitlinien auch ein romantisches oder ein religiöses zu befürworten. Vielleicht bin ich da aber auch nur selbst in meinem eigenen geschlossenen Gedankengebäude gefangen, was Anleihen beim Agnostizismus nimmt.
Auch wenn ich Veränderungen in Menschen als den letztlich wichtigsten Einflußfaktor für gesellschaftliche Veränderungen sehe, so meine ich, das pluralistische Gesellschaftssystem ist verbesserungsfähig und dringend verbesserungsbedürftig. Die Ansprüche sind schon gar nicht so schlecht formuliert, aber vor allem mit der Umsetzung hapert es. Und da sehe ich wiederum durchaus auch ethische Defizite.
Der Ansatzpunkt sind, denke ich, ethische Leitlinien. Deine 10 Gebote finde ich als Ausgangspunkt gar nicht schlecht, ebenso wie die ersten 20 (?) Artikel des Grundgesetzes oder die ersten Artikel der Statuten einer Partei, wie zum Beispiel der SPD. Ich denke, allen Ansätz fehlt jedoch etwas. Zum Beispiel fehlen mir Worte zu Umgangsformen im inneren der Bewegung zur Verbesserung der Welt.
Viel spannender finde ich die Frage, welches technische System man verwenden kann, um zu kleinen sukzessiven Verbesserungen dieser Ansätze zu kommen. Kann man ein ethisches oder politisches System mit heute verfügbarer Technik entwickeln? Oder wäre die Entwicklung einer neuen Webtechnik notwenidig, zielführend, sinnvol oder was auch immer? Wie könnte ein solches technisches System zur Gestaltung eines ethischen Systems in einem offenen Prozeß aussehen?
Sähe so ein System aus wie ein Wiki, mit dem eine Verfassung oder eine Vereinssatzung geschrieben wird? Mal angenommen, man findet so ein technisches System oder kann es beschreiben, wie kann man dann den Prozeß anschieben und Mitstreiter finden?
4. Die Eigentumsrechte sind neue Produkte, die wieder Kapital erzeugen und das Monopol sichern. Aber die ganze Globalisierung und Monopolisierung funktioniert nicht, wenn Du kein Kapital hast.
Und aus meiner Sicht gibt es keine schleichende Revolution. Eine Revolution bewirkt den Umschlag von Quantität in Qualität oder eine Qualität wird zu einer neuen. Insofern benötigt ein qualitativ neues Gesellschaftssystem eine Revolution, die muss aber nicht blutig sein: Siehe DDR-Implosion. Entscheidend aber ist: Entweder wird so eine Revolution von oben verordnet (Lenin und Fiedel Castro), oder sie wird von unten, von den Massen, erzwungen. In jedem Fall aber müssen die Menschen mitmachen, sie müssen motiviert sein oder werden. Und genau hier hapert es, aus meiner Sicht: Wohlstand und Revolution schliessen sich aus.
10. Achtung: Meine ‘10 Gebote’ unter Das wissenschaftliche Weltbild sind keine neuen 10 Gebote, sondern Beispiele!!! Es sind weder ausformulierte Gebote, noch sind sie in eine vernünftige Rangordnung gebracht. Ich wollte nur nachweisen, dass man aus dem naturwissenschaftlichen Wissen auch moralische und ethische Gebote ableiten kann. Das ist kein Vorrecht der Religionen. Anders gesagt: Man muss nicht an Gott glauben, um vernünftig und ethisch mit seinen Mitmenschen und der Natur umzugehen.
Natürlich kann man sich ein wissenschaftliches Weltbild auch mit oder ohne Gott vorstellen. Aber es wird dann nicht der naive Gott der Bibel oder des Korans sein. Es gilt immer noch das, was Kant gesagt hat: Wir sind nicht in der Lage, das ‘Ding an sich’ zu erkennen, wir sehen nur seine ‘Erscheinung’. Sich unter diesen Voraussetzungen einen Gott vorzustellen, passt in das wissenschaftliche Weltbild.
Das Problem aber liegt ganz woanders: Es gibt zu wenig gebildete Menschen. Die Aufklärung hat nicht einmal in Europa richtig funktioniert: Staat und Kirche sind beispielsweise in Deutschland immer noch nicht strikt getrennt. Und in Bayern hat man wahrscheinlich noch nie etwas von Aufklärung gehalten. Die Religionen aber besitzen deshalb eine so durchschlagende Wirkung, weil sie um so besser funktionieren, je niedriger das Bildungsniveau ist. Am besten sind Analphabeten in Kirchen, Moscheen und vor die Altäre der 1000 indischen Götter zu locken.
Die Technik ist aus meiner Sicht sekundär. Sie ist prinzipiell vorhanden und global verfügbar. Das allein ist wichtig. Entscheidend ist: Man muss die Köpfe der Menschen erreichen und ihre Motivation qualitativ verändern. Vorsicht! Da sind wir fast schon wieder beim ‘Neuen Menschen’, den es nicht geben wird.
Wenn Du etwas in Richtung auf ein neues, oder wenigstens reformiertes System (oder weniger: ein neues menschliches Verhalten) auf die Beine stellen willst, dann sind dafür drei Dinge nötig:
(A) Eine plausible Vision
(B) Die Vision muss für jeden einzelnen einen Vorteil in Aussicht stellen und
(C) Du musst (mit Technik) die Massen erreichen.
Ein paar elitäre Mitstreiter reichen nicht aus, um ein neues Verhalten oder einen reformierten Staat hervorzubringen.
Nach diesem Prinzip funktionieren Religionen. Und wenn Deine Vision nicht so simpel ist, wie die Story vom Gutmenschen Jesus, dann ist sie zu kompliziert und Du erreichst nur die gebildeten Menschen, von denen es zu wenige gibt. .
Es ist schwierig, die Welt ohne blutige Revolution aus den Angeln zu heben ….!
Letzter Hinweis: Gib dem Offenen Beitrag doch einen neuen Titel, sonst weiss man nicht, welcher Inhalt dahinter steckt!
Wenn es viele Kommentare gibt, oder wenn sie so lang sind (wie hier), ist man sehr weit unten auf dieser Seite. Dann sucht man händeringend einen Link: Nach oben, Top oder Seitenanfang!
@Al
4. Die Eigentumsrechte werden zur Erzeugung einer Monopolrendite genutzt, die zwar zu neuem Kapital werden kann, wenn sie thersauriert und investiert wird, aber nicht zwangsläufig Kapital werden muß. Ich sehe es als ein Kennzeichen des Versagens der hergebrachten ökonomischen Ideen im Informationszeitalters, dass erzielte Renditen nicht wieder investiert, sondern allenfalls thesauriert werden. Kein Monopolist oder Oligarch riskiert Gelder in Märkten, auf denen er Konkurrenz erwartet, denn das zöge die Eigenkapitalrendite des gesamten Unternehmens herunter. Stattdessen wird entweder die Rendite ausgeschüttet oder zur Verteidigung oder Vergrößerung des Monopols eingesetzt.
Hat sich die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahrzehnten nicht weiterentwickelt, obwohl es weder eine friedliche noch eine blutige Revolution gab? Ich denke schon. Es gab so etwas wie eine schleichende Revolution, hin zu gewaltloser Kindererziehung, hin zur Gleichberechtigung von Frauen, hin zur gesellschaftlichen Bekämpfung von Suchtkrankheiten wie Alkoholismus und hin zur Aufhebung der Ächtung von mancher einvernehmlicher Sexualität unter Erwachsenen. Eine Revolution ist dabei nicht von Nöten gewesen, im Gegenteil, so wie in Kuba unter Castro mag sie häufig sogar ursächlich für Hinderung der Entwicklung gesellschaftlichen Fortschrittes sein, weil die Revolutionäre viel zu sehr mit der Verteidigung der Macht beschäftigt sind, als dass sie für gesellschaftlichen Fortschritt sorgen könnten. Ich will damit nciht sagen, dass es nicht auch Situationen geben kann, wo eine Revolution für gesellschaftlichen Fortschritt notwendig ist, mit ganzem Herzen, und ich will das gestehen, auch mit etwas Geld, war ich letztes Jahr bei meinen Freunden in der Ukraine, als sie die mörderische Verbrecherbande von der Macht verjagt haben. Allein, es wäre illusorisch zu glauben, dass sich durch diese Revolution wirklich viel geändert hätte in dem Land. Es setzt sich vielmehr inzwischen die Erkenntnis durch, dass Veränderungen nur langsam von statten gehen.
10. Wenn Deine 10 Gebote nicht Vorschriften, sondern Beispiele sind, dann sind diese Gebote ein möglicher Ansatz für ethische Leitlinien. Ich meine, der Anspruch, dass diese ethischen Leitlinien perfekt sind, ist nicht erfüllbar. Stattdessen würde ich mich mit einem offenen System beschäftigen wollen, das solche Leitbilder verbessert, präzisiert oder verallgemeinert. Mit offenen System meine ich dabei ein technisches System, dass es praktisch jedem, der sich dazu Gedanken macht, erlaubt, an der Verbesserung mitzuwirken. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ein Wiki das richtige technische System ist, um solch offene Texte zu verfassen, aber eine besser passende Software ist mir nicht bekannt und eine neue Software zu schreiben, erscheint mir als ein viel zu großes Projekt.
Wenn Du von einer Vision schreibst, dann stimme ich Dir insofern zu, als dass auch ich glaube, ein Leitbild ist dringend notwendig. Allerdings fällt so ein Leitbild, glaube ich, nicht vom Himmel und auch eine Eingebung wird allenfalls Rudimente hervorbringen. Für notwendig halte ich es hingegen, einen winzigen Anfang zu machen und dann ein System, einen Prozeß, zu betreiben, dass diesen Anfang verbessert. Und vielleicht gibt es dann so etwas wie eine Roadmap, wo eine Vision Version 1.0 mit bestimmten definierten oder undefinierten Eigenschaften als Meilenstein und Anforderungen A-C wie von Dir vorgeschlagen auftaucht. Um solch eine Vision zu entwickeln, muß jedoch ein Kern bereits vorhanden sein. Diesen Kern sehe ich in den ethischen Leitgedanken des Umganges miteinander von denjenigen an, die sich daran machen, eine solche Vision zu entwickeln.
Diesen Gedanken, wie sich die unbestimmte Verbesserungswürdigkeit zu einem Ankerpunkt ethischer Gedanken oder so ähnlich verfestigen könnte, habe ich im Parteibuch Wiki mal in einem ersten Entwurf “Verdichtung eines Nebels zu einem festen Ankerpunkt” festgehalten. Ich stelle mir das dann so vor, wie das in einem Wiki üblich ist, jeder das verbessern kann oder neue Gesichtspunkte hinzufügen kann. Mit Deiner Erlaubnis würde ich Deine “10 Gebote” und womöglich noch einige Texte mehr von Deiner Webseite da auch zufügen bzw. Dich dazu einladen, sie selbst zuzufügen.
@Al #17
Die Anregung, einen Link #top einzubauen, habe ich kurzerhand aufgegriffen. Ich kann Dir versichern, dass Du so alt noch nicht bist, dass Du ihn vorher übersehen hättest. In was soll ich denn den Beitrag umbenennen? Ich finde “offener Beitrag” schon gar nicht schlecht. Vielleicht sollte ich einen neuen offenen Beitrag einbauen? Oder eine neue Kategorie? Du kannst übrigens auch selbst Beiträge in Mein Parteibuch verfassen, wenn Du Dich registrierst.
Das gefällt mir! Unsere Diskussion hat etwas bewirkt. Auch wenn es erst mal nur Nebel ist. Aber im Nebel kann ja etwas kondensieren.
Ich habe das gerade mal überflogen: Noch ist es sehr neblig und es muss konkreter, sachlicher, deutlicher werden. Auch in der Überschrift. Natürlich kannst Du alles von mir zitieren, was Dir nützlich erscheint. Ich werde auch mitmachen, allerdings noch nicht in dieser Nacht, denn morgen habe ich auch noch was vor …
Es ist aber ein spannender Gedanke, eine Vision für eine friedliche, pluralistische, solidarische, globale Gesellschaft mit einem Wiki zu entwickeln. Das wäre ja fast schon ein Titel – Vision für eine globale Zivilisation …oder so ?! Was sollte so eine Zivilisation für Ziele haben, wie werden die Menschen satt, wofür sollten sie ihre Zeit investieren und wie sollten sie miteinander umgehen??
Über den offenen Beitrag könnte man beispielsweise ‚Provokant und parteiisch’ schreiben, ‚Neue Ethik oder blutige Revolution’, ‚Vor dem Urknall’, oder …‚Mission Statement’. Das ist ‚ein weites Feld’ und Dir fällt da sicher was ein.
Nur noch eine Bemerkung: Entwicklung ist nicht Revolution. Hier geht es um die Begriffe Qualität und Quantität. Natürlich hat sich die Bundesrepublik entwickelt, und nicht zu knapp. Aber es ist die Bundesrepublik geblieben, auch wenn sich viel gegenüber 1950 verändert hat. Es hat eine quantitative Weiterentwicklung stattgefunden, aber es fand kein Umschlag in eine neue Qualität statt. Du hast Recht, über eine (sehr) lange Zeit kommt auch eine neue Qualität zustande, aber mit einer Revolution geht es schneller.
Und ganz entscheidend ist: Manche Dinge kann man nicht durch Weiterentwicklung aus der Welt schaffen. Beispielsweise das Streben nach Ansehen/Macht und die inflationäre Zinswirtschaft. Die beiden Aspekte sind die Ursache dafür, dass heute eigentlich nur noch einen Wert existiert: Geld. Aus meiner Sicht hilft da nicht einmal eine Revolution, denn hier geht es um genetische Programmierung.
Schön, dass ich doch noch nicht so tatterig bin, dass ich den Link nicht gesehen habe. Danke …!
@Al
Schaun wir mal, wie es weitergehen kann. Den Beitrag habe ich absichtlich so undeutlich und wenig konkret gehalten, damit sich das Kondensat, was dann konkreter werden sollte, aus der Diskussion heraus entwickeln kann.
Ich empfinde das übrigens als ungleich schwerer, einen wenig konkreten und dafür entwicklungsfähigen Artikel zu schreiben, der eine Art Grundkonsens im Kern von Gemeinsamkeiten enthält, als zu konkreten politischen Gegebenheiten Stellung zu beziehen.
Den Titel des Ziels der Idee habe ich auch bewußt offen für eine Diskussion gelassen, genauso wie ich mich bemüht habe, eine Vision zu vermeiden. Das Wort Vision hat für mich einen pathologischen Beiklang, ich denke eher an so etwas wie an ein grundlegendes gedankliches Leitbild. Vielleicht findet sich aber auch ein besseres Wort, vielleicht ist auch das Wort Vision besser geeignet. Vielleicht reite ich zuviel auf der Sprache und Ausdrucksweise herum? Ich denke, dass die wohlüberlegte Wahl der Worte so wichtig ist, weil Worte die Teilchen sind, aus denen die Idee besteht.
Von den von Dir angesprochenen Fragen halte ich die Frage, wie Menschen miteinander umgehen sollten, für die grundlegende Frage, aus der die Lösung der anderen Fragestellungen entwicklet werden kann. Dies ist der Grund dafür, warum ich versuche, zuerst Gedanken zur Ethik anzustellen. Ethisches Verhalten äußert sich insbesondere im Umgang miteinander.
Ich finde “Offener Beitrag” als Titel gar nicht schlecht, habe den Beitrag unter dem Titel auch schon einige Male verlinkt. Dafür, dass der Beitrag gefunden wird, ist ohnehin nicht der Titel maßgeblich, sondern sind eher die Verschlagwortung und die Referenzen, also die Links, maßgeblich. Ich habe inzwischen Links vom Beitrag im Parteibuch Wiki und einen Link vom Mission Statement hierher eingefügt.
Ich meine, nur durch Entwicklung kommt eine neue Qualität zu Stande, ganz so wie in der Bundesrepublik sich viel verändert hat gegenüber 1950. Ich glaube, eine Revolution verhindert die Entwicklung einer neuen Qualität. Ich sehe eine Revolution eher als etwas an, was Personen und die Flagge, unter der sie handeln, ersetzt, was jedoch keinen positiven Einfluß auf die Grundhaltung, auf die Qualität, hat. Zu dieser meiner Theorie passen zum Beispiel der reichliche Gebrauch der Guillotine nach der französischen Revolution und die “Säuberungen” nachstalinistischer Art in Rußland, die meiner Ansicht nach ein Indiz für gesellschaftlichen Rückschritt anstelle von Fortschritt durch Revolution sind.
Ich sehe die Welt so, dass man Dinge nur durch Weiterentwicklung aus der Welt schaffen kann. Recht gebe ich Dir, dass man nicht alle Dinge aus der Welt schaffen kann, mit manchen Dingen müssen wir einfach lernen, umzugehen, so wie wir mit der schrecklichen Vorstellung klarkommen mußten, dass sich nicht die Sonne um die Erde dreht, sondern die Erde um die Sonne. Dagegen hilft keine Revolution, wir müssen lernen, damit umzugehen.
Ähnlich sehe ich das mit der “inflationären Zinswirtschaft”. Ich denke, die Entwicklung hin zu einer Geldwirtschaft ist eine Naturkonstante, mit der wir umzugehen lernen müssen. Ich denke, wir müssen lernen, die Naturkräfte der “inflationären Zinswirtschaft” für die Entwicklung einer “besseren” Gesellschaft zu nutzen. Ich will nciht verstecken, dass ich durch meine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung in meiner wirtschaftspolitischen Einstellung möglicherweise geistig vorbelastet bin.
Ganz ähnlich sehe ich den Umgang mit dem Streben nach Macht und Ansehen. Ich denke, wir müssen lernen, da etwas gutes draus zu machen. Ich möchte diese Kräfte gern für eine solidarische Gesellschaft nutzen. Im Streben nach Macht halte ich eine größere Betonung von so etwas wie Fairplay-Regeln für sinnvoll.
Im Streben nach Ansehen könnte ich mir vorstellen, zu veröffentlichen, wieviel Steuern jemand zahlt. Wer also viele Steuern zahlt, der könnte dann ein größeres Ansehen erlangen als jemand, der wenig Steuern zahlt. Wenn dann die gesellschaftliche Stimmung sich auch noch so dreht, dass es nicht als dumm sondern als ehrenvoll gilt, viele Steuern zu zahlen, dann könnte das Streben nach Anerkennung positive Effekte für die Gesellschaft haben. Auf ähnlichen Effekten beruht übrigens auch das Wohlfahrtswesen, warum sollte man nicht versuchen, sich das auch für den Staat zu Nutze zu machen?
Ich möchte also nicht die genetische Programmierung ändern, sondern die Art und das Bewußtsein, wie damit umgegangen wird.
Deine Bemerkung zum Artikel habe ich in die Diskussion zum Artikel verschoben, ich denke, dafür ist die Diskussionsseite zu jedem Artikel da.
[…] Im Nachgang zu meinem Diskurs mit Al im offenen Beitrag habe ich unter dem Titel Verdichtung eines Nebels zu einem festen Ankerpunkt einige Grundgedanken über die Notwendigkeit einer neuen Ethik für das Informationszeitalter in das Parteibuch Wiki geschrieben. Al hat im offenen Beitrag von einer Vision für eine friedliche, pluralistische, solidarische, globale Gesellschaft gesprochen. Ich meine, es fehlt den Handelnden an der Orientierung an ethischen Maßstäben. Wer andere abzockt, der gilt schlau. Ich meine, es fehlt an einer neuen Ethik. […]
Hello Marcel,
erst jetzt komme ich dazu, auf Deine Nr. 20 zu antworten:
Der Nebel hat sich noch nicht gelichtet. Aber das kann ja noch werden. Nach einigen Überlegungen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ein Wiki sehr gut zu einer solchen Meinungsbildung geeignet ist: Erstens wird nicht nur geredet, sondern es muss geschrieben werden. Das führt dazu, dass man konkreter werden muss. Es können sich auch alle problemlos beteiligen, die dazu eine Meinung haben. Und drittens ist ein Wiki tatsächlich besser als ein Arbeitskreis, denn es wird nicht soviel gequatscht, sondern wesentlich intensiver gearbeitet – Es wird nämlich direkt am Ergebnis gewerkelt: An einem Text, der das Endprodukt ist. Bisher wird die Wiki-Technik in Wissenschaft und Forschung in dieser Weise erst selten als Methodik benutzt. Das wird sich ändern.
ABER es gibt ein Aber: Wie bei jedem Arbeitskreis oder Teamwork liegt der Erfolg entscheidend bei der Moderation, bei der Leitung. Wenn nur Nebel vorgegeben wird, ist zwar das Ergebnis völlig offen, aber dafür (deswegen) kommt in der Regel auch nichts zustande. Nebel bleibt Nebel.
Ich denke, man muss in den Überschriften schon die Struktur des eigentlichen Produkts vorgeben. Und dazu muss der Chef oder/und eine sehr kleine Strategiegruppe wissen, wo es hingehen soll. Mit meinen Worten: Ein solches Wiki muss methodisch sorgfältig vorbereitet sein.
Ein methodisches Beispiel, was ich darunter verstehe: Unter 19. habe ich einen Satz geschrieben, der eine Strategie beschreibt und sich als Struktur eignen würden:
„Was sollte so eine Zivilisation für Ziele haben, wie werden die Menschen satt, wofür sollten sie ihre Zeit investieren und wie sollten sie miteinander umgehen??“
Hätte das Wiki eine zupackende Überschrift (z.B. Leitbild für ein globalisiertes Deutschland“) und wäre es in diese 5 Absätze gegliedert, würde es viel mehr zur Mitarbeit einladen, als das jetzt der Fall ist.
ACHTUNG. Das ist NICHT mein Vorschlag für Dein Wiki (dann hätte ich es schon umgebaut …!) sondern ich will nur demonstrieren, dass es mit der richtigen Methodik wesentlich effektiver funktioniert.
Und genau das schlage ich vor: Überlege Dir mit Deinen engsten Freunden, was Du mit dem Wiki produzieren willst und gib die Struktur vor.
Noch ein paar Bemerkungen zu Deinem Beitrag Nr. 20:
Natürlich sind die richtigen Worte sehr wichtig und ich bin auch so ein Wortklauber. Entscheidend aber ist, dass Du das Ohr an einer anderen Masse hast, als ich! Was sagt man zu dem, was ich ‚Vision’ genannt habe in Deiner Altersgruppe: Vision, Konzept, Programm, Leitbild, Entwurf, Projekt, Utopie …?? Du musst den Begriff wählen, der die meiste Motivation erzeugt.
Aus meiner Sicht ist die Frage, wie Menschen miteinander umgehen sollten, nicht der alles entscheidende Aspekt. Zu allererst müssen die Menschen satt sein, genug Wasser haben und nicht frieren, ein Dach über dem Kopf. Erst wenn die Existenz gesichert ist, kann man die nächste Schicht angehen: Familie, Kinder, Sicherheit, Komfort, Gott, Bildung. Erst mit der Bildung stellen sich in einer dritten Schicht solche grundlegenden Fragen wie Naturgesetze, Historie, Sinn des Lebens und Weltbild. Und erst hier geht es um Ethik und Moral.
Du gehst schon von dieser dritten Schicht aus, weil für Dich alles was davor kommt, gesichert erscheint. Aber genau das ist eine gefährliche Illusion: Die Globalisierung klaut uns die Arbeit und die Arbeitsplätze! Wie aber werden Deine Kinder und Enkel dereinst satt werden?? Ohne Arbeit und mit einer Sockelarbeitslosigkeit von vielleicht 10 Millionen in Deutschland??! Da hilft die beste Moral nichts …!
Und um auch das mal klarzustellen: Ich bin nicht für Revolutionen. Erstens weil sie meistens blutig sind und zweitens weil es zu einer Revolution erst kommt, wenn es allen so dreckig geht, dass niemand mehr etwas zu verlieren hat. Darauf aber kann kein vernünftiger Mensch hoffen.
Mir geht es nicht um Revolution, sondern um den Qualitätssprung. Und genau hier liegt das Problem. Schon um beispielsweise endlich in Deutschland ein vernünftiges, einfaches Steuersystem zu installieren, bedarf es eines Qualitätssprungs. Sonst quälen wir uns weitere 50 Jahre mit 476 Ausnahmeregelungen herum. Wie aber ist dieser Qualitätsprung (ohne Revolution!) zu erreichen?? Mit Entwicklung dauert es weitere 50 Jahre… bestenfalls. Und es gibt dutzende solcher Fälle in Deutschland, wo mit quantitativen Veränderung nicht schnell genug das Notwendige erreicht wird. Wir brauchen Qualitätssprünge: Im Renten- und Gesundheitssystem, in der Staatsverschuldung, in der Einnahmen- und Ausgabenstruktur, im Föderalismus, in der Bildung, in Europa … und endlos so weiter! Auf allen diesen Feldern muss eine grundsätzlich andere Politik zu Tragen kommen. Schnell. Morgen. Sofort!! Ich bezweifle, ob das mit Ethik und Moral zu erreichen ist.
Aber wie sind solche Qualitätssprünge ohne Revolution zu erreichen? Ich habe nur die Vision, dass man der Bildung einen qualitativ anderen und global wirkenden Stellenwert einräumt. Und auch dann dauert es noch mindestens 25 Jahre, bis das Früchte trägt …! Ich hoffe, Dir/Euch fällt etwas Besseres ein!
Wir sind uns einig, dass man das Streben nach Ansehen und Macht sowie die Zinswirtschaft (sie ist ja nicht nur hypothetisch inflationär, sondern tatsächlich …) nicht aus der Welt schaffen wird. Das aber verschärft die Frage, wie man zu qualitativen Veränderungen kommt. Denn der Mensch ist nun mal so. Er ist so genetisch programmiert und wer das ändern will, der hofft (vergeblich) auf den ‚Neuen Menschen’, der ja auch Grundlage des Sozialismus und Kommunismus war. Keine Vision, sondern eine Sozialutopie.
Zusammengefasst:
Unbedingt weitermachen, aber professionell, fachkund und gründlicher, zielführender Methodik!
es freut mich, Dich wieder hier zu sehen. Fast schon habe ich gar nicht mehr damit gerechnet, unsere Diskussion fortzusetzen. Der Nebel hat sich zwar noch nicht gelichtet, aber drumherum ist schon ein bißchen etwas gewachsen.
Ich habe mir einfach mal erlaubt, mit deinen fünf Stichpunkten einen nahezu leeren Artikel “Ein Leitbild für ein globalisiertes Deutschland” anzulegen. Mal schauen, wenn ich den etwas bewerbe, vielleicht findet sich dann ja jemand, der das mit Leben füllt.
Ich meine auch, ich sollte versuchen, dem gewachsenen etwas Form zu geben, zum Beispiel durch so etwas wie eine Gliederung, durch die Entwicklung einer Aufgabenliste, durch Promotiontools oder durch die Beschreibung eines Meilensteins. Eine Übersicht der bisher erstellten Seiten zum Thema Informationszeitalter habe ich schon mal erstellt. In den letzten Tagen habe ich vor allem einmal versucht, herauszufinden, wer noch ähnliche Gedanken geäußert hat, wie ich sie habe - ich will schließlich nicht etwas machen, was andere schon vor langer Zeit viel besser begonnen haben. Erschreckend wenig habe ich dazu gefunden - Jürgen Habermas hat zwar mal einen ähnlichen Ansatz der Kommunikationsethik entwickelt, ich bezweifle jedoch, dass er sich so einfach auf die virtuelle Kommunikation im Informationszeitalter übertragen läßt.
Was den richtigen Begriff angeht, “Vision, Konzept, Programm, Leitbild, Entwurf, Projekt, Utopie”, da bin ich selbst mehr als unsicher, Visionen hatte Kirchhof, und da wurde gesagt, wer Visionen hat, soll mal zum Onkel Doktor gehen - ich denke, das scheidet für mich aus. Von einem Leitbild habe ich in Bezug auf die Wirtschaftspolitik der SPD berichtet, ich glaube, dieser Begriff ist aufgrund solcher Papiere negativ belegt, damit möchte ich mich nicht vergleichen. Eine Utopie scheint sich dadurch auszuzeichnen, dass sie nicht Wirklichkeit werden kann - ich möchte jedoch vor allem auch kleine realistische Ideen betonen. Konzept klingt nach Agenda, Programm nach Godesberg und Projekt klingt in meinen Ohren etwas nach Kampagne oder Propaganda. “Gedanke, Ankerpunkt oder Entwurf” sind Wörter, die in meinen Ohren besser, weil offener und weniger aufoktroyierend, klingen. Offenheit st schließlich ein wichtiger Kern der Idee.
Deinem Schichtmodell der Bedürfnisse, die vorrangig versorgt werden müssen, möchte ich widersprechen. Die Frage, ob zuerst die Grundbedürfnisse der Menschen versorgt werden sollen, oder ob zuerst angemessene menschliche Umgangsformen entwickelt werden sollen, ist in meinen Augen wie die Frage, ob Henne oder Ei zuerst da war.
Es ist ja nicht so, dass die Güter, die wir erzeugen nicht reichen würden, um die Grundbedürfnisse der Menschen irgendwie zu versorgen, sondern Menschen vor allem deshalb Not leiden, weil einige Menschen nicht an ihre Mitmenschen denken. Wie mit Verantwortungslosigkeit, Korruption und Gier von Mitmenschen umgegangen wird, halte ich für ganz wichtige Kriterien, die die Versorgung der Grundbedürfnisse der Menschen entscheidend beeinflußt.Selbst in Gebieten, wo absolute Notlagen herrschen, snd es vor allem schlechte menschliche Umgangsformen wie zum Beispiel Kriege, die dafür verantwortlich sind.
Ich denke da zum Beispiel daran, wie viele Lehrer und Erzieher in Berlin für die gut 3,6 Mrd Euro hätten eingestellt werden können, die die Bankenpleite bisher die öffentliche Hand gekostet hat. Ich denke daran, dass die Pleite vermeidlich gewesen wäre, wenn denn die Kontrollmechanismen nicht aufgrund von Kumpanei außer Kraft gesetzt gewesen wären.
Wenn Du sagst, dass auf den Politikfeldern “Renten- und Gesundheitssystem, in der Staatsverschuldung, in der Einnahmen- und Ausgabenstruktur, im Föderalismus, in der Bildung, in Europa” Quantensprünge notwendig sind, so erzählst Du damit keinem Politiker etwas neues.
Viele Politiker wissen in ihren Kompetenzbereichen ganz genau, was zu tun wäre, können jedoch nichts dran ändern, weil sie selbst abhängig von ihren Seilschaften sind, die sie in die Ämter gebracht haben. Parteien und Seilschaften sind streng hierarchisch aufgebaut, und haben kein anderes Ziel, als den Ausbau der Macht ihrer Mitglieder, egal, was da für eine Flagge über der Seilschaft weht und welche Ziele sie vorgeblich verfolgt. Viele Verantwortliche werden nur deshalb in die Ämter gebracht, um einen Weg zu finden, den Hahn zu öffnen, um abzuzocken - damit die Mitglieder der eigenen Seilschaft begünstigt werden. Kaderstrukturen, Parteidisziplin und Gruppendisziplin sind da Stichworte, die die Verantwortungslosigkeit begünstigen.
Genau hier setzt nun meine Forderung nach einer neuen Ethik und vor allem nach neuen Umgangsformen innerhalb der Partizipierenden, der Gruppierung oder der Sympatisanten an. Ich möchte keine Seilschaft schaffen, die die gleiche Politik der größtmöglichen Abzocke unter einem anderen Label fortsetzt.
Ich denke, die menschlichen Umgangsformen sind letztlich nur eine Sichtweise auf die Probleme der Welt, aber sie bieten den besten Ansatz, weil eine Verbesserung auch im allerkleinsten Kreis - also zum Beispiel zwischen Dir und mir - etwas vorteilhaftes ist.
Bedauerlicherweise habe ich nicht sehr viele Freunde, die das Hobby mit mir teilen, die Welt verbessern zu wollen. Allerdings verirrt sich hier auf meine Webseite doch hin und wieder mal der eine oder andere Besucher, der irgendwie das Gefühl hat, dass “die da oben” mit gezinkten Karten spielen. Mehr habe ich kaum, um das Projekt zu beginnen.
Wie wäre es, wenn Du Dir einen Account anlegst und ein bißchen im Wiki am Projekt “Leitbild für ein globalisiertes Deutschland” oder “Entwürfe zur Informationsgesellschaft” mitschreibst und eine Struktur in die Geschichte bringst? Andersherum frage ich mich, wie ich den gewaltigen Schatz Deiner Webseite irgendwie besser nutzbar machen könnte.
Hello Marcel, einsamer Streiter für eine bessere Welt - Schönen Sonntag!
Du machst es Dir zu einfach. Ich habe laut und deutlich gesagt, dass dieser Titel und die fünf Überschriften kein Vorschlag, sondern die Illustration einer Methode sind. Das zum Wiki zu machen und darunter zu schreiben: „Vielleicht findet sich dann ja jemand, der das mit Leben füllt.“ ist Deine Methode. Ich missbillige sie, weil ihr die eigenen Ideen, die investierte Arbeit und die Professionalität fehlen. Ohne Arbeit und nur mit Wiki-Diskussionen wird man mit Sicherheit nicht die Welt verändern!
Bei der Diskussion um die ‚Irrtümer der Marxisten’ (Story 2003) habe ich schon einmal etwas zu denen gesagt, die die Welt verbessern wollen. Weil ich es kürzer nicht sagen kann, zitiere ich mich selber (an Frau Zitroneneis am 14.01.05): „Aber ich will Sie nicht von Ihrem Glauben an eine bessere Gesellschaft abbringen. Allen, die dieser Utopie nachjagen, würde ich aber empfehlen: Analysieren Sie zuerst die gegenwärtige Lage unter Berücksichtigung von 70 Jahren realer Sozialismus so ordentlich, wie Marx das für seine Zeit gemacht hat. Erst mit dieser Analyse können Sie ein Projekt für eine bessere Gesellschaft auf die Beine stellen. Und erst wenn dieses Projekt einer wissenschaftlichen Diskussion standhält, kann man daran gehen, es in die Tat umzusetzen. Wenn man diesen Weg nicht geht, dann ist der Grund dafür entweder Unvermögen, Faulheit, naiver Glaube oder Machtgier (PDS).
Schicken Sie mir das Projekt, wenn Sie es haben!“
Danke für die Einladung, aber ich werde an diesem Projekt aus mehreren Gründen nicht mitarbeiten:
1. Das ist nicht mein Fachgebiet. Ich bin nicht ausreichend für ein derartiges Projekt qualifiziert.
2. Ich bin zeitlich nicht in der Lage, eine fundierte Analyse zu erstellen.
3. Mir fehlt der Glaube an die qualitative Veränderung dieser Gesellschaft und damit die Motivation.
4. Das Maximum, was ich mir vorstellen könnte, ist eine globale Bildungsoffensive: Die globale Aufklärung. Aber schon das ist reine Utopie.
Interessant, was Du über den Handlungsspielraum der Politiker sagst und ihre Verstrickung in persönliche und parteiliche (hier stimmt das Wort!) Interessen. Das bestärkt meine Aussage im Punkt 3.
Ich stimme auch Deiner Ansicht nicht zu, dass die von mir genannten Schichten letztlich auf die Frage von Ei und Huhn hinausläuft. Du unterschätzt den massiven Einfluss von Hunger, Durst und Kälte, weil Du so etwas noch nie erlebt hast. Es braucht aber nur global der Strom für ein paar Wochen ausfallen und wir sind wieder so weit. Deshalb lass’ Dir mal meine Frage auf der Zunge zergehen und versuche ernsthaft, sie zu beantworten: „Die Globalisierung klaut uns die Arbeit und die Arbeitsplätze! Wie aber werden Deine Kinder und Enkel dereinst satt werden?? Ohne Arbeit und mit einer Sockelarbeitslosigkeit von vielleicht 10 Millionen in Deutschland??!“
Es gibt auch eine interessante Verbindung von Google zu unserer Diskussion in diesem offenen Beitrag: Google steht international mehrfach wegen seiner Geschäftsgebaren und wegen verdeckter Aktivitäten in Richtung Datamining in der Kritik. Sollte man die Produkte einer so umstrittenen Firma kaufen oder nutzen? Solle man mit ihr Geschäfte machen, wenn man gleichzeitig für eine neue Ethik streiten will?! Mit Sicherheit nicht!
Ich nutze in erster Linie Metager2, aber oft auch Google. Dafür aber streite ich auch nicht für eine bessere Ethik und Moral (bin aber trotzdem in vieler Hinsicht ein Moralist…). Über meine WebSite könnte ich schreiben: Unabhängig, kritisch und werbefrei.
Das kann ich mir leisten. Und das genau ist der springende Punkt: Du kannst Dir Werbefreiheit nicht leisten. Du glaubst, auf die Einnahmen von Google nicht verzichten zu können. Vielleicht sind die Zwänge wirklich so gross. Aber Dein eigenes Beispiel demonstriert exemplarisch, wie massiv diese Abhängigkeiten sind. Genau sie sind ein entscheidendes Kriterium dieses Systems! Und weil sie nicht qualitativ zu beseitigen sind (das inflationäre Zinssystem und der universelle Wert des Geldes), ist es illusorisch, in einer neuen Ethik den Hebel zu sehen, der die Welt verändert. Solange diese Gesellschaft so ist, wie sie ist, ist das kein Hebel, sondern höchstens Gegenstand elitärer Diskussionen.
Aber trotzdem und wie schon mehrfach gesagt: Weitermachen!!
mein letzter Eintrag hat Dich wohl ausser Gefecht gesetzt?! Kein Wunder - Dir fehlen die Argumente. Wir gucken offensichtlich nicht in gleicher Weise über den Tellerrand. Ich habe inzwischen einiges in Deinem Parteibuch gelesen und festgestellt: Über weite Strecken Agitation und Propaganda mit teilweise erschreckendem Niveau.
Ich hoffe, Du archivierst diese Texte und zeigst sie in 20 Jahren Deinen Kindern und Enkeln unter dem Mission Statement: Persönlich, parteiisch und kleinkariert.
Wie wäre es, auf Vernunft und Professionalität umzusteigen und sich den wirklichen Existenzproblemen dieser Welt zuzuwenden? Wenn Du Dich tatsächlich für eine andere Welt und für neue ethische Leitlinien engagieren willst, wärst Du beispielsweise hier genau richtig: http://www.worl...council.org/de/.
Hallo Al
ich bedaure, dass Du nun meinst, ich sei außer Gefacht gesetzt.Ganz so ist es nicht, auch wenn ich in der letzten Woche recht viel zu hatte und ich mir die Antwort auf deinen Kommentar stets für einen Zeitpunkt aufgespart hatte, an dem ich mehr Zeit für eine ausführliche Antwort hatte. Nun ist es heute auch schon wieder recht spät, aber trotzdem möchte ich noch eine kurze Antwort geben.
Ich denke nicht, dass die Gründlichkeit der Analyse von Marx auf das Informationszeitalter zu übertragen ist. Im Gegenteil, ich meine, heute ist im ersten Schritt weniger die Analyse selbst wichtig, als denn die Techniken und Plattformen zu finden, die bei der Analyse behilflich sein können. Die Analyse würde ich eher als ein wichtiges Ergebnis eines öffentlichen Prozesses sehen.
Die Ansicht, dass die Globalisierung uns Arbeit klaut, finde ich befremdlich. Ich meine, es sind Menschen, die Arbeitsplätze verlagern. Arbeitsplätze werden dahin verlegt, wo die Menschen die Arbeit besser oder preiswerter machen können oder wollen. Daran sehe ich nichts schlechtes, im Gegenteil, wenn chinesische Bauern Körbe flechten, weil das ihren Fähigkeiten entspricht und Deutsche stellen Konstruktionspläne für Autos her, und dann Chinesen mit Deutschen Handel treiben, dann halte ich das für eine insgesamt nützliche Sache für alle Seiten, auch wenn das nicht günstig für deutsche Korbflechter erstmal nicht ist.
Die Regeln, was besser oder preiswerter heißt, werden jedoch von Staaten durch vielfältige gesetzliche Regelungen gemacht, Arbeitsplätze werden auch nicht nur dahin verlegt, wo Menschen die Arbeit besser oder preiswerter machen können und was mit den deutschen Korbflechtern passiert, interessiert heutzutage auch kaum jemanden. Kapazitäten werden zusammengelegt, damit Monopole entstehen, auf denen zur Preisfindung nicht die Kosten, sondern die Zahlungsbereitschaft des Marktes angesetzt werden kann. Da setzt meine Kritik an der Globalisierung an.
Die Vorwürfe gegen die Google-Anzeigen kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen; ich halte Google für nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie im Vergleich zur Umgebung sehr sauber sind. Was sollen denn die schädlichen Aktivitäten in Sachen DataMining sein? Ich kann als Google’s Geschäftsmodell lediglich erkennen, dass Google versucht, so viel Content wie irgend möglich mit Werbung zu verknüpfen.
Zum zweiten Kommentar #26 möchte ich sagen, dass ich sicher lernfähig bin. Ich habe mir streckenweise große Mühe gegeben, an das Niveau der auflagenstärksten deutschen Zeitung zu kommen, leider ist mir das nicht immer gelungen. Einen wichtigen medialen Effekt habe ich dabei erleben können: weniger Qualität bedeutet in der Regel mehr Aufmerksamkeit. Ich will nicht verhehlen, dass ich noch nicht so recht weiß, welche Schlußfolgerungen ich aus der Erkenntnis ziehen soll.
Was das Gedächtnis angeht, so kannst Du beruhigt sein: das Web vergißt selten was. Den Link zum World Future Council schaue ich mir später mal detailierter an, dafür schon mal vielen Dank.
Das ist hoch interessant und eine richtige Erkenntnis:
“Weniger Qualität bedeutet in der Regel mehr Aufmerksamkeit.”
Was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Da wäre es doch sehr erstrebenswert, sich bei “Blond am Freitag” zu bewerben!
Was hat die temporäre, mediale Aufmerksamkeit mit der eigenen Lebensplanung zu tun? Entscheidend ist doch die Frage, welche sinnvollen und nützlichen Ziele man sich auf die Fahne schreibt und wie man es anstellt, diese Ziele durchzusetzen! Jede Menge globaler Probleme liegen auf dem Tisch und trotz medialer Aufmerksamkeit fasst sie niemand an!! Viel angenehmer ist es, sich in der Aufmerksamkeit der Medien zu sonnen, obwohl klar ist, dass man sich dafür nix kaufen kann und die Scheinwerfer schon nach 10 Minuten einem anderen Hype hinterher jagen …
vermutlich sollte man sich eher als Moderator bei TV total denn bei Blond am Freitag bewerben. Mit sinnvolleren und nützlicheren Sendungen wie dem Weltspiegel läßt sich soviel Aufmerksamkeit nicht erreichen.
Wenn Du schreibst, dass die entscheidende Frage sei, welche nützlichen und sinnvollen Ziele man sich auf die Fahne schreibt, so möchte ich dem widersprechen. Ich halte das Verfahren für entscheidend, in dem die sinnvollen und nützlichen Ziele festgelegt werden.
Aufmerksamkeit in den Medien läßt sich übrigens tatsächlich verrubeln. Frohe Weihnachten übrigens.
Danke, schnell reagiert. Aber ich dachte nicht an einen ‘offenen Beitrag’, sondern an ein kleines, aber ständiges Fenster.
Und warum immer noch (subjektiv, persönlich,) parteiisch? Das wichtigste Beurteilungskriterium in der DDR: Der parteiliche Klassenstandpunkt. Entsetzlich. Ich kann es nicht mehr hören! Selber war ich noch nie parteiisch, sondern immer subjektiv, persönlich und vor allen Dingen … vernünftig.
Al, ich sehe parteiisch durchaus auch als Gegensatz zu parteilich. Parteiisch heißt zwar, dass ich den Werten meiner Partei eine gewisse Bevorzugung entgegenbringe, heißt aber nicht, dass ich auf meine Meinung verzichte. Im Gegenteil, die Meinungsfreiheit ist hier im Parteibuch eines meiner wichtigsten Themen. Und ch mache von der Meinungsfreiheit ja auch Gebrauch, so zum Beispiel, in dem ich öffentlich eine andere Meinung vertrete als die 98% Parteitagsdelegierten, die die große Koalition gebilligt haben.
Ich bin selbst nicht DDR geschädigt, von daher kann ich zum parteilichen Klassenstandpunkt wenig sagen. Ich denke, dass eine Webseite wie die meine in einer Partei nach DDR Art nicht toleriert worden wäre.
Es wäre sicher nicht gern gesehen, wenn sich jemand öffentlich eigene Gedanken zum parteilichen Klassenstandpunkt gemacht hätte und zum Beispiel den Standpunkt vertreten hätte, dass ein Wahlrecht zwischen Butter und Margarine ein wichtiger Punkt des parteilichen Klassenstandpunktes sein sollte.
Ich will es einmal anders sagen: Ich fühle mich zentralen Werten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität durchaus sehr verbunden, lasse mir aber nicht aus der Hand nehmen, selbst darüber nachzudenken, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Ich bin nicht bereit, der Führung unwidersprochen und unkommentiert die Definitionsgewalt, die diese Begriffe erst mit Leben füllt, zu überlassen.
Und ich erlaube mir auch, mir eigene Gedanken darüber zu machen, wen in der SPD ich in welchen Ämtern sehen möchte.
Hello Marcel,
jetzt hat der offene Beitrag ein höchst interessantes Thema. Ein paar Gesichtspunkte dazu:
1. Selbstverständlich braucht man nicht über die Meinungsfreiheit in der DDR zu streiten – Es gab sie nicht.
2. Einen Unterschied zwischen parteiisch und parteilich zu konstruieren, ist sehr gewagt. Es gibt ihn aus meiner Sicht nicht. Das Hauptwort ist das gleiche: Parteilichkeit. Sieht Dir mal die Synonyme von parteilich und parteiisch an … das willst Du sicher alles nicht darunter verstehen !!
3. Eine Partei braucht so etwas wie Parteidisziplin, Fraktionszwang und
Parteilichkeit, sonst funktioniert sie nicht. Das muss sein, aber so richtig stolz ist darauf niemand. Denn man muss abwägen, ob man für ‚höhere Ziele’ bereit ist, Einschränkungen seiner persönlichen Freiheit hinzunehmen.
4. Ich bin beispielsweise dazu nicht bereit, weil ich nicht mehr an die ‚höheren Ziele’ der Parteien und ihrer Führer glaube. Die deutsche Geschichte (nur die der letzten 100 Jahre) zeigt bilderbuchmässig, wohin die Reise geht, wenn man seiner Führung blind und parteilich folgt: In Kriege und nach dem Kaiserreich geradewegs in zwei Diktaturen.
5. Die schwächere Variante von Parteisoldat ist Sympathisant. Ich war heilfroh, dass ich niemandem das Verhalten von Schröder nach der Wahl und den Abschuss Münteferings erklären musste. Das genau fordert aber die Parteidisziplin von Dir!
6. Broder und v. Schnitzler sind und waren auf ihre Weise parteilich/parteiisch, allerdings für völlig gegensätzliche Ideologien. Aber auch an ihnen sieht man, wohin Parteilichkeit führen kann.
7. Ich würde weder über meine WebSite Parteibuch schreiben, noch könnte ich stolz darauf sein, parteiisch/parteilich zu sein (siehe Wörterbuch). Nach Deinen eigenen Worten denke ich auch, Du meinst etwas völlig anderes: Solidarisch, zielstrebig, wertorientiert, eigenständig, gerecht, ehrlich, direkt usw.
8. Auch zwischen subjektiv und persönlich ist kein grosser Unterschied. Ich habe noch mal bei Dir nachgelesen … das gehört eigentlich alles in einen Topf.
9. Mir würde viel besser gefallen, wenn Du beispielsweise oben drüber schreiben würdest. Subjektiv (anders geht es ja gar nicht), professionell (mit dem Hinweis auf Deine Professionalität/Qualifizierung/Sachgebiet …) und klug (Das Gegenteil von karrieristisch, macht- und profilierungssüchtig: vernünftig, intelligent, überlegt, klardenken, scharfsinnig , besonnen, zurechnungsfähig, umsichtig …).
10. So wünschte ich mir Deutschlands Politiker: Durchaus subjektiv, aber in erster Linie professionell und mit Sachverstand klug agierend im Interesse unseres schönen Landes. Leider sieht die Realität anders aus, das hatte Brecht schon vor 50 Jahren erkannt: ‚… denn die Verhältnisse, sie sind nicht so.’
Sorry – ist doch ziemlich lang geworden. Ist aber ein irre spannendes Thema. Ich werde dieses Statement unter Hinweis auf Dein Web in meinem Weblog veröffentlichen.
Beste Grüsse!
@Al
Ich sehe das auch so, dass unser Diskurs recht spannend ist.
2. Es gibt schon einen feinen Unterschied zwischen parteiisch und parteilich, wobei ich den Unterschied zwischen “parteilich” als “von der Partei herausgegeben” und “parteiisch” als “die Partei bevorzugend” sehe. “Mein Parteibuch” ist also nicht parteilich, weil ich nicht den Anspruch und die Zielsetzung habe, die Meinung der Partei wiederzugeben. Trotzdem bevorzuge ich natürlich meine Partei und bin deshalb parteiisch. Viele Wörterbücher stellen diesen Unterschied allerdings nur sehr unzureichend dargestellt. Wäre “Mein Parteibuch” parteilich, so hätte sich die Freiheit meiner Meinung damit praktisch erledigt.
3. Dass eine Partei das heute übliche Maß an Parteidisziplin, Fraktionszwang und Parteilichkeit braucht, um zu funktionieren, sehe ich nicht als Naturkonstante an. Es wäre ja auch möglich, dass Wähler zukünftiger Generationen Parteidisziplin und Fraktionszwang eher nicht wollen und durch schlechte Wahlergebnisse bestrafen.
4. Ich sehe die Merkmale einer Diktatur eher relativ. Das Kaiserreich selbst wies zum Beispiel sehr viele Merkmale einer Diktatur auf; ich will da nur mal das Stichwort “Sozialistengesetze” nennen. Und auch die früheren Herrscher hier waren nicht unbedingt alle besser. Wenn wir aber aus einer Geschichte der Diktaturen kommen, wie kommen wir darauf, dass wir die Merkmale einer Diktatur so plötzlich hinter uns lassen konnten? Nur weil bei uns der subjektive Eindruck vorliegt, dass wir heute in einer freien und demokratischen Gesellschaft leben, muß das ja nun nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Dieser subjektive Eindruck war sicher auch bei vielen Menschen vorherrschend, die in den Diktaturen gelebt haben. Und heute blicken wir auf sie zurück, und fragen uns, wie es kommt, dass die Menschen so leben konnten. Wer gibt uns die Gewißheit, dass in zwei bis drei Generationen die Menschen auf unsere Zeit nicht einmal ganz ähnlich zurückblicken werden? Ich bemerke im Gegenteil in meiner unmittelbaren Umgebung sehr viele Merkmale einer unfreien und wenig demokratischen Gesellschaft: Angst vor der Wahrheit, grassierende Korruption, politische Seilschaften, Meinungsmanipulation in den Massenmedien, ungerechte Justiz und die Kriminalisierung großer Teile der Bevölkerung.
5. Den Abgang vom Franz Müntefering habe ich mit einem fiktiven Telefongespräch zwischen Matthias Platzeck und Hubertus Heil erklärt. Ich habe mich also an die Parteidisziplin gehalten ausdrücklich fiktiv drüber geschrieben.
6. Zwischen Broder und Schnitzler sehe ich keinen wesentlichen Unterschied.
7. Die Eigenschaftswörter für sich sagen sehr wenig aus. Viel wichtiger ist es, wie die Wörter erklärt werden. Es gibt das Problem des Mißbrauches der Worte ähnlich wie im Orwell’schen Doppeldenk. Als “ehrlich” bezeichnen sich Scientologen zum Beispiel auch, meinen damit aber etwas ganz anderes als andere Menschen.
8. Über mein Mission Statement habe ich tatsächlich nicht lange nachgedacht, sondern es gleich zu Beginn ziemlich schnell runtergeschrieben. Insofern bitte ich um etwas Nachsicht. Subjektiv sehe ich dabei vor allem auch als Gegensatz zur journalistischen Pseudo-Objektivität, wo Zitate gesucht werden, um den subjektiven Standpunkt zu Objektivität zu verhelfen. Persönlich bedeutet dann eben auch, dass ich (auch) über meinen kleinen Mikrokosmos schreibe, obwohl ich das in letzter Zeit etwas vernachlässigt habe. Es wird vielleicht Zeit, dass ich mein Mission Statement mal ergänze und präzisiere. Andererseits ist das Mission-Statement eben auch Zeugnis meiner ersten Gedanken. Löschen würde ich es ungern, in gewisser Weise dokumentiert es auch, wie ich mich durch dieses Weblog verändert habe.
9. Auch hier gilt wieder der Hinweis auf das Doppeldenk …
10. Wer als Politiker irgendein anderes Interesse am Land hat, als es auszuplündern um selbst Karriere zu machen, gilt, glaube ich, unter vielen Kollegen als dumm. Die Welt verbessern zu wollen, ist hinderlich für die Karriere eines Politikers.
Die Antwort war nun auch sehr lang.
Hello Marcel@
noch einmal zu meiner Position:
2. Die semantische Belegung von parteilich und parteiisch ist eindeutig: einseitig, tendenziös, nicht unparteiisch, befangen, schief, unsachlich, ungerecht … Wir müssen uns schon an das halten, was in den Synonymen-Wörterbüchern steht. Sonst kann man nicht mehr miteinander reden. In der deutschen Sprache sind Parteilichkeit und die Freiheit Deiner Meinung unvereinbar.
3. Schön, wenn die Parteidisziplin keine Naturkonstante wäre. Aber ich kenne keine Partei, die glaubt, auf diese schönen Disziplinierungsmittel verzichten zu können. Die Wähler haben darauf keinen Einfluss. Das ist leider Illusion.
4. Natürlich liegen Kaiserreiche und Diktaturen nicht weit auseinander. Aber zwischen der (zugegeben unvollkommenen) Staatsform Demokratie und einer Diktatur liegen himmelweite Unterschiede. Angst vor der Wahrheit, Korruption, Meinungsmache … das sind Lappalien im Vergleich zu dem, was eine Diktatur mit ihren Bürgern macht. Kein Vergleich - siehe DDR! Solange wir noch so viel Menschenrechte, Freiheiten und vor allen Dingen Rechtsstaatlichkeit wie heute haben, muss man absolut vermeiden, diese Bundesrepublik mit einer Diktatur im gleichen Atemzug zu nennen. Die Demokratie kann kippen und zur Oligarchie werden, wie in den USA und vielen anderen Ländern, die sich Demokratien nennen. Aber noch leben wir in Germany in einem Schlaraffenland hinsichtlich der bürgerlichen Freiheiten.
7. Noch einmal: Wir müssen uns schon an das halten, was in den Synonymen-Wörterbüchern steht. Sonst können wir uns nicht mehr verständigen.
8. Über ein Mission Statement sollte man sehr lange nachdenken. Es ist ja schliesslich so etwas wie das Handlungs- oder sogar Lebensmotto. Natürlich habe ich Nachsicht, sonst würde ich Dir nicht so viel schreiben. Aber ich habe auch die Hoffnung, dass man mit vernünftiger Argumentation etwas erreichen kann. Es gehört viel Grösse dazu, sich zu korrigieren. Schlafe ein paar Mal darüber und denke nach. Diese drei Worte liest jeder und sie müssen das aussagen, was die Grundlage Deines Handelns ist. Und sie müssen das Sprachgefühl des durchschnittlichen Lesers treffen. Spezielle semantische Belegungen funktionieren umgangssprachlich nicht.
Auch die Begriffe subjektiv und objektiv sind eineindeutig belegt: Der Mensch ist prinzipiell nicht in der Lage, objektive Urteile/Aussagen abzugeben/zu treffen! Egal was er sagt oder schreibt, es ist immer subjektiv. Deswegen ist Dein ‚subjektiv’ im Statement auch redundant.
10. Mir ist völlig unverständlich, wie man mit so einer Meinung über die Politiker Mitglied einer politischen Partei werden kann?? Denkst Du denn, bei den SPD-Mitgliedern handelt es sich um Menschen/Politiker von einem anderen Stern?! Und wenn man in eine Partei eintritt, dann will man doch etwas bewegen. Im besten Fall rüttelst Du doch am Gitter des Kanzleramts und willst dort rein! Da kannst Du doch nicht gleichzeitig sagen, die Politiker haben nur ein Interesse, das Land auszuplündern!?
Vielleicht weißt Du gar nicht so richtig, auf was Du Dich mit dem roten Parteibuch eigentlich eingelassen hast??
In meinem Weblog gibt es seit einer Stunde einen Link zu Deinem Web (und zu tangierenden Storys bei mir). Einiges auf Deinem Web finde ich sehr interessant und Du solltest unbedingt weitermachen. Aber wohin soll eigentlich Deine parteiische Reise gehen?
Beste Grüsse von Al
@Al
Jetzt treten die weltanschaulichen Unterschiede sehr genau hervor.
2. Auch Büchern sollte man nicht blind vertrauen, denn es mag in unterschiedlichen Büchern auch unterschiedliches Gedrucktes stehen. Ich weiß nicht, in welches Wörterbuch Du geschaut hast. Im etymologischen Wörterbuch des Duden Verlages (etwas ältere Ausgabe) finde ich:
parteiisch - voreingenommen, befangen, nicht objektiv (15. Jh.)
parteilich - eine Partei betreffend (16. Jh.)
So wurden diese Worte seit Jahrhunderten benutzt, und so werden diese Worte heute noch benutzt, auch wenn nicht allen der Unterschied immer bewußt ist. Innerhalb der Partei ist den meisten, denke ich, der Unterschied bewußt.
3. Die Parteidisziplin ist keine Naturkonstante. Die Veränderungen im Bewußtsein der Menschen geschehen nur langsam, aber es geschieht wunderliches. Auf dem Landesparteitag der SPD im Sommer diesen Jahres beispielsweise hat der Landesvorstand einen Wahlvorschlag für die Landesliste vorgelegt, und ein Genosse hat eine Rede gehalten, in dem er im Tenor die Parteidisziplin beschworen hat. Wer nicht für den Vorschlag des Vorstandes sei und statt dessen den Gegenkandidaten unterstützt, würde den Vorstand beschädigen und damit die Partei schwächen. Der Redner wurde insbesondere von jungen Delegierten ausgebuht, gerade weil solche Parteidisziplin da nicht mehr als Tugend sodnern als etwas gilt. Und siehe da, der junge Kandidat wurde gegen den Vorschlag des Vorstandes gewählt und trotzdem weder der Vorstand beschädigt noch die Partei geschädigt. Das wäre vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen.
4. Ich sehe das auch so, dass demokratische Rechtstaatlichkeit, Menschenrechte und Meinungsfreiheit wichtige Parameter sind, um zu kennzeichnen, inwieweit ein Staat eher humanistisch oder eher totalitär ist. Selbstverständlich haben wir Fortschritte gemacht auf dem Weg weg von einer totalitären Gesellschaft hin zu einer freieren, humanistischen Gesellschaft. Auf den ersten Blick scheint es auch schon ein Fortschritt zu sein, dass wir uns zu einer demokratischen Rechtstaatlichkeit, zu Menschenrechten und zu Meinungsfreiheit bekennen. Auf den zweiten Blick ist es jedoch so, dass sich auch moderne Diktaturen zu diesen Werten bekennen, und der Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur nicht im Bekenntnis zu diesen Werten, sondern im Grad der Erfüllung liegt. Um zu sehen, wie weit wir auf dem Weg vom Totalitarismus hin zu einem humanistischen Weltbild fortgeschritten sind, müssen wir also genauer hinschauen. Ich halte die allumspannende Korruption, den gezielten Rechtsmißbrauch zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit wie dies beispielsweise im Fall Michal Plümpe sehr deutlich wurde, und die Meinungsmache in den Massenmedien beispielsweise nicht für Lapalien, sondern für ein Zeichen einer totalitären Gesellschaft. Dass die Probleme der Gegenwart Lapalien im Vergleich zu den Verfehlungen von früher sind, hätte die DDR-Führung auch zu Recht behauptet.
Übrigens muß eine totalitäre Gesellschaft meiner Ansicht nach nicht unbedingt auf einem totalitären Staat fußen, wie das Beispiel Rußlands in den 90er Jahren überdeutlich zeigt. Da gab es so etwas wie eine libertäre Diktatur, der Staat hatte nichts zu sagen, dafür gaben Verbrecherclans, die über dem Gesetz standen, den Ton an. Letztlich macht es keinen Unterschied, ob jemand für die Äußerung der eigenen Meinung vom Staat oder von Gangstern ermordet wird. Was Rechtsstaatlichkeit bedeutet, mögen wir auch den zahlreichen jungen Mädchen türkischer Herkunft erzählen, die hier in Berlin auf offener Straße für ihre deutsche Lebensweise ermordet werden.
5. Hast Du das fiktive Telefongespräch gelesen?
7. Wir dürfen uns durch gleichmachende Synonym-Wörterbücher nicht der Vielfalt unserer Sprache berauben.
8. Ich habe kein Problem damit, mich zu verbessern. Natürlich sind die drei Worte im Mission-Statement auch eine Provokation gegenüber den Mainstream-Medien. Obwohl eigentlich alle Medien in Deutschland die Merkmale “subjektiv, persönlich und parteiisch” erfüllen, so wird eine Diskussion darüber dadurch ausgeblendet, dass sie das Gegenteil suggerieren. Man denke nur mal an Franziska Augstein’s jüngste Spiegel Kritik, und stelle sich dann vor dem Hintergruznd einmal die Fragen, wie subjektiv, persönlich und parteiisch der Spiegel ist. Gerade weil aber Mainstream-Medien Objektivität suggerieren, halte ich “subjektiv” nicht für redundant.
10. Ich bin gar nicht mit der Meinung, die ich jetzt von der Politik habe, Mitglied einer politischen Partei geworden. Ich bin in die Partei eingetreten, weil ich angesichts der dramatischen Lage in Deutschland meinen Teil dazu beitragen wollte, dass etwas daran verbessert wird. Ich möchte eben nicht alle Verantwortung auf die Politiker, die Politik oder die Umstände schieben, sondern selbst meinen Beitrag dazu leisten, dass etwas besser wird. Meine Meinung von Politikern hat sich allerdings im Laufe der ersten sechs Monate meiner Parteimitgliedschaft geändert. Vor sechs Monaten bin ich noch davon ausgegangen, dass Politiker sowohl ihre eigene Karriere als auch das Wohl des Landes im Auge haben. Heute denke ich, dass sich den Luxus, das Wohl des Landes im Auge zu behalten, eigentlich kein Politiker leisten kann, wenn er nciht seine Karriere riskieren will.
Als ich vor sechs Monaten angefangen habe, genauer hinzuschauen, bin ich davon ausgegangen, dass wir in Deutschland vor allem einige grundlegende Probleme wegen der vom Wähler herbeigeführten Blockade zwischen Bundesregierung und Bundesrat haben. Nachdem ich mich nun sechs Monate mit Politik beschäftigt habe, sehe ich die Defizite vor allem in allumfassender Korruption, Gesinnungsjournalismus, fehlender Funktionsfähigkeit des Rechtswesens, instrumentalisierter Bürokratie und der Monopolisierung von Märkten.
Wohin nun meine parteiische Reise geht, ist mir selbst nicht klar. Das liegt wohl daran, dass ich meine berufliche Zukunft nicht absehen und eigentlich keine Perspektive erkennen kann. Solange ich nichts besseres mit mir anzufangen weiß, schreibe ich eben hier.
Hello Marcel,
wir haben unterschiedliche Ansichten, aber keine weltanschaulichen Differenzen! Ein grosser Unterschied und Vorteil!
2. Einverstanden, warum sollte man Büchern vertrauen? Natürlich sind auch sie mehr oder weniger subjektiv. Aber Wörterbücher sind ein Sonderfall. Sie sind dazu da, um die aktuelle Sprachbelegung zu dokumentieren. Damit kann man beispielsweise gerade solche Differenzen wie parteilich und parteiisch ausräumen. Ich verwende Wortschatz vom Sybex-Verlag (eine Software auf meinem Rechner) oder das hervorragende WebLexikon http://wortscha....uni-leipzig.de. Ich zitiere das WebLexikon:
Parteilich: beeinflußt, parteigebunden, subjektiv, voreingenommen
Parteiisch: befangen, eingleisig, einseitig, gefärbt, parteigebunden, parteilich, subjektiv, tendenziös, unsachlich, voreingenommen, vorurteilsvoll
Grundform: parteilich und Parteilichkeit: Befangenheit, Einseitigkeit, Voreingenommenheit ist Synonym von: Ethos, Gesinnung, Haltung, Intoleranz, Sinnesart, Subjektivität, Unduldsamkeit, Verblendung, Vorurteil
Müssen/sollen wir noch mehr über diese Begriffe diskutieren? Ich bin sicher, das alles willst Du damit genau NICHT Deinen Lesern sagen!
3. Glückwunsch! Aber ich befürchte, das ist kein genereller Sieg. Macht in diesem Sinne weiter, denn nur so gibt es eine Chance, in diesem Lande etwas zu ändern.
4. Hier haben wir keine prinzipielle Differenz. Ich habe die DDR mitgemacht und kann es keinem klar machen, wie gross der Unterschied zu den jetzigen Verhältnissen ist! Aber Du hast recht, wenn Dir das alles noch nicht genügt. Natürlich sind die angesprochenen Dinge (Korruption, Meinungsmache …), wenn man die DDR aussen vorlässt, keine Lappalien! Ich habe Bedenken in genau der entgegengesetzten Richtung: Ich hoffe, es bleibt so, wie es jetzt ist. Ich nehme aber an, die Pervertierung des Rechts und die Korruption in allen Varianten wird zunehmen und die Freiheitsrechte werden per Erlass schleichend oder ganz legal (z.B mit dem Hinweis. auf den Terrorismus) eingeschränkt. Irgendwann kippt dann das Ganze und wir haben amerikanische Verhältnisse: Die Diktatur des Kapitals.
5. Ja. Gut gemacht, aber trotzdem nicht meine Sache. Ich werde mich nie wieder einer wie auch immer gearteten Bevormundung unterwerfen. Egal, wer das ist, Menschen, eine Partei oder der Staat.
7. Parteilich und parteiisch hat nichts mit der Vielfalt der Sprache zu tun. Es geht hier ganz einfach um die umgangssprachliche Belegung/Bedeutung. Die Sprachvielfalt und –entwicklung kann sowieso niemand aufhalten.
8. Subjektiv ist insofern nicht redundant, weil der Allgemeinheit der Sachverhalt der totalen Subjektivität aller menschlichen Äusserungen nicht bewusst ist.
In dem Moment, wo Du Dein Mission Statement als Provokation verstehst, erübrigt sich jede Diskussion über den Inhalt. Dann geht es um Provokation und um nichts anderes.
10. Dieser Punkt ist hoch interessant, denn er beschreibt viel besser als Dein Mission Statement, was Du eigentlich willst. Und genau so habe ich Dich nach den ersten 10 Sekunden eingeschätzt, als ich Deine WebSite zum ersten Mal sah: Du willst was bewegen. Wo aber ist der richtige Hebel?? Gebt mir einen festen Punkt und ich werde die Welt aus den Angeln heben. Leider gibt es so einen festen Punkt nicht. Aber wer etwas in diesem Lande bewegen will, muss bei einer Partei oder Organisation mitmachen oder selber eine gründen. Meine Variante bedeutet Passivität und sie ist Resignation. Aber mit 70 Jahren kann ich mir das leisten.
Ich wünsche Dir, dass Dir die Hoffnung nicht abhanden kommt, dass Du mit Gleichgesinnten dieses System von innen heraus reformieren kannst. Ich habe knapp 40 Jahre auch in diesem Sinne geackert. Aber in den letzten 10 Jahren bin ich zu der Überzeugung gekommen, das ist Illusion. Jedes stabile System ist nur in engen Grenzen reformierbar. Ich gehe sogar noch weiter: Auch diese ganze Zivilisation ist nicht reformierbar, weil die systemimmanenten Widersprüche nicht zu beseitigen sind. Deshalb wird diese Kultur untergehen. Traurig aber wahr: http://www.stor...2005/global.htm Bitte lesen!! Ich wünschte, jemand würde mir bei dieser Analyse Fehler nachweisen.
Trotzdem: Weitermachen!!!!
Ich hoffe, Du findest die richtigen Mitstreiter und den Knackpunkt, an dem sich der Hebel ansetzen lässt. Aber auch wenn das gelingt, die entscheidende Frage bleibt offen:
Wie sieht das alternative System aus, das mit der heute existierenden Sorte von Menschen funktioniert?
Vielleicht ein weiteres Thema in Deinem Diskussions-Web.
@Al
Nun, ich hoffe, ich habe noch ein paar Jahrzehnte Zeit, mit meinem Leben etwas anständiges anzufangen. Ich denke auch, dass ich durchaus ein bißchen etwas habe, was ich in die gesellschaftliche Entwicklung an Ideen und Wissen einbringen kann.
2. Parteiisch im Sinne von befangen, gefärbt und tendenziös ist Mein Parteibuch schon. Ich bin ja schließlich Mitglied einer Partei, denn ich denke, um etwas zu ändern, muß man selbst Teil des Systems sein. Im Unterschied zu vielen anderen Medien schreibe ich es aber gleich in den Titel, dass ich parteiisch bin. Das finde ich durchaus anständig. Wer das parteiische wie eine Konstante in einer Gleichung abzieht, kommt dann dem Kern dessen, was ich hier treibe, näher. Ich will aber unverhohlen zugeben, dass es manchmal auch einfach nur Spaß macht, die Methoden der Bild-Zeitung zu kopieren, und den Spin dabei in eine andere Richtung zu geben.
4. Ich glaube gar nihtso sehr, dass das Kippen von politischen Systemen viel an der Gesellschaft ändert. Da ändert sich zwar die Fahne, die über dem System drüberhängt, aber tief drinnen ändert sich eher wenig. So zum Beispiel in Rußland, wo die kommunistische Diktatur dann durch eine libertäre Diktatur der Oligarchen abgelöst wurde. Oder in der Ukraine, wo wir gerade möglicherweise das Scheitern der im letzten Jahr geglückten orangenen Revolution miterleben können. Nichtsdestotrotz hat es aber auch Fortschritte gegeben in der menschlichen Entwicklung. Heute werden mißliebige Menschen in Deutschland zumindest von offiziller Seite nicht mehr am nächstbesten Baum aufgeknüpft oder auf Scheiterhaufen verbrannt. Derzeit sehe ich die Gefahr, dass die neuen Technologien des Informationszeitalters mit einem gesellschaftlichen Leitbild aus dem vorletzten Jahrhundert nicht zu der Verbesserung der Lebensumstände der Menschen führen, zu denen sie eigentlich führen könnten. Im Gegenteil, durch die Kriminalisierung großer Teile der Bevölkerung mit modernen Straftatbeständen wie zum Beispiel Urheberrechtsverletzungen und finanzielles Raubrittertum mit Hilfe von Patentrecht, Markenrecht, Namensrecht, Vertragsrecht und so fort erleben wir gerade neben Fortschritten auch deutliche Rückschritte in der Entwicklung hin zu einer besseren Gesellschaft. Über das politische System hingegen mache ich mir wenig Illusionen: das hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum geändert.
8. Sicherlich ist das Herausheben der Attribute, die nicht selbstverständlich sind, eine Provokation. Neudeutsch heißt so etwas auch Eyecatcher. Ehrlich und unabhängig würde zwar sicher auch zutreffen, wäre aber kein Blickfang. Ich denke auch nicht, dass die Diskussion über das von mir abgegebene Mission Statement viel mehr Tiefgang verdient.
10. Dieses alternative System, dass mit den heute existierenden Menschen funktioniert, zu beschreiben, sehe ich tatsächlich als eine Kernaufgabe, um etwas zu verbessern. In der Unternehmensführung gibt es schließlich auch so etwas wie ethische Leitlinien, warum sollte dies also nicht für die politische Diskussion möglich sein? Wenn etwas beschrieben ist, dann kann sich hinter dieser Beschreibung eine Schar von Menschen versammeln.
Ich bin mir jedoch eigentlich sehr sicher, dass es Menschen gibt, die bereits weiter sind auf diesem Weg, Ziele oder ethische Leitlinien zu formulieren und die sich an ihre ethischen Linien auch selbst halten. Es kann doch nicht sein, dass ich mit diesen wohl beinahe klassischen humanistischen Wertvorstellungen allein auf der Erde bin? Bei einigen Freimaurern könnte es zum Beispiel auch einige geben, die ähnliche Wertvorstellungen gemeinsam haben. Ich will da aber nichts beschreien, kenne einfach niemanden davon. Schließlich berief sich ja auch die SED auf humanistische Ideale. Wo sind sie also heute, die Erben der Humanisten?
Ich bin mir nicht klar, ob ich solche Menschen finde, oder ob es mir gelingt, Menschen mit solchen Idealen zu versammeln.
Als Leitziel würde ich mal zur Diskussion stellen wollen, dass ich meine, wir bräuchten so etwas wie eine Hinwendung zu mehr Anständigkeit. Es sollte sexy werden, anständig, bescheiden und geradlinig zu sein. Es sollte schick sein, einem gebrechlichen Menschen über die Straße zu helfen, anstelle sich am Ballermann den wegzudröhnen. Ich meine damit nicht, dass diese Anständigkeit ein Zwang sein sollte wie ein unverstandenes religiöses Ritual, sondern etwas gern gesehenes.
Ich denke, dieses System braucht an der Spitze so etwas wie grundsätzliche ethische Leitlinien und sollte dann heruntergebrochen werden können. Ich denke, es sollte ein ethischer Kodex sein, der bereits im kleinen anzuwenden ist, der nicht mit einer Revolution, sondern auf einer Bewußtseinswandlung beruhend verbreitet wird.
Ich bin mir dabei bewußt, dass wir ein ethisches System mit der Religion bereits haben, und doch meine ich, dass dieses ethische System der Religion widersprüchlich ist und heutzutage zu wenig überzeugenden Ergebnisssen führt. Außerdem denke ich, diese ethischen Leitlinien sollten eher politischer Natur als religiöser Natur sein. Ich meine, der Politik täte es gut, wenn mal jemand den Cato macht, so wie mir das vor kurzem vorgehalten wurde.
Vielleicht gelingt es ja, mit Hilfe der neuen Informationstechnik auch ethische Gedanken besser zu verbreiten? Nun, ich hoffe, Du entschuldigst meinen Größenwahn.
Ich denke übrigens, allein mit der neuen Informationstechnik läßt sich so etwas wie Deine globale Bildungs- und Menschenrechtsoffensive wirklich durchführen. Die Wikipedia leistet ja bereits heute bereits unschätzbare Dienste für die Bildung. Warum sollte es im Informationszeitalter nicht auch eine dem Informationszeitalter entsprechende Ethik geben können?
Eine ganz andere frage ist es natürlich, ob es unsere Zivilisation überhaupt wert ist, nicht unterzugehen. In “Per Anhalter durch die Galaxis” von “Douglas Adams” steht die Erde zwar sowieso einer intergalaktischen Umgehungsstraße im Weg und muß deshalb leider gesprengt werden, aber ich finde das Bild einer friedlichen Erde, die sich nicht selbst zerstört, trotzdem sympathischer.
Da möchte ich mal auf einen Artikel aus dem Wissenschaftszentrum Berkin hinweisen:
http://www.wz-b...pdf/wm109/6.pdf
Ein interessanter Beitrag zur Lage der Sozialdemokratie.
Moin Moin, Marcel,
2. Diese Diskussion können wir also abhaken. Du stehst zu Deiner Parteilichkeit und das Ganze hat bewusst auch einen etwas reisserischen Charakter, denn anders kann man ‚auf dem Markt’ nicht bestehen. OK – verstanden, aber nicht akzeptiert. Macht nichts. Differenzstandpunkt.
4. Aus meiner Sicht ändert sich gerade nicht nur die Fassade, sondern das ganze System. Für mich ist entscheidend (Beispiel Bundesrepublik), ob der von mir so hoch geschätzte Pluralismus erhalten bleibt, oder nicht. Kriterium dafür ist die Meinungsfreiheit, gewährleistet und gesichert durch den Rechtsstaat. Nach meinen DDR-Erfahrungen ist das das Tafelsilber Deutschlands und weiter Teile Europas. Solche Verhältnisse gibt es beispielsweise weder in den USA noch in Russland. Ich habe die Befürchtung, dass diese Rechte durch den Staat sukzessive eingeschränkt werden. Deine Beispiele der modernen Straftatbeständen (TCPA usw.) weisen in diese Richtung. Das aber ist nicht die Fassade, es ist die Substanz des politischen Systems! Die freiheitliche Demokratie kippt: Fundamentalistische Christen agieren mit Nation Building und massiver militärischer Gewalt gegen fundamentalistische Moslems. Pluralismus und die Meinungsfreiheit bleiben auf der Strecke: Siehe USA.
8. Wenn man Mission Statement wörtlich nimmt, dann verdient das, was man dazu schreibt, reiflichste Überlegung und Tiefgang. – Aber das ist meine Sicht. Differenzstandpunkt.
10. Hier sind wir uns wieder sehr einig. Auch aus meiner Sicht ist das die alles entscheidende Frage, mit der sich die Zukunft dieser Zivilisation entscheidet: Wie sieht das vernünftige, friedliche und solidarische System aus, das mit der heute existierenden Sorte von Menschen weltweit funktioniert? Hier liegt auch der Grund, weshalb ich generell unseren Parteien und ihren Generalsekretären misstraue: Sie kümmern sich um diese Frage einen Dreck. Genau diese weltanschauliche Frage war aber ursprünglich ein wesentliches Anliegen aller Parteien bei ihrer Gründung! Was ist davon übrig geblieben? Du redest wie die SPD von Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit. Wie aber soll der Staat, das politische System aussehen, das in den Zeiten der Globalisierung die Wohlfahrt und den Wohlstand aller sichert??! Vom Mehren des Wohlstands und von Wachstum gar nicht zu reden. Wo ist das Programm, das Konzept, die neudeutsche Roadmap, mit der eine solche Gesellschaft aufgebaut werden kann? Keine Partei hat auf diese Fragen Antworten. Siehe Koalitionsverhandlungen: Es geht nur um’s Geld und strategisch maximal um die Pendlerpauschale… Eine neue Epoche der globalen Aufklärung? Technisch überhaupt kein Problem, aber weil der Wille fehlt, ist so ein Ansinnen die blanke Utopie. Kein Wunder, dass die Eliten mit Parteien und Politik nichts zu tun haben wollen.
Aber lass Dir Deinen Optimismus und Tatendrang nicht nehmen. Vielleicht ändert sich ja schon morgen die Motivation aller Politiker weltweit …!
@tim
Der Beitrag von Wolfgang Merkel vom Wissenschaftszentrum Berlin ist insofern interessant, als dass Wolfgang Merkel in der Grundwertekommission der SPD ist und ich den Eindruck habe, viele meiner Genossen beurteilen die Lage ähnlich wie er. Als ich hier mit dem Parteibuch angefangen habe, habe ich, mal abgesehen, dass Wolfgang Merkel die schwarze Bundesratsmehrheit geflissentlich übersieht, die Lage vermutlich auch noch ziemlich ähnlich gesehen, wie sie Wolfgang Merkel nun darstellt.
Heute sehe ich die Dinge jedoch anders. Wolfgang Merkel beispielsweise meint, dass die Diskussion um 2,3 oder 0,3 Prozentunkte Lohnnebenkosten gepsenstisch sei und fordert im gleichen Atemzug, es müßte über ganze Prozentpunkte geredet werden.
Ich finde die Diskussion um ganze Prozentpunkte genauso gespenstisch und meine, auch bei einer völligen Streichung der Lohnnebenkosten hätte die Telekom die 32.000 Arbeitsplätze abgebaut und auch Grohe hätte seine Produktion trotzdem nach China verlegt.
Wolfgang Merkel konstatiert ein Versagen von rot-grüner Politik, weil Wachstum und Arbeitsplätze weitgehend ausgeblieben sind.Ich will da zuerst mal zu sagen, dass Wachstum inzwischen nicht mehr zu Arbeitsplätzen führt. Und auch halte ich es nicht für gesellschaftlichen Fortschritt im Sinne der Sozialdemokratie, wenn aus Fürsorge-Empfängern professionelle Kloputzer für die Reichen gemacht werden und so Wachstum und Arbeitsplätze im “Service-Bereich” geschaffen werden.
Anstelle einer Haushaltssanierung durch eine effektive Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Steuerbetrug lobpreist Wolfgang Merkel Mehrwertsteuererhöhungen. Zentrale Werte wie Korruptionsbekämpfung, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit schneidet der Beitrag jedoch nicht einmal an. Zum Problem fehlenden Wettbewerbs und fehlender Innovations- und Investitionsbereitschaft in monopolartig strukturierten Märkten sagt Wolfgang Merkel nichts. Zu den dringenden Konsequenzen, die sich aus der Informationsgesellschaft für die Bildungspolitik ergeben sagt er - nichts.
Ich denke, Wolfgang Merkel hat die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Informationszeitalter einfordert, noch nicht ansatzweise erfaßt und verharrt stattdessen im Denken, das mehr Unternehmensgewinne, mehr Wachstum und eine Senkung der Arbeitskosten eine Senkung der Arbeitslosigkeit bedeutet.
@Al
Ich denke weniger an ein politisches System als an eine ethische Bewegung.
2. Es mag sein, dass ich mich in Bezug auf Provokation ganz gewaltig irre. Den Nutzen der Provokation habe ich gleich zu Beginn gesehen, die Defizite in der gesellschaftlichen Ethik hingegen erst viel später. Wie bekomme ich publizistisch eine neue Ethik der Anständigkeit damit zusammen, dass Menschen sich beinahe einem Naturgesetz gleich für reißerische Aufmacher interessieren?
4. Ich denke, in Bezug auf die Meinungsfreiheit haben wir es mit einem sehr labilen Kräftegleichgewicht zu tun, das durch die Konzentration der Märkte bedroht ist, die sas Informationszeitalter mit sich bringt. Der Widerspruch liegt darin, dass mehr Freiheit leicht zu mehr Konzentration führt, was letztendlich ein weniger an Freiheit bedeutet. Deutschland steht aus meiner Sicht zwar insgesamt schlecht, aber wegen des dualen Mediensystems jedoch noch vergleichsweise gut da. Man denke zum Vergleich nur an Italien.
Die modernen neuen Straftatbestände, Möglichkeiten, mit Klagen zu Schutzrechten virtueller Güter mißliebige Menschen beliebig in die Enge zu treiben, und natürlich auch die privatwirtschaftliche Beherrschung technischer Standards sind aus meiner Sicht viel mehr Kennzeichen des neuen Totalitarismus im Informationszeitalter. Ich meine jedoch ncht, dass ein neuer Totalitarismus im Informationszeitalter deterministisch vorbestimmt ist, sehe das vielmehr so, dass alle Zeitalter verschiedene Phasen durchlaufen haben. Wer hätte bei Erfindung der Dampfmaschine schon damit gerechnet, dass es einmal Gewerkschaften und Weltkriege geben würde? Auf die Weltkriege würde ich im Informationszeitalter allerdings gern verzichten.
10. Nun, die Zivilisation sehe ich nicht gefährdet. Die Menschheit ist sehr anpassungsfähig, ähnlich Ratten in der Kanalisation werden Menschen noch viel Ungemach der Erde überleben. Ich empfinde die Vorstellung, dass Menschen ihresgleichen beherrschen, jedoch nicht als schön, also als unethisch.
Recht hast Du, wenn Du erklärst, dass von Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit zwar viel geredet wird, die Taten sich jedoch nicht daran orientieren. Ich gehe davon aus, dass dies keine Frage des politischen Systems ist, sondern eher eine ethische Frage. Ich will es mal anders formulieren: nicht die Verbesserung des politischen Systems bringt uns positiven gesellschaftlichen Fortschritt, sondern ein mehr an ethischem Handeln der in dem System lebenden Individuen.
Andererseits ist es hinzunehmen, dass Menschen nicht besser werden wollen. Menschen wollen rauchen, trinken, Drogen nehmen, huren, lügen, betrügen, andere beherrschen oder bestechen, sich bestechen lassen, ein größeres Haus und Auto als die Nachbarn haben oder sich um das schönste Mädel oder den Mann mit der dicksten Brieftasche prügeln.
Ich meine jedoch, dass es eben auch eine gegenläufige Tendenz gibt. Menschen wollen auch anständig sein, ein gutes Gewissen haben und sich sozial engagieren. Ich meine, diese Bestrebungen sollten unterstützt werden. Anständig sein sollte sexy werden.
Ich bin mir schon bewußt, dass ich mit dem Streben nach einer neuen Ethik tief in die Religion hineingehe. Allerdings ist die ethische Grundlage, sei sie Religion oder Ideologie eben die Grundlage für den politischen Rahmen. Um wirklich nachhaltig etwas zu verändern, muß dieser ethische Rahmen betrachtet werden, meine ich.
Übrigens möchte ich noch mal die Gelegenheit nutzen und mich für die geistige Befruchtung danken. Ich habe das Gefühl, ich bin durch unser Gespräch hier schon etwas näher an das ethische Grundgerüst gelangt, das der feste Punkt sein könnte, um die Welt aus den angeln zu heben. Auch denke ich, dass nur die neue Technik des Informationszeitalters den Hebel bieten kann, mit dem an dem festen Punkt angesetzt werden kann.
Noch bekomme ich es allerdings nicht so recht zusammen, daraus eine Art Roadmap, die die Welt aus den angeln hebt, zu machen.
2. Das sind ganz einfach Marktgesetze, die sich entwickelt haben und die man nicht ignorieren kann, wenn man etwas verkaufen oder erreichen will.
4. Da sind wir uns einig: Deutschland steht vergleichsweise noch gut da. Ich hoffe deshalb eher darauf, dass es so bleibt, als dass es noch besser wird. Den Totalitarismus, den erstaunlicherweise die Technik hervorbringt, habe ich so noch nicht wahrgenommen. Aber er existiert in Form verschiedener Monopole (Microsoft, Intel, Handy, Medien, Internet-Verwaltung, Rohstoffe, Energie, Logistik …), die ihre Sonderstellung ausbauen und für ihre Zwecke ausnutzen. Das scheint neben der Akkumulation von Kapital in den Händen weniger ein ganz deutliches Kennzeichen des IT-Zeitalters zu sein. Und es sind die gleichen Leute - Kein Monopol funktioniert ohne Kapital. Ich habe aber keinerlei Idee, wie man gegen Akkumulation, Globalisierung und Totalitarismus OHNE Kapital im Hintergrund friedlich und demokratisch vorgehen kann! Ein Qualitätssprung ist hier mit Moral und Ethik nicht von innen heraus zu erreichen. Das geht nur mit blutiger Revolution. Und die findet mit Leuten nicht statt, die satt auf dem Sofa sitzen und jeden zweiten Tag ihr Auto vor der Garage waschen.
10. Und da sind wir schon beim alternativen System. Deine ethischen Bemühungen in allen Ehren. Aber was nicht einmal die Religionen schaffen, wird eine neue Ethik erst recht nicht erreichen. Es gibt zu wenig gebildete, vernünftige Menschen und deshalb fehlt weltweit jede Motivation für eine ethische Bewegung. Aus dieser Ecke kommt meine Forderung nach einer neuen Epoche globaler Aufklärung.
Unter dem Stichwort ‘Das wissenschaftliche Weltbild’ habe ich genau darüber nachgedacht: http://www.stor.../wiweltbild.htm Zu den dort aufgestellten Grundsätzen und Geboten kann man auch Ethik sagen. Vielleicht findest Du dort den Hebel für Deine Roadmap?! Ich bin skeptisch. Eine qualitative Veränderung kann nur eine Revolution der Massen oder der sprichwörtliche weise Fürst/milde Diktator herbeiführen. Solange es noch nicht so weit ist, sollten wir uns einfach darüber freuen, wie gut es uns jetzt immerhin geht! Aus meiner Sicht ist das gegenwärtige pluralistische Gesellschaftssystem Europas das Maximum dessen, was mit dieser Sorte von Menschen erreichbar ist.
@Al
4. Die Konzentration der Märkte sehe ich als ein wichtiges Kennzeichen des Informationszeitalters. Die bessere Kommnikation befördert die Globalisierung und begünstigt damit die globale Monopolisierung. Der mit der neuen Technik einhergehende inflationäre Schutz geistiger Eigentumsrechte zementiert diese Monopole dann. Kapital ist nur insoweit notwendig, als dass diese Schutzrechte geistigen Eigentums durchgesetzt und verteidigt werden müssen. Die Revolution dagegen stelle ich mir dezentral und schleichend vor, nicht blutig. Sie sollte vom Organisationsbild eher aussehen wie Open Source Software oder wie eine Blogosphäre denn wie eine Militäraktion.
10. Die Religion halte ich nicht für mächtig, sondern für schwach wie nie zuvor, was auch nicht zuletzt aus der Aufklärung resultiert. Die Religion leistet einen wichtigen Teil zur Konditionierung von Menschen mit ethischen Verhaltenskodizes, aber sie erreicht immer weniger Menschen. Die von dir formulierten vernünftigen Gebote sind mir zu fest, und ich meine, sie treffen nicht den Kern der Dinge und sind etwas widersprüchlich. Und auch die Aufklärung oder ein wissenschaftliches oder atheistisches Weltbild sehe ich nicht als absolute Notwendigkeit an. Ich habe keine Probleme damit, in anständigen ethischen Leitlinien auch ein romantisches oder ein religiöses zu befürworten. Vielleicht bin ich da aber auch nur selbst in meinem eigenen geschlossenen Gedankengebäude gefangen, was Anleihen beim Agnostizismus nimmt.
Auch wenn ich Veränderungen in Menschen als den letztlich wichtigsten Einflußfaktor für gesellschaftliche Veränderungen sehe, so meine ich, das pluralistische Gesellschaftssystem ist verbesserungsfähig und dringend verbesserungsbedürftig. Die Ansprüche sind schon gar nicht so schlecht formuliert, aber vor allem mit der Umsetzung hapert es. Und da sehe ich wiederum durchaus auch ethische Defizite.
Der Ansatzpunkt sind, denke ich, ethische Leitlinien. Deine 10 Gebote finde ich als Ausgangspunkt gar nicht schlecht, ebenso wie die ersten 20 (?) Artikel des Grundgesetzes oder die ersten Artikel der Statuten einer Partei, wie zum Beispiel der SPD. Ich denke, allen Ansätz fehlt jedoch etwas. Zum Beispiel fehlen mir Worte zu Umgangsformen im inneren der Bewegung zur Verbesserung der Welt.
Viel spannender finde ich die Frage, welches technische System man verwenden kann, um zu kleinen sukzessiven Verbesserungen dieser Ansätze zu kommen. Kann man ein ethisches oder politisches System mit heute verfügbarer Technik entwickeln? Oder wäre die Entwicklung einer neuen Webtechnik notwenidig, zielführend, sinnvol oder was auch immer? Wie könnte ein solches technisches System zur Gestaltung eines ethischen Systems in einem offenen Prozeß aussehen?
Sähe so ein System aus wie ein Wiki, mit dem eine Verfassung oder eine Vereinssatzung geschrieben wird? Mal angenommen, man findet so ein technisches System oder kann es beschreiben, wie kann man dann den Prozeß anschieben und Mitstreiter finden?
4. Die Eigentumsrechte sind neue Produkte, die wieder Kapital erzeugen und das Monopol sichern. Aber die ganze Globalisierung und Monopolisierung funktioniert nicht, wenn Du kein Kapital hast.
Und aus meiner Sicht gibt es keine schleichende Revolution. Eine Revolution bewirkt den Umschlag von Quantität in Qualität oder eine Qualität wird zu einer neuen. Insofern benötigt ein qualitativ neues Gesellschaftssystem eine Revolution, die muss aber nicht blutig sein: Siehe DDR-Implosion. Entscheidend aber ist: Entweder wird so eine Revolution von oben verordnet (Lenin und Fiedel Castro), oder sie wird von unten, von den Massen, erzwungen. In jedem Fall aber müssen die Menschen mitmachen, sie müssen motiviert sein oder werden. Und genau hier hapert es, aus meiner Sicht: Wohlstand und Revolution schliessen sich aus.
10. Achtung: Meine ‘10 Gebote’ unter Das wissenschaftliche Weltbild sind keine neuen 10 Gebote, sondern Beispiele!!! Es sind weder ausformulierte Gebote, noch sind sie in eine vernünftige Rangordnung gebracht. Ich wollte nur nachweisen, dass man aus dem naturwissenschaftlichen Wissen auch moralische und ethische Gebote ableiten kann. Das ist kein Vorrecht der Religionen. Anders gesagt: Man muss nicht an Gott glauben, um vernünftig und ethisch mit seinen Mitmenschen und der Natur umzugehen.
Natürlich kann man sich ein wissenschaftliches Weltbild auch mit oder ohne Gott vorstellen. Aber es wird dann nicht der naive Gott der Bibel oder des Korans sein. Es gilt immer noch das, was Kant gesagt hat: Wir sind nicht in der Lage, das ‘Ding an sich’ zu erkennen, wir sehen nur seine ‘Erscheinung’. Sich unter diesen Voraussetzungen einen Gott vorzustellen, passt in das wissenschaftliche Weltbild.
Das Problem aber liegt ganz woanders: Es gibt zu wenig gebildete Menschen. Die Aufklärung hat nicht einmal in Europa richtig funktioniert: Staat und Kirche sind beispielsweise in Deutschland immer noch nicht strikt getrennt. Und in Bayern hat man wahrscheinlich noch nie etwas von Aufklärung gehalten. Die Religionen aber besitzen deshalb eine so durchschlagende Wirkung, weil sie um so besser funktionieren, je niedriger das Bildungsniveau ist. Am besten sind Analphabeten in Kirchen, Moscheen und vor die Altäre der 1000 indischen Götter zu locken.
Die Technik ist aus meiner Sicht sekundär. Sie ist prinzipiell vorhanden und global verfügbar. Das allein ist wichtig. Entscheidend ist: Man muss die Köpfe der Menschen erreichen und ihre Motivation qualitativ verändern. Vorsicht! Da sind wir fast schon wieder beim ‘Neuen Menschen’, den es nicht geben wird.
Wenn Du etwas in Richtung auf ein neues, oder wenigstens reformiertes System (oder weniger: ein neues menschliches Verhalten) auf die Beine stellen willst, dann sind dafür drei Dinge nötig:
(A) Eine plausible Vision
(B) Die Vision muss für jeden einzelnen einen Vorteil in Aussicht stellen und
(C) Du musst (mit Technik) die Massen erreichen.
Ein paar elitäre Mitstreiter reichen nicht aus, um ein neues Verhalten oder einen reformierten Staat hervorzubringen.
Nach diesem Prinzip funktionieren Religionen. Und wenn Deine Vision nicht so simpel ist, wie die Story vom Gutmenschen Jesus, dann ist sie zu kompliziert und Du erreichst nur die gebildeten Menschen, von denen es zu wenige gibt. .
Es ist schwierig, die Welt ohne blutige Revolution aus den Angeln zu heben ….!
Letzter Hinweis: Gib dem Offenen Beitrag doch einen neuen Titel, sonst weiss man nicht, welcher Inhalt dahinter steckt!
Noch eine Anregung:
Wenn es viele Kommentare gibt, oder wenn sie so lang sind (wie hier), ist man sehr weit unten auf dieser Seite. Dann sucht man händeringend einen Link: Nach oben, Top oder Seitenanfang!
Sorry - ich werde wohl langsam alt.
Da isserjah - der Top-Link!!
Gar nicht so unauffällig!
@Al
4. Die Eigentumsrechte werden zur Erzeugung einer Monopolrendite genutzt, die zwar zu neuem Kapital werden kann, wenn sie thersauriert und investiert wird, aber nicht zwangsläufig Kapital werden muß. Ich sehe es als ein Kennzeichen des Versagens der hergebrachten ökonomischen Ideen im Informationszeitalters, dass erzielte Renditen nicht wieder investiert, sondern allenfalls thesauriert werden. Kein Monopolist oder Oligarch riskiert Gelder in Märkten, auf denen er Konkurrenz erwartet, denn das zöge die Eigenkapitalrendite des gesamten Unternehmens herunter. Stattdessen wird entweder die Rendite ausgeschüttet oder zur Verteidigung oder Vergrößerung des Monopols eingesetzt.
Hat sich die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahrzehnten nicht weiterentwickelt, obwohl es weder eine friedliche noch eine blutige Revolution gab? Ich denke schon. Es gab so etwas wie eine schleichende Revolution, hin zu gewaltloser Kindererziehung, hin zur Gleichberechtigung von Frauen, hin zur gesellschaftlichen Bekämpfung von Suchtkrankheiten wie Alkoholismus und hin zur Aufhebung der Ächtung von mancher einvernehmlicher Sexualität unter Erwachsenen. Eine Revolution ist dabei nicht von Nöten gewesen, im Gegenteil, so wie in Kuba unter Castro mag sie häufig sogar ursächlich für Hinderung der Entwicklung gesellschaftlichen Fortschrittes sein, weil die Revolutionäre viel zu sehr mit der Verteidigung der Macht beschäftigt sind, als dass sie für gesellschaftlichen Fortschritt sorgen könnten. Ich will damit nciht sagen, dass es nicht auch Situationen geben kann, wo eine Revolution für gesellschaftlichen Fortschritt notwendig ist, mit ganzem Herzen, und ich will das gestehen, auch mit etwas Geld, war ich letztes Jahr bei meinen Freunden in der Ukraine, als sie die mörderische Verbrecherbande von der Macht verjagt haben. Allein, es wäre illusorisch zu glauben, dass sich durch diese Revolution wirklich viel geändert hätte in dem Land. Es setzt sich vielmehr inzwischen die Erkenntnis durch, dass Veränderungen nur langsam von statten gehen.
10. Wenn Deine 10 Gebote nicht Vorschriften, sondern Beispiele sind, dann sind diese Gebote ein möglicher Ansatz für ethische Leitlinien. Ich meine, der Anspruch, dass diese ethischen Leitlinien perfekt sind, ist nicht erfüllbar. Stattdessen würde ich mich mit einem offenen System beschäftigen wollen, das solche Leitbilder verbessert, präzisiert oder verallgemeinert. Mit offenen System meine ich dabei ein technisches System, dass es praktisch jedem, der sich dazu Gedanken macht, erlaubt, an der Verbesserung mitzuwirken. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ein Wiki das richtige technische System ist, um solch offene Texte zu verfassen, aber eine besser passende Software ist mir nicht bekannt und eine neue Software zu schreiben, erscheint mir als ein viel zu großes Projekt.
Wenn Du von einer Vision schreibst, dann stimme ich Dir insofern zu, als dass auch ich glaube, ein Leitbild ist dringend notwendig. Allerdings fällt so ein Leitbild, glaube ich, nicht vom Himmel und auch eine Eingebung wird allenfalls Rudimente hervorbringen. Für notwendig halte ich es hingegen, einen winzigen Anfang zu machen und dann ein System, einen Prozeß, zu betreiben, dass diesen Anfang verbessert. Und vielleicht gibt es dann so etwas wie eine Roadmap, wo eine Vision Version 1.0 mit bestimmten definierten oder undefinierten Eigenschaften als Meilenstein und Anforderungen A-C wie von Dir vorgeschlagen auftaucht. Um solch eine Vision zu entwickeln, muß jedoch ein Kern bereits vorhanden sein. Diesen Kern sehe ich in den ethischen Leitgedanken des Umganges miteinander von denjenigen an, die sich daran machen, eine solche Vision zu entwickeln.
Diesen Gedanken, wie sich die unbestimmte Verbesserungswürdigkeit zu einem Ankerpunkt ethischer Gedanken oder so ähnlich verfestigen könnte, habe ich im Parteibuch Wiki mal in einem ersten Entwurf “Verdichtung eines Nebels zu einem festen Ankerpunkt” festgehalten. Ich stelle mir das dann so vor, wie das in einem Wiki üblich ist, jeder das verbessern kann oder neue Gesichtspunkte hinzufügen kann. Mit Deiner Erlaubnis würde ich Deine “10 Gebote” und womöglich noch einige Texte mehr von Deiner Webseite da auch zufügen bzw. Dich dazu einladen, sie selbst zuzufügen.
@Al #17
Die Anregung, einen Link #top einzubauen, habe ich kurzerhand aufgegriffen. Ich kann Dir versichern, dass Du so alt noch nicht bist, dass Du ihn vorher übersehen hättest. In was soll ich denn den Beitrag umbenennen? Ich finde “offener Beitrag” schon gar nicht schlecht. Vielleicht sollte ich einen neuen offenen Beitrag einbauen? Oder eine neue Kategorie? Du kannst übrigens auch selbst Beiträge in Mein Parteibuch verfassen, wenn Du Dich registrierst.
Das gefällt mir! Unsere Diskussion hat etwas bewirkt. Auch wenn es erst mal nur Nebel ist. Aber im Nebel kann ja etwas kondensieren.
Ich habe das gerade mal überflogen: Noch ist es sehr neblig und es muss konkreter, sachlicher, deutlicher werden. Auch in der Überschrift. Natürlich kannst Du alles von mir zitieren, was Dir nützlich erscheint. Ich werde auch mitmachen, allerdings noch nicht in dieser Nacht, denn morgen habe ich auch noch was vor …
Es ist aber ein spannender Gedanke, eine Vision für eine friedliche, pluralistische, solidarische, globale Gesellschaft mit einem Wiki zu entwickeln. Das wäre ja fast schon ein Titel – Vision für eine globale Zivilisation …oder so ?! Was sollte so eine Zivilisation für Ziele haben, wie werden die Menschen satt, wofür sollten sie ihre Zeit investieren und wie sollten sie miteinander umgehen??
Über den offenen Beitrag könnte man beispielsweise ‚Provokant und parteiisch’ schreiben, ‚Neue Ethik oder blutige Revolution’, ‚Vor dem Urknall’, oder …‚Mission Statement’. Das ist ‚ein weites Feld’ und Dir fällt da sicher was ein.
Nur noch eine Bemerkung: Entwicklung ist nicht Revolution. Hier geht es um die Begriffe Qualität und Quantität. Natürlich hat sich die Bundesrepublik entwickelt, und nicht zu knapp. Aber es ist die Bundesrepublik geblieben, auch wenn sich viel gegenüber 1950 verändert hat. Es hat eine quantitative Weiterentwicklung stattgefunden, aber es fand kein Umschlag in eine neue Qualität statt. Du hast Recht, über eine (sehr) lange Zeit kommt auch eine neue Qualität zustande, aber mit einer Revolution geht es schneller.
Und ganz entscheidend ist: Manche Dinge kann man nicht durch Weiterentwicklung aus der Welt schaffen. Beispielsweise das Streben nach Ansehen/Macht und die inflationäre Zinswirtschaft. Die beiden Aspekte sind die Ursache dafür, dass heute eigentlich nur noch einen Wert existiert: Geld. Aus meiner Sicht hilft da nicht einmal eine Revolution, denn hier geht es um genetische Programmierung.
Schön, dass ich doch noch nicht so tatterig bin, dass ich den Link nicht gesehen habe. Danke …!
@Al
Schaun wir mal, wie es weitergehen kann. Den Beitrag habe ich absichtlich so undeutlich und wenig konkret gehalten, damit sich das Kondensat, was dann konkreter werden sollte, aus der Diskussion heraus entwickeln kann.
Ich empfinde das übrigens als ungleich schwerer, einen wenig konkreten und dafür entwicklungsfähigen Artikel zu schreiben, der eine Art Grundkonsens im Kern von Gemeinsamkeiten enthält, als zu konkreten politischen Gegebenheiten Stellung zu beziehen.
Den Titel des Ziels der Idee habe ich auch bewußt offen für eine Diskussion gelassen, genauso wie ich mich bemüht habe, eine Vision zu vermeiden. Das Wort Vision hat für mich einen pathologischen Beiklang, ich denke eher an so etwas wie an ein grundlegendes gedankliches Leitbild. Vielleicht findet sich aber auch ein besseres Wort, vielleicht ist auch das Wort Vision besser geeignet. Vielleicht reite ich zuviel auf der Sprache und Ausdrucksweise herum? Ich denke, dass die wohlüberlegte Wahl der Worte so wichtig ist, weil Worte die Teilchen sind, aus denen die Idee besteht.
Von den von Dir angesprochenen Fragen halte ich die Frage, wie Menschen miteinander umgehen sollten, für die grundlegende Frage, aus der die Lösung der anderen Fragestellungen entwicklet werden kann. Dies ist der Grund dafür, warum ich versuche, zuerst Gedanken zur Ethik anzustellen. Ethisches Verhalten äußert sich insbesondere im Umgang miteinander.
Ich finde “Offener Beitrag” als Titel gar nicht schlecht, habe den Beitrag unter dem Titel auch schon einige Male verlinkt. Dafür, dass der Beitrag gefunden wird, ist ohnehin nicht der Titel maßgeblich, sondern sind eher die Verschlagwortung und die Referenzen, also die Links, maßgeblich. Ich habe inzwischen Links vom Beitrag im Parteibuch Wiki und einen Link vom Mission Statement hierher eingefügt.
Ich meine, nur durch Entwicklung kommt eine neue Qualität zu Stande, ganz so wie in der Bundesrepublik sich viel verändert hat gegenüber 1950. Ich glaube, eine Revolution verhindert die Entwicklung einer neuen Qualität. Ich sehe eine Revolution eher als etwas an, was Personen und die Flagge, unter der sie handeln, ersetzt, was jedoch keinen positiven Einfluß auf die Grundhaltung, auf die Qualität, hat. Zu dieser meiner Theorie passen zum Beispiel der reichliche Gebrauch der Guillotine nach der französischen Revolution und die “Säuberungen” nachstalinistischer Art in Rußland, die meiner Ansicht nach ein Indiz für gesellschaftlichen Rückschritt anstelle von Fortschritt durch Revolution sind.
Ich sehe die Welt so, dass man Dinge nur durch Weiterentwicklung aus der Welt schaffen kann. Recht gebe ich Dir, dass man nicht alle Dinge aus der Welt schaffen kann, mit manchen Dingen müssen wir einfach lernen, umzugehen, so wie wir mit der schrecklichen Vorstellung klarkommen mußten, dass sich nicht die Sonne um die Erde dreht, sondern die Erde um die Sonne. Dagegen hilft keine Revolution, wir müssen lernen, damit umzugehen.
Ähnlich sehe ich das mit der “inflationären Zinswirtschaft”. Ich denke, die Entwicklung hin zu einer Geldwirtschaft ist eine Naturkonstante, mit der wir umzugehen lernen müssen. Ich denke, wir müssen lernen, die Naturkräfte der “inflationären Zinswirtschaft” für die Entwicklung einer “besseren” Gesellschaft zu nutzen. Ich will nciht verstecken, dass ich durch meine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung in meiner wirtschaftspolitischen Einstellung möglicherweise geistig vorbelastet bin.
Ganz ähnlich sehe ich den Umgang mit dem Streben nach Macht und Ansehen. Ich denke, wir müssen lernen, da etwas gutes draus zu machen. Ich möchte diese Kräfte gern für eine solidarische Gesellschaft nutzen. Im Streben nach Macht halte ich eine größere Betonung von so etwas wie Fairplay-Regeln für sinnvoll.
Im Streben nach Ansehen könnte ich mir vorstellen, zu veröffentlichen, wieviel Steuern jemand zahlt. Wer also viele Steuern zahlt, der könnte dann ein größeres Ansehen erlangen als jemand, der wenig Steuern zahlt. Wenn dann die gesellschaftliche Stimmung sich auch noch so dreht, dass es nicht als dumm sondern als ehrenvoll gilt, viele Steuern zu zahlen, dann könnte das Streben nach Anerkennung positive Effekte für die Gesellschaft haben. Auf ähnlichen Effekten beruht übrigens auch das Wohlfahrtswesen, warum sollte man nicht versuchen, sich das auch für den Staat zu Nutze zu machen?
Ich möchte also nicht die genetische Programmierung ändern, sondern die Art und das Bewußtsein, wie damit umgegangen wird.
Deine Bemerkung zum Artikel habe ich in die Diskussion zum Artikel verschoben, ich denke, dafür ist die Diskussionsseite zu jedem Artikel da.
[…] Im Nachgang zu meinem Diskurs mit Al im offenen Beitrag habe ich unter dem Titel Verdichtung eines Nebels zu einem festen Ankerpunkt einige Grundgedanken über die Notwendigkeit einer neuen Ethik für das Informationszeitalter in das Parteibuch Wiki geschrieben. Al hat im offenen Beitrag von einer Vision für eine friedliche, pluralistische, solidarische, globale Gesellschaft gesprochen. Ich meine, es fehlt den Handelnden an der Orientierung an ethischen Maßstäben. Wer andere abzockt, der gilt schlau. Ich meine, es fehlt an einer neuen Ethik. […]
Hello Marcel,
erst jetzt komme ich dazu, auf Deine Nr. 20 zu antworten:
Der Nebel hat sich noch nicht gelichtet. Aber das kann ja noch werden. Nach einigen Überlegungen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ein Wiki sehr gut zu einer solchen Meinungsbildung geeignet ist: Erstens wird nicht nur geredet, sondern es muss geschrieben werden. Das führt dazu, dass man konkreter werden muss. Es können sich auch alle problemlos beteiligen, die dazu eine Meinung haben. Und drittens ist ein Wiki tatsächlich besser als ein Arbeitskreis, denn es wird nicht soviel gequatscht, sondern wesentlich intensiver gearbeitet – Es wird nämlich direkt am Ergebnis gewerkelt: An einem Text, der das Endprodukt ist. Bisher wird die Wiki-Technik in Wissenschaft und Forschung in dieser Weise erst selten als Methodik benutzt. Das wird sich ändern.
ABER es gibt ein Aber: Wie bei jedem Arbeitskreis oder Teamwork liegt der Erfolg entscheidend bei der Moderation, bei der Leitung. Wenn nur Nebel vorgegeben wird, ist zwar das Ergebnis völlig offen, aber dafür (deswegen) kommt in der Regel auch nichts zustande. Nebel bleibt Nebel.
Ich denke, man muss in den Überschriften schon die Struktur des eigentlichen Produkts vorgeben. Und dazu muss der Chef oder/und eine sehr kleine Strategiegruppe wissen, wo es hingehen soll. Mit meinen Worten: Ein solches Wiki muss methodisch sorgfältig vorbereitet sein.
Ein methodisches Beispiel, was ich darunter verstehe: Unter 19. habe ich einen Satz geschrieben, der eine Strategie beschreibt und sich als Struktur eignen würden:
„Was sollte so eine Zivilisation für Ziele haben, wie werden die Menschen satt, wofür sollten sie ihre Zeit investieren und wie sollten sie miteinander umgehen??“
Daraus wird leicht eine Struktur (Überschriften):
1.Gegenstand (hier: Zivilisation)
2.Generelle Ziele
3.Existenzsicherung
4.Weltbild/Sinn des Lebens
5.Ethische Grundsätze
Hätte das Wiki eine zupackende Überschrift (z.B. Leitbild für ein globalisiertes Deutschland“) und wäre es in diese 5 Absätze gegliedert, würde es viel mehr zur Mitarbeit einladen, als das jetzt der Fall ist.
ACHTUNG. Das ist NICHT mein Vorschlag für Dein Wiki (dann hätte ich es schon umgebaut …!) sondern ich will nur demonstrieren, dass es mit der richtigen Methodik wesentlich effektiver funktioniert.
Und genau das schlage ich vor: Überlege Dir mit Deinen engsten Freunden, was Du mit dem Wiki produzieren willst und gib die Struktur vor.
Noch ein paar Bemerkungen zu Deinem Beitrag Nr. 20:
Natürlich sind die richtigen Worte sehr wichtig und ich bin auch so ein Wortklauber. Entscheidend aber ist, dass Du das Ohr an einer anderen Masse hast, als ich! Was sagt man zu dem, was ich ‚Vision’ genannt habe in Deiner Altersgruppe: Vision, Konzept, Programm, Leitbild, Entwurf, Projekt, Utopie …?? Du musst den Begriff wählen, der die meiste Motivation erzeugt.
Aus meiner Sicht ist die Frage, wie Menschen miteinander umgehen sollten, nicht der alles entscheidende Aspekt. Zu allererst müssen die Menschen satt sein, genug Wasser haben und nicht frieren, ein Dach über dem Kopf. Erst wenn die Existenz gesichert ist, kann man die nächste Schicht angehen: Familie, Kinder, Sicherheit, Komfort, Gott, Bildung. Erst mit der Bildung stellen sich in einer dritten Schicht solche grundlegenden Fragen wie Naturgesetze, Historie, Sinn des Lebens und Weltbild. Und erst hier geht es um Ethik und Moral.
Du gehst schon von dieser dritten Schicht aus, weil für Dich alles was davor kommt, gesichert erscheint. Aber genau das ist eine gefährliche Illusion: Die Globalisierung klaut uns die Arbeit und die Arbeitsplätze! Wie aber werden Deine Kinder und Enkel dereinst satt werden?? Ohne Arbeit und mit einer Sockelarbeitslosigkeit von vielleicht 10 Millionen in Deutschland??! Da hilft die beste Moral nichts …!
Und um auch das mal klarzustellen: Ich bin nicht für Revolutionen. Erstens weil sie meistens blutig sind und zweitens weil es zu einer Revolution erst kommt, wenn es allen so dreckig geht, dass niemand mehr etwas zu verlieren hat. Darauf aber kann kein vernünftiger Mensch hoffen.
Mir geht es nicht um Revolution, sondern um den Qualitätssprung. Und genau hier liegt das Problem. Schon um beispielsweise endlich in Deutschland ein vernünftiges, einfaches Steuersystem zu installieren, bedarf es eines Qualitätssprungs. Sonst quälen wir uns weitere 50 Jahre mit 476 Ausnahmeregelungen herum. Wie aber ist dieser Qualitätsprung (ohne Revolution!) zu erreichen?? Mit Entwicklung dauert es weitere 50 Jahre… bestenfalls. Und es gibt dutzende solcher Fälle in Deutschland, wo mit quantitativen Veränderung nicht schnell genug das Notwendige erreicht wird. Wir brauchen Qualitätssprünge: Im Renten- und Gesundheitssystem, in der Staatsverschuldung, in der Einnahmen- und Ausgabenstruktur, im Föderalismus, in der Bildung, in Europa … und endlos so weiter! Auf allen diesen Feldern muss eine grundsätzlich andere Politik zu Tragen kommen. Schnell. Morgen. Sofort!! Ich bezweifle, ob das mit Ethik und Moral zu erreichen ist.
Aber wie sind solche Qualitätssprünge ohne Revolution zu erreichen? Ich habe nur die Vision, dass man der Bildung einen qualitativ anderen und global wirkenden Stellenwert einräumt. Und auch dann dauert es noch mindestens 25 Jahre, bis das Früchte trägt …! Ich hoffe, Dir/Euch fällt etwas Besseres ein!
Wir sind uns einig, dass man das Streben nach Ansehen und Macht sowie die Zinswirtschaft (sie ist ja nicht nur hypothetisch inflationär, sondern tatsächlich …) nicht aus der Welt schaffen wird. Das aber verschärft die Frage, wie man zu qualitativen Veränderungen kommt. Denn der Mensch ist nun mal so. Er ist so genetisch programmiert und wer das ändern will, der hofft (vergeblich) auf den ‚Neuen Menschen’, der ja auch Grundlage des Sozialismus und Kommunismus war. Keine Vision, sondern eine Sozialutopie.
Zusammengefasst:
Unbedingt weitermachen, aber professionell, fachkund und gründlicher, zielführender Methodik!
Hier wurde was verschluckt.
Es muss heissen:
Zusammengefasst:
Unbedingt weitermachen, aber professionell, fachkundig und mit gründlicher, zielführender Methodik!
Hallo Al,
es freut mich, Dich wieder hier zu sehen. Fast schon habe ich gar nicht mehr damit gerechnet, unsere Diskussion fortzusetzen. Der Nebel hat sich zwar noch nicht gelichtet, aber drumherum ist schon ein bißchen etwas gewachsen.
Ich habe mir einfach mal erlaubt, mit deinen fünf Stichpunkten einen nahezu leeren Artikel “Ein Leitbild für ein globalisiertes Deutschland” anzulegen. Mal schauen, wenn ich den etwas bewerbe, vielleicht findet sich dann ja jemand, der das mit Leben füllt.
Ich meine auch, ich sollte versuchen, dem gewachsenen etwas Form zu geben, zum Beispiel durch so etwas wie eine Gliederung, durch die Entwicklung einer Aufgabenliste, durch Promotiontools oder durch die Beschreibung eines Meilensteins. Eine Übersicht der bisher erstellten Seiten zum Thema Informationszeitalter habe ich schon mal erstellt. In den letzten Tagen habe ich vor allem einmal versucht, herauszufinden, wer noch ähnliche Gedanken geäußert hat, wie ich sie habe - ich will schließlich nicht etwas machen, was andere schon vor langer Zeit viel besser begonnen haben. Erschreckend wenig habe ich dazu gefunden - Jürgen Habermas hat zwar mal einen ähnlichen Ansatz der Kommunikationsethik entwickelt, ich bezweifle jedoch, dass er sich so einfach auf die virtuelle Kommunikation im Informationszeitalter übertragen läßt.
Was den richtigen Begriff angeht, “Vision, Konzept, Programm, Leitbild, Entwurf, Projekt, Utopie”, da bin ich selbst mehr als unsicher, Visionen hatte Kirchhof, und da wurde gesagt, wer Visionen hat, soll mal zum Onkel Doktor gehen - ich denke, das scheidet für mich aus. Von einem Leitbild habe ich in Bezug auf die Wirtschaftspolitik der SPD berichtet, ich glaube, dieser Begriff ist aufgrund solcher Papiere negativ belegt, damit möchte ich mich nicht vergleichen. Eine Utopie scheint sich dadurch auszuzeichnen, dass sie nicht Wirklichkeit werden kann - ich möchte jedoch vor allem auch kleine realistische Ideen betonen. Konzept klingt nach Agenda, Programm nach Godesberg und Projekt klingt in meinen Ohren etwas nach Kampagne oder Propaganda. “Gedanke, Ankerpunkt oder Entwurf” sind Wörter, die in meinen Ohren besser, weil offener und weniger aufoktroyierend, klingen. Offenheit st schließlich ein wichtiger Kern der Idee.
Deinem Schichtmodell der Bedürfnisse, die vorrangig versorgt werden müssen, möchte ich widersprechen. Die Frage, ob zuerst die Grundbedürfnisse der Menschen versorgt werden sollen, oder ob zuerst angemessene menschliche Umgangsformen entwickelt werden sollen, ist in meinen Augen wie die Frage, ob Henne oder Ei zuerst da war.
Es ist ja nicht so, dass die Güter, die wir erzeugen nicht reichen würden, um die Grundbedürfnisse der Menschen irgendwie zu versorgen, sondern Menschen vor allem deshalb Not leiden, weil einige Menschen nicht an ihre Mitmenschen denken. Wie mit Verantwortungslosigkeit, Korruption und Gier von Mitmenschen umgegangen wird, halte ich für ganz wichtige Kriterien, die die Versorgung der Grundbedürfnisse der Menschen entscheidend beeinflußt.Selbst in Gebieten, wo absolute Notlagen herrschen, snd es vor allem schlechte menschliche Umgangsformen wie zum Beispiel Kriege, die dafür verantwortlich sind.
Ich denke da zum Beispiel daran, wie viele Lehrer und Erzieher in Berlin für die gut 3,6 Mrd Euro hätten eingestellt werden können, die die Bankenpleite bisher die öffentliche Hand gekostet hat. Ich denke daran, dass die Pleite vermeidlich gewesen wäre, wenn denn die Kontrollmechanismen nicht aufgrund von Kumpanei außer Kraft gesetzt gewesen wären.
Wenn Du sagst, dass auf den Politikfeldern “Renten- und Gesundheitssystem, in der Staatsverschuldung, in der Einnahmen- und Ausgabenstruktur, im Föderalismus, in der Bildung, in Europa” Quantensprünge notwendig sind, so erzählst Du damit keinem Politiker etwas neues.
Viele Politiker wissen in ihren Kompetenzbereichen ganz genau, was zu tun wäre, können jedoch nichts dran ändern, weil sie selbst abhängig von ihren Seilschaften sind, die sie in die Ämter gebracht haben. Parteien und Seilschaften sind streng hierarchisch aufgebaut, und haben kein anderes Ziel, als den Ausbau der Macht ihrer Mitglieder, egal, was da für eine Flagge über der Seilschaft weht und welche Ziele sie vorgeblich verfolgt. Viele Verantwortliche werden nur deshalb in die Ämter gebracht, um einen Weg zu finden, den Hahn zu öffnen, um abzuzocken - damit die Mitglieder der eigenen Seilschaft begünstigt werden. Kaderstrukturen, Parteidisziplin und Gruppendisziplin sind da Stichworte, die die Verantwortungslosigkeit begünstigen.
Genau hier setzt nun meine Forderung nach einer neuen Ethik und vor allem nach neuen Umgangsformen innerhalb der Partizipierenden, der Gruppierung oder der Sympatisanten an. Ich möchte keine Seilschaft schaffen, die die gleiche Politik der größtmöglichen Abzocke unter einem anderen Label fortsetzt.
Ich denke, die menschlichen Umgangsformen sind letztlich nur eine Sichtweise auf die Probleme der Welt, aber sie bieten den besten Ansatz, weil eine Verbesserung auch im allerkleinsten Kreis - also zum Beispiel zwischen Dir und mir - etwas vorteilhaftes ist.
Bedauerlicherweise habe ich nicht sehr viele Freunde, die das Hobby mit mir teilen, die Welt verbessern zu wollen. Allerdings verirrt sich hier auf meine Webseite doch hin und wieder mal der eine oder andere Besucher, der irgendwie das Gefühl hat, dass “die da oben” mit gezinkten Karten spielen. Mehr habe ich kaum, um das Projekt zu beginnen.
Mit der Idee eines dem Informationszeitalter angemessenen Internet-Schnellgerichts habe ich mal versucht ein Gedankenspiel zu einem besseren Rechtssystem zu starten.
Wie wäre es, wenn Du Dir einen Account anlegst und ein bißchen im Wiki am Projekt “Leitbild für ein globalisiertes Deutschland” oder “Entwürfe zur Informationsgesellschaft” mitschreibst und eine Struktur in die Geschichte bringst? Andersherum frage ich mich, wie ich den gewaltigen Schatz Deiner Webseite irgendwie besser nutzbar machen könnte.
Hello Marcel, einsamer Streiter für eine bessere Welt - Schönen Sonntag!
Du machst es Dir zu einfach. Ich habe laut und deutlich gesagt, dass dieser Titel und die fünf Überschriften kein Vorschlag, sondern die Illustration einer Methode sind. Das zum Wiki zu machen und darunter zu schreiben: „Vielleicht findet sich dann ja jemand, der das mit Leben füllt.“ ist Deine Methode. Ich missbillige sie, weil ihr die eigenen Ideen, die investierte Arbeit und die Professionalität fehlen. Ohne Arbeit und nur mit Wiki-Diskussionen wird man mit Sicherheit nicht die Welt verändern!
Bei der Diskussion um die ‚Irrtümer der Marxisten’ (Story 2003) habe ich schon einmal etwas zu denen gesagt, die die Welt verbessern wollen. Weil ich es kürzer nicht sagen kann, zitiere ich mich selber (an Frau Zitroneneis am 14.01.05): „Aber ich will Sie nicht von Ihrem Glauben an eine bessere Gesellschaft abbringen. Allen, die dieser Utopie nachjagen, würde ich aber empfehlen: Analysieren Sie zuerst die gegenwärtige Lage unter Berücksichtigung von 70 Jahren realer Sozialismus so ordentlich, wie Marx das für seine Zeit gemacht hat. Erst mit dieser Analyse können Sie ein Projekt für eine bessere Gesellschaft auf die Beine stellen. Und erst wenn dieses Projekt einer wissenschaftlichen Diskussion standhält, kann man daran gehen, es in die Tat umzusetzen. Wenn man diesen Weg nicht geht, dann ist der Grund dafür entweder Unvermögen, Faulheit, naiver Glaube oder Machtgier (PDS).
Schicken Sie mir das Projekt, wenn Sie es haben!“
Danke für die Einladung, aber ich werde an diesem Projekt aus mehreren Gründen nicht mitarbeiten:
1. Das ist nicht mein Fachgebiet. Ich bin nicht ausreichend für ein derartiges Projekt qualifiziert.
2. Ich bin zeitlich nicht in der Lage, eine fundierte Analyse zu erstellen.
3. Mir fehlt der Glaube an die qualitative Veränderung dieser Gesellschaft und damit die Motivation.
4. Das Maximum, was ich mir vorstellen könnte, ist eine globale Bildungsoffensive: Die globale Aufklärung. Aber schon das ist reine Utopie.
Interessant, was Du über den Handlungsspielraum der Politiker sagst und ihre Verstrickung in persönliche und parteiliche (hier stimmt das Wort!) Interessen. Das bestärkt meine Aussage im Punkt 3.
Ich stimme auch Deiner Ansicht nicht zu, dass die von mir genannten Schichten letztlich auf die Frage von Ei und Huhn hinausläuft. Du unterschätzt den massiven Einfluss von Hunger, Durst und Kälte, weil Du so etwas noch nie erlebt hast. Es braucht aber nur global der Strom für ein paar Wochen ausfallen und wir sind wieder so weit. Deshalb lass’ Dir mal meine Frage auf der Zunge zergehen und versuche ernsthaft, sie zu beantworten: „Die Globalisierung klaut uns die Arbeit und die Arbeitsplätze! Wie aber werden Deine Kinder und Enkel dereinst satt werden?? Ohne Arbeit und mit einer Sockelarbeitslosigkeit von vielleicht 10 Millionen in Deutschland??!“
Es gibt auch eine interessante Verbindung von Google zu unserer Diskussion in diesem offenen Beitrag: Google steht international mehrfach wegen seiner Geschäftsgebaren und wegen verdeckter Aktivitäten in Richtung Datamining in der Kritik. Sollte man die Produkte einer so umstrittenen Firma kaufen oder nutzen? Solle man mit ihr Geschäfte machen, wenn man gleichzeitig für eine neue Ethik streiten will?! Mit Sicherheit nicht!
Ich nutze in erster Linie Metager2, aber oft auch Google. Dafür aber streite ich auch nicht für eine bessere Ethik und Moral (bin aber trotzdem in vieler Hinsicht ein Moralist…). Über meine WebSite könnte ich schreiben: Unabhängig, kritisch und werbefrei.
Das kann ich mir leisten. Und das genau ist der springende Punkt: Du kannst Dir Werbefreiheit nicht leisten. Du glaubst, auf die Einnahmen von Google nicht verzichten zu können. Vielleicht sind die Zwänge wirklich so gross. Aber Dein eigenes Beispiel demonstriert exemplarisch, wie massiv diese Abhängigkeiten sind. Genau sie sind ein entscheidendes Kriterium dieses Systems! Und weil sie nicht qualitativ zu beseitigen sind (das inflationäre Zinssystem und der universelle Wert des Geldes), ist es illusorisch, in einer neuen Ethik den Hebel zu sehen, der die Welt verändert. Solange diese Gesellschaft so ist, wie sie ist, ist das kein Hebel, sondern höchstens Gegenstand elitärer Diskussionen.
Aber trotzdem und wie schon mehrfach gesagt: Weitermachen!!
Hello Marcel,
mein letzter Eintrag hat Dich wohl ausser Gefecht gesetzt?! Kein Wunder - Dir fehlen die Argumente. Wir gucken offensichtlich nicht in gleicher Weise über den Tellerrand. Ich habe inzwischen einiges in Deinem Parteibuch gelesen und festgestellt: Über weite Strecken Agitation und Propaganda mit teilweise erschreckendem Niveau.
Genau das, was Du mit Deinem Parteibuch © machst, wirfst Du ohne Sachverstand der Dosenpfandkanzlerin vor: Platteste Propaganda. So etwas hat man in der FDJ vom Sekretär für Agitation und Propaganda zwar erwartet, aber fast niemand hat die Erwartungen erfüllt. Der Normalo-FDJ-ler hat sich geschämt, in so ordinärer Weise zu argumentieren. Schliesslich waren alle bereits in der 8. Klasse in der materialistischen Dialektik geschult *). Jetzt ist das offensichtlich ganz anders. Wo bleiben in dieser parlamentarischen Demokratie Pluralismus, Toleranz und das eigene Denken ??!
*) … ein wesentlicher Grund für den Untergang des Sozialistischen Lagers: Die Leute hatten naturwissenschaftliches Wissen und sie haben ihren Verstand gebraucht. Gegen physische Macht kann er leider nichts ausrichten …
Ich hoffe, Du archivierst diese Texte und zeigst sie in 20 Jahren Deinen Kindern und Enkeln unter dem Mission Statement: Persönlich, parteiisch und kleinkariert.
Wie wäre es, auf Vernunft und Professionalität umzusteigen und sich den wirklichen Existenzproblemen dieser Welt zuzuwenden? Wenn Du Dich tatsächlich für eine andere Welt und für neue ethische Leitlinien engagieren willst, wärst Du beispielsweise hier genau richtig: http://www.worl...council.org/de/.
Hallo Al
ich bedaure, dass Du nun meinst, ich sei außer Gefacht gesetzt.Ganz so ist es nicht, auch wenn ich in der letzten Woche recht viel zu hatte und ich mir die Antwort auf deinen Kommentar stets für einen Zeitpunkt aufgespart hatte, an dem ich mehr Zeit für eine ausführliche Antwort hatte. Nun ist es heute auch schon wieder recht spät, aber trotzdem möchte ich noch eine kurze Antwort geben.
Ich denke nicht, dass die Gründlichkeit der Analyse von Marx auf das Informationszeitalter zu übertragen ist. Im Gegenteil, ich meine, heute ist im ersten Schritt weniger die Analyse selbst wichtig, als denn die Techniken und Plattformen zu finden, die bei der Analyse behilflich sein können. Die Analyse würde ich eher als ein wichtiges Ergebnis eines öffentlichen Prozesses sehen.
Die Ansicht, dass die Globalisierung uns Arbeit klaut, finde ich befremdlich. Ich meine, es sind Menschen, die Arbeitsplätze verlagern. Arbeitsplätze werden dahin verlegt, wo die Menschen die Arbeit besser oder preiswerter machen können oder wollen. Daran sehe ich nichts schlechtes, im Gegenteil, wenn chinesische Bauern Körbe flechten, weil das ihren Fähigkeiten entspricht und Deutsche stellen Konstruktionspläne für Autos her, und dann Chinesen mit Deutschen Handel treiben, dann halte ich das für eine insgesamt nützliche Sache für alle Seiten, auch wenn das nicht günstig für deutsche Korbflechter erstmal nicht ist.
Die Regeln, was besser oder preiswerter heißt, werden jedoch von Staaten durch vielfältige gesetzliche Regelungen gemacht, Arbeitsplätze werden auch nicht nur dahin verlegt, wo Menschen die Arbeit besser oder preiswerter machen können und was mit den deutschen Korbflechtern passiert, interessiert heutzutage auch kaum jemanden. Kapazitäten werden zusammengelegt, damit Monopole entstehen, auf denen zur Preisfindung nicht die Kosten, sondern die Zahlungsbereitschaft des Marktes angesetzt werden kann. Da setzt meine Kritik an der Globalisierung an.
Die Vorwürfe gegen die Google-Anzeigen kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen; ich halte Google für nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie im Vergleich zur Umgebung sehr sauber sind. Was sollen denn die schädlichen Aktivitäten in Sachen DataMining sein? Ich kann als Google’s Geschäftsmodell lediglich erkennen, dass Google versucht, so viel Content wie irgend möglich mit Werbung zu verknüpfen.
Zum zweiten Kommentar #26 möchte ich sagen, dass ich sicher lernfähig bin. Ich habe mir streckenweise große Mühe gegeben, an das Niveau der auflagenstärksten deutschen Zeitung zu kommen, leider ist mir das nicht immer gelungen. Einen wichtigen medialen Effekt habe ich dabei erleben können: weniger Qualität bedeutet in der Regel mehr Aufmerksamkeit. Ich will nicht verhehlen, dass ich noch nicht so recht weiß, welche Schlußfolgerungen ich aus der Erkenntnis ziehen soll.
Was das Gedächtnis angeht, so kannst Du beruhigt sein: das Web vergißt selten was. Den Link zum World Future Council schaue ich mir später mal detailierter an, dafür schon mal vielen Dank.
Das ist hoch interessant und eine richtige Erkenntnis:
“Weniger Qualität bedeutet in der Regel mehr Aufmerksamkeit.”
Was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Da wäre es doch sehr erstrebenswert, sich bei “Blond am Freitag” zu bewerben!
Was hat die temporäre, mediale Aufmerksamkeit mit der eigenen Lebensplanung zu tun? Entscheidend ist doch die Frage, welche sinnvollen und nützlichen Ziele man sich auf die Fahne schreibt und wie man es anstellt, diese Ziele durchzusetzen! Jede Menge globaler Probleme liegen auf dem Tisch und trotz medialer Aufmerksamkeit fasst sie niemand an!! Viel angenehmer ist es, sich in der Aufmerksamkeit der Medien zu sonnen, obwohl klar ist, dass man sich dafür nix kaufen kann und die Scheinwerfer schon nach 10 Minuten einem anderen Hype hinterher jagen …
Na, wie gesagt … Weitermachen!
Al,
vermutlich sollte man sich eher als Moderator bei TV total denn bei Blond am Freitag bewerben. Mit sinnvolleren und nützlicheren Sendungen wie dem Weltspiegel läßt sich soviel Aufmerksamkeit nicht erreichen.
Wenn Du schreibst, dass die entscheidende Frage sei, welche nützlichen und sinnvollen Ziele man sich auf die Fahne schreibt, so möchte ich dem widersprechen. Ich halte das Verfahren für entscheidend, in dem die sinnvollen und nützlichen Ziele festgelegt werden.
Aufmerksamkeit in den Medien läßt sich übrigens tatsächlich verrubeln. Frohe Weihnachten übrigens.