Wo immer ich in den letzten Jahren in Gegenwart von Neocons ansprach, dass in den USA eine vorher nie gekannte Gleichrichtung der Medien im Sinne der kriegstreibenden Republikaner zu sehen sei, wurde mir entgegnet, dass es zwar bei den Fernsehsendern und den News ein Übergewicht der Pro-Republikanischen Medien gebe, dass aber bei den Printmedien die Medien mit der höchsten Glaubwürdigkeit, die New York Times und die Washington Post, ausgesprochen parteiisch im Sinne der Demokraten seien. Ich habe dem stets entgegnet, dass die New York Times viele Artikel publiziere, die ganz im Sinne der NeoCons seien und dass die New York Times genauso gleichgerichtet sei wie der große Rest der Medien. Beweisen konnte ich meine Vermutung allerdings nie.
Diesen Beweis hat nun Judith Miller, Starreporterin bei der New York Times, unfreiwillig erbracht. Sie hat eingeräumt, dass ihr ganze Artikel direkt aus dem weißen Haus vorgegeben wurden. Zwei der wichtigsten Public Relations Strategen der Republikaner, George Bush’s Wahlkampfmanager Karl Rove und Dick Cheneys Stabschef Scooter Libby, haben der Starreporterin von der New York Times ihre Texte praktisch diktiert und den politischen Spin der Artikel vorgegeben. Damit wurde die New York Times zum Sprachrohr für die schmutzigen Dinge der Republikaner, die Dinge, mit denen jemand aus den eigenen Reihen diszipliniert werden konnte, und die moralische Verwerflichkeit aufgrund der angenommenen Nähe der New York Times zu den Demokraten der demokratsichen Opposition in die Schuhe geschoben werden konnte.
Von den Redaktionskollegen von Judith Miller wußte allerdings bis auf den Chefredakteur Bill Keller niemand davon, wie eng die Verbindung der Starreporterin ins weiße Haus wirklich war und dass sie die wichtgsten Medienmanipulatoren der Republikaner mit ihr indirekt praktisch mit am Redaktionstisch sitzen hatten. Schwer vorstellbar ist allerdings, dass vom Führungspersonal der New York Times niemand Bescheid wußte.
Neben der Aufdeckung der Unterwanderung der New York Times durch das weiße Haus mutet es fast schon wie Kleinigkeiten an, dass es mit Karl Rove und Scooter Libby Topleute aus dem weißen Haus waren, die die CIA Agentin Valeria Plame öffentlich enttarnt haben, um ihren Mann, den Diplomaten Joe Wilson, dafür abzustrafen, dass er in einer Kolumne der New York Times behauptete, der Irak hätte nicht wie von George Bush behauptet, versucht, sich Uran für den Bau einer Atombombe zu besorgen.
Da ein solcher Geheimnisverrat in den USA eine schwere Straftat darstellt, ermittelt die Staatsanwaltschaft seit geraumer Zeit. Um ihre Quelle zu schützen, ist Judith Miller sogar ins Gefängnis gegangen und hat auch noch viel Ruhm dafür eingestrichen dafür, dass sie die Pressefreiheit und den Informantenschutz damit verteidigt hat. Inzwischen sieht es jedoch so aus, dass sie in Wahrheit nur vertuschen wollte, wie eng ihre Beziehungen ins weiße Haus wirklich waren. Dass Dick Cheneys Stabschef Scooter Libby den Geheimnisverrat in Eigenregie begangen hat, ist schwer vorstellbar, wahrscheinlich erscheint vielmehr, dass Dick Cheney selbst am Geheimnisverrat beteiligt war, um potentielle weitere Kritiker in Reihen der CIA des von ihm aufgrund seiner wirtschaftlichen Interessen gewünschten Irakkrieges einzuschüchtern.
Wer also Informationen über die USA sucht, sollte besser Blogs wie DailyKos als Newspapers lesen und den TV News ohnehin nichts glauben. Offen bleibt die Frage, ob die Medienlandschaft in Deutschland so viel anders ist. Der Werbeeffekt für die neue rechtsliberale Zeitung Cicero durch den inszenierten Skandal um veröffentlichte Akten ist kaum bezahlbar, und irgendjemand im BKA hat denen da zugespielt. Und wie Kollaborateurin Judith Miller und ihr Boss Bill Keller schreien auch Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer und dem Star-Autor Bruno Schirra ganz laut die Worte Pressefreiheit und Informantenschutz.
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Na ja, deswegen gleich auf Blogs umzusteigen, finde ich ein wenig übertrieben.
Der Fall von Judith Miller ist mit Sicherheit kein Einzelfall. Dass die New York Times aber auch sonst manchmal neokonservativ schreibt, liegt daran, dass bei neokonservativem Denken die alten Grenzen zwischen konservativ und liberal verschwinden. Die sogenannten neoCons sind oft alles andere als republikanisch und treten oft sehr liberal auf. Wenn Du Dich naäher dafür interessierst, hier ein guter Artikel zum Thema:
Wolfowitz Welt verstehen
Das ist allerdings von einem Forscher der Hessischen Friedenstiftung und daher aufgrund des “linken Spins” mit Vorsicht zu genießen.
Für eine geeignete Selbstdarstellung der NeoCons empfehle ich Dir die Sachen, die William Kristol anfang der 90er geschrieben hat. Nicht die von heute, da werden einige Zielsetzungen nämlich schon nur verschleiert wiedergegeben.
Wieviel Du von Meinungsvielfalt hältst, zeigt Dein Kommentar über Cicero: “rechtsliberal”. LOL. Das zeigt, dass Du das Magazin noch nie in Händen hattest. Ausser natürlich Du möchtest z.B. Peter Glotz, der eine recht enge Beziehung zu Cicero hatte, auch als rechtsliberal bezeichnen. Frau Nahles hatte auch schon Beiträge. Auch rechtsliberal die Gute?
Ist deine Welt nicht schwarz-weiss, sondern rot-rechtsliberal?
@anonymer mit den vielen Pseudonymen
Stimmt, für Cicero würde ich im Traum kein Geld ausgeben. Denn wenn eine liberale Zeitung den Doppel-Chefredakteur von Welt und Berliner Morgenpost holt, was wird da wohl drin stehen? Andrea Nahles hat auch im Focus gebloggt und Heinz Buschkowsky aus Versehen sogar der JF ein Interview gegeben. Das hat wohl weniger zu sagen, was die politische Richtung angeht, als sich den Chef von Springer zu holen.
Stimmt Herr Bartels. Nur nicht zu kompliziert werden lassen, die eigene kleine Welt, gell.
Wie war das eigentlich mit dem Bafög in NRW? Ist das dort jetzt schon ein Landesgesetz?
@Jochen
Ich halte Wolfowitz nicht für so bedeutend, ich denke, der liefert nur einen ideologischen Überbau, der der Machtspitze der USA zur Rechtfertigung ihrer Politik sehr zupaß kommt. Wenn ich diese Affäre richtig verstehe, geht es hier direkt um Dick Cheney, einen weit wichtigeren Baustein im Machtgefüge von George W Bush. Die Welt von Dick Cheney schätze ich grundlegend anders ein als die des Ideologen Paul Wolfowitz - Cheney geht es vor allem um Geld und Öl. Ich will allerdings nicht ausshließen, dass ich mich in der Ideologisierung von Paul Wolfowitz irre und Dick Cheney viel mehr Überzeugungstäter ist, als es das für mich den Anschein hat.
ne ne, das siehst du schon richtig.
Wolfowitz wird in dem Artikel auch nur als Aufhänger für die neokonservative Ideologie genommen. Cheney dagegen - da gebe ich Dir recht - ist ein knallharter Republikaner, der halt einen “guten” Sinn für unsaubere Geschäfte hat.
Und wie immer unterteilt der Herr Bartels die Welt in schwarz und weiß, gut und böse, Nazis und aufrechte Menschen.
Ganz offensichtlich kennen Sie persönlich allerdings gar keine US-Amerikaner, denn im Gegensatz zu Ihrer eindimensionalen und parteihörigen Haltung (die mich schon häufig an den Parteigehorsam sozialistischer Kadergruppen erinnert hat) sind die meisten US-Amerikaner keine Ideologen, sondern pragmatische und tat- und lösungsorientierte Menschen und in der Regel Patrioten im positiven Sinne - und selbst vermeintlich “linke” US-Demokraten würden in Deutschland nach der Bartelschen Schubladensortierung als knallharte Rechtskonservative durchgehen.
Es gibt in den USA keine strenge ideologische Parteigruppierung, die dazu führte, daß sich die beiden großen Parteien gegeneinander deutlich abgrenzten, und Sie werden bei den Demokraten viele Befürworter des Irakkriegs, hingegen bei den Republikanern nicht wenige Kriegsablehner finden.
Die Welt ist zum Glück nicht so eindimensional wie Sie, Herr Bartels.
Wie so viele “Linke” in Deutschland machen Sie im übrigen offenbar den Denkfehler, US-amerikanische Demokraten als vermeintlich “linken” Gegenpol zu den Republikanern aufzufassen - da liegen Sie allerdings mal wieder arg daneben.
(So hat z.B. der Demokrat Bill Clinton Luftangriffe auf vermeintliche Waffenfabriken in Afrika angeordnet. Paßt natürlich nicht in Ihr primitives Gut=Links,Böse=Rechts-Weltschema?)
@Manni
Ich sprach hier vor allem über die Defizite der Medien in den USA. Dass Demokraten nicht links sind, ist mir klar. Ich definiere mich allerdings auch nicht als Linker. Dass Sie mich in dem Zusammenhang als links bezeichnen, erlaubt schon gewisse Rückschlüsse auf Sie zu ziehen. Aus ihrer Perspektive ist anscheinend jeder links, weil rechts nur die Wand ist.
“Wer also Informationen über die USA sucht, sollte besser Blogs wie DailyKos als Newspapers lesen und den TV News ohnehin nichts glauben.” - Da kommt man ja vom Regen in die Traufe! Unparteiische, faire und umfassende Berichterstattung haben Sie da offenbar nicht als Kriterium herangezogen. Mein Vorschlag: NPR (http://www.npr.org).
@Ludger
Nein, umfassend ist DailyKos sicher nicht. Aber eben eine wichtige Antipode zur Gehrinwäsche à la CNN.
Soso, rechts von mir ist also nur noch die Wand.
Werde ich von Ihnen also mal wieder in die Naziecke gerueckt.
Seien Sie doch wenigstens so mutig und sprechen Sie doch mal aus, was Sie denken.
Und daß ich Sie als links bezeichne, ist also verkehrt?
Bartels, Sie haben mal wieder Ihre Pillen vergessen.
Aber wie immer bei Ihnen:
Sie sondern irgendeinen selbstgefälligen merkbefreiten Quatsch ab, der hinten und vorne nicht stimmt - und wenn man dann auf diesen Unsinn eingeht, weichen Sie aus oder gehen auf das Thema gar nicht weiter ein, z.B. Ihre Befürwortung, Waffen nach China zu liefern - nachdem hier zu Recht von vielen Seiten protestiert worden ist… einfach aussitzen…
[…] Während Stabschef Lewis “Scooter” Libby von US-Vizepräsident Dick Cheney wegen Meineids, Rechtsbehinderung und Falschaussage angeklagt wurde, führten die Ermittlungen gegen Karl Rove, den wichtigsten Berater von George Bush, in Folge des Geheimnisverrats um die Identität von CIA Agentin Valeria Plame bisher noch nicht zur Anklage. Nachdem in der letzten Woche die US Medien, und allen voran die New York Times, ganz schlecht aussahen, geht es nun näher zum Kern des amerikanischen Machtapparats. Mit Lewis Libby ist erstmals ein Mitglied des eigentlichen inoffiziellen Machtzentrums der konservativen Falken um George W. Bush unter Anklage gestellt worden. […]
gut zu wissen, dass DEIN GERD ab sofort beratend (auch) für CICERO tätig sein wird, oder?
[…] Die Reihe der zufälligen und auffälligen Information Leaks auf Seiten unserer amerikanischen Freunde reißt nicht ab. Diesmal ist es die New York Times, deren Chefs bereits im Zuge der Affäre um den Geheimnisverrat von Lewis Scooter Libby zugeben mußten, ihre sensationell investigativen Informationen direkt vom Führungszirkel des weißen Hauses um George W. Bush zu beziehen, die den Bundesnachrichtendienst und damit Frank-Walter Steinmeier mit der Unterstützung der USA schwer zu belasten versucht. […]
[…] bei der New York Times fähig sind, hat Pulitzerpreisträgerin Judith Miller eindrucksvoll bewiesen. Die Autorenseite zur Originalausgabe findet sich bei Randomhouse, was bekanntlich eine Tochter von […]
[…] bei der New York Times fähig sind, hat Pulitzerpreisträgerin Judith Miller eindrucksvoll bewiesen. Die Autorenseite zur Originalausgabe findet sich bei Randomhouse, was bekanntlich eine Tochter von […]